Liebe Anna
Es beruhigt mich zu wissen, dass du Katinka und mir, trotz alldem was wir
dir angetan haben, nicht aus dem Weg gehst. Ich weis nicht ob ich, hätte ich
nocheinmal die Entscheidung zu treffen es wieder so machen würde, doch ich
befürchte fast, das ich es täte. Nicht um Dich zu erschrecken, sondern um
dir die Chance zu geben eine Entscheidung objektiv treffen zu können, und
zu wissen was auf dich warten wird, wenn du den entscheidenden Schritt
wagen solltest.
Du hast mir in Dachau eine Frage gestellt, die mich sehr beschäftigt hat,
auch wenn ich dir dort keine Antwort gegeben habe. Doch ich bin es Dir
schuldig, diese Antwort zu geben – so empfinde ich jedenfalls. Du fragtest
ob es in meiner Macht stünde dich das alles Vergessen zu lassen. Und ja,
ich könnte es. Ich könnte es aus deinem Geist nehmen und Du wüsstest von
alledem nichts mehr. Kathinka, Malekin oder ich hätten dann für dich nie
exitiert, und würden es dann auch nie wieder tun… Dieser schritt wäre
endgültig und ich würde alles tun, damit die Schreie nach deinem Tod, die
mit sicherheit laut werden würden verstummen. Die vorstellung jedoch diesen
Teil deines Lebens zu löschen erschreckt mich mehr als ich angenommen habe,
mehr jedoch als die Angst dir den Dunklen Kuss zu schenken… Wer bin ich
der sich anmaßt behaupten zu können das Leben als Kainskind sei schlechter
oder böser als das eines Menschen. Nunja bei vielen mag das so sein, doch
es gibt auch Vampire wie Kathinka die tot wäre hätte Malekin sie nicht in
Seine Arme geschlossen, oder mich, der im Tod all das gefunden hat, nach
was ich im Leben gestrebt habe. Nun Auch diese Seiten gibt es.
Ich höre mich sicherlich an, als bettle ich darum nicht tun zu müssen nach
was du gefragt hast. und ja, vielleicht ist es so. Es ist sicherlich
egoismus der mich diesbezüglich antreibt.
Dieses Gefühkl zu beschreiben in den Worten der MEnschen ist schwer, wenn
nicht sogar unmöglich, denn es scheint so eigen wie unsere Existenz zu
sein. Es ist ein Verlangen das nicht in Worte zu fassen ist. Anfangs viel
es mir schwer mir auszumahlen einmel selbst einen Kainit zu erschaffen –
doch nun weis ich dass es zu unserer Existenz gehöt den Kuss weiterzugeben,
jemandem die Unsterblichkeit zu schenken von dem man weis, dass er die
Ewigkeit erträglicher machen wird. Ich weis, egal wie deine Wahl ausfallen
wird (vorausgesetzt du entscheidest dich überhaupt für das Dasein als eine der unsrigen) dass ich dabei gewinnen werde. Versteh mich nicht falsch – was ich
damit sagen will ist, dass es bedeutet dass du die Ewigkeit mit uns
überdauern wirst – Wer dir den Kuss schenken wird ist da mittlerweile für
mich nebensächlich. Ich wünschte die Ahnen würden auch so denken.
Doch lass mich nicht in Gefühlsduselei versinken. Denn es gibt noch einen
Grund warum ich Dir schreibe. Ich wollte dir sagen dass ich froh bin dass
die Anderen – Varese, Marco und vor allem Stephano Julio ebenso wie ich
erkannt haben, dass nicht nur deine Abstammung – die Tatsache dass du eine
Toth bist – dafür sprechen dich in die Familie aufzunehmen. Glaube mir, du
bist etwas besonderes und ich wäre wirklich stolz dich als mein Kind
betrachten zu dürfen. Ebenso wie die Familie stolz sein würde dich als
einen Teil von sich anzusehen. Stephano (übrigens mein Neffe) bat mich dich zu fragen ob er eine Adresse erhalten darf, um mit
dir im Kontakt bleiben zu können. – Sollte es dich nicht stören, so werde
ich ihm deine E-mail -Adresse zukommen lassen sobald ich deine "erlaubnis"
dazu habe.
Ich freue mich auf ein baldiges Wiedersehen
Cordiali Saluti
Thomas
Anna schrieb:….
**Annas Handschrift ist ein wenig Krakelig, obwohl sie sich offensichtlich mühe
gegeben hat deutlich zu schreiben**
Lieber Thomas,
einen Moment lange war ich versucht dir zu unterstellen du hättest in
meinem Kopf gewühlt. Gerade als mich dein Brief erreichte war ich gedanklich
wieder tief in den Wirren verstrickt die mich umgeben. Aber ich hoffe inständig
du bedienst dich nicht solcher Mittel um mich zu beinflussen…
Nun da ich hier sitzt und dir schreibe bin ich sogar froh dass du dich gemeldet
hast, verständlicher weise fehlt es mir an Wesen denen ich mich mitteilen kann.
Wohl glaube ich dass Katinka mich nicht zurückweisen würde, würde ich um ein
Gespräch mit ihr bitten. Aber mit dem eigenen Dealer über einen Entzug zu reden
mutet seltsam an……andereseits, vielleicht werde ich sie noch bitten.
Deine Entschuldigung, bezüglich eures ..kleinen Theaterstückes… bedeutet mir
sehr viel, ich danke dir.
Wenn ich jetzt daran denke kommt es mir vor wie ein Film als hätte es nichts mit
mir zu tun. Auch das Sehen, fast körperlich Fühlen, was du und Katinka wirklich
seid, oder besser gesagt, sein könnt…ist im moment nur eine seltsame
Erinnerung, vermutlich versuche ich das zu verharmlosen. Obwohl ich mich manchmal
frage ob meine Reaktion, wirklich Angst war, oder nur Angst oder nur Enttäuschung
oder…dass
**An dieser Stelle hadert Anna ein ganzes Weilchen bevor sie weiterschreibt**
…es, ich sorge mich ein wenig was du wohl vor mir hälst wenn ich ehrlich bin.
Es schockierte mich natürlich zwei Menschen 'sterben' zu sehen, aber der Punkt
der mich so, wahnsinnig beunruhigt ist.
Als ich euch sah, war in meinem Kopf für eine Sekunde die Vorstellung wie es wohl
wäre an eurer stelle zu sein.
Weit weg von Vernuft, was nötig wäre oder nicht, was recht ist oder nicht, dass
Katinka zu weich ist sowas zu tun und du zu vernüftig… alles das hinter mir
lassend fühlte und… fühle ich… diese Klarheit, Wahrheit, das ich… fähig bin
so zu sein und es macht mich Krank. Was ist echter?
Anna die hier irgendwie in dieser Welt lebt und das gefühl hat nicht zu leben?
Oder Toth, in der Dinge liegen vor der Anna sich fürchtet… aber Furcht ist ein
sehr lebendiges Gefühl, so wie auch Macht oder Liebe wohl.
Vergessen….
Ja ich habe darüber nachgedacht, es wäre falsch es nicht zu tun. Vielleicht
gebietet es mir auch meine Menschlichkeit diese Möglichkeit in Betracht zu
ziehen. Aber Vergessen hat etwas von Weglaufen…
** oO( Könnte ich Katinka vergessen? Alles was ich gesehen habe? So tief in mein
Gedächtnis gebrannt?)**
Wir kennen uns nicht lange und glaube mir, eigentlich bin ich nicht so zaghaft
oder ängstlich wie es vielleicht manchmal scheint, es ist nur…ach du weisst
bestimmt noch wie du dich gefühlt hast als du davon erfahren hast dass es 'euch'
gibt. Ich will kein Opfer sein, wenn ich vergesse, könnte es passieren einem der
Euren zu begegnen und dabei mein Leben zu lassen, ohne das ich wüsste was mir
geschieht, ohne auch nur die Chance zu haben mich zur Wehr zu setzten.
DAS will ich nicht! Ich will keine Spielfigur sein, oder wenn – will ich
wenigstens die Möglichkeit besitzten mit zu spielen. Aus freiem und vor
allem nach meinem Willen.
**oO( und würde ich das alles Vergessen wäre ich wieder so tot wie davor….tu
was du willst ist das einzige gesetzt)**
Ich denke es geht schon lange nicht mehr darum OB ich sein will wie ihr, auch das
Gesehene hat daran nichts änder können..(ist das nicht schrecklich?) es geht nur
noch darum wie ich sein werde, durch wen ich sein werde. Ich hatte die
Gelegenheit mit Sam zu reden. Sie meinte der einzige wirklich Clan? der zur
diskussion stehen würde wären die …ich weiss es nicht..ihr Clan,die gelehrten.
Darüber habe ich auch nachgedacht. Nicht lange, den ich kann nicht glauben dass
ICH mich so sehr ändere, egal welches Blut in meinen Adern fließt, viel mehr
stelle ich mir die Frage, an welche Wesen ich mich binden will. Und die
vorstellung mich zu binden war mir bisher immer ein Greul. Ich kann mich mit den
Gedanken anfreunde eine Ewigkeit an IHRER Seite, zu sein. Und noch immer weiss
ich eigentlich nicht warum ich so sehr an ihr hänge, denn ich tat es schon bevor
ich sie kennelernte.
Gleich wohl liegt es mir nicht fern zu der Familie zu gehören. Eure Bemühungen
mir Nähe zu vermitteln überwältigen mich. Mein ganzes Leben gab es nur mich der
sich um mich kümmerte und nur ich war für mich wichtig. Und jetzt?
Gibt es eine Frau die mir näher steht als es eine Schwester könnte und eine
Familie die mich mit offenen Armen empfangen würde.
Ach Thomas, manchmal wünschte ich,ich wäre dumm und wüsste nicht ob der Dinge die
es gibt…aber nicht wirklich.
Entschuldige dass ich so viel Schutt bei dir ablade, es tut mir gut, ich hoffe es
stört dich nicht.
Gib meine Adresse ruhigen Gewissens an Stephano weiter, wer weiß für was es gut
ist…
Ich werde jetzt ein wenig Schlafen, mein Denken beruhigen gehen.
bis wir uns wiedersehen
Toth