{"id":155,"date":"2006-12-19T04:27:57","date_gmt":"2006-12-19T04:27:57","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=155"},"modified":"2011-12-28T17:29:53","modified_gmt":"2011-12-28T17:29:53","slug":"schlaf","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=155","title":{"rendered":"Schlaf"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">17.11.2002<\/div>\n<div align=\"left\">&nbsp;<\/div>\n<div align=\"left\">Erinnerst Du Dich an Deinen Tod. Toth. Malekin?<br \/>Die Sonne geht bald auf, es wird Zeit schlafen zu gehen.<br \/>Leg Dich nieder. Ich habe &#8230;<br \/>Ja. Ein Buch.<br \/>Ich lese es Dir jeden Morgen vor. Es heisst sterben. <br \/>Denn Du stirbst mit jeder Morgend&auml;mmerung.<br \/>Bist Tod solange die Sonne Leben schenkt.<br \/>Und erwachst mit jeder Nacht.<\/p>\n<p>Erkenne, dass ich es bin, was du willst &#8211;<br \/>Denn ich werd nicht mehr geh&rsquo;n.<br \/>Erkenne, dass Du mir ausgeliefert bist<br \/>Und lerne mich zu versteh&rsquo;n.<br \/>Ich schenk Dir Frieden, ein sanfter Traum<br \/>Ich werd Dir helfen, schenk&rsquo; mir Dein Vertrau&rsquo;n.<br \/>Oder?<br \/>Schlafe Jetzt!<\/p>\n<p>Dunkelheit. Ich schlafe wie eine Tote. Wie witzig. Aber wenn ich schlafe&#8230;wie kann ich mir dann Gedanken machen? Sollte ich nicht einfach &#8211; Nichts tun? Denke ich jeden Tag, w&auml;hrend ich tot bin? Und vergesse wieder? Vielleicht denke ich jeden Tag, das gleiche. Oder ich bin wach, und glaube nur zu schlafen. Oder ich lebe noch und tr&auml;ume nur tot zu sein. Ich bin in mir allein. Keine B&uuml;cher. Das ist &#8211; seltsam.&nbsp; Obwohl sie mir Unbehagen bereiten, mich qu&auml;len und in jeder Sekunde meine Aufmerksamkeit erfordern. Fehlt etwas, wenn sie nicht da sind. Wie ein h&auml;sslicher krummer Buckel, man lernt sich zu ducken und selbst wenn er verschwindet ist man nicht mehr frei genug, um aufrecht zu gehen. Some kind of masochism? Was f&uuml;r Bl&ouml;dsinn in meinem Kopf.<\/p>\n<p>Mir tr&auml;umt von dem jungen Mann, von dem ich nicht getrunken habe. Den ich nicht gejagt habe. Das Tier hat ihn f&uuml;r mich erlegt und macht mir ein Geschenk. Wie lieb. Es steht im Dunklen und h&auml;lt den K&ouml;rper mit beiden H&auml;nde vor sich. F&uuml;r mich. In der Mitte vierer S&auml;ulen. &Uuml;ber mir. Ich stehe darunter im Grase und sehe and&auml;chtig auf. Lesen muss ich nicht, dennoch nehme ich alles ganz klar wahr. K&uuml;hle Feuchtigkeit unter meinen nackten F&uuml;&szlig;en. Der volle Mond, der &uuml;ber dem Dreieck steht, sich in meinen Augen spiegelt und die Wahrheit in blasses Licht taucht. Wahrheit? Welche Wahrheit? Der dargebotene Leib ist noch warm. Ich kann es f&uuml;hlen, riechen. Ich will mich danach strecken, ihn an mich reissen und leeren. Das Tier wei&szlig; es und ich wei&szlig;, dass ich nichts tun darf. Gesch&ouml;pfe der Nacht, ans Licht gebracht. Ach gib mir! Ach f&uuml;ttre mich! Man darf nur t&ouml;ten was man wirklich liebt. Alles andere ist unehrlich. Warum? Doch noch weiter. Ich darf nur trinken was ich liebe. Wie kann ich jede Nacht von Neuem lieben? Muss ich doch jede Nacht aufs Neue trinken. Verwirrung.<br \/>Dar&uuml;ber werde ich nachdenken m&uuml;ssen. Wenn ich es finde, werde ich das Buch Liebe lesen. Um zu verstehen. Das Tier nickt &#8211; wie ruhig es sein kann &#8211;&nbsp; hebt&nbsp; sein Geschenk empor, als wolle es einen Segen sprechen. Dann schl&auml;gt es seine F&auml;nge in den Bauch des Mannes, reisst eine grauenvolle Wunde, deren Anblick mich gleicherma&szlig;en anzieht und abst&ouml;&szlig;t. Sein Inneres offenbart und Anna in mir erschaudert und wendet sich angewidert ab. Warum so grauenvoll? Warum nicht leise und z&auml;rtlich? <br \/>(Nur wer grausam ist , kann z&auml;rtlich sein. Nur wer hasst, kann lieben. Oder?)<br \/>Wie sehr muss es lieben, wenn es so grausam sein kann?&nbsp; Es bereitet mir Kopfschmerzen. Anna bes&auml;nftigt mich und wir beide beobachten, wie sich die Bauchh&ouml;hle mit Blut f&uuml;llt. Unser K&ouml;rper bebt. Und die Gier f&uuml;gt uns zusammen. Die Gier l&auml;sst uns sterben. Mit qu&auml;lender Langsamkeit, kippt es den Kelch und gibt mir mein Leben wieder.<br \/>Alsoh &#8211; schlie&szlig;e ich meine Augen. Erwarte der Mutter z&auml;rtlichen Kuss. Und sie k&uuml;sst mich auf die Stirn. <br \/>Plitsch. Platsch. Regentropfen die an mein Fenster klopfen. <br \/>Blut das klopft, in mein Angesicht tropft.<br \/>Vom dritten Augen, rinnt es sorgsam hinab. Aus meinen Augenwinkel weint es, liebkost meine Wangen und sammelt sich zwischen meinen Lippen, wie ein Gedicht, das gesprochen werden will. Gegr&uuml;ssest seist du Kind Anna, voller Gaben, du bist geweiht unter den Frauen und geweiht ist die Sucht deines Leibes Malekin. Verz&uuml;ckt kostet meine Zunge von dem Gedicht.<br \/>(Also steh&#39; ich vor dem Spiegel anbei meinem Bild des vollen Mondes Schein,<br \/>erf&uuml;llt von der St&auml;rke meines Willens bin ich alle und allein<br \/>So denk ich die Worte So schreib ich die Worte So sprech ich die Worte <br \/>durch Wahrheit erkannt,hab ich es erlangt<br \/>vom Herzen ersehen, kann ich es verstehen<br \/>durch Schmerz erbracht, erf&uuml;llt mich die Macht)<br \/>Ein Quentchen nur. Ein W&ouml;rtchen nur. Eine Silbe. Erf&uuml;llt meinen K&ouml;rper. Was will ich mehr? Ich BIN eine G&ouml;ttin. Oder? Egal. Gib mir mehr! Mehr Blut, mehr Leben.<br \/>Wie es sich &uuml;ber mir ergie&szlig;t, wie es auf meine Lippen tropft, an meinem Kinn hinabflie&szlig;t, den Hals entlang, zwischen meinen Br&uuml;sten hindurch, meinen Leib mit rotem Tuch bekleidend. Kein Wahn! Ein Sinn! Ich&nbsp; r&auml;kel&nbsp; mich unter dem Tropfenden Leib, und anstatt das der Lebensflu&szlig;&nbsp; versiegt, verst&auml;rkt er sich, besudelt mich &#8211; ich lache, &ouml;ffne meine Lippen und trinke gierig&#8230;<br \/>Das Tier h&auml;lt den Leib einer Frau &uuml;ber mich.<br \/>&#8230;guuuuuuut schmeckt sie, die kleine s&uuml;&szlig;e Maus, h&ouml;re ihre Schreie, der Klang ihrer Stimme, so lieblich wie Honignektar, so sanft &#8211; streichelnd, meine Kehle hinab&#8230;hinab hinuter, ihr Leben geht unter und in mich rein. Ihr kleiner K&ouml;rper in meiner Hand, in meinen H&auml;nden ihr Leben, ich k&ouml;nnts ihr geben. Ich k&ouml;nnt. Ich muss. Schluss!<br \/>Alsoh &#8211; &ouml;ffne ich meine Augen.<br \/>Ich finde mich selbst, vor einem roten Sessel wieder. Dahinter der Spiegel. Ich erhebe mich in aller Seelenruhe und beobachte was geschieht. Katinka nimmt mich an der Hand und l&auml;uft mit mir raus. Wie zwei Verliebte. Das Tier folgt ihnen. Anna bleibt zur&uuml;ck und sieht mich durch den Spiegel fragend an. Traurigkeit in ihrem Blick. Sanftheit. Verletzlichkeit. Menschlichkeit. Sie ist sich wohl bewu&szlig;t, gestorben zu sein. Sie hat erkannt. Und ich beneide sie darum. Sie f&uuml;rchtet die Lust an dieser neuen Macht. F&uuml;rchtet die Gier und das Tier. Wie schwach. Wie klein und hilflos &#8211; und mein wertvollstes Kleinod. Bitterkeit. Ich erkenne und bitte sie dem&uuml;tig mir zu folgen. Was bedeutet schon Macht, wenn sie nicht durch eine liebende Hand gef&uuml;hrt wird ?<\/p>\n<p>Wach auf!<br \/>WACH AUF!<br \/>Erinnerst Du Dich&#8230;.<br \/>&Auml;rgerlich wische ich die Stimme aus meinen Gedanken. F&uuml;hle mich ger&auml;dert. Geht das? Kann man als Vampir unausgeschlafen sein? Ich glaube fast. Es ist wie fr&uuml;her. Eine dieser N&auml;chte, in denen man die Augen schlie&szlig;t und eine Sekunde sp&auml;ter die Augen wieder &ouml;ffnet, um festzustellen, dass die Nacht vorbei ist und der Schlaf, in dem man sich erholen h&auml;tte sollen, in einem Dimensionsloch verschwunden ist. Lustige Gewohnheiten die man nicht los wird oder wie? Irgendwie f&uuml;hle ich mich &#8211; eigenartig. Zum erstenmal, seit meinem Tod, nehme ich den Hauch einer seltsamen Traurigkeit in mir wahr. In den vielen rastlosen Tagen, hatte ich nie Bedenken, ob dass, was ich geworden bin &#8211; Recht ist. Jetzt liege ich hier und f&uuml;hle mich schmutzig. Was ist passiert? Ich muss mit Katinka reden. Ich glaube, ich habe nicht ein vern&uuml;ftiges Wort mit ihr gewechselt. So nah und so weit weg. In meinem Kopf pocht es, als h&auml;tte ich Kopfschmerzen. Sagte nicht irgendjemand, irgendwann, wenn man tot ist, w&auml;re es vorbei mit den k&ouml;rperlichen Gebrechen. Ich glaub&rsquo; der hat gelogen. <br \/>Um mich herum stapeln sich die B&uuml;cher. Ich habe heute keine Kraft sie zu ignorieren. Keinen Nerv zu widerstehen. So weich, so schwach. Ich&nbsp; sollte etwas zu mir nehmen. <br \/>Noch bevor ich meine Augen &ouml;ffne, w&auml;hle ich einige B&uuml;cher aus und beginne zu lesen. Nebenher. Meine Aufmerksamkeit, wird wohl etwas darunter leiden, aber es f&uuml;hlt sich&#8230;.irgendwie homogener an. Das Lesen kostet mich keine Kraft, nur das Nicht-Lesen.<br \/>Anna ach Anna, was soll ich mit dir machen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17.11.2002 &nbsp; Erinnerst Du Dich an Deinen Tod. Toth. Malekin?Die Sonne geht bald auf, es wird Zeit schlafen zu gehen.Leg Dich nieder. Ich habe &#8230;Ja. Ein Buch.Ich lese es Dir jeden Morgen vor. Es heisst sterben. Denn Du stirbst mit &hellip; <a href=\"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=155\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-155","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-die-tagebucher-der-anna-t"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/155","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=155"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/155\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":359,"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/155\/revisions\/359"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=155"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=155"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=155"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}