{"id":19,"date":"2006-12-11T00:10:02","date_gmt":"2006-12-11T00:10:02","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=19"},"modified":"2011-12-28T17:29:48","modified_gmt":"2011-12-28T17:29:48","slug":"hvar-1345","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=19","title":{"rendered":"Hvar 1345"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\"> &quot;Helena?&quot; Sagt er zu mir. &quot;Helena, du musst das nicht tun, vielleicht&#8230;vielleicht finden wir einen anderen Weg.&quot;<br \/>Ich sp&uuml;re seine Hand auf meiner Schulter. Schwer liegt sie dort. Eine kr&auml;ftige grosse Hand. Ich f&uuml;hle mich schwach, am liebsten w&uuml;rde ich weinen, aber es sind keine Tr&auml;nen mehr &uuml;ber. Genug geweint. Genug gewartet. Langsam sch&uuml;ttel ich meinen Kopf.<br \/> &quot;Nein Mathie, kein zur&uuml;ck mehr. Wenn ich nicht geh. Hier und Heute dann ist es vorbei mit dir, mit der Rebellion mit uns allen. Wir werden es halten wie besprochen.&quot;<br \/>Ich ergreife seine Hand und dr&uuml;cke sie. Wir richten unseren Blick auf die Insel die wir so sehr lieben dass ihr Verlust unseren Tod bedeutet. &quot;Hvar&#8230;&#8230;&#8230;&quot;Leise spreche ich ihren Namen als w&auml;re es das letzte mal. Vielleicht ist es dass auch. &quot;Geh Mathie, geh zur&uuml;ck Ich werde&#8230;&quot; Mein Hals ist trocken.&quot;Ich werde zu IHM gehen&#8230;&quot;<br \/> &quot; Ich kann an deiner statt&#8230;&quot; F&auml;llt er mir ins Wort aber ich sch&uuml;ttel wiederum meine Kopf. Er liebt mich auch wenn er es nie gesagt hat &#8211; ich weiss es. Dennoch kann er nicht meinen Weg gehen. Er ist kein Toth. Es gibt kaum M&auml;nner die den Namen Toth tragen und wenn gibt es sie nicht lange, sie sterben fr&uuml;h.<\/p>\n<p>Wir Frauen &uuml;berleben. Ich bin Toth, ich heisse Toth und ich f&uuml;rchte bald tot zu sein. So oder so. Es wird zeit. Ich drehe mich rum und sehe Mathias an. <br \/> &quot;Ivanic mein Freund &#8230;&quot; Irgendwie schaffe ich es ihn anzul&auml;cheln als w&uuml;rde ich nur einen kleinen Spaziergang machen wollen.&quot;ich&#8230;&#8230;..&quot; Die restlichen Worte bleiben mir im Halse stecken, es gibt nichts mehr zu sagen.<br \/>Er nickt nur, dr&uuml;ckt meine H&auml;nde und steigt wortlos die kahlen Felsen hinab zur&uuml;ck in unser Dorf &#8211; ohne sich nocheinmal umzudrehen.<br \/>In einem letzten Moment der Schw&auml;che gestatte ich mir die Augen zu schlie&szlig;en, den salzigen Geruch des Meeres tief in meine Lungen zu saugen. Ich sehe Hvar vor mir wie sie war bevor SIE kamen und alles, was gut war verdrehten. Meine Mutter erz&auml;hlte mir wie friedlich und einfach das Leben war. Es waren die Erinnerunge ihrer Mutter und ich h&ouml;rte ihr so oft zu bis es meine Erinnerungen wurden. Meine Hand verkrampft sich zu einer Faust. Tot den Venezianer! Ich hasse sie mit jeder Faser meines K&ouml;rpers, sie machen mein Leben zu einem ewig andauernden Kampf. <br \/>Doch in der Vergangenheit liegt die L&ouml;sung f&uuml;r die Zukunft, meine und die Zukunft aller die verdammt sind hier mit mir zu leben.<br \/>Martha erz&auml;hlte es Rosa, Rosa erz&auml;hlte es Hefrana, Hefrana erz&auml;hlte es Lucia und Lucia erz&auml;hlte es mir und ich werde es meiner Tochter Alexa erz&auml;hlen, wenn ich ES &uuml;berlebe.<\/p>\n<p><em>&#8230;&#8230;&#8230;.. Im Herzen der Berge auf Hvar gibt es ein Kloster, schon so alt das niemand den Namen mehr weiss. Unwirkliche Dinge gehen darin vor. Nachts kriecht das Grauen daraus hervor und findet seinen Weg ins Tal zu uns um sich zu nehmen was es zum Leben braucht. Jene die behaupten es gesehen zu haben sind verr&uuml;ckt geworden. ES ist so alt wie Hvar selbst und ES geh&ouml;rt dazu. Alles hat zwei Seiten. Hvar ist die sch&ouml;ne. ES ist die schreckliche. Dennoch sind sie untrennbar miteinander vereint. Wir kennen seinen Namen, auch wenn wir ihn nicht aussprechen. Von all jenen die dorthin gingen um ES zu suchen kam nur einer wieder. Hastor der seid jenem Tag den Namen Toth tr&auml;gt. Was damals geschah wissen wir nicht. Mit seinem Blut und seinem Schweiss schuf Hastor dass Dorf in dem du heute lebst. ES hat ihm geholfen wie auch immer. Deswegen gibt es deine Heimat, deswegen gibt es uns Toth. &#8230;&#8230;&#8230;&#8230;.<\/em><\/p>\n<p>Noch einmal hole ich tief Luft, dann mache ich mich auf den Weg in die Berge auf zu dem Kloster im Herzen der Berge von Hvar. &quot;H &#8211; v &#8211; a &#8211; a &#8211; a &#8211; a &#8211; r&#8230;&#8230;..&quot; Wie ein leiser Ruf in meinem Inneren, meine Liebe, mein Leben.<br \/>Den seltsamen zerkl&uuml;fteten Aufstieg bringe ich hinter mich. Meine F&uuml;&szlig;e f&uuml;hren mich zielsicher immer weiter, als w&uuml;ssten sie wohin ich gehen muss. Und tats&auml;chlich als die Sonne den Horizont ber&uuml;hrt habe ich eine Felsspalte erreicht, die sich zu einer H&ouml;hle weitet. Ich sehe eine kleine vergitterte Pforte und bin mir absolut sicher, dass dahinter das Kloster liegt. Ohne Frage.<br \/>Da steh ich nun, die Mauern dr&uuml;cken von links und rechts auf mein Gem&uuml;t und es ist kalt. Nicht die Temperatur sonder das &#39;sein&#39; hier. Die untergehende Sonne zaubert eigenartige Schatten an die Felsen und taucht sie in ein unheiliges rot. Blutrot. Ein seichter Wind zieht an mir vorbei und f&uuml;r eine Sekunde habe ich das schreckliche Gef&uuml;hl er fl&uuml;stert meinen Namen. Toth Toth Toht. Toth ist tot. Mich schauderts und zum erstenmal zweifel ich ernsthaft an meinem Vorhaben. Wer bin ich denn? Weiss ich denn schon was mich erwartet? Eine Geschichte! Eine Legende! Und wenn es wahr ist warum sollte ES mir helfen? Was kann ich denn bieten, ich habe nichts ausser mein Leben und meine Tochter.<br \/>Dann denke ich an Mathias, die Leute im Dorf und an die Venezianer. Die Vene-ZI-aner&#8230;<br \/>WENN es etwas in dem Kloster gibt werde ich es finden<br \/>Ich werde es &uuml;berzeugen mir zu helfen wie es einst Hastor half.<br \/>Egal zu welchem Preis.<br \/>Mit zitternde H&auml;nden &ouml;ffne ich die Pforte. Viel zu leicht bewegt sich das alte Tor, es heisst mich willkommen Wie zum Hohn versinken die letzten w&auml;rmenden Sonnenstrahlen und ich bin allein. <br \/>Tritt ein, tritt ein, willkommen daheim.<br \/>In Stein geschlagene Treppen. Dunkel. Modrig. Mein Herz schl&auml;gt mir bis zum Hals. Feuchte W&auml;nde. Selbst als sich meine Augen an die Finsternis gew&ouml;hnt haben sehen ich nicht mal meine H&auml;nde. Bis wohin muss ich gehen? Wie weit bin ich schon gegangen?<br \/>Irgendwann, ich bin nicht in der Lage zu sagen wie viel Zeit vergangen ist, stehe ich in einem Raum und mir wird bewu&szlig;t dass ich am Ziel bin. <br \/>Ich warte.<br \/>Schweigen.<br \/>Was tu ich hier? Ich geh zur&uuml;ck&#8230;Wir sammeln alle und werden K&auml;mpfen. Wir besiegen die Venezianer auch so. Wir sind stark. Ich werde Mathias sagen dass ich mich geirrt habe. Hier ist nichts. Hier war noch nie etwas. <br \/>Ich warte.<br \/>Schweigen.<br \/>Hoffnungslosigkeit. Angst. Ich werde sterben. Alle werden sterben. Sie sind zu m&auml;chtig. Es gibt kein Entkommen. Es ist kalt. <br \/>Ich warte.<br \/>Schweigen.<br \/>Mein Kopf ist leer. Ich habe mir jede Frage gestellt. Jede Furcht gef&uuml;rchtet. Alle Zweifel durchlebt. Meine F&uuml;&szlig;e sind eingeschlafen. Meine Ohren taub von der stille. Mein K&ouml;rper ohne Gef&uuml;hl.Was ist schon Zeit?<br \/>Tausend Jahre sind ein Tag.<br \/>Gerade als ich mich frage ob ich nicht schon tot bin &auml;ndert sich etwas.<br \/>Und obwohl ich nichts sehen und nichts h&ouml;re ist mir alles klar. ES war schon die ganze Zeit hier. Nicht ich habe gewartet. ES hat gewartet. Darauf mich zu treffen und nicht meine &Auml;ngste. Ich f&uuml;hle wie es mich ansieht, es kann mich sehen so dunkel wie es ist. Und es sieht nicht nur mich, es sieht in mich hinein, kennt alles ohne dass ich mich erkl&auml;ren muss.<br \/>Er ist es.<br \/>\t&quot;Sch&ouml;n sie wieder zu sehen&quot; Ich h&ouml;re seine Worte nicht, ich f&uuml;hle sie in mir.<br \/>\t&quot;Wiedersehen?&quot; Wiederhole ich leise. <br \/>\t&quot; Ja&#8230;&#8230;&#8230;sie kennt uns&#8230;&#8230;oder doch nicht?&quot; <br \/>Ich stutze, &uuml;berlege, hadere aber sicher bin ich mir nicht. Weder das eine noch das Andere. Kenn ich ihn? Kennt er mich?<br \/>\t&quot; Doch , doch..&quot; Fast wirkt es auf mich es spr&auml;che mehr zu sich selbst als zu mir. &quot; &#8230;sicher kennen wir uns.&quot;<br \/>Das Grauen. Der Tod. Der Schrecken von Hvar. Irgendwie kommt mir alles f&uuml;rchterlich absurd vor, total verr&uuml;ckt. Nicht aus dieser meiner Welt.<br \/> &quot; Und&#8230;wie f&uuml;hlt sie sich?&quot; Fragt es mich, einen Moment habe ich das Bed&uuml;rfnis hysterisch zu kichern. Gleich wird es mir einen Platz an seinem Tisch anbieten und mir Essen und Trinken servieren.<br \/>\t&quot; Ich&#8230;&quot; Setzte ich zu reden an aber es unterbricht mich.<br \/> &quot; Ja ja..ich weiss ich weiss&#8230;glaube ich..oder? Egal. Sie ist wegen den Giovannis hier oder?&#8230;Nat&uuml;rlich ist sie das, warum sonst sollte sie hier sein. H&auml;tte ich wissen k&ouml;nnen. Welche Toth ist sie?&quot; Ein Wasserfall in meinen Kopf, Nicht nur dass ich seine Worte h&ouml;re ich f&uuml;hl mich als h&auml;tte ich zuviel Wein getrunken. Aber nicht berauscht. L&auml;cherlich. Ich tr&auml;ume wohl. Ich muss tr&auml;umen.<br \/>\t&quot;Helena &quot; antworte ich dennoch folgsam. &quot;&#8230;.die Venezianer &quot; f&uuml;ge ich hinzu und schweige von allein.<br \/> &quot;Hm, ja&#8230;die Familie kann sehr anstrengend sein, dass stimmt. Ich kann mich noch erinnern. Damals, als ich Don&#8230;aber das interssiert sie eigentlich nicht&#8230;..nicht waaaahhhhhr?&quot; Es zieht das &#39;wahr&#39; so seltsam in die l&auml;nge dass es lauernd wirkt, mich beunruhigt. Eine G&auml;nsehaut zieht &uuml;ber meinen K&ouml;rper . War da was an meinem Nacken? Wie nah ist es mir?<br \/>\t&quot;N&auml;her als sie glaubt he-Lena Toth&quot;<br \/>Ich schlucke.<br \/>\t&quot;Werdet ihr&#8230;&#8230;..&quot;<br \/> &quot;Och, ich denke schon&quot; antwortet es. Wieder bevor ich &uuml;berhaupt gefragt habe was ich fragen wollte. &quot;Die Frage ist viel mehr&#8230;.. Wird sie den Preis bezahlen, will sie den Preis bezahlen? &quot; Ein kehliges kurzes Lachen dass abrupt wieder aufh&ouml;rt. &quot;&#8230;.oder auch eiskalt He-Lena Toth&#8230;..oder sollte ich besser Tot sagen?&quot;<\/p>\n<p>Toth oder Toth? Meine Gedanken verknoten sich, Die Art und Weise wie es spricht bereitet mir Kopfschmerzen. Was ist der unterschied zwischen Toth?<br \/>\t&quot;Nur eine Kleinigkeit, aber da hat sie recht es macht nicht viel Unterschied, denn sie ist beides&quot;<br \/>Kalte Schauer. Auch ohne wirklich zu verstehen was es sagt, verstehen ich was es meint.<br \/>Aber der Tod kann nicht schlimmer sein als das Leben unter den Venezianer&#8230;oder den Djovani wie es sie nennt. Wenn das der Preis ist will ich ihn zahlen. Die Zeit der Angst ist vorbei f&uuml;r mich. Nie wieder Knechtschaft. Freiheit f&uuml;r mein Kind und das Volk.<br \/>Es summt eine Melodie, ein Kinderlied?<br \/>Was wird das? Was will es noch? Weiss es noch dass ich hier bin? Warum sagt es nichts mehr?<br \/>Es summt diese bl&ouml;de kindische Melodie&#8230;immernoch.<br \/>Das macht mich ganz rasend, Mein Kopf , meine Gedanken. Raus!<br \/> &quot;Zum zweiten Mal kommt sie nun schon zu mir &#8230;Toth!&quot; Mehr sagt es nicht, dann summt es wieder weiter als h&auml;tte es garnicht gesprochen.<br \/>Und wieder weiss ich nicht wie lange es dauert. Bis ich hundert mal gefragt habe was es will. Erst als mir mit unersch&uuml;tterlicher Gewissheit klar wird dass mein Tod nicht der ganze Preis ist. Es will jeden Toth. F&uuml;r immer. Das Ausma&szlig; dieser Erkenntnis kostet mich einen Teil meines Verstandes. Wie kann ich DAS entscheiden? Das Schicksal f&uuml;r alle die nach mir kommen besiegeln. Steht mir das zu? Hab ich das recht? Nun, ob ich es habe oder nicht&#8230;ich nehme mir das Recht. Wenn nicht ich wer dann? Und wenn ich es nicht tu, wird es dann &uuml;berhaupt jemanden geben der mir vorwerfen k&ouml;nnte ich h&auml;tte nicht alles unternommen? Toth f&uuml;r den Rest von Hvar. Ja.<br \/> &quot;Dumm wart ihr wahrlich noch nie&#8230;sch&ouml;n sch&ouml;n&#8230;freut mich dass wir uns einig werden konnten&quot; Ein Ger&auml;usch dass sich wie ein breites L&auml;cheln anh&ouml;rt. Kann man ein L&auml;cheln h&ouml;ren?&quot;&#8230;&#8230;ich werde dir ein kleines Geheimnis verraten&#8230;..&quot;<\/p>\n<p>Ihre Augen sind meine Augen&#8230;.<\/p>\n<p>&#8230;sind ihre Augen, sind meine Augen. Ich wende meinen Anblick von dem zerbrochenen Spiegel. Manche Dinge m&uuml;ssen einfach zerst&ouml;rt werden bevor man in das Innere blicken kann. Mein Magen rebelliert. Ist es Tag oder Nacht? Ich kann es nicht sagen. Auch nicht wie lange ich schon durch dieses vermaledeite Kloster irre. Was er mir angetan hat liegt im Dunklen. Aber seit es mich gek&uuml;sst hat bin ich vergiftet. <\/p>\n<p>Mich qu&auml;len tausend Gesichter, wie in einem Alptraum. Stimmen, die es nicht gibt, oder noch nicht gibt. Ich h&ouml;re wie sie meinen Namen rufen:<br \/> &quot;Helena-He-le-Na!&quot; Ein lautes Echo in meinem Sch&auml;del, welches sich zu neuen Worten f&uuml;gt. &quot;He-Le-Na-Na-N-An-A-AnnA-Na-Hvar&#8230;..&quot; Ein weiteres Mal bleibe ich stehen und schlage meinen Kopf gegen die k&uuml;hle Steinmauer. Die Vorstellung wie er daran zerbirst entlockt mir ein hysterisches Lachen. So viel darin. Es w&auml;re dann frei. Ich w&auml;re frei. Ich poche mit solchem Nachdruck gegen die Wand das meine Haut platzt und mein Sch&auml;delknochen sich &auml;chzend zu Wort meldet. Jetzt f&uuml;hle ich mich besser.Kein Tropfen Blut sickert aus der Wunde, aber das bemerke ich nicht. Denn schon wieder bewegen sich meine Beine und zwingen mich meinen Weg fort zu f&uuml;hren. Ich muss zu Mathie, ihm sagen was er tun muss. Was ich in Erfahrung gebracht habe. Muss ihn bitten Alexa zu sich zu nehmen. Weil&#8230;weil&#8230;ich MUSS ihn bitten Alexa aufzunehmen. Endlich entdecke ich die T&uuml;r die mich aus dem Kloster rausf&uuml;hren wird. Ich richte mich auf, sammle meine Kraft und gehe auf den Ausgang zu. Mit jedem Schritt der mich n&auml;her an das &#39;Draussen&#39; f&uuml;hrt, wird mir das &#39;Drinnen&#39; bewusster. Die G&auml;nge in denen ich planlos umher irrte entknoten sich mit jedem Fuss den ich vor den Anderen setzte weiter. Als ich schlie&szlig;lich die Hand an dem Knauf liegen habe gibt es in meinem Kopf eine Karte die exakter nicht sein k&ouml;nnte &#8211; mit jedem Gang, jeder T&uuml;r, jeder Halle die ich durchschritt oder sah. Ich schnaube ver&auml;chlich &uuml;ber mich selbst, so einfach. Wie konnte ich mich da drin nur verlaufen? <br \/>Eine Sekunde bevor ich die T&uuml;r &ouml;ffne suchen mich Worte heim,<br \/><em>&#8230;&#8230;&#8230;&#8230; meide das Licht, es t&ouml;tet dich&#8230;&#8230;&#8230;.<\/em><br \/>dann gebe ich dem schweren Holz einen Schubs und es schwingt mit einem leisen Knarzen nach aussen. Es ist Dunkel, die Sonne ist erst vor kurzem untergegangen. Ich merke es daran dass die Erde noch warm ist, die Luft noch lebendig riecht und &#8211; ich f&uuml;hle es in mir.<br \/>Auf dem Weg nach unten zur&uuml;ck zu meinem Leben begleiten mich Fragen.Viele Fragen. Und viele von diesen vielen Fragen kann ich nicht zu Ende denken weil sich mein Kopf wehrt sie in Worte zu fassen. Wie Wasser, dass man mit gespreitzen H&auml;nden sch&ouml;pfen will<br \/>Noch bevor man es aus dem restlichen hervorgehoben hat rinnt es einem durch die Finger. Es dauert keine Stunde dann stehe ich wieder vor meinem Haus. Der Aufstieg hatte mich bald 8 Stunden gekostet. Nun ja, bergab geht es schneller. Das ist alles.<br \/>In meinem Haus brennt Licht. Ich stehe reglos vor der T&uuml;r. Irgendwas stimmt nicht. Das Gef&uuml;hl dass ich sonst habe wenn ich nach Hause komme fehlt. Als h&auml;tte jemand in meiner Abwesendenheit alles was mich ausmacht aus meinem Heim gewaschen, es von mir gereinigt. Es schaudert mich, dann raffe ich mich auf und trete ein.<br \/>Mein Esstisch, meine Kochstelle, St&uuml;hle, ein Sekret&auml;r, Bilder, eine Kiste, die T&uuml;r zu meinem Schlafraum, alles so wie ich es verlassen habe. Im Kamin brennt noch Feuer &#8211; unwillk&uuml;rlich weiche ich davor zur&uuml;ck. Alexa wird wohl Schlafen, vielleicht ist Mathie bei ihr. Ich nicke vor mich hin und sehe mich mit den Augen eines Fremden um. Es ist unverkennbar mein Zuhause und dennoch scheint mir alles ver&auml;ndert, als h&auml;tt ich es noch nie so wirklich wahrgenommen. Ver&auml;ndern sich Dinge wenn man sie besser (er)kennt?<\/p>\n<p><em>&#8230;. Der Raum kreist um mich als w&auml;re er die Erde und ich die Sonne. Ich sehe viele Menschen hier, Leute aus meinem Dorf. Sie gestikulieren wild, reden durcheinander. Ihre Blicke sind entschlossen und Mathie f&uuml;hrt sie&#8230;dann ist es wieder vorbei und das Zimmer ist leer.<\/em><br \/>Ich vermute dass die Rebellen sich hier versammelt haben <em>{versammeln werden} <\/em>um ihr weiteres vorgehen zu beschlie&szlig;en. Lautlos n&auml;her ich mich dem hinteren Zimmer. Die T&uuml;re ist angelehnt und dahinter erhellt nur der Mondschein den Raum. Ich bleibe im T&uuml;rrahmen stehen und vergr&ouml;&szlig;ere den schmalen Spalt um mich umsehen zu k&ouml;nnen.<br \/>Alexa liegt schlafend auf dem Strohbett, eingewickelt in ihre Felle. Davor sitzt Mathie an die Wand gelehnt und h&auml;lt ihre Hand. Er schl&auml;ft ebenfalls.<br \/>Im ersten Reflex will ich zu den Beiden laufen und sie in meine Arme schlie&szlig;en, an mich dr&uuml;cken und sie all die Liebe f&uuml;hlen lassen die ich f&uuml;r sie empfinde. Im zweiten Reflex m&ouml;chte ich immernoch zu den Beiden laufen und sie in meine Arme schlie&szlig;en&#8230;.aber der Teil in mir, der diesen Drang ausl&ouml;st l&auml;sst mich nicht nur stehen bleiben, sondern sogar zur&uuml;ckweichen. Nur m&uuml;hsam kann ich den Schrei unterdr&uuml;cken, der sich aus meinem Inneren hervor k&auml;mpft. Eine Ahnung schneidet sich in meinen Geist, wie eine kalte scharfe Klinge und macht mir mit aller H&auml;rte klar, dass ich sie besser nicht ber&uuml;hre &#8211; besser nie wieder ber&uuml;hre.. Ich bin vergiftet. <br \/>Ich liebe Alexa. Ihre wundervollen dunklen Locken ihr s&uuml;&szlig;es Gesicht die klugen schwarzen Augen. Noch ist sie ein Kind aber es wird nicht mehr lange dauern und sie wird eine erwachsene Frau sein und wenn ich alles richtig mache wird sie in Freiheit leben. Zarte kleine Fingerchen. Ihre Haut mit der leichten Br&auml;une vom vielen draussen spielen. Ich h&ouml;re ihr Herz fast schlagen. Gleichm&auml;&szlig;ig, gesund. Mit jedem Schlag pumpt es das Leben durch ihren K&ouml;rper und verleiht ihr diesen unheimlichen &#8230;wundervollen &#8230;anziehenden Anblick. Angewidert von mir selbst drehe ich mich rum. Mir wird wieder &uuml;bel. <br \/>Ich kann mich nicht &uuml;berwinden Mathie und Alexa zu wecken. So leise wie m&ouml;gliche schlie&szlig;e ich die T&uuml;re hinter mir und gehe zum Sekret&auml;r. Es ist besser wenn ich ihm schreibe was ich zu sagen habe. Und wenn ich mich wieder besser f&uuml;hle kehre ich hierher zur&uuml;ck.<br \/><em>&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;.du wirst wieder zu mir zur&uuml;ck kehren&#8230;&#8230;&#8230;..<\/em><br \/>Ich fuchtel mit meinen H&auml;nden durch die Luft um die unerw&uuml;nschten Gedanken zu verscheuchen und mache mich daran Mathie einen Brief zu schreiben.<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Courier\"><\/p>\n<p>Mein lieber Freund,<\/p>\n<p>Ich bin zurueck, verzeih mir, dass dir nur diesen Brief schreibe anstatt dich zu begr&uuml;&szlig;en und mit dir zu reden. Es ist, es gibt Dinge die mich davon abhalten. Vertrau mir &#8211; bitte. <br \/>Ich habe ihn gefunden. Es gibt ihn wirklich. Es ist viel geschehen aber ich kann noch bei weitem nicht alles in Worte fassen. Es war grauenhaft . Erschreckend. Er kannte mich, er ist ein Monster ein Untier, versprich mir dass du niemals dorthin gehen wirst, egal was auch noch geschehen mag. Und versprich mir dass du meine Tochter niemals dorthin gehen lassen wirst. Er wirde sie t&ouml;ten. Er w&uuml;rde dich t&ouml;ten. <br \/>Doch was wirklich wichtig ist. Er hat mir geholfen. Er hat mir verraten wie wir uns von dieser Plage befreien k&ouml;nnen. Wie wir die Krankheit die sich an unseren Wurzeln eingenistet hat und uns das Leben verseucht unsch&auml;dlich machen. <br \/>Die Djovani werden bald eine Reise tun. Ein Handelsschiff wird in<br \/>Sveta Nedjelja anlegen und ihre Helfers Helfer werden es beladen sobald die Sonne untergegangen ist. Mit ihrem Hab und Gut und mit Kisten. Schmuggelt &Ouml;lf&auml;sser unter den Proviant. Dann wartet ab. Ein Teil am Land. Ein Teil mit kleinen schnellen Booten. Segler am besten. Ihr m&uuml;sst ihnen Zeit lassen ihr Werk zu vollenden. Ihr m&uuml;sst warten bis das Unkraut an Bord gegangen ist. Niemand darf euch bemerken. Wartet entgegen dem Wind. Wartet bis der Morgen graut. Kurz nachdem sie abgelegt haben schlagt ihr zu. Die Sonne MUSS aufgegangen sein. Kein Kampf Angesicht zu Angesicht, ihr h&auml;ttet keine Chance. Es muss ein Hinterhalt sein. Sobald dass Schiff auf dem Wasser ist m&uuml;sst ihr einen Brand legen. Vielleicht mit Pfeilen oder brennende Lappen. Ein schnelles Feuer dass sich schnell ausbreitet. Sie d&uuml;rfen es nicht l&ouml;schen k&ouml;nnen. K&uuml;mmert euch nicht um diejenigen die von Bord springen k&ouml;nnten. Lass euch nicht ablenken. Das Schiff muss brennen. DAS ist das Ziel. DAS ist die einzige Chance die wir haben. Sie rechnen nicht damit dass ihr kommt. Die &Uuml;berraschung liegt auf unserer Seite. Wenn ihr es nicht schafft ist unser Leben verwirkt, denn sie k&auml;men zur&uuml;ck und w&uuml;rden uns nicht knechten sonder ausl&ouml;schen.<br \/>Das ist was er mir verraten hat. <br \/>Wenn du &uuml;berlebst, versprich mir dass du dich Alexas annimmst. Ich &#8230; muss noch Dinge erledigen. Sag ihr dass ich sie liebe und auch du kannst dir meiner Liebe gewiss sein teurer Freund.<br \/>So will ich verbleiben. Suche mich nicht.<br \/>Vergesse mich, ich bin tot, vergiftet und es gibt nichts was mich retten k&ouml;nnte. Rette Hvar. Hvar ist alles was z&auml;hlt.<br \/>Du wirst es befreien und ich werde daf&uuml;r sorgen dass es frei bleibt.<br \/>Sage meiner Tochter. <br \/>Helena, deine Mutter, dein Fleisch und Blut wacht &uuml;ber dich und Hvar f&uuml;r alle Ewigkeiten.<br \/>In Liebe<\/p>\n<p>Lena<\/span><\/p>\n<p>Ich lasse den Federkiel sinken und lese meinen Brief nocheinmal durch. Das steht es. Ich bin tot. Kein Adrenalin. Kein erh&ouml;hter Herzschlag. Nur leise schleichende Panik. Meine zitternde Hand legt sich auf meinen Mund. Nicht wimmern. Nicht schreien. Nicht die Lieben wecken und sie zu mir locken. Jemand greift in meine Ged&auml;rme, dr&uuml;ckt zu, dreht rum und versucht sie mir aus dem K&ouml;rper zu ziehen. Mir ist so unendlich schlecht. Kein Boden unter meinen F&uuml;&szlig;en. Ein Meer von Wahrheiten, zerbrochenen Spiegeln und Fragen in dem ich langsam aber sicher untergehe und kein rettendes Ufer &#8211; h&auml;tt ich noch so viel Kraft &uuml;ber um zu schwimmen. Es h&auml;tte keinen Sinn.<br \/>Ich lasse die Schreibfeder einfach fallen, fl&uuml;chte aus meinem Heim, das nicht mehr mein zu Hause ist. Nie wieder. Meine F&uuml;&szlig;e tragen mich in die Berge zur&uuml;ck. Wohin. Wohin? Mein K&ouml;rper schreit.Er will Leben. Das Gift in meinem Leib muss bes&auml;nftig werden. Sonst werde ich verr&uuml;ckt. Oder bin ich dass schon? War ich nicht verrr&uuml;ckt zugelassen zu haben vergiftet zu werden? Habe ich dass zugelassen? Wollte ich es gar??? W&auml;hrend ich laufe dr&uuml;cke ich meine H&auml;nde gegen meine Ohren, meinen Sch&auml;del um den Irrsinn darin rauszupressen. <br \/>Irgendwann bleibe ich stehen. Nicht ein nicht aus Wissend. Mein Denken zwingt mich weiter zu Laufen. Mein Verlangen dr&auml;ngt mich zur&uuml;ck ins Dorf. Zum Leben.<br \/> &quot;Du bist zur&uuml;ck Lena Toth?&quot;werde ich angesprochen. F&uuml;r einen Moment bef&uuml;rchte ich Mathie w&auml;re mir gefolgt. Aber schon in der n&auml;chsten Sekunde rieche ich dass es nicht er ist.<br \/>\t&quot;Ja Jorgo&quot;antworte ich leise und drehe mich um.<br \/>Jorgo Ruiden. Ein Sch&auml;fer der am Fusse der Berge lebt. Kein K&auml;mpfer. Ein einfacher Hirte. Ein lieber, leicht untersetzter Mann mit Frau und drei Kindern. Mir war garnicht bewusst seiner H&uuml;tte so nah zu sein. Ich hoffe, ich bin nicht mit Absicht hier her gelaufen.<br \/>\t&quot;Wir dachten du w&auml;rst tot&quot; Er t&auml;schelt den Hund an seiner Seite der mich leise anknurrt liebevoll.<br \/> &quot;Nat&uuml;rlich bin ich tot&quot; erwider ich mit einem L&auml;cheln.&quot;Meine ganze Familie ist tot Jorgo, dass weisst du doch&quot; Zwei Gesichtig, doppelz&uuml;ngig. Die Wahrheit sprechen kann eine L&uuml;ge sein, wenn du nur die richtigen Worte w&auml;hlst. Meine Zunge spricht was anderes als was mein Kopf denkt. Aber dass weiss Jorgo nicht und ich k&ouml;nnte heulen dass es so ist.<br \/> &quot;Ja&#8230;&quot; Sagt er. &quot;Toth bist du. Konnstest du&#8230;.&quot; Seine Stimme bricht ein wenig.&quot;Konntest du etwas erreichen? Hast du etwas gesehen dass uns hilft? Jemanden?&quot; Da steht er vor mir. Seine Augen spiegeln die Angst, unser aller Angst um Hvar wieder. Daf&uuml;r liebe ich ihn. Umso mehr schmerzt mich das aufkeimende Verlangen in mir. <br \/> &quot;Ja&quot;antworte ich leise und strecke ihm meine Hand entgegen. &quot; komm mit und ich werde dir davon erz&auml;hlen. Es war schlimm. Deine Frau und deinen Kindern sollen nichts davon h&ouml;ren m&uuml;ssen. Lass uns zu den Klippen gehen.&quot; Meine Stimme ist leise und ich habe Angst sie versagt mir. Er nickt und gibt mir seine Hand. Im Vertrauen. Wir kennen uns schon so lange&#8230;<br \/>Von den Klippen kehre ich alleine wieder. Bes&auml;nftigt. Beunruhigt. Ich ziehe mich zur&uuml;ck. Ich f&uuml;hle mich unendlich m&auml;chtig. Hvar wird nie wieder leiden m&uuml;ssen.<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&quot;Helena?&quot; Sagt er zu mir. &quot;Helena, du musst das nicht tun, vielleicht&#8230;vielleicht finden wir einen anderen Weg.&quot;Ich sp&uuml;re seine Hand auf meiner Schulter. Schwer liegt sie dort. Eine kr&auml;ftige grosse Hand. Ich f&uuml;hle mich schwach, am liebsten w&uuml;rde ich weinen, &hellip; <a href=\"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=19\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-19","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-vampire"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":236,"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19\/revisions\/236"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}