{"id":152,"date":"2006-12-19T04:24:44","date_gmt":"2006-12-19T04:24:44","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=152"},"modified":"2011-12-28T17:29:52","modified_gmt":"2011-12-28T17:29:52","slug":"eindrucke","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=152","title":{"rendered":"Eindr\u00fccke"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">04.11.2002<\/div>\n<div align=\"left\">&nbsp;<\/div>\n<div align=\"left\">Ich lese dieses Buch.<br \/>Es heisst Musik.<br \/>Ich lese es mit meinen Ohren.<br \/>Meine Augen geschlossen. Mein K&ouml;rper h&auml;lt still. Ganz still. Wie tot. Ein Buch zu jeder Zeit ist mehr als ich lesen kann.<br \/>Die Unvollendet&#8230;auf Wiederholung&#8230;ganz leise. Und bei jeder Wiederholung bemerke ich jene Stellen, die ich beim ersten Mal &uuml;berlesen habe. Und es h&ouml;rt nicht auf. Jedesmal wieder. Jedesmal. Und ich lese schon seit Stunden.<br \/>Erst das Buch,<br \/>dann nur noch eine Seite aus dem Buch,<br \/>dann nur noch einen Satz, von der Seite, aus dem Buch,<br \/>dann nur noch ein Wort, aus dem Satz, von der Seite, aus dem Buch,<br \/>dann nur noch einen Buchstaben, aus dem Wort, aus dem Satz, von der Seite, aus dem Buch.<br \/>Und dann?<br \/>Den n&auml;chsten Buchstaben, aus demselben Wort, aus demselben Satz, von der derselben Seite, aus demselben Buch.<br \/>Die wirkliche unendliche Geschichte.<br \/>Die Musik zu lesen h&auml;lt mich davon ab, die Gier zu f&uuml;hlen. Falsch. Es h&auml;lt mich davon ab, das Buch Gier zu lesen.<br \/>Es ist das bewegendste Buch. Dass mich am tiefsten in sich zieht. Geschrieben in jeder Sprache, mit den klarsten aller Worte. Musik les ich mit den Ohren. Gier lese ich mit mir, und die Gier liest mich. Erkennt mich, versteht mich, bewegt mich, erf&uuml;llt mich..<br \/>Ich konzentriere mich auf Musik.<br \/>Feingliedrige Buchstaben. Hingabe. Ja Hingabe.<br \/>Ich bin tot. Hab mich hingegeben.<br \/>Hingabe ist sch&ouml;n. Hingabe liest sich gut. Ber&uuml;hrt mich. Musik ist ein sch&ouml;nes Buch.<br \/>Irgendwann bemerke ich, dass neben mir ein Brief liegt.<br \/>Hat Katinka ihn dorthin gelegt?<br \/>Lag er schon immer da?<br \/>Hab ich ihn mitgebracht?<br \/>Wie lange lese ich schon?<br \/>Beinah m&uuml;hsam, l&ouml;se ich meinen Blick aus dem Nichts, klappe die Musik zu und betrachte den Brief.<br \/>Anna Malekin.<br \/>Anna.<br \/>An<br \/>A.<br \/>Ma.<br \/>Mal.<br \/>Malekin.<br \/>Ein unh&ouml;rbares vergn&uuml;gtes Glucksen ergreift mich. Ein Brief. Schick!<br \/>Mit viel Liebe und Hingabe (Hingabe ist gut) &ouml;ffne ich diesen Brief. Entfalte ihn&nbsp; enevierend langsam. Geruch. Das Buch Geruch lesen? Nein. Nicht jetzt. Ich betrachte die Buchstaben auf dem Blatt Papier. Die Abs&auml;tze. Das Schriftbild. Wann die Tinte dicker ist, wann d&uuml;nner. Wann die Linien zittern. Wann sie flie&szlig;en. Wie oft angesetzt wurde, ohne das Worte entstanden. Wie oft ein Wort unterbrochen wurde, weil der Schreiber unsicher war&#8230;und es dann doch zu Ende gef&uuml;hrt wurde. Wohin sich die Buchstaben neigen. Wie die Zeilen verlaufen. <br \/>Ich lese das Buch Schrift.<br \/>Es wurde freien Willens geschrieben. Ich schmunzle. Es gibt sich M&uuml;he h&uuml;bsch zu sein. Wie nett. Am Anfang z&ouml;gerlich, der Ansatz fehlte. Oder nein&#8230;nein&#8230;der Ansatz war da, aber der Anfang fehlte. Wo anfangen, wenn es soviel zu sagen gibt? Es hat sich von allein geschrieben, manchmal wurde es geb&auml;ndigt, weil es sich selbst schreiben wollte, ohne Kontrolle. Aber der Schreiber, schrieb nicht des Schreibens Willens. Er wollte Sich mitteilen. Er kontrolliert. Ein gef&uuml;hlvolles Wesen, dass sich hinter seiner Kontrolle versteckt&#8230;aber&#8230; Die Worte werden geschmeidiger. Es l&auml;sst mich hinter die Maske sehen. Es will sich offenbaren. Mit mir reden. <br \/>Ich l&auml;chle.<br \/>Der Schreiber dieses Buches mag mich. F&uuml;hlt f&uuml;r mich. Bin ihm wichtig. Ich sehe es an den sanften Schwingung der Buchstaben. Und an manchem Zittern. Nicht das Zittern der Angst vor&#8230;sonder der Angst um. Ein sch&ouml;nes Buch.<br \/>Ich will es schon sanft l&auml;chelnd zur Seite legen, als mir einf&auml;llt, dass ich den Brief ja auch lesen k&ouml;nnte.<br \/>Klar oder?<br \/>Briefe guckt man nicht nur an, man liest sie auch. Wei&szlig; doch jedes Kind.<br \/>Darum lese ich diesen Brief.<br \/>Wie viele Worte!<br \/>So viele Worte!<br \/>Die alle nur das eine sagen! Sie winden sich um sich selbst und jeder Satz birgt die gleiche Botschaft. Eine Botschaft an mich. F&uuml;r mich . Anna Toth die jetzt Malekin ist.<br \/>&ldquo;Sei mir nah!&rdquo; Sagen sie.<br \/>&ldquo;Vergiss mich nicht!&rdquo; Sagen sie.<br \/>&ldquo;Ich will dich nicht verlieren!&rdquo; Sagen sie.<br \/>Ich lese das Buch Gef&uuml;hl.<br \/>Schlie&szlig;e meine Augen und erinnere mich. An mein Herz, dass noch vor einer Sekunde erst gestockt h&auml;tte, um dann um so leidenschaftlicher zu schlagen. Kann ein Vampir f&uuml;hlen?<br \/>Ob Vampire k&ouml;nnen, wei&szlig; ich nicht. Aber in meinem Buch steht, dass ich kann. Ich f&uuml;hle meinen Puls nicht ansteigen, aber ich f&uuml;hle W&auml;rme. Nicht k&ouml;rperlich. In mir. W&auml;rme in mir. Wie Musik. Mich erf&uuml;llend. Ein neues Buch das ich lesen kann, um die Gier zu verdr&auml;ngen.<br \/>Thomasso stellt mir eine Frage.<br \/>Ich antworte ihm.<br \/>Drehe seinen eigenen Brief um, und ritzte mit der Spitze meines Silberringes die Worte feins&auml;uberlich darunter. Ich glaub ich sitz da sicherlich drei Stunden dran. Da ich das Buch Schrift lesen kann, muss ich selbst so genau schreiben. Ich will nicht, dass ihm schwindelig wird, wenn zu viel Informationen drin zu lesen sind.<br \/>Unsichtbare Buchstaben, das Papier verletztend.<\/p>\n<p>&lsquo;Ich bin tot.<br \/>Doch das, was mich bis ins Innereste ber&uuml;hrt bleibt am Leben.&rsquo;<\/p>\n<p>Als mein Werk vollendet ist, lege ich den Brief einfach wieder neben mich. Dort wo ich seinen fand. Ich schlie&szlig;e meine Augen, klappe die Musik wieder auf und lese weiter.<br \/>&nbsp;<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>04.11.2002 &nbsp; Ich lese dieses Buch.Es heisst Musik.Ich lese es mit meinen Ohren.Meine Augen geschlossen. Mein K&ouml;rper h&auml;lt still. Ganz still. Wie tot. Ein Buch zu jeder Zeit ist mehr als ich lesen kann.Die Unvollendet&#8230;auf Wiederholung&#8230;ganz leise. 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