{"id":12,"date":"2006-12-11T00:25:05","date_gmt":"2006-12-11T00:25:05","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=12"},"modified":"2011-12-28T17:29:48","modified_gmt":"2011-12-28T17:29:48","slug":"alternative-realitat","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=12","title":{"rendered":"Alternative Realit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">Ich sitze im Wintergarten, die Beine bequem auf einem Stuhl abgelegt. Meine Waffe auf dem Scho&szlig; und sehe durch das Glas ins Dunkle hinaus.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">Meine Gedanken?  <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">Vor nicht allzulanger Zeit hat mir Herr Vomisa erz&auml;hlt, dass ein Teil der Gruppe gehen wird. Sie werden ein Loch in die Biosph&auml;re sprengen und einfach gehen. Wenn es nach mir ginge w&auml;re ich dabei. Dieses ganze Szenario ist einfach zu krank, ich wei&szlig; nicht warum ich mich darauf eingelassen habe. F&uuml;r den Job? Na ich w&uuml;rde ich ihn schon nehmen, aber eigentlich bin ich nicht darum hier. Eigentlich habe ich meinen Auftrag und ich erf&uuml;lle sie immer, meine Auftr&auml;ge. Egal ob es mir gef&auml;llt oder nicht. Berufsethos, wenn man so will.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">Der dritte Tag und ich habe immernoch keine Ahnung, wer mein Zielobjekt ist &ndash; es ist blamabel &ndash; einerseits. Andererseits hat sich meine Motivation durchaus ge&auml;ndert, ich bin der festen &Uuml;berzeugung, dass dieses System das uns hier umgibt, daf&uuml;r ausgelegt ist um uns zu t&ouml;ten. Und ich lasse mich nicht gerne t&ouml;ten.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">Warum also, sitzte ich noch immer hier und starre in die Dunkelheit?<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">[i] Weil du nicht ruhst ehe du getan hast, wozu du hier bist..nein?[\/i]<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">Schritte n&auml;hern sich. Draussen huschen wei&szlig;e und rote Schatten durchs schwarz&#8230;[i] die Gruppe die geht&#8230;[\/i]&#8230;mein Blick defocusiert und legt sich auf die matte Spiegelung in den Fensterscheiben. Patrick..Herr Vomisa..whatever..seine Schritte sind es die ich h&ouml;re. Ich l&auml;chel schief &ndash; wollte er nicht ?<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">&bdquo;Da gehen sie&#8230;&ldquo; erz&auml;hle ich ihm, als er bei mir angekommen ist. Er nickt und tut es mir gleich &ndash; hinaus blickend. W&auml;hrend ich ihn &uuml;ber das spiegeln hinweg betrachte bemerke ich, dass er hier steht anstatt mit den Anderen zu gehen. Verwirrung.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">&bdquo;Warum bist du noch hier?&ldquo; frage ich und bin tats&auml;chlich neugierig.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">&bdquo;Das ist ein lange Geschichte&#8230;&ldquo;antwortet er und ich muss l&auml;cheln, ob dem Ton in seiner Stimme.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">&bdquo;Ich mag lange Geschichten&#8230;&ldquo;  <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">Ich sehe es nicht genau, aber ich glaube er l&auml;chelt, Er findet seinen Platz hinter mir, ans Glas gelehnt. Ausserhalb meines Blickfeldes. Es macht nichts, genug bezug &uuml;ber seine Stimme &ndash; sie ist angenehm ruhig und dunkel. Gef&auml;llt mir.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">Er erz&auml;hlt mir von sich&#8230;seinen Kindern&#8230;.seinem Auftrag, wer er war und warum er hier ist. Das er das Managment erpresst &ndash; erfolgreich und dass alles nur daf&uuml;r das seine Kinder &uuml;berleben. Ich w&uuml;nschte es h&auml;tte jemals in meinem Leben etwas gegeben, f&uuml;r das ich so gelebt h&auml;tte. Er hofft, dass Dr. Graf, seine Kinder versorgt &ndash; auch wenn er selbst hier vielleicht nicht mehr rauskommt.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">Vielleicht.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">F&uuml;r einen Augenblick wird mir schwer ums Herz &ndash; ich w&uuml;nschte er h&auml;tte mir nichts erz&auml;hlt.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">Meine Stimme klingt leiser als vorher, ich wende mich etwas in seine Richtung ohne mich wirklich umzudrehen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">&bdquo;Wenn deine Kinder versorgt werden, dann w&uuml;rdest du daf&uuml;r dein Leben geben?&ldquo;<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">Wieder nickt er und versetzt mir einen Stich. Ich k&ouml;nnte ihn m&ouml;gen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">Ich schnaube und sein fragender Blick liegt auf mir. Das f&uuml;hle ich.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">&bdquo;Warum bist du noch hier?&ldquo; ist es nun an ihm zu fragen. Ich&#8230;..ich w&uuml;nschte wirklich er h&auml;tte es nicht getan.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">&bdquo;Wegen dir..&ldquo;antworte ich gehorsam, mein Kopf kippt seitlich in den Nacken und ich sehe ihn von schr&auml;g vorne an. Die Fragezeichen in seinem Gesicht sind schwer zu &uuml;bersehen. Ein wahres Mienenspiel, von aufsteigender Erkenntnis bis zu v&ouml;lliger Ratlosigkeit.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">&bdquo;Will ich mehr wissen?&ldquo; fl&uuml;stert er leise und seine Stimme macht mir ein kribbeln im Bauch.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">Zur Antwort sch&uuml;ttel ich nur den Kopf. Seine Augen schlie&szlig;en sich f&uuml;r einen Augenblick, er sieht sch&ouml;n aus, wie er da so sitzt. Ein h&uuml;bscher Mann. Zu Schade.  <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">Ich setzte mich auf, lasse die Waffe zu Boden gleiten &ndash; sie ist jetzt &uuml;berfl&uuml;ssig. Ob dem Ger&auml;usch &ouml;ffnen sich seine Augenlider wieder und sucht meinen Blick &ndash; ich l&auml;chel schmerzlich und strecke ihm einen Hand hin. Er betrachtet sie, als ahnte er was geschehen w&uuml;rde. Ein kleines Nicken von ihm. Warum auch immer. Dann l&auml;sst auch er seine Waffe zur&uuml;ck, als er sich erhebt. Ebenso wie ich es tu.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">Einen Moment sp&auml;ter hat er meine Hand ergriffen und folgt mir das letzte St&uuml;ck zur&uuml;ck in das letzte Eck des Wintergartens, hinter einem kleinen Baum. Unglaublich was hier alles w&auml;chst. Beobachtete uns jemand,  vermutete er wohl, wir z&ouml;gen uns f&uuml;r ein Sch&auml;ferst&uuml;ndchen zur&uuml;ck &#8230;doch&#8230;.das trifft es nicht so ganz. Seine Hand ist ganz warm &ndash; ich mag das Gef&uuml;hl. Wieder das Ziehen in meiner Brust. Kann ich nicht einmal&#8230;einmal ablassen?<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">F&uuml;r eine Sekunde verst&auml;rkt sich sein Griff, reisst mich damit aus meinen Gedanken, ich wende mich zu ihm um &ndash; er ist ein St&uuml;ck gr&ouml;&szlig;er als ich und ich muss hochblicken. [i] Alles f&uuml;r seine Kinder?[\/i]<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">Er erwidert den Blick, ich mag seine dunklen Augen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">&bdquo;Was jetzt?&ldquo; seine Stimme so leise, dass ich ihn fast nicht verstehen kann &ndash; ich w&uuml;rde sie gern &ouml;fter h&ouml;ren. Ich lege meinen Zeigefinger auf seine Lippen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">&bdquo;Mach dir keine Sorgen&#8230;&ldquo; mein Finger l&ouml;st sich wieder und ich streiche ihm einmal &uuml;bers Haar, es damit zur&uuml;ck, auf das meine Hand in seinem Nacken zur Ruhe kommt. &bdquo;..Victor..&ldquo;<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">Es dauert ungef&auml;hr 2 sekunden bis etwas, das der K&ouml;rper wahrnimmt bis zum Gehirn getragen wird.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">In diesen 2 Sekunden strecke ich mich um etwas zu machen, das ich schon lange nicht mehr tat. Jemanden k&uuml;ssen. Ihn..k&uuml;ssen.  <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">Je nach ablenkungsfaktor ben&ouml;tigt das Gehirn ca weitere 8 &ndash; 10 Sekunden um eine bekommene Information zu verstehen und zu bearbeiten. In dieser zeit l&ouml;se ich meine Hand von seiner, und lasse einen kleinen Dolch aus meinem &Auml;rmel zwischen meine Finger gleiten. Ich f&uuml;hle wie sein Herzschlag rapide ansteigt und ein Teil von mir w&uuml;nscht sich, es w&auml;re ob meiner N&auml;he. Wahrscheinlicher aber ist, dass er beginnt zu verstehen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">Je nach Wichtigkeit der Information, kann nach dem erkennen und verstehen eine Reaktion sehr schnell von statten gehen. Ich sp&uuml;re ein Rucken in seinem K&ouml;rper, wie er seinen Mund im ersten Protest &ouml;ffnet ..ich nutze die Gelegenheit um mich in ihn zu schieben. Auf zweifacher weise. Einmal meine Zunge die seinen Weg zwischen seine Lippen findet, zum anderen die Klinge meines Dolches die sich von seitlich hinten durch den Stoff seines Anzuges, durch seine Haut, in sein Fleisch, seine Nieren dr&auml;ngt. Es gibt 263 Stellen am K&ouml;rper eines Menschen, welche bei einem Stich den unmittelbaren Tod zur Folge haben. Ich kenne sie alle.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">Er schaudert, seine Muskeln krampfen unwillk&uuml;rlich und im selben Zug, zieht es mich n&auml;her zu ihm. Es h&auml;tte soviele Gelegenheiten geben k&ouml;nnen, dieses Leib erschaudern zu lassen. Warum diese?<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">Die Kraft flie&szlig;t aus seinem K&ouml;rper, jetzt bin ich es der ihn h&auml;lt. Es dauert nicht lange, dann wird die Erwiderung meines Kusses schlaff. Wir gehen zu Boden und ich l&ouml;se mich von ihm. Setzte mich neben ihm und vergrabe meine Hand in seinem Haar.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">&bdquo;Es tut mir leid Victor&#8230;&ldquo; erz&auml;hle ich ihm leise. &bdquo;Du&#8230;.du warst tats&auml;chlich der letzte Memorator&#8230;ich wei&szlig; dass&#8230;.&ldquo;<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">Ich schweige und blick kurz durch das Glas nach draussen. Das Ende hier, wird nicht mehr lange auf sich warten lassen? Dann sehe ich diesen Mann neben mir wieder an.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">&bdquo;&#8230;ich wei&szlig; es, weil ich es war, der sie alle liquiderte.&ldquo;<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">Ich beuge mich zu ihm, k&uuml;sse seine Stirn und erhebe mich.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">Noch nie empfand ich Reue nach einem Auftrag.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">In dieser Nacht bin ich unsicher.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">Ich werde Sorge daf&uuml;r tragen, das seine Kinder &uuml;berleben.<\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich sitze im Wintergarten, die Beine bequem auf einem Stuhl abgelegt. Meine Waffe auf dem Scho&szlig; und sehe durch das Glas ins Dunkle hinaus. Meine Gedanken? 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