{"id":118,"date":"2006-12-19T03:37:45","date_gmt":"2006-12-19T03:37:45","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=118"},"modified":"2011-12-28T17:29:51","modified_gmt":"2011-12-28T17:29:51","slug":"tag-x","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=118","title":{"rendered":"Tag X"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">So recht sicher bin ich mir nicht warum ich hier steh.<br \/>Ich glotze aus dem Fenster auf die vorbeifahrenden S-Bahnen und in der Spiegelung der Scheibe sehe ich mein eigenes Gesicht. Es langweilt mich.<br \/>Ich langweil mich<br \/>Mein Leben langweilt mich.<br \/>Alles, wirklich alles l&auml;uft wie ich es will. Nat&uuml;rlich, ich habs durchschaut. Aber Perfektion hat seine eigene Form von Folter. Wie oft hab ich schon meine Stimme angehoben und die M&auml;chte &#8211; wer im Endeffekt das auch immer sein will &#8211; angefleht mich lebendig zu machen.<br \/>Ich bin ein Statist in meinem eigenen Film und das Drehbuch ist so erb&auml;rmlich &ouml;de. <br \/>Wieder eine vorbeifahrende Bahn. Spiegelungen der Stra&szlig;enlaternen tanzen auf der gl&auml;sernen Oberfl&auml;che. Tanzen&#8230;ja tanzen macht mich gl&uuml;cklich. Vielleicht geh ich&nbsp; noch tanzen, wenn ich heute nochmal fertig werde mit dem niederstarren der Gleise.<br \/>Ein Mann bleibt hinter mir stehen und betrachtet mich. Ich rolle gedanklich die Augen und mache mir nicht die M&uuml;he mich umzudrehen und wie erwartet wendet er sich ab und verschwindet. Einmal, einmal in meinem Leben m&ouml;chte ich wirklich f&uuml;hlen. Aus dieser tauben Wirklichkeit entfliehen und dem nachgehen wof&uuml;r ich geschaffen wurde. Aus irgendeinem Grund muss es mich ja geben. Ich bin doch nicht nur da um dieses Leben hinter mich zu bringe. Manchmal bin ich mir dessen so sicher. Und danach bleibt nur wieder die Leere &#8211; weil wie immer nichts geschehen ist. Wie immer. Immer.<br \/>Ich lasse mich zu einem theatralischen Seufzen hinreissen.<br \/>Etwas &auml;ndert sich.<br \/>Fast so als w&uuml;rde ich von einer Sekunde auf die andere in einem Gewitter stehen. Mein K&ouml;rper kribbelt irgendwie. Ich h&ouml;re auf das hinter der scheibe zu fixieren und sehe neben meinem Gesicht ein anderes im Fenster. Eine Frau. Sie ist seltsam blass als w&auml;re sie krank.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp; &ldquo;Na so allein? &ldquo; sagt sie. &ldquo;Was wichtiges zu tun?&rdquo; Und sie blickt raus auf die Lichter in der Nacht um zu sehen nach was ich&nbsp; ausblick halte. Ihre Stimme ist ruhig, irgendwie angenehm. Ich l&auml;chle unwillk&uuml;rlich und sch&uuml;ttelt dann meinen Kopf.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp; &ldquo;Nein ich..&auml;hm&#8230;steh nur und guck raus&rdquo; Enorm geistreich Anna. Als ob sie dass nicht selbst gesehen h&auml;tte.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp; &ldquo;Willst du mitkommen? Ich habe geh&ouml;rt in der Stadt w&auml;re was los&#8230;heute&rdquo;<br \/>Ja klar will ich. Ich nicke und frage mich nichtmal warum mir dass so normal erscheint. Ich geh ja mit jedem Menschen mit der mich so anspricht. Altes Hobby von mir. Sie greift in Ihre Tasche und l&auml;sst ein St&uuml;ck von einer Semmel fallen.<br \/>???????<br \/>Sie bemerkt meinen doch verwunderten Blick und l&auml;chelt geheimnisvoll.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp; &ldquo; Ich will den Weg zur&uuml;ck nicht verlieren.&rdquo;beantwortet sie meine ungestelle Frage.<br \/>Ich muss sie immerzu anstarren. Katinka heisst sie. <br \/>Rein in die S-Bahn.<br \/>Raus aus der S-Bahn.<br \/>Treppen rauf r&uuml;ber runter.<br \/>Wir treffen auf eine Dame aus Wien. Ein Gruft. Ich sehs gleich. Ich kenn diese Menschen schon aus diversen Diskotheken. Wir reden &uuml;ber Gott und die Welt. Katinka sagt mein Name &#8211; Toth &#8211; k&auml;me ihr bekannt vor.<br \/>Innerlich lache ich. Der Tod kommt ihr bekannt vor hm?<br \/>Obwohl sie, mir kommt es so vor, ein Auge darauf hat mich ins Gespr&auml;ch miteinzubeziehen habe ich manchmal den Verdacht wir reden &uuml;ber zweierlei Dinge. Oder scheint es mir nur so?<br \/>Diese, gott was f&uuml;r ein Name, Vendariel hat eine Art Worte zu betonen dass sie ganz anders klingen. Aber Vendariel interssiert mich nicht. Katinka interessiert mich.<br \/>Noch jemand. Thomas?<br \/>V&ouml;llig absurd.<br \/>Wir laufen Quer durch M&uuml;nchen und sammeln wahl los leute. Wobei ich das Wahllos nicht unterschreiben w&uuml;rde. Aber ich erkennen keinen Zusammenhang. Noch nicht.<br \/>Ich laufe wie auf Watte. An irgendeiner Kirche bleiben wir stehen. Katinka spricht mit Vendariel &uuml;ber essen gehen. Keine schlechte Idee. Aber warum hab ich schon wieder das Gef&uuml;hl wir reden nicht &uuml;ber das gleiche? Wie paranoid.<br \/>Doch, ich will es garnicht glauben &#8211; es geht noch doller.<br \/>Nachdem sie aus mir unerfindlichen Gr&uuml;nden mit einem wildfremden Mann rumgeknutsch hat wirkt sie seltsam zufrieden, fast lebhafter, aber ich finde es passt nicht zu ihr. Andereseits kenn ich sie ja nicht. Oder? Deswegen lauf ich ihr auch schon seit zwei stunden nach.<br \/>Ich bin mir nicht ganz sicher ob ich dass alles nicht doch nur tr&auml;ume. Es will so garnicht zu mir passen. Schlie&szlig;lich erreichen wir eine offene Halle am Ende der Prinzregenten Stra&szlig;e. Weiss der Teufel wie die heisst. Dort sind andere die zu uns geh&ouml;ren. Ich weiss es schon bevor sie beginnt mir Namen zu nennen. Die Leute sind mir unheimlich. Ihre Augen blicken mich anders an. <br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp; &ldquo;Dass ist Anna, Anna das ist Malekin&rdquo; Katinka schiebt mich ein wenig zurecht und ich blicke den Kerle vor mir gro&szlig; an. Malekin. Steht das nicht auf dem Buch dass sie die ganze zeit mit sich rumschleppt?<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp; &ldquo;Sch&ouml;n die wieder zu sehen&rdquo; l&auml;chelt er und ich denk mir noch : Was will denn der von mir. Doch bevor ich mein Unverst&auml;ndnis Ausdruck verleihen kann spricht er weiter. &ldquo;Wir kennen und doch&#8230;oder nicht?&rdquo; Und auf einmal bin ich mir nicht mehr sicher dass ich ihn nicht kenne. Ich blicke mich unsicher nach ihr um. Sie ist die einzige die mir nicht unheimlich erscheint. Was t&auml;t sie wohl sagen wenn ich ihre ganzen &uuml;ber die stadt verstreuten Brotkumen wieder eingesammelt h&auml;tte?<br \/>Dinge werden gesprochen die ich nicht so recht verstehe. Ich nehms mal so hin. Warum auch nicht. Wir gehen in ein Kaffee. Sie an meiner Seite. Gl&uuml;cklicher weise. Ich vertraue ihr. Sie ist so wundervoll menschlich und lebendig. Die Gespr&auml;che am Tisch sind komisch. Da kommt noch ein Kerl der uns fotographiert. Dann l&auml;uft er weg. Dann wird er wiedergebracht.<br \/>Er sagt, er sagt nichts. Dann sagt er aber doch was und mir sollte es eigentlich zu dumm werden. So ne Posse.<br \/>Aber in ihrer N&auml;he will ich bleiben.<br \/>Wir sitzen zu&#8230;ich weiss nicht wievielt.und trinken lecker heisse schokolade &#8230;<br \/>&#8230;aber irgendwie bin ich die einzige der das zu schmecken scheint.<\/p>\n<p>Ich erwache am n&auml;chsten Morgen und frage mich ob ich gestern wirklich in M&uuml;nchen war. Ob ich sie wirklich gesehen habe<br \/>Und ich erinnere mich an eine Frage.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp; &ldquo;Kannst du dir vorstellen mehr Zeit mit uns zu verbringen?&rdquo;<br \/>Und ich erinnere mich das meine antwort ja war und mich begleitet das Gef&uuml;hl einen Pakt mit dem Teufel unterschrieben zu haben. Aber ich habe nichts unterschrieben.<br \/>Eine Einladung zu einer Party von Malekin.<br \/>Kann man von einem Traum aus eine Einladung schicken?<br \/>Ich sch&uuml;ttle die Gedanken von mir ab.<br \/>Katinka. Wenn sie dort ist werde ich auch dort sein, mir scheint fast als w&uuml;rde sie meinem Leben mehr Sinn geben als alles andere davor.<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So recht sicher bin ich mir nicht warum ich hier steh.Ich glotze aus dem Fenster auf die vorbeifahrenden S-Bahnen und in der Spiegelung der Scheibe sehe ich mein eigenes Gesicht. 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