{"id":157,"date":"2006-12-19T04:30:45","date_gmt":"2006-12-19T04:30:45","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=157"},"modified":"2011-12-28T17:29:53","modified_gmt":"2011-12-28T17:29:53","slug":"s-bahndebakel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=157","title":{"rendered":"S-Bahndebakel"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">15.122002<\/div>\n<div align=\"left\">&nbsp;<\/div>\n<div align=\"left\">Ich war tanzen. Tanzen macht mich immernoch gl&uuml;cklich. Ich f&uuml;hle mich gut. Sitze in dieser S-Bahn und blicke aus dem Fenster. H&auml;nge meinen Gedanken nach. Das leichte Schunklen wirkt irgendwie beruhigend auf mich. Nach dem Debakel in Berlin sind sowohl die Dom&auml;ne Freising und die Dom&auml;ne M&uuml;nchen enorm vorsichtig. Es gibt keine Treffen. Ich vermisse es fast. Jetzt, da sie mich nicht mehr von sich weisen k&ouml;nnen. Jetzt, da ich eine von Ihnen bin. Wenn ich es bin. Da bin ich mir nicht sicher. Aber ich bin eine von Malekin. Und das ist alles alles was ich wollte. Ich klink mich da und dort in eine Art Forum f&uuml;r &#8230;. Unsere Art&#8230;ein. Das ist irgendwie ganz witzig. Interessant. Und ich setzte mich mit andere auseinander. Wenns schon keine Elysien hat. Ich l&auml;chle und betrachte mein Gesicht im Fenster. Mein blasses. Eigentlich besteht garnicht soviel unterschied zu vorher. Nun gut, meine Ern&auml;hrungsgewohnheiten haben sich etwas ge&auml;ndert&#8230;.und die B&uuml;cher. Aber davon abgesehen bin ich immernoch dieselbe. Und ich bin tats&auml;chlich gl&uuml;cklicher als fr&uuml;her. (Ach ja?) Wenn ich mich seltsam f&uuml;hle, muss ich nur daran denken, dass SIE jetzt in mir lebt. Ich durch sie lebe. Sie mich erf&uuml;llt. Dann finde ich Frieden. Dann f&uuml;hle ich mich gut. Ich lehne mich zur&uuml;ck und bin eigentlich ganz zufrieden mit mir.<br \/>&ldquo;Du sitzt auf meinem Platz!&rdquo;<br \/>Ich bin etwas irritiert, wende meinen Kopf und betrachtet den Typ der da vor mir steht. Muss eine Skin unart sein. Glatze. Bomberjacke. Springerstiefel. Diese Sorte Mensch, die nach &Auml;rger riechen. Es ist bestimmt schon halb zwei und in diesem Wagon sind maximal 5 Leute, die nat&uuml;rlich alle woanders hinsehen. Sein Platz hm? Ich sehe mich demonstrativ um, nur um klar zu machen, dass ich es eigentlich l&auml;cherlich finde, einen Platz zu verlangen, wo doch soviel Platz ist. Aber der Mann ist schon vom Schrankformat und ich habe nicht wirklich das Bed&uuml;rfnis mit dem aneinander zu geraten.<br \/>&ldquo;Wenn du hier sitzten bleiben willst, muss du zahlen Zuckerschnecke&rdquo; Er tritt so nahe an mich heran, dass er definitiv meinen pers&ouml;nlichen Freiraum einschr&auml;nkt.<br \/>(Frag ihn mal nach seinem Friseur!)<br \/>Ich unterdr&uuml;cke ein kichern, meine Mundwinkel zucken dennoch.<br \/>&ldquo;Findest du das witzig?&rdquo; Seine Stimme klingt bedrohlich und ich f&uuml;hle mich etwas mulmig. Wie lange dauert es noch bis ich in Freising bin?<br \/>Ich sch&uuml;ttle meinen Kopf, raffe meinen Sachen zusammen und erhebe mich.<br \/>&ldquo; Wei&szlig;t du was?&rdquo; Antworte ich ruhig. &ldquo;Wenn das dein Platz ist, dann will ich dir da nicht im Wege stehen.&rdquo; Dann l&auml;chle ich k&uuml;nstlich, schiebe mich an ihm vorbei und suche mir eine andere Sitzgruppe. Weit entfernt. Warum gibt es eigentlich solche&#8230;&#8230; Menschen? <br \/>Ich sitzte noch gar nicht richtig, da steht er schon wieder da. War ja klar oder? Lehnt l&auml;ssig an einer der Stahlstangen und hat ein bl&ouml;des &uuml;berhebliches Grinsen im Gesicht.<br \/>&ldquo;Das ist auch mein Platz!&rdquo;<br \/>Es sind diese Momente in denen ich w&uuml;nschte gl&auml;ubig zu sein. Da will ich mich auf meine Knie werfen und Gott im Himmel anflehen Hirn f&uuml;r die Bed&uuml;rftigen hinabzu werfen. Und ich kenn da schon den richtigen Kandidaten. Obwohl atmen f&uuml;r mich nicht mehr essentiell ist muss ich seufzen. Ich will doch echt nur meine Ruhe. Im Fenster sehe ich, wie eine etwas &auml;ltere Frau neugierig her sieht, sich aber schnell abwendet, als sie wiederum bemerkt wie ich sie bemerkt habe. Weg gucker. Ich ahne auch schon wie das Gespr&auml;ch weiter geht. Hier in diesem Wagon sind alle Pl&auml;tze seine Pl&auml;tze. Vermutlich sogar die ganze S-Bahn. Was muss der Mann betucht sein. Ich habe f&uuml;r ein paar Minuten die Hoffnung, dass er es einfach gut sein l&auml;sst, wenn ich so tu, als h&auml;tte ich es nicht geh&ouml;rt. Nat&uuml;rlich l&auml;sst er es nicht gut sein.<br \/>&ldquo;Hast du nicht geh&ouml;rt?&rdquo; Mit &uuml;bertrieben viel Hingabe macht er sich neben mir breit, mich etwas zwischen sich und die Wagonwand dr&auml;ngend&#8230;mir zugewandt.<br \/>Ich f&uuml;hle mich unwohl. Bin nicht stark. Aber w&uuml;rde ich ihm zeigen, dass er mich beunruhigt, geht der K&auml;se erst richtig los. Man kennt sowas ja.<br \/>&ldquo;Ich habe dich geh&ouml;rt!&rdquo; Erwidere ich und erhebe&nbsp; mich abermals. Er tut es mir gleich, legt die Hand auf meine Schulter und dr&uuml;ckt mich, durchaus mit Kraftaufwand wieder auf den Platz zur&uuml;ck<br \/>Was nun?<br \/>Ich k&auml;mpfe die aufkeimenden Panik hinunter, sehe ich m&ouml;glichst ruhig an und frage:<br \/>&ldquo; Und was jetzt weiter? Was willst du von mir?&rdquo; Halte seinen Blick stand. In meinen Augen siehst du keine Angst. Nicht f&uuml;r dich. Das ist ein wenig gelogen, aber er wei&szlig; das nicht.<br \/>&ldquo;Wie ich schon sagte Zuckerschnecke. Du sitzt auf meinem Platz. Und wer auf meinem Platz sitzt muss zahlen!&rdquo; Diese Logik allein schon! D&uuml;nnhirn!<br \/>Ich werde ihm nicht den Gefallen tun und fragen, wie er sich die Bezahlung vorstellt. Ich verschr&auml;nke meine Arme, lehne mich zur&uuml;ck und sehe aus dem Fenster. Lange kann es nicht mehr dauern. Dann bin ich raus.<br \/>Seine Hand landet vertraulich auf meinem Oberschenkel und ob ich will oder nicht, ich zucke zusammen. Nu ist aber langsam gut. Mein Blick streicht wieder durch das Abteil, aber von den Weg guckern, hat sich noch keiner entschlossen hin zu gucken. Typisch. Ich hasse es! Ich schlucke &#8230; Seltsame Angewohnheiten die man beh&auml;lt&#8230;dann nehme ich seinen Hand und gebe sie ihm zur&uuml;ck. <br \/>&ldquo;Geh doch bitte!&rdquo; H&ouml;flichkeit. H&ouml;flichkeit ist alles.<br \/>&ldquo;Zick doch nicht&#8230;&#8230;..bitte&rdquo; erwidert er und sein &lsquo;Bitte&rsquo; ist eine Farce.<br \/>(Manche Leute haben eine seltsame Art zu Bitten&#8230;..nein?)<br \/>In mir grummelt es. Ich sehe ihm in die Augen.<br \/>&ldquo;GEH!&rdquo;Nicht dass ich sonderlich laut spreche. Er blinzelt etwas, sein Blick wirkt unstet, dann erhebt er sich, wendet sich ab. Er tut ein zwei Schritte, bleibt wiederum stehen und wendet sich mir wieder zu.<br \/>Er will etwas sagen, aber er scheint verwirrt. Da passt was nicht zusammen.<br \/>Ich will dem tausend Sachen sagen. Was ich von seinem Verhalten halte. Was ich von Typen wie ihm halte. Die konnte ich noch nie leiden. Welche Frau kann das schon? Was bilden die sich ein? Ist es nicht unfair, ihre k&ouml;rperliche &Uuml;berlegenheit auszunutzen? Wie k&ouml;nnen sie sich so erpichen schw&auml;chere Wesen zu schikanieren. Oder schlimmeres. Es grummelt richtig in mir. Er steht nur so da und ich sehe wie sich in ihm &Auml;rger &uuml;ber sein eigenes Verhalten aufbaut. Sein K&ouml;rper spannt sich an.Er &auml;rgert sich, dass er getan hat, was ich ihm gesagt habe. Apropos.<br \/>Bin ich ein Opfer? Da war doch noch was. Ich betrachte ein weiteres mal mein Gesicht im Fenster. Annas Gesicht. <br \/>Ich l&auml;chle, sie nicht. Dann erhebe ich mich und begebe mich zu ihm. Zu ihm hochblickend. Zwangsweise. Aber eigentlich sehe ich auf ihn hinab. Wer ist denn das schon?<br \/>&ldquo;Du willst, dass ich zahle?&rdquo; Frage ich leise. <br \/>Er ist w&uuml;tend. Er ist verunsichert. Es passt nicht in sein Konzept. Ich passe nicht in sein Konzept. Opfer agieren nicht.<br \/>&ldquo;Lass uns tauschen&#8230;&rdquo; Biete ich ihm an. &ldquo; Ich zahle deinen Preis&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;..und du&#8230;meinen.&rdquo;<br \/>W&uuml;ste Gedanken in meinem Kopf. B&ouml;se Gedanken. Ein neues Buch. Es heisst Spielen. Was er so gern zu tun scheint, sich an schw&auml;cheren vergn&uuml;gen, da spiel ich mit. Jetzt kann ich mitspielen. Und ich werde mitspielen. Was kann dieser&#8230;dieser&#8230;.mir f&auml;llt da gar kein Wort f&uuml;r eine derartige Nichtigkeit ein&#8230; Was kann er mir schon tun?&nbsp; Nichts. Mir Schmerz zuf&uuml;gen? Und dann? Und dann? Und dann? Ich muss unvermittelt kichern. <br \/>&ldquo;Sag ja&#8230;.&rdquo; S&auml;usel ich. (Bejahe und wir werden dir ein Geschenk machen)<br \/>Ich w&uuml;nsche es mir wirklich. Aus meinem Innersten herraus w&uuml;nsche ich mir, dass er Ja sagt. Warum er ja sagen muss?&nbsp; Es muss so sein. Es steht so geschrieben. Beide m&uuml;ssen freiwillig spielen. Es flie&szlig;t durch meinen K&ouml;rper. Durch mich hindurch. Ich will. Ich will. Ich will diesen Menschen zeigen, wie man spielt. ( Ich will dich t&ouml;ten, dein Herz verletzten und wenn du schreist dich ganz zerfetzten&#8230;nein?)<br \/>Dieses Ding ist gro&szlig;, stark und dumm. Dumm genug um nicht zu erkennen, auf was er sich einlassen w&uuml;rde. H&auml;tte ich einen Gott w&uuml;rde ich beten. Sag ja. Sag ja. Sag ja.<br \/>Anna im Fenster schlie&szlig;t ihre Augen und blickt zu Boden.<br \/>Er &ouml;ffnet seine Lippen.<br \/>Meine Augen blitzen hoffnungsvoll.<br \/>(&#8230;in deinem Blut will ich versinken und darin baden und es dann trinken.)<\/p>\n<p>&ldquo;N&auml;chste Station: Freising Bahnhof!&rdquo; <\/p>\n<p>Ich blinzle.<br \/>Mein Kopf zuckt rum, als w&uuml;rde ich etwas suchen. Meine Station. Freising. Hab ich alles? Ich sehe mich um. Ich habe das Gef&uuml;hl etwas liegen zu lassen. Meine Geldb&ouml;rse? Hab ich. Meine Handtasche? Ach ja. <br \/>Ich lasse den Mann stehen, was wollte ich noch gerade von ihm? Egal. Ich nehme meine Handtasche und murmel etwas von&#8230; Ich muss los und verschwinde durch die sich &ouml;ffenden T&uuml;ren. Ich bin froh diesen Menschen los zu sein. Solche Typen geh&ouml;ren weg gesperrt. Wirklich. Dennoch drehe ich mich nach einer Weile um und betrachtet ihn aus der Entfernung. Sein Gesicht durch die Scheibe hindurch und irgendetwas in mir ist entt&auml;uscht. Aber ich kann es nicht so recht fassen. Egal. <\/p>\n<p>&nbsp;<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>15.122002 &nbsp; Ich war tanzen. Tanzen macht mich immernoch gl&uuml;cklich. Ich f&uuml;hle mich gut. Sitze in dieser S-Bahn und blicke aus dem Fenster. H&auml;nge meinen Gedanken nach. Das leichte Schunklen wirkt irgendwie beruhigend auf mich. 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