{"id":71,"date":"2006-12-11T00:30:15","date_gmt":"2006-12-11T00:30:15","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=71"},"modified":"2011-12-28T17:29:50","modified_gmt":"2011-12-28T17:29:50","slug":"01-eva-bis-zum-tod","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=71","title":{"rendered":"01.Eva bis zum Tod"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">Meine Welt ist&#8230;.anders. In meinen Augen. Und der eigene Blickwinkel ist dass, was z&auml;hlt, nicht wahr?<br \/>Das Licht dieser Welt &#8211; wie man so sch&ouml;n sagt &#8211; erblickte ich zur Wintersonnwende.[21.Dezember.1955] Ein magisches Datum, sagte meine Mutter gerne. Sie hatte &acute;nen kleinen Tick. Helena , so hie&szlig; sie, ist &uuml;brigens tod. Alle M&uuml;tter tun das irgendwann&#8230;.sterben. Der Krebs hat sie aufgefressen, sagten die &Auml;rzte. Das stimmt sogar irgendwie. Die Bilder ihrer CTs folgten mir durch meine ganze Kindheit und die b&ouml;sartigen Geschw&uuml;re wurden immer mehr und meine Mutter &#8230;.immer weniger. So ist das, wenn man Krebs hat. Jetzt liegt sie schon bald 40 Jahre unter der Erde. Im Dunklen. Im feuchten Grab. Ich besuchte sie oft und erz&auml;hlte ihr von meinem Tag. Es ist sehr praktisch mit toten Menschen zu reden. Die wiedersprechen nicht so oft. Manchmal bin ich auch traurig, w&uuml;nschte ich mir doch, sie w&uuml;rde mich in den Arm nehmen und halten. Mein Vater ist da nicht so der Typ f&uuml;r. Ich wurde &uuml;brigens in Glastonbury geborgen, oder eher auf? Obwohl ich Deutsche bin. Wie erw&auml;hnt hatte meine Mutter einen Tick. Sie VERG&Ouml;TTERTE Irland.Es ist ein magischer Ort, sagte sie. Sie wollte mich Morgaine nennen, aber mein Vater hatte da was dagegen.. Wer seinem Kind so &acute;nen Namen geben w&uuml;rd, der muss &acute;nen Knall haben.<\/p>\n<p>Wir lebten lange Zeit in M&uuml;nchen. M&uuml;nchen ist eine Stadt f&uuml;r Snobs. Snobs find ich dumm. Sie tun, als w&uuml;ssten sie alles und d&uuml;rften alles. Aber ich glaub, sie w&uuml;rden allesamt auf einmal schreiend zusammenbrechen, w&auml;ren sie auch nur einmal gen&ouml;tigt &uuml;ber ihrer Suppentellerrand zu blicken. Egal.<br \/>Mein Vater, Robert Denk, ist Gesch&auml;ftsmann. Irgendein h&ouml;heres Tier in einem Bestattungsunternehmen. Die heissen auch Denk. Er macht sein Gesch&auml;ft mit dem Tod. Lustig, oder? Er hat auch seine Frau zu Grabe getragen. In aller Professionalit&auml;t. Ohne Tr&auml;nen. Ich glaube, er kann nicht weinen. Oder vielleicht tut er auch nur so. M&auml;nner sind seltsam manchmal&#8230;.sagen manche Frauen.<br \/>In M&uuml;nchen ging ich ne Weile auf eine ganz normal Grundschule, aber weil mich meine Mitsch&uuml;ler so oft getriezt haben, hab ich schlie&szlig;lich &acute;nen Privatlehrer bekommen. Ganz f&uuml;r mich! Ich fand das triezen nicht so schlimm, aber meine Mutter meinte immer, es w&auml;re nicht recht, dass mich die Jungs an den Haaren zogen oder mir blaue Flecken zwickten. Mir hat&rsquo;s nicht so weh getan.<br \/>Meine Welt IST anders. Ich kann Schmerz, nicht so wahrnehmen wie andere, zumindest k&ouml;rperlichen nicht. In meinem Kopf sind ein paar Sachen falsch verschaltet. Wie bei einem falsch programmierten Computer.<br \/>Mein Vater sagt, das k&auml;me davon, weil ich zuviel von meiner Mutter geerbt h&auml;tte.<br \/>Meine Mutter sagte, das k&auml;me davon, weil ich ein magisches Kind sei.<br \/>Nicht wie andere.<br \/>Im Lernen war ich gut, ich kann mir viele, viele Dinge merken ohne viel zu tun. Mein Lehrer, Herr Kreisel, war sehr stolz auf mich. Darum hat&rsquo;s ihn auch nicht gest&ouml;rt, wenn ich manchmal einfach aufgestanden bin, um zu gehen. Weil es drau&szlig;en regnete oder so. Ich mag Regen. Regen f&uuml;hlt sich so lebendig an. Das ist wichtig, weil es in meinem Leben viel Tod gibt.<br \/>Ich bin ein kleiner Todesengel. Als ich mich mal verliebt hab, da war ich 11. Er hie&szlig; Karsten und hatte die wundervollsten blonden Haare, die man sich nur irgendwie vorstellen kann. Und leuchtende Blaue Augen. Jedenfalls hab ich mich mit ihm verabredet. Wir waren spazieren und Eis essen, es war sehr romantisch. Einen Tag sp&auml;ter hat ihn ein Auto tot gefahren. Bums. Vorbei.<br \/>Das Unternehmen Denk hat auch ihn bestattet. Naheliegenderweise.<br \/>Es ist schon beinah absurd. Nicht wahr?<br \/>So ist das, wenn man auf seine Kinder nicht aufpasst, sagte mein Lehrer.<br \/>Ich will gar nicht behaupten, dass ich mir eingeredet habe, meinen Mitmenschen den Tod zu bringen. Aber, ganz ehrlich, so manchmal kommt es einem schon komisch vor.<br \/>Als meine Mutter starb ,da war ich 15&#8230;.das pr&auml;gt schonmal&#8230;auf jeden Fall wurde mein Vater ein noch viel besserer Gesch&auml;ftsmann, er arbeitete noch viel h&auml;rter als fr&uuml;her. Dadurch hatte ich ziemlich viel Zeit f&uuml;r mich. St&ouml;rte mich nicht. Mir ist selten langweilig, weil es immer Dinge zu tun gibt. Auch wenn man allein ist. Man kann sch&ouml;ne Sachen ansehen. Oder Musik h&ouml;ren. Oder malen oder schreiben. Oder tanzen. Ich tanze wahnsinnig gern. Manchmal ganz ohne mich zu bewegen nur in meinem Kopf. Dann verschwindet die Welt um mich herum und ich bin wirklich etwas besonderes.<\/p>\n<p>Freunde hatte ich nicht so viele. Ich ging ja nicht zur Schule und meine Mutter passte immer sehr auf, dass mir keine b&ouml;sen Leute begegneten und dann kam ja noch hinzu, dass ich Menschen den Tod bring. Das macht&rsquo;s einem schon mal schwer jemanden zu m&ouml;gen. Darum hatte ich auch keinen Mann. Auch nicht als ich &auml;lter wurde. Aus lauter Trotz hab ich mich in den Herrn Kreisel verliebt. Kurz nach meinem Abschlu&szlig;, sowas wie ne mittlere Reife und &#8230;.. Etwa ein Jahr, nach dem Tod meiner Mutter, hat er sich umgebracht. Sich mit so einer Sportwaffe den Kopf weggeblasen. So ist das, sagte mein Vater, wenn man seine Finger in Angelegenheiten steckt, die einem nichts angehen. Hab ich nicht verstanden.<\/p>\n<p>Manchmal beschleicht mich das Gef&uuml;hl, zwischen dem Tod meiner Mutter und Herrn Kreisels Selbstmord gibt es einen Zusammenhang. Vielleicht war das auch der Grund, warum Helena und mein Vater nicht so wahnsinnig viel Zeit miteinander verbracht haben. Vielleicht ist es aber auch einfach nur passiert, weil ich da bin.<br \/>In meinem 18. Lebensjahr begannen meine Kopfschmerzen. Migr&auml;ne, sagte die &Auml;rztin und gab mir ein Mittel dagegen. Manchmal half es, manchmal nicht. Kopfschmerzen k&ouml;nnen sehr faszinierend sein. Wenn es so arg sticht, dass du nicht mal wagst, deinen eigenen Namen zu denken, verschiebt sich die Wahrnehmung, die Welt&#8230;alles. Die Schmerzen mochte ich nicht, aber dass, was sie mir er&ouml;ffneten, das fand ich toll.<br \/>Zwei Jahre sp&auml;ter, begann die sch&ouml;nste Zeit meines Lebens. Mein Vater hatte mich zu einigen &Auml;rzten gebracht wegen der Migr&auml;ne. Und einmal durfte ich auch in so eine R&ouml;hre, so eine, wie die, in denen meinen Mutter immer gelegen hatte zum fotografieren. Nein. Tomographie. Meine Bilder durfte ich nicht sehen. Aber mein Vater schenkte mir eine EIGENE! Kreditkarte und sagte, ich solle mir die Welt ansehen und mir eine sch&ouml;ne Zeit machen.<br \/>Hab ich auch.<br \/>Im ersten Jahr besuchte ich Island und hab mir die hei&szlig;en Quellen angeguckt und darin gebadet.<br \/>Und ich war in Griechenland, hab die Akropolis geb&uuml;hrend bestaunt. Im zweiten Jahr, hab ich mich &uuml;ber die Franzosen ge&auml;rgert und war dennoch hingerissen, von diesem Berg bei Paris, wo die ganzen K&uuml;nstler malen. Mon Matre? Keine Ahnung wie man den schreibt, aber dort f&uuml;hlte sich die Welt ganz wundervoll frei an. Ich wanderte durch Wien&#8230;.sprang zwischen Buddha und Pest hin und her.<br \/>Im dritten Jahr, versteckte ich mich in einer Kathedrale bei Prag, die mit Knochen &uuml;berf&uuml;llt war. Und ich warf in Ostfriesland Schlamm auf andere Leute. Aber nur einmal. Im vierten Jahr&#8230;&#8230;&#8230;. War ich auf Hvar. Einer Insel in Jugoslawien. Dort blieb ich lange. Wie das Dorf hei&szlig;t, wei&szlig; ich nimmer, aber das Kloster dort in den Bergen, zu dem es nur eine Stunde Fu&szlig;weg brauchte. DAS war&#8230;.magisch. Da hab ich meine Mutter endlich verstanden. Hab dort viel nachgedacht. Viele Dinge verstanden.<br \/>Auch warum mir mein Vater die Kreditkarte geschenkt hatte.<br \/>Dort hab ich auch den Tod gesehen. Eines Nachts.<br \/>Es war ein Mann, dessen Gesichtsz&uuml;ge so fein waren, wie die einer Frau. Oder vielleicht war es auch eine Frau, deren Stimme so tief und sanft war, wie die eines Mannes. Er sa&szlig; auf der Mauer, in der N&auml;he vom Glockenturm und blickte hinab zu dem Dorf. Schwarze einfache leinene Kleidung, wie es dort &uuml;blich war. Ich wusste sofort, dass es der Tod ist. Weil ich doch sein Engel bin. Hab&rsquo;s daran gesehen, wie er seinen Kopf drehte. Hab&rsquo;s an seinem Blick erkannt.<br \/>&ldquo;M&auml;dchen&rdquo; hat er gesagt&#8230;nein gefl&uuml;stert. &ldquo; M&auml;dchen komm her!&rdquo;<br \/>Und ich ging zu ihm. Ohne Angst. Warum auch. Wusste ja eh schon, dass ich sterben werd. Dort zu stehen und ihm in die Augen zu sehen, waren die lebendigsten Momente in meinem Leben. So ehrlich. So unbeschreiblich innig und echt. Ohne auch nur ein Wort zu sagen, schenkte er mir mehr Trost, mehr Gef&uuml;hl, als ich jemals zuvor auch nur erdenken h&auml;tte k&ouml;nnen. Dann scheint mir alles verworren und doch echt. Als w&auml;re es nur eine Erinnerung, die ich mir zurechtgetr&auml;umt habe. Weil sie so wundervoll ist. Er k&uuml;sste mich. Der erste Mann, der mich &uuml;berhaupt k&uuml;sste. Nicht mein Gesicht, oder mein Abbild, sonder mich, mein Innerstes, alles was mich ausmacht, meine Seele.<br \/>Und ich verstand, dass ich nur den Tod lieben kann, weil der nicht wegsterben wird. Doch als ich mich am n&auml;chsten Morgen wiederfand, an dieser Stelle am Boden liegend, wie ein vergessenes Gep&auml;ckst&uuml;ck, waren meine Kopfschmerzen schlimmer als je zuvor. Es ging mir schlechter als je zuvor und ich kehrte zur&uuml;ck nach M&uuml;nchen. Danach bin ich nur noch einmal verreist. Im f&uuml;nften Jahr. Meinem 25igsten Lebensjahr.<br \/>Nach New York.<br \/>Mein Vater schickte mich dort hin. Es sollte da f&auml;hige &Auml;rzte geben, die mir helfen k&ouml;nnen. Die es vielleicht schaffen w&uuml;rden, dieses Ding aus meinem Kopf zu schneiden, dass mich falsch programmiert. Vielleicht verhindern, dass ich sterbe. Ich wohnte ich in so einer kleinen, aber h&uuml;bschen Wohnung in der N&auml;he der Wave Hill Gardens. Tags&uuml;ber war ich oft einige Stunden im Krankenhaus, manchte ein paar Erledigungen. Nachts ging ich tanzen manchmal, in den lauten Clubs. Oder ich schrieb. Oder ich sa&szlig; im Park und suche den Tod, damit er mich noch mal k&uuml;sst und mich gl&uuml;cklich sein l&auml;sst.<br \/>Egal. Zeit vergeht.<\/p>\n<p>&ldquo;Frau Denk!&rdquo; Sagt Mr. Miller, nat&uuml;rlich auf amerkikanisch, aber weil ich nicht so schlecht bin im Englisch macht das keinen Unterschied. &ldquo;Frau Denk, es gibt keine angebrachte Weise ihnen diese Mitteilung zu machen, darum sage ich es, wie es ist&#8230;&rdquo;<\/p>\n<p>&#8230;..Zeit verging: 6 Monate lebte ich in New York.. <br \/>6 Monate lang lief ich jeden Tag ins Krankenhaus und lie&szlig; andere Leute in meinen Kopf sehen. (Ich w&uuml;nscht ich k&ouml;nnte mich sehn, in deinem Kopf, in deinem Kopf&#8230;Kopfkino) In diesen sechs Monaten begleiteten mich meine Kopfschmerzen. Manchmal so schlimm, dass ich glauben wollte, es k&ouml;nnte nicht mehr schlimmer werden. Es konnte wohl. Und ich konnt und wollt mich nicht recht daran gew&ouml;hnen, weil&#8230;.jedesmal wenn ich dachte&#8230;okay&#8230;es IST schmerzvoll, aber noch ertr&auml;glich, wurde ich alsbald eines besseren belehrt. DAS geht. Und eigentlich wollte ich nicht wirklich rausfinden, wann der Endpunkt erreicht ist.<br \/>Die Tage, an denen es ruhig war &#8211; in mir, an denen ging ich Nachts tanzen. Lie&szlig; das Stroboskoplicht durch meine Augen in mein Hirn tanzen und meinen K&ouml;rper im Rausch der T&ouml;ne versinken. Wenn es in mir nicht ruhig war, ging ich in den Park, gleich nach dem Krankenhaus. Dort blieb ich meistens bis tief in die Nacht. Die sich erhebende Dunkelheit genie&szlig;end&#8230;mit ihrer Stille.Beides tat mir gut&#8230;bes&auml;nftige die Wellen in mir&#8230;wenn sie losbrechen wollten um mich zu brechen. Was einem gut tut lernt man lieben.<br \/>Die letzten beiden Monate&#8230;.verbrachte ich sehr oft im Park. Wenn noch Tag war, mit geschlossenen Augen, wegen dem Licht, damit der Kopf nicht so tobte. Mit der Zeit erkannte ich Dinge wieder. Umst&auml;nde. Wie zum Beispiel&#8230;die M&uuml;tter, die tags&uuml;ber mit ihrern Kindern regelm&auml;&szlig;ig im Park spielten. Erst an dem Klang ihrer Stimmen, sp&auml;ter an der Art und Weise, wie sie ihre Schritte setzten. Und manchmal glaubte ich sogar riechen zu k&ouml;nnen, ob es die zaghafte Griechin war, mit den beiden schweigsamen S&auml;uglingen, oder die Puertoricanerin&#8230;.gelassen bis ins letzte&#8230;.deren elfj&auml;hriger Sohn, mit Vorliebe stundenlang verschwand, nur um dann urpl&ouml;tzlich wieder aufzutauchen als ob nichts gewesen w&auml;re. An einem Donnerstag wurde mir bewusst &#8211; mit Gewissheit bewusst &#8211; dass er bald schon nicht mehr zur&uuml;ckkommen w&uuml;rde&#8230;ich h&ouml;rte es an den Vibrationen in seiner Stimme als er sagte: &rdquo;Komm gleich &#8230;&#8230;&#8230; [Ich &lsquo;sah&rsquo; seine Mutter&#8230;an ihrem dunkelgr&uuml;nen Telefon stehen, daheim bei sich &#8230;die rote LED blinkt&#8230;.eine Nachricht auf ihrem Anrufbeantwortete&#8230;dann dr&uuml;ckt sie drauf&#8230;.dann verliert sich ihre Fassung&#8230;.ihr Anglitz wird blass&#8230;sie schwankt&#8230;h&auml;lt sich an der Wand&#8230;.ihre Mimik verzerrt sich&#8230;.ihre Augen werden zu salzernen Fl&uuml;ssen&#8230;.ihre Lippen &ouml;ffnen sich zu einem lautlosen Schrei&#8230;. Dann vorbei.] &#8230;&#8230;&#8230;..wieder Mum!&rdquo; <br \/>Klingt komisch?<br \/>Jedenfalls lernte ich den Park nebst seinen Bewohnern kennen. Welche Tageszeit, welche Farbe die B&auml;ume zeichnete. Welche Bl&auml;tter, wie sie im Wind rauschten. Man will gar nicht glauben, wie viel man wahrnimmt, wenn man sich auf etwas konzentriert. Drei oder viermal glaubte ich auch den Tod gesehen, oder nein&#8230;viel mehr gef&uuml;hlt zu haben. Wenn ich da so sa&szlig;, des Nachts. Nicht dass ich es an jemanden , oder etwas h&auml;tte festmachen k&ouml;nnen. Es war mehr so, als w&uuml;rde irgend ein Eindruck, den richtigen Hebel aktivieren und mich an Hvar denken lassen. M&auml;dchen, M&auml;dchen komm her. Doch wenn ich mich umsah, war er nicht da &#8211; der Tod.<br \/>Ich konnt ihn nicht finden, daf&uuml;r fand er mich.<\/p>\n<p>&ldquo;&#8230;..sie werden sterben!&rdquo; Vollendete Mr. Miller seinen Satz und der durfte sowas sagen, der war n&auml;mlich ein hoch dotierter Neurochirug.<br \/>Ich sa&szlig; bei ihm in seinem B&uuml;ro und sah ihn einfach nur an. Sein Blick war scheinbar hart. Proffessionell. <br \/>&lsquo;Ganz der Vater&rsquo; scho&szlig; es mir durch den Kopf. Er konnte ja nichts daf&uuml;r. Meine Fehlschaltung nennt sich GlioBlastom, was bl&ouml;d klingt. Und auch bl&ouml;d ist. Das war Schuld an meinem vielen Kopfweh. Er frass in meinem Kopf, so wie der Krebs meine Mama gefressen hatte. Mr. Millers Augelider flatterten leicht und ich wusste, dass es ihm leid tat. Um mich. Darum dass er mir nicht helfen konnte. Sein Gesicht war seine Arztmaske&#8230;aber nicht ganz perfekt.<br \/>Ich l&auml;chlete ihn an, weil ich es lieb fand, dass es ihm leid tut. Was Neues hatte er mir nicht erz&auml;hlt. Wusste ich doch schon seit Hvar, dass der Tod mich noch einmal k&uuml;ssen MUSSTE. Weil ICH es mir w&uuml;nschte. Es ist doch ganz nat&uuml;rlich, dass man einen perfekten Augenblick wieder erleben will&#8230;oder?<\/p>\n<p>Auf dem Weg in meine Wohnung zur&uuml;ck dachte ich viel nach. Was aus mir werden w&uuml;rden? Was nach mir sein w&uuml;rde? Was geschieht denn, wenn man weg ist?<br \/>F&uuml;r einen selbst ist es wohl egal, dass Einzige was bleibt, ist die Trauer jener die &uuml;ber bleiben. Ob mein Vater an meinem Grab weinen k&ouml;nnte? Ich glaubte ja fast nicht daran. Wenn ich nur noch einen Tag zu leben h&auml;tte, was w&uuml;rd ich tun? Was w&uuml;rd ich tun.<br \/>M&auml;dchen. M&auml;dchen komm her.<br \/>Und ich ging.<br \/>&#8230;<br \/>Wenn es denn so sein muss, wenn ich denn jetzt schon den Tod nehmen muss, dann will ich wenigstens meinen Tod sterben. Ich will wieder Engel sein und zu meinem Gott fliegen.<br \/>Mein Entschluss ist gefasst. Zwei Tage sp&auml;ter halte ich ein Flugtickend in der Hand. Zur&uuml;ck in die alte Welt.<br \/>Europa. Zagreb. <br \/>Von dort mit dem Zug zum Meer. Mit dem F&auml;hrbott zur&uuml;ck nach Hvar.<br \/>Hvar.<br \/>Tags&uuml;ber schlafe ich auch dort. Das Licht macht mein Kopfweh unertr&auml;glich. Nachst wandere ich auf dem Fussweg den Berg hinauf. Erklimme die Stufen und warte am Glockenturm des alten Klosters auf diesen wundersch&ouml;nen Mann. Das er kommt um mich zu k&uuml;ssen. Nacht f&uuml;r Nacht sitz ich auf der Mauer, betrachte die Sterne, lausche dem Zirpen der Grillen und dem entfernten Rauschen der Wellen, wenn sie an Land kriechen&#8230;wieder und wieder und wieder.<br \/>Ich beobachte den Mond beim abnehmen. Ich beobachte den Mond beim zunehmen.<br \/>Fast ist es wie in meinem Park. Nur sind es andere Dinge, die ich kennenlerne. Es ist wundersch&ouml;n!<br \/>Jasmingeruch liegt in der Luft. Bet&auml;ubend. Berauschend!<br \/>Als ich an irgendeinem Abend schon vergessen habe, warum ich mich zu Kloster begebe, ver&auml;ndert sich alles. Die gerade unter gegangene Sonne malt die Reste des Horizonts noch violett&#8230;.das Violett verschwimmt sacht mit dem zarten Blauschwarz der aufsteigenden Nacht und das Dunkel der Nacht muss dem Schein des vollen Mondes weichen. Im Glocketurm sitzt eine Kr&auml;he. Dann ist es, als w&uuml;rde die Welt den Atem anhalten. Ich h&ouml;re keine Ger&auml;usche mehr, als s&auml;&szlig;e ich im Vakuum. Wie auf ein unh&ouml;rbares Kommando hin, erhebt sich der Schwarze Vogel&#8230;sein Fl&uuml;gelschlag&#8230;<\/p>\n<p>&#8230;.Flap&#8230;.Flap&#8230;.Flap&#8230;.<br \/>Verliert sich leise in das&#8230;<br \/>&#8230;.Tap&#8230;.Tap&#8230;.Tap&#8230;.<\/p>\n<p>Vollzogener Schritte. Ein Mann steigt die Stufen empor. Fast will ich frohlocken, fast will ich hoffen. ER ist es. Doch es ist nur ein alter Mann. Braungebrannt, mit grauen langen Haaren. Auf dem ersten Blick wirkt seine Frisur, als w&auml;re er gerade aufgestanden und h&auml;tte vergessen sich zu k&auml;mmen. Auf den zweiten Blick k&ouml;nnt ich Stein und Bein darauf schw&ouml;ren, dass jede Str&auml;hne so verwirrt sie wirken mag, genau an dem Platz sitzt, an den sie geh&ouml;rt. Kein Zufall, sonder perfekt arrangiertes Chaos. Ich sehe ein Muster. Er ist bepackt wie ein Maultier. Ein lederner Beutel, eine Staffelei, eine Pappr&ouml;hre. Als er oben ankommt, nickt er mir freundlich zu, als h&auml;tte er nichts anderes erwartet. Dann stellt er seinen Stafflei auf und spannt eine Leinwand darauf. Wird wohl ein Maler sein. Ich beobachte ihn dabei, als w&auml;re ich diejenige, f&uuml;r die er das alles tut.<br \/>&ldquo;Wartest du schon lange M&auml;dchen?&rdquo; Fragt er, w&auml;hrend er seine Farben eine nach der anderen auspackt und auf dem M&auml;uerchen positioniert, auf dem auch ich sitzte.. Seine Stimme ist rauh und warm.<br \/>&ldquo;Seit bald einem&#8230;&#8230;&#8230;&rdquo; &lsquo;Monat&rsquo; will ich sagen. Doch als ich den Mund nach dem Sprechen wieder schlie&szlig;e, wird mir bewusst, dass ich &ldquo;&#8230;Jahr!&rdquo; Gesagt habe. Bald ein Jahr ist es her, dass ich hier war.<br \/>&ldquo;Ein Jahr ist nur ein Augenblick in der Ewigkeit.&rdquo; Meint er philosophisch, aber mit einem v&auml;terlichen Augenzwinkern.<br \/>Ich schmunzle vergn&uuml;gt, baumel mit den Beinen und guck in den Sternenhimmel hoch.<br \/>&ldquo;Hab dann nicht mehr so viel Augenblicke&#8230;darum bin ich hier&#8230;&#8230;.auch hier,&rdquo; erz&auml;hle ich freim&uuml;tig, warum auch nicht. Er ist ein alter Mann und wei&szlig; um das Leben. So sieht er zumindest aus.<br \/>&ldquo;Nun, du hast so lange gewartet, dann magst du gewi&szlig; noch ein kleines bisschen l&auml;nger warten?&#8230;.Vielleicht bis ich dich gemalt habe, hm?&rdquo; Spricht er und zieht einen Pinsel hervor. Zaghaft verknote ich meine Finger, nicke leicht und halte dann still. Verlegen macht mich das, weil ich mich doch nicht so besonders finde. Seine Pinselstrich liebkost das Papier, ich kann es h&ouml;ren.<br \/>&ldquo;Deine Farben leuchten im Mondlicht wundersch&ouml;n,&rdquo; fl&uuml;stert er fast ehrf&uuml;rchtig und seine Stimme jagt mir eine G&auml;nsehaut &uuml;ber denK&ouml;rper. Doch bevor ich ansetzen kann, um ihn zu fragen, was er denn mit &lsquo;meinen Farben&rsquo; meint, spricht er schon weiter. &ldquo;&#8230;auf wen wartest du?&rdquo;<br \/>&ldquo;Auf den Tod,&ldquo; antworte ich. &ldquo; Ich bin sein Engel!&rdquo;<br \/>Seine wei&szlig;e Augenbraue zuckt nach oben und ich denk schon, er h&auml;lt mit dem malen inne &#8211; doch er tuts nicht.<br \/>&ldquo;Du bist sein Engel? Erz&auml;hl mehr M&auml;dchen!&rdquo;<br \/>Das tu ich dann auch. Willig. Gibt es doch so wenig Menschen in meinem Leben, denen ich von mir und meiner Welt berichten kann. Ich erz&auml;hle&#8230;von mir&#8230;meinen Gedanken&#8230;meiner Kindheit, meiner Mutter, meinem Vater&#8230;von Herrn Kreisel&#8230;von den Dinge die ich gerne tu, die mich faszinieren&#8230;davon, dass man die Welt h&ouml;ren kann ohne sie sehen zu m&uuml;ssen, von dem Jungen, um dessen Tod ich wei&szlig;, obwohl ich es nicht wissen KANN. Meinen Kopfschmerzen und davon wie der Tod mich begleitet, und ich ihn&#8230;und dass das auch der Grund ist warum ich hier sitze und in den Himmel starre. Er lauscht aufmerksam, ich wei&szlig; es, obwohl er nicht einmal seinen Blick von der Leindwand nimmt. Und er lacht mich nicht aus. Es ist eine seltsame Vertrautheit zwischen uns. Diesem alten Mann und mir. Ich w&uuml;nschte mir, mein Vater h&auml;tte sich nur einmal die Zeit genommen wir so zuzuh&ouml;ren. Aber daf&uuml;r ist es zu sp&auml;t, nicht wahr?<br \/>Als ich eine Weile schweige, weil mir nicht mehr nach reden ist, beginnt er zu sprechen.<br \/>&ldquo;Diese Insel, Hvar&#8230;ist etwas besonderes. Ein besonderer Ort auf dieser Welt. Es gibt kaum einen Ort, der von seinen Bewohner, derart geliebt wird und gleichzeitig gef&uuml;rchtet. Hvar hat schon viel gesehen &#8230;viel erlebt. Wenn du dir Zeit nimmst, dem Wind, den Wellen zu lauschen, wenn DU, Kind, deine Hand auf den Stein dieser Mauern legst erz&auml;hlen sie dir Geschichten. Grausame, lustige Geschichten&#8230;voller Hingabe, voller Liebe. ECHTHEIT!&rdquo;<br \/>Seine alten Lippen umspielt ein L&auml;cheln. Der Klang seiner Worte geht mir durch und durch, ich lege mich zur&uuml;ck, r&uuml;cklings auf die Mauer und schlie&szlig;e meine Augen. Wenn diese Steine sprechen k&ouml;nnten, was w&uuml;rden sie sagen?<br \/>&ldquo;Sie k&ouml;nnen es M&auml;dchen, du musst nur zuh&ouml;ren&#8230;&rdquo;<br \/>Sie k&ouml;nnen es, sie k&ouml;nnen es.<br \/>Ich lausche und h&ouml;re nur das leise Kratzen des Pinsels auf der Leinwand. Chrrrt. Chrrt&#8230;wird zu einem scht..scht&#8230; Wird zu dem schlagen der Wellen am Strand, ich l&auml;chle leise und gleite in einen Halbschlaf, begleitet von seinen Worten.<\/p>\n<p>Im Herzen der Berge auf Hvar gibt es ein Kloster, schon so alt das niemand den Namen mehr weiss. Unwirkliche Dinge gehen darin vor. Nachts kriecht das Grauen daraus hervor und findet seinen Weg ins Tal zu den Kindern Hvars um sich zu nehmen was es zum Leben braucht. Jene die behaupten es gesehen zu haben sind verr&uuml;ckt geworden. ES ist so alt wie Hvar selbst und ES geh&ouml;rt dazu. Alles hat zwei Seiten. Hvar ist die Sch&ouml;ne. ES ist die Schreckliche. Dennoch sind sie untrennbar miteinander vereint. Manche kennen seinen Namen, auch wenn sie ihn nicht aussprechen. Von all jenen die dorthin gingen um ES zu suchen kam nur Zwei wieder. Einer von ihnen war Hastor, der seid jenem Tag den Namen Toth tr&auml;gt. Was damals geschah weiss niemand. Mit seinem Blut und seinem Schweiss schuf Hastor dass Dorf zum Fusse dieses Berges. ES hat ihm geholfen wie auch immer. Deswegen gibt es Hvar, deswegen gibt es die Toth. Die Zweite, die zur&uuml;ck kam, war Helena Toth. Sie erkaufte mit ihrem Blut, die Freiheit Hvars. Reinigte diesen Ort von den grausamen Machenschaften der Djovanni&#8230;seiner Zeit. Beide gaben alles um zu retten was sie lieben. Beide wurden echte Kinder Hvars. Ich liebte sie beide.<br \/>Willst du ein Kind Hvars werden?<br \/>&#8230;.genie&szlig;e den Sonnenaufgang!<\/p>\n<p>Ein Fl&uuml;stern in meinem Ohr. Ich blinzle. Der Himmel ist dunkelt&uuml;rkis. Wie wundervoll. Ich finde mich auf der Mauer dieses Klosters liegend wieder. Hab geschlafen. Hab getr&auml;umt. Von alten Geschichten, von einer wundersch&ouml;nen Frau namens Helena&#8230;.von Krieg und Tod. Tod. Der alte Mann. Hab ich auch ihn nur getr&auml;umt? Ich richte mich auf und sehe mich suchend um. Ich bin allein. Kein Mann, keine Leindwand, keine Farben&#8230;.schlie&szlig;lich bleibt mein Blick auf der Meeresbucht liegen, die man von dem hier erh&ouml;hten Standpunktaus wundervoll sehen kann.<br \/>Die Sonne geht auf.<br \/>Mein Atem stockt mir, als h&auml;tte ich noch nie gesehen, wie das Licht die Welt erweckt. Das Wasser gl&auml;nzt von einem gleissernem metallischen Blau, so hell, dass ich beinah wegsehen m&ouml;chte. Doch es scheint mir wichtig diesen Anblick in mich aufzusaugen. Darum bleibe ich sitzen. Ich sp&uuml;re, dass mein Leben an einem Wendepunkt ist. Das ist mir mit einer Deutlichkeit klar, die keinen Platz f&uuml;r Zweifel l&auml;sst. Noch niemals war ich so klar im Kopf. Noch niemals versp&uuml;rte ich ein derartiges Verst&auml;ndnis f&uuml;r die Dinge der Welt in mir. Dann steige ich die Stufen hinab, folge dem ausgetrampelten Weg zur&uuml;ck ins Dorf. An diesem Tag bin ich eine ganz normale junge Frau. Mich plagt kein Leid, keine Schmerzen, ich schlender &uuml;ber den Markt, versuche von diesen Fr&uuml;chten, koste von jenem Wein. Ich gestatte mir mich an den Strand zu legen und in der Sonne zu braten, etwas, was mich normalerweise meinen Verstand kostet. Ich g&ouml;nne mir ein fast schon dekadentes Abendessen.<br \/>Ich schreibe meinem Vater eine Postkarte:<\/p>\n<p>&ldquo;Hi Paps, ich lebe wie noch nie zuvor! In Liebe,Eva.&rdquo;<\/p>\n<p>Ich adressiere und frankiere sie und lasse sie in meinem Zimmer liegen.<br \/>Die Sonne bereitet sich zum schlafen gehen und ich WEISS ich muss zu dem Kloster zur&uuml;ckkehren. Dieses Mal noch. Ein letztes Mal noch.<br \/>Es ist fast das Gef&uuml;hl, wie damals als ich mit Karsten Eis essen war. Bin so beschwingt, voller Energie, voller Leben. Wie eigenartig wundervoll, so erf&uuml;llt von Gl&uuml;ck. Als ich oben ankomme, setzte ich mich nicht auf die Mauer, ich schlender an dem Glockenturm vorbei, die Felswand entlang, bis zu einer kleinen eisernen Pforte.<br \/>Tritt ein, bring Gl&uuml;ck herein.<br \/>Dieses Tor f&uuml;hrt mich zu einer steinernen Galerie, von der aus ich in die felsige Schlucht blicken kann am Ende ein ausgeschlagener Durchgang. Mit jedem Schritt w&auml;chst eine Unruhe in mir. Mit jedem Schritt verliert sich das Tageslicht mehr. Mit jedem Schritt, n&auml;here ich mich&#8230;&#8230;.meinem Ziel?<br \/>Der Durchgang verschluckt mich und ich sp&uuml;re IHN, noch bevor er sich zu erkennen gibt.<br \/>&ldquo;Da bist du wieder M&auml;dchen!&rdquo;<br \/>Diese Stimme, SEINE Stimme, ich w&uuml;rde sie unter tausenden erkennen&#8230;meiner Herz beginnt wild zu schlagen. So sanft, so sacht, so warm, so nah. Endlich find ich wieder was ich suchte. Seit jenem Tag suchte. Mir wird etwas schwindelig und ich st&uuml;tze mich an der k&uuml;hlen Steinwand ab.<br \/>&ldquo;Hab dich gesucht!&rdquo; Fl&uuml;ster ich, als ob es ein Geheimnis w&auml;re, dass niemand wissen d&uuml;rfte.<br \/>&ldquo;Ich wei&szlig;,&rdquo;erwidert er, dann h&ouml;re ich Schritte und sein Gesicht entsteigt der Dunkelheit wie ein Ph&ouml;nix aus der Asche. Ein Ph&ouml;nix bringt Tod und neues Leben, nicht wahr?<br \/>&ldquo;Hab dich vermisst,&rdquo; hauche ich und schlucke meine Nervosit&auml;t hinunter.<br \/>&ldquo;So wie ich dich M&auml;dchen.&rdquo; Seine Stimme ist ein Gedicht&#8230;seine Art sich zu bewegen ein hypnotischer Tanz. Wie er auf mich zukommt. Wie er mich ansieht. Diese Augen&#8230;so vertraut, so gekannt&#8230;unvergessen? Ich senke meinen Blick, weil ich es nicht ertragen kann, soviel Sch&ouml;nheit zu sehen. Es raubt mir den Verstand. Zaghaft knabbere ich an meiner Unterlippe und &uuml;berwinde meine Unsicherheit.<br \/>&ldquo;Hab mich in dich verliebt!&rdquo; Gestehe ich.<br \/>Seine filigranen Finger ber&uuml;hren mein Kinn, meine Kopf sacht nach obend zwingend.<br \/>&ldquo;Darum bin ich hier&#8230;.&rdquo;<br \/>Als mein Blick den seinen trifft, erkenne ich die Augen des alten Mannes wieder, in diesem jungen g&ouml;ttlichen Gesicht. Mit einem Schlag trifft mich eine Erkenntnis, die nicht wahr sein KANN. Ich bin verr&uuml;ckt. Ich MUSS verr&uuml;ckt sein. Denn das was ich zu wissen glaube, ist so absurd, dass es mein Verstand sein muss, der mich in die Irre f&uuml;hrt. Ich beginne zu zittern und die Intensit&auml;t mit der er mich betrachtet zieht mir den Boden unter den F&uuml;&szlig;en weg.<br \/>&ldquo;Der Maler&#8230;&rdquo; Fast schon unabsichtlich spreche ich diese Worte.<br \/>Seine Lippen umspielt ein am&uuml;siertes? L&auml;cheln. &ldquo;Das M&auml;dchen&#8230;&rdquo;<br \/>Seine Fingerspitzen die mich ber&uuml;hren..so k&uuml;hl&#8230;streichen &uuml;ber meine Wangen, als w&auml;re ich ein Kunstwerk, dass er erf&uuml;hlen m&ouml;chte. Ich begehre diese Ber&uuml;hrung, ich will weglaufen. Denn das, was hier geschieht, ist nicht von dieser Welt. Was mir mit aller Gewissheit klar ist, ist unm&ouml;glich. Undenkbar. Wie kann er zwei sein und doch eins?<br \/>&ldquo;Jetzt hast du gefunden&#8230;..&rdquo;spricht er und seine Hand will in meinen Nacken kriechen, um mich zu halten, doch ich weiche zur&uuml;ck. Von pl&ouml;tzlichem Zweifel erfasst.<br \/>&ldquo;Das ist verr&uuml;ckt!&rdquo; Presse ich hervor&#8230;von einer Art Angst ergriffen. Wie konnte ich jemals glauben, den Tod lieben zu k&ouml;nnen. Mensch, der ich bin. Frau, die ich bin. Doch ganz normal. Meine Welt dreht sich, sonst m&uuml;sst ich laufen, sonst w&uuml;rd ich fliehen. Alles absurd.<br \/>Er folgt meinem Weichen ohne Hast, als w&uuml;sste er, dass ich nicht f&auml;hig bin ihm wirklich zu entkommen. &ldquo;Auf einmal soviele Zweifel?&rdquo; Das schelmische Blitzen in seinen Augen macht mir wirklich Angst. Ich nicke hastig und dr&uuml;cke mich an die Felswand. W&uuml;nsche mir in dem Stein versinken zu k&ouml;nnen. Einfach zu verschwinden. Er tritt heran, presst mich mit seinem K&ouml;rper mit sanften Nachdruck gegen den Fels. Mein Leib wird von einer seltsamen Errugung erfasst, meine Wangen r&ouml;ten sich, mein Geist zerreisst. Zusammenpassen will ich nicht. Zwiesp&auml;ltig. Zwiegespalten. JA. ICH ZWEIFLE! Will ich ihm entgegenschreien. Doch meine Lippen schweigen stumm. Sein Blick ist so z&auml;rtlich wie der eines Vaters. Seine H&auml;nde so z&auml;rtlich, wie die eines Mannes&#8230;sie streichen&#8230;mit fast schon perfiden Genuss mein dunkles Haar beiseite und entbl&ouml;sen meinen Hals. Legen mich offen. Manchen mich angreifbar.<br \/>&ldquo;Zweifel ist, was uns ausmacht&#8230;mein M&auml;dchen&rdquo; Obwohl seine Stimme ganz ruhig spricht, klingt doch ein Lachen mit&#8230;.&rdquo;&#8230;du bist perfekt!&rdquo;<br \/>In einem Anfall von Schw&auml;che schlie&szlig;e ich meine Augen. Was er spricht ist ein Liebesgest&auml;ndnis. Vom Tod, an seinen Engel. Was ich sein wollte, will &#8230;bin. Mein Widerstand sinkt, wissend, dass meine Wahl schon getroffen ist. Ich h&ouml;re sein L&auml;cheln. Seine N&auml;he macht mich wahnsinnig. Meine G&uuml;te, nat&uuml;rlich liebe ich ihn, mit allem was ich bin. Und als ich das denke, als ich das f&uuml;hle, wird dieses Gef&uuml;hl noch ein vielfaches St&auml;rker als h&auml;tte dieses Wissen eine T&uuml;r ge&ouml;ffnet. Der Tod malt mich blau und ich f&uuml;hle dieses Emotion von uneingeschr&auml;nkter Liebe so intensiv, dass ich bebe, lebe, vergehe vor Gier, ich will ber&uuml;hren, verstehen&#8230;noch n&auml;her sein&#8230;eins sein.<br \/>&ldquo;So ist es fein, gib dich&#8230;verlieb dich&#8230;f&uuml;rchte nicht was kommt, denn ich bin dein&#8230;.hab Angst M&auml;dchen&#8230;denn du&#8230;&#8230;.bist mein!&rdquo;<br \/>Seine Worte verschlingen mich&#8230;bezaubern und verwirren mich. Wollt ich laufen? Wollt ich zweifeln? Wollt ich jemals NICHT bei ihm sein? Meine H&auml;nde entkrampfen sich und suchen zaghaft seinen K&ouml;rper&#8230;sich an ihn haltend&#8230;in ihn grabend.<br \/>&ldquo;Dann k&uuml;ss mich&#8230;.,&rdquo; mehr kann ich nicht mehr sagen. Mehr gibt es nicht mehr zu sprechen. Ich &ouml;ffne meine Augen, um dieses Bild nie wieder zu vergessen. Ein liebevoller Blick, erf&uuml;llt von ma&szlig;loser Gier nach mir, die mich bewegt und &auml;ngstigt. Ein trostspender Kuss auf meine Stirn. Nicht was ich will, ich will Verlangen&#8230;und dennoch tut mir das so gut. Dann suchen seine Lippen ihren Weg meine Schl&auml;fe hinab bis zum Hals. Heiss und kalt und G&auml;nsehaut. Scheint so vertraut. Zum ersten Mal in meinem Leben empfinde ich das echte Verlangen einer Frau nach einem Manne. Doch als ich ihn bitten will, mir dieses zu geben, Vereinigung, schenkt er mir Verbundenheit ganz anderer Natur.<br \/>Es IST ein wundervoller Schmerz als er in mich dringt. Die Sekunden nachdem seine Z&auml;hne durch meine Haut brachen, SIND Wahnsinn. Er ist in mir, wie kein anderer Mann es k&ouml;nnte. Mein Denken verliert sich im Raum und mein Leben verliert sich in ihm. Von der kleinen Wunde in meinem Leibe &uuml;ber seine Lippen in seinen Rachen flie&szlig;end. Nimm mich! Koste! Ich schenk dir Leben. Alles geben, alles nehmen. 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