{"id":80,"date":"2006-12-11T01:21:52","date_gmt":"2006-12-11T01:21:52","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=80"},"modified":"2011-12-28T17:29:50","modified_gmt":"2011-12-28T17:29:50","slug":"10-eva-tanzt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=80","title":{"rendered":"10.Eva tanzt"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">Das &#39;Art of Noise&#39; die erste Diskothek die ich in New York besuchte. Seinerzeit wollten sie mich nicht einlassen, weil ich so mausgrau &#39;not in dress&#39; war. Das liegt schon lange zur&uuml;ck. Ich habe mich angepasst. Es gibt Menschen, die behaupten Anpassung w&auml;re etwas f&uuml;r Schw&auml;chlinge &ndash; rein evolutionstechnisch ist Anpassungsf&auml;higkeit direkt proportional mit dem &Uuml;berleben einer Spezies gekoppelt.<br \/>Die Abs&auml;tze meiner schwarzen Stiefel klacken auf den steinernen Stufen, die mich hinabf&uuml;hren in den Keller, in welchem die Musik spielt. Ein schiefes L&auml;cheln huscht &uuml;ber meine Lippen, man w&uuml;rde mich nicht erkennen. Weder seh ich aus wie Eva noch wie Miss Denk. Das schwarze Latexkleid ist lang und eng &#8211; mit einem R&uuml;ckenausschnitt der schwerlich tiefer sein k&ouml;nnte. Spektakul&auml;r, will man sagen, doch hier f&uuml;ge ich mich v&ouml;llig in das vorherrschende Bild. Trotz meines gewagten &Auml;usseren verschwinde ich f&ouml;rmlich unter den Anderen Anwesenden. Normalit&auml;t wird durch die vorherrschende Masse bestimmt.<br \/>Die schwere Holzt&uuml;r &ouml;ffnet sich.<br \/>Die schwere Holzt&uuml;r schlie&szlig;t sich.<br \/>Dann habe ich bezahlt und stehe schon auf dem roten Teppich der kleinen Vorhalle. Ich atme die Menschen um mich herum ein. Wie ich nur jemals glauben konnte, es w&auml;ren Vampire. Ihnen fehlt jegliche Erhabenheit, in jeder Geste, in jedem Blick erkenne ich ihre Unsicherheit. Ich sehe, warum sie Masken tragen, verstehe warum sie im Schwarz ihrer Gedanken versinken und es ist so absurd, wie sich manche von ihnen danach sehnen so zu sein wie ich &ndash; denn sie w&uuml;rden keine Nacht &uuml;berleben, sie w&uuml;rden an ihrem Unleben zerbrechen.<br \/>Sie schminken ihre Haut blass, doch kein Make up der Welt, kann sie so malen wie ich bin.<br \/><em>Tot<\/em><br \/>So tragen wir alle unsere Masken, denn ich zwinge das Blut unter meine Haut, um mir den Hauch von Leben zu verleihen.<br \/>Meine Schritte f&uuml;hren mich weiter, durch die Fl&uuml;gelt&uuml;ren hindurch, an der Bar vorbei, zwischen den S&auml;ulen auf die Tanzfl&auml;che. Eine kleine Drehung nach links und ich sehe mich selbst in der Spiegelwand, welche den Raum wohl einfach gr&ouml;&szlig;er machen soll. Vielleicht ist es einer der Gr&uuml;nde, warum ich so gern hier tanze. Ich kann sie dabei beobachten.<br \/>Ein Lied flie&szlig;t in das n&auml;chste, sie flie&szlig;en in mich hinein, ich sickere aus mir heraus und sehe im Spiegel wie der K&ouml;rper, der mich beherbergt beginnt sich zu bewegen. Ganz im Takt und doch f&uuml;gt es sich nicht zu den Anderen T&auml;nzern, es ist nicht wichtig, ich tanze f&uuml;r mich &ndash; nicht f&uuml;r sie. Das tanzen ist mir &auml;hnlich wie das Meer. Es l&ouml;st mich von mir, verschafft mir Abstand und &Uuml;berblick. Sie wiegt und windet sich im Takt, ihr Blick an ihr eigenes Spiegelbild geheftet, nicht in Eitelkeit, sondern wie im Zwang, als m&uuml;sse sie sterben, w&uuml;rde sie wegblicken. Dabei ist ihr Gesicht so halb, so geteilt <em> wie sie <\/em>. Es dauert ein Lied, es dauert zwei Lieder, dann bewegen sich mit ihrem K&ouml;rper auch ihre Lippen. Im stummen Zwiegespr&auml;ch, verr&auml;t sie sich Geheimnisse, die sie nicht wissen wollte. Erkenntnisse schaffen sich ihren Weg und werden mit dem verklingen der Musik wieder in die Tiefe versinken, aus welchen sie empor kamen. Obwohl die Diskothek gut besucht ist, bleibt um sie herum ein gewisser Freiraum, als wolle da eben zuf&auml;llig keiner stehen. Als w&uuml;rde man der jungen Frau eben den Raum gerne zugestehen wollen, den sie braucht. Keiner, der ihre Blick zum Spiegel bricht. <em> <span style=\"color: grey\"> Ich trag mein Herz in meinen H&auml;nden, Ich trag die Liebe unter meiner Haut<\/span> &#8230;. in meinen Adern, ich k&ouml;nnt sie verschenken, doch gibt&#39;s nur eins was mich lieben darf ohne zu sterben. Der Tod Tod Tod.<\/em> <br \/>Das Stroboskop verleiht allem eine gewisse Unwirklichkeit,als best&uuml;nde alles nur aus Moment aufnahmen. Sie sieht in den Spiegel, w&auml;hrend sie sich denkt, als hinge ihr Leben davon ab. Sagte ich das schon? <em><span style=\"color: grey\"> Ich trag die Seele in den Augen, die hinter d&uuml;nnstem Glas nach drau&szlig;en schaut<\/span> &#8230;. Regel Nummer 3 : Alle Spiegel m&uuml;ssen brechen, Ich starr dich an bis du brichst.<\/em><br \/>Dieses Lied singt sich weiter, in ihre Ohren, in ihre Gedanken. Und w&auml;hrend sie weiterfl&uuml;ster immerzu, zieht sich ein L&auml;cheln dazu, dass nicht passen will und dennoch da ist.<em> <span style=\"color: grey\"> Ich will nicht eure W&auml;nde ziern<\/span>&#8230;&#8230;nein ein Pokal will ich nicht sein. Nicht f&uuml;r dich und nicht f&uuml;r mich, ich geh&ouml;r nur meinem Tod. Tod. Tod&#8230;<span style=\"color: grey\"> Es gibt nur eins, das mich zerbricht<\/span>&#8230;wenn ich mich durch meine Augen seh,den Spiegel dreh, wenn der Wein sich selber trinkt und Wahrheit im Morast versinkt <\/em> Ihre Augenlider wollen flattern, als k&ouml;nnte sie selbst sich nicht mehr ansehen. Die Bewegunen werden fahrig. Drogen. Why dring and drive, when you can smoke and fly?<em>  <span style=\"color: grey\"> ..ich will mich einfach nicht verliern<\/span>&#8230;.doch dann ist es zu sp&auml;t, Zu Sp&auml;t! Zu sp&auml;t..zu Sp&auml;t! Zu sp&auml;t..doch dann ist es zu sp&auml;t&#8230;<span style=\"color: grey\"> nein, eure Lieder sing ich nicht <\/span>&#8230;ich bin wer ich bin und passe mich nicht an, ich l&uuml;gending&#8230;ich bin so schwarz wie jeder hier, und singe mit. Ich tanze zu ihrer Musik auf ihrem Parkett<\/em> Ihre Gestalt wirkt wie schwindelig, als hielte sie nur der Zufall aufrecht, ihre Lippen fl&uuml;ster fl&uuml;ster fl&uuml;stern, als wolle sie die Geschichte der Welt neu erz&auml;hlen. Scheherazade redet sich um Kopf und Kragen.<em><span style=\"color: grey\"> Ich lebe immernoch&#8230;immernoch!<\/span> ..nein?<span style=\"color: grey\"> Ich gebe immernoch..immernoch!<\/span> Tod, Tod, Tod.<span style=\"color: grey\"> Ich taumle weiter&#8230;vorw&auml;rts&#8230;abw&auml;rts..<\/span> Im Chaos gibt es keine Kontrolle, Chaos gebiert Leben und Ordnung erstickt es. Nicht kann ohne das Andere sein.<\/em> Die H&auml;nde heben sich, sie betrachtet sie im Spiegel ohne sich selbst aus ihrem Blick zu entlassen, als h&auml;tte sie Lepra und m&uuml;sste mit eigenen Augen nicht sehen, wie sie Finger f&uuml;r Finger verfault. <em><span style=\"color: grey\"> In meinen Adern flie&szlig;t das blauschwarze Blut<\/span> <\/em><br \/>Der Abstand um sie vergr&ouml;&szlig;ert sich, nicht bemerkenswert, es k&ouml;nnte, es k&ouml;nnte wohl auch alles Zufall sein. Einfach zwei drei Menschen, die keine Lust mehr haben zu tanzen. Eva tanzt f&uuml;r sie mit. <em><span style=\"color: grey\"> Ich trag die Wahrheit auf der Zunge<\/span> drum musst du h&ouml;ren musst du lauschen, h&ouml;r mich fl&uuml;stern, lass uns plauschen..<span style=\"color: grey\"> Ich trage nur das Schwarz, das mir gef&auml;llt<\/span>..nicht auf meiner Haut, aus meinem Leib, in schwarzen Schlieren wie Teer von meinem Kopf, flie&szlig;t es und teilt mein Gesicht entzwei.<span style=\"color: grey\"> Ich trag auf meinen schmalen Schultern wie Atlas schwer die Last der ganzen Welt <\/span>..wenn sich das Muster offenbart, und mein Verstand nicht reichen will um das was ich sehe in Worte zu kleiden, dieser kleine Moment, als er mich t&ouml;tete, bevor er mich mit seinem toten roten Licht erf&uuml;llte, da..da verstand ich&#8230;ich verstand es.<\/em> Sie nickt sich zu, wissend, verzweifelt. Zwei junge Frauen nicht allzuweit neben ihr ratschen und lachen, am Rande der Tanzfl&auml;che stehend. Ihre Farben sind hell und grell und stark und..<em><span style=\"color: grey\"> Ihr seid so bunt und farbenfroh ihr seid das Licht<\/span><\/em> In einer kleinen Bewegung sinkt ihr Kopf und stellt sich nur eine Winzigkeit schief, der Vorhang der ihr Antlitz bedeckt ger&auml;t ins Wanken. Die j&uuml;ngere der beiden Damen sieht zu der eigenwilligen T&auml;nzerin, ihr L&auml;cheln verliert sich als w&uuml;rde ihr der Anblick die Laune verderben. <em><span style=\"color: grey\"> ..ich wenns erlischt, ihr seid so positiv &ndash; ich Gegenpol<\/span><\/em>Das L&auml;cheln in ihrem Gesicht wird einen Tick breiter, nicht sch&ouml;n, nicht weich&#8230;so viele Farben so viele, wenn man sie alle mischt, wenn man sie alle mischt, werden sie wei&szlig;. Das ist Physik. Die Ganzen Farben in den Ganzen Menschen, sie werden wei&szlig;..und sie tragen schwarz.<em><span style=\"color: grey\"> ..ihr seid so grau, wenn man euch mischt<\/span><\/em><br \/>Sie kichert, es ist alles so unfassbar logisch. Alles so klar, jedes zuf&auml;llig scheinede Detail ergibt in seiner Gesamtheit betracht wieder Sinn. Dinge, die sie sich erz&auml;hlt. Was sie sich w&uuml;nscht, was sie f&uuml;rchtet, was sie begehrt und vermisst, was sie gern w&auml;r und was sie ist. Was sie erkennt und was sie meidet, woran sie erbl&uuml;ht und woran sie leidet, Tausenfach wiederholt in jeder Bewegung ihrer Lippen, die ihr ganz eigenes Lied tanzen. In ihrem Blick flackert es.<br \/>Erkenntnisse fl&uuml;stern sich in ihr Fleisch, und sie trinkt das Wissen, das wie Blut aus den Wunden dringt&#8230;nur um es wieder zu vergessen, sobald sie wieder denken kann.<br \/>Doch jetzt tanzt sie.<br \/>Die junge Frau am Tisch rutscht vom Stuhl, ihr Ellbogen schubst ihr Handy vom Tisch&#8230;es schlittert ein wenig davon..die Frau folgt..b&uuml;ckt sich&#8230;erhebt sich..und entdeckt erst sich im Spiegel&#8230;dann Eva. Sie erstarrt, wie ein Reh in der Nacht auf der Stra&szlig;e,dass erschrocken ins Fernlicht blickt. Wer wei&szlig;, was sie treibt, als sie sich umdreht und einen Schritt auf sie zu tut. N&auml;her ans Feuer, n&auml;her zum Schneewittchen.Drum sag mir&#8230;Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die irrste im ganzen Land?<br \/>Die Frau starrt Eva an und diese l&ouml;st ihren Blick von sich selbst und findet sich in jenem der Betrachterin wieder. <em>Sch&ouml;nheit liegt im Auge des Betrachters&#8230;..Monschein auch<\/em> Nur eine Winzigkeit, dass die Iris sich bewegt. Mehr nicht.<br \/>Eva fl&uuml;ster sich weiter in ihre Welt. <br \/>H&auml;nde heben sich und zwingen sich einen Schrei unterdr&uuml;ckend auf den Mund. Die junge Frau kr&uuml;mmt sich, als w&uuml;rde sie gequ&auml;lt von einer Kolik. Ihre Freundin kommt, sie besorgt haltend. Zittern. Beben. Kopfsch&uuml;tteln. Verunsicherung. Eva tanzt. <br \/><em><span style=\"color: grey\"> ..in meinen Adern flie&szlig;t das mondscheinblaue Blut<\/span><\/em><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das &#39;Art of Noise&#39; die erste Diskothek die ich in New York besuchte. Seinerzeit wollten sie mich nicht einlassen, weil ich so mausgrau &#39;not in dress&#39; war. Das liegt schon lange zur&uuml;ck. Ich habe mich angepasst. Es gibt Menschen, die &hellip; <a href=\"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=80\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-80","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-eva-und-die-vampire"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/80","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=80"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/80\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":295,"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/80\/revisions\/295"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=80"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=80"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=80"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}