{"id":134,"date":"2006-12-19T04:01:25","date_gmt":"2006-12-19T04:01:25","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=134"},"modified":"2011-12-28T17:29:52","modified_gmt":"2011-12-28T17:29:52","slug":"kopfkrank","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=134","title":{"rendered":"Kopfkrank"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">Grelles Licht.<br \/>Ich schlie&szlig;e meine Augen.<br \/>Bum-Bum-Bum-ba-Bum. Mein Herzschlag tut was er will.<br \/>Schmerz in meine Kopf. Was ist geschehen?<br \/>Wieder dieses Licht.<br \/>Ich &ouml;ffne meine Augen und sehe zu ihm.<br \/>Der Wahnsinn hat einen Namen. Malekin.<br \/>Was ich sehe, ist mehr als mein Verstand fassen kann. Meine Lippen &ouml;ffnen sich, und ein Schrei dringt aus meinem Innersten &#8211; so laut &#8211; so gellend&#8230; Und dennoch dr&uuml;ckt er nicht mal im Ansatz aus, welcher Schrecken mich plagt. Ich bin nicht die einzige die Schreit. Alle Schreien. All die m&auml;chtigen Monster liegen am Boden, wie quiekende M&auml;use. Mein Knie versagen. Meine H&auml;nde legen sich auf mein Gesicht. Keine Sekunde l&auml;nger. Keine Sekunden l&auml;nger, will ich DAS ansehen m&uuml;ssen.<\/p>\n<p>Malekin et Malfeis&#8230; Und das zwischen Ihnen&#8230; Schlimmer als sterben. <br \/>Katinka klagt, wie die Weiber auf Hvar, die um ihre toten S&ouml;hne trauern. Ihr Weinen bricht mir das Herz und Tr&auml;nen rinnen &uuml;ber mein Gesicht. Malfeis steht im Raum, wie der wahrhaftige Selbst und ich begreife, warum Menschen an G&ouml;tter glauben. Wir liegen dar &#8211; uns windet im Schmerz. Eine kleine Bewegung seiner Hand, und die letzten, die widerstanden haben, beugen wimmernd ihr Knie. Wolfenstein. Malekin, muss tot sein. Er war es, dem dieses Geschenk galt. Wir, die im Raum waren, erfuhren nur einen Abklatsch des Wahnsinns &#8211; nur ein Hauch dessen, was IHN ber&uuml;hrte. Kann man Wahnsinn mit Wahnsinn bek&auml;mpfen?<br \/>Mein Kopf tockt leise gegen die Wand hinter mir. Von einer Sekunde auf die andere, wurde aus einer Party&nbsp; ein Schlachtfeld.<\/p>\n<p>Alles was vorher war, scheint Jahre vorbei. Die nette Kulisse. Das Theaterst&uuml;ck. Der Gedichtwettbewerb. Die am&uuml;santen Gespr&auml;che. Kantinkas Ehrlichkeit. Sam, die lacht. Wolfenstein, mit den blitzenden Augen. Thomasso, der auf mich achtet. Lyra, die mir immer noch so menschlich scheint. Josephas w&auml;rmende N&auml;he. Eine Farce. Alles ist Nichts. Unwirklich im Vergleich, zu dem was ich gerade f&uuml;hle. <br \/>Schon vorbei. Malfeis verl&auml;sst die B&uuml;hne und l&auml;sst uns zur&uuml;ck, ohne sich nur einmal umzuwenden. Er macht sich nicht einmal die M&uuml;he unsere J&auml;mmerlichkeit zu bel&auml;cheln. Applaus, Applaus! Malfeis gleich Malekin hat seine Vorstellung beendet.<br \/>Und schon bald danach, rappeln sich die ersten auf. Kriechen sie aus ihren H&ouml;hlen, wie die W&uuml;rmer nach dem Regen das sch&uuml;tzende Erdreich verlassen. Auch Malekin.<br \/>Aber an mir geht das alles vorbei. Keine Tr&auml;nen auf meinem Gesicht. Die, die ich Freunde nenne, greifen nach mir, streicheln &uuml;ber meinen Kopf. Ich wei&szlig; was sie denken. Sie denken, wenn es f&uuml;r sie schon so schlimm war, wie muss es dann f&uuml;r mich gewesen sein? Ich armes Kind. Arme Anna. Besorgte Fragen. Fragen, Fragen, kann nichts sagen,&nbsp; Plagen, Klagen, kann&#39;s nicht wagen zu versagen. Ich lache unber&uuml;hrt und schiebe sie von mir. F&uuml;r was halten sie mich? Meine Knie sind noch immer weich, doch ich erhebe mich, ohne zu wanken. Unruhe in mir. Josepha blickt mich verwirrt an, noch nie habe ich ihre helfende Hand von mir geschoben. Noch nie hatte ich weniger Hilfe n&ouml;tig. In mir brennt es. Wut. Hass. Ich bin es leid. So leid. Ein Wahn, kein Sinn&#8230; sieh was ich bin&#8230; ich lebe, ich bebe. Ja ich bebe. Ich hole Luft und drehe mich einmal um mich selbst. &Uuml;berblick gewinnen. Die fragenden Blicke, derjenigen die mich kenne ignoriere ich geflissentlich.&nbsp; Hilf dir selbst dann hilft dir&#8230;.. Malfeis? Wie? Egal.<br \/>Ah. Wolfenstein. Er h&auml;ngt in einem Stuhl, wie ein benutzter Waschlappen. Ein seltsames Grinsen huscht &uuml;ber mein Gesicht, ich wische mir die H&auml;nde an meinem Rock sauber und gehe zielstrebig auf ihn zu. Es gibt ein Buch, dass da hei&szlig;t &lsquo; Vom richtigen Zeitpunkt&rsquo;&#8230; Ich brauche so was nicht. Ich WEISS, wenn die richtige Zeit gekommen ist.&nbsp; Ob mir Irgendwer im Weg steht, bis ich beim ihm bin, bemerke&nbsp; ich nicht. Ich bleibe zwischen seinen Beinen stehen, st&uuml;tzte eine Hand links von ihm, eine rechts von ihm auf seiner Stuhllehne, beuge mich vor und blicke ihm in die Augen.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp; &ldquo;Wann hast du mich von dir trinken lassen&#8230;? &rdquo; Fl&uuml;stre ich leise, so z&auml;rtlich als w&uuml;rde ich zu einem Geliebten sprechen.<br \/>Ein L&auml;cheln, huscht &uuml;ber sein Gesicht. Ein Wolf der von seiner gerissenen Beute spricht. Ein Vater, der stolz die Cleverness seiner Tochter w&uuml;rdigt. Ein gebrochenes Tier, dass eine Wunden leckt und nicht die Kraft hat zu l&uuml;gen&#8230;. Und ich hab&#39;s gemerkt.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp; &ldquo;An dem Abend, an dem du dachtest Katinka sei tot. &rdquo;<br \/>Ich schnaube abf&auml;llig, und kann ihn immer noch nicht hassen. Wie viel Kraft liegt in ihrem Blut? Kainiten Blut.<br \/>Ich will ihm drohen. Will ihm klarmachen, dass ICH keine Spielfigur bin. Ich bin kein Nichts. Ich will sagen, dass er mir mehr von sich geben soll&#8230;. und w&uuml;rde es niemals tun, schon aus Trotz.. Ich will ihn auslachen, weil ich &#8211;&nbsp; kleiner Mensch &#8211; , einen Ravnos &#8230; Die Meister der L&uuml;gen&#8230; ausgetrickst habe. Aber ich wei&szlig;, dass er mir diesen kleinen Sieg g&ouml;nnt. Wie viel Spa&szlig; macht schon ein Spielzug, wenn ihn niemand w&uuml;rdigt. Und daf&uuml;r hasse ich ihn doch. Ich sto&szlig;e mich von ihm weg und gehe Richtung Ausgang.<br \/>Und da steht Thomasso. Irgendetwas an ihm scheint mir anders. Ich bin mir nur noch nicht sicher was. Eine Idee. Meine Hand auf seiner Schulter. Ich schmiege mich von hinten an und Fl&uuml;stre ihm ins Ohr&#8230; leise, leise&#8230; wohl wissend, wie viel ihm an&nbsp; mir liegt. An mir und meiner Freiheit, mich f&uuml;r ihn entscheiden zu k&ouml;nnen.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp; &ldquo;Er hat mir von seinem Blut gegeben&#8230;. &rdquo;<br \/>Er wirbelt rum und sieht mich an, und ich?&#8230;.. ich&nbsp; werfe.. einen fast beil&auml;ufigen Blick auf Wolfenstein und trete einen kleinen Schritt beiseite.<br \/>Ins Wasser f&auml;llt ein Stein, ganz heimlich still und leise, und ist er noch so klein, er zieht doch weite Kreise.<br \/>Dann stehen die beiden sich gegen&uuml;ber. K&auml;lte in mir. Genugtuung. Was sie reden h&ouml;re ich nicht. Muss ich aber auch nicht. Ich genie&szlig;e die Spannung. Ich kann die Macht der beiden f&ouml;rmlich f&uuml;hlen. Aufgeladen. Unter Strom. Und das kribbelt auf meiner Haut. Thomasso r&auml;uspert sich und ich erkenne es wieder. Damals bei einer Geisterbeschw&ouml;rung habe ich dieses R&auml;uspern schon geh&ouml;rt, und jemand den ich gar nicht leiden konnte, lernte ich kennen. Und pl&ouml;tzlich mache ich mir Sorgen. Pl&ouml;tzlich f&uuml;hlen ich mich schwach. Pl&ouml;tzlich habe ich Gewissensbisse. Da stehen zwei Wesen, die mir am Herzen liegen und sind kurz davor sich an die Kehle zu gehen. Ich muss das korrigieren. Muss es wieder richten. Ist doch alles nicht so schlimm. Ich versuche zwischen die beiden zu treten und sie zu trennen. Doch sie nehmen mich gar nicht wahr. Aber ich bin konsequent&#8230; und schlie&szlig;lich wendet sich Thomasso mir zu und erkl&auml;rt mit rauer Stimme und unsch&ouml;nen Worten, wie wenig ich Wert bin und dass es wohl besser w&auml;re, wenn ich das Weite suchte.<br \/>Das sitzt! &#8211; und ich entschwinde nach drau&szlig;en. Unwillig, denn ich habe nichts entgegen zu setzten. Menschen sind so&#8230; Unwichtig. So schwach. Ich will kein Mensch mehr sein.<\/p>\n<p>Ich habe mit Katinka geredet, habe ihr Vorw&uuml;rfe gemacht. Habe geschrien, Dinge durch die Gegend geworfen und massenhaft Zigaretten geraucht. Thomasso kam sp&auml;ter hinzu, hat sich entschuldigt&#8230; f&uuml;r die Dinge, die er aussprach, dass ist mir wichtig&#8230; aber ich kann es ihn nicht sagen. Eine Tr&auml;ne auf seinem Gesicht. Aus Blut. Sie weinen blutige Tr&auml;nen und irgendwie nimmt mir das die letzte Kraft.<br \/>Also sitze ich irgendwann da, wie eine leere H&uuml;lle. Singe immer wieder leise vor mich hin, dieses Lied, dass ich irgendwie f&uuml;r Katinka geschrieben habe. Ein Wahn, kein Sinn&#8230;<br \/>Sie ist bei mir, wir reden. Und ich glaube sie weint fast, als ich ihr sage, dass ich kein Mensch mehr sein will. Aber ist es Trauer oder Freude? Beides wohl. Und Sorge. Malekin kommt hinzu, und noch nie hatte ich weniger Angst vor ihm. Trotz all der Geschehnisse.<br \/>Die Beiden, zwei Seiten der selben Sache und beides liegt mir Nahe.<br \/>Sein kalter Wahnsinn und ihre warme Verr&uuml;cktheit. Oder war es doch umgekehrt?<br \/>So viele Dinge liegen klar vor mir wie noch nie. Und ich empfinde mehr Liebe, als ich meinem Ziehvater je entgegenbrachte. Oder verwechsle ich dieses Gef&uuml;hl mit der qu&auml;lenden Sehnsucht, die ein Heroinabh&auml;ngiger nach dem n&auml;chsten Schuss versp&uuml;rt? Macht es einen Unterschied??<br \/>Ihre H&auml;nde liegen auf diesem Buch. Malekins Tagebuch. Malekin gleich Katinka und die beiden reichen es mir im stillen Einvernehmen. Und ohne Z&ouml;gern greife ich danach, ber&uuml;hre sie&#8230; sie ber&uuml;hren mich&#8230; und dann ziehe ich es an mich&#8230; Und es gibt nichts weiter zu sagen.<\/p>\n<p>Wieder dieses grelle Licht.<br \/>Ich &ouml;ffne meine Augen und blicke an die dunkle Zimmerdecke. Schwei&szlig; auf meiner Haut. K&auml;lte in mir. Hass und Wut. Angst. Meine Hand tastet nach dem kleinen Buch das neben mir auf dem Nachtisch liegt.<br \/>Mein Kopf ist krank.<br \/>Ich kann es nicht an mich nehmen. Ich kann es nicht loslassen. So schlafe ich wieder ein.<\/p>\n<p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Grelles Licht.Ich schlie&szlig;e meine Augen.Bum-Bum-Bum-ba-Bum. Mein Herzschlag tut was er will.Schmerz in meine Kopf. Was ist geschehen?Wieder dieses Licht.Ich &ouml;ffne meine Augen und sehe zu ihm.Der Wahnsinn hat einen Namen. 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