{"id":6,"date":"2004-06-12T11:54:06","date_gmt":"2004-06-12T11:54:06","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=6"},"modified":"2011-12-28T17:29:48","modified_gmt":"2011-12-28T17:29:48","slug":"auf-der-flucht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=6","title":{"rendered":"Auf der Flucht"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">Es ist dieses absurde, jede Logik in den Wind schlagende Bed&uuml;rfnis des Menschens, geliebt zu werden. Absolut geliebt, mit jeder Faser des K&ouml;rpers, mit jedem Atemzug, mit jedem Gedanken. Sogar, wenn man sich selbst dar&uuml;ber bewu&szlig;t ist, dass dich eine derartige Liebe vermutlich in den Wahnsinn treiben w&uuml;rde, bleibt die Sehnsucht danach bestehen. Nicht zuletzt, weil die Erf&uuml;llung dieses Sehnens mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht Wirklichkeit wird&#8230;.<br \/>&#8230;aber wie heisst es so sch&ouml;n: Bedenke gut was du dir w&uuml;nscht&#8230;es k&ouml;nnte Wahrheit werden!<\/p>\n<p>Die ersten Male sah ich ihn nur in meinen Tr&auml;umen. Ein kleiner Junge, in den Gedanken eines kleinen M&auml;dchens.. Eine Gestalt ohne Oberfl&auml;che. Mehr f&uuml;hlbar, als alles Andere. Er begleitete mich des Nachts, war einfach nur da, ohne mit mir zu reden. Als w&uuml;rde er warten. Wohl war ich mir seiner Dunkelheit bewu&szlig;t. Aber es waren nur Tr&auml;ume&#8230;nein? Wie h&auml;tte ich ahnen k&ouml;nnen&#8230;. <br \/>Mein Leben war farblos&#8230;einfach..alles in Ordnung&#8230;nichts aufsehen erregendes&#8230;.nichtssagend&#8230;meine Familie..toll&#8230;aber nicht echt.&nbsp; So wie ich nicht echt war. Nur ein Statist in einer faden Wirklichkeit.<br \/>Irgendwann wurde ich mir seiner Gegewart bewu&szlig;t &#8211; An keinem besonderen Tag &#8211; und ich begann die Tage hinter mich zu bringen, um mich des Nachts dem Tr&auml;umen hinzugeben. Realit&auml;tsfl&uuml;chtig, nanntes es meine Eltern. Wie sollten sie auch verstehen, dass seine N&auml;he in meinen Tr&auml;umen, bei weitem realer war, als jede Realit&auml;t. Es lebe die Matrix. Je mehr Aufmerksamkeit ich ihm entgegen brachte, desto mehr gewann er an Substanz. Er wuchs mit mir, wurde echter. Und durch ihn wurde ich echter. Wie seltsam. Was dich in jeder Sekunde deines Lebens begleitet, wird dir mit der Zeit vertraut und Vertrautheit, ist ein guter N&auml;hrboden f&uuml;r Liebe.<br \/>Mein Leben teilte sich. In das l&auml;stige Tageslicht. Schule. Frauen und M&auml;nner um mich herum. Nichtsbedeutende Floskeln. Menschen die mir nah zu sein versuchten und mich nicht ber&uuml;hren k&ouml;nnte, denn im Vergleich zu IHM, war alles, was sie mir geben konnten nur kalte Asche, die im Wind verweht. Keine Glut. Keine lodernden Flammen.<br \/>Die N&auml;chte, wurden meine Tage. Als er das erstemal zu mir sprach, &ouml;ffnete sich mein Herz und mein K&ouml;rper wurde von einer nicht zu beschreibenden W&auml;rme erfasst. Ein Kribbeln, fernab jeder Einbildung. Seine Stimme&#8230;so warm..so sanft&#8230;so dunkel, wie sein Bild in mir&#8230; Streichelte meine Sinne&#8230;beinah hypnotisch&#8230; Ich lernte&#8230; Verlangen..zu verstehen. Mich verlangte es nach ihm&#8230;mich verlangte es nach mehr. Mehr von ihm.<br \/>Begierde ist eine Droge&#8230;und ich war s&uuml;chtig. <br \/>Mit einem Mal, war mir der Traum nicht mehr genug. Ich wollte, dass nicht ich, in seine Welt kommen muss, sonder er meine betr&auml;te. Ich betete, dass er durch mich, durch meinen Willen, Wirklichkeit w&uuml;rde. Glauben versetzt Berge..nein? Und eines Nachts, damals war ich mir nicht sicher, ob ich wache, oder tr&auml;ume&#8230;stand er neben mir. Sah mich aus seinen tiefgr&uuml;nen Augen, die schwarz waren wie sein Haar, an und sprach diese Worte.<br \/>&lsquo;Bald bist du soweit.&rsquo;<br \/>Und mir wurde kalt.<br \/>Wenn man ein Wesen solange in sich tr&auml;gt, nimmt man jede Schwingung dieser Gegewart auf&#8230;man liest zwischen den Zeilen und versteht, auch jene Worte, die nicht ausgesprochen wurden. Jene Worte waren es, die mich das f&uuml;rchten lehrten. Die Geister die ich rief&#8230;<br \/>Mir wurde bewu&szlig;t, dass er mir den Tod bringen w&uuml;rde. Ich hielt ihn f&uuml;r den Tod selbst. Sagt man nicht, der Tod ist stets bei dir? Drei Schritte hinter deiner linken Schulter? Vielleicht hatte sich das Schicksal dazu entschlossen, mich wissen zu lassen. Mich sehen zu lassen, was meine Zunkunft sein w&uuml;rde. Mein Tod. ER den ich liebte, ER w&uuml;rde mir meinen Atem nehmen und diese Erkenntnis machte mich Atemlos.<br \/>Breathless.<br \/>Seit jenem Tag fl&uuml;chte ich.<br \/>Kralle mich, so gut ich kann in die Wirklichkeit. Gestehe meinem Psychologen, dass ich verr&uuml;ckt bin. Schlafe nicht&#8230;..{denn im Schlaf bin ich ihm n&auml;her.}..nehme Tablette, auf dass ich nicht tr&auml;ume, wenn mein K&ouml;rper seinen Teil verlangt. Ich verschwimme in dieser Wirklichkeit&#8230;ich schwimme&#8230;kein Ufer in Sicht und langsam aber sicher geht mir die Kraft aus. Mein Verlangen nach ihm, ist stark wie nie&#8230;st&auml;rker&#8230;und es zerreisst mich&#8230;und das Wissen, dass ich es nicht erf&uuml;llen kann..nicht darf, l&auml;sst mich zerbrechen ..wie mein Spiegelbild, dass ich nicht mehr betrachten will, weil ich diese Frau f&uuml;r ihre Feigheit verachte. Die Scherben durchtrennen meine Haut und in ihnen spiegelt sich mein Leid, benetzt von meinem Blut und dennoch f&uuml;hren sie mich nur weiter den Weg entlang, der mich zu ihm f&uuml;hren wird.<br \/>Er wartet ab und l&auml;chelt. Hat alle Zeit der Welt. Geduld ist eine Waffe..nein?<br \/>Meine Liebe und mein Verlangen, sind meine Fesseln, kann sie nicht vergessen..kann sie nicht durchtrennen, kann nicht weiter rennen.<br \/>Es ist diese Nacht in der ich im Nichts schwebe. Irgendwo im Mondlicht. Mein Anglitz so blass wie sein eigenes. Seine k&uuml;hle Hand liegt auf meiner Schulter und ich habe nicht mehr die Kraft zu fl&uuml;chten. In mir ein Unwust an Gef&uuml;hlen. Ich wei&szlig; er liebt mich, so wie ich bin, seit es mich gibt..vielleicht schon vorher. Ich wei&szlig; er liebt mich, will mich in sich tragen, mich aufnehmen..mir N&auml;her sein, als jeder menschliche es k&ouml;nnte. Ich WEI&szlig; er liebt mich, er wartet schon so lange&#8230; Ich wei&szlig;&#8230;. Er liebt, was er t&ouml;tet&#8230;, alles andere w&auml;re f&uuml;r ihn unehrlich..und ich wei&szlig;&#8230;er muss t&ouml;ten, was er liebt.<br \/>&lsquo;Dich liebe ich!&rsquo; Spricht er. Und ich muss weinen vor Entsetzten und ich muss weinen vor Gl&uuml;ck. Kann dieses Sterben schlimmer sein, als mein unerf&uuml;lltes Leben? Ich wende meinen Kopf um, um ihn anzublicken. Und da sehe ich in seinen Augen, was mir all die Jahre verschlossen blieb. Auch ich kann sein Tod sein. Er stirbst sein Jahren jede Nacht, die ich nicht mit ihm verbringe Ich bin sein Leid. Meine Furcht &#8211; seine Qual. Man verletzt immer jene die man liebt..nein?<br \/>Da f&uuml;hle ich wieder dieses Kribbeln..diese W&auml;rme. Er ist Tod und ich lasse ihn atmen und f&uuml;hlen. Ich kann mich schenken,ihn gl&uuml;cklich machen und ihn verdammen. <br \/>Ich l&auml;chle ihn z&auml;rtlich an und nicke.<br \/>Dann versinkt er.<br \/>Dann ertrinkt er,<br \/>Dann verliert und nimmt er mir mein Leben.<br \/>Und als ich liege, in seinem Arm, blass und tot und er mich durch seinen K&ouml;rper flie&szlig;en f&uuml;hlt, werde ich unsterblich, weil er meinen Geschmack nimmermehr vergessen wird. <br \/>Und ich t&ouml;te, was ich liebe, jede Nacht, wenn er erwacht und ich nicht bin, um f&uuml;r ihn zu leiden&#8230;.an diesem Leid, werd ich mich weiden.<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist dieses absurde, jede Logik in den Wind schlagende Bed&uuml;rfnis des Menschens, geliebt zu werden. Absolut geliebt, mit jeder Faser des K&ouml;rpers, mit jedem Atemzug, mit jedem Gedanken. 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