{"id":82,"date":"2006-12-11T01:26:32","date_gmt":"2006-12-11T01:26:32","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=82"},"modified":"2011-12-28T17:29:50","modified_gmt":"2011-12-28T17:29:50","slug":"14-eva-von-der-anderen-seite","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.portrait-of-a-shadow.de\/?p=82","title":{"rendered":"14.Eva von der Anderen Seite"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\"><em> Ich wei&szlig; wo dein Haus wohnt.<\/em><br \/>Es ist nur ein Tag vergangen.<br \/>Es ist eine Nacht sp&auml;ter.<br \/>Ich stand auf. Ich habe ausgiebig geduscht und mir einen der grauen R&ouml;cke angezogen, welche ich so sehr mag. Ein passend dunkelgraues Strickoberteil. Turnschuhe und das Haar so wie es geh&ouml;rt lang und offen, mein halbes Gesicht verdeckend.<br \/>Ich verlie&szlig; das Haus wie in vielen Anderen N&auml;chten auch &ndash; zumindest augenscheinlich.<br \/>Seit ich aufstand, sprach ich kein Wort. Als h&auml;tte ich ein heiliges Gel&uuml;bde abgelegt, an welches ich mich halten m&uuml;sste, um das zu tun, was unter meiner Oberfl&auml;che brodelt. Dieses Gef&uuml;hl aufzustehen und nicht ganz man selbst zu sein.<br \/>So f&uuml;hle ich mich seit ich auf dem Weg zu ihr bin. Ungesehen von der Welt. Nicht das es wichtig w&auml;re, ob mich jemand sieht. Ich will nicht wahrgenommen werden, weil ich es nicht gewesen sein werde.<br \/>Meine H&auml;nde sind leer wie mein Verstand. Ich plane nichts, ich wei&szlig; nicht was geschehen wird, ich wei&szlig; nur &ndash; dass ich sehr b&ouml;se mit ihr bin. Vielleicht will ich mir auch nur mal ansehen wie sie wohnt. Ich habe ihre Motivation &uuml;berdacht &ndash; sie wollte sich an mir bereichern, darum hat sie mir ihre Visitenkarte gegeben. Darum hat sie mir davon erz&auml;hlt wie tot ich bin. <em> R&uuml;cksichtloses St&uuml;ck Fleisch, nur gierend nach Geld, ohne R&uuml;cksicht auf deine Gef&uuml;hle&#8230;sie ist schuld&#8230;sie ist b&ouml;se&#8230;ein schlechter Mensch. Sie wird sich an mir bereichern. Ich werde sie beschenken mit meinem Reichtum.<\/em><br \/>Der Weg zu ihr ist lange. Einmal Bahn, einmal Bus, ein paar Stra&szlig;en zu Fuss. Sie wohnt in einer guten Gegend <em> mit ihrem guten Mann, der sie liebt und mit ihr magisches Leben erschafft <\/em> Meine linkes Auge zuckt kurz, als w&auml;re mein Sehmuskel &uuml;ber l&auml;ngere Zeit &uuml;beransprucht gewesen.<br \/>Schlie&szlig;lich stehe ich vor einer posierlichen Garten T&uuml;re. Daneben ein Schild.<br \/>&#39;Dr. Friedrich Behrens und Martha Behrens &#39; <em> Herr Doktor und Frau Hebamme <\/em><br \/>Die Gegend IST gut. Die Gartent&uuml;re ist nicht abgeschlossen und so betrete ich ungehindert den Garten. Seltsam fremd f&uuml;hl ich mich, wie in einem Traum. Der Garten ist umringt von Gr&uuml;nen B&auml;umen und B&uuml;schen. Nippes. Griechische Statuen die Wasser spucken. <em> Blut wirst du spucken <\/em><br \/>Im Schatten einer Weide, zwischen deren h&auml;ngenden Zweigen stehe ich nicht unweit der Terassent&uuml;r.Sie ist halbge&ouml;ffnet und bietet Zugang zu einer h&uuml;bschen gro&szlig;z&uuml;gigen Wohnk&uuml;che. Die Reste des letzten Essens stehen noch auf dem Tisch. T&ouml;pfe auf dem Herd. Nicht abgesp&uuml;ltes Geschrirr in der Sp&uuml;le und auf der Ablage. Das Licht ist gedimmt und Frau Behrens sitzt alleine am Tisch und raucht.<br \/>Und ich <em> wir <\/em> beobachten sie dabei. Zwei Zigaretten sp&auml;ter betritt ein &auml;lterer erstaunlich attraktiver Mann mit grau melierten Schl&auml;fen die K&uuml;che. Er verzieht demonstraiv das Gesicht und seine dunkle Stimme klingt klar und deutlich aus dem Haus raus zu mir.<br \/>&ldquo;..ich habe dich doch gebeten nicht im Haus zu rauchen..&rdquo; In der ersten Instanzt h&ouml;rt er sich h&ouml;flich an, in der zweiten genervt und belehrend, was mehr noch als die Worte ansich darauf schlie&szlig;en lassen, dass sie das folgende Gespr&auml;ch nicht zum erstenmal f&uuml;hren.<br \/>&ldquo;..draussen ist es mir zu kalt.&rdquo; erwidert sie, augenscheinlich ebenfalls h&ouml;flich und unterschwellig ebenso empfindlich auf dem Thema.<br \/>&ldquo;..Es ist Sommer.&rdquo;<br \/>&ldquo;Es ist Fr&uuml;hling&#8230;&rdquo;<br \/>&ldquo;Ich m&ouml;chte nicht das Felix deinen Gestank in seine jungen Lungen atmen muss.&rdquo;<br \/>&ldquo;Felix&#8230;&rdquo; Frau Behrens l&auml;sst eine bezeichnende Pause im Raum stehen. &ldquo; liegt seit 5 Stunden oben in seinem Bett und schl&auml;ft in aller Ruhe. Du musst dir also keine Sorgen um dein Kind machen.&rdquo;<br \/>Herr Behrens nimmt eine Zeitung auf und setzt sich zu seiner Frau an den Esstisch, er schl&auml;gt eine Seite auf und macht dann Anstalten sie kurz abzulegen&#8230;ohne jedoch auf anhieb platz zu finden.<br \/>&ldquo;&#8230;.du solltest lieber aufr&auml;umen anstatt zu rauchen.&rdquo;<br \/>Frau Behrens sieht auf und ihren Mann an und ich erkenne sogar von meinem Platz aus, dass sie seine N&ouml;rgeleien satt hat.<br \/>&ldquo;&#8230;DU..k&ouml;nntest auch mal aufr&auml;umen.&rdquo;<br \/>&ldquo;..ich arbeite den ganzen Tag&#8230;&rdquo; erwidert er ruhig.<br \/>&ldquo;&#8230;ach und ICH NICHT?&rdquo; Ihre Stimme erhebt sich und &uuml;berschl&auml;gt sich kurz. Es herrscht Stille, die Sekunden sp&auml;ter von leisem Kindergeschrei durchdrungen wird.<br \/>&ldquo;&#8230;siehst du, durch deine aufbrausende Art und Weise hast du Felix geweckt. Sehr gut Martha.&rdquo; Herr Behrens erhebt sich mit seiner Zeitung und verl&auml;sst im gerechten Zorn die K&uuml;che.<br \/>Seine Ehefrau dr&uuml;ckt entnervt die Zigarette aus &#8230;verschwindet &#8230;und erscheint Minuten sp&auml;ter mit <em> ihrem gesunden lebendigen Kind<\/em> ihrem Sohn in der K&uuml;che. Diesen sorgsam mit sich tragend und wiegend, auf das er m&uuml;de wird und bald wieder schl&auml;ft.<br \/>Ich blinzel.<br \/>Das Kind schreit nicht, weil es laut war. Das Kind schreit, weil es den Zorn und die Abscheu in den Stimmen der Eltern vernahm. Kinder sind sensibel, sie haben Angst, dass sie ihre Eltern verlieren, wenn sie sich anschreien. Sogar, wenn sie so jung sind, dass man sie noch auf den Armen tragen kann.<br \/><em> Armer Felix<\/em><br \/>Martha dreht mir den R&uuml;cken zu und Felix sieht &uuml;ber die Schulter hinweg zu mir. Eigentlich kann er mich nicht sehe, aber ich hebe trotzdem die Hand und winke ihm zu&#8230;.freundich, weil ich ihn verstehen kann..<em> Martha dreht mir den R&uuml;cken zu und Felix sieht &uuml;ber die Schulter hinweg zu mir. Eigentlich kann er mich nicht sehe, aber ich hebe trotzdem die Hand und winke ihm zu und krieche in sein kleines Kindergehirn und schaffe f&uuml;r ihn die M&ouml;glichkeit die Situation so drastisch einsch&auml;tzen zu k&ouml;nnen wie sie vermutlich sein k&ouml;nnte. Er k&ouml;nnte allein sein, ganz allein auf dieser Welt, weil seine Eltern sich anschrein <\/em><br \/>Felix schreien wird lauter, als s&auml;&szlig;e er auf brennenden Kohlen. Dr&auml;ngend..um Hilfe suchend wohl. Die Mutter wiegt ihn beharrlich, vielleicht ein wenig zu heftig, aber das mag man ihr verzeihen.<br \/>Felix schreit.<br \/>&ldquo;&#8230;VERDAMMT BRING DAS KIND ZUM SCHWEIGEN!&rdquo; br&uuml;llt ihr Mann aus irgendeinem Teil des Hauses. Ich h&ouml;re es laut und deutlich. Martha stapft mit dem Kind zu einer der T&uuml;ren.<br \/>&ldquo;&#8230;MACH ES DOCH SELBST, ES ICH AUCH DEIN KIND!&rdquo; entgegnet sie nicht minder laut.<br \/>Felix schreit lauter.<br \/>Oben knallt eine T&uuml;re und die Hebamme <em> Hebammen haben ein H&auml;ndchen f&uuml;r Kinder und k&ouml;nnen gut mit ihnen umgehen <\/em> setzt ihren J&uuml;ngsten mehr oder minder z&auml;rtlich auf dem Stuhl ab, auf dem sie gerade noch sa&szlig; und entz&uuml;ndet sich eine neue Zigarette. Ihre H&auml;nde zittern als sie diese zu ihren Lippen f&uuml;hrt um das beruhigende Nikotin aufzunehmen.<br \/>Felix schreit.<br \/>&ldquo;Sei endlich ruhig Felix !&rdquo; bem&uuml;ht darum Ruhe zu vermitteln, klingt ihre Bitte an das Kind mehr genervt als beruhigend.<br \/>Felix schreit.<br \/>Ein Zug. Zwei Z&uuml;ge. Drei Z&uuml;ge. <br \/>Felix schreit.<br \/>Martha schl&auml;gt mir der freien Hand auf den Tisch. Das Geschirr klirrt. F&uuml;r einen Augenblick schweigt der Sohn &ndash; nur um um so lauter von neuem zu Beginnen.<br \/>&ldquo;Sei STILL!&rdquo; schreit sie nun ihrerseits das Kind an, wirft die H&auml;nde in die Luft. Die Zigarette f&auml;llt, Martha hebt sie auf und weil der Abend ist wie er ist, und weil der Abend l&auml;uft wie er l&auml;uft fasst sie sie verkehrt rum auf und nimmt den n&auml;chsten Zug mit der Glut vorraus.<br \/>Ein leiser Aufschrei an Schmerz. Die Zigarette f&auml;llt auf das Kind.<br \/>Ich tu einen Schritt nach vorne&#8230;neugierig und trete auf ein Spielzeug das hupt.<br \/>Martha hebt ihren Kopf und sieht aus dem Fenster. Zu dunkel, als dass sie mich sehen k&ouml;nnte, selbst wenn ich aus den Schatten gefallen w&auml;re. Von drinnen nach draussen sieht es sich schlecht. <em> von draussen nach drinnten sieht es sich gut.<\/em><br \/>Felix kreischt.<br \/>Ich sehe ihr Gesicht im Stress entgleisen, l&auml;chel schief und hebe meine Hand um ihr zu winken. <em> Ich sehe ihr Gesicht im Stress entgleisen, l&auml;chel breit und hebe meine Hand um ihr zu winken..und um sie zu beschenken..versinken und ertrinken soll sie in ihrem jetzt schon so m&auml;chtigen unbeherrschten Gef&uuml;hl. leiden soll sie f&uuml;r das was sie mir angetan hat&#8230;kosten von dem Tief, dass sie mir offenbarte..trink du luder..trink<\/em> &#8230;.und als sie sich umwendet, hebt sie schon ihre Hand und schl&auml;gt dem Jungen so heftig ins Gesicht, dass er vom Stuhl f&auml;llt.<br \/>Er kreischt lauter.<br \/>Sie ergreift ihn..hebt ihn hoch und sch&uuml;ttelt ihn..br&uuml;llt ihn an er soll sein gottverdammtes Mundwerk halten. Oben geht eine T&uuml;re, Schritte auf Stufen.<br \/>Martha setzt das Kind zur&uuml;ck auf den Stuhl, doch so in Wut, dass der Kopf gegen den Tisch knallt. Ein Glaskrug f&auml;llt und splittert.<br \/>Die Mutter starrt die Scherben an.<br \/>Der Vater starrt die Mutter an.<br \/>Das Kind schweigt.<br \/>Eva  &#8211; geht.<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wei&szlig; wo dein Haus wohnt.Es ist nur ein Tag vergangen.Es ist eine Nacht sp&auml;ter.Ich stand auf. Ich habe ausgiebig geduscht und mir einen der grauen R&ouml;cke angezogen, welche ich so sehr mag. Ein passend dunkelgraues Strickoberteil. 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