{"id":141,"date":"2006-12-19T04:09:54","date_gmt":"2006-12-19T04:09:54","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=141"},"modified":"2011-12-28T17:29:52","modified_gmt":"2011-12-28T17:29:52","slug":"nebelschwaden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=141","title":{"rendered":"Nebelschwaden"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">13.10.2002<\/div>\n<div align=\"left\">&nbsp;<\/div>\n<div align=\"left\">Sonntag?<br \/>Annemarie Roseck. 36. Geb&auml;rmutterkrebs. Tod. Grau-gr&uuml;ne Augen. Dunkelblondes Haar. Nette Figur. H&auml;tte sie die Wahl gehabt&#8230; Wie h&auml;tte sie entschieden? Wie w&uuml;rden sie entscheiden? Ich sitze vor der Balkont&uuml;re und blicke in das Nichts hinaus. In meiner Wohnung ist es dunkel. Das liegt nicht daran, dass ich das Licht gel&ouml;scht habe, sondern daran, dass ich schon so lange hier vor der Scheibe verharre. Ich habe gesehen, wie die Sonne klammheimlich untergegangen ist.<br \/>Ich habe beobachtet, wie das Dunkel leise und unaufhaltsam &uuml;ber die Welt gekommen ist.<br \/>Und jetzt verfolge ich&#8230;beinah gebannt&#8230;wie der Nebel dicker wird und alles in Stille h&uuml;llt. Nebelschwaden die &uuml;ber die Stra&szlig;en und G&auml;rten kriechen. <br \/>Meine&#8230; Klientin&#8230; Liegt schweigend in ihrem Sarg. Im Hause Denk.Weich sieht sie aus&#8230;friedlich. Ist sterben sch&ouml;n? Macht tot sein gl&uuml;cklich? <br \/>Ich vergewaltige sie, sagte Christopher damals, als er mich zum ersten Mal sah&#8230;.oder mir zum ersten Mal begegnete&#8230; Oder&#8230; Egal&#8230; Langsam&#8230; Langsam verstehe ich was er meint.<br \/>Gleichg&uuml;ltig in welchem Zustand sie zu mir kommen..die Toten. Wenn sie mich verlassen&#8230;sind ihre Gesichter rein&#8230;ihre Mimik zufrieden. Ihre Kleidung perfekt. Ich entferne ihren Tod aus ihrem Anglitz. Wasche ihre Geschichten weg. Lasse sie scheinen wie sie nicht sind.. Nur schlafend. <br \/>Ha. Wie sich die Verwandten freuen w&uuml;rden. Wenn es tats&auml;chlich gesch&auml;he..dass sie aus ihrem Schlaf erwachten. Seit ich&#8230; SIE&#8230;die Kainiten kenne. Hat sich..auch meine Arbeit..nun ja ver&auml;ndert&#8230; Mein Chef hat es nie beobachtet, denn ich bin ein kluges Kind&#8230;aber bevor ich die Toten bearbeite, halte ich ihnen Feuer unter die Nase..und auch einen Pflock hab ich mir f&uuml;r die Arbeit zugelegt. Selbstschutz sozusagen.&nbsp; Wei&szlig; man denn, ob da auch jeder sicher ..richtig Tod ist? Und was wenn mir einer vor der Nase aufsteht? Und dann noch Durst hat? Schutz? Ich wei&szlig; nie, ob gerade jemand hier ist, oder ob ich allein bin. Passt Gonzo noch auf mich auf, obwohl ich&#8230;keine Giovanni zu werden gedenke? Leichenw&auml;scher, wird eine sehr surreale Aufgabe, wenn man seine freie Zeit mit Untoten verbringt. Ich seufze und beobachte wie mein Atem an der Glast&uuml;r anschl&auml;gt. Ist es so kalt hier? Oder ist mein Atmen so warm..so heiss? Verbrenne ich innerlich?<br \/>Mein Kopf f&auml;llt nach vorne, so dass sich meine Stirn an das k&uuml;hle Glas dr&uuml;ckt.<br \/>Links und Rechts jeweils meine Hand, als ob es draussen etwas zu sehen g&auml;be. <br \/>Seltsam im Nebel zu wandern, mit soviel Gef&uuml;hl ich Bauch.<br \/>Ich w&uuml;rde gerne durch den Nebel wandern, doch ich wage es nicht. Nicht dass ich hier im Haus sicherer w&auml;re. Wissen sie eigentlich wo ich zu finden bin? Ich mein ..jeder?&#8230;auch&#8230;die freundliche Familie Ponte&#8230;oder der Sohn&#8230;expliziet. Wenn der mich allein erwischt&#8230; Dann kann mir auch Gott nicht mehr gn&auml;dig sein. Und wer glaubt schon an Gott?<br \/>Was Katinka wohl gerade tut? Ich suche ihr Gesicht im Nebel. Aber keine Spiegelung in der Fensterscheibe. Keine d&uuml;nne Stimme die mich fragt, ob ich nicht mir ihr kommen m&ouml;chte. Aber allein bin ich nicht. Nicht wieder. Nie wieder&#8230;. Solange ich nur werden kann, was sie ist. Und so sehr sie sich daf&uuml;r&#8230;.hasst? &#8230;. Ich liebe sie daf&uuml;r&#8230;denn nichts anderes war f&uuml;r mich geplant. Ich bin mir sicher. Oder?<br \/>Durch den Garten huscht ein weisses K&auml;tzchen und ich sehe die Bilder eines Lebens vor meinem inneren Auge&#8230;oder sind es die Bilder eines Traumes&#8230; Es sind Bilder, dass reicht. Ich stelle mir vor&#8230;wie so ein Gangrel, ein s&uuml;&szlig;es kleines weisses K&auml;tzchen wird und kichere leise. <br \/>Komm&#8230;miez miez miez.<br \/>Bleib lieber weg&#8230;.husch husch husch.<br \/>Ich war in Katinkas Kopf&#8230;wer sonst hat schon so wirre Gedanken. H&auml;nsel und Gretel und die b&ouml;se Hexe. Schneeweisschen und Rosenrot verjagen Schneewittchen.<br \/>Ich drehe und wende meinen Kopf leicht und k&uuml;hle meine Wangen sorgsam.<br \/>Aus dem Nebel springt Wolfensteins Fratze auf mich zu und ich schrecke zur&uuml;ck. Er wollte mich t&ouml;ten. Und ich h&auml;tte da gestanden wie ein Opferlamm, w&auml;re nicht zur&uuml;ck gewichen, wenn sie mich nicht geschoben h&auml;tten. Mich besch&uuml;tzt h&auml;tten. Die Verr&uuml;ckten. Malekin. Katinka. Lyra. Der Seneschall. Vertraue niemanden. Vertraue allen. Wer bin ich? <br \/>Anna Toth.<br \/>Aber wenn ich nicht bald Malekin werde, verliere ich mich. Manchmal sind es Stunden, in denen ich unbeweglich verharre, weil ich einen Gedanken zu Ende denken MUSS. Zwingend. Oder weil etwas&#8230;das ich schon tausenmal gesehen habe&#8230;so wundersch&ouml;n ist.. Das es mir faktisch den Atem raubt. <br \/>Sonnentau. In meinem Bad steht Sonnentau. So wundervoll. Kleine Tropfen, auf den einzelnen H&auml;archen. Kleine zappelnde Leiber, die daran festkleben. Um ihr kurzes Leben f&uuml;rchtend. Und wenn man nur gen&uuml;gend Geduld hat, kann man beobachten, wie sich die Bl&auml;tter langsam einrollen&#8230;um das Opfer herum. Eine Spinne in gr&uuml;n ,die ihre Mahlzeit einkreist. <br \/>666 is the Number of the Beast.<br \/>Beauty and the Beast. Doch&#8230;ich verstehe Katinka. Es liegt soviel Wahrheit in jedem M&auml;rchen, dass man niemals aufh&ouml;ren sollte sie zu lesen. Wann habe ich das letzte Mal eines gelesen?<br \/>Ich verstehen Katinka. Was sagt das &uuml;ber mich aus? <br \/>Ich betrachte im Fenster wie mein Gesicht&nbsp; zu l&auml;cheln beginnt. Ich bin stolz. Ich bin stolz, sie kennen zu d&uuml;rfen. Und sie w&uuml;rde mich f&uuml;r derartige Worte verr&uuml;ckt rufen. Sie liebt Malekin und f&uuml;rchtet ihn. Streng ist er, sagte sie mal. Und sie ist Malekin und ich f&uuml;rchte es nicht&#8230; Wie dumm von mir&#8230;oder?<br \/>Die Hobbypsychologen Stimme in meinem Kopf fl&uuml;stert etwas von Mutter ersatzt, Mutter liebe die ich nie f&uuml;hlen durfte&#8230;und ich k&ouml;nnte mich scheps lachen. Welche Mutter w&uuml;rde ihr Kind denn schon t&ouml;ten? Ob sie den Prinzen schon gefragt hat? Denkt sie an mich? Vermisst sie mich? Warum&#8230;bin ich noch immer hier, in meinem Haus..und nicht bei ihr? W&auml;re ich nicht sicherer bei ihr&#8230; ? W&uuml;rde sie mich..bei sich haben wollen?&nbsp; Es ist so v&ouml;llig seltsam. Ich f&uuml;hle, und wei&szlig; dass ich schon ihr geh&ouml;re..schon zu ihr geh&ouml;re. Dass mich&#8230;&#8230;nichts..(Nichts?) Davon abhalten k&ouml;nnte. Ausser vielleicht&#8230; Sie&#8230;&nbsp; <br \/>Ich blicke in den Nebel..sehe Malekin et Katinka et Malfeis&#8230;wie sie sich an den H&auml;nden halten. Ihre Blicke nach oben gerichtet&#8230; Vereint..als geh&ouml;rten sie zusammen. Und der Anblick ist&#8230;genauso richtig..wie er mir falsch scheinen will. Malekin und Katinka sind eine Generation.<br \/>Nur einer in jeder Generation. Ich erinner mich als ich es h&ouml;rte, bei der Geisterbeschw&ouml;rung. Als Tinka erz&auml;hlte, vom Fluch der Malekin. Der Grund warum ich niemals Malekin sein k&ouml;nnte. <br \/>Die zwei, die eins sind, sind einer zuviel. <br \/>Wie absurd.<br \/>Wen w&uuml;rde ich mehr vermissen? Wer steht mir n&auml;her am Herzen? Was kann man tun? K&ouml;nnte ich?..Alles &#8230;alles w&uuml;rd ich geben..oder?<br \/>Es fr&ouml;stelt mich. M&ouml;chte ich den Wald im ganzen sehen?<br \/>Ist das ein Angebot?<br \/>War es ein Angebot?<br \/>Wie gut&#8230;. Wie m&auml;chtig ist er wirklich?<br \/>Die Zeit verrinnt.<br \/>Tick. Tack.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>13.10.2002 &nbsp; Sonntag?Annemarie Roseck. 36. Geb&auml;rmutterkrebs. Tod. Grau-gr&uuml;ne Augen. Dunkelblondes Haar. Nette Figur. 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