{"id":181,"date":"2007-03-19T16:05:06","date_gmt":"2007-03-19T16:05:06","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=181"},"modified":"2011-12-28T17:29:54","modified_gmt":"2011-12-28T17:29:54","slug":"another-day-in-paradies","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=181","title":{"rendered":"Another Day in Paradies"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">In einem Raum der f&uuml;r ungef&auml;hr 3 ausgelegt ist befinden sich ca 15 Menschen. Die eine H&auml;lfte davon raucht, die Andere tut sich das freiwillig an. Warum? Es ist gem&uuml;tlich. Ausserdem beruhigt es ungemein im Gesicht des jeweils Anderen, das wieder zu finden, was einem das eigene Spiegelbild kurz nach dem Aufwachen schon unerbittlich vorgef&uuml;hrt hat. Kissenfaltenabdr&uuml;cke und &Uuml;berbleibsel von Sabberspuren, kurz gesagt &#8211; Schlafreste.Ein Blick auf die Uhr verr&auml;t. 5:25.<br \/>Hurra. Es ist wieder Fr&uuml;hschicht.<\/p>\n<p>Kurz vor Fr&uuml;hlingsanfang, es ist schweinekalt, Sschneeflocken&#8230;das alles motiviert ungemein.<br \/>In einem boshaften Augenblick betrachte ich die Kollegen um mich herum und muss an einen der Zombiefilme meines Freundes denken.<br \/>Der Morgen der lebenen Toten.<br \/>Ich frage mich, wie man diese Menschen wohl zum Einen wach und zum Anderen aus diesem Raum raus bekommt, da ruft eine Stimme aus dem Nichts das Zauberwort.<br \/>&quot;Kaffee ist fertig.&quot;<br \/>Es dauert keine 10 Sekunden und alle sind in die K&uuml;che verschwunden. Beeindrucken, zu welchen F&auml;higkeiten einem die Sucht nach Koffein verhilft. Das schwarze Gold des Schichtarbeiters erweckt sogar Totgesagte zu neuem Leben.<\/p>\n<p>Eine von dieser wiedererweckten Toten bekomme ich heute mit auf meine abenteuerliche Fahrt ins Ungewisse, oder einfach raus auf das Vorfeld.<br \/>Der Vorteil daran ist, man hat den Tag &uuml;ber einen Ansprechpartner und geiert nicht die ganze Zeit allein dahin.<br \/>Der Nachteil ist, manche sprechen auch schon vor 10.00 Uhr, was zur Fr&uuml;hschicht gar nicht geht, aber egal.<br \/>Ich muss ja schlie&szlig;lich auch mit den Piloten sprechen. Kommunikation hilft und so ein Flugzeug kennt keine Gnade, das geht auch kaputt, wenn der dazugeh&ouml;rige Techniker noch nicht wach ist.<\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich darf der Mensch im Cockpit nicht ahnen, dass ich noch nicht wach bin, also versuche ich es mit einem freundlichen L&auml;cheln zu kaschieren,w&auml;hrend er mir alles mitteilt was er wei&szlig;.<br \/>Alles.<br \/>Das mein ich auch so. Er h&auml;lt mir das technische Log Buch unter die Nase, erz&auml;hlt mir dass diese Problem schon gestern da war, er gibt mir ein Klemmbrett, auf dem eine seiner Listen ist wo auch was drauf steht, der Copilot w&uuml;rzt die Ausf&uuml;hrungen des Piloten noch mit best&auml;tigenden Kommentaren und h&auml;lt auch nicht mit den Dingen hinterm Berg die er wei&szlig;.<br \/>Ich bin gut erzogen.<br \/>Ich h&ouml;re zu, nicke und gebe Laute von mir die dem Sprecher vermitteln, dass ich alles kapiert habe.<br \/>Ein wenig erinnert es mich an Telefongespr&auml;che, das machne Kollegen mit ihren Frauen f&uuml;hren.<br \/>&quot;Ja Liebling, Nat&uuml;rlich Liebling. ja ja. ja..aha..wie du willst&#8230;mhmm..&quot;<br \/>Der Pilot hat nat&uuml;rlich recht damit mir alles zu erz&auml;hlen, das ich wichtig. Er kann nicht daf&uuml;r, dass ich um diese Uhrzeit die Aufnahmef&auml;higkeit von eine St&uuml;ck Stein habe.<br \/>Als sie beiden nach 5 Minuten geendet haben, verweisen sie noch auf das eigentliche Problem.<br \/>Eine Meldung auf ihrem Bildschirm der ihnen erz&auml;hlt, wo am Flugzeug welche Unregelm&auml;&szlig;igkeiten herrschen.<\/p>\n<p>Damit die Pilot nicht auf die Idee kommen, den Flieger selbst zu reparieren, ist das alles m&ouml;glichst kryptisch ausgedr&uuml;ckt (zumindest ist das der Verdacht den ich habe, welchen Grund h&auml;tte es sonst etwas das &#39;Baum&#39; heisst, mit einer Bezeichnung wie: GHKP (Gr&uuml;ne-Hydo-Kultur-Pflanze) zu versehen&#8230;das nur als beschreibendes Beispiel)<br \/>Auf diesem Bildschirm steht nun etwas von &#39;proximity fault bla blub&#39; was alles heissen kann und nichts.<br \/>Wenn man den Job ne Weile macht, kennt man nat&uuml;rlich seine Pappenheimer.<br \/>Die Herren aus dem Cockpit laufen um das Flugzeug rum und machen ihre Checks und als sie wieder zur&uuml;ck kommen ist der Fehler weg.<br \/>Freilich sagt der Pilot.<br \/>&quot;Oh, wie hast du das gemacht?&quot;<br \/>&quot;Hab die T&uuml;re zu und wieder auf gemacht&#8230;&quot; antworte ich. Und der Blick den er mir darauhin zuwirft seh ich nicht zum Erstenmal. Es ist der forschende Blick eines Mannes der in meinem Augen die Best&auml;tigung dessen sucht, was er insgeheim vermutet, n&auml;mlich, ich w&uuml;rde ihn wohl vergackeiern wollen.<br \/>Nat&uuml;rlich tu ich das nicht.<br \/>Darum findet er auch nicht was er sucht.<br \/>&quot;Na dann&#8230;&quot; sagt er abschlie&szlig;end und stellt keine weiteren Fragen.<br \/>So ein Flugzeug kann eigenartig sein, wenn man vorn drauf haut wirds hinten hell und umgekehrt. Nat&uuml;rlich ist das alles im Detail logisch verfolgbar, aber wenn mans von Aussen betrachtet, wirkt das was wir tun bestimmt dann und wann ein bisschen wie..ein Feuerzeug im Mittelalter.<br \/>Das l&auml;sst mich trotz der Uhrzeit vergn&uuml;gt sein.<\/p>\n<p>Der Morgen schleicht sich so dahin, mein Kollege h&uuml;pft eben aus dem Auto, um irgendwelche mechanischen Dinge zu reparieren. Und weil da zwei Leute einer zuviel ist bleib ich im Wagen und warte. Und weils nun mal eben so ist, dass ich am Tag zuvor Zwiebeln gegessen habe, passiert &#8211; was sich manchmal nicht vermeiden l&auml;sst und Sekunden sp&auml;ter wird der Innenraum des Autos von dem Geruch fauler Lappen erf&uuml;llt.<br \/>Da muss man wissen, das Bl&auml;hungen nichts sind, worauf wir Frauen sonderlich stolz sind. Wenn es nach uns ginge, w&uuml;rden wir diesen Teil unserer K&ouml;rperfunktionen gerne ersatzlos streichen&#8230;.<br \/>Leider geht es nicht nach uns und um meine Untat bis zu der R&uuml;ckkehr meines Kollegens zu vertuschen, &ouml;ffne ich alle Fenster und seh zu, dass ich m&ouml;glichst viel von der Faule-Lappen-Essenz an die Umwelt los werde &#8211; frage nicht nach Umweltschutz.<br \/>Um mein Treiben vor meinem Kollegen geheim zu halten, mach ich die Fenster wieder hoch bevor er zur&uuml;ck kommt. Der ist ja auch nicht dumm und w&uuml;rde sofort ahnen was sache ist.<br \/>Denk ich mir so.<br \/>Der Kollege kommt auch bald wieder. T&uuml;r auf. Kollege rein. T&uuml;r zu.<br \/>Dann blinzelt er.<br \/>Dann schnuppert er.<br \/>Dann sagt er: &quot; Du stinkst.&quot;<br \/>Danke. W&auml;re er eine Frau h&auml;tte er gro&szlig;z&uuml;gig dar&uuml;ber hinweg gerochen und mich nicht darauf angesprochen.<br \/>Aber hier l&auml;uft das nicht so, wenn solche Dinge bemerkt werden kommen sie unzensiert auf den Tisch.<br \/>Ich k&auml;mpfe damit nicht peinlich ber&uuml;hrt zu sein. Meine Kollegen machen das dauernd, also gibt es keine Grund mich zu sch&auml;men.<br \/>Dementsprechend werfe ich ihm ein v&ouml;llig geschauspielertes &quot;Na und?&quot; entgegen.<br \/>Daraufhin l&auml;chelt er und grinst breit.<br \/>&bdquo;Du wirst noch ein echter Kerl..&quot;<br \/>..und ich zweifel daran, ob das nun wirklich das Kompliment ist, nach dem es sich anh&ouml;rt.<\/p>\n<p>Zur Pause werfen wir uns in das Aquarium, also der Raum nahe dem Vorfeld, wo wir eben zur Pause lauern. Aquarium heisst es dewegen, weil es eine gro&szlig;e Fensterfront hat und wie dahinter hocken wie die Fische im Glas. Den Mund machen wir auch dauern auf und zu und mehr wie heissen Luft kommt da nicht raus.<br \/>Jedenfalls zur Pausen, tun wir, was man eben so tut, essen, lesen oder auch spielen.<br \/>F&uuml;r letzteres hat sich unser J&uuml;ngster entschieden. Virtuelles Poker, ist das Spiel seiner Wahl.<br \/>Hinter ihm sitz ich mit einem Kollegen und wir sehen ihm so zu, wie er seine Karten bekommt, Geld setzt &#8230;verliert.<br \/>Karten bekommt&#8230;Geld setzt..verliert.<br \/>Es dauert nicht lange bis wir in seinem System das Muster erkennen.<br \/>Jetzt hab ich ja mit Poker nicht viel am Hut, aber wohl wei&szlig; ich, dass einer DER Bestandteile des Pokerns, das bluffen ist.<br \/>Nat&uuml;rlich stelle ich mir die Frage wie man wohl eine Computer bluffen kann, aber gut &#8211; ich halt einfach die Klappe.<br \/>Mein Kollege neben mir nat&uuml;rlich nicht, er stupst mich an und sagt, laut genug, dass er Mr. Pokerface auch ja mitbekommt.<br \/>&quot;Guck ihn dir an, der ist so unbedarft, den ziehen sogar Bits und Bytes &uuml;ber den Tisch&quot;<br \/>Ich k&ouml;nnt heulen vor Lachen.<br \/>Der gleiche Kollege hat heute &uuml;berhaupt die &#39;Target for alle bl&ouml;de Spr&uuml;che&#39; Karte gezogen.<\/p>\n<p>In einem &auml;usserst m&auml;nnlichen und immer wieder aufkeimenden Gespr&auml;ch &uuml;ber die zweifelhafte Bef&auml;higung m&ouml;glichst viel Alkohol vertrage zu k&ouml;nnen. (und ich wei&szlig; bis heute nicht, warum sie immer wieder dar&uuml;ber sprechen!) l&auml;sst eben jener Kollegen verlauten:<br \/>&quot;Mittlerweile vertrag ich aber auch ganz sch&ouml;n, das letzte Mal hab ich zwei Gl&auml;ser getrunken ohne das es mich umgehauen h&auml;tte&quot;<br \/>Jetzt muss man wissen, dass dieser Kollege keine bemerkenswerte Fettreserven hat oder sonst irgendwelche k&ouml;rperliche Substanz, die es ihm erm&ouml;glichen w&uuml;rde Alkohol in gr&ouml;&szlig;eren Mengen zu verarbeiten. Nicht so schlimm finde ich. Egal. Jedenfalls hat der Jungspund noch gar nicht fertig gesprochen, da gr&ouml;hlts schon von der Anderen Seite am Tisch.<br \/>&quot;Ah geh, mach di doch ned wichtig. Dir gib i doch vorm Schlafen gehn nedamoi an Spezi, von der hoiben cola drin mochst du doch die ganze Nacht koa Aug zu..&quot;<br \/>Wer den Schaden hat, der braucht f&uuml;r Spott nicht zu sorgen&#8230;.und ich wei&szlig; wovon ich rede.<\/p>\n<p>Die Fr&uuml;hschicht n&auml;hert sich langsam aber sicher dem Ende, da ist noch ein Auftrag zu reparieren von einem Sitz. Um selbiges zu tun, bedarf es dann und wann den Einsatz von roher Gewalt. und weil ich das wei&szlig;, hab ich mir keinen Spielzeugschraubendreher mitgenommen, sondern einen f&uuml;r gro&szlig;e Jungs. Mit dem hebel und stocher ich dann qualifiziert in den Sitzschienen Innereien herum, als ich eine M&auml;nnestimme hinter mir h&ouml;re. Und nicht nur das, ich h&ouml;re auch, dass er einen Hauch anz&uuml;glich grinst, als er sagt.<br \/>&quot;&#8230;du hast da n ziemliches Ger&auml;t in der Hand.&quot;<br \/>Ich guck nicht auf, weil ich grad am arbeiten bin und erwider nur.<br \/>&quot;..blos kein Neid, mit Technik kannste ein bisschen was wett machen.&quot;<br \/>Mann schweigt.<br \/>Stewardess beginnt zu kichern. Mir schwant b&ouml;ses und ich seh doch auf. Ein Kollege ist es schon, allerdings einer aus dem Cockpit. Huch?<br \/>&quot;Auf den Mund gefallen biste auch nicht hm?&quot; erwidert er und grinst.<br \/>Ich freilich auch, froh dass er das mal nicht pers&ouml;nlich nimmt, arbeit weiter und murmel nur.<br \/>&quot;irgendwas muss ich ja k&ouml;nnen&#8230;&quot;<br \/>Irgendwas, den Sitzt jedenfalls krieg ich nicht zusammen und das heisst solange er kaputt ist, darf da keiner drauf sitzten.<br \/>Der Kollege aus dem Cockpit l&auml;sst sich die Gelegenheit freilich nicht entgehen<br \/>&quot;..na mit der Technik happerts aber ein wenig was?&quot;<br \/>Ich heb nur den gro&szlig;en gro&szlig;en Schraubendreher an und sag.<br \/>&quot;..und wenn dir das auch mal passiert, dann frag mich einfach, ich leih dir den hier dann&#8230;&quot;<br \/>Das war dann auch das letzte Event an dem Tag. Eben eine weitere, v&ouml;llig normale wahnsinnige Fr&uuml;hschicht.<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem Raum der f&uuml;r ungef&auml;hr 3 ausgelegt ist befinden sich ca 15 Menschen. 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