{"id":129,"date":"2006-12-19T03:54:55","date_gmt":"2006-12-19T03:54:55","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=129"},"modified":"2011-12-28T17:29:52","modified_gmt":"2011-12-28T17:29:52","slug":"der-andere-brief","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=129","title":{"rendered":"Der Andere Brief"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">Ich erwache. Mein K&ouml;rper ist fit. Aber mein Geist schreit nach Schlaf. Als h&auml;tte ich die Nacht damit verbracht R&auml;tsel zu l&ouml;sen. Vielleicht habe ich dass ja auch. Ich taste nach der Wasserflasche neben meinem Bett und kann sie nicht finden. <br \/>Ich seufze und ziehe die Vorh&auml;nge beiseite. Licht. Ich blintzle unwillig. Helles Licht ist wirklich ekelhaft wenn man nicht ausgeschlafen ist. Ein Schluck Wasser, dann tappser ich raus aus meinem kleinen Schlafzimmer und steige vorsichtig die Stufen runter zum Bad.<br \/>Moment.<br \/>F&uuml;r einige Sekunden stehe ich da und weiss nicht so ganz wo mein Problem ist. Irgendwas in meinem Schlafzimmer. Nach einigem Z&ouml;gern gehe ich zur&uuml;ck und sehe mich um. Nichts drin was nicht drin sein sollte&#8230;nichts fehlt. Nun gut.<br \/>Ich bes&auml;nftige die Fragen in meinem Kopf damit dass ich eigentlich noch nicht wach bin.<br \/>Auf dem Weg durchs Wohnzimmer sieht mich das Bild von den beiden halbnackten wundersch&ouml;nen Frauen in schwarz\/weiss an&#8230;darunter steht&#8230;&rsquo;What every man wants&rsquo;&#8230;<br \/>Abermals bleibe ich stehen und frage mich was daran nicht stimmt.So verharre ich bestimmt 5 Minuten, bis ich es schlie&szlig;lich sehe. Neben dem Bildrand ist nochmal ein Rand. Ein Rand hellere Tapete. Das ewige Los der Raucher. Gelbe Tapeten. <br \/>Also ein heller Rand. Das heisst, das Bild wurde bewegt. Ich wars nicht.<br \/>Ich sch&uuml;ttle meinen Kopf, gehe zu dem Bild und schiebe es wieder so hin, wie es vorher war.<br \/>Hm.<br \/>Ich bin unzufrieden.<br \/>Ich &auml;rgere mich.<br \/>Fr&uuml;her war es gut wie es hing&#8230;und jetzt?<br \/>Ich grummle und schiebe es wieder so zurecht, dass man den weissen Rand&nbsp; sieht.<br \/>Was f&uuml;r ein Hek-mek.<br \/>Ich beschlie&szlig;e mich nach der Morgentoilette umgehend wieder schlafen zu legen. Wenn der Tag schon so anf&auml;ngt&#8230;<br \/>W&auml;hrend ich noch &uuml;ber das Bild nachdenke f&auml;llt mir auch ein was im Schlafzimmer nicht gestimmt hat. Auf meinem Fenstersims steht eine Nachbildung von Horus. Dem &auml;gyptischen Gott der Falken. Der steht recht weit links, damit er nicht runterf&auml;llt wenn ich das Fenster &ouml;ffne&#8230; Das heisst er stand dort. Ein seltsames Gef&uuml;hl macht sich in mir breit. Nicht dass ich nicht schon genug Dinge h&auml;tte &uuml;ber die ich nachdenken kann.<br \/>Was zum Teufel&#8230;<\/p>\n<p>Ich will mich gerade runterbeugen um mir den Schlaf aus dem Gesicht zu waschen als ich den Ausschlag entdecke. Na&nbsp; Bravo. Wieder dauert es einige Sekunden, bis ich mir bewusst werde dass es kein Ausschlag ist. Sondern &#8211; ich blicke an mir hinab. -&#8230; Zeichen. Mir bekannt, aber lesen kann ich sie nicht. In meinem Gesicht. Auf meinen Armen. Ich erhebe meinen Blick und starre wie Hypnotisiert&nbsp; auf die Schrift die sich mir im Spiegel offenbart.<\/p>\n<p>Im Spiegelkabinett.<br \/>Jede Regung der Menschlichkeit. Wird verzerrt. Monstr&ouml;s. Wahrhaftiger?<br \/>Du stehst in der Mitte. Siehst die verzerrten Leiber und Geister der Toten, die noch leben. Das Leben imitieren. Verzerren. Verzehren.<br \/>Doch diese Bilder fl&uuml;stern. Reden zu Dir. Schreiben Dir Briefe. So viele Briefe. Heischen. Zerfleischen. Wollen Dich. Zu viel Aufmerksamkeit kann t&ouml;dlich sein. Merke auf! <\/p>\n<p>Die Freundlichkeit der Giovanni.<br \/>So f&uuml;rsorglich. Komm&#39; in die Familie. Wir sorgen f&uuml;r Dich. Beende den Zwist. Sie k&ouml;nnten Dir eine Familie sein?<\/p>\n<p>Der Zorn der Brujah.<br \/>So direkt. So kompromisslos. So ehrlich.<br \/>Sie verk&ouml;rpern, was Du versp&uuml;rst?<\/p>\n<p>Das faszinierte Interesse der Toreador.<br \/>Nein, ich denke nicht.<\/p>\n<p>Das Lachen der Ravnos.<br \/>Verwegen. Verf&uuml;hrerisch. Alles ein Spiel. K&uuml;mmere Dich um nichts, denn Du bist frei. W&auml;re das nicht sch&ouml;n? Endlich frei zu sein?<\/p>\n<p>Die Verzweiflung der Malkavianer.<br \/>Familie. Zorn. Sicht. Freiheit. Sie bieten Dir alles. Und mehr noch als bei den anderen wirst Du nichts davon bekommen. Nur Scherben werden Dir bleiben. Zweifel. Verzweiflung.<\/p>\n<p>So viele L&uuml;gen. So viele Wahrheiten. So viele Bilder hinter den Bildern des Spiegels. Aber ach. Nicht viel mehr als pathetisches, jugendliches Geschw&auml;tz, das ich Dir geben kann. Ein bedeutungsloser Brief unter vielen bedeutungslosen Briefen. Verzeih. Verzeih&#39; Malekin seine S&uuml;nden. Dir bleibt allein die Wahl, keine Wahl zu haben.<\/p>\n<p>Du hast uns ber&uuml;hrt. Uns schaudert. Willst Du die Wahl? Wir k&ouml;nnten Dir den sanften Tod schenken. F&uuml;r immer. Wir k&ouml;nnten Dir den Tod der Malkavianer geben, der Giovanni, der Ravnos, der Toreador, der Brujah. F&uuml;r immer. <br \/>Wie grausam wir sind. Verzeih.<\/p>\n<p>Du bist Malekin wichtig.<br \/>Malekin.<br \/>Anna.<\/p>\n<p>Ich k&ouml;nnte schockiert sein, weil ich nicht gemerkt habe dass jemand bei mir war.<br \/>Ich k&ouml;nnte b&ouml;se sein, dass jemand, ohne mich zu fragen meinen K&ouml;rper ber&uuml;hrt hat.<br \/>Ich k&ouml;nnte wahnsinnig werden, weil ich von meiner Haut die Dinge lesen kann die ich mir denke.<br \/>Aber ich stehe nur da und gaffe die einzelnen Buchstaben an. Einen nach dem anderen die zusammengef&uuml;gt Worte werden. So sinnvoll, so sinnlos wie jedes Zeichen f&uuml;r sich selbst.<br \/>Sind meine Gedanken so offensichtlich?<br \/>Oder nur f&uuml;r ihn?<br \/>F&uuml;r eine Sekunde sticht es mich dass ich garnicht weiss wie ich Katinka erreichen kann. W&uuml;rde sie es merken , w&uuml;rde ich nach ihr schreien? Oder sind das alles nur Hoffnungen? Einbildungen in meinem Kopf? Ich bin sicher sie versteht was ich gerade f&uuml;hle. <br \/>Ich k&ouml;nnte lachen. Wie von einem Malekin erwarten normales Briefpapier zu verwenden? Wo es doch so viel sinnvoller ist die Worte dorthin zu schreiben wohin sie geh&ouml;ren. Auf mich. In mich.<br \/>In einer Absurden Fantasie ver&auml;ndern sich die Buchstaben. Sie sind nicht mehr auf meine Haut geschrieben. Er hat sich IN meine Haut geritzt. Ich sehe wie er da sitzt und in liebevoller Kleinarbeit jeden Buchstaben in mich schneidet wohin er geh&ouml;rt. Manchmal fallen die Worte auseinander, weil dieser und jener Punkt nunmal keine Narbe tragen darf. Auf diese Weise verlieren sich die Worte. Doch es ist nicht schlimm. Denn jeder Schnitt, jeder Blutstropfen sagt mehr als genug. Mehr als ich erfassen. Ich verstehe und trotzdem ist es mehr als ich jemals verstehen k&ouml;nnte. Meine Denkf&auml;higkeit ist beschr&auml;nkt. All diese Information passt da nicht rein. Die einzelnen Aussagen stapeln sich aufeinandern. Ineinander. Verbinden sich und daraus entsteht noch mehr. Kein Unsinn. Alles in sich so sinnig dass es mich krank macht. Kurz bevor ich Angst haben muss dass mein Sch&auml;del platz geht ein Beeben&nbsp; durch meinen K&ouml;rper, dann werden die Wunden wieder zu Farbe, die Zeichen zu Worte und die Worte zu diesem Brief. Noch so ein Brief.<br \/>Mechanisch drehe ich den Wasserhahn auf. Wassertropfen fallen auf mein Spiegelbild und w&auml;hrend sie an der Oberfl&auml;che langsam hinabflie&szlig;en nehmen sie die Worte mich sich. <br \/>Bin ich diesem Wahnsinn gewachsen?<br \/>Hab ich ihn, oder hat er mich?<br \/>Hab ich die Wahl?<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp; &ldquo;Fragen &uuml;ber Fragen&#8230;&rdquo; Murmle ich. &ldquo;&#8230;und wie es weitergeht erfahren sie das n&auml;chstemal, wenn es wieder heisst: Kann den Wahnsinn S&uuml;nde sein!&rdquo;<br \/>Ohne noch einmal in den Spiegel zu sehen drehe ich mich um und lasse die Wanne voll laufen. Heute Abend werde ich Wolfenstein sehen. Ich bin neugierig und freue mich auf dieses Treffen. Ein St&uuml;ck Normalit&auml;t? Mal sehen.<br \/>Ein Bad wird mir jetzt gut tun.<br \/>Ich liege im heissen Wasser und lasse meine Gedanken wandern. <br \/>Eine Angemessene Antwort?<br \/>Ich kichere. Ich k&ouml;nnte meinen alten F&uuml;ller, in dem man die Tinte noch aufziehen muss, holen und ihn mit meinem Blut f&uuml;llen. Egal was ich schreibe. Es w&auml;re Antwort genug.<br \/>Bin ich verr&uuml;ckt genug?<br \/>Bin ich ver-r&uuml;ckt?<br \/>Ich tauche unter und wieder auf.<br \/>Ich bin.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich erwache. Mein K&ouml;rper ist fit. Aber mein Geist schreit nach Schlaf. Als h&auml;tte ich die Nacht damit verbracht R&auml;tsel zu l&ouml;sen. Vielleicht habe ich dass ja auch. 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