Wenn Träume wahr werden

28.10.2002
 
“Ist das Alles? ” Höre ich noch den Klang der Worte widerhallen in meinem Kopf. Ich schrie sie in die Nacht hinein. Dummes Kind. Dummes, dummes Kind.
Katinka ist tot. Ich hatte einen Traum, von dem ich mit Sicherheit weiß, dass er wirklich ist. Und keiner will es sehen. Verstehen. Nicht mal diejenigen, die zugegen waren.
Meine Welt ist ein gedämpfter Raum. Der Schall, in Form von Worten,  dringt nur langsam und schwerfällig in meine Gedanken, die sich Pausenlos drehen. Immerzu und im nu…. weißt du wieso.. bist du so… oder?
Heute ist wieder eines dieser Treffen. Ja DIESER Treffen. Elysium. Oder zumindest mit den gleichen Regeln. Einige neue Vampire haben sich der Domäne angeschlossen. Die mich … Menschlein.. .beschnuppern und doch wieder die Nase rümpfen. Wie wahnwitzig, dass ich schon länger hier bin als sie. Tieferen Einblick in die Geschehnisse habe und ICH eigentlich diejenige sein sollte, die sie beäugt. Aber mir ist nicht nach Kinderspielen. Mir ist nach sterben. Auch ich bin tot. Immer noch Toth. In Begleitung von Josepha und Georg betrete ich die Räumlichkeiten und dort steht Katinka an der Seite ihres Mörders. Die Mörderin. Und mein Herz flammt in Zuneigung und Glück dass sie… Äh… atmet? Eher nicht… lächelt. Sie Lächelt und bewegt sich. Untot. Aber trotz diesem glücklichen Umstand, finde ich nicht ganz zurück in mein heiteres Gemüt. Schatten lasten auf mir. Wie wird man seinen Schatten los?
Apropos Schatten. Malfeis steht im Schatten. Mal da, mal dort und ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn dazwischen gehen sehe. Nein ich mag ihn nicht leiden. Auch er war in diesem Traum und mir schien, er wäre der einzige gewesen, der so richtig seinen Spaß hatte.
Katinka erzählt wohlgemut von den Geschehnissen in Bremen und Lübeck. Dinge die sich trennen, anderen Dingen die sich zusammenfügen. Sie hängen an ihren Lippen – lächeln oder blicken betroffen… je nachdem. Aber ich muss mich immer wieder zusammenreißen ihr zu folgen – bei der Sache zu bleiben.
Meine Gedanken gehen auf Wanderschaft, so wie meine Augen und schließlich bleibt mein Blick auf Schlayer liegen und mir wird erst nach Sekunden bewusst, dass ich ihn anstarre.
Da steht er  und ich entsinne mich der Geschehnisse, die ich beobachten durfte/musste. Ein Mann – Pardon – ein Wesen wie er, so zu sehen, er hatte… hat….. Blut an seinen Händen, ich sehe es, als er sich zu uns an den Tisch setzt. Blut an seinen Händen… Wie in jener Nacht… Verzweiflung… Wut… Trauer… Ich hebe meinen Kopf, sehe durch Josepha durch, an Katinka vorbei, zu dem … Geist im schwarzen Ledermantel… will ich fast sagen, der mit seinem selbstgefälligen, wissenden Lächeln an der Wand lehnt und es sofort zu bemerken scheint, wenn ich nur den Kopf ich seine Richtung drehe. Malekin, der durch mein Bild läuft und mir zuwinkt. Dejavué. Ich blinzle und blicke zu Katinka, die sich bei Schlayer entschuldigt. Ihre Meinung bezüglich der Brujahs revidiert. Sie will von seinem Clan lernen und auch nicht lernen. Ich verstehe sofort was sie meint. Sie reden über, Vergangenes über Vorzüge und Nachteile, und ich verliere wieder den Faden. Tot war sie. Ich habe es am ganzen Körper gefühlt.
Malekin, wie er sie zu sich zieht.
Malekin, wie er sie küsst.
Malekin wie er, vor mir steht und mich ansieht als könnte er einen jeden meiner Gedanken von meinen, ins Nichts gerichteten, Augen lesen.
Ich sitze an einem langen Tisch. Man spricht über Politik. Sabbath hier, Sethiten dort. Eigentlich finde ich diese, für mich scheinbar so unwesentlichen Gespräche, beruhigend.
So unpersönlich. Gar befreiend im Vergleich zu dem inneren Dialog, den ich führe. Doch die Worte um mich herum, sind in meiner Welt nicht mehr als Hintergrund Musik, um abzulenken von den wichtigen Umständen. Lyra fragt Katinka wie es ihr geht, und ich erinnere mich auch an ihr zugegen Sein in meinem Traum. Auch Lyra sah Katinka sterben und mein Blick heftet sich an ihr fest. Ich wünschte, ich könnte sehen was sie fühlt. Fühlt sie? Ich glaube ja, denn ihr Blick wiederum, ruht sorgenvoll auf Katinka. Diejenige, die mich hier her geholt halt. Diejenige, die mir Einblicke in eine Welt ermöglicht hat, die kaum ein Mensch vor mir hatte. Sie ist diejenige, die mein Todesurteil unterschrieben hat, an dem Tag, an dem sie mich ansprach. Und ich liebe sie trotzdem. Mich befällt das Bedürfnis, diese Frau zu halten, ihr nah zu sein und ich schmiege mich an, wie ein Kind, dass um seine Mutter fürchtet. Und Katinka wundert sich nicht einmal. Beruhigend legt sie mir ihren Arm um die Schultern, tröstlich und ich bin glücklich sie nicht verloren zu haben. Ein kurzer Frieden für meine Seele.
Als ich mich aufrichte, zum ersten Mal lächelnd an diesem Abend, fühle ich diese Kühle in meinem Nacken. Der Drache auf meinem Rücken revoltiert. Ich spanne mich unwillkürlich an, und sehe zu Katinka und ihre Augen bestätigen meine Vermutung.. Nein… meine Gewissheit. Malfeis steht hinter mir, so nah als hätte ich ihn dazu eingeladen. Unverschämt. Sich nicht scherend, um so etwas banales wie Privatsphäre. Und noch viel mehr. Sich boshafter Weise bewusst, wie unangenehm es mir ist, ihn in meiner Nähe zu wissen. In Katinkas Nähe. Aber anstatt mich umzudrehen und ihm zu erklären, dass er das ja auch bitte sein lassen könnte, sucht meine Hand zitternd nach Katinkas. Meine Lippen zusammengepresst schweige ich. Ach ich armes wehrloses Kind. Ich wünschte….
Dann ist er weg und ich habe den unbedingten Drang meine Lungen mit wertvollem beruhigenden Nikotin zu füllen.
Als ich mit Georg draußen stehe, beginne ich mich langsam wieder zu entspannen. Kühl ist es geworden und mein Atem hinterlässt sachte Nebelschwaden in der Nachtluft. Wir führen Small talk und ja ich bin auch dafür dankbar, er verkauft Drogen, und als ich  ihn darum bitte mir welche mitzubringen erklärt er mir fürwahr… es wäre nicht gut für mich. Da findet mich das Lachen wieder. Alles ist ein Scherz oder?
Sekunden werden zu Minuten, werden zu Stunden und wie meistens, unachtsamer Weise meinerseits, finde ich meinen Weg zum Rauchen alleine. Ohne Obhut. Andererseits, hätte es auch nur der geringste unter Ihnen auf mich ab gesehen, würde es mich schon nicht mehr geben.
Ein kleiner Vorraum, nur durch eine Scheibe von der Nacht getrennt, und ich erblicke Schlayers als würde es körperlos umher schweben. Oh ja, es brennt mir auf der Seele. Was in der Anglitz, Welt, kann ihn so quälen? Als würde er es ahnen, tritt er ein und blickt mich fragend an. Sofern ich dass unter seine Sonnenbrille rein interpretieren kann. Verdammt, scheint für die Kainiten der Mond zu hell? Wir reden. Nicht belanglos, nicht zu tief. Ich sehe ihn mit anderen Augen. Jetzt. Und mir ergeht es nicht viel anders als Katinka. Ich wünsche zu verstehen. Und ich kann, seine Art zu sein, glaube ich, mehr achten als noch…. zwei ..drei Monate zuvor?
Dann öffnet sich die Tür und der Flüsterer tritt zu mir. In gehabter Manier. Da er so dicht vor mir steht, kann ich seine Anwesenheit nicht ignorieren. Ein Ahn des Clan des Mondes. An und für sich sollte ich mich wohl in den Staub werfen. Aber um ehrlich zu sein bin ich viel zu zittrig, um auch nur gefahrlos von meinem Stuhl zu rutschen. Und ich hasse mich dafür. Also neige ich meinen Kopf und nuschle ein ungenaues….. Malfeis. Ohne ihn anzusehen.
Blicke niemals einem Vampir in die Augen. Sagte Thomasso zu mir. Sagte Katinka zu mir. Wie oft ich diesen Ratschlag schon gebrochen habe, kann ich gar nicht zählen, aber bei Malfeis fällt es mir glühend heiß ein. Und auch Schlayer kann ich nicht mehr ansehen. Glaube ich doch, er sieht die Angst in meinen Augen und…. den Unwillen mich zu fürchten. Was könnte Malfeis schon tun? Mich töten? Und dann? Tot bin ich so oder so. Und wenn ich meinen Tod nicht überlebe, tja, würde es mich schwerlich noch stören können. Also was soll der Geiz?
Doch meine Zigarette will und will nicht ruhig liegen in meiner Hand, wenn er schweigend neben mir steht und mich ansieht. Einfach nur ansieht. Oh Anna, was bist du sensibel….
Was zum Teufel will er denn? Sich Laben an meinem Beben? Mich dazu bewegen etwas unüberlegtes zu tun, damit er einen Grund hätte mir etwas anzutun was ihm Katinka et Malekin nicht verzeihen würden??? Aber die kleine Stimme in meinem Kopf lacht mich aus. Sagt mir, dass dieser keine Gründe bräuchte.
Das es ihm egal ist, ob ich ihn fürchte oder nicht.
Was treibt ein Wesen dass viele Leben gelebt und noch mehr vernichtet hat?
Ich drehe meinen Kopf, sehe ihn für eine Sekunde an und habe wirklich Angst.
Was bewegt so ein Wesen dazu mich… Mensch… anzusehen.?
Mein Herz stocke und ich erinnere mich daran, dass es nicht immer gut ist alles zu wissen.
In der nächsten Sekunde……….. oder ist es eine Stunde und ein neues Zusammentreffen später. Spricht er mich an. Seine Stimme erinnert mich…. Die Schlange im Paradies die Eva verführte… ja genau.
Wie es mir ginge?
Aber jede meiner Bewegungen verrät mehr, als alles was ich aussprechen könnte.
Ich blinzle und entsinne mich. Lyra fragte ihn nach einem Traum…. jenem Traum den auch ich träumte… er lächelte sie an und fragte: ” Welcher Traum? ”

Aber er weiß, dass ich weiß. Also wage ich es und spreche ihn darauf an.
    “Ihr habt geträumt Frau Toth? ”
    “Nur Malekin frisst seine Kinder…” Wiederhole ich seine Worte und er lächelt. Wenn man das Lächeln nennen will. Doch mutig geworden.. und mürbe von dem Bangen und Sorgen werfe ich ihm die Frage ins Gesicht die mich schon länger beschäftig. “ Wie kommt es eigentlich, dass Sie immer da sind, wenn hässliche Dinge geschehen.? ” Und funkle ihn an, als hätte ich ein rhetorisches Wunder vollbracht, aus dem er sich nicht mehr rauswinden könnte.
Doch Malfeis, faltet nur seine Hände, lässt die Frage , eine Kunstpause lang im Raum schweben, beugt sich näher zu mir, dass ich Maus sein möchte um mich besser verkriechen zu können und fragt: “Warum glauben sie dass diese Dinge von mir ausgehen. Ist es nicht vielmehr so, dass sie sich um sie drehen. Dort sind, wo sie sind? ” Und nimmt mir jeden Wind aus den Segeln. Meine Gedanken rotieren. Wer ist in wessen Träume? Kann ich sicher sein, dass die vielen, mich erschreckenden Geschehnisse sein Werk sind? Ich mein… kann ich SICHER sein? Bestünde nicht die Möglichkeit.? Suche ich? Verursache ich?
“ Sie wissen, was man ihrem Clan, dem Clan des Mondes nachsagt? ” Bohrt er weiter.
Ich will mich wehren. Ich weiß es wohl. Aber ich bin doch nur ein Mensch. Wie könnte ich, derartiges veranlassen?
“Aber ich lebe! ” Entgegne ich  impulsiv.
“Sie wissen, doch, was man ihrem Clan nachsagt. Visionen. Träume. …” wiederholt er.
Ich war mir immer so sicher. Dass mir Malekin die Träume schickt, oder Katinka… oder er selbst… Der Malfeis. Ich bin Beobachter. Ich sehe nur zu. Aber würden Dinge geschehen, wenn es keinen gäbe darüber zu berichten? Weiß ich ob es das Nebenzimmer wirklich gibt, bis ich nicht selbst dort wahr? Erschaffe ich nicht meine Welt indem ich sie wahrnehme? Ich… Ich wende meinen Kopf beiseite und schlucke die Tränen der Unsicherheit hinunter. Dann werde ich ganz ruhig. Der Malfeis lügt nicht. Er quält mich, indem er Fragen stellt, die ich mir selbst nicht stellen will. Und dass, da ich mich doch so sehr in Ehrlichkeit mir selbst gegenüber übe.
    “ Ich.. ” Flüstere ich schon fast. “…mag sein, ….wie heißt es so schön… man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht? ” Zitate sind etwas wundervolles. Warum Aussagen über Zustände machen, die irgendwer, irgendwann schon mal besser zum Ausdruck gebracht hat? Und Außerdem kann man sich dabei hervorragend um Antworten drücken.
    “Und sehen sie den Wald oder die Bäume Frau Toth!….. Sehen sie den Wald…….. oder die Bäume? ” Dann ist er wieder verschwunden und lässt mich mit dieser Frage allein.
……….mich würde wirklich interessieren was sie an Ihnen finden Frau Toth.
Tick .Tack. Tip. Tapp. Trip .Trapp Trapped.
Da sitze ich, rauche meine Zigarette zu Ende, fühle wie sich der Rauch meine Lunge hinab kratzt. Ich habe zu wenig geschlafen die letzten Tage, mein Kreislauf will nicht ganz so wie er sollte, ein lautes Geräusch und ich schrecke zusammen, mein Puls macht Sprünge und beruhigt sich wieder. Das Nikotin breitet sich in mir aus, kriecht in mein Blut, mein Blut läuft in meine Beine und ich bekomme weiche Knie. Fühle mich schwach. Für einen Augenblick wird mir bewusst was ich nicht sehen will.
Das Netz der Spinne. Dort hänge und beobachte ich, wie jeder hier sein Spiel spinnt. Wer weiß, wie lange ich hier noch unbehelligt verharren hätte können. Doch ich kann nicht länger still halten. Muss mich bewegen. Und die Spinne hat's gemerkt, sie wandert scheinbar zufällig um mich herum, ihre Kreise enger ziehend und je näher sie ist, umso mehr zapple ich. Nichts was ich dagegen tun könnte. Der sichere Boden liegt soweit unter mir, dass ich einen Fall dorthin nicht überleben würde.
Doch hat die Spinne ausgesponnen, ist mein Leben ausgeronnen..
Ausgeronnen. Ha Ha.
Red Bull. Ich will Red Bull, ich quäle mich in die Kälte und auf dem Weg zurück steht Schlayer da. Himmel, ich kann ihn so wahnsinnig schlecht einschätzen. Wir sind allein…. Und ich ergreife die Gelegenheit am Schopfe.
    “Was könnte ein Wesen wie Sie zum weinen bringen….? ” Frage ich und er…. er antwortet mir. Obwohl ich dachte, er würde mir wohl den Kopf abreißen, würde ich es auch nur im Ansatz wagen ihm Emotionen zu unterstellen. Mein Kopf ist noch dran und ich lausche seinen Worten. Auch er spricht Wahrheit… Und… es klingt so sehr vernünftig was er spricht. Hätte mir jemand vor einem halben Jahr erzählt, dass ich Schlayer mal sympathisch finden würde hätte ich ihn kommentarlos ausgelacht… Andererseits… was wäre wenn man mir vor einem Jahr erzählt hätte, dass Vampire unter der Menschheit hausen.
Malfeis tritt hinzu, blickt zwischen uns durch und erklärt mit ruhiger Stimme, dass das Elysium jetzt aufgelöst sei. Warum fühle ich mich wie das Auge in dem Dreieck auf meiner Schulter?
Zurück im Warmen, erzählt uns Malekin, was uns Katinka am Anfang des Abends erzählt hat und mehr. Ich lausche, aber meine Gedanken drehen sich um Träume, Schlayer… Malekins und Schatten die böse Dinge flüstern.
Lyra neben mir. Small talk.
Da tritt Malekin auf sie zu. Katinka liebevoll in seinem Arm haltend.
    “Lyra… oder Frau Reuter? ” Sagt er leise und die Ruhe, die ich mir über den ganzen Abend hinweg zurückerobert habe, bröckelt zu Boden. Mein Körper beginnt zu zittern, wie der einer Alkoholikerin auf Entzug. Gewissheit, dass meine Ahnung wirklich wird. Gelauert, die ganze Zeit in mir. Malekin spricht weiter. Ich will nicht hören was er redet und könnte es doch mitsprechen. Er bittet Lyra, von Katinka eine Blutprobe zu machen. Um fest zu stellen, ob ein Vorfall in Katinkas Vergangenheit…. Spuren hinterlassen hat. Dia-bla-bla-rie. Meine Hände legen sich über mein Gesicht und ich schüttle meinen Kopf. Nein. Nein. Nein. Nein. Ich will es schreien. Der Raum um mich herum verengt sich und nimmt mir die Luft zum Atmen. Alle Anwesende verschwinden und was bleibt, ist was ich schon kennen gelernt habe.
Malekin et Katinka, wie sie vor der schwarzen Hexe stehen und um Lösung bitten.
Lyra, teilt meine Angst. Ja.. sie fühlt… und weißt Malekins bitte zurück.
Doch ich sehe die Spinne, wie sie ihre Kreise zieht, ihr Spiel spinnt und anfängt ihre Fäden einzuholen. Mein Herzschlag stoppt. Lyra wird es nicht verhindern können. Ihr Sire lässt sie tun, was sie nicht tun will. Tu was du willst…. Oh bitte… Tu doch was du willst. Aber das kleine Intermezzo hat mir Gelegenheit gegeben zu Denken. Das letzte Mal war ich nur Beobachter, aber diesmal bin ich dabei. Egal wer ich bin, ich will nicht zulassen dass Katinka wieder stirbt. So folge ich der kleinen Gruppe, halte mich an Katinka, lege besitzt ergreifend meine Arme um sie und flüstre ihr zu, was ich weiß. Von dem Traum. Von ihrem Tod. Nur Malekin frisst seine Kinder. Sie ist nicht mehr die letzte. Ich weiß es schon. Sie muss die Probe nicht machen. Ich kann es ihr sagen…
Doch egal was ich mache, der Wagen rollt. Wie ein Film, den ich nicht abschalten kann.
Malekin beißt in Katinkas Hand. Ihr Blut dringt aus dem kleinen Loch, Malekin nimmt es auf und reicht es an Lyra weiter, die es probiert.
Starr vor Schreck.
    “ Und? ” Seine Stimme klingt lauernd und meine Augen füllen sich mit Tränen. Wegziehen will ich sie. Aber Mondenkind bemerkt es nicht.
Die Hexe nickt, der Malfeis lächelt, Malekins Augen weiten sich erzürnt und Schneewittchen weiß nicht was ihr geschieht. Ich will mich vor sie stellen.
Doch ein Blick aus Malekins Augen lässt mich weichen, ob ich will oder nicht.
So bin ich wieder der Beholder und was ich beobachte fügt sich zu dem Satz der mir nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Nur Malekin frisst seine Kinder.. Nur Malekin …sein Kind…. Katinka… dass er am Halse packt und hochhebt. Sie zu sich zieht und ich befürchte schon den Kuss. Aber Mondenkind wehrt sich, strampelt, fleht ihn an… jammert. Er stößt sie weg, vor sich hin, jagt sie durch den Raum und beschimpft sie … Nur ein Malekin in jeder Generation. Nur EIN Malekin in einer Generation. NUR Malekin frisst seine Kinder. Ich will dazwischen, doch ein eiserner Griff legt sich auf meine Schulter. Schlayer?
Dann steht sie fast neben mir. Ich blicke Katinka an. Katinka sieht zu Malekin. Und Malekins Augen brennen auf meiner Haut.
    “ Vielleicht hab ich mich geirrt! ” Flüstert er, mehr zu sich selbst. “Vielleicht bist du ein Fehler. Und es war schon immer Anna .” Er macht einige Schritte auf uns zu und in seinem Kopf tickert es. “Vielleicht sollte Anna dort sein, wo du bist. Und du dort… wo Anna steht. Vielleicht war es mein Fehler….. ” Schmerz in seiner Stimme. Ich verstehe nicht was geschieht.
Da ändert sich alles. Katinkas Stimme überschlägt sich.
    “Ein Fehler??????? ICH??? EIN FEHLER???????????????????? Ich gehör zu DIR. ICH bin MALEKIN!! ” Schreit sie wutentbrannt und ihr Zorn wendet sich gegen mich. Wie ein Furie stürmt sie auf mich zu und packt mich am Kragen. Und wenn mir auch das Herz in die Knie sinkt, muss ich immer noch für sie fühlen. Kann sogar verstehen, dass sie mich hasst. Sie stößt mich weg geht auf Malekin zu. Das Kind Katinka. Mondenkind. So ganz und gar nicht artig.
Er packt sie an ihrem Kopf und scheint sie zu Boden zu zwingen. Doch Schneewittchen ist erwachsen geworden und hebt ihre Hand gegen ihren Schöpfer sie stößt ihn von sich und er hat nichts dagegen zu setzten. Nicht genug. Sie stürmt ihm nach und die beiden kämpfen wie die Tiere. Es sind Tiere, verbeißen sich ineinander und wälzen sich am Boden… kein ungleicher Kampf.
Meine Welt ist ein Stummfilm.
Keine Laute dringen mehr zu mir durch. Meine Beine versagen und ich gehe in die Knie. Die beiden leblosen Körper betrachtend, die so ineinander verdreht sind, dass sie eins sind. Eine Melodie in meinem Kopf.
Ein Wahn, kein Sinn.. sieh was ich bin… sieh was sie sind…. mein Kind.
Ein Wahn, kein Sinn, vergiss was ich bin.. was geschah ist  wahr.
Die Spinne hält im wandern inne und lächelt mich mit ihren 8 Augen an.
Und eine Stimme flüstert in meinem Kopf…
    “Schließ deine Augen und zähle rückwärts. 777…………………………………….. und wenn du bei 0 bist hört dein Herz auf zu schlagen und Toth ist tot. ”

Ein Wahn, kein Sinn… sieh was ich bin und was ich war, ist nicht mehr da…..

Langsam kehrt die Welt um mich herum zurück. Aber ich habe keinen Nerv für sie.
Malekin vs Katinka leben. Er entlässt sie aus dem Kindes Status. Verbannt sie nach Freising. Er liebt sie und murmelt immerzu er würde einen Weg finden. Einen Weg finden.
Nur ein Malekin in jeder Generation.
Eine Hälfte meines Seins löst sich von mir, verkriecht sich in Gefilde zu denen ich keinen Zutritt habe.. und lässt eine Anna zurück die fast normal ist. Stark genug um eine Katinka im Arm zu halten, die um Vergebung fleht. Sie tote lebt. Für Anna genug um sich glücklich zu fühlen… oder zumindest nicht unglücklich.
Die restliche Nacht besteht aus Gesprächen. Sinnvoll, sinnlos. Rätsel raten.
Nie wieder will ich mir Wünschen, dass meine Träume wahr werden.
Alles ist Wahnsinn. Ein Ringelreigen. Tu was du willst ist das ganze Gesetzt. Aber was wenn du nicht tun kannst was du willst?… Gesichter fluten heran, blicken mich an, verblassen und treten wieder in den Hintergrund. Wie das Meer, das stetig seine Wellen an den Strand wirft. Neverending Story.
Und die Spinne kichert leise…. 776… und tanzt weiter.
 

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Von Innen

26.09.2002
 
Künstlicher Nebel.
Stroboskoblicht.
Viel zu laute Musik hämmert sich in meinen Schädel und es ist gut so…
Meine Welt bricht Stück für Stück zusammen…stirbt.
Aber das, was mich bis ins Innereste berührt bleibt am Leben.
Die Lust am Tanzen ist eines dieser Dinge.
Ich muss nur die Augen schließen, einige Handbewegungen hier – ein paar Drehungen dort und ich befinde mich in meiner eigenen kleinen Welt.
Doch diesmal ist es eine ganz andere Welt. Es ist noch immer nebelig. Irgendwie. Ich weiss garnicht so recht wie mir geschieht. Beinahe als blickte ich durch die Augen jemand anderes, als wäre ich nicht wirklich da. Und dennoch sehe ich klar und  verstehe.

Thomasso.

Verzweiflung, fast greifbar. Obwohl ich das Bedürfnis habe zu ihm zu gehen, meine Arme um ihn zu schließen und ihm zu sagen dass, egal was..egal wie..es wieder besser werden wird, denn alles verändert sich, bewege ich mich nicht. Die vage Gewissheit, dass er es nicht merken würde. Die Angst, dass ich das,  was ich sehe zerstören  könnte. Als stünde es mir nicht zu hier zu sein. So gehe ich in die Knie und beobachte, wissend dass es wichtig ist.
Josepha tritt hinzu, ihr so grausam gezeugtes Kind, an ihrer Seite…es wimmert, hält sich schutzsuchend an sie. Mitleid.
Ein Gespräch beginnt. Die Worte dringen wie durch Watte zu mir und lassen mich doch erkennen wie essentiel es ..in der Tat… für mich ist, dies sehen zu dürfen. Ein Vorfall, bedingt durch Josepha…die Verrückte…deren Fähigkeiten ich nur erahnen kann. Und Thomasso liegt in sich selbst gefangen. Ich verstehe. Sein Alterego..Vincence… bedient sich seines Körpers. Und trotzt dieser Tatsache, die Thomasso so verzweifelt sein lässt, muss er doch Bewunderung aufbringen. Eine Droge. Du und ich..ich hasse dich, ich liebe dich.
Die Giovannis wollen mich. Ich weiss das. Thomasso will mich. Auch das weiss ich. Aber – und mein Herz will fast zerspringen, als ich die Worte aus seinem Munde höre, da er hier sitzt ohne jeden Halt – lieber sieht er mich glücklich, lieber sieht er mich geborgen, lieber sieht er mich frei..zu tun was ich will…als seiner Familie Ehre zu bereiten. Und ich weiss auch, was das bedeutet.
Fragen.
Ratlosigkeit.
Thomasso hat Vincence. Und Vincence hat Thomasso. Wer kam zuerst auf die Welt. Das Huhn oder das Ei? Vincence wird den Teufel tun und mir eine Wahl lassen. Aufgepasst, Mitgedacht. Niemand dem ich in Zukunft trauen sollte. Ich schnaube. Wolfenstein verhandelt mit dem ach so toten Antonio V. .So so. Niemanden dem ich in Zukunft trauen sollte.
Meine Welt zerbricht Stück für Stück.
Aber das, was mich bis ins Innereste erschüttert bleibt am Leben.
Malfeis
Malekin wandert durch mein Bild und winkt mir zu. Ich bin nicht wirklich überrascht darüber.
Noch während ich verarbeite was geschieht, kommt Thomasso auf mich zu..an mir vorbei..mich gibt es nicht… er blickt ins Nichts..und das Nichts spiegelt sein Ebenbild. Blut auf seinen Lippen.
**…kann mich nicht dagegen wehren, mich zu verzehren, dich zu begehren..mich zu nähren an deinem Blut…es tut so gut…**

Antonios Blut glaube ich fast. Josepha hadert, beruhigt ihr beebendes Kind als Malfeis das Spielfeld betritt. Hinter Thomasso und ihm zuflüstert. Seine Worte..die Stimme der Lorelei…andere in den Tot treibend… In den Wahnsinn…bohren sich durch den Nebel. Verführung. Erzählen Dinge die Thomasso weiss und nicht wahrhaben will.
Diablarie. Dia…bla..bla bla…rie… Wie ein Schimpfwort. Es heisst, von seinesgleiches zu trinken, bis sie leer sind. Dann sind sie wirklich tot. Mek Mek Mek, die Hex ist weg.
Was Malfeis sagt und tut, lässt Thomasso leiden und dafür hasse ich ihn – und dennoch flüstert mir der Schalk im Nacken, dass dieses Wesen nur Wahrheit ausspricht. Kann das falsch sein? Und schon kommt er auf mich zu, beugt sich hinab und sein Blick lässt mich schaudern. Will nicht weichen und muss es doch.
“ Ist es das was du willst?” Schneidend in meinem Verstand. Aufstehen will ich. Ihm ins Gesicht lachen. Ich sagen, dass seine Frage zu spät kommt. Dass es für mich..nicht mehr eine Frage des Wollens ist…sondern des Wanns. Des Wahns. Bin ich des Wahnsinns? Ich fürchte ihn und doch auch nicht. Wie das Gesicht Malekins, wenn er brennt…wenn das Tier hervorkriecht. Das ist es, was ich fürchte und begehre. Das Anglitz dieses Tieres.
Schützend halte ich Malekins Tagebuch vor mein Gesicht. Ich seh dich nicht, du siehst mich auch nicht.
Katinka et Malekin et Malfeis. Sie reden. Ein stiller Kampf der Zungen. Das Duell von Yir.
Nur ein Malekin aus jeder Generation. Ich entsinne mich. Würde ich Malekin, wäre die Ordnung verrückt. Aber sind es nicht Katinkas Worte, die da sagen es gibt keine Regeln? Ich will weinen, denn Tinka ist die letzte, die letzte Malekin. Die letzte Generation.
Und Malfeis betont es. Wiederholt es. Und rückt, was mir so wichtig ist, hinweg in weite Ferne. Niemand, dem ich in Zukunft….dem ich überhaupt trauen sollte.
Meine Welt zerbricht..Stück..für Stück.
Aber das, was ich tief im Innereste liebe bleibt am Leben
Katinka.
Katinka hat getötet.
Katinka hat diablariert.
Katinka, der jedes Menschenleben am Herzen liegt, wie ihr eigenes untotes Leben, hat genommen was nicht das Ihre war.
Die schwarz rot weisse Königin blickt beunruhigt und die schwarze Hexe eilt herbei.
Weiss, wie schnee.
Rot, wie Blut. Ein Tropfen von Katinkas Blut für Lyra, die Zauberin. Meine Gedanken verdrehen sich, mir wird schlecht. Ich ahne Unheil.
Lyra weicht zurück, ihr Gesten, ihre Blicke sagen mehr als alle Worte, als alle Fragen die über ihre Lippen fließen. Malekins Kind, ist nicht mehr was sie war. Und die Hex vermag es nicht zu verstehen, wie es geschehen konnte.
Auch Schneewittchen ist ein Tier. Niemand dem ich in Zukunft trauen sollte.
Masken die abblättern, wie alte Farbe von der Wand. Sie fallen zu Boden, zerspringen und ich  finde keine Ordnung mehr. Finde mich nicht mehr zurecht. Kein Halt für mich. Die letzte Wahl die mir bleibt, bevor sich alles in Nichts auflöst, was mir so sicher schien.
Malekin.
Nur ein Malekin in jeder Generation.Und Katinka, die nicht mehr die letzte ist, steht Malekin gegenüber. Er berührt sie, zieht sie zu sich. So voller Liebe, so voller Zärtlichkeit, so innig wie ich nie zwei lebende Menschen miteinander sah…küsst er sie. Verlangen liegt in der Luft, dass mir der Atem stockt. Und mehr. Ein Beeben geht durch ihren Körper, unterdrückte Laute..ihre Finger die sich in seinen Körper krallen. Mehr als Liebe. Mehr als Begehren. Ein Ungleicher Kampf und Tränen laufen über mein Gesicht als sie zusammenbricht und Malekins Fänge sich erneut in ihr Fleisch schlagen um sie auszusaugen..zu töten. Er laabt sich an ihr. Ohne Gewissen.
….und die Stimme, die Wahrheit spricht flüster leise.
“ Nur Malekin frisst seine Kinder.”
Niemand …..dem ich in Zukunft trauen kann.
Niemand.
Sie liegt tot zu seinen Füßen und er wendet sich einfach ab. Ihr Leben an seinen Lippen.
Ich wimmere.
** ..Ich seh mich wimmernd, am Boden liegen, mehr tot als lebend, mehr Geist als Mensch, als ich dich anfleh, es zu be-en-den….seh ich dich aufstehn…und dich ab-wen-den…**
Meine Welt zerbricht….

Ich finde mich wieder in einem Park. Am Boden kauernd. Wer weiss wie lange ich hier schon liege. Wieviel Zeit vergangen ist. Egal.
Ich bin ein elternloses Kind. Leere. Ein Schritt, gleich in welche Richtung, bringt mich zu Fall. Nichts was bleibt. Nichts was ist.
Bastian Balthasar Bux. Steht im Nichts. Mondenkind ist gestorben. Fantansia ist tot.
Also öffne ich meine Hand um das letzte Sandkorn zu betrachten.
Doch das Sandkort ist eine Tarot karte.
Der Tod.
Toth.
Und ein Wissen fällt über mich, dass nur dem Geiste eines Wahrhaft Irrsinnigen entspringen kann.
Tod ist nich das Ende. Tod ist der Anfang.
Erst wenn alle Mauern nieder gerissen sind.
Erst wenn jeder Halt verloren gegangen ist.
Erst….wenn alles…was du bist und warst…dahin ist.
Erst dann…hast du…hab ich…den Raum… Um mich selbst neu zu erschaffen.
Ich beginne zu kichern….zu lachen…zu schreien.
“ Ist das Alles?”

Es geschah in einer finstren Nacht
Vom schützenden Dunkel hervorgebracht.
Witterte es und fand zu mir
Und meiner Seele entwuchs ein Tier

 

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Anna und der Tod

Da sitzt ich nun, inmitten von Papierschnipsel.
Mittlerweile ist es Nacht geworden und die letzten Strahlen der  Sonne werfen einen ungenauen Schatten  auf das kleine aber feine Chaos das mein ‘Denken’ hinterlassen hat.
Im Hintergrund dudelt immer und immer wieder das Lied von diesem Musical….:”Wie wird man seinen Schatten los?”  Ich bin mir sicher, egal wie schön ein Lied ist, wenn man es nur oft genug anhört entwickelt man einen geradezu unnatürlichen Ekel davor. Ich kann es schon nicht  mehr ertragen. Läuft es zum 50sten mal, oder zum 100sten mal durch?
Ich sitzt hier wie gelähmt, betäubt.
Heute Morgen habe ich angefangen.
All die hübschen kleinden Gedichte oder Lieder.
Habe sie feinsäuberlich abgetippt und wieder ausgedruckt. In mehrfacher Version. In verschiedenen Formen.
Die englischen Texte in deutsche übersetzt.
Die deutschen ins englische.
Die ersten Worte fettgedruckt.
Nur die ersten Buchstaben fett gedruckt.
Jede zweite Zeile auslassend.
Rückwärts.
Gespiegelt.
Jedes zweite Wort fett.
Alles wieder klein.
Die Versform verändernd.
Da war es schon nach Mittag. Man will garnicht glauben wie relativ die Zeit wird, wenn man sich ausgiebig mit etwas beschäftigt.
Zuerst ist es ein Spiel.
Als ich noch schreibe im Spielen bin ich gut. Was denke ich mir eigentlich? Für wen halte ich mich? Diese vermaledeiten Texte sind mir ein Rätsel.
Irgendwann nehm ich den ganzen Haufen an ausgedruckten Exemplaren und verfrachte ihn in mein Wohnzimmer.
{“Wie wird man seinen Schatten los?”}
Ich verteile die Blätter um mich herum, taktisch… Wohl geordnet.
Gleiches zum gleichem.
Aneinander. Nebeneinander.
Aufeinander, überlappend.
Zugegebenermaßen hat mich ein gewisser Fanatismus ergriffen.
Ich kann die blöden Zeilen schon auswendig aufsagen und trotzdem wollen sie mir nicht verraten, was in ihnen steckt und es lässt mir keine Ruh.
{”Wie wird man seinen Schatten los? Wie sagt man seinem Schicksal nein?”}
Ich knie in diesen Texten. Mit einem scharfen Messer schneide ich verschieden Wörter aus. Oder nur Buchstaben. Zeichen. Überall Zeichen. Dass ich dabei meinen Laminatboden geringfügig ruiniere ist mir nicht bewußt. Ich bin mir sicher. Wenn ich alles nur klein genug zerlege, bis ins kleinste Detail – dann MUSS ich es erkennen. Den Sinn. Die Aussage. Manche Verse drehe ich um. Hinter die Dinge sehen. Sagen sie dass nicht immer? Man muss hinter die Dinge sehen. Aber hinter den Dingen, ist nur weiss…weiss und sanft durchscheinende Druckerschwärze.
Zorn.
Alles von vorn. Ich räume alles auf einen Haufen und beginnen mit einer neuen Ordnung, vielleicht so. Von jedem Text, das erste Wort, nach einander. Dann von jedem Text das zweite. Einige Wörter sind ja schon zerschnitten. Aber ich fiesel sie zusammen. Akribisch.
{”Wie wird man seinen Schatten los? Wie sagt man seinem Schicksal nein? Wie kriecht man aus der eignen Haut?”}
Meine Finger arbeiten schon ganz von allein. Flink. Spinn Rädchen, spinn. Ich muss an Katinka und ihren Märchen Tick denken und lache.
Katinka und die Brotkrumen.
Anna und der Tod.
Malekin und das Tier.
Thomasso und seine Gier.
Der Schlayer und das Leid.
Der Zorn der Brujah?
Sam und die gespaltene Zunge von Thomas….
So süß, wie lockend. Verlockend.
Der Samarita im schwarzen Tuch. Ein Fluch, nicht wahr?
Sie sind alle verrückt. Komplett. Durch die Bank,
Völlig durchgeknallt.
Spinn Rädchen spinn. Buchstaben, die sich schieben. Wörter, die sich bilden . Ordnung.
Nur ich bin normal. Ich bin die einzige, die erkennt, was für ein völlig absurdes Theater das alles ist. Was mache ich da unter ihnen? Bei ihnen?
Erinnerungen in meinen Kopf, die so nah sind, dass es nicht unechter ist, als das tatsächlich erlebte.
{”Wie wird man seinen Schatten los? Wie sagt man seinem Schicksal nein? Wie kriecht man aus der eignen Haut?Wie kann man je ein anderer sein?}
Katinkas Gesicht im Fenster. Malekins Blick, nachdem Malfeis von ihm trank. Thomasso, als er über diesen Mann herfiel. Meine Hände die bluten, als ich mein eigenes Spiegelbild zertrümmere. Die Maskerade, in der Maskerade, auf diesen Elysien. Mein Körper. Über und über beschrieben mit SEINEN Worten. Der Verführer, wie er in sein Handgelenkt schneidet und mir sein Blut bietet. Ach ich schmeck es fast. Diese unfassbare Gefühl von Nähe. In mir brennt es, meine Kehle hinauf. Ich schluchtze und Tränen rinnen über meine Wangen. Malekin frisst Katinka, Katinka frisst Anna, Anna frisst….? So nah, als wär ich in ihnen, sie mir mir. Tränen auf den Texten, Buchstaben die verwässern. Tears on my pillow. Malfeis holt Malekin und der Wahnsinn ist greifbar. Als ich zum erstenmal fühle..nein weiss. Ich kann kein Mensch mehr sein. Nicht wieder.Meine Erhabenheit. Meine, ach wie tolle Stärke. Glauben zu Wissen. Wissen ist Macht. Merk dir das.
{”Wie wird man seinen Schatten los? Wie sagt man seinem Schicksal nein? Wie kriecht man aus der eignen Haut?Wie kann man je ein anderer sein? Wen soll man fragen, wenn man sich selber nicht versteht? Wie kann man frei sein, wenn man seinem eigenen Schatten nicht entgeht?”}
Ich hebe meinen Kopf, kann durch die Nase schon nicht mehr atmen, weil die Tränen nicht aufhören wollen zu laufen. Das Fensterglas spiegelt meine Gestalt ganz sacht. So als wäre ich noch nicht wirklich. Aber ich weiss wie es geht. Es muss erst richtig Nacht werden bevor ich mich im Fenster erkennen kann. Solange es noch etwas hell ist, bleibt meine komplettes Ich verschlossen. Was für eine Lösung.
Anna im Fenster schiebt immernoch die Papierschnipsel herum, fanatisch ihren Blick darauf gerichtet. Völlig konzentriert. Die Anna in mir schreit, hebt ihre Hände gen Himmel. Tränenüberströmtes Gesicht. Sie nimmt das Messer und schneidet das Leid aus sich herraus.
Blut auf den Staben. Der Scharlachrote Buchstabe.
{”Wie wird man seinen Schatten los? Wie lässt man alles hinter sich? Wie jagt man sein Gewissen fort?”}
Kann ich töten? Will ich töten? Kann ich NICHT töten?Zwiegespalten.
{”Wie flieht man vor dem eigenen ich?”}
Toth im Spiegel. Exakt. Überlegen. Unbeirrt ihr Ziel verfolgend. Stark und Stolz.
Und Anna im Chaos. Weinend, blutend. Schwach und unkonntrolliert.
Was ist echt? Was wahr? Was bringt mich weiter?
Um mich herum liegen, Verse und Wörter und Buchstaben. Getränkt in Blut und Tränen.
Hier sitzte ich nun, inmitten von Papierschnipsel.
Mittlerweile ist es Nacht geworden und die allerletzten Strahlen der  Sonne werfen einen ungenauen Schatten  auf das kleine, aber feine Chaos das mein ‘Denken’ hinterlassen hat.
Im Hintergrund dudelt immer und immer noch das Lied von diesem Musical….:”Wie wird man seinen Schatten los?”   Läuft es zum 50sten mal, oder zum 100sten mal durch?
Hier sitzte ich wie gelähmt, betäubt.

Ach wie eiskalt ist dein Händchen,
ach wie traurig ist dein Blick,
graut dir etwa vor dem Leben?
Komm zieh mit uns,
komm zieh mit uns in Krieg.

Durch die dunkle Nacht läuft ein kleines Mädchen,
weiß nicht recht warum, und nicht wohin.
In der Stille von tausen bunten Träumen
liegt doch sowieso kein Sinn mehr drin.

Das Papier, weiss wie Schnee, rot wie Blut, ihr Haar so schwarz wie Ebenholz.
Katinka.
Träume ohne Sinn. Oder Doch? Visionen. Ich finde Katinka in diesem Gedicht. Tausend Beweise dafür.
Ich lache und betrachte mein Werk. Alles so klar auf einmal.

Fuck their expectations
You're the only one who reigns
Create your own thing
Don't care if they say you won't succeed

Ich bilde mir das nicht ein. Die Worte die ich lese werden gesprochen, von Wolfenstein. Niemanden etwas schuldig oder?

Hellfire rages in my eyes
Blood will fall like rain this night
The coming curse, the anti-Christ, I am the Watcher's eye
I vindicate and cleanse the Earth of all mankind

Thomasso, teurer Freund, spricht über die Vampire, sagt mir die Wahrheit, warnt mich und fasziniert mich im selben maße mit diesen Grausamkeiten. Spricht von dem was ich in Malekins Augen sah.

The voices are calling
Out of this life, I'm falling
There is one choice, that I see
In raging flames, The Dark One awaits

Existence of one man
Hatred with no end
My madness, my sadness
I am my own savior
Malekin.

{”Wie wird man seinen Schatten los? Wie lässt man alles hinter sich? Wie jagt man sein Gewissen fort? Wie flieht man vor dem eignen ich? Wie kann man flüchten, wenn man sich selbst im Wege steht?”}

Meine Euphorie über meine vermeitliche Erkenntnis verebt. Es ist nicht wichtig. All die Warnungen, die Zureden, die Hilfe Angebote, die Verlockungen, die Liebe, die Angst und der Hass. Hate ist just a four letter word. Alles völlig egal. Ich fühle mich mich Bastian Balthasar Bux in der unendlichen Geschichte, der alles erlebt, nur um erkennen zu müssen, dass es nicht um das Ziel geht, sondern um den Weg. Der Weg ist das Ziel. Ich könnte kotzen.
Mich würgt es in der Tat.
Die Klarheit, die sich in mir ausbreitet, verhöhnt mich. Von Anfang an. Von Anfang an hätt ich es wissen müssen. Hab ich es gewusst. Wozu mich gequält? Wozu gelitten?
Some Kind of masochism?
Toth im Spiegel nickt zufrieden und kehrt zu mir zurück.

Wie kann man flüchten, wenn man sich selbst im Wege steht?
WIE kann man flüchten, wenn man sich selbst im Wege steht?
Ich will nicht flüchten. Ich will mir nicht im Wege stehen.

Die Papierschnipsel liegen weiss und unbefleckt um mich herum.
Ich lächle sanft.
Ich bin die einzige, die noch normal ist.
Die einzige mit gesundem Menschenverstand.
Ich nehme das Messer, setzt es an meinem Handgelenk an und zwinge die Klinge durch die Haut.
Es tut erbärmlich weh.
Blut quillt sogleich aus dem Stich.
Will ich ein Monster sein?
Noch ein Stück tiefer. Fast sehe ich, wie das kalte Metall in mir durch das Fleisch, die Sehnen, die Adern dringt.
Will ich töten?
Darf ich zulassen, dass sie mich töten?
Mir meine Menschlichkeit nehmen?
Mir meinen Verstand rauben?
Ein Brennen, meine Hand fühlt sich taub an.
Diesmal tropft echtes Blut zu Boden.
Wir sehen uns im Fenster.
Wir sehen uns im Spiegel.
Will ich ein Tier sein?
Will ich das Tier in mir kennenlernen?
Früher oder später……..grinst das Tier…
Ich lache unhörbar, ziehe das Messer aus meinem Unterarm und trinke was ich mir selbst gebe. Ich hasse diesen Geschmack. Aber die leise Ahnung, dass es das wichtigste sein wird für mich, lässt mich schlucken…solange bis meine Quelle versiegt.
Dann übergebe ich mich.

….gehörst du mir!

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Kopfkrank

Grelles Licht.
Ich schließe meine Augen.
Bum-Bum-Bum-ba-Bum. Mein Herzschlag tut was er will.
Schmerz in meine Kopf. Was ist geschehen?
Wieder dieses Licht.
Ich öffne meine Augen und sehe zu ihm.
Der Wahnsinn hat einen Namen. Malekin.
Was ich sehe, ist mehr als mein Verstand fassen kann. Meine Lippen öffnen sich, und ein Schrei dringt aus meinem Innersten – so laut – so gellend… Und dennoch drückt er nicht mal im Ansatz aus, welcher Schrecken mich plagt. Ich bin nicht die einzige die Schreit. Alle Schreien. All die mächtigen Monster liegen am Boden, wie quiekende Mäuse. Mein Knie versagen. Meine Hände legen sich auf mein Gesicht. Keine Sekunde länger. Keine Sekunden länger, will ich DAS ansehen müssen.

Malekin et Malfeis… Und das zwischen Ihnen… Schlimmer als sterben.
Katinka klagt, wie die Weiber auf Hvar, die um ihre toten Söhne trauern. Ihr Weinen bricht mir das Herz und Tränen rinnen über mein Gesicht. Malfeis steht im Raum, wie der wahrhaftige Selbst und ich begreife, warum Menschen an Götter glauben. Wir liegen dar – uns windet im Schmerz. Eine kleine Bewegung seiner Hand, und die letzten, die widerstanden haben, beugen wimmernd ihr Knie. Wolfenstein. Malekin, muss tot sein. Er war es, dem dieses Geschenk galt. Wir, die im Raum waren, erfuhren nur einen Abklatsch des Wahnsinns – nur ein Hauch dessen, was IHN berührte. Kann man Wahnsinn mit Wahnsinn bekämpfen?
Mein Kopf tockt leise gegen die Wand hinter mir. Von einer Sekunde auf die andere, wurde aus einer Party  ein Schlachtfeld.

Alles was vorher war, scheint Jahre vorbei. Die nette Kulisse. Das Theaterstück. Der Gedichtwettbewerb. Die amüsanten Gespräche. Kantinkas Ehrlichkeit. Sam, die lacht. Wolfenstein, mit den blitzenden Augen. Thomasso, der auf mich achtet. Lyra, die mir immer noch so menschlich scheint. Josephas wärmende Nähe. Eine Farce. Alles ist Nichts. Unwirklich im Vergleich, zu dem was ich gerade fühle.
Schon vorbei. Malfeis verlässt die Bühne und lässt uns zurück, ohne sich nur einmal umzuwenden. Er macht sich nicht einmal die Mühe unsere Jämmerlichkeit zu belächeln. Applaus, Applaus! Malfeis gleich Malekin hat seine Vorstellung beendet.
Und schon bald danach, rappeln sich die ersten auf. Kriechen sie aus ihren Höhlen, wie die Würmer nach dem Regen das schützende Erdreich verlassen. Auch Malekin.
Aber an mir geht das alles vorbei. Keine Tränen auf meinem Gesicht. Die, die ich Freunde nenne, greifen nach mir, streicheln über meinen Kopf. Ich weiß was sie denken. Sie denken, wenn es für sie schon so schlimm war, wie muss es dann für mich gewesen sein? Ich armes Kind. Arme Anna. Besorgte Fragen. Fragen, Fragen, kann nichts sagen,  Plagen, Klagen, kann's nicht wagen zu versagen. Ich lache unberührt und schiebe sie von mir. Für was halten sie mich? Meine Knie sind noch immer weich, doch ich erhebe mich, ohne zu wanken. Unruhe in mir. Josepha blickt mich verwirrt an, noch nie habe ich ihre helfende Hand von mir geschoben. Noch nie hatte ich weniger Hilfe nötig. In mir brennt es. Wut. Hass. Ich bin es leid. So leid. Ein Wahn, kein Sinn… sieh was ich bin… ich lebe, ich bebe. Ja ich bebe. Ich hole Luft und drehe mich einmal um mich selbst. Überblick gewinnen. Die fragenden Blicke, derjenigen die mich kenne ignoriere ich geflissentlich.  Hilf dir selbst dann hilft dir….. Malfeis? Wie? Egal.
Ah. Wolfenstein. Er hängt in einem Stuhl, wie ein benutzter Waschlappen. Ein seltsames Grinsen huscht über mein Gesicht, ich wische mir die Hände an meinem Rock sauber und gehe zielstrebig auf ihn zu. Es gibt ein Buch, dass da heißt ‘ Vom richtigen Zeitpunkt’… Ich brauche so was nicht. Ich WEISS, wenn die richtige Zeit gekommen ist.  Ob mir Irgendwer im Weg steht, bis ich beim ihm bin, bemerke  ich nicht. Ich bleibe zwischen seinen Beinen stehen, stützte eine Hand links von ihm, eine rechts von ihm auf seiner Stuhllehne, beuge mich vor und blicke ihm in die Augen.
    “Wann hast du mich von dir trinken lassen…? ” Flüstre ich leise, so zärtlich als würde ich zu einem Geliebten sprechen.
Ein Lächeln, huscht über sein Gesicht. Ein Wolf der von seiner gerissenen Beute spricht. Ein Vater, der stolz die Cleverness seiner Tochter würdigt. Ein gebrochenes Tier, dass eine Wunden leckt und nicht die Kraft hat zu lügen…. Und ich hab's gemerkt.
    “An dem Abend, an dem du dachtest Katinka sei tot. ”
Ich schnaube abfällig, und kann ihn immer noch nicht hassen. Wie viel Kraft liegt in ihrem Blut? Kainiten Blut.
Ich will ihm drohen. Will ihm klarmachen, dass ICH keine Spielfigur bin. Ich bin kein Nichts. Ich will sagen, dass er mir mehr von sich geben soll…. und würde es niemals tun, schon aus Trotz.. Ich will ihn auslachen, weil ich –  kleiner Mensch – , einen Ravnos … Die Meister der Lügen… ausgetrickst habe. Aber ich weiß, dass er mir diesen kleinen Sieg gönnt. Wie viel Spaß macht schon ein Spielzug, wenn ihn niemand würdigt. Und dafür hasse ich ihn doch. Ich stoße mich von ihm weg und gehe Richtung Ausgang.
Und da steht Thomasso. Irgendetwas an ihm scheint mir anders. Ich bin mir nur noch nicht sicher was. Eine Idee. Meine Hand auf seiner Schulter. Ich schmiege mich von hinten an und Flüstre ihm ins Ohr… leise, leise… wohl wissend, wie viel ihm an  mir liegt. An mir und meiner Freiheit, mich für ihn entscheiden zu können.
    “Er hat mir von seinem Blut gegeben…. ”
Er wirbelt rum und sieht mich an, und ich?….. ich  werfe.. einen fast beiläufigen Blick auf Wolfenstein und trete einen kleinen Schritt beiseite.
Ins Wasser fällt ein Stein, ganz heimlich still und leise, und ist er noch so klein, er zieht doch weite Kreise.
Dann stehen die beiden sich gegenüber. Kälte in mir. Genugtuung. Was sie reden höre ich nicht. Muss ich aber auch nicht. Ich genieße die Spannung. Ich kann die Macht der beiden förmlich fühlen. Aufgeladen. Unter Strom. Und das kribbelt auf meiner Haut. Thomasso räuspert sich und ich erkenne es wieder. Damals bei einer Geisterbeschwörung habe ich dieses Räuspern schon gehört, und jemand den ich gar nicht leiden konnte, lernte ich kennen. Und plötzlich mache ich mir Sorgen. Plötzlich fühlen ich mich schwach. Plötzlich habe ich Gewissensbisse. Da stehen zwei Wesen, die mir am Herzen liegen und sind kurz davor sich an die Kehle zu gehen. Ich muss das korrigieren. Muss es wieder richten. Ist doch alles nicht so schlimm. Ich versuche zwischen die beiden zu treten und sie zu trennen. Doch sie nehmen mich gar nicht wahr. Aber ich bin konsequent… und schließlich wendet sich Thomasso mir zu und erklärt mit rauer Stimme und unschönen Worten, wie wenig ich Wert bin und dass es wohl besser wäre, wenn ich das Weite suchte.
Das sitzt! – und ich entschwinde nach draußen. Unwillig, denn ich habe nichts entgegen zu setzten. Menschen sind so… Unwichtig. So schwach. Ich will kein Mensch mehr sein.

Ich habe mit Katinka geredet, habe ihr Vorwürfe gemacht. Habe geschrien, Dinge durch die Gegend geworfen und massenhaft Zigaretten geraucht. Thomasso kam später hinzu, hat sich entschuldigt… für die Dinge, die er aussprach, dass ist mir wichtig… aber ich kann es ihn nicht sagen. Eine Träne auf seinem Gesicht. Aus Blut. Sie weinen blutige Tränen und irgendwie nimmt mir das die letzte Kraft.
Also sitze ich irgendwann da, wie eine leere Hülle. Singe immer wieder leise vor mich hin, dieses Lied, dass ich irgendwie für Katinka geschrieben habe. Ein Wahn, kein Sinn…
Sie ist bei mir, wir reden. Und ich glaube sie weint fast, als ich ihr sage, dass ich kein Mensch mehr sein will. Aber ist es Trauer oder Freude? Beides wohl. Und Sorge. Malekin kommt hinzu, und noch nie hatte ich weniger Angst vor ihm. Trotz all der Geschehnisse.
Die Beiden, zwei Seiten der selben Sache und beides liegt mir Nahe.
Sein kalter Wahnsinn und ihre warme Verrücktheit. Oder war es doch umgekehrt?
So viele Dinge liegen klar vor mir wie noch nie. Und ich empfinde mehr Liebe, als ich meinem Ziehvater je entgegenbrachte. Oder verwechsle ich dieses Gefühl mit der quälenden Sehnsucht, die ein Heroinabhängiger nach dem nächsten Schuss verspürt? Macht es einen Unterschied??
Ihre Hände liegen auf diesem Buch. Malekins Tagebuch. Malekin gleich Katinka und die beiden reichen es mir im stillen Einvernehmen. Und ohne Zögern greife ich danach, berühre sie… sie berühren mich… und dann ziehe ich es an mich… Und es gibt nichts weiter zu sagen.

Wieder dieses grelle Licht.
Ich öffne meine Augen und blicke an die dunkle Zimmerdecke. Schweiß auf meiner Haut. Kälte in mir. Hass und Wut. Angst. Meine Hand tastet nach dem kleinen Buch das neben mir auf dem Nachtisch liegt.
Mein Kopf ist krank.
Ich kann es nicht an mich nehmen. Ich kann es nicht loslassen. So schlafe ich wieder ein.

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Sonnenstrahlen

 Fronleichnam hm? Wieder  auferstanden von den Toten hm?
Wenn die alle wüssten…
Wenn die alle, wie sie heute rumbeten und dem Herrn im Himmel danken, dass der ach so eingeborene Sohn auferstanden ist von den Toten… Wenn sie wüssten, dass er bei weitem nicht der erste war. Ich sehe Werbebanner vor mir.
Lust auf Wiederauferstehung??? SIE können das auch!!!  Bewerben sie sich jetzt 0800CAMARILLIA … Und sie werden sehen, sie müssen nicht Sohn eines Gottes sein, um mit dem ewigen Leben geschlagen zu sein.
Ich könnt mich scheckig lachen.

Ich liege schmunzelnd in meinem Garten. Eine Zigarette, eine Dose Red Bull. Die Sonne brennt auf meiner Haut. Ich schließe die Augen und genieße es, mehr als ich es früher getan habe. Eigentlich hielt ich es immer so, tagsüber zu schlafen und nur Nachts aus dem Haus zu gehen. Aber wenn man seine Zeit mit Wesen verbringt, die das scheinbar selbstverständlichste auf der Welt meiden müssen, weil es ihnen den Tod brächte – dann beginnt man, dann beginne ich damit, meine Welt mit neuen Augen zu betrachten…

Meine Gedanken kreisen um Wolfenstein. Obwohl er so frei war, mir mitzuteilen, dass er mal wieder auf Reisen geht, hatte ich die heimliche Hoffnung, dass er vielleicht doch auf das Elysium letzten Samstag kommen würde. Natürlich war er nicht das. Und auch wenn ich es mir nur ungern eingestehe und schon gar niemand anderem, ich war enttäuscht. Zu dumm. Ich wollte ja nur ein wenig mit ihm reden. Es tut gut mit ihm zu reden. Mehr will ich ja nicht. Wirklich nicht. Aber ich hatte Hemmungen jemanden zu erzählen, dass ich ihn vermisse… (Ach vermissen wir ihn jetzt schon?). Sie hätten mir nur wieder die Ohren zugesülzt.
Seufzend drücke ich meine Zigarette im Aschenbecher aus. Ich sollte fair bleiben. Wenn man mittendrin steht verliert man leicht den Überblick, nicht dass ich das nicht wüsste.

“Sie ist ja so naiv… ” Höre ich Christophers Stimme. Blanker Hohn.
Aber Katinka, sie habe ich gefragt, was sie von Thomas hält.
“Der scheint mir ganz in Ordnung, oder? ” Hat sie gesagt. Wenigstens eine.

Das halbe Elysium habe ich damit verbracht mit ihr so einen Fragebogen auszufüllen. Die ganzen ach so schrecklichen Vampire, mit Bleistiften in der Hand, in Papierkram vertieft. Wie in der Schule. Zum Schreien komisch. Die anderen scheinen das mit großem Ernst zu betreiben. Katinka – nun, sagen wir sie betrachtet das ganze mit einer sehr eigenen Art der Ernsthaftigkeit. Welchen Rang sie unter den Kainiten einnimmt? Pechmarie – schreibt sie, kurz und schmerzlos. So geht das den halben Fragebogen lang. Wir hatten Spaß muss ich sagen.
Mitten drin unterbricht uns die, oder eigentlich, der Harpyer. Gibt es männliche Harpyen? Und wie schreibt man das? Auf jeden Fall donnert der uns, Severius Drake ( Ja Servus Drake) heißt er, eine ganz schöne Ansprache hin. Von wegen, Traditionen, Ehrerbietung und so weiter… Sind wir auf einem Knigge Seminar? Trotz all der schalkhaften Dinge die mir durch den Kopf eilen, erkenne ich, dass das was er uns zu sagen versucht bei anderen Domänen gang und gebe ist. Man nehme die Innsbrucker. Da wird kräftig das Knie gebeugt, wenn Prinzen oder Ahnen oder so was um den Dreh, den Raum betritt. Ich frage mich nur, ob ich mich präventiv vor jedem in den Staub werfen soll, weil ich keinen blassen Schimmer habe, wer nun wichtig ist und wer nicht. Aber im Zweifelsfall häng ich mich einfach an Katinka.
Die Rede dauert so ein Weilchen, ich denke es ist wohl wichtig und es kostet ja nicht die Welt, seiner Ehrerbietung mit ein paar Turnübungen Ausdruck zu verleihen. Man demonstriert wie man sich verschieden Vorgänge vorstellt.
Malekin, wie spricht man den Prinzen an?
Und da geht er hin, buhlt sich etwas zwischen den Zähnen hervor –  gerade dass er sich nicht demonstrativ am Hintern kratzt –  und murmelt in einem etwas besserem Stefan und Erkan Dialekt.
    “ Jo, Prinz…”
Die Menge entsetzte, der Harpyer entgeistert, die Malkis….johlend.
    “….das wäre München noch vor einem Jahr gewesen..” Vollendet Malekin seinen Satz und besänftigt damit die Gemüter wieder. Um der Tradition genüge zu tun, führt er uns noch vor, wie es denn richtig geht. Aber ich, ganz heimlich für mich, fand Variante No.:1…blumiger.
Als der Knigge Referendar mit seiner Ansprache fertig ist, stürzt sich Katinka wieder auf ihren Fragebogen. Scheinbar ist ihr etwas zum Thema ‘Was würden sie an Elysien ändern ?’ eingefallen.
Der Prinz nimmt sich noch Zeit. Er ehrt einige der Kainiten für ihren Einsatz im Kampf gegen die Sethiten…Schlangendinger. Von den gefallenen Namen sagt mir nur Sam was. Und Lasall. Lasall herzlos? DAS wussten wir schon vorher und ich sehe in dem ein oder anderem Blick, dass sie sich ähnliches denken wie ich. UND…
Der Prinz stellt in der Öffentlichkeit fest, dass Anna Toth unantastbar ist.
    “Und um das noch ein für allemal klar zu stellen, Wen jemand der Anwesenden etwas gegen Frau Toths Aufenthalt in der Domäne zu sagen hat, dann möge er jetzt sprechen, oder für immer schweigen!”
Mir bleibt glatt sie Luft weg. Mit klopfendem Herzen hebe ich meine Kopf und blicke zu Schlayer. Ich sehe ihn schon aufspringen und anklagend auf mich zeigen. Doch seine Mimik ist wie immer undeutbar. Und er schweigt!

Noch eine Stunde zuvor, steht er wie ein Racheengel hinter mir, greift ohne zu fragen nach meinem Handgelenk und hält es fest. Ich erspar mir die Schmach und versuche nicht mich loszureißen. Ich blicke nur zur Seite, um ihn nicht sehen zu lassen, dass es mich ärgert wenn er so mit mir umspringt.
    “Also noch immer! ” Ist alles was er sagt.
    “Wie? Du musst meinen Puls fühlen um zu merken, dass ich noch lebe? ”  Sag ich schnippisch, na ja, ich denke es zumindest, aber dafür sehr schnippisch.
Schon ist Josepha da und drängt sich schützend zwischen mich und den Oberst. (Schlagoberst), weist ihn ein weiteres Mal darauf hin, dass es in Übereinkunft mit dem Prinzen so abgesprochen ist, dass ich lebe. Und Schlayer erwidert nur irgendetwas in der Richtung, alles andere wäre auch inakzeptabel oder so. Dann lässt er mein Handgelenkt wieder los, als wäre es etwas nutzloses überflüssiges, dass er nicht länger als notwendiger Weise berühren will.
Pfffffffff..

Ich räkle mich in der heißen Nachmittags Sonne und entzünde eine weitere Zigarette. Wenn ich nur könnte wie ich wollte! Den beißenden Rauch in der Lunge genießend, gönne ich mir den Spaß und male mir aus, wie es wohl wäre den Schlayer… Heinrich (kicher)… Dann und wann aus der Fassung zu bringe. Nach dem Motto wenn ich mal groß und stark bin werde ich… Ich grinsel schalkhaft vor mich hin. Für ein paar Momente lass ich mal außer acht, dass man einen Brujah wohl nicht piesacken sollte. Ungesund sagt man. Es macht mir diebische Freude, wenigstens in Gedanken, den Besen den er verschluckt haben muss, verschwinden zu lassen. Doch meine Überlegungen finde ein jähes Ende, als ich versuche mir ein Lächeln in Heinrich Schlayers Gesicht vorzustellen. Da heißt es immer, bei Frauen und Technik würden zwei Welten auf einander prallen. Ha. Die haben ja keine Ahnung.
Ob schon mal jemand gewagt hat ihn Heini zu rufen? Ich spucke fast meinen Red Bull wieder aus bei dem Gedanken. Nein, an dummen Ideen würde es mir nicht fehlen.
Und dank dem Prinzen, darf ich ihm jetzt zumindest freundlichst ins Gesicht grinsen, wenn er sich darüber mokiert, dass ich lebe. Wenn ich mich denn trau.

Meine Gedanken kehren zu dem Elysium zurück.
Das Elysium ging schon gegen Ende…
Ich sitze mit Katinka am Malkavianer Tisch. Meine Blicke folgen Nicolas Time. Was für ein kaltschnäuziger …. Was weis ich, aber sehr ekelig auf jeden Fall. Also Time geht durch den Saal, da lässt der Ghul, der uns schon den ganzen Abend höflichst bedient, alles Fallen , zaubert ein Maschinen Gewehr hervor und nieten den Kerle einfach um.
    “Tod dem Verräter!” Ruft er noch. Obwohl der Lärm ohrenbetäubend ist kann ich nicht mehr tun, als mit großen Augen aufzuspringen und das Szenario ungläubig anzustarren. Katinka ist es, die mich  zu Boden wirft. Sie denkt mit.
Danach ist der Tumult groß. Der Ghul wird gesichert. Time lebt und ich drücke mich an die Wand, nicht dass er auf die Idee kommt, seinen Blutverlust mit ein wenig Blut ala Toth auszugleichen.

Wie in einem Ameisen Haufen wuselt alles durcheinander… Tausend fragen. Der Ghul wird rausgebracht. Katinka nimmt mich an der Hand und wir folgen. Will ich sehen was da gleich geschieht? Ich klebe an der Glasscheibe und blicke nach draußen. Werden sie diesen Menschen jetzt einfach töten?
Ich bin verwirrt?
Wer zum Teufel versucht den eine Kainit mit einem Gewehr zu töten? Soviel hab doch sogar ich schon kapiert. Meine Ohren dröhnen noch immer.
Ich sehe wie Nicolas vor dem Ghul steht. Nicolas – Ghul… Mir schwirren Gedankenfetzen von Gesprächen durch den Kopf und dass ganze mausert sich zu einer ungeheuerlichen Theorie. Fletchers Visionen sind ein Dreck dagegen. Ich habe meine Zweifel daran dass der Ghul lange genug leben wird um einer ordentlichen Befragung beizuwohnen. Ich würde… Sozusagen darauf Wetten.

Ich dränge Katinka meine Gedankengänge auf und nein wir spielen nicht schwarzer Peter.
Only Time can tell….. Sagt sie so passend. Aber ich spüre, dass sie meine Bedenken nachvoll ziehen kann.
Andererseits wird es innerhalb kürzester Zeit tausend Verschwörungstheorien geben…
Mal sehen.

Wenn Thomasso hier wäre…

Und da war noch das Gespräch mit dem unausprechlichem, auch etwas, über dass ich in Ruhe nachdenken sollte…

Ich lasse die mittlerweile verrauchte Zigarette in den Aschenbecher fallen.
Wann Wolfenstein wohl wieder zurück kommt?
Ob er an mich denkt?
Und warum interessiert mich das eigentlich….

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Zwischenspiel I

Die Nacht von Montag auf Dienstag ist regnerisch – wer kann schon sagen, wohin es Anna nachts zieht? Und warum? Ihre Augen sind jetzt offen – oder besser… halboffen. Sie schläft nicht mehr wie die anderen sondern kann zumindest einen Teil der Dinge erahnen, die sich wirklich in der Nacht abspielen. Irgendwann zwischen drei und vier rollt Annas Wagen über eine matschige Arbeitsstraße in der Nähe von Planegg. Was treibt sie? In der ferne hört sie ein Klagen, wie von einem verwundeten Tier. Dann wieder Stille. Anna steigt aus, sieht sich um. Ein Weg, zwischen ein paar Bäumen hindurch und auf einmal steht sie am Abgrund. Der Mond bricht durch die Wolken und nun kann Anna sehen, daß sie über einer Kiesgrube steht. Das Mondlicht wird matt und kalt in den großen Pfützen am Grund der Grube gespiegelt und reflektiert. Inmitten dieser kleinen Seenlandschaft steht ein olivfarbener Unimog mit Pritsche. Keuchend steht dort eine gebeugte Gestalt, stützt sich auf die Motorhaube. Langsam richtet sie sich auf und im fahlen Mondlicht erkennt Anna… Den unbeugsamen Brujah. Aber nicht der, den sie kennt. Keine Sonnenbrille, auch kein Schwert. Hemd und Hose sind klatschnaß, er muß schon länger da unten stehen. Seine linke Hand sieht aus, als wäre sie stark verletzt, dick und angeschwollen. Und auf einmal begreift Anna, daß er weint – kaltes rotes Blut rinnt aus seinen Augen über seine Wangen. Sein Mund öffnet sich und wieder hört Anna diesen klagenden Schrei und im nächsten Augenblick, schneller als Ihr Auge es wahrnehmen kann, drischt er seine linke Faust in den nackten Fels, immer und immer wieder, mit einer Wucht, als würde eine Abrißbirne den Fels treffen. Nach zwei oder drei Minuten, die Anna wie eine Ewigkeit vorkommen, endet der Ausbruch. Die Hand ist kaum mehr als eine rote, breiige Masse, als sich Schlayer wieder gegen den Unimog lehnt, wie betäubt. Anna zaudert einen Moment und zieht sich dann vorsichtig zurück – ihn jetzt zu stören scheint keine gute Idee zu sein. Als sie in ihren Wagen steigt hört sie ein letztes mal sein Klagen von Verlust und Trauer.

….. Als er aufstand, an dem Morgen, der sein letzter war. Schien die Sonne und die Vögel kreischten laut.
Eine Woge von Verlangen stürzte über ihn und klebriger Tau bedeckte die Haut
Durch den Aderblauen Himmel ging ein breiter Riss, dunkle Wasser brachen über ihn herein.
Eine unbekannte Macht erhob sich tief in ihm und mit einem Mal war ihm alles klar.das nichts mehr so wie gestern war…….

Ich sitzte in meinem Wagen. Mein Spiegelbild in der Frontscheibe betrachtet mich unentwegt. Dieses Lied spielt leise und für das zehntel eines Augenblickes wage ich zu ahnen wie es sein könnte, so zu sein wie sie.
Hab ich geträumt? Mein Herz klopft noch immer, als hätte mich jemand gejagt. Obwohl ich ganz leise gegangen bin. Wortlos. Gestenlos.
Nicht das was ich tun wollte. Aber das was ich tun musste. Und ich bin mir nicht völlig sicher ob mir, oder ihm zu liebe.
Dieses Bild will nicht aus meinem Kopf.
Wie er da steht. Tropfnass. Die Reste seines Schreies vibrieren noch in mir. Wie er sich seine Hand an dem Felsen zertrümmert. Alles in mir wehrt sich bei der Vorstellung wie schmerzhaft das sein muss. Doch Schmerz ist ein feiner Arzt – ich weiss das. Äusserer Schmerz betäubt den Inneren. So ist es und so wird es immer sein.
Aber ausgerechnet bei ihm?
Wie soll ich ihm jemals wieder in die Augen sehen? Doch er wird sich nicht wundern wenn ich es nicht tu. Wo ich mich doch so sehr vor ihm fürchte.
Ich schließe meine Augen, um mich nicht mehr zu sehen. Um ihn nicht mehr zu sehen.
Ich fühle Mitleid in mir. Wortwörtlich. Weit entfernt von all den Sachen die man bemitleidet, sonder mit – leiden. Ich habe das bedürfnis zu weinen und kann nicht, weil es nicht meine Tränen wären und ich nicht weiss, ob ich sie vergießen dürfte.
Warum?
Ein Mann…..also ein Wesen… wie er, dass strozt vor Kraft und Unbeugsamkeit?
Was in dieser Welt wirft ihn so zu Boden?
So derart.
Als er mir kurze Einblicke in seine Vergangenheit gewährte, ahnte ich, dass womöglich mehr in ihm ist, als er alle glauben macht. Doch wieviel mehr?
Und dieser Kampf. Ich sehe wie die beiden umeinander schleichen. Tiere auf der Lauer.
Diese Gestalt will mich so garnicht an diesen Kämpfer erinnern…oder doch?
Ist es das was ihn so trifft?
Ich glaube  es nicht, er hat verloren wie ein Mann, soviel Leid wegen eines Kampfes?
Wenn, müsste schon viel mehr dahinter stecken als ich ahnen könnte.
Meine Hand liegt an der Tür. Aufstehen will ich. Zurückgehen. Trost geben. Trost für einen…Brujah?
Schwach bin ich. Kann nicht mehr tun, als denken und fühlen. Sie haben recht. Einfach sind wir Menschen.
Was mag geschehen sein?
Und ist das geschehen was ich da zu sehen glaubte?
Aber ich werde sehen, wenn ich ihm das nächste mal begegne.
Ich werde es in seinen Augen sehen.
Ganz ohne zauberei.
Wenn ich es denn wage hinein zu blicken.

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Verbundenheit

22.Mai. 2002 
 
Mittwochabend, es geht so gegen 22 Uhr. Ich setzte einen Fuß vor den anderen immerzu, die Luipoldstraße entlang, an deren Ende mich die Feldherrenhalle erwartet. Ich weiß, dass sie dort sein werden – die Malkavianer. Das er dort ist… Und sie nicht. Aber macht es einen Unterschied? Beide sind Malekin, doch die eine liebe ich und den anderen fürchte ich und was daran so richtig seltsam ist – manchmal kann ich nicht mit Sicherheit sagen, ob es nicht vielleicht doch umgekehrt ist… Das ich ihn liebe und sie fürchte… ?
Einerlei.
Zwei Seiten einer Medaille und wenn man sie anschubst und sie sich um sich selbst dreht verschwimmen die Grenzen.
Einerlei…
Keiner von Ihnen ist überrascht als ich ankomme. Natürlich nicht. Ihre Gespräche muten mir seltsam an, beinah untypisch. Ich wage nicht so recht mich einzumischen. Ich glaube, ich bin einfach anderer Meinung, ich denke Katinke wäre anderer Meinung, doch vielleicht ist es einfach nicht wichtig – oder es scheint mir einfach so.
Schließlich verlassen wir, wie auf einen Startschuss hin, unseren Platz und ziehen hinüber in den Garten. Die Straße überqueren wir einfach, ohne uns zu vergewissern, ob dort Autos sind. Es sind welche da, aber keines muss anhalten. Es so als wäre es der perfekte Zeitpunkt um hinüber zu gehen. Meine Güte, man kann wirklich in alles etwas rein interpretieren, wenn man will. Wer soll da nicht verrückt werden?
Ich rede mit Josepha über ihr Kind. Zugegebener Maßen ein Floh, den mir der Wolf ins Ohr gesetzt hat. Nichts desto Trotz hat er recht. Wo ist denn Josephas Kind? Warum gestattet man ihr nicht, sich darum zu kümmern? Schließlich muss sie auch die Misslichkeiten dafür in Kauf nehmen. Während unser Gespräch ein wenig abdriftet.( Warum sie sehen kann wenn andere Lügen. Wie das mit den Aura Farben ist.) Führt uns Malekin? Zu einem seltsamen Grab, mitten in diesem Garten.
Sechs Betonblöcke. Auf denen ein großer Stein ruht. Zwischen den Blöcken hindurch führen Treppen hinunter. Dort gehen wir hin. Es ist dunkel. In der Mitte des Sechseckigen Raumes liegt die Abbildung von irgendwem. Ich kenne ihn nicht.   Ein Grab wohl. Ich fühle mich ein wenig unwohl. Malekin schleicht umher wie ein Tier. Jospepha stiert in die Dunkelheit, als könne sie Dinge sehen, die mir verborgen bleiben. Ihr Bruder, George hat etwas unheimliches an sich. Hat er nicht gegessen? Bei dem Gedanken schauderts mich. Und Christopher? Von ihm sehe ich nur die dünne Silhouette gegen das fahle Mondlicht. Ein verrückter Tremere. Auch bei diesem Gedanken läufts mir kalt über den Rücken.
Da erhebt Malekin seine Stimme. Oder besser, er spricht und alles um ihn herum wird so leise, dass seine beinah flüsternden Worte gut zu verstehen sind.
Hineingesogen in seinen Bann. Er hat zu jeden etwas zu sagen. Auch wenn ich mich an die Worte selbst nicht mehr erinnere. Es ist, als würde er in jede Wunde Salz streuen. Auch in seine eigenen. Masochismus in jeder Hinsicht?
Dann verändert sich alles.
Der Raum in dem wir standen wird zu einem Würfel. Geschlossen auf jeder Seite. Wände in denen wir uns selbst wieder sehen. Für eine kurze Sekunde droht meine Angst vor geschlossenen Räumen durchzubrechen. Aber irgendwie fehlt das Gefühl vom Eingesperrt sein. Die Maserung der Wände drehen und wenden sich, oder vielmehr, die Wahrnehmung , meine Wahrnehmung ändert sich so, dass ich das Muster, das schon immer da war, erkennen kann. Wie eine Karte. Und in dieser Karte unsere Gesichter. Wir. Malekin. Katinka. Malfeis. Josepha, Georg, Christopher. Anna. Das zwei von ihnen nicht? körperlich anwesend sind wundert mich irgendwie nicht. Ein seltsames Knurrendes Geräusch, dass Unheil verspricht. Wirre Bilder in meinem Kopf. Dinge die ich sehen will? Ein Schatten über alle dem, und als ich das Gefühl habe, davon laufen zu wollen, weil mir das Grauen den Boden unter den Füßen wegzieht, hören wir auf Individuen zu sein.
Die Umrandung meines Körpers zerfließt, die einzelnen Teilchen streben in den Raum. Zwischen die Anderen. In die Anderen… Die Anderen, die ich sind. Nein. Wir, die Eins sind. All unsere Sorgen, so banal in Betracht dieser Einigkeit. Erfüllung. Kann das Liebe sein? So tiefes Verständnis, weil das Empfinden jedes einzelnen DAS ist, was ich fühle. Es gibt kein ICH mehr. Ich hab mich in uns verloren und finde mich wieder in allem. Kann das Wahnsinn sein?
Von der einen Sekunde zur nächsten stehen ich wieder am Kopf dieses Grabes. Ich weiche einige Schritte rückwärts, suche halt an der kalten Betonwand. Überwältigt von dieser Verbundenheit bleibt mir der Atem weg. Es muss wohl aussehen, als hätte ich mich erschreckt, aber das ist es nicht. Ich habe Schlichtweg noch niemals in meinem Leben eine derartige Nähe empfunden. Ich wage nicht zu sprechen und versuche, was ich erlebt habe festzuhalten. Noch nie war ich so allein, wie jetzt gerade. Wie heißt es? Man kann nichts vermissen was man noch nicht erlebt hat? Aber ich habe. Ich war mir immer genug. Ich war nie allein. Doch jetzt? Schwer Suchtgefährdet! George verkauft Drogen? Ich könnte bei dem Gedanken hysterisch kichern. Ob jemals ein Drogensüchtiger, eine Sehnsucht wie diese erlebt hat? Und könnte man das, was wir uns geschenkt haben als Droge verkaufen… meine Güte… was für eine Marktlücke.
Josepha kommt zu mir, nimmt mich in den Arm. Lächerlich im Vergleich zu eben, aber dennoch tröstlich. Nein, allein bin ich nicht.
Unser Weg führt uns raus und weiter… An einem Pavillon vorbei in dem einige Menschen zu lateinamerikanischen Rhythmen tanzen. Wir im Abseits –  in der Dunkelheit. Meine Blicke schweifen hin und her. Dort drüben, die Welt der Menschen… Und ich stehe unter den Jägern. Und leider kann ich nicht entscheiden, wohin ich mehr gehöre. Zum Leben oder zum Tod. Toth.
Unsere Gespräche verstricken sich. Philosophie. Moral. Lebt das Tier im Vampir und bricht dann und wann raus? Oder ist der Vampir das Tier und für die Ewigkeit darum bemüht es zum schweigen zu bringen? “Früher oder später “grinst das Tier….
Ein Brunnen. Eine Parkbank. Dort sitzen und reden wir. Und endlich stelle ich die Frage die mir doch auf der Zunge liegt. Thomasso hat mich gebeten Katinka nach ihrer Meinung zu fragen. Wolfenstein betreffend. Also frage ich Malekin. Eigentlich will ich nicht, denn ich ahne, dass sie mir sagen werden, ich könne ihm nicht trauen. Das will ich nicht hören.
Doch sie sagen es mir – und noch viel mehr. Sie schüren Zweifel in mir. Ich schiebe schmollend meine Unterlippe vor.
Ob ich ihn mag?
Ja.
Ob ich ihm vertrau?
Ja.
Ob ich mich in seiner Gegenwart wohlfühle?
Ja Ja Ja. Zum Teufel.
Ob ich von ihm getrunken habe…
Nein. Angeboten hat ers mir.
AHA! Als hätte er sich mit diesem Angebot selbst überführt, geht ein wissendes Lächeln über ihre Gesichter. Das ärgert mich. Sie wissen nicht wie es war. Sie waren nicht dabei. Sie können nicht verstehen, dass es keine Verführung war, sondern ein Angebot, weil ich neugierig bin. Mehr nicht. Und es ärgert mich.
    “Hat er dir etwas zu trinken gegeben?”
    “War er mit den Getränken allein? ”
Himmel für wie dumm halten sie mich. Und schon spricht Christopher.
    “Wie naiv sie doch ist… ”
BAH! Dafür würde ich ihm am liebsten übers Mundwerk fahren. Ich bin nicht naiv.
Ich würde es nicht merken, sagen sie. Ich könnte den Unterschied nicht festmachen, sagen sie. Niemand tut etwas ohne irgendwann die Rechnung zu präsentieren, sagen sie. Traue niemanden!
    “Euch auch nicht? ” Frage ich. Sie lachen als hätte ich einen Scherz gemacht.
    “ Wer sagt dir denn, dass du uns von allein magst? Vielleicht lassen wir dich das nur glauben!”
Keine Sicherheiten. Nirgendwo. Es zum verrückt werden.
Und tatsächlich muss ich mich fragen. Warum vertraue ich Thomas so sehr? Und wie könnte ich herausfinden, ob er mich manipuliert hat. Malekin könnte. Er könnte in meinen Kopf gehen und mir sagen, ob mich jemand verändert hat.
    “Aber willst du wirklich, dass ich in dich gehe. Keine Geheimnisse vor mir? ” Sein Blick ist krank und mir wird kalt. Die Frage, die mich noch viel mehr beschäftigt.. Was bleibt von ihm in mir zurück? Und will ich die Antwort wirklich wissen? Und kann ich dem trauen was er mir sagen wird? Ja.
Traue niemanden hin oder her. Glauben würde ich ihm.
Schon wieder ein Fehler.
Argh. Ich könnte mir die Fingernägel in den Kopf stecken und kräftig umrühren.
George geistert herum und es macht mich ganz wahnsinnig.
Wolfenstein ist nicht vertrauenswürdig. Ich WILL das nicht glauben. Verdammt!
Josepha erzählt Fabeln von Fröschen uns Skorpionen. Und das niemand aus seiner Haut könne. Was einem im Blute liegt. DAS verstehe ich. Ich spüre es mit jeder Sekunde die ich mit Ihnen, den Malkavianern, den Verrückten, verbringe.
Wenn ich dreimal von einem Vampir trinke, verliebe ich mich unsterblich. So sehr, dass niemand mich davor retten kann. Außer ich würde den Kuss empfangen. Danach wäre alles anders.
Das macht mir Sorgen.
Was wenn sie recht haben?
Was wenn der Wolf mir listig ins Gesicht lügt und ich schon längst an ihm hänge?
Aber kann ich mich so täuschen.
Nein, denke ich. Ja, fühle ich.
Nein, fühle ich. Ja, denke ich.
Und während ich Malekin noch frage. Wie es geht. Wie man sich verändert. Wie das mit dem Vergessen geht. Wer was kann. Verschwindet er.
Puff!
Und als wäre dass das Zeichen gewesen löst sich die Gruppe auf.
Die Musik ist verstummt. Das Wasser im Brunnen auch. Dunkelheit und  das Mondlicht umgibt mich.
Ob Gonzo hier ist?
Ich mache mich auf den Weg zurück zu meinem Auto.
Dumm bin ich nicht.
Naiv will ich nicht sein.
Wenn Wolfenstein ein Spielchen mit mir spielt, wird es höchste Zeit für mich… Alle Regeln zu vergessen.
Tu was du willst!
……….” Gehörst du mir! ”
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Anna und der böse Wolf

8. Mai. 2002

‘La Bouf’ heißt der Laden. Er ist  am Ende der langen Zeile in Erding. So gut wie jedes andere Café. Vielleicht besser. Nicht so viel los. Nichtsagenden Hintergrundmusik Nicht ganz so hell.
Ich krame mein Handy raus und blicke auf die Uhr. 21:24.
Einen Moment lang bin ich unschlüssig, dann suche ich mir eine etwas ruhigere Ecke, lege meine Jacke dort ab und begebe mich zum Nase pudern. Natürlich nicht wirklich.
Über das langweilige Waschbecken Dekor hinweg gebeugt, betrachte ich mein Spiegelbild auf der Damentoilette. Ein bisschen nervös bin ich  schon. Außerhalb eines Elysiums bin ich  faktisch Freiwild. Kein Recht, nein… Kein kainitisches Recht schützt einen Menschen. Mehr bin ich ja nicht.
Ich grummle kurz, aber als ich darüber nachdenke, wen ich gleich treffe, bessert sich meine Laune  zusehends.
Weiß der Himmel woher ich diese Weisheit habe, aber Thomas Wolfenstein fügt mir sicherlich keinen Schaden zu.
Schließlich ist er ja nett. Das leise aufmerken meines Unterbewusstsein, dass ‘nett ’ nicht unbedingt ein fundiertes Argument ist, ignoriere ich geflissentlich. Eh zu spät.
Als ich wieder zu meinem Sitzplatz zurück kehre, sitzt er schon dort. Und nicht nur das. Die Bedienung bringt Red Bull mit Eis und Zitrone. Nicht dass man Hellseher sein muss, um zu ahnen was ich wohl trinken werde. Trotzdem bin ich positiv angetan.
Ich setzte mich wieder an den Tisch. Lächle verlegen.
    “ Und? ” Frage ich. “ Zufall oder wusstest du dass ich hier sitzte? ”
Er lächelt seinerseits und sieht mir so tief in die Augen, dass ich nicht umhin komme meinen Blick umgehend auf die äußerst interessante Tischplatte zu lenken.
Schon ärgere  ich mich ein bisschen, dass ich sofort zurückstecke.
    “ Ist nicht alles irgendwie eine Art…. Zufall ? ” Antwortet er. Wobei es ja keine Wirkliche Antwort ist.
Malekin?
Wir floskeln eine  Begrüßung und ein wenig Small Talk..
Ich habe mir fest vorgenommen, dem bösen Wolf dass Messer auf die Brust zu setzten. Ich weiß nicht genau warum ich ihn Thomasso gegenüber so vehement verteidige. So unrecht hat er schließlich nicht. Und ich bin nicht so dumm, dass nicht zu erkennen.
Ich werde herausfinden was er will und ob er von Andraschke geschickt wurde.
Doch während wir so dahin plappern, über dieses und jenes sprechen, verliert sich dieser Vorsatz irgendwie. Es ist einfach zu schön, völlig frei heraus reden zu können. Über die Dinge, die mich beschäftigen, was lustiges geschieht, über Vampire im Allgemeine, über manche im speziellen. Er scheint mir ein unerschöpfliches Wissen zu haben und den Willen mir alles zu erzählen. Ich bin im Schlaraffenland. Und was er sagt, oder rät ist, na einfach sinnvoll. Völlig unabhängig von ihm. Ratschläge die mir ein Freund geben würde. Und so blind bin ich wirklich nicht, dass ich mir das einbilden würde.
    “Wie schmeckt Blut? ” Meine Stimme ist leise. Muss ja nicht jeder hören welche Gespräche hier am Tisch laufen. Gebannt betrachte ich ihn. Sein Blick schweift beiläufig durch den Raum, als würde er die Bedienung suchen. Dabei sticht er einem seiner seltsamen Ringe in sein Handgelenk, schneidet es ein Stück auf und leckt das Blut genüsslich ab.
Diese Geste scheint mir so obszön, dass ich nicht recht weiß ob ich weg oder hingucken soll. Ich sehe vorsichtshalber einfach geradeaus, so dass ich zumindest aus dem Augenwinkel mitbekomme was er da tut. Es macht mir eine Gänsehaut. Mein Herzschlag beschleunigt und beruhigt sich wieder.
    “Es schmeckt wie Feuer, aber anders…. ”
All seinen Worten kann ich gerade nicht folgen.
Er IST ein Vampir. Vergiss das nicht. Und welche Gründe du auch hast, ihn sympathisch zu finden. Frage warum!
Meine kurze Unsicherheit lässt mich den Weg wieder finden, den ich doch gar nicht verlassen wollte.
    “Hat Jana Andraschke dich geschickt? “ Frei heraus. So muss es sein.
Und ich suche seinen Blick, um eine mögliche Lüge zu erkennen. Bei Menschen kann ich dass ganz gut.
Meinem Blick hält er eine ganze Weile stand, während er schon zu reden beginnt. Er erzählt mir davon, wie lange beide schon in der Stadt sind. Wie es üblicherweise abläuft. Mutmaßt über ihre Person. Getroffen hat er sie noch nicht, versichert er mir. Alles ganz logisch und ich habe nicht das Gefühl, er hätte mich angelogen.
Doch wenn ich jetzt darüber nachdenke, fällt mir auf, dass er meine Frage ganz einfach nicht beantwortet hat. Er hat mir nur Dinge gesagt und mich eigene Schlüsse ziehen lassen.
Das Spiel kenn' ich doch.
Trotzdem will ich mich nicht über ihn ärgern. Im Gegenteil, ich bewundre ihn für seine Gewitztheit.
Hmpf.
Das nächste mal…..
Ich kann meinen Blick nicht so recht von dem Ring an seiner linken Hand lassen. Dem Ring, mit dem er sich geschnitten hat.
Die Gespräche ziehen sich von da nach dort. Über Josephas verunglimpftes Kind. Ein wenig Giovanni Geschichtsunterricht. Nichts, über was mich Thomasso nicht schon informiert hätte.
Thomas betont bei seinen Erzählungen das Thomasso… Hätten die sich nicht unterschiedliche Namen geben können? …sind sie doch sonst so unterschiedlich!… Dass dieser nichts mit der schlimmen Vergangenheit zu tun hat. Außer das Blut zu teilen. Ich muss schmunzeln und mich fragen, ob er das betont, weil er das so meint, oder weil er weiß, dass ich das gut finden werde.
Wie wird man Ghul?
Warum trinken Menschen freiwillig das Blut der Vampire?
    “Willst du? ” Bemerkt er ganz nebenbei und setzt seinen Ring wieder an.
Und dieses eine mal weiß er nicht was seine Frage in mir auslöst. Er weiß, dass ich dieses Angebot ablehnen werde. Auch wenn mir mittlerweile klar ist, dass ein einziges Mal noch nicht die Tragik wäre. Er fragt halt mal. Wenn ich schon frage.
Doch die Versuchung, dass tatsächlich zu tun… ihm zu helfen, seine Haut zu öffnen und von dem rotem Leben zu versuchen… ist so groß, dass es mich selbst völlig aus der Bahn wirft.
Wirre Bilder in meinem Kopf, die mir sicherlich gar nicht gehören. Ich kann nicht beschreiben, warum es mich so verdammt anspricht. Es ist doch nur Blut. Ich ertappe mich dabei wie ich taktisch nach der Bedienung Ausschau halte und mir dabei über die Lippen lecke. In drei Teufels Namen. Nun ist gut Anna Toth.
Irgendwie gelingt es mir banal abzuwinken.
    “Um Gottes Willen, Thomasso würde mir den Kopf abreißen… und dir vermutlich gleich mit… “  lache ich ein bisschen künstlich. Zeit gewinnen.
Der Wolf lacht mit, nickt und schenkt mir einen Blick der mich Wissen lässt, dass es anders ist. Ein Wort – nein – ein Blick mit dem ich ihn bitte und er wird mir geben was ich will.
Böse Spielchen.
Böser Wolf.
Aber ich bin nicht böse. Im Gegenteil. Ich fühle mich lebendig. Viele der Dinge, die er sagt und tut, glaube ich zu durchschauen, manche durchschaue ich tatsächlich. Mir kribbelts unter den Fingernägeln.
Er lügt und spricht die Wahrheit im selben Atemzug. Ob das ein Ravnos Talent ist?
Es spinnt sich weiter, wie ich reagiere, wie er reagiert. Ein Tanz.
Hasch mich, ich bin der Mörder.
Es macht Spaß. Ich fühl mich frei. Nicht unterlegen wie sonst so oft. Obwohl er mir natürlich über ist. Körperlich sicher. Seine Fähigkeiten… Welche verrät er mir nicht so recht. Illusionen. Aber davon abgesehen – kann ich mithalten. Denke ich zumindest.
Ist das ein Fehler? Bestimmt.
Wir reden über Katinka. Von dem Tag an dem ich sie kennen lernte. Von dem Mann, von dem sie getrunken hat und ich dachte sie macht mit ihm rum. Danach wusste er von nichts. Sie hat es ihn vergessen lassen. Der Kellner, der uns damals nicht abkassierte, als Thomasso, Katinka und ich beim Essen waren. Hatter er es … Vergessen?  Das fasziniert mich.
    “Kannst du das? ” Frage ich ihn. “ Vergessen lassen? ” Er zieht an seiner Zigarette und schüttelt langsam seinen Kopf.
    “ Es gibt wohl welche die Können es, aber die Gefahr besteht dass die Erinnerung zurück kommt. ”
Ich nicke, aber zufrieden bin ich nicht.
Wie ein Kind beiße ich mir auf die Unterlippe, stütze meine Ellbogen auf den Tisch und grinse ihn verschmitzt an.
    “Wie geht das? ” Frage ich leise. ” Das mit dem Vergessen lassen? ”
Er sieht mich an. Lächelt ein wahrhaft charmantes Lächeln. Was für Augen. Seine Stimme kling ein wenig tiefer wie sonst, als käme sie von ganz tief drinnen. Was für ein Blick.
Schmachte ich?
    “Was hast du mich gerade gefragt?”
Ich stutze kurz, dann fällt es mir wieder ein.
    “Na ob du das kannst?  Wiederhole ich. “ Das mit dem Vergessen lassen…. ”
Er zieht an seiner Zigarette, lächelt ein zufriedenes Lächeln und schüttelt seinen Kopf.
    “Es gibt wohl welche die das Können. Aber es ist gefährlich, die Erinnerungen könnten zurück kommen. ”
Ich  nicke, aber richtig zufrieden stellt mich die Antwort nicht.
Wir philosophieren uns durch noch hundert Themen. Ob Mensch und Kainit zusammen leben könnten. Katargo?… Vampire die so alt sind, dass sie kein Blut mehr brauchen. Diese jüngste Tag Geschichte. Lyra kein Ghul mehr.
Die Zeit vergeht wirklich wie im Flug.
    “Traust du mir? ” Will er aus einem Gespräch raus wissen.
Ich lache.
    “ Mit dem Kopf? Keinen Meter… ” Das ist mein Ernst. Irgendwie.
    “ Und mit dem Bauch? ”
Ich nicke nur und sage nichts weiter. Und ich weiß dass ich damit richtig liege und völlig daneben.
In einem Zug leere ich mein Glas und stelle es ab. Wende mich ihm zu und sehe ihn mit vergleichbar viel Ernst an.
    “Irgendwann werde ich wissen, in welchen Punkten du mich belogen hast ” sage ich leise. Und es ist die Wahrheit.
    “Ich hoffe es… ” Erwidert er und auch dass ist die Wahrheit.

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Der Andere Brief

Ich erwache. Mein Körper ist fit. Aber mein Geist schreit nach Schlaf. Als hätte ich die Nacht damit verbracht Rätsel zu lösen. Vielleicht habe ich dass ja auch. Ich taste nach der Wasserflasche neben meinem Bett und kann sie nicht finden.
Ich seufze und ziehe die Vorhänge beiseite. Licht. Ich blintzle unwillig. Helles Licht ist wirklich ekelhaft wenn man nicht ausgeschlafen ist. Ein Schluck Wasser, dann tappser ich raus aus meinem kleinen Schlafzimmer und steige vorsichtig die Stufen runter zum Bad.
Moment.
Für einige Sekunden stehe ich da und weiss nicht so ganz wo mein Problem ist. Irgendwas in meinem Schlafzimmer. Nach einigem Zögern gehe ich zurück und sehe mich um. Nichts drin was nicht drin sein sollte…nichts fehlt. Nun gut.
Ich besänftige die Fragen in meinem Kopf damit dass ich eigentlich noch nicht wach bin.
Auf dem Weg durchs Wohnzimmer sieht mich das Bild von den beiden halbnackten wunderschönen Frauen in schwarz/weiss an…darunter steht…’What every man wants’…
Abermals bleibe ich stehen und frage mich was daran nicht stimmt.So verharre ich bestimmt 5 Minuten, bis ich es schließlich sehe. Neben dem Bildrand ist nochmal ein Rand. Ein Rand hellere Tapete. Das ewige Los der Raucher. Gelbe Tapeten.
Also ein heller Rand. Das heisst, das Bild wurde bewegt. Ich wars nicht.
Ich schüttle meinen Kopf, gehe zu dem Bild und schiebe es wieder so hin, wie es vorher war.
Hm.
Ich bin unzufrieden.
Ich ärgere mich.
Früher war es gut wie es hing…und jetzt?
Ich grummle und schiebe es wieder so zurecht, dass man den weissen Rand  sieht.
Was für ein Hek-mek.
Ich beschließe mich nach der Morgentoilette umgehend wieder schlafen zu legen. Wenn der Tag schon so anfängt…
Während ich noch über das Bild nachdenke fällt mir auch ein was im Schlafzimmer nicht gestimmt hat. Auf meinem Fenstersims steht eine Nachbildung von Horus. Dem ägyptischen Gott der Falken. Der steht recht weit links, damit er nicht runterfällt wenn ich das Fenster öffne… Das heisst er stand dort. Ein seltsames Gefühl macht sich in mir breit. Nicht dass ich nicht schon genug Dinge hätte über die ich nachdenken kann.
Was zum Teufel…

Ich will mich gerade runterbeugen um mir den Schlaf aus dem Gesicht zu waschen als ich den Ausschlag entdecke. Na  Bravo. Wieder dauert es einige Sekunden, bis ich mir bewusst werde dass es kein Ausschlag ist. Sondern – ich blicke an mir hinab. -… Zeichen. Mir bekannt, aber lesen kann ich sie nicht. In meinem Gesicht. Auf meinen Armen. Ich erhebe meinen Blick und starre wie Hypnotisiert  auf die Schrift die sich mir im Spiegel offenbart.

Im Spiegelkabinett.
Jede Regung der Menschlichkeit. Wird verzerrt. Monströs. Wahrhaftiger?
Du stehst in der Mitte. Siehst die verzerrten Leiber und Geister der Toten, die noch leben. Das Leben imitieren. Verzerren. Verzehren.
Doch diese Bilder flüstern. Reden zu Dir. Schreiben Dir Briefe. So viele Briefe. Heischen. Zerfleischen. Wollen Dich. Zu viel Aufmerksamkeit kann tödlich sein. Merke auf!

Die Freundlichkeit der Giovanni.
So fürsorglich. Komm' in die Familie. Wir sorgen für Dich. Beende den Zwist. Sie könnten Dir eine Familie sein?

Der Zorn der Brujah.
So direkt. So kompromisslos. So ehrlich.
Sie verkörpern, was Du verspürst?

Das faszinierte Interesse der Toreador.
Nein, ich denke nicht.

Das Lachen der Ravnos.
Verwegen. Verführerisch. Alles ein Spiel. Kümmere Dich um nichts, denn Du bist frei. Wäre das nicht schön? Endlich frei zu sein?

Die Verzweiflung der Malkavianer.
Familie. Zorn. Sicht. Freiheit. Sie bieten Dir alles. Und mehr noch als bei den anderen wirst Du nichts davon bekommen. Nur Scherben werden Dir bleiben. Zweifel. Verzweiflung.

So viele Lügen. So viele Wahrheiten. So viele Bilder hinter den Bildern des Spiegels. Aber ach. Nicht viel mehr als pathetisches, jugendliches Geschwätz, das ich Dir geben kann. Ein bedeutungsloser Brief unter vielen bedeutungslosen Briefen. Verzeih. Verzeih' Malekin seine Sünden. Dir bleibt allein die Wahl, keine Wahl zu haben.

Du hast uns berührt. Uns schaudert. Willst Du die Wahl? Wir könnten Dir den sanften Tod schenken. Für immer. Wir könnten Dir den Tod der Malkavianer geben, der Giovanni, der Ravnos, der Toreador, der Brujah. Für immer.
Wie grausam wir sind. Verzeih.

Du bist Malekin wichtig.
Malekin.
Anna.

Ich könnte schockiert sein, weil ich nicht gemerkt habe dass jemand bei mir war.
Ich könnte böse sein, dass jemand, ohne mich zu fragen meinen Körper berührt hat.
Ich könnte wahnsinnig werden, weil ich von meiner Haut die Dinge lesen kann die ich mir denke.
Aber ich stehe nur da und gaffe die einzelnen Buchstaben an. Einen nach dem anderen die zusammengefügt Worte werden. So sinnvoll, so sinnlos wie jedes Zeichen für sich selbst.
Sind meine Gedanken so offensichtlich?
Oder nur für ihn?
Für eine Sekunde sticht es mich dass ich garnicht weiss wie ich Katinka erreichen kann. Würde sie es merken , würde ich nach ihr schreien? Oder sind das alles nur Hoffnungen? Einbildungen in meinem Kopf? Ich bin sicher sie versteht was ich gerade fühle.
Ich könnte lachen. Wie von einem Malekin erwarten normales Briefpapier zu verwenden? Wo es doch so viel sinnvoller ist die Worte dorthin zu schreiben wohin sie gehören. Auf mich. In mich.
In einer Absurden Fantasie verändern sich die Buchstaben. Sie sind nicht mehr auf meine Haut geschrieben. Er hat sich IN meine Haut geritzt. Ich sehe wie er da sitzt und in liebevoller Kleinarbeit jeden Buchstaben in mich schneidet wohin er gehört. Manchmal fallen die Worte auseinander, weil dieser und jener Punkt nunmal keine Narbe tragen darf. Auf diese Weise verlieren sich die Worte. Doch es ist nicht schlimm. Denn jeder Schnitt, jeder Blutstropfen sagt mehr als genug. Mehr als ich erfassen. Ich verstehe und trotzdem ist es mehr als ich jemals verstehen könnte. Meine Denkfähigkeit ist beschränkt. All diese Information passt da nicht rein. Die einzelnen Aussagen stapeln sich aufeinandern. Ineinander. Verbinden sich und daraus entsteht noch mehr. Kein Unsinn. Alles in sich so sinnig dass es mich krank macht. Kurz bevor ich Angst haben muss dass mein Schädel platz geht ein Beeben  durch meinen Körper, dann werden die Wunden wieder zu Farbe, die Zeichen zu Worte und die Worte zu diesem Brief. Noch so ein Brief.
Mechanisch drehe ich den Wasserhahn auf. Wassertropfen fallen auf mein Spiegelbild und während sie an der Oberfläche langsam hinabfließen nehmen sie die Worte mich sich.
Bin ich diesem Wahnsinn gewachsen?
Hab ich ihn, oder hat er mich?
Hab ich die Wahl?
    “Fragen über Fragen…” Murmle ich. “…und wie es weitergeht erfahren sie das nächstemal, wenn es wieder heisst: Kann den Wahnsinn Sünde sein!”
Ohne noch einmal in den Spiegel zu sehen drehe ich mich um und lasse die Wanne voll laufen. Heute Abend werde ich Wolfenstein sehen. Ich bin neugierig und freue mich auf dieses Treffen. Ein Stück Normalität? Mal sehen.
Ein Bad wird mir jetzt gut tun.
Ich liege im heissen Wasser und lasse meine Gedanken wandern.
Eine Angemessene Antwort?
Ich kichere. Ich könnte meinen alten Füller, in dem man die Tinte noch aufziehen muss, holen und ihn mit meinem Blut füllen. Egal was ich schreibe. Es wäre Antwort genug.
Bin ich verrückt genug?
Bin ich ver-rückt?
Ich tauche unter und wieder auf.
Ich bin.

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Briefwechsel IV

Wolfenstein schrieb:

Werte Anna Toth

Ich wollte mich bei euch noch entschuldigen, daß ich euch mit meiner
Vermutung über den Verbleib von Katinka Malekin so geängstigt habe.

Ich hoffe sehr, daß ihr euch wieder erholt habt, von diesem Schock.

Ich hoffe wir können unser Gespräch, über diese Blutschuld, zwischen
der Familie Giovanni und den Malekins baldmöglicht fortsetzten und ich
glaube fest daran, das ich eine Möglichkeit finden werde, daß nicht
ihr ungerechterweise für etwas büßen sollt, womit ihr nichts zu tun
hattet.

Wenn ihr wollt können wir uns schon in den nächsten Tagen treffen und
diese Sache besprechen.

Desweiteren möchte ich euch zu Vorsicht mahnen, was die Familie
Giovanni angeht, da sich diese in der Vergangenheit in München schon
desöfteren in äuserst dubiosen Verwicklungen befand.
Ich möchte hier nicht näher darauf eingehen, aber wenn es sie
interessiert natürlich genauer informieren.

mit den besten Grüßen und Wünschen
euer Freund

Thomas Wolfenstein

Anna schrieb:

Herr Wolfenstein,

Ihr müsst euch wirklich nicht entschuldigen. Lieber schrecke ich mich 10 mal
umsonst, als nur einmal nichts zu erfahren wenn ihr wirklich etwas geschähe. Es
war sehr umsichtig von euch daran zu denken dass es mich interessieren würde. Vor
allem wenn man daran denkt dass wir uns nicht so gut kennen

Und ja ich habe mich von diesem Schrecken erholt. Nicht zuletzt darum, weil ich
mir sicher bin, ich würde es fühlen, würde sie ernstlich schaden nehmen. Fragt
nicht wie ich zu der Einsicht komme, aber es ist so. Es MUSS so sein.

Um ehrlich zu sein würde ich mich sehr freuen mich mich euch zu treffen und über
die Dinge zu reden die mich so bewegen. Und um euch fragen zu stellen die mir
sehr wichtig sind. Und ich warne euch. Ich habe eine sehr direkte Art und Weise.
Und wenn es etwas gibt dass mich abschreckt dann sind es Lügen. Ich bin nicht
naiv. Lügen gehören zum Leben. Und wohl auch zum Unleben. Es gibt gute und
schlechte Lügen. Welche die Verzeihbar sind, andere nicht. Auch schweigen kann
eine Form von Lügen sein… Doch wenn ich den Gerüchten die euren Clan umranken
glauben darf, wisst ihr sehr genau was ich meine.

Lange Rede, kurzer Sinn. Weiss der Teufel warum. Eure Nähe ist mir angenehm. Mir
bedeutet es viel, dass sich jemand mit mir beschäftig ohne Ansprüche an mich zu
erheben. Verdammt menschlich oder?

Ich würde mich freuen mich…sagen wir..mit euch zu beraten, welche Möglichkeiten
sich mir bieten, die ich vielleicht noch nicht in Betracht gezogen habe.

Was eure – Warnung – in Bezug auf die Giovannis betrifft. Ich nehme sie
selbstverständlich dankend zur Kenntnis und stelle sogleich einige Fragen an
euch. Was denkt wohl die Allgemeinheit über euren Clan? Und eure
Vertrauenswürdigkeit? Würden mir andere eurer Gesellschaft raten mich mit euch zu
treffen?

Was ich damit sagen will. Mich schert es einen Dreck was ein Clan sagt oder tut.
Ich bin sicher es hat keinen, der nicht auf die ein oder andere Weise in dubiose
Umstände verwickelt ist. Ich vertraue nicht auf Giovannis, oder Malkaviar oder
Ravnos.
**oO( wie leicht mir diese Namen schon von der Hand gehen…)**
Aber ich vertraue auf… einzelne Persönlichkeiten…egal welchem Clan sie
angehören. Ich vertraue Katinka, ich vertraue Thomasso und so wie ich das sehe
bin ich nur allzu gewillt euch zu vertrauen. Und denkt euch eine gute Antwort aus
denn ich werde euch Angesicht zu Angesicht fragen warum dass so ist. Dumm bin ich
 nicht. Ich kenne mich selbst ganz gut. Auch wenn ich für mich eine logische
Antwort gefunden habe, warum es so ist, werde ich euch fragen.

Ich möchte mich gerne mit euch Treffen. Und, weil wir bei Thema ehrlichkeit sind.
Ich werde nicht allein kommen. Niemand der bei uns bei Tische sitzen wird. Aber
jemand der auf mich achten wird. Und auch wenn ich nicht glaube dass ihr mir
etwas tun würdet, bitte ich den Auftraggeber nicht dies zu ändern. Ich will ihn
nicht in die Verlegenheit bringen lügen zu müssen. Denn so wie ich ihn kenne
würde unter Umständen gegen meine Bitte handeln, wenn er der Meinung wäre, ich
könne das Risiko nicht abschätzen.
Ihr habt sicherlich nichts dagegen. Wenn es euch tatsächlich um mein Wohlergehen
geht, versteht ihr das.

Ich freue mich dass ihr bereit seid,etwas von eurer, sicherlich wertvollen
Freizeit für mich aufzubringen

möge euch gelingen was euch wichtig scheint

Anna

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