{"id":7,"date":"2004-07-07T11:54:06","date_gmt":"2004-07-07T11:54:06","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=7"},"modified":"2011-12-28T17:29:48","modified_gmt":"2011-12-28T17:29:48","slug":"ein-gemalde","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=7","title":{"rendered":"Ein Gem\u00e4lde"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">Es ist ein Gem&auml;lde. Bar jeglicher Ger&auml;usche. In sich selbst perfekt.<br \/>Ich habe es gemalt. Um ein derartiges Werk zu erschaffen, Bedarfs es echter Liebe &#8211; echter Leidenschaft. Es kann Jahre dauern, bis man erkennt, welche Utensilien die Richtigen sind. Mit welchem Werkzeug man am besten arbeiten kann &#8211; die sch&ouml;nsten Ergebnisse erzielt. Ein tief inne liegendes Verst&auml;ndnis f&uuml;r die Auswahl, des passenden Untergrunds &#8211; die Seele des Werkes.<br \/>Wenn man alle Materialien gesammelt hat, findet sich der richtige Zeitpunkt von selbst &#8211; dann muss man nur noch zusammen f&uuml;gen, was zusammen geh&ouml;rt. <br \/>M&ouml;glich, dass viel Zeit vergeht, bevor alles beginnt und alles endet.<br \/>Aber Geduld ist eine wertvolle Tugend. Sie lehrt mich, zu sch&auml;tzen was ich schaffe, es im rechten Licht zu betrachten. Und so wie Gott jede Tugend belohnt, bedachte er auch mein Warten mit einem Geschenk.<br \/>Zuf&auml;lle gibt es nicht. Vielmehr ist es so: Es reihen sich tausend unbedeutender Kleinigkeiten derart aneinander, dass sie unweigerlich zu jenem Ereignis f&uuml;hren, welches geschehen MUSS. Und wenn man nur die Augen &ouml;ffnet, um zu sehen, nimmt man es wahr. Es grenzt an eine Verschw&ouml;rung &#8211; erschreckend logisch, schwer zu widerlegen. Die Fragen nach dem Warum, wird &uuml;berfl&uuml;ssig, wenn man mit ganzen Herzen erkannt hat, dass alles was man tut, nur auf diesen einen Moment zielt. <br \/>Worauf ich hinaus will?<br \/>Ich h&auml;tte ihn niemals bemerkt, wenn ich nicht m&uuml;de in seinen Arm gesunken w&auml;re. Was nicht geschehen w&auml;re, h&auml;tte ich nicht die Nacht davor, wegen Fieber durchwacht. Was nicht geschehen w&auml;re, h&auml;tte mich meine erk&auml;ltete Freundin einen Tag davor nicht besucht. Was nicht geschehen w&auml;re, h&auml;tte ihr Freund nicht mit ihr Schluss gemacht. Was nicht geschehen w&auml;re, h&auml;tte ich ihn nicht mit einer Kollegin bekannt gemacht. Was nicht geschehen w&auml;re&#8230;. Nun&#8230; ich k&ouml;nnte das noch sehr viel weiter f&uuml;hren. Das wirklich beunruhigende daran ist, wenn es nicht genau so abgelaufen w&auml;re, w&auml;re es anders gelaufen &#8211; mit demselben Ergebnis.<br \/>Ich schlie&#65439;e meinen Augen und h&ouml;re seinen Herzschlag. Nach einigen Sekunden dr&ouml;hnt sein Puls in meinem Ohr &#8211; beschwingt mein Trommelfell und diese unwirkliche Vibration ergreift meinen K&ouml;rper. Seine Arme sind um mich geschlossen. Warm. Nah. So muss es sein und nicht anders. Er riecht gut. Seine Stimme ist ruhig, spricht leise zu mir. In Gedanken vollziehe ich die Umst&auml;nde nach, die mich in diese Situation gef&uuml;hrt haben und ich erkenne: Ich bin auf dem richtigen Weg.<br \/>Er ist der Richtige, doch darf ich nichts &uuml;berst&uuml;rzen. Let it grow. In der Ruhe liegt die Kraft. Wenn ich mich nicht t&auml;usche habe ich alle Zeit der Welt, denn egal was er oder ich tun werden. Es wird geschehen. <br \/>So lasse ich mich auf ihn ein, auf das ich unter die Maske sehen kann. Ihn erkenne, ihn beim Namen nenne. Es muss ehrlich sein, es muss echt sein. Und jede Sekunde in seiner N&auml;he macht mich gl&uuml;cklicher, denn je mehr ich sehe, desto bewusster wird mir, dass ich nicht irre. Kann denn Wahrheit S&uuml;nde sein? Mit viel Hingabe arrangiere ich das Szenario, in welchem ich mein Kunstwerk erschaffen werde. Ich habe es nicht eilig. Vorfreude ist ein erreichens werter Zustand. Alles scheint so neu und aufregend. Wenn er mir in die Augen sieht, schl&auml;gt mein Herz schneller. Und.<br \/>Es schl&auml;gt schneller als ich ihn die Treppen hinab f&uuml;hre, in&nbsp; mein Atelier. Seine Hand schlie&#65439;t sich fester um meine, als wir den Raum betreten. Er hat Angst. Ich liebe ihn wirklich und w&uuml;rde ihn nicht anl&uuml;gen. Darf ihn nicht anl&uuml;gen, denn die kleinste Unwahrheit w&uuml;rde all mein Streben wertlos machen. Echtheit ist das Einzige was z&auml;hlt. Wahrheit. <br \/>Sein nackter K&ouml;rper auf dem dunklen Leder. Er sieht so wundersch&ouml;n aus, dass mein Herz mich schmerzt &#8211; mein Atem stockt. Fast wage ich es nicht ihn zu ber&uuml;hren&#8230; Und dennoch muss ich. <br \/>Er ist der perfekte Untergrund f&uuml;r mein Gem&auml;lde. Eine Seele, die meiner gleicht. Er, der mich versteht, f&uuml;rchtet und liebt. Was mehr will ich erwarten?<br \/>Meine Hand bebt, als ich das schmale schwarze K&auml;stchen &ouml;ffne, in dem sich der richtige Pinsel f&uuml;r die Leinwand befindet. Sein Atem wird schwerer, seine Augenlidern flattern leicht. Sacht blitzt der Kerzenschein wider, auf dem blanken Metall in meiner Hand. Mir scheint fast, ich kann das Adrenalin in seinem K&ouml;rper riechen. Dieselben Gef&uuml;hle in verschiedenen Rollen, denn auch ich habe weiche Knie. Behutsam n&auml;here ich mich ihm. Langsam. Jeden Schritt auskostend. Sein Blick ruht auf mir und ich h&ouml;re all die Fragen, Gedanken&#8230; F&uuml;hle seine &#65412;ngste, sein Verlangen. Wie zwei kann eins sein? Daf&uuml;r liebe ich ihn, daf&uuml;r liebe ich ihn wirklich. Keine Fesseln, die ihn halten. Kein Zwang. Aus freien St&uuml;cken, aus freiem Willen gibt er sich. Was f&uuml;r ein Geschenk!<br \/>Als ich bei ihm stehe, wird mein Gef&uuml;hl f&uuml;r ihn so &uuml;berm&auml;chtig, dass ich mich vor ihn hinknie. Beinah ehrf&uuml;rchtig, ihm dankend f&uuml;r seine Gabe. F&uuml;r seine Liebe. Wahrnehmen. Genie&#65439;en. Auskosten. <br \/>Doch darum sind wir nicht hier. Eine geschmeidige Bewegung reicht, dann sitze ich bei ihm auf der Armlehne, streiche ihm z&auml;rtlich &uuml;ber die Wangen. Er schlie&#65439;t die Augen und sieht nicht mehr, wie ich meinen Pinsel f&uuml;hre, um seine Lippen rot zu malen. <br \/>Die scharfe Klinge dringt in das empfindsame Fleisch, l&auml;sst seinen K&ouml;rper sich anspannen, aber kein Laut dringt aus seiner Kehle. Ganz nah. Ich muss das von ganz nah sehen. Das Skalpell hinterl&auml;sst eine schmale klaffende rote Spur, aus der sich langsam aber stetig sein Leben dr&auml;ngt. Noch ein wenig tiefer, damit es nicht nachdenken muss, ob an die Oberfl&auml;che kommen will oder nicht. Quellen muss es. Lebensquell. <br \/>Rote Lippen, ein d&uuml;nner roter Faden, welcher &uuml;ber den Mundwinkel, sein Kinn entlang, den Hals hinab rinnt. Wie wundersch&ouml;n. Ergriffen beuge ich mich zu ihm und koste. Seine Hand legt sich sacht an meine H&uuml;fte, mich n&auml;her ziehend. Diese Sekunde ist erregend. Mein Inneres tobt und die H&auml;rchen auf meiner Haut stellen sich eines wie das andere auf. Mehr! Ein Kuss &#8211; K&uuml;sse&#8230;<br \/>Meine Liebkosungen hinterlassen&nbsp; bizarr aussehenden Kussm&uuml;nder auf seinem K&ouml;rper. Diese Stelle, nahe der Halsbeuge, die so Kribbelt, wenn man z&auml;rtlich mit der Hand dar&uuml;ber streichelt. Diese Stelle streichelt meine Instrument Und als ich es noch etwas tiefer unter seinen Haut gleiten lasse, entkommt seinen blutigen Lippen ein atemloses, kaum vernehmbares St&ouml;hnen, dass mir ins Mark f&auml;hrt. Hei&#65439; und Kalt. Fire and Ice. DAS geht wirklich unter die Haut. Mir und Ihm. Kann kaum die Finger von ihm lassen. W&uuml;rde mich am liebsten mit ihm verbinden. Aufh&ouml;ren zwei zu sein. Aber an ihm sind noch so viele Orte die gezeichnet werden m&uuml;ssen. Es liegt tief in mir, welches Muster er tragen muss. Zu sehen wie seine Brustkorb sich stetig hebt und senkt. Wie sein K&ouml;rper erbebt, wenn ich die Klinge erneut ansetzte. Er atmet Leben aus und ich will sein Gesicht in beide H&auml;nde nehmen und ihn einatmen. Mich an ihn schmiegen, auf das die Farbe, die aus meinen Zeichnungen dringt sich mit mir verbindet und mich bemalt. Manche Striche, sind tiefer und scheinen breiter, manche kratzten nur an der Oberfl&auml;che. Ein jeder so wie er sein soll. Sein Anblick, wie er da sitzt, nimmt mir die F&auml;higkeit zu denken. Seine feine Haut zerkratz, zerteilt, zerschnitten. Verschieden gro&#65439;e Blutstropfen, die daraus hervordringen. Jeder eine unverwechselbare Spur hinter sich zur&uuml;cklassend. Die leise Qual, die in sein Gesicht geschrieben steht UND das Wissen, dass er es freiwillig ertr&auml;gt. <br \/>So liegt er vor mir, in diesem Ledersessel. Seine Augen geschlossen. Seine Lippen stumm. <br \/>Im sanften Kerzenschein.<br \/>Ich trete zur&uuml;ck und&nbsp; lasse dieses Bild auf mich wirken. <br \/>Es ist ein Gem&auml;lde. <br \/>Bar jeglicher Ger&auml;usche.<br \/>In sich selbst perfekt.<\/p>\n<\/div>\n<p> <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; line-height: 100%\"> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ein Gem&auml;lde. Bar jeglicher Ger&auml;usche. In sich selbst perfekt.Ich habe es gemalt. Um ein derartiges Werk zu erschaffen, Bedarfs es echter Liebe &#8211; echter Leidenschaft. Es kann Jahre dauern, bis man erkennt, welche Utensilien die Richtigen sind. 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