Briefwechsel III

Thomasso schrieb:

Liebe Anna

Es tut mir sehr leid, wenn dich Gonzo am Samstag erschreckt hat. Ich wollte
nur vermeiden, dass dir etwas zustößt. Wenn ich den Ausführungen von Gonzo
glauben schenken kann, dann schien Harald Jens etwas im Schilde zu führen.
Ich hatte am selben Abend noch ein Gespräch mit ihm, und es stellte sich
heraus, dass er in einer misslichen Lage ist. Er muss eine Schuld bei Jana
Andraschke, einer Alten Ravnos einlösen (er scheint ein Spiel verloren zu
haben) Er soll ein Gespräch mit Dir arrangieren. Ich weis nicht was sie von
dir möchte, doch habe ich das ungute gefühl das sie gegen die Familie etwas
im Schilde führt. Sie scheint erkannt zu haben, dass Du uns sehr wichtig
bist und mein Gefühl sagt mir das sie uns vielleicht mit Dir erpressen
will. Was sie aber genau im Schilde führt kann ich leider nicht sagen. Herr

Jens bat mich ein Treffen zwischen Frau Andraschke und Dir zu arrangieren.
Ich sagte ihm das ich dich fragen würde, aber meine Bedingung sein wird,
dass sowohl Malekin als auch ich anwesend sein werden. Es liegt aber in
deiner Entscheidung ab du dich auf dieses Treffen einlassen möchtest.
Es beunruhigt mich allmählich welch hohes interesse an Deiner Person
herrscht. Vor allem da sie als Alte Ravnos ein wie auch immer geartetes
Interesse hat bringt mich zu dem Rat bei Thomas Wolfenstein äußerst
vorsichtig zu sein. auch er scheint deine Nähe zu suchen. Ob er für
Andraschke arbeitet? Was er im Schilde Führt – Ich wünschte ich könnte es
sagen.
Bitte sei Vorsichtig! Ich würde es mir nicht verzeihen wenn dir jemand Leid
antun würde, vor allem wenn dies geschehen würde um mich zu treffen.

Ich werde versuchen den Dingen auf den Grund zu gehen

Cordiali Saluti, Thomasso

Anna schrieb:

Lieber Thomas,

ich hab deinen Brief jetzt bestimmt 10 mal gelesen und werde nicht so ganz
glücklich damit. Zum erstenmal scheinen meine und deine Ansichten ein wenig
auseinander zu laufen, wenn auch nur in einem Punkt. Aber lass mich der Reihe
nach antworten.

Was meine…unsichtbare Begleitung… meinen Aufpasser angeht – Herrn Gonzo – sei
dir meines Dankes gewiss. Er wirkt zwar in der Tat erschreckend aber die
Vorstellung, dass da jemand ist der auf mich achtet beruhigt mich wirklich.
Natürlich hätte ich nichts dagegen gehabt wenn du mich im vornherein davon
informiert hättest…

Die Sache mit dem Herrn Jens ist schon ein wenig – verwirrender. Wie du weisst
bat er mich zu einem Gespräch unter 4 Augen weil er wohl für mich interessante
Informationen habe. Der erzählte mir dann die Story von, seinem…wie heissen
die – Ghuhl – und dem von dem Prinzen und der eine wirbt den anderen ab oder
versuchts und pi pa po und ich denk mir noch: Ist ja schön zu wissen aber was
soll ich damit. Von dieser Andraschek hat er nichts erwähnt. Allerdings hat mich
Gonzo mit seiner Redegewandheit auch davon überzeugen können unverzüglich ins
Haus zu zurück zu kehren. Sprich, vielleicht war Herr Jens mit seiner Rede
einfach noch nicht da wohin er wollte. An diese Andraschek erinnere ich mich. Ich
habe sie vor gut einem Monat in diesem Billiard Salon gesehen, der wohl ihr
gehört. Stimmt dass, dass sie ihren Diener ein Jahr lang in den Keller gesperrt
hat, weil er das letzte Spiel verlor? Sie ist recht …faszinierend finde ich.
Als hätte sie immer und überall die Übersicht und wüsste schon im vornherein wie
alles endet.
DIESE Frau will mit MIR reden? Ich weiss nicht wirklich ob mich das ehrt oder
beunruhigt. Etwas von beidem glaube ich. Das letzte mal hat sie mir kaum zwei
oder drei Blicke gewürdigt.
Zugegebenerweise bin ich neugierig. Ich möchte zu gerne wissen was sie so zu
erzählen hat. Dass du und Malekin dabei seid ist mir in ihrem Fall unbedingt 
lieber. Ich weiss so überhaupt nicht wohin ich sie stecken soll. Kann sie nicht
einordnen.
Was den Herrn Jens betrifft… Da ärger ich mich. Was glaubt der Gute wer ich bin
dass er zu Dir geht um ein Treffen zu arrangieren.
**oO( Bin ich ne Dirne bei der man zum Cheffe gehen muss um anzufragen oder
wie?)**
Meines Wissens befinde ich mich im Vollbesitzt meiner geistigen Kräfte und kann
sehr wohl entscheiden mit wem ich mich wann wo treffen will. Das geht nicht gegen
dich Thomas. Ich hätte dich ohnehin umgehend informiert – natürlich. Aber dem
Herrn Jens kannst du bitte ausrichten, wenn er denn etwas von mir will, möchte er
sich auch die Mühe machen und es mit mir besprechen. Mir ist klar dass ich…für
viele oder alle…NUR ein Mensch bin. Dennoch wäre ich dankbar wenn man mir ein
Mindestmaß an Entscheidungsfähigkeit zutraut. Ich bin ja schließlich für ihn
erreichbar.
*grummel* Ich hoffe du weisst was ich meine…oder? Reagiere ich jetzt über?
Egal. Du weisst ja jetzt dass ich mich einem Gespräch mit dieser Frau stellen
würde – wohin das auch führt.Ich hoffe und vertraue darauf dass du und Malekin
verhindern könntet dass sie mich – manipulieren. Kannst du das verhindern? Kann
man das überhaupt verhindern?
Bist du mir böse wenn ich dir verrate dass ich mich schon oft gefragt habe, ob
das Vertrauen dass ich zu dir habe, das 'gute Gefühl ' …ob das echt ist? Es ist
soviel neu für mich, normalerweise vertraue ich Menschen nicht so schnell, doch
hier in dieser … neuen Welt für mich… wäre das überleben doch unmöglich ohne
vertrauen. Oder?
**oO( Nur bei Katinka muss ich mich da nie fragen….)**
Ich schweife ab, auf alle Fälle braucht der Herr Jens noch nicht zu wissen dass
ich zu einem Treffen mit Jana bereit …oder sage ich lieber..gewillt bin.
Entweder er macht sich da bei mir kundig, oder wir melden uns selbstständig bei
ihr und er bleibt ihr was schuldig…
An dieser Stelle MUSS ich dir wieder danke sagen. Dafür dass du mich meine
entscheidungen selbst treffen lässt.

Jetzt kommen wir an dem Punkt an dem wir uns – unüblicher Dings – nicht so ganz
einig sind.
Thomas Wolfenstein.
Ich verstehe deine Besorgnis. Und ich komme auch hinter den logischen
Hintergrund. Das Problem dabei ist. Ich glaube es nicht. Verstehst du?  Mein
ganzes Leben lange habe ich meinem Bauch vertraut. Meiner Intuition. Und ich kann
mich nicht erinnern mich schon einmal getäuscht zu haben. Mag sein dass
Wolfenstein seine Gründe hat sich so plötzlich um mich zu bemühen. Aber die hat
(bei dir hoffe ich  hatte…) jeder. Ausser Katinka vielleicht. Sie ist die
einzige die noch nie verlangt hat. Sie ist einfach da.
Also, selbst wenn er persönliche Bewegründe habe sollte, werde ich ihm dass nicht
verübeln. Es ist vielmehr die Art und Weise WIE er mit mir umgeht. Weisst du? Er
lässt mich reden und bemüht sich, so scheint es mir auf alle Fälle, mir nähe zu
geben. Ohne offensichtlich Ansprüche zu stellen.
Ich fühle mich ein wenig … zerrissen. Den einerseits erkenne ich durchaus, dass
 es unlogisch ist, diesem Wesen, vertrauen entgegenzubringen. Andereseits fühle
ich dass es nicht falsch sein kann.
**oO( Lasse dich nicht von Emotionen leiten?)**
**oO( Katinka kannte ich auch nicht und vertraute ihr…)**
Toll. Jetzt fühle ich mich komisch.
Thomas, also der Wolfenstein Thomas hat mir einen Brief geschrieben. Er fragt ob
ich Lust habe ihn zu treffen. Auf einen Ratsch.
DAS hört sich so wundervoll normal an….
Das einzig was mich ein wenig stört, ist dass er in dem Brief erwähnt dass die
Familie Giovanni..mit vorsicht zu genießen sei. Andereseits gibt es unter den
euren kaum einen der das noch nicht angemerkt hätte. Ich weiss nicht ob ich ihm
daraus ein netz stricken soll.

Ich befürchte du bist nicht ganz glücklich mit meiner Entscheidung ihn zu
treffen. Ich vertraue Dir, deinem Urteilsvermögen und ich danke dir dafür dass du
auf mich achtest. Ich werde die Dinge die Er spricht hinterfragen und mich darum
bemühen ihm nicht ohne grund zu vertrauen. Aber wenn ich nicht versuche
herrauszu finden, warum er sich plötzlich so freundlich stellt werd ich keine Ruh
finden. Wenn die möglichkeit besteht einen… Freund? Vertrauten? zu finden..die
man sich aus Misstrauen entgehen lässt…wie kommt man dann weiter?
Wie weit komme ich dann?
**oO( wie menschlich sind Vampire?)**
Gonzo wird ja zweifelsohne in meiner Nähe sein. Und ich werde dich nicht darum
bitten mich allein gehen zu lassen.

Ich danke dir dafür dass es dich gibt

fühl dich umarmt

Anna

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Die Sache mit den Elysien

Elysium.
Was soviel heisst wie.
Triff dich.
Unterhalt dich.
Tritt niemanden dabei auf die Füsse.
Mittlerweile nehme ich regelmäßig an ihnen teil. So absurd das ist. Eine menschliche unter Vampiren. Eine Kuh unter Metzgern? Aber so will ich dass lieber nicht sehen.
Was ich da tu?
Ja… Ich glaube Informationen sammeln. Nur für mich.
Und die Hoffnung Katinka zu sehen. Und… Diejenigen die ich Freunde nenne?
Mein anfänglicher Schrecken vor…. Ihrer Art zu Sein…. Habe ich größtenteils abgelegt. Würde er doch nichts besser machen. Nur einige von ihnen beunruhigen mich.
Dieser Lasall, dem bin ich ein Dorn im Auge und er macht keinen Hehl daraus. Manchmal fühle ich wenn er mir in den Rücken stiert und obwohl es mich ärgert macht er mir eine Gänsehaut der unangenehmen Art.
Und Oberst Schlayer. Das ist mir Schleierhaft scherzen da einige. Und ich würd den Teufel tun und dass in seiner Gegenwart wiederholen. Vermutlich würde meine Zunge zu Staub zerfallen noch bevor die Worte über meine Lippen gepurzelt wären. Gute Güte, wie steif und trocken kann man eigentlich sein?
Ihn macht es auch nicht glücklich dass ich mich hier so bewege, wie ich bin – lebendig.
Aber seine Abneigung scheint wenigstens nicht persönlich sondern mehr… Geschäftlich. Ein Trost. Wenn ich den endlich tot bin werde ich mich DARÜBER nicht mehr sorgen müssen.
Christopher…. So ein Zauberer… Tremere heissen sie wohl. Trämärä hab ich auch schon gehört. Aber auch das verkneif ich mir. Zumindest vorerst.
Auf alle Fälle kann ich ihn nicht einschätzen. Katinka nimmt sich viel Zeit über ihn nachzudenken, scheint mir und mit ihm zu reden. Das führt mich zu dem Schluss dass er so schlecht nicht sein kann. Er scheint mir mindestens so durchgeknallt wie man es von den…. Himmel diese Worte…Malkavianern? Behauptet. Deswegen sind die auch politisch irgendwie miteinander vertan. Aber Politik..oh je. Wenn ich da diverse Vampirstreifen der romantischen Art sehe wird mir klar dass DIE…NIEMALS einen echten Vampir gesehen haben.
Ihre Welt, zumindest kommt mir das so vor, ist so zweigeteilt wie die meine.
Die Realität. Politik. Intriegen. Manipulation an allen Ecken und Enden. Ich glaube fast sie betreiben es nur zum Zeitvertreib weil sie sonst Angst haben müssten ihr Nicht-Leben könnte sie langweilen. Oder warum sonst sollte man sich aus freiem Willen so viel… Nichtigem Blödsinn reinziehen?
Aber vielleicht ..oder sogar sicher…versteh ich davon einfach nichts.
Die andere Seite ist die…die mich… So derart anzieht. Mitzieht. Mir rein zieht.
Dieses Tier. Das in jedem von ihnen lauert. Graumsam. Gierig. Mächtig.
Völlig absurd.
Dieses Elysium. Ein Raum voller Leute die sich locker unterhalten. Viel Show. Da und dort ein Späßchen (…die Trämärä sind mir Schlayerhaft… Ha ha).Gott es könnte eine x-beliebige Party sein. Aber dann sitzte ich an einem Tisch, dann und wann in der Tat allein. Ich sehe mich um, dann wenn jeder denkt.
Die Kleine so allein.
Dann nehme ich John Carpenters Sonnenbrille und sehe mir die Wahrheit an.
Dann läuft es mir kalt über den Rücken.
Dann möchte ich sofort davon laufen.
Dann fühle ich mich lebendig.

Vielleicht gehe ich auch deswegen dorthin.
Wie gestern.
Zu beschreiben was so passiert ist an und für sich müßig. Aber immer wieder sind dort kleine Dinge die mich interessieren und die ich noch nicht wusste.
Gonzo. Zum Beispiel.
Gonzo passt auf mich auf. Und wenn ich ihn mir so ansehe glaub ich das sofort. Dass er das kann.
Ich bin noch garnicht wirklich dort. Hatte genug Zeit um diejenige zu begrüßen die, na  ja…die ich schätzen gelernt habe.
Sam…die ist so herrlich unverblümt.
Josepha so herzlich zu mir. Womit habe ich mir das verdient? Und ihr Bruder. Wenn man nicht wirklich viel viel Zeit hat sollte man ihn nichts fragen. Aber was er sagt scheint ehrlich. Sowas mag ich.
Lyra habe ich gesehen. Sie war diejenige, die mich, sagen wir… Irgendwie ins Spiel gebracht hat. Sie hat mir erzählt mit WEM ich es zu tun habe. Soll ich ihr dankbar sein? Aber sie hält immer wieder meine Hand und fragt wie es mir geht. So viel Fürsorge. Meinen sie es alle so? Thomasso. Der seine schützende Hand über mich hält und ich bin geneigt zu Glauben dass er das tut weil er mich leiden mag und nicht weil er den Auftrag hat …zumindest vorläufig…für mein Wohlergehen zu sorgen.
So viele Namen. So viele….Sorten…
Wolfenstein spricht mich an. Seine offene, freundliche und so ein wenig saloppe Art lässt mich nicht weiter fragen warum er das tut. Muss denn auch alles immer seinen Grund haben?
Ich mein IMMER???
Er fragt einfach drauflos und ich antworte bereitwillig. Beim reden kann man Dinge im Kopf neuordnen. Und mit einem meiner menschlichen Freunde kann ich schlecht reden. Nicht wenn ich ein Haufen Köpfe rollen sehen will. Masquerade nennen Sie dass. Der Begriff ist ja selbsterklärend. Noch während ich mich also mit ThomasII unterhalte, bittet mich dieser… Ich weiss nicht welcher Sorte..ich mein…welcher Clan… Auf jeden falls heisst er Jens..mit Nachnamen und Harald (…das hunderstes Schaf hieß Harald und dass war tausend Jahr alt…) Davor. Er bittet mich um ein Gespräch. Ich bin da doch überrascht. Weil wir kennen uns so gut nicht
Ich unterbreche das Gespräch mit Thomas II und folge Harald I nach draussen. Allerdings nicht lange. Weil besagter Gonzo mir recht fix, recht unmissverständlich klar macht, dass ich wieder ins Elysium zurück gehen WILL. UNBEDINGT. Wie mir scheint. (Haus – HAUS! – und noch was italienisches)
Völliger Wahnsinn.
Ich tu wie mir geheissen und begebe mich ins HAUS (gehen sie direkt dort hin. Gehen sie nicht über LOS. Ziehen sie Nicht 4000 DM ein)
Kaum Sekunden vergangen. Da gesellt sich Oberst Schlayer zu mir. Oh pardon. Von gesellen will ich da garnicht reden. Ich fühle mich eher so als hätte ich was ausgefressen und er wäre mein Vorgesetzter und gekommen um mir auf den Zahn zu fühlen.
Tut er auch. Was ich mir erhoffe. Warum ich ein Gefahrenfaktor bin.
Zum erstenmal betrachte ich ihn mit anderen Augen als nur dem: Ach-Du-Schreck-Der-Schon-Wieder …ich muss weg -Reflex.
Er erzählt mir von sich. Ein wenig nur. Von dem Hass in ihm. Wie es dazu kam. Sein Blick und seine fast nicht vorhandene Mimik treffen mich. Ich möchte meine Hand ausstrecken und ihm Nähe geben. Aber weil ich meine Hand gerne noch länger an der dafür vorgesehenen Stelle tragen möchte lass ich das schön bleiben.
Mich befällt der Gedanke, dass womöglich sogar er eine Maske trägt. Aber nur womöglich. Und ich bete zu allem was mir heilig ist, dass er niemals mitkriegt wie menschlich er wirken kann – zumindest auf mich.
Stephano, ein Neffe von Thomasso setzt sich zu uns an den Tisch und die Gespräche driften ein wenig ins Philosophische.
Malekin geht vorbei. Ohne Katinka.
Ich würde gerne zu ihm gehen. Ihm einfach Hallo sagen. Nach Katinka fragen. Und dann sehe ich wie er mich ansehen wird. Diesen fragenden Blick Und diese Augen.
Nicht dass mit seinen Augen etwas nicht stimmen würde.
Ich erinnere mich nur an einen kurzen Moment.
An eine Beschwörung.
An Blut an seinem Hals.
An eine völlig verzweifelte Katinka.
Ein Fauchen.
Und dann eben diese seine Augen.
Das erste und einzige mal – bis jetzt – dass ich dieses von allen wohlgehütete Tier gesehen hab.
Im Anblick dessen.
So uneingeschränkt mein Zuneigung zu Katinka ist. So unheimlich ist er mir.
Ich beschließe ein andermal Hallo zu sagen und folge dem Gespräch.

So geht es irgendwie dahin.
Und als ich nach diversen, völlig unnötigen Shocks schließlich die Party, ach nein, dass Elysium verlasse, hab ich mich wieder ein Stücken mehr in diese Welt verstrickt.
Aber egal.

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Helena ist Tot(h)

Ich lese meinen Traum von vorne durch und komme bis zu der Stelle: 'Erinnere Dich'. Erinnern…. Dann lasse ich das Papier sinken und wende meinen Kopf in Richtung Spiegel. Meine Hände schmerzen. Wie kann man sich nur so dumm verhalten. Ich seufze innig und mache mich auf ins Bad. Hinter mir fällt mein Traum, den ich achtlos auf den Tisch gelegt habe hinab und gleitet sanft zu Boden an die Stelle an die er gehört.
Noch während ich  meine Hände eincreme gehe ich zurück in mein Schlafzimmer. Jemand hat ein Bild gemalt und ich muss es fasziniert betrachten.
Ich selbst in dem zerbrochenen Spiegel. Ein Teil meines Kopfes. Meine Augen gleich dreimal, dafür nur der linke Arm und gebrochene Beine. Vor der Spiegel liegen die Scherben. Scharfe Schneiden, ein Weg zurück. Daneben das Papier, darunter mein Blut und über alle dem das fahle Mondlicht. Die Anordnung ist irgendwie absichtlich. Und je länger ich darauf blicke, desto sicherer bin ich mir. Kein Zufall. Ich erkenne den Zusammenhang der einzelnen Komponenten zueinander; ich weiß nur noch nicht woher. Vorsichtig trete ich näher und gehe in die Knie. Jetzt hab ich wieder ein ganzen Bild von mir. Ich lächle mich an und strecke eine Hand nach einer der Scherben, drehe und wende sie und beobachte in dem Spiegel die Reflexe des Lichtes Darin.
Spiegel lügen nicht. Spiegel zeigen dir was du bist.
Eine blasse Frau mit tiefen dunklen Augen.
Ihre Augen sind meine Augen….

Helena ist Tot(h)

…sind ihre Augen, sind meine Augen. Ich wende meinen Anblick von dem zerbrochenen Spiegel. Manche Dinge müssen einfach zerstört werden bevor man in das Innere blicken kann. Mein Magen rebelliert. Ist es Tag oder Nacht? Ich kann es nicht sagen. Auch nicht wie lange ich schon durch dieses vermaledeite Kloster irre. Was er mir angetan hat liegt im Dunklen. Aber seit er mich geküsst hat bin ich vergiftet.

((Mein Geist vergiftet,))
((Unruhe gestiftet,))
((mein Denken vernichtet))
((…und ich kann nichts tun.))
((und nun?))
((Mein Bauch verdreht))
((Das Fieber gesät))
((Mein Herzens schlag steht))
((…und ich kann nicht ruhn.))

((Vernebelt, geknebelt – in mein Hirn eingefädelt))
((den Rücken hinab))
((ganz knapp))
((an meiner Seele vorbei))
((Ein Schrei,))
((den niemand andres vernimmt))
((meine Zeit verrinnt))
((wie der Sand in einer Uhr))
((DIESES Gift zeugt von Reinheit))
((DIESES Gift, es ist pur.))

((Die Symptome bekannt))
((Beim Namen genannt))
((Und dennoch kann mich niemand retten))
((Niemand diese Wogen glätten))

((Verflucht))
((Verdammt))
((Ins Herz gerammt))
((Ein kleiner Stich))
((so sanft))
((so leis))
((und tödlich für mich…))

Mich quälen tausend Gesichter, wie in einem Alptraum. Stimmen, die es nicht gibt, oder noch nicht gibt. Ich höre wie sie meinen Namen rufen:
    "Helena-He-le-Na!" Ein lautes Echo in meinem Schädel, welches sich zu neuen Worten fügt. "He-Le-Na-Na-N-An-A-AnnA-Na-Hvar….." Ein weiteres Mal bleibe ich stehen und schlage meinen Kopf gegen die kühle Steinmauer. Die Vorstellung wie er daran zerbirst entlockt mir ein hysterisches Lachen. So viel darin. Es wäre dann frei. Ich wäre frei. Ich poche mit solchem Nachdruck gegen die Wand das meine Haut platzt und mein Schädelknochen sich ächzend zu Wort meldet. Jetzt fühle ich mich besser.Kein Tropfen Blut sickert aus der Wunde, aber das bemerke ich nicht. Denn schon wieder bewegen sich meine Beine und zwingen mich meinen Weg fort zu führen. Ich muss zu Mathie, ihm sagen was er tun muss. Was ich in Erfahrung gebracht habe. Muss ihn bitten Alexa zu sich zu nehmen. Weil…weil…ich MUSS ihn bitten Alexa aufzunehmen. Endlich entdecke ich die Tür die mich aus dem Kloster rausführen wird. Ich richte mich auf, sammle meine Kraft und gehe auf den Ausgang zu. Mit jedem Schritt der mich näher an das ‘Draussen’ führt, wird mir das ‘Drinnen’ bewusster. Die Gänge in denen ich planlos umher irrte entknoten sich mit jedem Fuss den ich vor den Anderen setzte weiter. Als ich schließlich die Hand an dem Knauf liegen habe gibt es in meinem Kopf eine Karte die exakter nicht sein könnte – mit jedem Gang, jeder Tür, jeder Halle die ich durchschritt oder sah. Ich schnaube verächlich über mich selbst, so einfach. Wie konnte ich mich da drin nur verlaufen?
Eine Sekunde bevor ich die Tür öffne suchen mich Worte heim,
………… meide das Licht, es tötet dich……….
dann gebe ich dem schweren Holz einen Schubs und es schwingt mit einem leisen Knarzen nach aussen. Es ist Dunkel, die Sonne ist erst vor kurzem untergegangen. Ich merke es daran dass die Erde noch warm ist, die Luft noch lebendig riecht und – ich fühle es in mir.
Auf dem Weg nach unten zurück zu meinem Leben begleiten mich Fragen.Viele Fragen. Und viele von diesen vielen Fragen kann ich nicht zu Ende denken weil sich mein Kopf wehrt sie in Worte zu fassen. Wie Wasser, dass man mit gespreitzen Händen schöpfen will
Noch bevor man es aus dem restlichen hervorgehoben hat rinnt es einem durch die Finger. Es dauert keine Stunde dann stehe ich wieder vor meinem Haus. Der Aufstieg hatte mich bald 8 Stunden gekostet. Nun ja, bergab geht es  schneller. Das ist alles.
 In meinem Haus brennt Licht. Ich stehe reglos vor der Tür. Irgendwas stimmt nicht. Das Gefühl dass ich sonst habe wenn ich nach Hause komme fehlt. Als hätte jemand in meiner Abwesendenheit alles was mich ausmacht aus meinem Heim gewaschen, es von mir gereinigt. Es schaudert mich, dann raffe ich mich auf und trete ein.
Mein Esstisch, meine Kochstelle, Stühle, ein Sekretär, Bilder, eine Kiste, die Tür zu meinem Schlafraum, alles so wie ich es verlassen habe. Im Kamin brennt noch Feuer – unwillkürlich weiche ich davor zurück. Alexa wird wohl Schlafen, vielleicht ist Mathie bei ihr. Ich nicke vor mich hin und sehe mich mit den Augen eines Fremden um. Es ist unverkennbar mein Zuhause und dennoch scheint mir alles verändert, als hätt ich es noch nie so wirklich wahrgenommen. Verändern sich Dinge wenn man sie besser (er)kennt?
…. Der Raum kreist um mich als wäre er die Erde und ich die Sonne. Ich sehe viele Menschen hier, Leute aus meinem Dorf. Sie gestikulieren wild, reden durcheinander. Ihre Blicke sind entschlossen und Mathie führt sie…dann ist es wieder vorbei und das Zimmer ist leer.
Ich vermute dass die Rebellen sich hier versammelt haben [versammeln werden] um ihr weiteres vorgehen zu beschließen. Lautlos näher ich mich dem hinteren Zimmer. Die Türe ist  angelehnt und dahinter erhellt nur der Mondschein den Raum. Ich bleibe im Türrahmen stehen und vergrößere den schmalen Spalt um mich umsehen zu können.
Alexa liegt schlafend auf dem Strohbett, eingewickelt in ihre Felle. Davor sitzt Mathie an die Wand gelehnt und hält ihre Hand. Er schläft ebenfalls.
Im ersten Reflex will ich zu den Beiden laufen und sie in meine Arme schließen, an mich drücken und sie all die Liebe fühlen lassen die ich für sie empfinde. Im zweiten Reflex möchte ich immernoch zu den Beiden laufen und sie in meine Arme schließen….aber der Teil in mir, der diesen Drang auslöst lässt mich nicht nur stehen bleiben, sondern sogar zurückweichen. Nur mühsam kann ich den Schrei unterdrücken, der sich aus meinem Inneren hervor kämpft. Eine Ahnung schneidet sich in meinen Geist,  wie eine kalte scharfe Klinge und macht mir mit aller Härte klar, dass ich sie besser nicht berühre – besser nie wieder berühre.. Ich bin vergiftet.
Ich liebe Alexa. Ihre wundervollen dunklen Locken ihr süßes Gesicht die klugen schwarzen Augen. Noch ist sie ein Kind aber es wird nicht mehr lange dauern und sie wird eine erwachsene Frau sein und wenn ich alles richtig mache wird sie in Freiheit leben. Zarte kleine Fingerchen. Ihre Haut mit der leichten Bräune vom vielen draussen spielen. Ich höre ihr Herz fast schlagen. Gleichmäßig, gesund. Mit jedem Schlag pumpt es das Leben durch ihren Körper und verleiht ihr diesen unheimlichen …wundervollen …anziehenden Anblick. Angewidert von mir selbst drehe ich mich rum. Mir wird wieder übel.
Ich kann mich nicht überwinden Mathie und Alexa zu wecken. So leise wie mögliche schließe ich die Türe hinter mir und gehe zum Sekretär. Es ist besser wenn ich ihm schreibe was ich zu sagen habe. Und wenn ich mich wieder besser fühle kehre ich hierher zurück.
………….du wirst wieder zu mir zurück kehren………..
Ich fuchtel mit meinen Händen durch die Luft um die unerwünschten Gedanken zu verscheuchen und mache mich daran Mathie einen Brief zu schreiben.

Mein lieber Freund,

Ich bin zurueck, verzeih mir, dass dir nur diesen Brief schreibe anstatt dich zu begrüßen und mit dir zu reden. Es ist, es gibt Dinge die mich davon abhalten. Vertrau mir – bitte.
Ich habe ihn gefunden. Es gibt ihn wirklich. Es ist viel geschehen aber ich kann noch bei weitem nicht alles in Worte fassen. Es war grauenhaft . Erschreckend.  Er kannte mich, er ist ein Monster ein Untier, versprich mir dass du niemals dorthin gehen wirst, egal was auch noch geschehen mag. Und versprich mir dass du meine Tochter niemals dorthin gehen lassen wirst. Er wirde sie töten. Er würde dich töten.
Doch was wirklich wichtig ist. Er hat mir geholfen. Er hat mir verraten wie wir uns von dieser Plage befreien können. Wie wir die Krankheit die sich an unseren Wurzeln eingenistet hat und uns das Leben verseucht unschädlich machen.
Die Djovani werden bald eine Reise tun. Ein Handelsschiff wird in
Sveta Nedjelja  anlegen und ihre Helfers Helfer werden es beladen sobald die  Sonne untergegangen ist. Mit ihrem Hab und Gut und mit Kisten. Schmuggelt Ölfässer unter den Proviant. Dann wartet ab.  Ein Teil am Land. Ein Teil mit kleinen schnellen Booten.  Segler am besten. Ihr müsst ihnen Zeit lassen ihr Werk zu vollenden. Ihr müsst warten bis das Unkraut an Bord gegangen ist. Niemand darf euch bemerken. Wartet entgegen dem Wind. Wartet bis der Morgen graut. Kurz nachdem sie abgelegt haben   schlagt ihr zu. Die Sonne MUSS aufgegangen sein. Kein Kampf Angesicht zu Angesicht, ihr hättet keine Chance. Es muss ein Hinterhalt sein. Sobald dass Schiff auf dem Wasser ist müsst ihr einen Brand legen. Vielleicht mit Pfeilen oder brennende Lappen. Ein schnelles Feuer dass sich schnell ausbreitet. Sie dürfen es nicht löschen können. Kümmert euch nicht um diejenigen die von Bord springen könnten. Lass euch nicht ablenken. Das Schiff muss brennen. DAS ist das Ziel. DAS ist die einzige Chance die wir haben. Sie rechnen nicht damit dass  ihr kommt. Die Überraschung liegt auf unserer Seite. Wenn ihr es nicht schafft ist unser Leben verwirkt, denn sie kämen zurück und würden uns nicht knechten sonder auslöschen.
Das ist was er mir verraten hat.
Wenn du überlebst, versprich mir dass du dich Alexas annimmst. Ich … muss  noch Dinge erledigen. Sag ihr dass ich sie liebe und auch du kannst dir meiner Liebe gewiss sein teurer Freund.
So will ich verbleiben. Suche mich nicht.
Vergesse mich, ich bin tot, vergiftet und es gibt nichts was mich retten könnte. Rette Hvar. Hvar ist alles was zählt.
Du wirst es befreien und ich werde dafür sorgen dass es frei bleibt.
Sage meiner Tochter.
Helena, deine Mutter, dein Fleisch und Blut wacht über dich und Hvar für alle Ewigkeiten.
In Liebe

Lena

Ich lasse den Federkiel sinken und lese meinen Brief nocheinmal durch. Das steht es. Ich bin tot. Kein Adrenalin. Kein erhöhter Herzschlag. Nur leise schleichende Panik. Meine zitternde Hand legt sich auf meinen Mund. Nicht wimmern. Nicht schreien. Nicht die Lieben wecken und sie zu mir locken. Jemand greift in meine Gedärme, drückt zu, dreht rum und versucht sie mir aus dem Körper zu ziehen. Mir ist so unendlich schlecht. Kein Boden unter meinen Füßen. Ein Meer von Wahrheiten, zerbrochenen Spiegeln und Fragen in dem ich langsam aber sicher untergehe und kein rettendes Ufer – hätt ich noch so viel Kraft über um zu schwimmen. Es hätte keinen Sinn.
Ich lasse die Schreibfeder einfach fallen, flüchte aus meinem Heim, das nicht mehr mein zu Hause ist. Nie wieder. Meine Füße tragen mich in die Berge zurück. Wohin. Wohin? Mein Körper schreit.Er will Leben. Das Gift in meinem Leib muss besänftig werden. Sonst werde ich verrückt. Oder bin ich dass schon? War ich nicht verrrückt zugelassen zu haben vergiftet zu werden? Habe ich dass zugelassen? Wollte ich es gar??? Während ich laufe drücke ich meine Hände gegen meine Ohren, meinen Schädel um den Irrsinn darin rauszupressen.
Irgendwann bleibe ich stehen. Nicht ein nicht aus Wissend. Mein Denken zwingt mich weiter zu Laufen. Mein Verlangen drängt mich zurück ins Dorf. Zum Leben.
    “Du bist zurück Lena Toth?”werde ich angesprochen. Für einen Moment befürchte ich Mathie wäre mir gefolgt. Aber schon in der nächsten Sekunde rieche ich dass es nicht er ist.
    “Ja Jorgo”antworte ich leise und drehe mich um.
Jorgo Ruiden. Ein Schäfer der am Fusse der Berge lebt. Kein Kämpfer. Ein einfacher Hirte. Ein lieber, leicht untersetzter Mann mit Frau und drei Kindern. Mir war garnicht bewusst seiner Hütte so nah zu sein. Ich hoffe, ich bin nicht mit Absicht hier her gelaufen.
    “Wir dachten du wärst tot” Er täschelt den Hund an seiner Seite der mich leise anknurrt liebevoll.
    “Natürlich bin ich tot” erwider ich mit einem Lächeln.”Meine ganze Familie ist tot Jorgo, dass weisst du doch” Zwei Gesichtig, doppelzüngig. Die Wahrheit sprechen kann eine Lüge sein, wenn du nur die richtigen Worte wählst. Meine Zunge spricht was anderes als was mein Kopf denkt. Aber dass weiss Jorgo nicht und ich könnte heulen dass es so ist.
    “Ja…” Sagt er. “Toth bist du. Konnstest du….” Seine Stimme bricht ein wenig.”Konntest du etwas erreichen? Hast du etwas gesehen dass uns hilft? Jemanden?” Da steht er vor mir. Seine Augen spiegeln die Angst, unser aller Angst um Hvar wieder. Dafür liebe ich ihn. Umso mehr schmerzt mich das aufkeimende Verlangen in mir.   
    “Ja”antworte ich leise und strecke ihm meine Hand entgegen. “ komm mit und ich werde dir davon erzählen. Es war schlimm. Deine Frau und deinen Kindern sollen nichts davon hören müssen. Lass uns zu den Klippen gehen.” Meine Stimme ist leise und ich habe Angst sie versagt mir. Er nickt und gibt mir seine Hand. Im Vertrauen. Wir kennen uns schon so lange…
Von den Klippen  kehre ich alleine wieder. Besänftigt. Beunruhigt. Ich ziehe mich zurück. Ich fühle mich unendlich mächtig. Hvar wird nie wieder leiden müssen.

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Sieben Jahre Unglück

Da steht sie vor mir. Ich sehe wie sie mich ungläubig fragend ansieht und langsam ihre Hände hebt. Von Ihren Fingern rinnt Blut, über den Handrücken hinweg leise und schweigsam den Unterarm entlang. Sie dreht ihre Hände, wie um sie zu betrachten, aber sie sieht mich an, unentweg. Als könne ich ihre Fragen beantworten. Ihr Blick ist krank, er macht mir beinahe Angst. Sie hat Angst. Zitternd streckt sie mir ihre Handflächen entgegen. Aus den Augenwinkeln sehe ich dass sie zerschnitten sind, kleine Furchen aus denen Leben heraus sickert. Ich wage nicht den Kopf zu senken um die Verletzungen genauer zu betrachten, denn sie starrt mich an als wäre ich ihr letzer Halt in der Wirklichkeit. Und das mir. Wo ich selbst nicht weiss wo ich steh. Wohin ich gehöre. Irgendwie habe ich Mitleid mit ihr. Was mag ihr geschehen sein? Ihr weisses Nachthemd blendet mich, obwohl es nur das Mondlicht reflektiert dass durchs Fenster fällt. Leicht bläulich, wie wunderschön. Mich überfällt eine ungeheure Zuneinung für diese Frau. Ein warmes Gefühl. Ich will ihr ihre Angst nehmen und sie schützend im Arm halten. Ich kann das. Ich bin stark. Ich war es schon immer.
Ein zuversichtliches liebevolles Lächeln auf meinen Lippen. Kraft will ich ihr geben. Die Antwort ist eine schmerzlich verzogene Grimasse. Hat sie geweint? Betroffen schüttel ich meinen Kopf und geh auf sie zu. Das arme Kind kommt mir entgegen.
Da fällt mein Blick auf ihre Füße, oder besser die blutigen Spuren die sie im fahlen Licht auf dem Boden hinterlässt. Sie ist durch Scherben gelaufen, wie schmerzhaft muss dass sein…
Ein mitfühlendes Stöhnen entweicht meiner Kehle und ich halte mir instinktiv die Hände vor den Mund – nicht dass sie mir erschreckt und wegläuft wenn sie mich hört.
In meinem Kopf knackt es, so laut dass ich schmerzverzerrt das Gesicht verziehe und die Augen schließe. So verharre ich einige Sekunden – aber es bleibt still. Ich entspann mich wieder, doch die Augen öffne ich nicht. Eine seltsame Stimme in mir flüstert mir zu dass ich nicht sehen will was ich sehen würde. Intuition. Ein Gefühl dass mich beraten will.
Ich lache über mich selbst. Lass dich nicht von Emotionen leiten! Das führt zu nichts als Selbstbetrug.
Ich atme ein. Ich atme aus…dieser Körper ist (nur) ein Haus.
Meine Hände sinken von meinem Gesicht und falten sich andächtig. Ich stütze meine Kopf darauf und öffne meine Augen – auf dass ich sehen werde.
Ich sehe sie an.
Sie sieht mich an.
Ihre Augen in meinen Augen sind meine Augen sind ihre Augen….

…………. Und in den Scherben werden sie tausendfach gebrochen, zerfließen in eine unfassbare Zahl, in eine primale Masse mit tausend Augen. Und dann flüstern sie………

Blut auf ihren Lippen. Ich lecke über meine und kann es schmecken.
Blut auf meinen Lippen.
Der seltsame eiserne unwirkliche Geschmack liegt auf meiner Zunge. Ich bilde mir ein es riechen zu können. So süß …angewidert rümpfe ich die Nase. Aber zu spät. Ich bin vergiftet. Ich kann förmlich fühlen, wie der Geruch meine Luftröhre hinab in meine Lungen gleitet, sich dort ausbreitet, mich ein nimmt. Wie er mit jedem Atemzug in mein Blut steigt dort brennt wie Feuer. Das Feuer kriecht durch meinen Körper bis hinauf in meinen Kopf, mir wird schwindelig und ich bekomm Kopfschmerzen.
Es knackt ein zweites Mal. Noch lauter aber diesmal schließe ich meine Augen nicht mehr.
Mein Körper spannt sich an, ich zittere und weigere mich mit allem was ich habe die Erkenntnis die sich in meinem Gehirn ausbreitet zu akzeptieren. Dieses jämmerliche Wesen vor meiner Nase bin ich. Soll ich sein? Soll ich? Muss ich?
Mir wird regelrecht übel. Ich hasse es schwach zu sein. Sie ist es..Ich bin es. DAS will ich nicht sehen. Wutentbrannt stampfe ich mit dem Fuss auf den Boden. Schmerz. Aber das ist mir egal.
    “WAS WILLST DU?” Schrei ich sie an. Doch dieses blöde Ding äfft mich nur nach und schneidet mir Grimassen .Nicht mit mir meine Liebe..nicht mit mir. Ich sehe in ihren Augen ein boshaftes Glitzern. Entschlossenheit. Dann schlage ich ihr ins Gesicht.Mit geballter Faust. Hass lodert in mir.
Ihr Bild zerbricht. Zersplittert. Meine andere hand greift nach ihrem Herzen, wenn es so schwach ist muss es raus.
Der schneidene Schmerz fügt mich wieder zusammen. Ich finde mich selbst in die Scherben meines Schlafzimmer spiegels gekrallt und es tut weh. Die Erinnerung an meinem Traum kehrt zurück mit einer Wucht die mir den Atem nimmt.

….. Erinnere Dich. Was wolltest Du noch? Was war es, wofür Thot zahlen muß? Was? Was? Was?……..
….. Achte gut auf Dich. Achte Dich. Malekin liebt Thot! Ja.
Wir werden immer da sein. Werden immer warten.
Du weißt wo? In der Kapelle. Im Berg. Hinter dem Tor. In Dir………..

Ich blute.
Vorsicht löse ich mich aus den Scherben. Irgendwie tut der äusserliche Schmerz gut. Er beruhigt den inneren. Mehr als nur ein Traum.
Ich gehe so wie ich bin, im dunklen zum Schreibtisch hole Stift und Papier und beginne zu schreiben, obwohl ich sicher bin DIESEN Traum nicht vergessen zu können. So wie man meistens Träume vergisst. Meine Hände hinterlassen rötlich-braune Spuren auf dem Papier aber irgendwie passt es. …

Schön dich wieder zu sehen. Ich höre seine Worte nicht, ich fühle sie in mir. Wiedersehen? Wiederhole ich leise.
Du kommst also zurück, kleine Thot? Schon wieder?
Es ist ein Traum. Es muß ein Traum sein. Bitte laß es nur einen Traum sein!

[Krähen, Harpyien, Eryinnen. Gedanken. Ein Schwarm angezogen durch die Witterung des Blutes. Ihre Stimmen, die so lange Zeit nicht mehr dort draußen – dort drinnen – kreischend erklangen, sie klirren durch einen anderen, verstrickten Äther. Andere verstummen, als Malekin an einen Ort strebt. Andere flüchten vor ihnen, andere konfrontieren, wenige stellen Fragen, doch Malekin kümmert sich nicht. Das tat er nie. Und in den Scherben setzen sie sich nieder und kratzen mit ihren Krallen am Glas, um an das Blut auf der anderen Seite zu gelangen. Ihr Blut. Das Kind. Die Erste. Und in den Scherben werden sie tausendfach gebrochen, zerfließen in eine unfassbare Zahl, in eine primale Masse mit tausend Augen. Und dann flüstern sie, doch nur eine Stimme gelangt durch den Spiegel.]

Erinnerungen. In Dir. Gleich neben den Ängsten. In den Ängsten. Angstvolle Erinnerung. Wer hat gesagt, daß Sie sich nur von Blut nähren?
Erinnerungen von der Mutter zur Tochter, nein? Nein? Nein! Erinnerungen von Malekin zu Malekin. Ja!

[Mein Blick fällt auf die Scherben und es beginnt, bevor ich begreifen kann, was ich gerufen habe. Aus der Masse formen sich Gestalten, spielen ihr Narrenspiel. Zwei werfen mit beinernen Würfeln, andere schlagen einen der ihren auf ein blutiges Kreuz. Die Würfel klappern und die Schemen murren in einem vergessenen Latein. Das Kreuz wird aufgerichtet und der Gekreuzigte lacht. Die Spieler fühlen sich gestört und ein dritter sticht sein Pilum in den Brustkorb des Gekreuzigten. Die lange Spitze knickt unter dem Gewicht des Schafts, der wie eine Stütze den Boden berührt. Der Gekreuzigte ist starr, sein Mund im starren Gelächter gefroren. Ein Schwamm wird mit begehrenswerter Flüssigkeit benetzt und alsbald herumgereicht, ohne jemals die Lippen des Gekreuzigten zu berühren.]

Du bist nicht die Erste. So wie auch Katinka nicht die Erste war. Jetzt ist sie es. Kannst Du es auch sein?
Zweifel. Gleich neben den Erinnerungen. In den Erinnerungen. Zweifelhafte Erinnerungen. Vampyr.
Willst Du es sein? Willst Du uns? Oder willst Du die Nekromantie? Oder den Zorn der Brujah? Hm? Nein?
Töten. Ein so kurzes Wort. Es war nur ein Schauspiel.
Willst Du das Wahre? Ja! In Dir willst Du es. Erforschen. Djovani! DjovanIä! Iä!
Soviele Gespräche. So viele kurze Worte. Jedes Wort ein Tod. Thot.

[Das Narrenspiel verschwindet, ein einziger Lichtreflex des Mondes, über den Wolken ziehen, wischt es hinfort. Gedanken stehen wieder alleine, in der Gruppe. Sie halten Dinge in den Händen. Und während ihre Schemen undeutlicher werden, unschärfer, sich dem Blick entziehen, wird ihre Last deutlicher. Eine Hand, aus dem Gelenk gerissen, die zersplitterten Knochen im Ansatz sichtbar, eine Knorpelscheibe hängt an einigen Fetzen eines faserigen Bandes. Ein Unterarm, gesplittert, wo er den Ellbogen umfasste, gebrochen, wo er die Hand stützte. Eine Schulter, das Schulterblatt wie der einzelne Engel eines Flügels, die zerissenen Muskelbäuche der Rückenmuskulatur wir einzelne Federn. Zwei halten aufgedunsene Darmschlingen, die schwarz sind vor geronnenem Blut. Aus vielen Erosionen quillt die schwarze Flüssigkeit wie Wachs. Ein Herz, daß wie eine plumpe Marionette an den Überresten von Gefäßen baumelt. Teile eines Brustkorbes, der einer toten, weißen Spinne gleich schwach im Griff zu zappeln scheint. Und in der Mitte, zwischen Armen, Beinen und Organen ein Kopf, sorgsam in ein Tuch gewickelt, damit nur das Gesicht und nicht die Wunden sichtbar sind. Und eine einzige Träne, die in den toten Augen schwimmt. Dann zwinkert ein Auge und die Scherben sind nur Scherben.]

Du musst das nicht tun, vielleicht…vielleicht finden wir einen anderen Weg.
Oh! Einen anderen Weg? Aber Du bist doch zu uns gekommen? Weißt Du nicht, was das für uns bedeutet? Wieviel Angst wir hatten als wir Deine Schritte hörten unten im Tal? Wie sie näher kamen und wir an den kahlen Felsen kratzten weil Du kommst um uns holen. Wie konntest Du uns das antun? Wie? Jeden Kiesel unter Deinen Sohlen hörten wir und das Stechen der Dornen in deiner Haut und das fliehende Schleichen der Schlangen den ganzen langen Weg zu uns eine Ewigkeit nach der anderen und wie wir Dich hassen dafür.

[Eine der Gestalten tritt vor, hat ihre Hände zu einer Schale geformt. Darin schwappt ein dünner Schrei und hastig, durstig, beugt die Gestalt ihren Kopf und trinkt den Schrei. Eine andere tritt vor, greift mit beiden Händen nach dem Kopf des ersten und beugt sich vor, um ihn – sie? – zu küssen. Ein leises Wimmern ertönt, als ein Echo dem Kuß entkommt und über ein bleiches Kinn rinnt, doch schon ist ein andere an der Stelle und leckt die kalte Haut, bis zu den Lippen, die sich zum Kuß öffnen. Und weiter und wieder wird der Schrei weitergegeben und als der Kuß die Runde gemacht hat, speien sie den Schrei, der jetzt zerissen und zersplittert ist, durch ihre spitzen, scharfen Zähne. Er vergeht, bevor ein Wimpernschlag getan.]

So kleine Freuden. Lustige Gespräche in den Elysien. Große Augen. Diskurse mit den Djovani. Hm? Vergessen? Wie könntest Du vergessen? Malekin kann nicht vergessen, nein? Doch wir haben vergessen? Eine fehlt. Das grüne Buch sagt es. Malfeis. Wir werden nimmermehr vergessen. Wir werden uns an Dich erinnern. Immer. Du wolltest es so, nein?
Alle Zweifel durchlebt. Meine Ohren taub von der Stille. Mein Körper ohne Gefühl. Was ist schon Zeit? Wenn das der Preis ist will ich ihn zahlen. Die Zeit der Angst ist vorbei für mich. Nie wieder Knechtschaft. Freiheit für mein Kind und das Volk. Nein? Hm?
Vergißt Du nicht etwas?
Deinen Stolz? Du wolltest nicht vergessen werden, nein? Nicht von den Venezianern, nicht von den Djovani. Nicht von Hvar.
Der Tod nicht der ganze Preis? Es will jeden Toth? Irre nicht, kleine Thot. Der Preis für Venedig war nicht teuer. Nein, dafür gab es keinen Preis.
Nicht für Hvar.
Erinnere Dich. Was wolltest Du noch? Was war es, wofür Thot zahlen muß? Was? Was? Was?

[Wieder beginnt das Flüstern. Ideen werden formuliert und verworfen, bevor sie gereift sind. Eine Scherbe zersplittert in der Hand, schneidet in den Handballen. Die Gestalten verlieren sich, alte, fremde Gedanke vergehen. Es waren keine Worte. Nur furchtbare, anankastische Gebilde. Ein widersprüchliches Gefühl der Trockenheit. Haß. Lust. Durst. Liebe. Müdigkeit. Zwang. Apathie. Katatonie. Manie. Nur Worte, die nur erahnen, was sich jetzt en
tfernt. Nur der Schmerz in der Hand, ein spitzer, dauernder Schmerz, hält ab, den leeren Worthülsen zu folgen, um zu fassen, was sie verbergen. Was diese Dinge wie eine Legende um sich ziehen. Dann ist es vorbei. Und eine Stimme, die sich noch nicht verloren hat.]

Das Schicksal für alle die nach mir kommen besiegeln? Nein?
Achte gut auf Dich. Achte Dich. Malekin liebt Thot! Ja.
Wir werden immer da sein. Werden immer warten.
Du weißt wo? In der Kapelle. Im Berg. Hinter dem Tor. In Dir……….

Die Worte fließen so leicht aus meinem Füller als würde jemand hinter mir stehen und mir zuflüstern was ich schreiben soll So wahr und wirklich und  nicht weniger echt als ich ,da ich hier sitze und schreibe. So wirklich wie der Tag an dem ich Katinka zum erstenmal traf.
Zufrieden betrachte ich mein Werk. Worte mit Bedeutung gefasst mit Farbe auf Papier. Feine schnitte auf meinen Händen. Verkrustet. Der Fluss schon versiegt und für eine Sekunde bin ich mir nicht mehr sicher warum das geschehen ist…was zuerst war.
Hab ich geträumt weil ich den Spiegel zerbrochen habe?
Habe ich den Spiegel zerbrochen weil ich geträumt habe?
Egal. Wichtig ist was über bleibt. Scherben…

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Briefwechsel II

Stephano schrieb:

Bona sierra, Senora Toth

 Wie Sie sicherlich noch wissen, trafen wir uns am 16.03. in der Nähe der Stadt
München – abends. Sie werden mich als den Mann im Armani-Anzug in Erinnerung
haben; mein Name ist, an ihn könnten Sie sich ebenfalls entsinnen, Stephano.

 Verzeihen Sie mir bitte, wenn ich erst jetzt schreibe. Ich hatte viel Geschäftliches zu tun und bin erst vor kurzem aus Italien zurückgekehrt; und Sie, liebe Anna (ich darf doch Anna sagen?), sind die Erste auf die sich mein Blick richtet, wenn ich nun wieder nach Norden schaue.
 Nun weiß ich nicht, wie es in München um Sie steht, doch soweit ich informiert
bin stehen Sie immer noch vor einer schwierigen Entscheidung. [Verzeihen Sie
erneut, wenn ich mich verdeckt ausdrücke, doch wissen wir beide, daß wir ein
zum Teil öffentliches Computernetz benützen.]
 Das heißt die Wahl zwischen einer Blutlinie von selbsternannten "Orakeldeutern"
und der Familie ist noch zu treffen. Verstehen Sie mich richtig, ich möchte der
Ehre dieser Blutlinie keinen Abbruch tun, und deshalb muß, wie Sie ja wissen
die Fehde zwischen uns und diesen endlich beigelegt werden – und Sie, wie Sie
ja bereits wissen, sind der Schlüssel dazu.
 Sie sind die letzte der Nachfahren der Familie Toth – das Bindeglied zu einer
alten Rechnung (wenn ich so wirtschaftlich sprechen darf), die zu begleichen
nun an Ihnen ist: Ich denke, Sie sind sich des vollen Ausmaßes der
Vergangenheit Ihrer Familie bewußt – diese hat gegen meinen Clan, der bald der
Ihre sein kann, Krieg geführt und Schändliches getan; man hat einen Teil meiner
Familie ausgerottet.
 Mir und Ihnen ist klar, daß Sie überhaupt nichts mit den Untaten Ihrer Familie
zu tun haben – nacerto! Und doch haftet an Ihnen das Blut der Unschuldigen, wie
Ihr Name an Ihnen haftet. Sie haben sicher schon gehört, daß wir "Älteren" der
menschlichen Rasse in diesem Sinne sehr – sagen wir konservativ – sind; man
trägt die Schuld seiner Väter auf seinen Schultern
 … bis daß diese Schuld von Ihnen reingewaschen ist! 

Nun die Schuld Ihrer Vorfahren können Sie mit unserer Familie nur begleichen,
wenn Sie, wie es Ihnen angeboten wurde, zu uns kommen und in den Schoß der
Familie eintreten! Es ist, und ich habe mich im vergangenen Monat viel
beschäftigt, nachgedacht und überlegt, die einzige Möglichkeit, die Ihnen nun
bleibt. Es ist nicht so, daß ich Ihnen nicht die Wahl der anderen Blutlinie
lassen will – nein, ich bin um Ihr Wolhergehen besorgt.
 Ich sagte bereits, daß ich in Italien war. Lassen Sie mich erklären, warum ich
dermaßen besorgt bin:
 Ich habe gehört, Gerüchten gelauscht und das Wissen meiner Väter benutzt, um
herauszufinden, daß einige (nicht alle!) der Ältesten der Familie es nicht
akzeptieren würden, sollten sie sich für die falsche Seite entsscheiden!
 – Kennen Sie den Ausdruck "Goodfella"? Wenn Sie so wollen, dann könnten sie
etwa meinen Vetter 2. Grades als solchen bezeichnen – mit ihm ist nicht gut
Kirschen essen, wenn Sie verstehen was ich meine. Dieser und einige andere
werden Ihnen Ihr neubegonnenes Leben derart verkürzen, wenn Sie sich falsch
entscheiden sollten,… Sie verstehen den Ernst der Lage?
 Meine liebe Seignora, bedenken Sie! In meiner Familie fackelt man nicht lange
mit Blutsfeinden oder Verrätern…  und doch – sie ist herzlich zu ihren Kindern!
Ich würde sagen, darin liegt auch ihre Stärke: Nach außen hart, nach innen warm
und beschützend. Die Familie brigt viele ungekannte Vorteile und Genüsse mit
sich. Sie können  zu uns kommen, Anna, wenn Sie es möchten, und sich richtig
entscheiden.
 Wenn Sie sich für die Familie entscheiden, werden sie weiterexistieren und
Ihren Zielen nachgehen können – und nur dann, verstehen Sie?
 Seignora Anna, bitte verstehen Sie, Sie sind etwas Besonderes und Sie sind
wichtig! Wichtig für die Familie – stellen Sie sich nur vor, wenn die Fehde
nicht beendet würde, das wäre doch fatal! Nicht nur für Sie, Sie verstehen –
Nein, auch für die besagte Blutlinie der Mondkinder…
 …welche ja nun schon seit langem zu unseren Freunden gehören sollen – denn
wir wollen die Blutfehde auch nicht mehr; wir wollen Frieden haben – es sei
denn, wir müßten diese Fehde aufgrund einer falschen Entscheidung weiterführen.
 Sollte dieses Übel geschehen, so würde für viele eine dunkle Zeit
heranbrechen, und wir wollen doch nur ein friedliches Zusammensein! 
 Sie, liebe Seignora Anna, haben auch auf der anderen Seite einige, die Sie
mögen, denen Sie sich verpflichtet fühlen: Nun können Sie auch denen gegenüber
Ihre Pflicht erfüllen, und diese und auch sich selbst schützen und behüten.

 Anna, Sie müssen wissen, daß mir das sehr schwer fällt, Ihnen so zu schreiben,
noch dazu Sie damit derart zu überfallen – Verzeihen Sie mir.
 Nun, es schien mir allerdings nur allzu angebracht, Sie vor einem möglichen
fatalen Schicksal zu bewahren, von dem ich gerade selbst erst hörte – ich
möchte Sie davor schützen, Anna.
 Ich möchte Sie bitten: Wählen Sie richtig – im Sinne eines größeren Ganzen –
Sie können nun viel Mut beweisen, Anna. Sie können ein neues Leben beginnen, im
Schutze einer Sie behütenden und herzlichen Familie, die Sie, liebe Seignora,
schätzt! Sie wissen: Alles weist sie schon darauf hin – Ihre Ziele und Wünsche,
die sie mir bereits offenbart haben – all das deutet nur darauf hin…!
 Es ist Ihr Schicksal – Sie gehören zu uns, werte Anna, bitte öffnen Sie sich
dem, was ist, und was sein wird. 

 Und, liebe Seignora, es wird auch Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen: Ich werde
Onkel Thomaso bitten (so er es noch nicht getan hat), für Sie alles zu
veranlassen:
 Wer Ihr Erschaffer werden soll; welchen Weg Sie einschlagen können (das können
Sie mit Thomasos Hilfe am besten gemeinsam tun); wer sie lehren wird, was Sie
sich zu können wünschen; und man muß Sie dem Don vorstellen; Sie werden auf
jeden Fall in München bleiben können, dafür setze ich mich ein.
 Ich weiß Sie bei meinem Onkel in besten Händen – schließlich ist er auch kein
völliger Italiener (wie auch Sie) und kann aufgrund dessen sicherlich besser zu
Ihren Wünschen Zugang finden.

Geschätzte Seignora Anna, ich weiß, ich kann stolz auf Sie sein – ich möchte
Ihnen auch weiterhin auf Ihrem Weg eine Stütze und Hilfe sein. Also, nun wissen
Sie wie Sie mich erreichen können – Innsbruck ist ja nicht weit. Es wäre mir
eine wirkliche Ehre, Sie bei Ihrem Werdegang als eine der Unseren als Mitglied
der großen und einigen Familie meines Clans begleiten zu können. Wie ich Ihnen
schon zu verstehen gab:  Sie sind etwas Besonderes!

 Nun werde ich Sie wieder für kurze Zeit verlassen. Lassen Sie von sich hören –
nur keine Scheu! Ich erwarte gerne Ihre Antwort. Falls Sie sonstwie Hilfe
benötigen, finanziell oder bürokratisch oder sei es etwas anderes, lassen Sie
es mich wissen oder sagen Sie es Thomaso!
 Es ist natürlich nicht alles leicht zu verstehen, das weiß ich, wenn wir
verschlüsselt schreiben müssen, doch ist es jetzt noch auf diese Weise sicherer.
 Und ich möchte Ihnen noch sagen, Sie mögen wissen: Wir, die Familie, kümmern 
uns um Sie – wir halten Sie und stützen Sie, Anna, in Ihren Entscheidungen, die
gewichtig sind für Sie und gewichtig sind für viele von uns. Tun Sie das
Richtige, Anna!

 Senora Toth, ich grüße Sie!

   Averiderci,

                         Ihr Stephano

Anna schrieb:

*Anna liest Stephanos Email bestimmt ein Dutzend mal durch bervor sie sich
aufraffen kann zu antworten.**

Sehr geehrter Stephano,

ich bin ehrlich veranlagt und werde aus diesem Grunde die Dinge einfach schreiben
wie sie mir durch den Kopf gehen. Falls ich mich im Ton oder in der Etikette
vergreifen sollte bitte ich Sie im vornherein um Verzeihung.

Sie haben mir, gelinde gesagt gerade den Boden unter den Füssen weg gezogen.Ich
weiss nicht recht.
Soll ich in mein Auto steigen zu Ihnen nach Innsbruck fahren und Ihnen gehörig
die Meinung dazu sagen mir derartig….zu zusetzten?
Soll ich den kurzen Weg rüber zum Fluss gehen und mich einfach hinein stürzten?
Katinka bitten mir sofort ohne weitere Fragen ein neues Leben zu schenken?
Thomasso bitten mir das Denken aus dem Kopf zu reissen???
Meinen Namen ändern lassen?
Auswandern?
Was ist dass für eine Entscheidung wenn die Antwort schon festliegen MUSS???????
Wenn die Familie mich so schätzen würde wie Sie sagen….
Sie kennen sicherlich diese kleinen klugen Sprüche…einer davon lautet:

Wenn du etwas liebst musst du es frei lassen
Gehört es zu dir, kommt es zurück
Kommt es nicht zurück hat es niemals zu dir gehört.

Die Umstände mögen sich nicht perfekt einfügen, aber im großen und ganzen trifft
es dass schon. Was hat die Familie davon wenn ich mich widerwillig in ihre Arme
begebe…
Ich sage es Ihnen wie es ist.
Die Androhung meines Todes schreckt mich nicht, lieber einmal sterben als eine
Ewigkeit an einer falsch getroffenen Entscheidung. Und den Menschen die…mir am
Herzen liegen…in die Waagschale zu werfen ist…ist…Oh ich könnte mir die
Haare ausreissen… Ich würde diese Menschen…also diese Herren, die da so
einfach mir nichts, dir nichts beschließen, hach wenn sie nicht so will wie wir
töten wir sie und den Rest gleich mit, gerne mal ins Gesicht sagen was ich davon
halte…Gerade hätte ich da die passende Laune dafür. Wie kann man solange leben
und so..so… unausprechlich …unzugänglich für Argumente sein. DAS kann doch
nicht wahr sein!

**Anna kann grad nicht mehr weiter schreiben und starrt aus Ermangelung besserer
Alternativen wütend den Bildschirm an. Weil dass so viel nicht bringt, steht sie
auf, schenkt sich Whisky ein, zündet sich eine Zigarette an, liest alles noch
einmal durch und schreibt weiter**

*seufz* Verzeihen sie mir Stephano, aber wenn mir etwas zuwider ist, dann das
Gefühl ein willenloser Spielball zu sein. Mir sind die Umstände meiner Situation
durchaus bewusst, nach ihrer Nachricht vielleicht etwas zu bewusst für meinen
Geschmack aber auch dafür muss ich wohl dankbar sein. Denken sie nicht dass ich
Ihnen anlaste so ehrlich zu sein. Meine Empörung geht eher in die Richtung
der..wie sagt man..grauen Eminenzen?…die Herren im Hintergrund die mit einem
Fingerwink über alles Entscheiden, oh ich wünschte ich hätte genug Macht in den
Händen um ihnen allesamt den Hintern zu versohlen.
Weiss Gott ich habe Angst.
Angst um mich.
Angst um diejenigen die mir am Herzen liegen.
Aber ich schwöre bei allem was mir heilig ist:
NIEMAND. Kein Giovanni, kein Malkavianer, kein Prinz und kein Mensch kann mich
zwingen… ich bin dem Tod mein Leben lange Nahe genug gewesen und ich habe
keine Hemmungen ihm noch näher zu kommen.
Meine Familie, die mir diese Schuld auf die Schulter geladen hat, hat aus
Überzeugung gehandelt. Und wenigstens diesem will ich treu bleiben.
Ich sage nicht, es war richtig was damals geschah
aber ich sage auch nicht es war falsch
es war…das reicht.
Im Moment schreit der Trotz und der Stolz in mir. Bevor ich eine Entscheidung
treffe, werde ich beides zum Schweigen gebracht haben.
Ich habe Sie als einen objektiven und angenehmen Gesprächspartner in Erinnerung
und ich werte ihre 'Warnung' als…sagen wir… freundschaftliche Geste, auch
wenn ich mich trotzdem darüber aufregen muss.
Meine Wut richtet sich nicht gegen Sie *wiederholen muss*
Ich hatte mit Thomasso eine Briefwechsel und er hat darin etwas geschrieben was
ich ihm hoch anrechne. Im Vertrauen darauf, dass Sie das für sich behalten werden
teile ich ihnen das mit, weil es alles das ausdrückt was ich mir von der Familie
 erhoffen würde.
Er schrieb für ihn wäre es nicht mehr so wichtig für welche…wie ich mich
entscheiden werde. Er würde sich nur freuen einen Menschen wie mich in seinem
Umfeld zu wissen…egal unter welchen Umständen….die Ewigkeit erträglicher
machen… Und würde ich mir wünschen alles zu vergessen würde er alles Ihm
mögliche tun um mein fortleben zu sichern.
Das hat mich bis jetzt mehr berührt als jegliche Drohung.
Ich entnehme seinem Brief auch dass ihm Ihre Meinung sehr am Herzen liegt,
vielleicht drücke ich mich auch aus diesem Grund so…direkt aus.
Sie waren so frei mir ehrlich meine Alternativen zu schildern und ich habe
genügend Respekt vor Ihnen um Ihnen mit ebensolcher Ehrlichkeit zu antworten.
Ich hoffe inständig Sie kreiden mir dass nicht an.
Ich danke ihnen für ihr Angebot falls ich Hilfe bräuchte mir entgegen zu kommen.
Vielleicht komme ich auf ihr Angebot zurück.
Ob ich mich richtig entscheide kann ich Ihnen nicht versprechen…aber ich kann
Ihnen versprechen mit ehrlich zu entscheiden.
WENN ich mich in Ihre Familie begebe, dann aus freiem Willen.
Wenn Sie Thomasso bitten….alles zu veranlassen…soll mir das nur Recht sein.
Es macht keinen Unterschied wann ich die Augen schließe und mich der Bürde Toth
stelle. Das Denken bringt mich nicht mehr weiter.
Ich weiss wen ich liebe und es wird sich nicht ändern. Alles andere macht mich
verrückt…oder bin ich es schon?
Egal
Nichts desto trotz freue ich mich dass sie meiner Person ihre Aufmerksamkeit und
ihre Sorge widmen, es zeigt mir, dass es in Ihnen Seiten gibt die ich als
schätztenswert erachte und lässt mich hoffen, davon gibt es noch mehr in der
Familie.
Genug geschrieben
bis wir uns wiedersehen

Toth

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Briefwechsel I

Thomas schrieb:…..

Liebe Anna

Es beruhigt mich zu wissen, dass du Katinka und mir, trotz alldem was wir
dir angetan haben, nicht aus dem Weg gehst. Ich weis nicht ob ich, hätte ich
nocheinmal die Entscheidung zu treffen  es wieder so machen würde, doch ich
befürchte fast, das ich es täte. Nicht um Dich zu erschrecken, sondern um
dir die Chance zu geben eine Entscheidung objektiv treffen zu können, und
zu wissen was auf dich warten wird, wenn du den entscheidenden Schritt
wagen solltest.
Du hast mir in Dachau eine Frage gestellt, die mich sehr beschäftigt hat,
auch wenn ich dir dort keine Antwort gegeben habe. Doch ich bin es Dir
schuldig, diese Antwort zu geben – so empfinde ich jedenfalls. Du fragtest
ob es in meiner Macht stünde dich das alles Vergessen zu lassen. Und ja,
ich könnte es. Ich könnte es aus deinem Geist nehmen und Du wüsstest von
alledem nichts mehr. Kathinka, Malekin oder ich hätten dann für dich nie
exitiert, und würden es dann auch nie wieder tun… Dieser schritt wäre
endgültig und ich würde alles tun, damit die Schreie nach deinem Tod, die
mit sicherheit laut werden würden verstummen. Die vorstellung jedoch diesen
Teil deines Lebens zu löschen erschreckt mich mehr als ich angenommen habe,
mehr jedoch als die Angst dir den Dunklen Kuss zu schenken… Wer bin ich
der sich anmaßt behaupten zu können das Leben als Kainskind sei schlechter
oder böser als das eines Menschen. Nunja bei vielen mag das so sein, doch
es gibt auch Vampire wie Kathinka die tot wäre hätte Malekin sie nicht in
Seine Arme geschlossen, oder mich, der im Tod all das gefunden hat, nach
was ich im Leben gestrebt habe. Nun Auch diese Seiten gibt es.
Ich höre mich sicherlich an, als bettle ich darum nicht tun zu müssen nach
was du gefragt hast. und ja, vielleicht ist es so. Es ist sicherlich
egoismus der mich diesbezüglich antreibt.
Dieses Gefühkl zu beschreiben in den Worten der MEnschen ist schwer, wenn
nicht sogar unmöglich, denn es scheint so eigen wie unsere Existenz zu
sein. Es ist ein Verlangen das nicht in Worte zu fassen ist. Anfangs viel
es mir schwer mir auszumahlen einmel selbst einen Kainit zu erschaffen –
doch nun weis ich dass es zu unserer Existenz gehöt den Kuss weiterzugeben,
jemandem die Unsterblichkeit zu schenken von dem man weis, dass er die
Ewigkeit erträglicher machen wird. Ich weis, egal wie deine Wahl ausfallen
wird (vorausgesetzt du entscheidest dich überhaupt für das Dasein als eine der unsrigen) dass ich dabei gewinnen werde. Versteh mich nicht falsch – was ich
damit sagen will ist, dass es bedeutet dass du die Ewigkeit mit uns
überdauern wirst – Wer dir den Kuss schenken wird ist da mittlerweile für
mich nebensächlich. Ich wünschte die Ahnen würden auch so denken.
Doch lass mich nicht in Gefühlsduselei versinken. Denn es gibt noch einen
Grund warum ich Dir schreibe. Ich wollte dir sagen dass ich froh bin dass
die Anderen – Varese, Marco und vor allem Stephano Julio ebenso wie ich
erkannt haben, dass nicht nur deine Abstammung – die Tatsache dass du eine
Toth bist – dafür sprechen dich in die Familie aufzunehmen. Glaube mir, du
bist etwas besonderes und ich wäre wirklich stolz dich als mein Kind
betrachten zu dürfen. Ebenso wie die Familie stolz sein würde dich als
einen Teil von sich anzusehen. Stephano (übrigens mein Neffe) bat mich dich zu fragen ob er eine Adresse erhalten darf, um mit
dir im Kontakt bleiben zu können.  – Sollte es dich nicht stören, so werde
ich ihm deine E-mail -Adresse zukommen lassen sobald ich deine "erlaubnis"
dazu habe.
Ich freue mich auf ein baldiges Wiedersehen
Cordiali Saluti
Thomas

Anna schrieb:….

**Annas Handschrift ist ein wenig Krakelig, obwohl sie sich offensichtlich mühe
gegeben hat deutlich zu schreiben**

Lieber Thomas,
einen Moment lange war ich versucht dir zu unterstellen du hättest in
meinem Kopf gewühlt. Gerade als mich dein Brief erreichte war ich gedanklich
wieder tief in den Wirren verstrickt die mich umgeben. Aber ich hoffe inständig
du bedienst dich nicht solcher Mittel um mich zu beinflussen…
Nun da ich hier sitzt und dir schreibe bin ich sogar froh dass du dich gemeldet
hast, verständlicher weise fehlt es mir an Wesen denen ich mich mitteilen kann.
Wohl glaube ich dass Katinka mich nicht zurückweisen würde, würde ich um ein
Gespräch mit ihr bitten. Aber mit dem eigenen Dealer über einen Entzug zu reden
mutet seltsam an……andereseits, vielleicht werde ich sie noch bitten.
Deine Entschuldigung, bezüglich eures ..kleinen Theaterstückes… bedeutet mir
sehr viel, ich danke dir.
Wenn ich jetzt daran denke kommt es mir vor wie ein Film als hätte es nichts mit
mir zu tun. Auch das Sehen, fast körperlich Fühlen, was du und Katinka wirklich
seid, oder besser gesagt, sein könnt…ist im moment nur eine  seltsame
Erinnerung, vermutlich versuche ich das zu verharmlosen. Obwohl ich mich manchmal
frage ob meine Reaktion, wirklich Angst war, oder nur Angst oder nur Enttäuschung
oder…dass
**An dieser Stelle hadert Anna ein ganzes Weilchen bevor sie weiterschreibt**
…es, ich sorge mich ein wenig was du wohl vor mir hälst wenn ich ehrlich bin.
Es schockierte mich natürlich zwei Menschen 'sterben' zu sehen, aber der Punkt
der mich so, wahnsinnig beunruhigt ist.
Als ich euch sah, war in meinem Kopf für eine Sekunde die Vorstellung wie es wohl
wäre an eurer stelle zu sein.
Weit weg von Vernuft, was nötig wäre oder nicht, was recht ist oder nicht, dass
Katinka zu weich ist sowas zu tun und du zu vernüftig… alles das hinter mir
lassend fühlte und… fühle ich… diese Klarheit, Wahrheit, das ich… fähig bin
 so zu sein und es macht mich Krank. Was ist echter?
Anna die hier irgendwie in dieser Welt lebt und das gefühl hat nicht zu leben?
Oder Toth, in der Dinge liegen vor der Anna sich fürchtet… aber Furcht ist ein
sehr lebendiges Gefühl, so wie auch Macht oder Liebe wohl.
Vergessen….
Ja ich habe darüber nachgedacht, es wäre falsch es nicht zu tun. Vielleicht
gebietet es mir auch meine Menschlichkeit diese Möglichkeit in Betracht zu
ziehen. Aber Vergessen hat etwas von Weglaufen…
** oO( Könnte ich Katinka vergessen? Alles was ich gesehen habe? So tief in mein
Gedächtnis gebrannt?)**
Wir kennen uns nicht lange und glaube mir, eigentlich bin ich nicht so zaghaft
oder ängstlich wie es vielleicht manchmal scheint, es ist nur…ach du weisst
bestimmt noch wie du dich gefühlt hast als du davon erfahren hast dass es 'euch'
gibt. Ich will kein Opfer sein, wenn ich vergesse, könnte es passieren einem der
Euren zu begegnen und dabei mein Leben zu lassen, ohne das ich wüsste was mir
geschieht, ohne auch nur die Chance zu haben mich zur Wehr zu setzten.
DAS will ich nicht! Ich will keine Spielfigur sein, oder wenn – will ich
wenigstens die Möglichkeit besitzten mit zu spielen. Aus freiem und vor
allem nach meinem Willen.
**oO( und würde ich das alles Vergessen wäre ich wieder so tot wie davor….tu
was du willst ist das einzige gesetzt)**
Ich denke es geht schon lange nicht mehr darum OB ich sein will wie ihr, auch das
 Gesehene hat daran nichts änder können..(ist das nicht schrecklich?) es geht nur
noch darum wie ich sein werde, durch wen ich sein werde. Ich hatte die
Gelegenheit mit Sam zu reden. Sie meinte der einzige wirklich Clan? der zur
diskussion stehen würde wären die …ich weiss es nicht..ihr Clan,die gelehrten.
Darüber habe ich auch nachgedacht. Nicht lange, den ich kann nicht glauben dass
ICH mich so sehr ändere, egal welches Blut in meinen Adern fließt, viel mehr
stelle ich mir die Frage, an welche Wesen ich mich binden will. Und die
vorstellung mich zu binden war mir bisher immer ein Greul. Ich kann mich mit den
Gedanken anfreunde eine Ewigkeit an IHRER Seite, zu sein. Und noch immer weiss
ich eigentlich nicht warum ich so sehr an ihr hänge, denn ich tat es schon bevor
ich sie kennelernte.
Gleich wohl liegt es mir nicht fern zu der Familie zu gehören. Eure Bemühungen
mir Nähe zu vermitteln überwältigen mich. Mein ganzes Leben gab es nur mich der
sich um mich kümmerte und nur ich war für mich wichtig. Und jetzt?
Gibt es eine Frau die mir näher steht als es eine Schwester könnte und eine
Familie die mich mit offenen Armen empfangen würde.
Ach Thomas, manchmal wünschte ich,ich wäre dumm und wüsste nicht ob der Dinge die
es gibt…aber nicht wirklich.
Entschuldige dass ich so viel Schutt bei dir ablade, es tut mir gut, ich hoffe es
stört dich nicht.
Gib meine Adresse ruhigen Gewissens an Stephano weiter, wer weiß für was es gut
ist…
Ich werde jetzt ein wenig Schlafen, mein Denken beruhigen gehen.
bis wir uns wiedersehen

Toth

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Wahrheiten

SIE sitzt zu meiner Linken. Katinka heisst sie, Malekin ist sie. Wenn ich meine Augen leicht schließe und aufhöre bewußt zu sehen habe ich das Gefühl zwischen ihr und mir schimmert die Luft, als ob da was wäre dass für niemanden anderes ersichtlich ist.
Vor guten 6 Monaten habe ich sie zum ersten Mal? Getroffen. Eine Absurde Nacht sehr unwirklich für mich und dennoch. Katinka war echt –  ist echt.  Ihr Gesicht in der Spiegelung der Fensterscheibe. Sie war so blass, so zierlich und ihre Augen so tief und traurig dass ich dachte sie muss wohl das Leid der Welt auf ihren Schultern tragen. Und noch etwas anderes…
Mir war sofort klar dass ich zu ihr gehöre. Ihre Stimme war mir  so vertraut als hätte sie schon ein Leben lang zu mir gesprochen um mich zu trösten und zu halten wenn mir schlimmes droht. Katinka lud mich auf einen Spaziergang ein und mit jedem Schritt den ich ihr folgte verließ ich meine alte Welt und betrat eine neue. Schrecklicher, Echter… Und viel     zu nah an meinem Selbst. Damals habe ich nicht verstanden. Wir gingen scheinbar zielos durch München und sie lies regelmäßig Brotkrumen fallen. Wie bei Hänsel und Gretel. Ich fragte sie wofür das gut sei. Sie antwortete mir…für den Weg zurück. Zurück….Sie schien mir so menschlich und verletztlich, warm und lebendig….fürsorglich. Einige dieser Ansichten musste ich bereits revedieren. Wie viele noch?
Ich betrachte sie, wie sie in die italienische Speisekarte blickt als könnte sie sich aussuchen auf welche art und weise sie sterben möchte. Der Schalk in meinem Nacken flüstert Blödsinn und ich grinse…
    “Sieht lecker aus hm?” Frage ich mit einem Schelmischen lächel, weiss ich doch dass sie nichts über hat für italienisches Essen – oder sollte ich lieber italienische Gerichte sagen?
Katinka sieht mich ein wenig unglücklich an und zuckt leicht mit ihren Schulter.
    “ Ich kann mich garnicht entscheiden, es hört sich alles so lecker an” Antwortet sie gefasst und ich weiss dass sie lügt, zumindest was das lecker anhören angeht. Alles an ihr sieht so echt aus. Es gibt sie wirklich obwohl das garnicht sein kann. Manchmal kann ich mich garnicht satt sehen an ihr. “Für was haben sie sich entschieden Herr Kantner?” Spricht sie den Mann zu meiner Rechten an.
Thomas Kantner.Ein Imposanter Mann. Auf ihn traf ich zum erstenmal nicht viel Zeit nach Katinka. Am Anfang war er unwichtig für, obwohl ich sofort erkannte, dass er ein sehr intelligenter….intelligentes Wesen ist. Und er war von der ersten Sekunde an sehr freundlich zu mir und ich glaube ehrlich. Mittlerweile ist er neben Katinka der einzige hier dem ich vorbehaltlos vertraue, obwohl man einem Giovanni nicht trauen soll hab ich mir sagen lassen. Aber was ‘man’ soll ist mir egal, ICH denke er ist ehrlich und dafür  schenke ich ihm meine Aufmerksamkeit und meine Zuneigung. Ich drehe meinen Kopf und blicke zu ihm. Er sieht nicht weniger unmotiviert in die Speisekarte wie Sie. Dabei ist er offensichtlich italienischer Abstammung. Mein Gott, ich kann mir garnicht vorstellen dass mir echtes Essen nicht mehr schmecken soll. Wenn ich darüber nachdenken mit wem ich hier sitzte wird mir für einen Moment schwindelig. Was soll die Maus sagen wenn die Katze sie zum Abendessen einlädt?
Ich fühl mich nicht wie die Maus aber eigentlich bin ich es. Doch bevor ich diesen Gedankenganz zu ende denken kann kommt der Kellner an unsere Tisch und fragt nach unserer Bestellung.
Wir bestellen.
Das Essen kommt.
Wir essen,d.h. Ich essen, die anderen beiden bringen es wohl mehr hinter sich. Wir machen Witze und alles in allem ist es recht unterhaltsam. Wie Freunde unter sich.
3 Freunde das sind wir…Katinka Tom und Anna.
Als der Tisch wieder freigeräumt ist beginnt Thomas zu reden und an dem Klang seiner Stimme höre ich schon dass er jetzt nicht unterbrochen werden will.
    “ Der Grund warum wir heute hier sitzten…Katinka…Anna….ich suchte schon auf den letzen Elysien nach einer passenden Gelegenheit um in Ruhe mit euch zu reden. Aber ihr wisst wie dass ist…”Wir nicken. Weiss ich es? Ja. Manche Dinge sind unabänderlich, egal welches Leben und welche Welt. Ich schmuntzle und blicke ihn aufmerksam an.
Thomas erzählt uns eine Geschichte aus vergangener Zeit. Eine Insel – Hvar. Von Malekin und Giovanni.Von Toth.(Drei Freunde das sind wir, Giovanni Malekin und Toth)
 Einige Dinge kenne ich bereits aus einem Traum , andere sind mir neu. Da und dort läuft mir eine Gänsehaut über den Rücken und das Gefühl von Schuld legt sich auf mein Gemüt. Innerlich begehre ich dagegen auf. Was ist es mein Problem wenn jemand in meiner Vergangenheit Dinge verspricht.? Aber das ärgerliche an Schicksalen ist, man kommt nicht aus egal was du denkst und tust. Alles was man tut tut man freiwillig…oder? Ich sitzte freiwillig hier. Ich höre freiwillig zu und ich habe freiwillig diese Welt betreten. Ich hätte nicht mit Katinka mit gehen MÜSSEN (Nein?). Ich hätte den Einladungen auf ihre Feste nicht folgen MÜSSEN. (Nein??) Ich hätte nicht erfahren MÜSSEN, was sie sind.(Keine andere Chance) Für eine Sekunde bekomm ich das Spielball gefühl. Was für einen Sinn hat denken und handeln wenn es sowieso so kommt wie es kommen soll? Ich schüttel mich und richte meine Aufmerksamkeit wieder Thomas zu.”….. Man verlangt nach deinem Blut Anna….” Thomas sieht mich an.
Sein Blick ist – schwer zu deuten. Trauer liegt darin – denke ich. Kälte, er lügt mich nicht an. Da ist es wieder das Gefühl von Schuld. Ich merke dass auch Katinka mich ansieht und ihre Augen, die ich auf mir fühle, geben mir ein wenig halt. Mein Blut. Ich hebe meine Kopf um zu sprechen …
    “Ich weiss….” Und ich weiss es tatsächlich. Mein Tod ist  fast nicht mehr zu vermeiden.
    “ Anna… Man lässt dir die Wahl. Keiner Zwingt dich. Wobei man natürlich tiefes Vertrauen in mich setzt dass ich…” Er sucht die passenden Worte.” Dich dazu bewegen kann dass richtige zu tun. Ich sehe wie du an Katinka hängst und es liegt mir fern dort dazwischen zu gehen. Aber ich MUSS…” Seine Augen brennen auf meiner Haut. “Dir auch sagen was die Konzenquenzen deiner jeweiligen Entscheidung sind. Man wird es unter Umständen nicht wortlos dulden wenn du dich für die Malekin entscheidest. ”
Ich nicke folgsam. Wer ist eigentlich dieser ominöse ‘man’?
Was will er eigentlich von mir.
Toth war auf Hvar.
Malekin war auf Hvar.
Giovanni war auf Hvar.
Toth tötete viele Giovannis mit  Malekins Hilfe. Und die Giovanni wollen diesen Verlust ausgeglichen wisssen. Sonst finden sie keine Ruhe. Deswegen bin ich heute hier. Deswegen bin ich überhaupt hier?…..und diese Stimme in meinem Kopf dass das noch nicht alles ist….
    “Anna.. Alles worum ich dich bitte ist. Es dir sehr genau zu überlegen, für wen du dich entscheidest, wenn du dich entscheidest….und alle Konsequenzen einmal durchdenkst. Mehr will ich nicht.” Er sieht mich an ehrlich und ich kann ihm nicht böse sein. Obwohl er mir mehr oder minder missverständlich klar gemacht hat WAS geschehen kann/wird  wenn ich mich nicht dazu durchringen kann mein Leben, meinen Tod an die Giovanni zu binden. Was für eine Wahl….?
    “ Die schlauen Bauernstocher. Nicht nackt, nicht bekleidet, nicht zu fuss und nicht beritten…” Kantinka.Ich blicke sie an, gerade fühle ich mich ein wenig erschlagen und ihre Worte, so verwirrt sie auf Anhieb klingen treffen es genau. Ich sehe mich genötig zwei widersprüchlichen Sögen nachzugehen und kann mich nicht teilen. Wie ichs mach, mach ichs falsch…
Tu was du willst ist das ganze Gesetzt! Ich will Katinka. Giovanni will mich. Malekin könnte schaden erlangen oder gar sterben wenn ich tu was ich will.
Lass dich nicht von Emotionen leiten! Vergiss dein Herz. Giovanni kann dir noch mehr bieten als sterben. Malekin wird nichts geschehen und es gibt schlimmeres als Thomas an meiner Seite zu wissen. Oder ich mich an seiner. Aber gegen meine Intution?
Katinkas Brotkrumen fallen zu Boden. In einer aberwitzigen Vision sehe ich wie sie –  genau wie sie es am ersten Abend tat – in ihre Tasche greift und ein Stück Brot fallen lässt.
Für den Weg zurück….. Ob ich die Krumen noch finde?
Das Essen liegt mir schwer im Magen. Wir reden noch. Auch darüber. Aber mehr als mir zustimmen dass es nicht leicht ist. Tun sie nicht, dürfen sie nicht.
Wir packen uns zusammen. Der Keller versucht nicht uns abzukassieren. Schon komisch. Eine Ecke in meinem Kopf merkt sich das. Wenn ich Zeit für Kleinigkeiten habe werde ich da mal nachfragen. Draussen vor der Tür bleibt Thomas stehen. Er sieht erst Kantinka dann mich an.
    “Wir werden noch etwas echtes Essen gehen”Seine Stimme hat so einen Unterton von dem ich nicht weiss ob er mich anmachen oder dazu veranlassen sollte das Weite zu suchen. Ein Blitzen in ihren Augen dass mir Schauer über den Rücken treibt. Echtes Essen. Ich weiss was das heisst und ich weiss dass er von mir erwartet dabei zu sein. Klar ..warum nicht. Heute stresst mich nichts mehr..oder? Natürlich frage ich mich kurz ob ich der Hauptgang werden soll, aber läge es in ihrer Absicht mich zu nehmen wäre es schon längst geschehen.
Wieder drängt sich mir das Bild mit der Maus und der Katze auf. Sie lassen wir so viel Freiheit… Eine Wahl…die hat nicht jeder. Aber so recht sicher will ich mir nicht sein ob es einen Unterschied macht. Die Katze spielt sich mit der Maus. Wuff.
Ich folge den beiden durch die Straßen mit einem Ohr lausche ich ihren Worten. Gedanklich bin ich noch…ein wenig durch den Wind. Was tun sprach Zeus. Ein Haus. Eine Treppe. Eine Tür die sich öffnet. Wir treten ein.
    “Erinnerst du dich was ich dir von Verdunkelung erzählt habe!” Kantinkas Stimme ganz nah an meinem Ohr . Ich nicke leicht , auch wenn ich nicht ganz verstehen. Dann nimmt sie mich an der Hand und wir folgen Thomas in ein Wohnzimmer. Dort sitz ein Päarchen auf der Couch und guckt einen schlechten schwarz weiss Gruselfilm. Der Kerl springt sofort auf als er Thomas sieht und macht den Diener. Alles klar. Da weiss man sofort wer wem was schuldet. Es geht um Geld. Der Mann schuldet den Giovanni Geld und er ist wohl schon seit längerem überfällig. Ein Spieler. ER muss garnicht sagen dass er es verwettet hat.Man kann es riechen. Kurz sehen ich zu Katinka, fragend was das werden soll. Aber ihr Blick ist an Thomas geheftet als wäre er ein Schlangebeschwörer der sein Spiel spielt und sie wäre aus Versehen in seinen Bann geraten. Und tatsächlich. Thomas redet auf den Mann ein. Die Worte sind nebensächlich. Was ich sehe zählt. Der Singsang seiner Stimme der mehr aussagt als alle Buchstaben zu sammen. Thomas Worte tänzelen um den Mann, lullen ihn ein . Irgendwo in dessen Unterbewußt sein hat schon längst eine Alarmglocke geschrillt aber er hört nicht auf sich zu verteidigen, verhaspelt sich und verstrickt sich noch tiefer in das Netz dass Thomas feinsäuberlich für ihn ausgelegt hat. Es ist ein Schauspiel, eine Farce, der gute Mann hat keine Chance aber er weigert  sich es zu glauben. Er schöpft Hoffnung. Langsam begreife ich warum man den Giovanni nicht trauen sollte. Meine Denken ist ein wenig zwiespältig. Zum einen finde ich es fast amüsant wie er sich da windet. Macht liegt in der Luft. Zum anderen ist da dieses Mausefallen gefühl und es ist beklemmend und unheimlich.
Ein Knurren. Die Schlange beisst zu und da löst sich Katinka von mir – geht zu der jungen Frau die da noch auf der Couch sitzt und mit großen ungläubigen Augen auf ihren Freund blickt. Katinkas Gang erinnert mich an ein Kind dass sich heimlich ans Süßigkeitenregal ranschleicht. Wobei über Kindern nicht dieser Beigeschmack liegt. Katinka tröstet sie. Sie weint. Mein Verstand ruckelt leicht als der Mann vor Thomas zu Boden sinkt. Leblos und der Giovanni sich mit dem Handrücken über den Mund wischt. Ein Tier, Ich will wegblicken, da nehme ich im Augenwinkel wahr wie Katinka, klammheimlich…noch eben über das Haar der jungen Frau streichelnd in das selbe greift, den Hals der Beute streckt und sich daran laabt.
Ich glaub ich kotz gleich.
Da liegen zwei Leichen.
Darüber meine ‘Freunde’
…meine Zukunft. Alle Haare an meinem Körper stellen sich auf und ich zereisse. Seine Anwesenheit. Das Tier. Ich fühle mich angesprochen und angezogen und im selben Moment sehe ich sie, ihr Blick leicht unschuldig als könne sie für all das nicht, aber nicht unschuldig genug, dass ich nicht sehen könnte, dass Sie nicht weniger Tier ist als er. Bei weitem nicht weniger. Ich sacke in mich zusammen. Will schreien. Die beiden schlagen und die Toten zum Leben erwecken. Dann hab ich genug. Mit einem Ruck stehe ich auf und verlassen beinah panisch das Haus.
Thomas holt mich ein. Mein Gott wie schnell ist er eigentlich. Ich habe keine Angst . Ich bin wütend. Ich folge ihm freiwillig zurück in das Haus. Ich hätte ohnehin keine Chance wenn er will dass ich mit ihm komme. Dort drin liegen immernoch die beiden Toten.. Thomas erweckt sie wieder zum Leben. Denke ich tatsächlich für einen Moment. Dann wird mir klar was das sollte. Aber auch wenn ich entfernt ahne dass sie es nicht aus spass gemacht sondern mir zuliebe gemacht haben kann ich grad nicht die Rechte Dankbarkeit für die beiden aufbringen. Zum erstenmal ist mir ihre Nähe vergiftet. Der Fehler liegt sicherlich bei mir. Sie hat niemals behauptet gut und brav zu sein. Ich wollte es glauben. Dass sie gut ist. Menschlich. Thomas sieht mich an. Es liegt echte Reue in seinem Blick. Das ist mir aber egal. Für heut hab ich den Rand voll.
    “ Ist das alles?”Frage ich trocken. Ihre Augen glänzen immer noch so.”Ich hab gerade nicht den Nerv mich weiter mit euch zu unterhalten.” Füge ich hinzu. Einigermaßen Fair bleiben. Darüber nachdenken und dann reden. Besser ist.
Die beiden nicken. Sie verstehen. Noch einige kurze Erklärungen aber ich weigere mich aufmerksam zu folgen. Dann gehe ich und unbemerkt folgt mir etwas, dass darauf achten wird, dass ich keinen Blödsinn mache. Was für ein Glück dass ich davon nichts weiss…

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Hvar – Der Anfang

    “Helena?” Sagt er zu mir. “Helena, du musst das nicht tun, vielleicht…vielleicht finden wir einen anderen Weg.”
Ich spüre seine Hand auf meiner Schulter. Schwer liegt sie dort. Eine kräftige grosse Hand. Ich fühle mich schwach, am liebsten würde ich weinen, aber es sind keine Tränen mehr über. Genug geweint. Genug gewartet. Langsam schüttel ich meinen Kopf.
    “Nein Mathie, kein zurück mehr. Wenn ich nicht geh. Hier und Heute dann ist es vorbei mit dir, mit der Rebellion mit uns allen. Wir werden es halten wie besprochen.”
Ich ergreife seine Hand und drücke sie. Wir richten unseren Blick auf die Insel die wir so sehr lieben dass ihr Verlust unseren Tod bedeutet. “Hvar………”Leise spreche ich ihren Namen als wäre es das letzte mal. Vielleicht ist es dass auch. “Geh Mathie, geh zurück Ich werde…” Mein Hals ist trocken.”Ich werde zu IHM gehen…”
    “ Ich kann an deiner statt…” Fällt er mir ins Wort aber ich schüttel wiederum meine Kopf. Er liebt mich auch wenn er es nie gesagt hat – ich weiss es. Dennoch  kann er nicht meinen Weg gehen. Er ist kein Toth. Es gibt kaum Männer die den Namen Toth tragen und wenn gibt es sie nicht lange, sie sterben früh.
 Only the good die young only evil seems to live forever….
Wir Frauen überleben. Ich bin Toth, ich heisse Toth und ich fürchte bald tot zu sein. So oder so. Es wird zeit. Ich drehe mich rum und sehe Mathias an.
    “Ivanic mein Freund …” Irgendwie schaffe ich es ihn anzulächeln als würde ich nur einen kleinen Spaziergang machen wollen.”ich……..” Die restlichen Worte bleiben mir im Halse stecken, es gibt nichts mehr zu sagen.
Er nickt nur, drückt meine Hände und steigt wortlos die kahlen Felsen hinab zurück in unser Dorf –  ohne sich nocheinmal umzudrehen.
In einem letzten Moment der Schwäche gestatte ich mir die Augen zu schließen, den salzigen Geruch des Meeres tief in meine Lungen zu saugen. Ich sehe Hvar vor mir wie sie war bevor SIE kamen und alles, was gut war verdrehten. Meine Mutter erzählte mir wie friedlich und einfach das Leben war. Es waren die Erinnerunge ihrer Mutter und ich hörte ihr so oft zu bis es meine Erinnerungen wurden. Meine Hand verkrampft sich zu einer Faust. Tot den Venezianer! Ich hasse sie mit jeder Faser meines Körpers, sie machen mein Leben zu einem ewig andauernden Kampf.
Doch in der Vergangenheit liegt die Lösung für die Zukunft, meine und die Zukunft aller die verdammt sind hier mit mir zu leben.
Martha erzählte es Rosa, Rosa erzählte es Hefrana, Hefrana erzählte es Lucia und Lucia erzählte es mir und ich werde es meiner Tochter Alexa erzählen, wenn ich ES überlebe.

……….. Im Herzen der Berge auf Hvar gibt es ein Kloster, schon so alt das niemand den Namen mehr weiss. Unwirkliche Dinge gehen darin vor. Nachts kriecht das Grauen daraus hervor und findet seinen Weg ins Tal zu uns um sich zu nehmen was es zum Leben braucht.   Jene die behaupten es gesehen zu haben sind verrückt geworden. ES ist so alt wie Hvar selbst und ES gehört dazu. Alles hat zwei Seiten. Hvar ist die schöne. ES ist die schreckliche. Dennoch sind sie untrennbar miteinander vereint. Wir kennen seinen Namen, auch wenn wir ihn nicht aussprechen. Von all jenen die dorthin gingen um ES zu suchen kam nur einer wieder. Hastor der seid jenem Tag den Namen Toth trägt. Was damals geschah wissen wir nicht. Mit seinem Blut und seinem Schweiss schuf Hastor dass Dorf in dem du heute lebst. ES hat ihm geholfen wie auch immer. Deswegen gibt es deine Heimat, deswegen gibt es uns Toth. ………….

Noch einmal hole ich tief Luft, dann mache ich mich auf den Weg in die Berge auf zu dem Kloster im Herzen der Berge von Hvar.  “H – v – a – a – a – a – r……..” Wie ein leiser Ruf in meinem Inneren, meine Liebe, mein Leben.
Den seltsamen zerklüfteten Aufstieg bringe ich hinter mich. Meine Füße führen mich zielsicher immer weiter, als wüssten sie wohin ich gehen muss. Und tatsächlich als die Sonne den Horizont berührt habe ich eine Felsspalte erreicht, die sich zu einer Höhle weitet. Ich sehe eine kleine vergitterte Pforte und bin mir absolut sicher, dass dahinter das Kloster liegt. Ohne Frage.
Da steh ich nun, die Mauern drücken von links und rechts auf mein Gemüt und es ist kalt. Nicht die Temperatur sonder das ‘sein’ hier. Die untergehende Sonne zaubert eigenartige Schatten an die Felsen und taucht sie in ein unheiliges rot. Blutrot. Ein seichter Wind zieht an mir vorbei und für eine Sekunde habe ich das  schreckliche Gefühl er flüstert meinen Namen. Toth Toth Toht. Toth ist tot. Mich schauderts und zum erstenmal zweifel ich ernsthaft an meinem Vorhaben. Wer bin ich denn? Weiss ich denn schon was mich erwartet? Eine Geschichte! Eine Legende! Und wenn es wahr ist warum sollte ES mir helfen? Was kann ich denn bieten, ich habe nichts ausser mein Leben und meine Tochter.
Dann denke ich an Mathias, die Leute im Dorf und an die Venezianer. Die Vene-ZI-aner…
WENN es etwas in dem Kloster gibt werde ich es finden
Ich werde es überzeugen mir zu helfen wie es einst Hastor half.
Egal zu welchem Preis.
Mit zitternde Händen öffne ich die Pforte. Viel zu leicht bewegt sich das alte Tor, es heisst mich willkommen Wie zum Hohn versinken die letzten wärmenden Sonnenstrahlen und  ich bin allein.
Tritt ein, tritt ein, willkommen daheim.
In Stein geschlagene Treppen. Dunkel. Modrig. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals. Feuchte Wände. Selbst als sich meine Augen an die Finsternis gewöhnt haben sehen ich nicht mal meine Hände. Bis wohin muss ich gehen? Wie weit bin ich schon gegangen?
Irgendwann, ich bin nicht in der Lage zu sagen wie viel Zeit vergangen ist, stehe ich  in einem Raum und mir wird bewußt dass ich am Ziel bin.
Ich warte.
Schweigen.
Was tu ich hier? Ich geh zurück…Wir sammeln alle und werden Kämpfen. Wir besiegen die Venezianer auch so. Wir sind stark. Ich werde Mathias sagen dass ich mich geirrt habe. Hier ist nichts. Hier war noch nie etwas.
Ich warte.
Schweigen.
Hoffnungslosigkeit. Angst. Ich werde sterben. Alle werden sterben. Sie sind zu mächtig. Es gibt kein Entkommen. Es ist kalt.
Ich warte.
Schweigen.
Mein Kopf ist leer. Ich habe mir jede Frage gestellt. Jede Furcht gefürchtet. Alle Zweifel durchlebt. Meine Füße sind eingeschlafen. Meine Ohren taub von der stille. Mein Körper ohne Gefühl.Was ist schon Zeit?
Tausend Jahre sind ein Tag.
Gerade als ich mich frage ob ich nicht schon tot bin ändert sich etwas.
Und obwohl ich nichts sehen und nichts höre ist mir alles klar. ES war schon die ganze Zeit hier. Nicht ich habe gewartet. ES hat gewartet. Darauf mich zu treffen und nicht meine Ängste. Ich fühle wie es mich ansieht, es kann mich sehen so dunkel wie es ist. Und es sieht nicht nur mich, es sieht in mich hinein, kennt alles ohne dass ich mich erklären muss.
Malekin.
    “Schön dich wieder zu sehen” Ich höre seine Worte nicht, ich fühle sie in mir.
    “Wiedersehen?” Wiederhole ich leise.
    “ Ja………wir kennen uns……oder doch nicht?”
Ich stutze, überlege, hadere aber sicher bin ich mir nicht. Weder das eine noch das Andere. Kenn ich Malekin? Kennt Malekin mich?
    “ Doch , doch..” Fast wirkt es auf mich es spräche mehr zu sich selbst als zu mir. “ …sicher kennen wir uns.”
Das Grauen. Der Tod. Der Schrecken von Hvar. Irgendwie kommt mir alles fürchterlich absurd vor, total verrückt. Nicht aus dieser meiner Welt.
    “ Und…wie fühlst du dich?” Fragt es mich, einen Moment habe ich das Bedürfnis hysterisch zu kichern. Gleich wird es mir einen Platz an seinem Tisch anbieten und mir Essen und Trinken servieren.
    “ Ich…” Setzte ich zu reden an aber es unterbricht mich.
    “ Ja ja..ich weiss ich weiss…glaube ich..oder? Egal. Du bist wegen den Giovannis hier oder?…Natürlich bist du dass, warum sonst solltest du hier sein. Dumme Fragen, aber dumme Fragen gibts es ja nicht, Hätte ich wissen können. Welche Toth bist du?” Ein Wasserfall in meinen Kopf, Nicht nur dass ich seine Worte höre ich fühl mich als hätte ich zuviel Wein getrunken. Aber nicht berauscht. Lächerlich. Ich träume wohl. Ich muss träumen.
    “Helena “ antworte ich dennoch folgsam. “….die Venezianer “ füge ich hinzu und schweige von allein.
    “Hm, ja…die Familie kann sehr anstrengend sein, dass stimmt. Ich kann mich noch erinnern. Damals, als ich Don…aber das interssiert dich eigentlich nicht…..nicht waaaahhhhhr?” Es zieht das ‘wahr’ so seltsam in die länge dass es lauernd wirkt, mich beunruhigt. Eine Gänsehaut zieht über meinen Körper . War da was an meinem Nacken? Wie nah ist es mir?
    “Näher als du glaubst he-Lena Toth”
Ich schlucke.
    “Wirst du……”
    “Och, ich denke schon” antwortet es. Wieder bevor ich überhaupt gefragt habe was ich fragen wollte. “Die Frage ist viel mehr….. Wirst du den Preis bezahlen, willst du den Preis bezahlen? Der Preis ist heiss!” Ein kehliges kurzes Lachen dass apprupt wieder aufhört. “….oder auch eiskalt He-Lena Toth…..oder sollte ich besser Tot sagen?”

Toth oder Toth? Meine Gedanken verknoten sich, Die Art und Weise wie es spricht bereitet mir Kopfschmerzen. Was ist der unterschied zwischen Toth?
    “Nur eine Kleinigkeit, aber du hast recht es macht nicht viel Unterschied, denn du bist beides”
Kalte Schauer. Auch ohne wirklich zu verstehen was es sagt, verstehen ich was es meint.
Aber der Tod kann nicht schlimmer sein als das Leben unter den Venezianer…oder den Djovani wie es sie nennt. Wenn das der Preis ist will ich ihn zahlen. Die Zeit der Angst ist vorbei für mich. Nie wieder Knechtschaft. Freiheit für mein Kind und das Volk.
Es summt eine Melodie, ein Kinderlied?
Was wird das? Was will es noch? Weiss es noch dass ich hier bin? Warum sagt es nichts mehr?
Es summt diese blöde kindische Melodie…immernoch.
Das macht mich ganz rasend, Mein Kopf , meine Gedanken. Raus!
    “Zum zweiten Mal kommst du nun schon zu mir Toth!” Mehr sagt es nicht, dann summt es wieder weiter als hätte es garnicht gesprochen.
Und wieder weiss ich nicht wie lange es dauert. Bis ich hundert mal gefragt habe was es will. Erst als mir mit unerschütterlicher Gewissheit klar wird dass mein Tod nicht der ganze Preis ist. Es will jeden Toth. Für immer. Das Ausmaß dieser Erkenntnis kostet mich einen Teil meines Verstandes. Wie kann ich DAS entscheiden? Das Schicksal für alle die nach mir kommen besiegeln. Steht mir das zu? Hab ich das recht? Nun, ob ich es habe oder nicht…ich nehme mir das Recht. Wenn nicht ich wer dann? Und wenn ich es nicht tu, wird es dann überhaupt jemanden geben der mir vorwerfen könnte ich hätte nicht alles unternommen? Toth für den Rest von Hvar. Ja.
    “Dumm wart ihr wahrlich noch nie…schön schön…freut mich dass wir uns einig werden konnten” Ein Geräusch dass sich wie ein breites Lächeln anhört. Kann man ein Lächeln hören?”……ich werde dir ein kleines Geheimnis verraten…..”

……….. Im Herzen der Berge auf Hvar gibt es ein Kloster, schon so alt das niemand den Namen mehr weiss. Unwirkliche Dinge gehen darin vor. Nachts kriecht das Grauen daraus hervor und findet seinen Weg ins Tal zu uns um sich zu nehmen was es zum Leben braucht.   Jene die behaupten es gesehen zu haben sind verrückt geworden. ES ist so alt wie Hvar selbst und ES gehört dazu. Alles hat zwei Seiten. Hvar ist die schöne. ES ist die schreckliche. Dennoch sind sie untrennbar miteinander vereint. Wir kennen seinen Namen, auch wenn wir ihn nicht aussprechen. Von all jenen die dorthin gingen um ES zu suchen kamen nur zwei wieder.  Beide sind Toth . Toth schuf mit seinem Blut und seinem Schweiss das Dorf in dem du lebst und Toth befreite uns von der Geisel der Djovani . Ich weiss es  als wären es meine eigenen Erinnerungen. Ein Boot aus Flammen. Die Leiber der Vernezianer darauf, wer weiss wieviele es waren. Als an diesem Morgen die Sonne aufging war Hvar wieder frei aber unheil lag in der Luft. Ein lautloses Lied sprach von Schuld. Toths Blutschuld. Aber das wird in Vergessenheit geraten, irgendwann wird sich niemand mehr daran erinnern. Niemand lebt solange…oder doch? Egal….

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Annas Traum

Wahr? War? Hvar! Das ist der Name. Ja, Hvar, nicht wie früher Pharos oder Phar oder Far. Hvar.
Eine Insel. Deine Heimat. Die Du liebst. Jeden einzelnen öden Stein, jeden kahlen Fels, jeden grünen Hain und vor allem das blaue Meer.

[Hier ziehen eine Vielzahl von Bildern einer kleinen, langgestreckten Mittelmeerinsel an Dir vorbei, wildromatisch und wunderschön, aber auch schroff und abweisend]

Es könnte so friedlich sein. Wenn Venedig nicht wäre. Vendig, daß Hvar eroberte im Jahr des Herren 1420. Das Dein Volk seitdem knechtet. Fast 100 Jahre lang. Aber nicht mehr länger. Dein Freund Mathias Ivanic hat einen Plan. Er wird die Rebellion führen. Gegen den Feind. Doch Du wirst eine andere Aufgabe haben. Du wirst in die Berge gehen zu dem alten Kloster in den Felsen, wo das Ding lebt. Denn Dein Name ist Tod und nur Du darfst Dich nähern.

[Bilder einer Felsspalte, die sich zur Höhle erweitert. Durch eine Mauer geschützt. Eine kleine, vergitterte Pforte. Ein Kloster. Und ein übermächtiges, bösartiges, erstickendes Gefühl der Angst.]

Du bist zurück. Nach drei Tagen und drei Nächten. Das Ding hat zu Dir gesprochen und jetzt bist Du wirklich Tod. Es hat Dir den Preis genannt. Den Du zahlen wirst und Deine Nachkommen. Immer wieder Sklaventum für die Freiheit Deines Volkes. Aber Du weißt jetzt, wie Du den Venezianer schaden kannst, wie Du sie vertreiben kannst, diese 'Djovani', wie das Ding in deinem Kopf sagte. Den Markuslöwen wirst Du niederreißen. Die Totenlade auf dem Meer verbrennen. Und nie mehr frei sein….

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Tag X

So recht sicher bin ich mir nicht warum ich hier steh.
Ich glotze aus dem Fenster auf die vorbeifahrenden S-Bahnen und in der Spiegelung der Scheibe sehe ich mein eigenes Gesicht. Es langweilt mich.
Ich langweil mich
Mein Leben langweilt mich.
Alles, wirklich alles läuft wie ich es will. Natürlich, ich habs durchschaut. Aber Perfektion hat seine eigene Form von Folter. Wie oft hab ich schon meine Stimme angehoben und die Mächte – wer im Endeffekt das auch immer sein will – angefleht mich lebendig zu machen.
Ich bin ein Statist in meinem eigenen Film und das Drehbuch ist so erbärmlich öde.
Wieder eine vorbeifahrende Bahn. Spiegelungen der Straßenlaternen tanzen auf der gläsernen Oberfläche. Tanzen…ja tanzen macht mich glücklich. Vielleicht geh ich  noch tanzen, wenn ich heute nochmal fertig werde mit dem niederstarren der Gleise.
Ein Mann bleibt hinter mir stehen und betrachtet mich. Ich rolle gedanklich die Augen und mache mir nicht die Mühe mich umzudrehen und wie erwartet wendet er sich ab und verschwindet. Einmal, einmal in meinem Leben möchte ich wirklich fühlen. Aus dieser tauben Wirklichkeit entfliehen und dem nachgehen wofür ich geschaffen wurde. Aus irgendeinem Grund muss es mich ja geben. Ich bin doch nicht nur da um dieses Leben hinter mich zu bringe. Manchmal bin ich mir dessen so sicher. Und danach bleibt nur wieder die Leere – weil wie immer nichts geschehen ist. Wie immer. Immer.
Ich lasse mich zu einem theatralischen Seufzen hinreissen.
Etwas ändert sich.
Fast so als würde ich von einer Sekunde auf die andere in einem Gewitter stehen. Mein Körper kribbelt irgendwie. Ich höre auf das hinter der scheibe zu fixieren und sehe neben meinem Gesicht ein anderes im Fenster. Eine Frau. Sie ist seltsam blass als wäre sie krank.
    “Na so allein? “ sagt sie. “Was wichtiges zu tun?” Und sie blickt raus auf die Lichter in der Nacht um zu sehen nach was ich  ausblick halte. Ihre Stimme ist ruhig, irgendwie angenehm. Ich lächle unwillkürlich und schüttelt dann meinen Kopf.
    “Nein ich..ähm…steh nur und guck raus” Enorm geistreich Anna. Als ob sie dass nicht selbst gesehen hätte.
    “Willst du mitkommen? Ich habe gehört in der Stadt wäre was los…heute”
Ja klar will ich. Ich nicke und frage mich nichtmal warum mir dass so normal erscheint. Ich geh ja mit jedem Menschen mit der mich so anspricht. Altes Hobby von mir. Sie greift in Ihre Tasche und lässt ein Stück von einer Semmel fallen.
???????
Sie bemerkt meinen doch verwunderten Blick und lächelt geheimnisvoll.
    “ Ich will den Weg zurück nicht verlieren.”beantwortet sie meine ungestelle Frage.
Ich muss sie immerzu anstarren. Katinka heisst sie.
Rein in die S-Bahn.
Raus aus der S-Bahn.
Treppen rauf rüber runter.
Wir treffen auf eine Dame aus Wien. Ein Gruft. Ich sehs gleich. Ich kenn diese Menschen schon aus diversen Diskotheken. Wir reden über Gott und die Welt. Katinka sagt mein Name – Toth – käme ihr bekannt vor.
Innerlich lache ich. Der Tod kommt ihr bekannt vor hm?
Obwohl sie, mir kommt es so vor, ein Auge darauf hat mich ins Gespräch miteinzubeziehen habe ich manchmal den Verdacht wir reden über zweierlei Dinge. Oder scheint es mir nur so?
Diese, gott was für ein Name, Vendariel hat eine Art Worte zu betonen dass sie ganz anders klingen. Aber Vendariel interssiert mich nicht. Katinka interessiert mich.
Noch jemand. Thomas?
Völlig absurd.
Wir laufen Quer durch München und sammeln wahl los leute. Wobei ich das Wahllos nicht unterschreiben würde. Aber ich erkennen keinen Zusammenhang. Noch nicht.
Ich laufe wie auf Watte. An irgendeiner Kirche bleiben wir stehen. Katinka spricht mit Vendariel über essen gehen. Keine schlechte Idee. Aber warum hab ich schon wieder das Gefühl wir reden nicht über das gleiche? Wie paranoid.
Doch, ich will es garnicht glauben – es geht noch doller.
Nachdem sie aus mir unerfindlichen Gründen mit einem wildfremden Mann rumgeknutsch hat wirkt sie seltsam zufrieden, fast lebhafter, aber ich finde es passt nicht zu ihr. Andereseits kenn ich sie ja nicht. Oder? Deswegen lauf ich ihr auch schon seit zwei stunden nach.
Ich bin mir nicht ganz sicher ob ich dass alles nicht doch nur träume. Es will so garnicht zu mir passen. Schließlich erreichen wir eine offene Halle am Ende der Prinzregenten Straße. Weiss der Teufel wie die heisst. Dort sind andere die zu uns gehören. Ich weiss es schon bevor sie beginnt mir Namen zu nennen. Die Leute sind mir unheimlich. Ihre Augen blicken mich anders an.
    “Dass ist Anna, Anna das ist Malekin” Katinka schiebt mich ein wenig zurecht und ich blicke den Kerle vor mir groß an. Malekin. Steht das nicht auf dem Buch dass sie die ganze zeit mit sich rumschleppt?
    “Schön die wieder zu sehen” lächelt er und ich denk mir noch : Was will denn der von mir. Doch bevor ich mein Unverständnis Ausdruck verleihen kann spricht er weiter. “Wir kennen und doch…oder nicht?” Und auf einmal bin ich mir nicht mehr sicher dass ich ihn nicht kenne. Ich blicke mich unsicher nach ihr um. Sie ist die einzige die mir nicht unheimlich erscheint. Was tät sie wohl sagen wenn ich ihre ganzen über die stadt verstreuten Brotkumen wieder eingesammelt hätte?
Dinge werden gesprochen die ich nicht so recht verstehe. Ich nehms mal so hin. Warum auch nicht. Wir gehen in ein Kaffee. Sie an meiner Seite. Glücklicher weise. Ich vertraue ihr. Sie ist so wundervoll menschlich und lebendig. Die Gespräche am Tisch sind komisch. Da kommt noch ein Kerl der uns fotographiert. Dann läuft er weg. Dann wird er wiedergebracht.
Er sagt, er sagt nichts. Dann sagt er aber doch was und mir sollte es eigentlich zu dumm werden. So ne Posse.
Aber in ihrer Nähe will ich bleiben.
Wir sitzen zu…ich weiss nicht wievielt.und trinken lecker heisse schokolade …
…aber irgendwie bin ich die einzige der das zu schmecken scheint.

Ich erwache am nächsten Morgen und frage mich ob ich gestern wirklich in München war. Ob ich sie wirklich gesehen habe
Und ich erinnere mich an eine Frage.
    “Kannst du dir vorstellen mehr Zeit mit uns zu verbringen?”
Und ich erinnere mich das meine antwort ja war und mich begleitet das Gefühl einen Pakt mit dem Teufel unterschrieben zu haben. Aber ich habe nichts unterschrieben.
Eine Einladung zu einer Party von Malekin.
Kann man von einem Traum aus eine Einladung schicken?
Ich schüttle die Gedanken von mir ab.
Katinka. Wenn sie dort ist werde ich auch dort sein, mir scheint fast als würde sie meinem Leben mehr Sinn geben als alles andere davor.

Veröffentlicht unter Die Tagebücher der Anna T. | Schreibe einen Kommentar