Zahlenschiebespiel

26.10.2002
 
Nur Malekin frisst seine Kinder.
Nur ein Malekin in jeder Generation.
Nur Malekin frisst seine Kinder.
Nur ein…ein Malekin nur… In jeder Generation.
Nur Malekin frisst…..
EsgibtkeineRegelnEsgibtkeineRegelnEsgibtkeineRegelnEsgibtkeineRegeln….
….für Malekin?

Die Straße ist lang. Mächtig lang. Ich geh sie schon eine ganze Weile. Verfolge die Hausnummern. 434. 422. 485. Ich bin mir sicher, derjenige, der hier die Hausnummern Täfelchen verteilt hat, war Stockbesoffen. Ein Wahn. Kein Sinn. Echt! Da und dort kommen mir Menschen entgegen. Samstag Abends kann man das ja auch erwarten. Sie weichen mir unwillkürlich aus, obwohl ich mich gar nicht bemüht habe möglichst zielstrebig zu gehen. Komisch. Ich drehe mich um und gucke ihnen nach.  Hat's hier nenn Verfolger? Georg? Verdunkelt? So langsam kenn' ich mich da schon aus. Nachdenklich bleibe ich stehen. Lasse meinen Augen die Gelegenheit sich ziellos umzusehen.
Das Haus NO. 75 lächelt mich einladend an. 75? Wir waren doch noch eben im dreistelligen Bereich. Ging aber fix jetzt.
Ziemlich runtergekommen der Bau. Mich kribbelts am Drachen. Es ist schon seit, zwei  drei Tagen…anders. Als würde man unter der Wasseroberfläche, da und dort etwas huschen sehen, was man eigentlich gar nicht sehen will. Darum bin ich spazieren gegangen. Darum steh ich jetzt hier. Katinka!
Es ist dunkel, aber die Türe steht offen. Tritt ein, tritt ein…bring Leid herein….

Was ich auch tu und lass und bin, es zieht mich näher zu ihr hin. Ach Schwesterchen, komm tanz mit mir…..
Irgendein Raum, der hält, was das Äußere des Hauses verspricht.
Ich höre auf, das Hinter der Scheibe zu fixieren und sehe, neben meinem Gesicht, ein anderes im Fenster. Katinka. Ihre Wange trägt noch die Narben. Sie ist so blass, so zierlich und ihre Augen so tief und traurig, dass sie wohl das Leid der Welt auf ihren Schultern tragen muss.
(“Na so allein? “ sagt sie. “Was wichtiges zu tun?”)
Und sie blickt raus auf die Lichter in der Nacht, um zu sehen nach was ich  Ausblick halte. Aber ich sah nicht wirklich nach draußen. Ich sehe nur sie. Damals ist Heute, nur anders.
Auch sie denkt daran. Wie leicht es manchmal ist, zu sehen was jemand denkt. In der Scheibe sehen wir..Malekin..wie er um Josepha (?) wandelt. Georg! Die Torri, die so viel lieber verrückt wär'? Und noch mehr? Oder?
“Zu viele!”flüstert Katinka und ich weiß was sie meint. Wenn ich ein Schrittchen weiter nach Links gehe, verschwinde ich völlig in ihrem Spiegelbild….in ihr. So vieles gäbe es zu erzählen. Ich möchte teilen. Mich mitteilen. Wem soll ich's denn erzählen? Georg, wär' da…aber es gibt Sachen, die will ich ihm gar nicht auf die Nase binden. Die sind nur für mich und – sie…vor der ich keine Geheimnisse habe. Sacht, als könnte sie daran kaputt gehen, schmiege ich mein Gesicht an ihre Schulter. Es tut so gut… Es tut so gut sie zu riechen und fühlen und – sie macht mich glücklich. Ehrlich.
Es fröstelt mich. Katinka dreht sich, recht ruckartig um und der Spiegel zeigt mir, dass sie nicht die Einzige ist.
Eine Gestalt in Robe….mit Kapuze! Er lässt die Temperatur hier so drastisch absinken. Oder bild’ ich mir das ein? Nicht dass er mich nicht gruseln würde, aber…..
Wer zum Teufel ist das?
Katinkas Gesicht wirkt fast so entsetzt, wie noch vor gut 3 Wochen, als die Engelsstreiter die Tür aufstießen. DAS beunruhigt mich.
Malkin wirft sich geradezu in den Dreck. Robbt am Boden, wimmernd, um Aufmerksamkeit heischend. Erbärmlich. Es ist mir beinah peinlich hin zu sehen.
Was soll das denn jetzt Alles?
“Faselius…. Malekins Sire!” Haucht sie und zieht mich zu Boden. Den Traditionen Genüge tun? Den Älteren ehren? Ganz ehrlich? Es fühlt sich für mich eher an, als wollte sie alles…aber ja nicht das Augenmerk dieses Mannes auf sich ziehen.
Schützend liegen ihre Arme um mich…oder meine um sie? Aber im Gegensatz zu Katinka hebe ich ab und an meinen Blick und betrachte, was da vor sich geht. Irgendwie wirkt das ganze wie ein Theaterstück auf mich. Eines dieser neo-stylistischen bizarr Theaterstücke.
Malekin liest ein Schriftstück und sein Sire fragt ihn, ob es war wäre was darauf stünde.
Malekin weiß es nicht.
Ob es wahr sei???
Malekin weiß es nicht.
Und Faselius lässt seinen Nachkommen spüren was er davon hält. Wie schwach. Wie nutzlos.
Er misshandelt Malekin mit einer derartigen Selbstverständlichkeit, dass mir glatt die Galle hochkommt. Man sieht die Macht der Gewohnheit darin liegen
Dann spricht er mit ruhiger Stimme (die in meinem Kopf irgendwie die Spur von.. Auf Tellern kratzenden Gabeln hinterlässt. Schauderhaft!) mit anderen Anwesenden. So ganz kann ich nicht folgen, denn mir wird etwas bewusst.
Faselius Malekin – Vater von Malekin, der Vater von Katinka Malekin ist….. und dieser Satz.
Nur ein Ma-Ma-Malekin in jeder Generation.
Dieser Begriff, sich über etwas siedend heiß bewusst werden, kommt nicht von ungefähr.
Es wurde ein Fehler gemacht und der muss korrigiert werden.
Wo nur einer sein darf, sind zwei einer zu viel.
Und als hätte dieses Wesen meine Gedanken gelesen, richtet es seine Aufmerksamkeit auf Malekin.
Spricht von seinen Fehlern.
(Ein Wurm..wie ein Wurm liegt er zu Füßen seines Vaters)
Enttäuscht ist er.
(Winde dich Wurm! Schmerz ist ein feiner Lehrmeister)
Dieses Bild, von Malekin, mit den Elektroden im Schädel. Davon spricht sein Sire und auch Katinka wimmert. Sie greift nicht ein, um zu schützen was ihr lieb ist. Wie viel Angst muss sie haben? Obwohl ich eigentlich kapiert habe um was es geht, dreht sich mein Kopf. Bin überfordert. Tanzt einfach an und…tut weh. Tut jenen weh, die mir lieb sind. Unwille in mir. Angst. Spricht von dem Fehler. Katinka. Ein Fehler?? Ich höre noch wie sie diese Worte voller ehrlicher Entrüstung kreischt. Aber er korrigiert diesen Fehler. Oder?
Lass sie mich sehen.
Malekin kann sich erheben und sein Sire wendet sich mir zu.
Was will er von mir?????? (Was fragst du?) Ich geh da nicht hin!!
“Komm zu mir Anna!” Kratzt die Gabel in meinem Kopf. Und obwohl Katinka mich, wie es mir scheint, zurück zu halten versucht, trete ich vor sein Antlitz. Mein Kopf gesenkt. Ich weiß wohl, dass es nicht mein Wille ist hier vor ihm zu stehen, aber ich habe seinem Wunsch nichts entgegen zu setzen. Ihm in die Augen sehen wage ich nicht, doch meinen Kopf hebe ich stolz von selbst, als er Anstalten macht mich dazu zu nötigen. Bla bla… Ich will mir keine Blöße geben, aber das Zittern beginnt wieder. So lange war ich ruhig…bald über eine Woche. Aber nun bebe ich wieder. Anders wie bei Malfeis, der mir mit seinen Wahrheiten Angst macht, entsetzt mich Faselius mit der blanken Grausamkeit in sich. Und bei…hm…meiner recht eigentümlichen Art, gewalttätige Dinge zu betrachten…ist dieser Umstand beachtlich.
Ob ich es Wert bin?
Ob er sich meiner an nimmt?
Mich 50 Jahre in den Keller sperren, eine kahle enge Zelle. Kalter Beton. Lehren…mich Lehren. Elektroden auch für mich? Sein Lächeln ekelt mich an. Ich weiß, dass ist sein Ernst, aber mein Verstand gestattet mir nicht mir das ernsthaft vorzustellen. Wie gnädig.
Fehler. Fehler. Doppel Fehler. Der Quäler quält, von Fehlern erzählt.
Katinka soll mich töten, um zu beweisen, dass sie kein Fehler ist. Und Malekin soll sie dazu zwingen, um zu beweisen, dass er keinen Fehler gemacht hat.
Wahrheit braucht keine Beweise!!!!
Man will mich wegziehen. Aber ich muss bleiben.
Dieses Schauspiel ist krank. Faselius redet auf Malekin ein… Malekin sträubt und windet sich….und Katinka schüttelt nur immerzu ihren entstellten Kopf. Dennoch bin ich noch ruhig. Irgendwie. Obwohl mein Körper zittert. Wenn Katinka mich tötet, dann…dann ist es wenigstens vorbei. Wenn ich sterbe, dann durch sie…dann ist es gut.
Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Katinka widersetzt sich.
Ich lebe.
Malekin hat versagt.
Wie niederschmetternd für Faselius…sieht seine Kinder nicht gern flügge.
Ich bin schon froh es überstanden zu haben, da tut der Ältere, was ich nicht ertragen kann.
(Nur einer in jeder Generation.)
Katinka in seinem Arm.
(Nur Malekin frisst seine Kinder)
Da tickt es aus bei mir.
Nur einer in jeder Generation.
Als hätte jemand den Vorhang der Nicht-Betroffenheit fallen gelassen. Ich sehe klar was hier geschieht.
Nur Malekin frisst seiner Kinder!
Er schlägt seine Fänge in ihren Hals.
Nur Malekin frisst seine Kinder, weiß der Teufel wer das sagt….flüstert..aber….aber..

“ ICH KANN ES NICHT MEHR HÖREN!!!!!!!”

Er trinkt von ihr und sie wird sterben.
Nicht voller Liebe, wie Malekin sie tötete…voller Abscheu… als wäre sie das, Blut dass er ihr entzieht nicht wert.
Feuerrot und Leichenblass! Ich hass’! Es brennt in mir , auf meinen Wangen. Dazwischen. Ihr helfen. Doch Georg stellt sich in den Weg.
Was??????
Hinter ihm geht meine Welt unter und er sagt….
“ Nein Anna. Du musst gehen Anna. Nein Anna.!”
Bin ich ein verdammter Hund? Kann er nicht sehen? Kann er nicht verstehen? Sie stirbt.
Geh mir aus dem Weg!!!!! Zum zweiten Mal geschieht es, dass ich einen Vampir anschreie. Ihn anherrsche. Meinen Willen durchsetzten will. Doch Georg lässt sich nicht beirren.
Verflucht Verdammt..ins Herz gerammt.
Ich sehe kaum was geschieht, denn Georg nimmt mir die Sicht. Drängt mich zurück.
Malekin lässt sein Child nicht sterben. Greift ein…greift an.
Nur Malekin frisst seine Kinder???
(Jener, der einst geschaffen ward von deinem Blute, lehnt sich nun auf.)
Faselius in Torpor. Katinka? Hat sie? Schneewittchen pflockt die böse Königin.
Ich hab noch nicht verstanden was geschieht. Mein Puls jagt noch immer. Sie reden. Katinka. Ich will zu Katinka. Wir sind In Faselius? Wenn er stirbt kommen wir Nimmermehr raus?
Aber es bleibt keine Zeit zum beraten, denn Gregor. (Wo kommt er denn her?) Stürmt vor. Reißt den Pflock an sich. Findet der Malekins Sire so toll? Sieht er nicht, dass er nicht überleben wird? Clan der Gelehrten???
Wirr. Warr.
(Brüderlein komm tanz mit mir)
…..Faselius…der sein Kind frisst.
(..beide Hände reich ich dir…)
Katinka, die sich..schwach wie sie ist…reindrängt.
(..einmal hin…)
…Faselius in Katinka…
(..einmal her…)
Malekin in Faselius..
(..rundherum…)
….und wieder der Pflock..
(..das ist nicht schwer..)
.. Da liegt er am Boden… Katinka halb Tod…Malekin…über seinem Erschaffer…der mit einem ..lächerlich leisen “Plopp”… Zu Asche zerfällt.
Vampire sterben.
Frankenstein stand seinem Monster gegenüber und musste erkenne, dass er gute Arbeit geleistet hatte.
(Jener, der einst geschaffen ward von deinem Blute, kam und nahm, was du einst genommen.
Dein Blut, für sein Blut
Deinen Schmerz, für seinen Schmerz.
Deinen Tod, für seinen Tod.)
Meine Knie sind so weich. Mein Kopf dreht sich. Mir ist schlecht.
(Asche zu Asche)
Katinka? Dort drüben..nicht weit von den…Resten…ich will zu ihr.
(Staub zu Staub)
Sie kommt mir entgegen. Hunger in ihrem Blick. Gierig greift sie nach mir. Zieht mich zu sich…und stößt mich gleichzeitig von sich. Will sie mich? Will sie mich nicht?
Trink mich! Koste!! Ich schenk dir Leben. Alles nehmen. Alles geben.
“Bring sie weg!” Mit wem spricht sie? Wer zerrt an mir?
Warum will sie mich nicht????
Malekin erhebt sich, wie ein Phönix aus der Asche. Irgendwo in meinem Hinterkopf schreit es.. Dia-bla-bla-rie. Und Malfeis Worte springen durch das Bild. Die Buchstaben drehen sich um sich selbst… Thomassos Gesicht, seine blutigen Lippen… Vincence.. Vincence. Ich muss Malekin, der seinen Erschaffer in sich trägt, anstarren. Wer übernimmt wen, wenn man ihn in sich aufnimmt? Mein Blick ist wie festgenagelt. Meine Hand hält stur Katinkas. Quält sie sich? Will sie doch von mir und meine Nähe macht es noch schlimmer?
Faselius ist nicht Tod.
Er steht dort in Malekin und verkündet, dass…..JETZT….die beste und einzige Gelegenheit wäre, das Geschehen zu verlassen.
Georg schafft mich fort. Er versteht nicht, was mir Katinka bedeutet. Er glaubt, sie wollen mir nur böses. Er sorgt sich um mich und ich glaube es ihm. Aber wie soll man einem Blinden Farben erklären, wenn er sie noch nie gesehen hat?
Weiß (Wie Schnee)
Rot. (Wie Blut)
Schwarz (Wie Ebenholz)
Wie kann er je verstehen was sie für mich ist, wenn er sie noch nie so gesehen hat wie ich?
Ich hasse ihn dafür, dass er mich von ihr trennt. Jetzt, da ich ihr vielleicht helfen könnte. Ihr mein Leben schenken. Daran, dass ich vielleicht nie wieder gehe, wenn ich jetzt nicht gehe..daran denke ich nicht.
Die Ordnung ist wieder hergestellt.
Nur einer in jeder Generation….
……und eine ist frei.
 

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Things

22.10.2002
 
Ich stehe an der riesigen Fensterfront meiner Wohnküche und stiere raus in die Nacht. Meine Hand liegt auf der kühlen Scheibe, als wäre es wichtig für mich zu fühlen, dass sie wirklich da ist.
Kontakt.
Die letzten Tage, waren…sehr ruhig für mich. Hatte ein wenig Frieden.  Die Nacht in den Armen dieses Fremden, hatte etwas bereinigendes. Bis Heute, bin ich jeden Tag in der Früh aufgestanden. Hab mich um Normalität bemüht, aber ich weiß, dass ich diese Nacht nicht schlafen kann. Dass ich erst zu Bett gehen werde, wenn die Sonne wieder aufgeht. Es wird Zeit. Dieses alte Leben, ist nicht mehr als ein Traum. Ich wünschte mir – damals – aus diesem Film zu erwachen. Mehr zu fühlen, als dieses Alltägliche, welches mich nie berührte. Echte Gefühle. Leben.
Da muss ich trocken Lachen. Anna Toth findet die Erfüllung ihres Lebens im Tod.
How Bizarr!
Georg ist…oft…sehr oft in meiner Nähe, doch was ich am Anfang noch misstrauisch beäugte, scheint mir jetzt schon völlig normal. Ich vermute, er hat..von…weiß Gott wem, den Auftrag bekommen, auf mich zu achten. Oder hat er sich selbst den Auftrag erteilt? Egal… Ich sorge mich zumindest nicht… Ganz im Gegenteil, die Vorstellung, dass mir der gewisse Sohn, eines gewissens Brujahs auf die Pelle rücken könnte, beruhigt mich wirklich. Dem ist das völlig egal, dass ich wie Katinka sein will. Sein Muss. Georgs Gegenwart, gibt mir…ein wenig Sicherheit.
(Obwohl du nicht weiß, was ER eigentlich will?)
Der Vollmond, der keiner mehr ist, leuchtet vorwitzig in mein Zimmer – taucht alles in dieses seltsam unwirkliche Licht. Wie auf einem Gemälde. Die Mondscheinsonate.
Der Clan des Mondes.
(Sie wissen doch was man ihrem Clan nachsagt?)
Mondenkind.
Katinka.
Ein sehnsüchtiges Ziehen in mir. Mein Herz schmerzt mich. Mio, oh mein Mio. Freising.
Garnicht weit von mir. Eine halbe Stunde mit dem Auto. 15 Minuten mit dem Zug. Eine Sekunde in meinen Gedanken. Würde ich sie finden? Würde sie mich finden? Weiß sie eigentlich wo ich lebe? Will sies wissen? Und wann wird die Taste mit dem Fragenzeichen aufgeben?
Ich fühle mich gut. Wirklich. Nicht das ich, die Probleme verdrängt hätte, aber – im Moment tickert es nicht in meinem Kopf. Ich mache mir Sorgen – natürlich. Doch es geschehen keine Abnormale Dinge. Oder so. Keine umgelegten Hebel. Keine zerbrochenen Spiegel.
Mehr als deutlich habe ich ihr gesagt, was ich will. Und auch, wenn ich mir wünschte, sie würde sofort herbei eilen…und mich mit ihren Sein zu erfüllen, ist mir doch bewußt, dass es so einfach nicht geht. Aber nicht..warum nicht. Aber es ist so. Diese Wahrheit reicht.
Es ist eigentartig. Ich muss mich immerzu fragen, ob sie an mich denkt. Warum sie mir nicht mal schreibt, wie andere. Warum sie mich nicht besucht. Ob sie sich so nach mir verzehrt, wie ich nach ihr. Und gleichzeitig kenn ich all die Anworten auf diese Fragen bereits. Oder vielmehr, ich muss mir diese Fragen nicht stellen, weil sie garnicht zur Diskussion stehen.
Oder wie?
Mich befällt eine gewisse Unruhe. Nicht greifbar, und noch bevor ich wirklich erfassen kann… Wer wie oder was… Ist es schon vorbei. Meine Finger haben selbständiger Weise “MALEKIN” auf die Glasfläche geschmiert. Gedankenverloren wohl. Die fettigen Buchstaben schimmern rötlich und für einen Moment scheint mir die Spiegelung in der Scheibe nicht ganz zu passen. Doch ich lasse mich nicht wirklich darauf ein. Es ist… So beruhigend sich nicht mit seltsamen Dingen rumschlagen zu müssen. Noch nicht. Tanz noch nicht weiter Spinne.
Ich werde mich ablenken.
Als sich mein Pc im Netz angemeldet hat, erstattet er sogleich Bericht.
Email for you.
Automatisch klicke ich das Icon an. Gewohnte Bewegungsabläufe.
Junkmail.
Chatbekanntschaften.
Virus frei Haus.
Kein betreff. Die Addy kenn ich nicht. Hm.
Ich wills schon weg klicken… Ab in die Trash Can, als mich der Heldenmut packt.. Wieviel Virus kann man in 3 Kb Email unterbringen?

“Guten Abend!
Ich hoffe, es geht euch allen in München gut.
Ich komme mir reichlich albern vor, wenn ich diese mail so beginne mit – so menschlich-banal – aber tatsächlich ist es das, was mich interessiert, also bleibt mir nichts übrig, als es so hinzuschreiben. 
Am Telefon würde die Frage auch weniger wie die Postkarte eines Fünftklässlers aus dem Schullandheim klingen. Doch das Sprechen fällt mir noch nicht leicht.”

Bis zu diesem Satz ist mir nicht wirklich klar, von wem ich Post bekommen habe. Ich schlucke heftig. Sie hat mir geschrieben. Sie hat an mich gedacht. Sie…  Ich lese ihre Mail durch mit Herzklopfen. Ich freue mich wirklich. Und dennoch ist es kein einfacher…Hey ich wollt mich nur mal melden… Brief.  Sie sorgt sich. Um Thomasso. Ich kann das verstehen. Auch ich habe mir schon Fragen gestellt. Wir sollen was tun. Uns zusammen schließen. Auch ich weiß was. Nicht mehr als Josefa. Aber ich weiß. So mache ich mich aufgeregt daran ihr zu antworten.
Endlich kann ich ihr schreiben!
 

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Fragen

19.10.2002
 
Bin ich, was du willst?
Will ich, was du bist?
Hab ich, was du brauchst?
Gibst du, was ich vermiss?

Nimmst du, was ich gebe?
Willst du, was ich hab?
Bist du, wonach ich sehne?
Weiß ich, was ich da sag?

Kenn ich deine Seele?
Beseele ich dein Sein?
Ahnst du, wie ich mich quäle?
Oder fühl ich so allein?

Bin ich es, die dir Leben schenkt?
Oder du was mich zerstört?
Bist du es, was sich nach mir zehrt?
Oder ich, die dir gehört?

Bist du bereit zu töten?
Beendest meine Not?
Wenn du mir neues Leben schenkst,
Dann sterb ich deinen Tod…

 

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Sex

18.10.2002 
 
Raus aus meinem Haus.
Rein ins Auto.
Tür zu.
Zigarette an.
Stille.

Hab mich Heute Morgen ins Bett gelegt und bin mit demselben Gefühl wieder aufgewacht. Ich kann nicht mehr! Luft…ich brauche Luft zum Atmen. Eine Verschnaufpause. Irgendwas. Diese kleine Gespräch mit Georg gestern. So, an und für sich simpel wie es war. Hat mir gezeigt, wie labil ich bin. Ich halt es nicht mehr aus. Ich muss raus!
Mein Leben ist so daneben.
( Das reimt sich und was sich reimt ist gut….oder?)
Das Fenster meines Wagens lasse ich hinab.
Freiheit.
Die Luft draußen ist schon wieder kühl. Leicht zu fühlen, wie warm der eigene Körper ist. Noch. Ich genieße es inständig. Carpe noctem, hab ich meine Tage, doch schon hinter mir gelassen…irgendwie. Ich schlucke leicht, starte den Motor und wähle aus meinem CD Angebot Marilyn Manson. Wundervoll krank. Die Musik kriecht in mein Gehirn. Der Rauch kriecht in meine Lunge, ich krieche aus mir raus und nehme mich so klar wahr wie nur selten. Anspannung, mein Kopf fühlt sich an, als würde er jede Sekunde platzen.  Kaum dass ich mit meinem Auto auf der Schnellstraße bin gebe ich Gas, ohne Rücksicht auf Verluste. Entweder ich komm gesund an oder nicht. Adrenalin in meinem Blut. Mein Puls der ansteigt, die Angst, dass mir etwas passieren könnte bei meinem rasanten Fahrstil tritt in den Hintergrund und leise etwas anderes hervor, dass alles – von einem anderen Standpunkt betrachtet. Noch schneller. Ich MUSS heute tanzen gehen.

Mein Haar ist nass. Mein Herz schlägt 130 mal die Minute. Ich nehme meine Muskulatur in jedem kleinen Detail wahr, so empfinde ich es. Die wenige Male, in denen ich meine Augen öffne um mich umzublicken sehe ich nicht viel. Egal. Dieser Rausch ist schöner als alles andere. Nichts in meinem Leben macht mich so verlässlich glücklich wie tanzen.
Heute träume ich nicht.
Heute leben ich.
Doch anstatt, wie sonst wenn ich tanze, mich auszupowern, fühle ich mich mit jeder Sekunde, mit jedem Lied noch genauer gezeichnet. Als würde ich an Substanz gewinnen. Die Lieder kenn' ich nicht alle. Sie sind laut und heftig, dass reicht. Dann ein Cut. Stille. Und, als ob ich es gewusst hätte, bleibt mein Körper stehen. Ich atme wie in Zeitlupe. Sauerstoff für mein Blut. Leben. Eine kleine elektrische Spannung, die über meine verschwitze Haut kriecht, dieses Gefühl, in meinem Rücken, an der Stelle zwischen den Schulterblättern. Dort wo der Drache wacht. Jemand betrachtet mich. Nicht nur. Er verschlingt mich mit Blicken, bohrt sich durch die Oberfläche meines Seins und wühlt sich in mein Inneres. Ein Lächeln auf meinen Lippen, ich fühle mich… von einer eigenartigen Macht erfasst – eine Macht die ICH ausübe. Ich!
Ich weiß, dass er mich betrachtet, ich konnte so was schon immer wahrnehmen. Der künstliche Nebel fällt über mich hinweg zu Boden und im selben Atemzug wende ich in aller Ruhe meinen Kopf, um ihn zu ertappen. Das einsetzende Stroboskoplicht nimmt mir die Sicht….irgendwie..und dennoch sehe ich..was ich sehen will…muss.
Was eigentlich?
Dieser Mann, der dort an der Wand lehnt. Sein Kopf leicht gesenkt, aber er sieht mich an.
Als mein Blick den seinen trifft beginnt die Musik zu spielen. Eine leise lauernde Melodie, die langsam lauter wird. So anders. Der Nebel, der gerade noch am Boden waberte scheint an mir herauf zu krabbeln, als würde er mich streicheln und berühren. Mein Körper beginnt wieder zu tanzen. Ich lenke ihn zwar, aber bin nicht mehr in ihm. Irgendwie. Mir wird bewusst, dass ich den Mann noch immer ansehen. Und er noch immer mich. Ich kann gar nicht erklären, wie er aussieht. Aber wenn es in meinem Kopf jemals eine Vorstellung von dem perfektem Mann gab, dann sah sie so aus wie dieser Mensch. Sogar in dem Moment, in dem ich darüber nachdenke, wie ich ihn beschreiben könnte, fehlen mir die Worte, als wäre er unscharf gemalt, nicht so wie ich. Keine klaren Linien. Die Musik übermannt mich. Ich kann nicht anders… Ich schließe meine Augen und lasse mich aufsaugen in das Gedankenlose Sein des Tanzens. Dennoch besteht zwischen ihm und mir was. Ein Band.
Wie bei Katinka…und ganz anders.
Meine Augen? Geöffnet noch bevor ich mich wendete, um ihn bewusst wahrzunehmen. Aber die Art und Weise wie er mich betrachtet stört mich nicht. Sie ist nicht ekelhaft oder anbiedernd. Er scheint meinen Körper nur Sekundär wahr zunehmen. Als wäre das, was ihn wirklich interessiert, in mir. Der Gedanke, dass er mich erregend finden könnte lässt meinen Bauch sich winden. Ein seltsames Kribbeln…
Vergiss Schmetterlinge…Spinnenbeine… 666 Stück!
Meine Knie werden weich. DAS ist mir neu. Obwohl das Lied sehr langsam und gefühlvoll ist, will mein Puls nicht sinken. Noch immer ruhen seine Augen auf mir. Ohne nachzusehen weiß ich dass. Die Härchen auf meinem Körper richten sich auf, als stünde die Luft unter Strom und als ich ein weiteres Mal meine Blick hebe, weiß ich auch warum. Er kommt zu mir. Seine Gedanken, sein Inneres liegt  klar vor mir. Oder? Wie meine eigenen Gedanken. Mein eigenes Innerstes. Er will mich. Keine Fragen. Keine Diskussionen. Und zum ersten Mal in meinem Leben, nehme ich in mir ein Glühen wahr, dass mir klar macht, dass ich mit ihm gehen werde – gehen will.
Ich habe meine Jungfräulichkeit nie für einen besonderen Zweck oder besonderen Menschen bewahrt. Es gab nur einfach nie einen Mann, der in mir das Bedürfnis geweckt hätte, mich zu geben. Die wenigen Male, in denen ich ansatzweise in Situationen geriet, in der ich die Gelegenheit gehabt hätte,  mit einem Mann zu schlafen, habe ich mich nur gefragt. Ist es wirklich dass was du willst? Und jedesmal war die Antwort  – Nein. Nicht mehr und nicht weniger.
Seine Hand berührt mein Gesicht. Sie ist ein wenig kühler als meine Haut, aber nur kurz, dann kann ich nicht mehr unterscheiden, wo meine Lippen enden und seine Finger beginnen.
Der Tanz geht weiter. Wie in Trance. Nur ohne das ich mich dabei viel bewege. Es tanzt in mir.  Mein Kopf kippt wie von selbst nach hinten, und bietet ihm Gelegenheit über mein Kinn hinab, sacht über meinen Hals zu streicheln. Es tut so ungemein gut! Was diese kaum wahrnehmbare Berührung mit mir anstellt ist nicht zu fassen. Er lässt mich zittern und gleichzeitig entspanne ich mich. Ein Gefühl wie Alkohol und Kühlschrank zusammen. Seine Finger, sind lang und schmal. Jeder scheint für sich ein eigenes Leben zu besitzen und sie erzählen mir..meiner Haut…Geschichten.. Von sich, die mich lähmen – bezaubern.
Schmeckt nach mehr.
Seine Hand gleitet in mein Haar, greift sich fest und zwingt mich sanft ihn wieder anzusehen.
    “Komm mit!” Ist alles was er sagt.
Seine Worte, so unwirklich wie sein Anblick. Doch der Klang seiner Stimme pflanzt sich über meine Aura hinweg, wie die Wellen über Wassers ziehen…
Ins Wasser fällt ein Stein.
Ich LEBE!
Er wartet eine Zustimmung nicht ab, muss er auch nicht. Mir ist klar, dass er sich darüber bewusst ist, dass er mich kriegt, egal was seine Gründe sein mögen. Es tut nichts zur Sache.
I will follow him….
Ich will!!
Wo ich bin? Ich weiß nicht – bei ihm. Ein Hotelzimmer? Oder sind wir nicht doch in ein Haus gegangen?. Wir sind noch in München, dass vermute ich zumindest. Auf der Fahrt in SEINEM Auto – und ich hörte noch irgendwo die mahnende Stimme meines Onkels: “ Steige niemals zu Fremden ins Auto!” – ist alles was mich interessiert er. Seinen Namen hat er mir genannt, glaube ich. Aber auch dass ist mir, in Anbetracht der Situation, entfallen. Dieses, mir neue Gefühl, erfordert meine gesamte Aufmerksamkeit. Ich genieße es. Gier in mir. Begierde. Brennendes Verlangen, ich denke so muss ein Süchtiger empfinden, der auf Entzug war und nun dass, was er braucht, zum greifen nah sieht. Wir reden auch – irgendwie. Doch die Dinge die ich sage, sind so beiläufig, wie der Text eines Statisten. Das was wir nicht aussprechen ist wesentlich intensiver. Ein dunkler Raum. Eine schwarze Ledercouch, mit weißen Kissen.Ein Tisch mit einer Bordeauxroten Decke. Irgendwo ein Bett. Diverse Kerzenständer und ich frage mich nicht mal, warum die Kerzen schon brennen, als wir eintreten. Auch nicht warum dort Wein und ein Glas bereit steht. Er umschmeichelt mich, umgarnt meine Sinne, als wüsste er in jeder Sekunde was ich mir wünsche, und als wüsste er auch die Dinge, die ich nicht mal wagen würde mir zu wünschen. Ich habe keine Einwände als er mich von meiner Kleidung befreit und meinen nackten Körper im Kerzenschein betrachtet. Ich schäme mich nicht. Alles scheint mir so vertraut als müsste es genau so sein und nicht anders. Hat er mich überhaupt geküsst?
Ist das wichtig?
Seine Augen sind so…..wahnsinnig…so…zum eintauchen….untergehen…ertrinken…

(….ich sehe mich halb liegend auf der Couch, in der einen Hand das Weinglas, in der anderen eine Zigarette. Sein Kopf zwischen meinen Schenkeln und dieser Teufel weiß was er tut, so gut wie ich selbst – besser. Unfähig jeglichen Gedanken zu denken. Das Nikotin zieht durch meine Lungen hinein ins Blut und vermischt sich dort mit dem Alkohol.  Als ich zu ihm kriechen will, um mich zu revanchieren, um ihm gutes zu tun, weist er mich von sich und besänftig mich mit noch mehr Wahnsinn. Ich fühle seine Zunge, an mir, in mir . Mein Gott. Noch nie in meinem Leben war ich derart feucht  ….)

(…Seine Fingernägel auf meinem Rücken, sie graben sich durch meine Haut, ziehen blutige Striemen. Über die er genussvoll drüber leckt. Nie hätte ich geahnt, das Schmerz so …ansprechend… sein könnte. Sein Geschlecht an meinem Po. Ich will ihn anflehen mich endlich zu nehmen. Stattdessen nimmt er mir die Worte, in dem er sich am mich schmiegt, von hinten herum meinen Busen liebkost. Ich blicke an mir runter und sehe, wie sich seine Hände auf meiner Haut ein Sonett spielen. War nicht alles Wahnsinn? Ich lache.  Der Anblick und gleichzeitig das Gefühl treiben einen Keil in meine Wahrnehmung und ich verliere die wirkliche Welt vollkommen…)

(…Meine Augen verbunden und obwohl ich ohnehin nicht mehr normal sehen konnte stellt sich eine zusätzliche Unruhe ein. Ein Gift. Vergiftet. Ungezielte Berührungen, als wollte er mich necken. Mal zärtlich. Mal schmerzhaft. Er spielt sich, aber das ist mir nicht mehr bewusst. Die Zeit verloren, wie lange quält er mich jetzt schon damit mir nicht alles zu geben? Hör nicht auf…..)

(…Stille. Ich höre ihn nicht. Die Augenbinde ist weg , aber der Raum ist jetzt dunkel. Ich sehe ihn nicht.  Ich sitze auf einem Stuhl meine Hände rücklings an die Lehne fixiert. Irgendwann beginne ich zu frieren. Hat er mich vergessen. Lässt er mich SO hier sitzen? Er lässt mich lange genug so – bis ich beginne wütend zu werden. Was bildet der sich ein?Ich knurre und winde mich und da aus dem Nichts taucht er auf, wie ein Tier das auf der Lauer war. Oder ein Gott?  Er spreizt fast mit Gewalt meine Schenkel und zwingt sich in mich…und mehr.)

(…Schrecken. Adrenalin. Zerreißen. Erfüllung. Bewegung. Tilt…)

Wie lange?
Ich weiß es nicht.
Es ist Hell draußen. Es ist Tag..nicht schon wieder Abends.
Ich erwache in diesem ungemein bequemen Bett und nichts quält mich.
Alles an und in mir tut mir weh. Jeder Muskel, jedes bisschen Haut – und es ist wundervoll. Ich fühle mich glücklich. Unbeschreiblich. Ich muss mich nicht umsehen, um zu wissen, dass er nicht mehr da ist. Ich merke es. Aber es hinterlässt keinen faden Nachgeschmack auf meiner Zunge.
Was auch immer er getan hat. Jetzt bin ich glücklich. Mehr zählt nicht.
Beiläufig fällt mir auf, dass der Raum ein wenig anders scheint als heute Nacht.
Mir ist ein wenig schwindelig.
Hab kaum geschlafen. Ein schmunzeln liegt auf meinen Lippen. So normal kann Leben sein.
Wundervoll.
Ich könnte mehr davon haben.
Will ich mehr?
(Henkersmahlzeit?)
Aber diese Gedanken können mich nicht beirren. Es ist gut so.
Ich kleide mich an verlasse das…ein Haus, es ist ein Haus und davor parkt mein Auto. Nun wundere ich mich doch. Doch da niemand da ist, dem ich Fragen stellen könnte, nehme ich es hin. Es spart mir immerhin das Taxi zurück zum Turm, wo ich es zurückließ.
Die Fahrt nach Hause lasse ich gemächlich angehen. Mein Leben scheint mir auf einmal völlig relaxed und klar. Keine Ohmächtigkeiten.
Kaltes klares Wasser.
Und die Sonne scheint. Wärmt mich. Wie wunderschön! Sonnenstrahlen.
    “Du solltest das noch hinter dich bringen bevor….” Erinnere ich mich an Katinkas Worte und lächle leicht. Bald ein Jahr her. Sie hatte recht damit. Sehr recht. Zufriedenheit… Oder nein Befriedigung! Ich fühle mich zu ungeheuerlich weiblich. So schön. Wie eine Göttin. Ich habe neue Kraft um mich dem Wahnsinn zu stellen, mit dem ich lebe.
(Mit dem du sterben wirst.)
 Das tut so gut.
Ein Schrecken erwischt mich noch bevor ich die Haustüre aufschließe. Zum Teufel, er muss mir wirklich die Sinne vernebelt haben. Keine Sekunde dachte ich an Verhütung oder gar Krankheiten. Nicht mitzudenken ist eigentlich…keins meiner primären Attribute.
Auch so bekommt man Adrenalin ins Blut. Aber meine Tage stellen sich noch am selben Nachmittag ein…perfekt. Und was die Krankheiten angeht…. Sollte ich mich fürchten daran sterben zu können?

…Als ich schlafen gehe erinnere ich mich an Worte die gesprochen wurden. Von wem weiß ich nicht, aber das Wiedererkennen,  machen mir eine Gänsehaut:
    Früher oder später, grinst das Tier, gehörst du mir…

((Öffne Dich, mein Herz, mein Liebster
Deine Seele will ich rauben
Dich besitzen, Dich erfüllen,
Dein ganzes Sein in mich aufsaugen
Lass Dich fallen, mein Herz, mein Liebster
Dein ganzer Körper soll erbeben
Dein Atem stocken, Dein Herz stillstehen,
die Qual, den Tod zugleich erleben
Schließ die Augen, mein Herz, mein Liebster
fürchte nicht was jetzt geschieht
Es wird schön, unendlich seltsam
weil sich’s dieser Welt entzieht))

((Öffne Dich
Lass Dich fallen
Schließ’ die Augen, vertraue mir
in meiner Welt, da bist Du alles
in meiner Welt gehörst Du mir
Meine Sehnsucht, meine Gier
all mein  Denken ist bei  Dir
Du bist da wir sind allein
und vergessen zwei zu sein.))

((Ich sehne mich, mein Herz, mein Liebster
fast schon schmerzhaft, in mir drin
was Du mit meinem Körper machst
grenzt an Irrheit, grenzt an  Wahnsinn
Ich denk an Dich, mein Herz, mein Liebster
Ich zehre mich nach Deiner Haut
mich giert’s nach deinem ganzen Wesen
Deine Nähe
und Dein Lächeln scheinen mir seit je vertraut))

((Ich sehne mich
Ich denk an Dich
Mach das auch, vertraue mir
in meiner Welt gehör’ ich Dir
Meine Sehnsucht, meine Gier
all mein Wollen ist bei Dir
Du bist bei mir wir sind allein
und beginnen eins zu sein))

((Verlieb und gib was Du auch hast und bist, verpasst ist eine Chance schnell,
so hell ein Tag auch scheinen mag, verzag es könnt der letzte sein, alleine dies
ist Grund genug um es zu wagen… Ohne Zögern…ohne Fragen.))

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Zwischenspiel II

17.10.2002
 
Donnerstag Nacht.
Etwas um 24:00 rum.
Das Doom, im Kunstpark Ost.
Warum bin ich hier? Gehe normalerweise nicht hier her. Katinka hat mir erzählt, dass sie früher wohl mal hier war. Öfters Sogar.
Bin ich deswegen in diesen Laden gefahren?
Der Raum ist groß, relativ dunkel… Sie spielen alte Heavy Metal schinken, etwas Gruftig da und dort. Eigentlich ganz nett. Es sind nicht all zu viele Leute hier. Ist halt doch unter der Woche. Mir ist das ganz recht. Mehr Platz zum tanzen.
Daheim halte ich es kaum aus. Meine Gedanken sind so wechselhaft. Es macht mich wirklich verrückt. Ich brauch professionelle Hilfe glaub ich. Ärzte haben Schweigepflicht oder?
Ich kichere.
Selbsthilfegruppe für Menschen mit sonderbarer Wahrnehmung.
Heute: “ Hilfe mein Vampir beisst!”
Wenns sies nur endlich täte. Ein Zwischending. Ich bin ein Zwischending. Kein Mensch, kein Tier. Mein tägliches Leben…das “echte” kommt mir vor, wie ein Traum. Ich kaufe Nachts an Tankstellen ein, was ich zum Essen brauche. Gehe zu Bett, wenn die Sonne aufgeht und wasche die Toten, wenn sie untergegangen ist. Meine Freundin habe ich von mir gewiesen. Und das schlimme ist, es sticht bei weitem nicht so viel, wie der Gedanke daran, was Katinka wohl gerade tut. Abhängigkeit hat viele Namen. Aber, alles was man tut, tut man freiwillig – ob man will oder nicht. Ich hätte – immernoch?- die Option zu verschwinden. Sie ahnen es alle nicht (nein?), aber es gibt jemand, der mir helfen würde…und ich glaube fast…könnte. Doch, allein die Vorstellung nicht bei ihr zu sein, lässt mich nicht ernsthaft darüber nachdenken. All die seltsamen Umstände, die Grausamkeit, die in mein Leben getreten ist verblasst, wenn sie lächelt. Auch Glück hat viele Namen.
Obwohl mir Thomasso am Herzen liegt, obwohl ich die Rache der Giovannis durchaus fürchte… Nichts…Nichts schreckt mich so, wie der Gedanke, mich nicht mit ihr zu verbinden. Bin ich krank?
Es ist schwer vernünftig nachzudenken, wenn sich ständig Gedanken aufdrängen.(Malekin) Oder Bilder. (Ihr entstelltes Gesicht) Oder Gefühle. (Angst) In manchen Momenten fühle ich mich, so wie es sein sollte. Betrachte alles von einem, vernünftigen Standpunkt. Realistisch. Unemotional. Wie war das? Lass dich nicht von Emotionen leiten? Das ich nicht lache. Seit sie in mein Leben getreten sind, hab ich mehr gefühlt als in den 20 Jahren davor. Echter. Besser? Schrecklicher. Aber, ich kann diese Situation betrachten und sagen… Es ist gut so. Es ist das was du willst. Es ist dein Schicksal. Und was noch wichtiger ist – es ist ehrlich. Für mich ist es ehrlich.
Aber diese Sicherheit, wird immer weniger. In den letzten Wochen, hat sie stetig abgenommen. Die Achterbahnfahrt wird immer wilder. Ich steige nur selten und leicht auf, nur um noch tiefer und schneller zu fallen. Dann sind meine Gedanken wirr. Wahnsinn in meinem Kopf. Getrennt von meinem Körper, erlebe ich Dinge, die ein Mensch eigentlich nicht ertragen kann. Und trotzdem atme ich. Und trotzdem lebe ich. Und – das völlig bescheuerte daran ist. Auch dieser Zustand, gehört zu mir. Wenn es – mir gut geht – fürchte ich es. Wenn es zu tickern anfängt. Die Ordnung in meinem Kopf verschwindet. Geraden zu Kreisen und Wellen werden, die sich drehen und mich aufsaugen. Doch es ist ein seltsames Gefühl von Macht anbei. Oder.. Wissen? Wissen ist Macht – merk dir das. Eine seltsame Befriedigung , durch das Chaos zu wandeln, keine Kontrolle zu haben, mit zu fließen…alles fließt… Aber nicht zu fallen. Nicht daran zu zerbrechen.
Gab es schon mal jemanden in meiner Situation?
Bin ich allein?
(Keine Selbsthilfegruppe für dich?)
    “Only the Good die young….”dröhnt es aus den Lautsprechern.
(Only Evil seems to live forever…) Ich trinke eine Schluck von meine Red Bull und grinse komisch. Es ist wie mit den Märchen. Auch in Liedern liegt oft viel Wahrheit. Es ist alles irgendwie, das gleiche… Es kleidet sich nur anders. Das gleiche Lied und nur ne andere Melodie.
Der Drache auf meinem Rücken mäkelt rum. Ich spanne mich an und sehe mich verstohlen um. Nichts zu sehen. Eine Zigarette in meiner Hand, ich entzünde sie, ziehe den Rauch genießerisch die Lunge hinab und höre wie das Lied verklingt. Das nächste wird passen.
Meine Schritte führen mich auf die Mitte der Tanzfläche, beinahe als würde ich vor etwas, dass nicht da,  ist flüchten. Der Drache juckt mich immernoch, ich werde ihn gesund tanzen.
    “ ….will you join me in death..” Höre ich und muss lächeln. Es klingt fast wie ein Heiratsantrag. Tanzen macht mich glücklich. Lässt mich wirklich abheben. Frei von Gedanken. Meine eigene kleine Welt, die noch echter ist, als alles andere.
Die Tanzfläche füllt sich, mit schwarz angehauchten Volk. Die Haufen Grufties, die ach so viel lieber Tod wären, die sich blutige Tränen ins Gesicht malen und sich selbst Schmerzen zufügen, weil sie mit dem Leben nicht zurecht kommen. Oh Mann! Ich kann die verstehen.
Ich lächle und tanze weiter. Fühle mich wohl in der homogenen Masser der Menschen die sich im Takt der Musik hin und her wiegen.
Obwohl, beiläufig fällt mir auf, dass das Muster nicht ganz stimmt. Einige, vollenden ihre Bewegungen nicht so, wie sie…gehören. Weichen zur Seite, oder stoppen abrupt. Und diese Welle bewegt sich auf mich zu.
Himmel. Es lebe die Paranoia.
Unwillig schüttle ich diesen Gedankengang von mir ab und konzentriere mich darauf mich fallen zu lassen.
    “Guten Abend….Frau Toth!” Spricht mein Drache und zwackt mich ins Fleisch.”Schön dich zu sehen!”
Die Stimme erkenne ich wieder. Mein Tanz hält inne, als wäre ich gegen eine Wand gelaufen, ich wirble herum und sehe Georg an. Wo kommt der denn so plötzlich her? Wieso ist er hier? Ist Josepha auch hier. Katinka vielleicht? Er guckt mich komisch an. Hat er heute schon gegessen?
Sein Blick schweift kurz durch die Menge und ich glaube zu ahnen, wie er die ganzen Menschen hier betrachtet. Wesen, die leben..deren Herzen schlagen…durch die Blut pulsiert. Verlockend oder?
Wir small talken. Ich hab den vagen Eindruck, dass er nur die Hälfte von dem ausspricht, von dem was ihm durch den Kopf geht.
Katinka ist weg…und es ist schon fast lächerlich wie mir das Adrenalin ins Blut schiesst, meine Atmung beschleunigt und mein Herz aussetzt.
    “Entschuldige…. In Freising..” Sagt er. “Weg aus München!”
Ha ha. Drücken wir mal bei Anna den Katinka Knopf. Ich komm mir dumm vor.
Hab keine Lust mehr zu tanzen und ziehe mich zurück. Pflanze mich auf einen Stuhl neben irgendjemanden. Georg scheint alleine zu sein. Ist er zufällig hier? Passt er jetzt auf mich auf? Irgendwie will mir das nicht leuchten. Er blickt den Mann, der neben mir sitzt an. Woraufhin der etwas murmelt von ..natürlich und gerne und dann seinen Stuhl kommentarlos an Georg übergibt. Hach wie praktisch.
Wir reden über Dinge die glücklich machen. Über Seelen. Ob ich noch eine Seele habe.
Habe ich? Ist es wichtig? Ich glaube schon…aber… Sie gehört nicht mir allein … Befürcht ich fast.
Er sagt ein paar lästige Sachen
Für Malekin bin ich nur ein besseres Spielzeug.
Die Giovannis wollen sich immernoch an mir rächen. An der Toth. Für ihren Tod.
Es spricht noch so einige Dinge aus, manche will ich hören, andere nicht. Ich werd aus ihm nicht schlau. Ich beginne zu verstehen, dass die…allseits bekannte Verrücktheit, der Malkavianer, viele Gesichter hat. Allesamt sehr verwirrend für mich. Was Malekin und Katinka mit Gefühlen und Wahrnehmungen treiben, schaffen Georg und Malfeis mit ihren Worten.
Mich knacken. Ich Nuss.
(Walnuss, Haselnuss…. Oder..eine Königsnuss? Prinzessin?)
Schon wieder zittert meine Hand und ich mag es nicht leiden, ich schwimme unter der Oberfläche der Normalität und wenn jemand nur eine Kleinigkeit ins Wasser wirft, finde ich mich in den Wellen schon nicht mehr zurecht. Vorhin fühlte ich mich gut.
Jetzt fühle ich mich wieder schlecht. Es war nicht seine Absicht. Er erzählt mir persönliche Dinge von sich. Von Josepha und was für ihn wichtig ist. Davon, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin.
(Is wahr?) Warum sind sie so ehrlich zu mir? Ich bin die Schwächste von ihnen. Der am schlechtersten zu Berechnende Faktor in ihrer Gesellschaft.
Eine Gesellschaft, von wilden Tieren…und zu dem einzigen Lamm kommen sie und erzählen von sich. Aber ich verstehe ihn durchaus. Kann mitfühlen. Ich konnte sogar dem Wolf nachfühlen, der obwohl er log, doch die Wahrheit sprach. Der Spieler, der sich in seinem eigenen Netz gefangen hat. Und er hat die Engelsstreiter auf Katinka gehetzt. Und wenn sich mir die Gelegenheit bieten sollte…töte ich ihn nochmal. Denn dieser Punkt ist unantastbar. Für jeden. Leider ist er schon tot. Wo Rache so süß wäre.
    “Du bist ein Teil eines Spiels.”sagt er. Worüber reden wir gerade?
    “Alles ist ein Spiel “ erwiedere ich. “…aber langsam habe ich genug gespielt…”
    “Ich kann das Spiel beenden! Willst du das ich es beende?”
Die Vorstellung, sofort Frieden zu haben, ist schon verlockend. Ich weiß nicht was er meint, er sagt nicht alles. Will ich das er das Spiel beendet?
    “ Auch Schlayer hat mir angeboten das Spiel zu beenden” (Auf seine Weise)
Und Pontes Sohn hat mir angeboten ,das Spiel zu beenden. (Auf seine Weise)
Und Thomasso würde das Spiel beenden. (Auf seine Weise)
Und Faruk könnte das Spiel beenden. (Auf seine Weise)
Nur Malfeis, der will weiter spielen, mich hineinziehen. (Auf seine spezielle Weise)
Und Malekin?
Und Malekin?
Und Malekin?
…….und Katinka? Der Wolf im Schafspelz. Es gibt.. Sie ist… Das liebenswerte Wesen. So wie ich. Ach wie gut und ach wie brav. Aber, von mir weiß ich, dass es manchmal in mir lodert, so eine Sache… Und… Dann und wann… Wage ich zu bezweifeln, dass auch nur einer weiß, wer Katinka wirklich ist. Ausser vielleicht Malekin. (Malfeis?)
Georg spricht von Josepha, seiner Schwester und ich denke darüber nach, dass ich von ihr, noch nie…Leid kosten musste.. Sie ist immer gut zu mir. Sucht mich zu schützen. Treibt mich nie in die Irrheit, sonder achtet auf mich. Nicht vergessen! Vielleicht brauche ich ihre Hand noch, wenn alles zusammengebrochen ist.
    “Anna “ reißt er mich aus meinen Gedanken.
    “Georg?” Erwiedere ich leise.
    “…bitte pass auf Dich auf..” Sagt er, dreht sich um und schlendert zum Ausgang.
Ich blicke ihm nach. Viele Fragen in meinem Kopf. Obwohl es warm ist, stellen sich die Häarchen auf meinem Arm auf. Ich fröstle. Warum? Die Musik klingt verzerrt, irgendwie zu langsam… Falsch. So, als gäbe sich jemand Mühe, dieses schöne Lied derart zu mißhandeln, dass es  nicht in der Ohren klingt, sondern ins Mark fährt. Der Raum ist dergleiche und doch anders, als wäre ich in einem parallel Universum, dass sich bemüht mir vorzugaukeln,  es wäre meine Welt. Sogar das Stroboskoplicht scheint nicht mehr mit derselben Geschwindigkeit zu blitzen. Doch das ist es nicht, was mir eine Gänsehaut macht. Die Leute sinds. Sie haben aufgehört zu reden, zu trinken, zu tanzen… Sie blicken Georg nach und er bemerkt es nicht einmal. Dieser Anblick, wie sie ihm nachsehen, ist so völlig surreal, als hätten all die Menschen Angst, sie würden aufhören zu existieren, sobald er den Raum verlässt.
Georg schreitet durch den Vorhang, der das Äussere vom Inneren trennt. Dieser fällt hinter ihm zurück, auf seinem angestammten Platz und wie auf Kommando wenden sich die Köpfe herum  und ihren Blicke fallen auf mich.
Mir stockt der Atem. Beschuldigen sie mich oder bin ich ihre letzte Hoffnung?
Weiche Knie….was?
Doch noch bevor ich meine Gedanken ordnen kann gibt es nichts mehr, was ich ordnen könnte. Denn alles ist, wie es sein sollte. Oder?
Ich sacke in meinem Stuhl zusammen.
Ich komm ihnen nicht aus. Egal wo ich bin. Egal was ich tu. Es ist immer einer hier. Und wartet darauf, dass es mir gut gehen könnte.
Ich mach das nicht mehr mit!
Wütend werfe ich die halbleere Red Bull Dose auf den Boden und ernte einige missbilligenden Blicke von Anderen. Was mir das Egal ist kann ich garnicht erzählen.
Es kann doch nicht wahr sein.
Irgendwo muss doch dieser Nullpunkt sein?
Irgendwo?
Gebt mir einen Halt!!!
Lasst mich glücklich sein.
Zulange fühle ich mich schon so. Es gibt keine Auszeit für mich. Keine  Pause.
Wenigsten eine Nacht!
Ich will eine Nacht, in der ich mich nicht quälen muss.
In der ich mich nicht fürchten muss.
In der nicht tausendmal der Name Malekin fällt.
In der mein Herz nicht unentwegt nach Katinka giert.
In der keiner kommt, mich zerwühlt und als Häufchen Asche zurück lässt.
Sonst geb ich auf.
Sonst schaff ich es nimmer mehr.
Keine weitere Nacht.

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Es war einmal…

14.10.2002
 
Frustriert blicke ich auf meinen Monitor

Liebe Katinka….

Steht da. Mehr nicht. Und überhaupt. Wohin sollte ich das schicken?
An Katinka Malekin
Bei Gina, dem Prinzen
Irgendwo in Freising, wo es dunkel ist?
Wenn da mal der Postmann nicht zweimal klingelt.
Warum ich ihr schreiben will? Hm… Weiß nicht genau. Obwohl ich sie vermisse und es sicherlich genügend zu reden gäbe, bin ich sicher wäre sie hier, oder ich bei ihr, wenn etwas Wichtiges geschehen wäre. Es ist wirklich ungemein seltsam, ständig jemanden bei sich zu fühlen, selbst wenn er nicht hier ist. Wunderschön. Aber… Man fühlt sich nicht komplett wenn derjenige körperlich fehlt.
Wie schlimm muss es für sie sein, nicht mehr an Malekins Seite zu sein?
Es klingelt an meiner Haustüre.
20:34 Uhr  steht auf meinem Videorekorder. Seit wann klingeln die denn?
Erstmal mache ich nichts. Wer von ihnen ist denn so normal und benutzt die Glocke, anstatt einfach zu erscheinen? Echt, mir kommt das komisch vor. Thomasso vielleicht? Ich denke, er würde wohl höflich klingen, wenn er mich unerwarteter Dings besuchen würde.
Es klingelt ein weiteres Mal.
Die Frage ist, möchte ich Thomasso – und vor Allem – sein freundliches Alter- Ego, wirklich die Türe öffnen? Gehen Sie zu ihrer Türe, und laden sie JETZT den Vampir zu sich ein. War das nicht so in diversen Horrorschinken über Vampire? Du musst sie einladen, damit sie dein Haus betreten können? Wer das erfunden hat…
Es klingelt ein drittes Mal.
Andererseits, egal wer da draußen steht… Eine Tür wird ihn/sie/es nicht davon abhalten hier rein zu kommen. Dann doch lieber Angesicht zu Angesicht.
Ich nehme die Kette ab, und öffne die Tür.
(Tritt ein komm herein)
Dahinter kommt eine kleine Frauengestalt, mit langen blonden Haaren zum Vorschein.
Hm? Das…
    “Sag mal bist du Tod?” Fragt sie leise und ihre Stimme klingt nicht halb so vorwurfsvoll, wie ihre Worte. Eher..niedergeschlagen. Susanne. Meine … Freundin.
    “Susan….ich….äh…”
Da steh ich in der Tür und bin vollkommen Perplex.
Einen Vampir hatte ich erwartet.
Ein Werewolf…hätte mich ernsthaft beunruhigt.
Aber…. Sie?
Es gibt ja Menschen, deren Leben völlig aus den Fugen gerät, weil sie plötzlich von verrückten Dingen umgeben sind.
Da muss ich kichern und halte mir die Hand vor den Mund, als ob es unhöflich wäre zu lachen.
    “Lässt du mich hier draußen stehen oder….?” Spricht sie und sieht mich auffordernd an. Mein Kichern quittiert sie mit einem eigenartigen Gesichtsausdruck.
OH ja…stimmt. Wie  unhöflich. Ein wenig hektisch trete ich beiseite, öffne die Türe und bitte sie herein. Nicht ohne einen prüfenden Blick nach draußen zu werfen. Hat sie jemand gesehen? Hat sich dort im Schatten etwas bewegt? Hm…
    “ Anna?”
Also ich könnte schwören… Nachdenklich betrachte ich eine flackernde Straßenlaterne. Meine Wahrnehmung ist so was von Lachhaft. Der ganze Garten könnte voller Kainiten stehen und ich würde es nicht merken.
    “ANNA!”
Nein, ich glaube da ist nichts. Oder? Egal. Ich zucke mit den Schultern, und wende mich ihr langsam zu, mit einem kleinen Lächeln. Ich freue mich durchaus sie zu sehen.
    “Ja…?”
Susanne schüttelt leicht ihren Kopf . Wie es die Menschen tun, die etwas eigenartig finden, es aber nicht mit Worten fassen können. Wir gehen in mein Wohnzimmer. Ich bereite Tee, hole ein paar Kekse, gerade so wie früher. Meine Gedanken schweifen zurück, zu dem Brief, den ich schreiben wollte. Es ist ja auch noch diese Sache mit Thomasso, wenn er noch länger in diesem Zustand bleibt, wird er (auch) noch verrückt. Besorgt seufze ich, schenke das heiße Wasser in die Tassen. So gerne. So gerne würde ich helfen. Katinka an Malekin schenken. Vergiss die Generation. Einen eigenen Körper für Thomasso. Ein Herz für Schlayer. Eine Seele für Malfeis…. da muss ich wieder lachen.
    “……. Verstehen. Kein Anruf. Reagierst nicht…ich mache  mir Sorgen..ich…..”  Da hält sie inne und sieht mich an, als würden Frösche aus meinen Augen quellen. “ Findest du das lustig?” Fragt sie ernsthaft verletzt.
Ooopsie. Es tut mir wirklich leid! Ich wollte sie nicht ignorieren. Ihre Worte sind nur so…sinnlos. Mit einem schmerzhaften Stich wird mir klar, dass ich nicht mehr bin wie sie. 8 Jahre unseres Lebens haben wir, mehr oder minder miteinander verbracht. Uns unsere Sorgen erzählt. Auch wenn ich…andere hatte wie sie…schon immer…aber wir haben geteilt, uns geholfen. Wir waren echte Freundinnen. Ich krieg ein schlechtes Gewissen.
    “Tut mir leid Susan. Entschuldige… Mein Leben hat sich verändert ich.. Es sind so viele….”
 (Traditionen!!! Verplapper' dich nicht!!! Vertraue niemanden!!! Ravnos!! Sie können dich sehen lassen was sie wollen!!!) Für einen Moment stutze ich.
    “Ich hab's gemerkt Anna. Weißt du wie oft wir uns im letzten halben Jahr gesehen haben???”
Vorwurfsvoll klingt sie. “… Dreimal.. Anna…DREI MAL. Und das zufällig. Zweimal bist du sogar an mir vorbeigelaufen ohne mich zur Kenntnis zu nehmen. Ich spreche auf deinen AB. Du reagierst nich! ” Hat sie auf meine Anrufbeantworter gesprochen?? Mein Blick fällt auf das Telefon. Oh je, wann hab ich den denn das letzte Mal abgehört? “Tagsüber kriegt man dich nicht aus Bett geklingelt. Nachts bist du…nie da… NIE…oder öffnest du mir nur nicht??” Also bitte, ich hab halt einen gesunden Schlaf, ich….” Was zum Teufel ist mit dir los? Was ist geschehen? Lass mich teilhaben. Erzähls mir!” Ihre Stimme klingt flehentlich…..und ich betrachte sie misstrauisch…. Wieso? Warum will sie unbedingt wissen was mit mir ist?????
Deine Freundin… Sie ist deinen Freundin Anna. Schon vergessen?… Jaha…IST? Sie meine Freundin?
Nachdenklich setzte ich mich zu ihr auf die Couch, begutachte sie aufmerksam. Gut sieht sie aus. Die Augenfarbe? Grün-Grau. Stimmt. Das Grübchen. Ja. Hm…sieht echt aus. Aber Ich weiß noch, als der Wolf mir Katinka zeigte, als ich so verzweifelt war…und ich hätte meine Hand dafür ins Feuer gelegt, dass es Katinka IST. Hm hm hm.
    “Warum siehst du mich so an…………?” Trauer. Unverständnis.
    “Sag mal….” Lehne ich mich zurück und lächle sie freundlich an. “ Erinnerst du dich, als mein Onkel starb? An die Worte, die ich ihm mit in sein Grab gab?” Na ? Weißt dus???
 Wieder dieses Kopfschütteln, tue ich ihr weh?
    “Anna was soll das?”
    “Weißt dus?” Meine Stimme klingt wohl einen Hauch zu scharf, denn sie schreckt zurück.
    “Alles beginnt und alles endet, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort.!” Antwortet sie leise. Sind das Tränen in ihren Augen. Da zwackt mich mein Gewissen gleich noch viel doller. Es stimmt was sie sagt.   
    “Tut mir leid!” Murmle ich ein weiteres Mal. Verdammt. Verdammt! Verflucht Verdammt…ins Herz gerammt.
Jetzt sagt sie nichts mehr…sieht mich nur noch so an. Ich glaube nur Frauen können so blicken. Soviel Trauer, so viele Fragen. Ich senke meinen Kopf und nun rinnen Tränen über mein Gesicht. Und Susanne beginnt wieder zu reden…
    “Anna…” Sie schluckt hart. ….

Mein Herz ergriffen, zurecht geschliffen mit tausend Worten
Die alle nur das eine sagen, ich kann nicht wagen noch einmal danach zu fragen, kann nicht ertragen was du sagst, du fragst mich weiter tausend Fragen mit Händen und Blicken von deinen Lippen, darf ich Nippen von deinem Leid, doch weder befreit noch löst dich dein sprechen, ich fürchte fast du willst mich brechen, denn auch wenn du schweigst, sprichst du unentwegt, von meinen Fehlern, meinen Schwächen, tausend Verbrechen, die ich an dir begangen hab, verzag ich nun und schweige still, weil ich nicht mehr reden will, nicht will, nicht kann, ich fühl mich schlecht, denn wie ich bin, dass ist nicht recht, in deinen Augen, Worte verstauben, doch Gefühle halten an, wenn man sie verstehen kann…
Ich bin nicht gut, bin nicht genug, bin nicht so wie du es wünscht
Mir hilf kein Klagen und auch kein Reden, bekomm so viel von dir und kann nicht genug geben…

    “…..verstehst du?” Bittend. Jemand hat seine Hand um mein Herz gelegt und drückt zu. Mein Körper zittert. Es ist…wie… Als hätte ich das letzte Jahr damit zugebracht unter Wasser leben zu können … Mich daran gewohnt..und plötzlich zieht mich jemand raus und sagt mir….DA…LUFT…ATME!
Mein Herz tobt. Susan sieht mich ängstlich an. Merkt, dass es mir nicht gut geht. Will mir helfen. Meine Güte. Ich bedeute ihr etwas. Sie sorgt sich und ich…hab sie einfach vergessen. Als hätte es sie nie gegeben. Ich bin schlecht… Und vor allem schlecht für sie. Panik.
Wenn jemand gesehen hat, wie sie mich besucht. Ein Mensch.
(Jaha. Sowas. Was für eine Tragödie. Ein Mensch hat dich Menschlein besucht. Ist dir das klar Anna? Merkst dus?)
Mir ist gar nicht bewusst, dass ich weine und seltsam schräg kichere auf einmal. Susan ist zu mir gerückt. Ihre Hand liegt auf meiner geballten Faust. Trostspendend. Aber nicht für mich. Man wird wissen, dass sie zu mir gekommen ist. Man wird an mir zweifeln. Man könnte befürchten, ich hätte in einer schwachen Sekunde die Maskerade gebrochen. Wie lange ist sie schon hier?
    “Du kannst mit mir über alles reden Anna…dass weißt du doch…”Ihre Stimme klingt vertrauensvoll und zärtlich. Ich will.. Ich will ihr alles sagen. Ihr meine Sorgen klagen. Mein Herz ausschütten. Ihr von Katinka erzählen. Von meine Gefühlen. Von dem bösen Wolf, der mich wichtige Lehren lehrte. Davon dass Malekin verrückt ….und Alles Wahnsinn ist. Will darüber sprechen… Dass sie..und alle..wie sie dort draußen rumlaufen…Blüten sind, von denen jeder mal kosten darf. Oder man pflückt sich einen hübschen Strauß.
    “ Ich….” Setzte ich an.
Ihr Blick ist aufmunternd. Zuhören will sie mir. Verstehen will sie mich. Lügen. Ich muss lügen. Aber ich lüge so ungern. Was tun? Ich kann ihr nichts erzählen. Würde sie mir glauben… Würde der schlimmste Fall eintreten..wäre Katinka in Gefahr…alle..die ich… In mein Herz geschlossen habe. Wenn du den Tod im Herzen hast, dann ist für nichts lebendes mehr Platz. Und…. Susan wäre tot… Erführe sie nur ein Wort von meinen Lippen… Wäre sie tot. Sehr viel Toter, als ich bald sein werde. Und vielleicht ist sie schon zu lange hier.
    “ Du musst gehen!” Ich erhebe mich. Mein Gesicht wirkt verschlossen. Wie war das? Manchmal muss man jene, die einen lieben weh tun, um sie zu schützen? “ Ich will nichts mehr mit dir zu tun haben. Klar?” Es beunruhigt mich, wie leicht mir diese Worte über die Lippen gehen. Kalt, hart. Fast wie Schlayer. Einfach logisch. Emotionslos. Sie sind nicht gelogen. Es ist besser, für mich, für sie..und überhaupt. Diese Welt..so wie sie war… Ich will sie nicht mehr.
Ihre Mimik versteinert. Dann erhebt sie sich wortlos und geht. Ich höre die Türe hinter ihr, wie sie ins Schloss fällt.
RUMS.
Vorbei.
 

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Nebelschwaden

13.10.2002
 
Sonntag?
Annemarie Roseck. 36. Gebärmutterkrebs. Tod. Grau-grüne Augen. Dunkelblondes Haar. Nette Figur. Hätte sie die Wahl gehabt… Wie hätte sie entschieden? Wie würden sie entscheiden? Ich sitze vor der Balkontüre und blicke in das Nichts hinaus. In meiner Wohnung ist es dunkel. Das liegt nicht daran, dass ich das Licht gelöscht habe, sondern daran, dass ich schon so lange hier vor der Scheibe verharre. Ich habe gesehen, wie die Sonne klammheimlich untergegangen ist.
Ich habe beobachtet, wie das Dunkel leise und unaufhaltsam über die Welt gekommen ist.
Und jetzt verfolge ich…beinah gebannt…wie der Nebel dicker wird und alles in Stille hüllt. Nebelschwaden die über die Straßen und Gärten kriechen.
Meine… Klientin… Liegt schweigend in ihrem Sarg. Im Hause Denk.Weich sieht sie aus…friedlich. Ist sterben schön? Macht tot sein glücklich?
Ich vergewaltige sie, sagte Christopher damals, als er mich zum ersten Mal sah….oder mir zum ersten Mal begegnete… Oder… Egal… Langsam… Langsam verstehe ich was er meint.
Gleichgültig in welchem Zustand sie zu mir kommen..die Toten. Wenn sie mich verlassen…sind ihre Gesichter rein…ihre Mimik zufrieden. Ihre Kleidung perfekt. Ich entferne ihren Tod aus ihrem Anglitz. Wasche ihre Geschichten weg. Lasse sie scheinen wie sie nicht sind.. Nur schlafend.
Ha. Wie sich die Verwandten freuen würden. Wenn es tatsächlich geschähe..dass sie aus ihrem Schlaf erwachten. Seit ich… SIE…die Kainiten kenne. Hat sich..auch meine Arbeit..nun ja verändert… Mein Chef hat es nie beobachtet, denn ich bin ein kluges Kind…aber bevor ich die Toten bearbeite, halte ich ihnen Feuer unter die Nase..und auch einen Pflock hab ich mir für die Arbeit zugelegt. Selbstschutz sozusagen.  Weiß man denn, ob da auch jeder sicher ..richtig Tod ist? Und was wenn mir einer vor der Nase aufsteht? Und dann noch Durst hat? Schutz? Ich weiß nie, ob gerade jemand hier ist, oder ob ich allein bin. Passt Gonzo noch auf mich auf, obwohl ich…keine Giovanni zu werden gedenke? Leichenwäscher, wird eine sehr surreale Aufgabe, wenn man seine freie Zeit mit Untoten verbringt. Ich seufze und beobachte wie mein Atem an der Glastür anschlägt. Ist es so kalt hier? Oder ist mein Atmen so warm..so heiss? Verbrenne ich innerlich?
Mein Kopf fällt nach vorne, so dass sich meine Stirn an das kühle Glas drückt.
Links und Rechts jeweils meine Hand, als ob es draussen etwas zu sehen gäbe.
Seltsam im Nebel zu wandern, mit soviel Gefühl ich Bauch.
Ich würde gerne durch den Nebel wandern, doch ich wage es nicht. Nicht dass ich hier im Haus sicherer wäre. Wissen sie eigentlich wo ich zu finden bin? Ich mein ..jeder?…auch…die freundliche Familie Ponte…oder der Sohn…expliziet. Wenn der mich allein erwischt… Dann kann mir auch Gott nicht mehr gnädig sein. Und wer glaubt schon an Gott?
Was Katinka wohl gerade tut? Ich suche ihr Gesicht im Nebel. Aber keine Spiegelung in der Fensterscheibe. Keine dünne Stimme die mich fragt, ob ich nicht mir ihr kommen möchte. Aber allein bin ich nicht. Nicht wieder. Nie wieder…. Solange ich nur werden kann, was sie ist. Und so sehr sie sich dafür….hasst? …. Ich liebe sie dafür…denn nichts anderes war für mich geplant. Ich bin mir sicher. Oder?
Durch den Garten huscht ein weisses Kätzchen und ich sehe die Bilder eines Lebens vor meinem inneren Auge…oder sind es die Bilder eines Traumes… Es sind Bilder, dass reicht. Ich stelle mir vor…wie so ein Gangrel, ein süßes kleines weisses Kätzchen wird und kichere leise.
Komm…miez miez miez.
Bleib lieber weg….husch husch husch.
Ich war in Katinkas Kopf…wer sonst hat schon so wirre Gedanken. Hänsel und Gretel und die böse Hexe. Schneeweisschen und Rosenrot verjagen Schneewittchen.
Ich drehe und wende meinen Kopf leicht und kühle meine Wangen sorgsam.
Aus dem Nebel springt Wolfensteins Fratze auf mich zu und ich schrecke zurück. Er wollte mich töten. Und ich hätte da gestanden wie ein Opferlamm, wäre nicht zurück gewichen, wenn sie mich nicht geschoben hätten. Mich beschützt hätten. Die Verrückten. Malekin. Katinka. Lyra. Der Seneschall. Vertraue niemanden. Vertraue allen. Wer bin ich?
Anna Toth.
Aber wenn ich nicht bald Malekin werde, verliere ich mich. Manchmal sind es Stunden, in denen ich unbeweglich verharre, weil ich einen Gedanken zu Ende denken MUSS. Zwingend. Oder weil etwas…das ich schon tausenmal gesehen habe…so wunderschön ist.. Das es mir faktisch den Atem raubt.
Sonnentau. In meinem Bad steht Sonnentau. So wundervoll. Kleine Tropfen, auf den einzelnen Häarchen. Kleine zappelnde Leiber, die daran festkleben. Um ihr kurzes Leben fürchtend. Und wenn man nur genügend Geduld hat, kann man beobachten, wie sich die Blätter langsam einrollen…um das Opfer herum. Eine Spinne in grün ,die ihre Mahlzeit einkreist.
666 is the Number of the Beast.
Beauty and the Beast. Doch…ich verstehe Katinka. Es liegt soviel Wahrheit in jedem Märchen, dass man niemals aufhören sollte sie zu lesen. Wann habe ich das letzte Mal eines gelesen?
Ich verstehen Katinka. Was sagt das über mich aus?
Ich betrachte im Fenster wie mein Gesicht  zu lächeln beginnt. Ich bin stolz. Ich bin stolz, sie kennen zu dürfen. Und sie würde mich für derartige Worte verrückt rufen. Sie liebt Malekin und fürchtet ihn. Streng ist er, sagte sie mal. Und sie ist Malekin und ich fürchte es nicht… Wie dumm von mir…oder?
Die Hobbypsychologen Stimme in meinem Kopf flüstert etwas von Mutter ersatzt, Mutter liebe die ich nie fühlen durfte…und ich könnte mich scheps lachen. Welche Mutter würde ihr Kind denn schon töten? Ob sie den Prinzen schon gefragt hat? Denkt sie an mich? Vermisst sie mich? Warum…bin ich noch immer hier, in meinem Haus..und nicht bei ihr? Wäre ich nicht sicherer bei ihr… ? Würde sie mich..bei sich haben wollen?  Es ist so völlig seltsam. Ich fühle, und weiß dass ich schon ihr gehöre..schon zu ihr gehöre. Dass mich……nichts..(Nichts?) Davon abhalten könnte. Ausser vielleicht… Sie… 
Ich blicke in den Nebel..sehe Malekin et Katinka et Malfeis…wie sie sich an den Händen halten. Ihre Blicke nach oben gerichtet… Vereint..als gehörten sie zusammen. Und der Anblick ist…genauso richtig..wie er mir falsch scheinen will. Malekin und Katinka sind eine Generation.
Nur einer in jeder Generation. Ich erinner mich als ich es hörte, bei der Geisterbeschwörung. Als Tinka erzählte, vom Fluch der Malekin. Der Grund warum ich niemals Malekin sein könnte.
Die zwei, die eins sind, sind einer zuviel.
Wie absurd.
Wen würde ich mehr vermissen? Wer steht mir näher am Herzen? Was kann man tun? Könnte ich?..Alles …alles würd ich geben..oder?
Es fröstelt mich. Möchte ich den Wald im ganzen sehen?
Ist das ein Angebot?
War es ein Angebot?
Wie gut…. Wie mächtig ist er wirklich?
Die Zeit verrinnt.
Tick. Tack.

 

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Kopfkino

09.10.2002
 
Anna?
Weiche. Wärme. Haut auf meiner Haut.
Lippen die meine Lippen streifen.
Meine Augen öffnen sich und suchen nach dem Ursprung.
Aber ich bin allein – denke ich.
Es ist alles ganz schwarz. So sehr ich mich auch anstrenge, nicht mal meine eigene Hand vor Augen kann ich sehen. Auf dem Rücken liegend stiere ich in die Dunkelheit meines Zimmers. Versuche wieder einzuschlafen und meinen Traum aufzugreifen. Es fühlte sich gut an. Diese Zärtlichkeit fühlte sich gut an. Wessen Lippen? Ich weiß es nicht. Es ist auch nicht überaus wichtig glaube ich. Es war nur schön. Das Schwarz um mich herum starrt mich an. Und mit einem Mal befällt mich der Gedanke…
Bin ich allein?
Ist jetzt jemand hier? Bei mir? Im sicheren Schutze der Nacht. Sieht es mich an und fragt sich, ob ich es sehe?  Ich könnte das Licht anmachen und mich vergewissern. Aber… Der Gedanken scheint mir tröstlich. Will ich Allein sein? Nein. Die Augen der Nacht ruhen auf mir. Ich glaube es zu fühlen. Nichts in meiner Welt ist noch Normal. Nur ich..und es wird höchste Zeit das zu ändern. Ich streiche mit meinem Zeigefinger sacht über mein Gesicht… Die letzte Berührung nachempfindend…dann höre ich auf in das Dunkle zu sehen. Sondern schließe meine Augen, um mich dem Schlaf hinzugeben. Es ist noch zu früh zum Aufwachen. Also schlafe ich weiter.
Mich in Sicherheit fühlend.

ANNA!!

Ich blinzle. Keine Lippen. Keine weiche Haut auf meiner Haut.
Bevor ich weiter denken kann, tastet meine Hand nach dem Tagebuch. Es liegt dort wohin es gehört. An meiner Seite.
Ich fühl mich wie erschossen. Aufwachen und gleich ein Brett vor dem Kopf haben.
Na Bravo.
Es geht…wie schon seit längerem?…ich weiß nicht genau. Vielleicht. Vielleicht auch erst seit gestern. Oder seit heute Nacht? Träume. Seltsame Träume. Die nicht wirklich mir gehören…..oder? Gibt es mein Leben eigentlich noch oder besteht es nur aus Träumen?
Schlafe ich soviel?
Oder ….träume ich nur das ich wach bin. The Matrix Effect?
Mein Traum. Nicht mein Traum. Eindeutig! Mein Herz schlägt noch wie wild.  Noch schlägt es. Ich lächle schief in die Dunkelheit. Seit ich mich entschlossen habe, meinen Tod in Angriff zu nehmen… So richtig… Fühle ich mich trotz der widrigen Umstände besser. Malekin wird einen Weg finden. Katinka wird einen Weg finden. Und wenn es keiner der beiden schafft, werde ich einen Weg finden. Ich kann immerhin noch die Zeit zurückdrehen oder meine Seele zum Verkauf anbieten. Ich hab doch noch eine Seele oder? Candyman,Candyman…oh ach…Candyman. Wishmaster ich rufe dich….
(Aber wehe er antwortet.)
Ich richte mich auf und lehne mich gegen die Kühle Wand an dem Kopfende meines Bettes.
Geträumt.
Ich hatte Träume, in denen ich ..ich war und ich agiert habe.
Ich hatte Träume, in denen ich..ich war und ich zusah.
Ich hatte Träume, in denen ich…zusah.
Jetzt hatte ich einen Traum…in dem ich… Nicht ich war…und zusah…und tat.
Fast verdächtige ich Katinka. Das Brennen auf meinen Lippen. Der Schmerz. Das…das frische Gras unter meinen Füßen…Und Malekin…so sei es… Malekin.
Ich liebe… Malekin..und gleichzeitig..habe ich manchmal den Verdacht…ich müsste schreien..kreischen..mir die Augen aus dem Kopf kratzten wenn ich es nur noch ein einziges Mal hören..oder sagen muss.. Malekin.
Wie sagen sie?
Ich wünscht ich könnte mich sehen in deinem Kopf…in deinem Kopf…Kopfkino?
See the world thru my eyes? Walking in my shoes?
Take a look into my world….durch eine….Milchglasscheibe?
Es gibt da einen Film. Strange Days. Da kann man… Erlebnisse..eines anderen Menschen .. Erleben. So ein Sci Fie Kram. Eine Kamera die man sich quasi ans Gehirn dockt. So wird aufgezeichnet und abgespielt. Beinah möchte ich nach einer Buchse an meiner Schläfe suchen, aber…wie günstig… Ich glaub…als echter Malk braucht man dafür kein Aufzeichnungsgerät. Als echter Malk….
Sie wissen was man ihrem Clan nachsagt…..
Ärgerlich wische ich die leise Stimme des Flüsterers beiseite.
Ich bin kein Malkavier, ich bin ja nun nicht mal tot, geschweige denn ein verrückter Vampir.
(Auf Ver-rückt oder nicht Ver-rückt geb ich dir ne tolle Wett-quote.!)
 Ich fühle es, an meinem Herzschlag. An der Wärme meiner Haut. Ich kann essen. Die Sonne genießen. Ich bin ein Mensch. Ich lebe. Ich bin NICHT Tod.
(Ach nein?)
Toth. Himmel Herr Gott. Nicht Tod. Toth.
Ich bin Toth, nicht tot.
(Sicher?)
Ich ziehe das Tagebuch an mich, drücke es schutzsuchend und mache das Licht an.
So.
Was lebt, kann wohl schlecht tot sein. Widerspricht sich ja in sich selbst. Herrausfordernd blicke ich mich um. Natürlich nichts zu sehen.
(Nicht mal der Raum, in dem dieses Bett…deins?.. stand, über dem ER wachte?)
Widerwillig schüttle ich meinen Kopf.
Einatmen. Ausatmen.Völlig natürlich. Es ist völlig natürlich, wenn ich…mein Geist..auf all diese…Geschehnisse…Ereignisse…ein wenig…verwirrt…reagiert. Was kann man denn schon erwarten?.. Wäre ich nicht völlig krank im Kopf, wenn ich damit zurecht käme?
(Du kommst nicht damit zurecht?)
Wie bekommt man eigentlich  seine kleine lästige Stimme im Kopf zum schweigen?
(Deine?)
Entnervt rolle ich die Augen. Womöglich schlafe ich ja auch noch. Egal. Es macht keinen Unterschied. Ein Traum jagt den Anderen. Wer soll da noch durchblicken.
(Was….wenn du dir nur einbildest…noch zu leben?)
Hallo?
Ich kichere und gleichzeitig steigt dieses maue Gefühl in mir auf. Genauso, als wenn der Malfeis mit mir sprechen tät.
Wie war das, mit der Welt, die wir schaffen, indem wir sie wahrnehmen. Selektive Wahrnehmung. Was wäre wenn…ein Vampir glaubte, er wäre ein Mensch? Sein Herz schlüge, seine Haut wäre warm. Er könnte vermutlich sogar Essen genießen. Wenn er nur stur genug ist. Und die Sonne? Wer weiss schon. Vielleicht könnte er die Sonne weg dementieren.
Ich lache trocken…. Aber mein Herz beginnt schneller zu schlagen, als ich darüber nachdenke, wann ich das letzte Mal wirklich Sonne auf der Haut gefühlt habe. Ich könnte schwören, es wäre schon mindestens 2 Monate her. Mein Leben passt sich so an mein..hm..neues soziales Umfeld an, dass ich mit Ihnen Aufwache. Mit Ihnen schlafen gehen. Ich erledige sogar meine Arbeit bei Nacht. Kein Problem.
Ich schlucke schwer. Wenn ich mich so recht erinnere, habe ich sogar Blut getrunken. Es war so süß, so belebend….so erfüllend. Würde ich das tun wenn ich lebte? Hab ich es getan, weil der Wolf mir gab. Oder gab mir der Wolf, weil ich wollte. Wer hat wen hinters Licht geführt.
Mir wird wieder schlecht.
Wäre es möglich, alles einfach so zu sehen, wie ich es sehen möchte? Und die Anderen…
Warum sollten sie gestatten, dass ein Mensch..ein Gefahrenfaktor wie ich..solange unbehelligt unter ihnen ruht. Dafür gibt es keinen Grund. Ausser, ich wäre keine Gefahr mehr.
Ein sachter Schweißfilm zieht sich über die Innenfläche meiner Hände. Schwitzen Vampire? Ist es Schweiß oder Blut?. Würd ich den Unterschied sehen wollen? Können? Lassen mich Malekin in dem Glauben Mensch zu sein, bis ich von allein darauf komme? In meinem Kopf dreht sich alles….
Katinka ist verrückt. Was ist, wenn sie so verrückt ist… Dass sie mich erfunden hat? Vielleicht ist Anna Toth nur ein Teil von Katinka Malekin.
Vielleicht war ich diejenige, die bereuen hätte sollen.
Vielleicht war sie diejenige, die draussen Angst hatte.
Bin ich entstellt?
Hat sie mich damals angesprochen, oder habe ich auf sie gewartet? Wer bildet sich wen ein? Ich verstehen sie, ich liebe sie, ich fühle sie, ich fürchte sie…ich….kenne….sie…vertrauen… Innigkeit..Verbundenheit…
Leises Wimmern.
…Vielleicht, war ich schon immer sie..und sie schon immer ich… Kann ich sicher sein? Das es mich gibt?
Lachen.
Das ist alles so krank. So krank.
Ich sehe sie, in ihrem weissen Kleid.
Weiss wie Schnee.
Ich sehe, wie meine Finger in ihrer Wunde verschwinden..sich verbindend. Ihr Lebensaft auf meiner Haut.
Rot wie Blut.
Ich sehe mich, in meinem schwarzen…Anzug?
Schwarz wie Ebenholz?
Sind wir Schneewittchen?
Oder ist sie…Schneeweisschen
Und ich Rosenrot die schwarze Witwe?
(Schritt für Schritt..du Spinnentier…kommt her zu mir.)
Wer sitzt in des Netztes Mitte?
Wer ist die Spinne die dich einwebt? Faden für Faden…
Wo ist der Anfang?
(Omega = 0 )
Wer ist die Ursache?
Malekin…liegt auf meinen Lippen und will sich ohne mich zu fragen selber sprechen.
Mein Kopf tockt sacht gegen die Steinmauer.
Genug………….. Es ist genug jetzt..

Ich will sterben, was wäre die Tragik, wäre ich schon tot?
Und wenn ich nur Einbildung bin…dann ist es so.Punkt.
Meine Hände entspannen sich etwas und mein Puls sinkt.
Ich werde ihr von meiner lustigen Theorie erzählen. Sie wird sie sicherlich leiden können.
Damals warf sie die Brotkrumen und Heim fanden wir……….
Zurück fanden wir nicht.
Eine Frau sitzt zwischen den Bäumen im Schatten….sieht sie, den Wald, oder die Bäume?
Ich weiß es wohl. Solange sie im Wald steht… Kann sie nicht mehr als die Bäume sehen. Allerhöchstens…sie fände den Weg nach draussen. Aber wie…wenn doch all die Brotkrumen aufgefressen sind?
(Ist Raus der einzige Weg? Nicht tiefer rein?)
Ich kichere und schüttle den sachten Irrsinn ab.
Chaostheorie. Ich hörte davon. Wenn man ..egal was…hinein in seine Einzelteile zerlegt. Immer weiter..immer weiter…wiederholen sich irgendwann die Muster. Es macht also keinen Unterschied, ob man etwas vergrößert..oder verkleinert…man wird immer wieder an den selben Punkt gelangen.
Rein oder Raus?
Ich mache das Licht wieder aus und rutsche ins Bett zurück. Noch ein wenig nachdenken.
Es wird noch lange dauern bis die Sonne aufgeht….und heute..ausnahmsweise…warte ich ein wenig darauf.
Für einige Sekunden fühle ich ein Ziehen in meinem Körper. Eine ungekannte Gier. Ich schaudere und schleppe mich zum Kühlschrank.
Geschöpfe der Nacht ans Licht gebracht hm?

…………..und dein, ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit…. Malekin.

 

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Momentaufnahmen

02.10.2002
 
Licht aus.
Spot on.
Katinka sitzt mir gegenüber. Ich halte ihre Hand und beide sehen wir andächtig zu Malekin hinauf, der bei uns steht und das erste Mal an diesem Abend beinah völlig normal spricht.
    “Wolfenstein ist tot. Irgendwie…Schade…ich kann mich noch erinnern……”
Seine Worte verlieren sich im Sand. Wohl bewegt sich sein Mund weiter, aber nicht mehr für mich.(“ …Wir saßen in einer Küche, alles gefliest… ”) Ich bemerke wie sich meine Augen mit Tränen füllen. Wolfentstein tot. (“…Wir teilten uns einen Schokoriegel und haben geplaudert… “)
Unabänderlichen Dingen nachzutrauern ist Zeitverschwendung. Noch vor zwei Stunden hätte ich ihn eigenhändig umgebracht. Aber das ist etwas anderes.  Es ist so seltsam.(“ … Ich mochte ihn… “) Ich trauere nicht, aber ein Teil in mir, den ich nicht leugnen kann. Schmerz. Verkrampft. Aus der Gewissheit raus, nie wieder die Nähe zu verspüren zu können. Nicht mehr für mich. Himmel. Ist so Liebeskummer? Zerrissen? Sehnsucht zu verspüren, obwohl man denjenigen hasst.  (Wolfenstein = Sabbat. Steht in dem komischen Buch und ich geh kotzen .) Hassen muss. Katinka drückt meine Hand und ich bin dankbar. Völliger Wahnwitz. Ich könnte losheulen und gleichzeitig ist alles, was mir wichtig ist, hier bei mir – ganz nah. Das passt doch nicht zusammen. Ich weiß wohin ich gehöre und dennoch empfinde ich …. Tiefen echten Schmerz. Meine Hände greifen fahrig zu meinem Kopf und ich beginne mein Haar zu flechten.  Rapunzel, Rapunzel. Schneid dein Haar doch ab..Links über Mitte, rechts über Mitte. Links , Rechts…spinn Rädchen spinn.  Sie können natürlich sagen was sie wollen. Und sie haben natürlich auch recht. Aber vielleicht ist Wolfenstein nur tot, dass er sein Versprechen, dass er mir gab, auch wirklich einhalten kann. Ein Seltsamer, aber wirkungsvoller Weg. Ich werde kein drittes Mal von ihm trinken. Wie er sagte. Es beruhigt meine Seele, dass er wohl vielleicht schlecht war… Aber ich habe mich nicht in ihm getäuscht. Oder?
Katinka hilft mir beim flechten und Malekin sagt:
    “ Er war ein netter Kerl…für einen Sabbatianer” Und kehrt zum Spiegel zurück den er immer noch nicht zerbrochen hat.
Stille.
Licht an.

Licht aus.
Als ich sie sehe laufe ich raus. Erschlagen von Schuldgefühlen. Eine Zigarette später wage ich mich wieder rein. Ihr Gesicht ist entstellt. Brandblasen, Verätzungen. Alles blutig und verbrannt. Aber noch schlimmer, als die Wunden, ist ihre Mimik. Als hätten ihr die Stunden in den Fängen der Heiligen 50 Jahre ihres Unlebens gekostet. Oder mehr. Ihre Kleidung weiß, wie Schnee. Ihr Gesicht..so rot wie blut..so schwarz wie..Kohle. Ihre Hände zittern, als sie das Glas mit Blut darin zum Munde führt. Gierig trinkt und dabei kleckert wie ein kleines Kind. Was muss sie ertragen? Sehnsüchtig blicke ich zu ihr. Es dauert ein wenig, dann findet sie meine Augen und schafft es mich anzulächeln. Mit Sicherheit unter Schmerzen. Und ich fühle, sie ist nicht böse mit mir. Sie wirft mir nichts vor. Die erste Sekunde, in der ich mein Gesicht an ihre Schultern drücke, gleicht so sehr einem Heimkommen, dass ich Tränen nicht zurück halten kann.
    “Malekin!” Flüstert sie leise und streicht mir über meinen Kopf. Die Haare sacht beiseite. Zärtlich. Ihre kühlen Fingerspitzen berühren meinen Hals, sie schaudert und ruckt weg. Trinkt, mit gierigen Zügen ihr Glas leer und lässt es füllen. Ich verstehe. Sie kann nicht richtig Trinken und als ich sie frage, ob sie auf der Jagd war seit…..dem…. Schüttelt sie nur ihren Kopf. Und ich so greifbar nah. Pulsierendes Leben in meinen Adern. Wie verlockend muss es sein für sie? Und….für mich? Was wäre denn?  Einmal raus um die Ecke. Die Idee, wie sie ihre Fänge unter meine Haut schlägt, will und kann mich nicht schrecken. Im Gegenteil. Ich fände es immer noch… Unpassend… Ein Futtermittel für Vampire zu sein. Aber Katinka von mir zu geben, wo sie es doch so sehr benötigt..ist etwas anderes. Sie gibt, ich könnte geben. Wir würden uns einfach nicht erwischen lassen .
Stille.
Licht an.

Licht aus.
Stroboskop.
Unruhe. Wir sitzen an einem Tisch. Sie kann noch nicht reden. Nur Malekin. Malekin sagt sie. Oder auch Malekin. Je nach dem um was es geht. Aber eigentlich macht es kaum Unterschied, wir unterhalten und dennoch – den Umständen entsprechend – gut.
Unruhe. Wir drehen unseren Kopf und ich lächle als hereinkommt, derjenige den ich schon den Abend lang vermisse. Thomas.
Er sieht aus, wie ein Wolf der gerade seine Beute geschlagen hat. Blutverschmiert. Die Zähne gefletscht. Dieses, sein Blut, dass an seinem Halse hinab läuft und leise nach mir ruft. (Blut auf meinen Lippen.) Ein warmes Lodern, und obwohl ich in das Gesicht einer Bestie sehe, die… .so wie es aussieht… geradewegs auf mich zu kommt, fürchtet mich das nicht. Denn ich vertraue ihm. Er hat mir ein Versprechen gegeben, an das er sich halten wird. Ich weiß es mit absoluter Sicherheit. Komme was will. Er wird nicht verhindern, dass ich Malekin werde. Er hat's versprochen. Egal was ihn gerade treibt, wenn er bei mir ist, werde ich ihn einfach daran erinnern.
    “Er hat's versprochen.. “Erkläre ich Katinka und Josepha, die mich sorgsam zurück schieben, weg von dem Wolf. Malekin stellt sich ihm in den Weg.  Der Wolf packt ihm am Kopf und ich fühle mich seltsam erinnert…an…an… Dann Josepha, die ihn auf die Art und weise ansieht. Und. Ich.
Was regen sie sich denn alle so auf?
Er hat Blut getrunken. Na und? Tun sie ja wohl alle. Zugegebenermaßen. Der Wolf, wie er mich durch die Leute hindurch ansieht, ist…unheimlich…und reizvoll. Aber sein Versprechen würde er nicht brechen. Er wird nicht. Katinka noch immer an meiner Seite. Wir beobachten das Szenario. Ich bin ruhig. Es wird nicht viel geschehen. Wenn alle wieder auf dem Boden der Tatsachen sind, wird es sich klären. Auch dass sie sich zu 5 auf ihn Stürzen, sorgt mich nicht. Er ist hart im Nehmen, und im Moment offensichtlich..nicht ganz er selbst. Ich kann warten.
Schließlich bringen sie ihn zu Boden und pflocken ihn.
Ticker.
Tacker.
Sein Anblick, wie er da so am Boden liegt, mit diesem Pflock im Herzen. Dieser Anblick will mich nicht loslassen und ich werde seltsam nervös. (“..Kann ich dir vertrauen…? “) Mir ist als hätte er noch eben zu mir gesprochen. Ob er mir vertrauen kann und -” ja “  -habe ich gesagt. Und ich weiß, was ich nun tun muss. Nicht muss, tun will, weil ich es ihm versprochen habe.
Pulpitation.
Mein Gesicht wird ganz heiß, der Puls tut was er will. In meinem Kopf gibt es nur noch einen Gedanken. Wolfensteins Kopf….muss runter. Sofort. In Torpo. Er liegt im Torpo und MUSS sterben. Waffen. Wie töte ich einen Vampir? Kopf ab, Hut ab. Ich wusle in meiner Versessenheit los. Ein Schwert. Ich brauche. Ein Schwert. Hier hat's genug. Meine Augen suchen nach jemanden der gerade nicht auf seine Waffen achtet. Aber. Hm… Mir ist klar. Wenn ich zu laut bin, dann werden sie mich hindern. Sie sind stärker als ich. Wenn ich jemanden das Schwert nehme wird er mich halten.
Doch…die Vögel über den Feldern, ernten ohne zu säen oder wie war das? Und ich sehe, wie dieses… Vanderbilts?… Schwert allein an der Wand lehnt. Zufall?
Gebongt.
Schon bin ich zurück, dränge mich scheinbar neugierig nach vorne. Hände, die nach mir greifen, mich an der Schulter halten. Doch ich schiebe sie nur unwillig weg. Ich hab ja gleich Zeit. Ich muss nur schnell ein Versprechen ein lösen. Der Seneschall steht mir blöd im Weg. Oh Mann. So nah.
    “Anna, was willst du mit dem Schwert?” Fragt er und sieht mich ernst an.
Ich versuche mich in eine Lücke zwischen ihm und sonst wem zu schieben…zu Thomas zu kommen.
    “Lasst mich doch mal eben vorbei.” Eindringlich. Mehr will ich nicht.
    “Was willst du mit dem Schwert Anna?” Plappern ihm die Leute nach. Wie im Kindergarten. Ich erkläre es ihnen gleich. Es ist nur. Wolfenstein liegt da in Torpo und ich muss ihn töten.
    “Darf ich bitte kurz!” Ich schiebe jemanden sanft beiseite. Meine Stimme zittert. Ich bemühe mich belanglos zu klingen. Sie dürfen nicht merken, dass es wichtig ist, dass ich zu ihm gelange. Doch der Seneschall, stellt sich erneut in den Weg. Ich bemühe mich. Oh Bitte. Hektik. Die Zeit wird knapp. Schneller. Ich muss. Und Herr Blake, will mir das Schwert nehmen,da platzt es aus mir raus.
    “ Lass mich !” Herrsche ich ihn an. Hochrotes Gesicht. Ich stampfe mit dem Fuß auf. Einmal . Zweimal. Tock! Tock! Tock! Ich suche zwischen den Leuten, eine Lücke, zwischen der ich durchstoßen könnte. Ich glaub Katinka steht da und Malekin. Man nimmt mir das Schwert weg und ich bin trotz aller Vorsicht geneigt denjenigen meine Wut spüren zu lassen. Es ist MEIN Schwert. MEIN Versprechen. Ich MUSS. Oh ich will TOBEN! Hass.
    “Ruft sein Blut nach dir?” Zieht mich Georg auf und ich bin versucht, nach ihm zu schlagen. Keine Ahnung. Er hat keine Ahnung. Es ist alles ganz anders.
    “Ach halt den Mund!” Gifte ich ihn nur an und sein süffisantes Lächeln macht mich nur noch wütender. Ich glaub Katinka ist traurig, und etwas in mir findet das schlimm und schlängelt sich an meiner Wirbelsäule hinauf. Doch wenn mich diese…diese..stupiden IDIOTEN…nur endlich mein Dinge machen ließen, dann hätt' ich ruhe. Dann könnt ich Katinka trösten. Also das ist doch wirklich nicht zu viel verlangt oder?
Sie ziehen mich weg und bringen Wolfenstein um…ha ha..die Ecke.
Malekin sieht mich an.
    “Ist der Drang so groß? Ist es so wichtig für dich? Wichtiger als Katinka? Katinka braucht dich…” Ich blinzle. Es ist doch kein Drang. Ich.
    “ Er liegt in Torpo.” Mache ich ihnen klar. Alles klar oder? “ Ich will doch nur mein Versprechen einlösen. Mehr nicht. Es dauert nicht lange…” Sie stehen um mich herum.
Hallo? Tut doch nicht so, als wäre das so wild. Es ist nur ein Versprechen.
Ob ich verliebt bin? Ob ich vermisse? Was ich fühle? Schmerz? Zerrissenheit? Reden sie auf mich ein und ich verneine nur immerzu, doch trotzdem werde ich  ruhiger…und ich muss mir selbst eingestehen. Mal eben jemanden den Kopf abschlagen, noch dazu einem…Freund?..ist ja nun nicht meine Alltags Beschäftigung.
Ob ich jemanden den Kopf abschlagen könnte?
Sicher.
Auch Malekin?
Ticker.
Nein, wegen Katinka.
Und wenn Katinka es wollte, dass ich Malekin den Kopf abschlage?
Ich. Nein. Ich.
…komme nicht mehr weiter. Ich würde es nicht tun. Irgendwem, vielleicht. Dem Engelstreiter..sicherlich. Aber nicht was mir lieb und teuer ist. Oder? Vielleicht. Sag niemals nie. Aber, nicht ohne weiters. Und nicht im Affekt. Nicht so, wie…eben. Nur aus Liebe. Ich glaube, aus Liebe könnte ich sowas tun. Also wenn ich Katinka et Malekin liebe, könnte ich es doch…Oder wie? Und ist es nicht auch, eine Bedenksekunde Wert, dass… Wofür Wolfenstein sein Blut in mir braucht, bei Malekin schon da ist? Oder hat er es gerade gesagt und ich stimme ihm nur zu.
Das hier ist doch alles Wahnsinn.
Stille.
Licht an.

Licht aus.
Spot on.
Ich fass es nicht.
Ich glaube es nicht. DAS kann nicht wahr sein. Wenn es Nicht ER war. Wer war es dann? Hm? Und wollte er mich in die Falle locken?? Damit verhindern. Das Anna wird, was sie werden will? Oh…ich könnte ihn..ich..würde ihn. Blut hin, Blut her. Wenn Thomas mich in DIESER Hinsicht belogen hat…dann…dann… Dann schlag ich ihm wirklich den Kopf ab wenn ich ihn das nächste mal seh.  Wie konnte er nur? Mir. MIR das antun. Wo hat er noch gelogen? Hab ich mich so getäuscht?
Ich schreie draußen vor der Tür rum, wie eine hysterische Kuh. Ich hab so nenn Scheiß Hass im Bauch. Trete gegen die wehrlose Wand und Katinka bleibt im gebührenden Abstand. Mir Zeit lassend, zu verstehen. Nur Wolfenstein wusste es. Nur er wusste, dass ich ihn töten würde, wenn er in Torpo liegt. Und wenn das eben nicht Wolfenstein war. Dann  wär' es eine perfide Falle, um mir echten Ärger einzuhandeln. Ich seh' einen gepflockten Kainiten und mach ihn ohne weitere Erklärung tot.
Und Malekin würde ich nimmer werden.
Die nächste Woge kämpft sich aus meinem Inneren. So stark bindet mich kein Blut, wie die Liebe (Gier. Sucht) nach Malekin. Wer das zu Brechen sucht…
WAH.
Lyra spricht auf mich ein und der Hass in mir versiegt fast augenblicklich. Ihre Nähe ist beruhigend. Wir reden, Ich erzähle Dinge. Lyra ist vertrauenswürdig. Ich bin immer noch ungehalten, aber die Flammen lodern nicht mehr. Schließlich kommt Josepha hinzu.
    “Ich wünschte mir fast, Malfeis wäre hier…”flüstre ich leise. So unangenehm er ist. Ich trage die leise Hoffnung in mir, dass er…vielleicht helfen könnte. Vielleicht. Es ist so viel durcheinander. Ich brauche Ordnung.
Josepha sieht mich an.
Lyra sieht mich an.
Katinka sieht mich an.
    “Wen hast du denn gesehen Anna?”erkundigt sich Josepha, ein wenig lauernd.
    “Thomas “ antworte ich.
Die drei sehen sich an. Ich blicke die Drei an. Erinnere mich, wie Thomas Malekin gegenübersteht und auf einen Schlag habe ich so einen Verdacht,…WEM…ich da beinah zum Ableben verholfen hätte…

…Und um ehrlich zu sein, finde ich diesen Gedanken zum Quietschen. Ich beginne zu lachen. Katinka lacht mit. Ich denke daran und gluckse vor mich hin. Bekomm fast keine Luft mehr vor Lachen. Ach ach…Alles ist ein Scherz.
Stille.
Licht an.

Licht aus.
Dunkelheit.
Ich lehne neben Malekin an der Wand. Seine Hände gleiten über die Rauhfaser Tapete. Ich bin noch immer erheitert von meinem Letzten Gedankengang.
    “Was quält dich?” Frage ich und lehne mich lässig neben ihm. Katinka nicht weit, kann nicht fragen, aber ich kann.
    “Mein Herz will brechen. Soviel darin…” Seine Stimme macht mir trotz meiner unnatürlich heiteren Stimmung eine Gänsehaut.  Es dauert nicht allzu lange. Da hat er mich in seinen Bann gezogen. In seinen Wahn. Ich sage ihm, dass ich es nicht mehr lange aushalte. Dass es zu viel ist. Erzähle ihm von meiner Schuld. Er macht mir klar, dass ich genug geholfen habe. Und mir ist bewusst, dass es Wahrheit ist. Aber Mensch sein ist auch nicht leicht. So zweifle ich dann und wann, obwohl ich das Echte kenne. Es fließt aus mir heraus. Die Worte, Erklärungen… Was ich will..was ich tun muss… Ich spreche zu Malekin während er von der Tapete liest. Er hört geduldig zu, eher meinetwegen, als seinetwegen..mir scheint fast, ihm wäre schon klar was in meinen Gedanken ist. Was ich denke. Wie nah? Wie nah bin ich Malekin? Wie nah kann ich Malekin sein?
Ich schließe meine Augen..zähle langsam bis 10..vorwärts..nicht rückwärts ( 600 Negerlein….)… Als ich aufsehen, steht immer noch Malekin an der Wand. Noch immer lesend. Noch immer mich anblickend. Ihre Augen sagen genug…mehr als ihre verätzen Lippen sprechen könnten. Und so erzähle ich erneut. Wieder nicht für Malekin. Wieder nur für mich. Ich weiß wohin ich gehöre.
Ich weiß wen ich will.
Wenn mich, nur Tropfen von Wolfensteins Blut, derart…berührten…. Ohne dass er..zuvor wichtig war. Wie kann es erst bei Katinka sein. Die ich jetzt schon liebe. Wie muss es sein, wenn sie mich leer…und von neuem Füllt? Wenn sie sich nicht mit mir mischt…sonder mich einnimmt. Wenn in meinen Adern nicht mehr  Anna fließt, sondern Katinka….Malekin.
Worüber hab ich so lange gezweifelt?
Meine Augen leuchten und ich will… Das es endlich weiter geht.
Nichts bleibt anders.
Licht.

Dunkelheit.
Spot on.
Ich knie neben Malekin, der vor dem Spiegel sitzt und mich ansieht. Seine Augen machen mir Angst. Aber ich muss es ihm sagen. Muss ich sagen, dass es Zeit wird zu fragen. Irgendwann glaube ich soviel seiner Aufmerksamkeit zu haben, dass ich zu sprechen beginne..
    “Wir müssen den Prinzen fragen……” …dann verstummen meine Worte.
Der Spiegel spiegelt nicht mehr.
Carlos Castaneda war es. Die Feuer von Innen.
Damals las ich zum ersten Mal über Spiegel. Spiegel können einem, wirklich Angst machen. Spiegel können Tore in eine andere Welt sein. Schon mal Angst gehabt einen Spiegel zu berühren? Angst, dass deine Fingerspitze auf keinen Widerstand stoßen wird, wenn sie durch das Spiegelnde gleitet. Hast du dich schon mal im Spiegel betrachtet und dein Spiegelbild machte etwas anderes als du selbst? Schon mal einen Spiegel unter fließendes Wasser gehalten? Natürliches fließendes Wasser? Die meiste Zeit denke ich nicht darüber nach, aber jetzt, da ich mich und ihn im Spiegel betrachtet, wird es mir wieder bewußt….wie gefährlich Spiegel sind.
Die Helligkeit verschwunden, mein Ebenbild hinweg. Nur Malekin, der darliegt auf einer Bahre. Sein Rücken durchgedrückt. Als stünde er unter Strom. Wie die Sterbenden auf dem elektrischen Stuhl. Doch Malekin ist schon tot. Es lebe Malekin. In seinem Kopf stecken…Drähte?..Elektroden?… Seine Finger verkrampft. Verdammt. Frankenstein ist kein Märchen. Und aus seinen Augen dampft es…verdampft die Flüssigkeit…er verbrennt innerlich. Ich starre das Bild an das sich mir bietet und glaube den fahlen Gestank riechen zu können. Wie tot kann man sein?
    “ Was…..?” Seine Kopf dreht sich langsam zu mir, seine Lippen bewegen sich im Zeitlupentempo.
Ich flüchte rückwärts. Stolpernd. Ein schlechter Zeitpunkt. Denke ich.
    “Egal…” Und Wech. Ist  DAS Malekin ? Will ich DAS sein? ….und die noch viel schlimmere Frage…. Wenn ich fähig bin, derart wahr zu nehmen… Bin ich dann nicht schon?
Gibt es Regeln?
 

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Erkenntnisse

02.10.2002
 
Und eine Stimme aus dem Dunklen sprach zu mir:
    “Lächle, denn es könnte schlimmer kommen! ”
                                                                                      … Und ich lächelte.

Die Tage nach dem letzten Elysium waren – erschreckend – ernüchternd. Mein ganzes Leben lang dachte ich von mir, ich wäre diejenige, welche die Dinge in der Hand hat – über die Kontrolle verfügt. Als ich die Vampire kennen lernte, musste ich lernen, dass sie es sind, die…. sind und tun. Also fand ich mich damit ab, dass ich nur über mich und meine Gedanken verfügen konnte. Mich in Kontrolle übend. Aber Malekins belehrten mich eines Besseren? Mein Kopf gehörte nicht mehr mir, ich teilte und hatte Teil… war ein Teil. Und auch damit konnte ich leben oder auch sterben. Mich verbunden fühlend.  Und es war genug für mich. Mehr wollte nicht.

Nach diesem …. Elysium, bekam dieses Gefühl von Verbundenheit einen Sprung, der auch mich, irgendwie… brechen lies. Im Wahrsten Sinne des Wortes. Ein Teil näher am Wahnsinn, als alles davor. Ein Teil … weiter weg, als alles Andere. Ich bemühte mich, normal zu sein. Normale Dinge zu tun. Ich fühlte mich schwach, am Ende seiend. Und betäubte meinen Geist mit Alkohol. Dumm bin ich nicht. Ich gab mich nicht dem Suff hin, obwohl es sicherlich verständlich wäre. Aber ich trank genug, um nicht aus eigenem Zutun an Vorgänge zu denken, die mich…. runterzogen. Mein Wissen, erst am Boden liegen zu müssen, um erneut aufstehen zu können, gab mir Kraft über all die Geschehnisse hinweg zu sehen. Ich hatte Katinka und wenigstens noch die Wahl… mich aus dem Spiel zu nehmen, indem ich mich tötete.

Jetzt sitze ich hier, mein Kopf pocht bei jedem Blinzeln. Habe stundenlang geweint. Lautlos. Kein Jammern, kein schreien. Ich saß nur da, und Tränen fanden ihren Weg über meine Wangen, als wollten sie nimmermehr damit aufhören wollen. Nevermore. Der Rabe Nimmermehr.
Warum?
Die schlimmsten Wahrheiten, sind jene die man nicht wahrhaben will. Jene, die man ein Leben lang hütet und pflegt und in die letzte Ecke des Unterbewusstseins einquartiert. Auf das man ihr nicht ins Gesicht blicken muss. Und wer hat da noch behauptet Selbsterkenntnis wäre der erste Weg zur Besserung?
Selbsterkenntnis ist die Hölle!
Meine Hölle ist die Unfähigkeit zu tun. Schwach zu sein. Angst zu haben. Starrheit. Wesen, die mir wichtig sind, Schmerz zu zufügen…. Und… Neuerdings… das allein sein. Nicht Körperlich allein. Im Kopf allein.
Vor einer Stunde habe ich aufgehört zu weinen.
Meine Letzte – oh so glorreiche – Erkenntnis – man müsse ja erst alles verlieren, um neu zu erschaffen – hat einen beunruhigenden Untertitel bekommen….das kleine Wörtchen – Wann.
Wann…sind denn ALLE Mauern nieder gerissen?
Wann haben ich denn JEDEN Halt verloren?
Wann… Ist denn…alles was ich war und bin….dahin?

Und was mir so einfach schien, wird plötzlich unüberwindbar. Wie soll ich denn Überleben, bis ich soweit bin? In der letzten Nacht, habe ich…ohne etwas zu tun…alles verdreht und verändert. Vorhaben fallen gelassen. Sicherheiten verloren. Mich selbst verraten.

Meistens quälen mich Träume, die mir so fürchterlich real erscheinen.
Gestern quälte mich eine Realität, die mir wie ein Traum vorkam.
Ich habe die Stimme der Spinne noch im Kopf. Wir sind im Wunderland und die Uhr tickt rückwärts.
Wolfenstein, lädt ein.
Ja ja…der Wolfenstein der mit ….Thomasso…die so gute Freude sind – berät. Hab's nicht vergessen. Trauen wollt ich ihm……nimmermehr. Wieder diskutieren sie über Politik. Die Brujahs und Gangrels und Nosferatus. Ich frage mich, warum man das nicht Blablatik nennt. Wäre es doch so viel treffender. Doch der Whisky macht das ganze Erträglicher. Auch das Katinka toter aussieht denn je.Trennungen hinterlassen Narben. Irgendwann beginne ich zu tanzen. Rammstein. Hier kommt die Sonne. Wie oft ich wohl die Sonne noch aufgehen sehe? Katinka sagt mir, dass Malekins Blut nicht mehr zu dünn ist. Jetzt. Und ich fühle die Knospe Glück – in meinem Inneren – ihre Blüten öffnen.

Sie scheint mir vertraut als wär's schon lange her.
Ich blick in ihre Augen und wünsche mir so sehr,
zu versteh'n was ich seh, denn es ist kaum zu ertragen
ihr Blick ist seltsam kalt und stellt mir tausend Fragen.

Ihr Lächeln ist so zart, das berührt mein Herz.
Sie scheint mir wie ein Engel, nimmt von mir jeden Schmerz.
alles Leid hab ich vergessen, ich fühl' mich neugebor'n,
sie nimmt mich an der Hand und sagt: "Du bist verlor'n!"

Was bin ich bereit zu zahlen?
Welchen Preis ist sie mir Wert?
Wieviel würde ich aufgeben?
Wie tief ist die Liebe, die mich verzehrt?

Ich sitze wie versteinert und kann nicht ganz versteh'n,
was sollen all die Fragen, wie weit würde ich gehn?
Ich spüre ihre Hand die noch auf meiner ruht,
ich fühle ihre Nähe, es tut unendlich gut.
Ich betrachte ihr Gesicht im sanften Kerzenschein
und höre ihre Stimme, die sagt:" Jetzt bist Du mein!"

Was bin ich bereit zu geben?
Was wäre für mich wirklich schwer?
Was bedeutet mir ein Leben,
zu dem sie nicht dazugehört?

Ich blinzle. Panik. Der Raum wird gestürmt. Menschen mit weißen Gewändern und roten Kreuzen darauf. Bewaffnet mit Schwerter. Es fallen Schüsse. Katinka nimmt mich mit in die Dunkelheit und wir kauern uns auf den Boden. Der Anführer hält sein Kreuz vor sich, und spricht von Engeln und Wahrheit. Da beginnt Katinka zu schreien. Alle beginnen zu schreien. Werfen sich in die Ecken und es scheint als wollten sie wie Wasser im Boden versickern. Unverständnis. Befehle. Einer dieser…Ritter… kommt auf uns zu. Sieht uns an. (Wie?) Und nimmt Katinka mit. Reißt sie aus meinen Armen und meinem Herzen. Leere.
Pandoras Box schließt sich wieder und hinter Ihnen die Türe des Raumes. Ich tappere hinterher, wie ein treudoofer Hund, dem man sein Herrchen weg genommen hat. Aber ich sehe sie nicht mehr. So tappere ich wieder zurück.
Chaos. Wie nach einem Krieg. Auch Pontes Kind, der mich so dolle lieb hat, haben sie mit sich geführt. Schreie. Jemandes Füße brennen. Ich blinzle und träume nur. Einer der Ritter ist  tot. Sie machen sich über ihn her. Aber dieses Grauen betrifft mich nicht. Eine Fledermaus befiehlt mir die Türe zu öffnen und ich folge kommentarlos. Gehe ihr nach und entlasse sie in die Freiheit. Vor dem Gebäude herrscht Leere, wie in mir. Allein. Ich bin allein. Keine Katinka. Kein Malekin. Keine Josepha. Kein Thomasso. Kann gar nicht beschreiben, wie ich mich fühle. Ich war  nie allein. Ich war doch immer genug. Verlassenheit.
Führerlos begebe ich mich zurück zu ihnen, die mich nicht binden. Wasche artig den Boden der Türschwelle, über den sie nicht gehen können, denn heiliges Wasser hat ihn berührt.
Thomas nimmt mich beiseite. Erkundigt sich nach meinem Wohlbefinden. Viel sag ich nicht. Weiß nicht wie es mir geht. Er bietet mir an mich zu stärken, mich für den Kampf zu rüsten. Mein albernes Menschenleben, sei schneller dahin als ein…. Blinzeln.
Ich sehne mich nach Sicherheit. Und weniger lockt mich die Stärke, die er mir anbietet, als die Möglichkeit Katinka retten zu können.
    “Tu was du willst! ” Hat sie noch vor einer halben Stunde zu mir gesagt. ” Versprich mir dass du tust, was du willst! ”
Ich will nicht sein wie Thomas, ich will……Katinka.. Ich muss. Hab keine andere Wahl und etwas an Thomas ändert sich. Er gibt mir ein Versprechen, an dass ich ihn erinnern werde und  bleibe schwach und wehrlos.
Ein neuer Ort. Dasselbe Spiel, ein altes Lied und nur ne neue Melodie.
Auch die Patrizier haben sich heute Abend zusammengefunden.
Auch sie empfingen Besuch.
Auch sie haben verloren.
Neue Blablatik und ich kann sie nicht mal mehr hassen dafür, dass sie reden während Leid geschieht. Ich bin nichts. Ich kann nichts. Nicht mal Katinka retten. Nicht mal fühlen wo sie ist.
Ich lege mich schlafen
Ich stehe wieder auf.
Aufbruchstimmung.
Erneut nimmt mich Thomas zu sich.
    “Willst du widerstandsfähiger sein? ” Und obwohl ich nicht ganz bei der Sache bin weiss ich wohl was er meint.
    “Das wäre das zweite Mal…”antworte ich mechanisch. Kann mich kaum konzentrieren. Alles so leer. Bin so allein.
    “Du bist nicht an mich gebunden, nur stärker. Sie können dir mit ihrem Glauben dennoch nichts anhaben. Ich werde dich kein drittes Mal trinken lassen. ”
    “Würde ich es nicht um so mehr wollen? ” Es fällt mir so schwer mitzudenken.
    “Vertrau mir. Ich habe dir ein Versprechen gegeben. ”
Ich blinzle.
Blut….auf meinen Lippen. Vom Raben, dem ich nimmer mehr trauen wollte. Tu was du willst, hat sie gesagt. Ich wollte es. Es gibt keine Regeln. Und obwohl ich fürchtete, es würde mich anekeln, schmeckte es doch so süß, dass er sich mir entreißen musste. Ein Gedanke quält sich durch meine Taubheit. Ich habe gehört, was diese Engelstreiter mit ihren Gefangenen machen werden. Mit Katinka…und zum ersten Mal empfinde ich das Bedürfnis, töten zu wollen. Den Pflock, den ich bei mir trage, in die Kehlen ihrer Hälse zu stoßen bis sie an ihrem eigenen Blut ersaufen. Eine Welle des Hasses lodert in mir auf und wärmt mich von Innen. Ihr Glaube kann mir nichts anhaben und ich sehe mich Jeanne d'Arc höchst persönlich durch den Raum schweben und meinem Trieb nachgehen. Tatendrang.
Aller guten Dinge sind Drei. Der dritte Ort. Irgendwo. Egal wo.Wir schleichen uns an. Eine Feuerwaffe für mich von Thomas. Meine Güte, ich trage sie so selbstverständlich, als hätte ich mein Leben lang nichts anderes getan. So ein Vetrue und Gregor konnten sich befreien, geben uns Hinweise, und diesmal lausche ich aufmerksam, immer noch mit dieser Vorstellung im Kopf, wie ich meiner Rache Ausdruck verleihe. Doch sie befehlen mir hinten zu bleiben. Ich tigere hin und her. Gregor geht an mir vorbei und verpasst mir einen Hieb, den ich jetzt noch nicht verkraftet habe.
    “Du bist schuld.” Giftet er mich an. “ Sie ist nur dort drin weil sie DICH schützen wollte.”
Meine Lippen bleiben stumm, während der Priester einen Stock tiefer seine Psalmen runter betet. Wortgefecht. In der Tat. Der Prinz selbst raubt mit seinen Worten. Die Zauberer auch. Und der Gottes fürchterliche Mann predigt unentwegt.
Der Rabe spricht in meinem Kopf, stellt mir die Vertrauensfrage und ich werde ihm seinen Wunsch erfüllen, wenn es soweit kommen sollte. Dann folge ich Josepha (Was für eine schreckliche Wunde in ihrem Körper) und Georg, die mich feinsäuberlich zurückdrängen.
    “Sein dummes Geseire kann mich nicht, haltet mir die Maschinengewehre vom Hals und ich werde mich um den Prediger kümmern.” Erkläre ich ganz großspurig. Fest davon überzeugt. Stark bin ich. Oh ja. Gott kennt Gnade. Rambo nicht.
Wir treffen auf den Rest. Immer wieder fallen Schüsse. Ich zucke nicht mal.
Ihr macht mir keine Angst.
IHR nicht!
Als die Stimme, Katinkas stimme…n…in uns anschwellen…
(Ich bin Malekin.
Ich BIN Malekin.
ICH bin Malekin.)
Malekin…gibt es kein Halten mehr. Auch Josepha und Georg halten weder sich, noch mich zurück und wir stürmen rein. Diesem Ruf folgend. Der Weg bis zu dem Raum in dem sie gefangen gehalten und gefoltert wird, ist bereits freigekämpft. Ich steure direkt darauf zu und stoppe abrupt, als sich die Tür öffnet und eine Salve mächtig beschleunigtes Metall neben mir in die Wand schlägt. Mein Herzschlag sackt ins Bodenlose und ich erkenne meine Sterblichkeit. So bewusst, wie in diesem Moment,war ich mir noch nie. Ein kleines Husten und mein Leben ist hinweg. Sterbliche, nennen sie mich. Was bin ich bereit zu zahlen? Ich habe Angst. Angst um mein jämmerliches Leben. Keine 5 Meter von mir entfernt, mein Ziel. Alles was ich will, aber meine Furcht lähmt mich und lässt mich zurück weichen. Erbärmlich. So erbärmlich. Ich bin Schuld und wage es nicht an ihrer Rettung Teil zu haben. Und als wolle sie mich dafür strafen, höre ich ihre Schreie. Nicht nur die in meinem Kopf, sonder auch die Laute des Leidens. Sie wird sterben und diesmal bin ich diejenige, die es zulässt. Herr Gott Vater im Himmel. Wie konntest du mich glauben lassen, ich wäre etwas Wert? Wenn ich nicht einmal bereit bin für SIE durchs Feuer zu gehen. Würde sie mir WIRKLICH etwas bedeutet, dürfte ich keine Sekunde zögern. Oder?
Ihre Schreie verebben und mit ihnen aller Wille in mir mich zu wehren.
Was bedeutet mir eine Leben, zu dem sie nicht dazugehört?
Nichts. Und dennoch mache ich…
Nichts. Und deswegen fühlen ich..
Nichts….

Man befreit die Gefangenen. Die Engelsstreiter sind tot. Es gab nicht mal derbe Verluste. Schon höre ich die Ersten, kleine Witze machen. Katinka lebt.
Wie glücklich sie darüber wäre, wenn mir etwas zugestoßen wäre bei dem Versuch sie zu befreien?
Tut nichts zur Sache. Ich habe sie verraten. Die anderen erkennen das bloß nicht.
Seit ich in ihr Unleben getreten bin (oder vielleicht doch sie in deins?), hat sich für sie alles zum schlechteren gewendet. Ich bin kein schönes Geschenk.
Sie wird aus dem Raum geführt. Blut in ihrem Gesicht und ich glaube für eine Sekunde lang eine dreistellige Zahl darin lesen zu können.767.  Sie murmelt immerzu.
Malekin. Ich bin Malekin. Ich bin Malekin.
(Du bist Schuld. Mea Culpa. Durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld)
Kann es nicht mit ansehen und laufe weg.
Kann nicht allein sein und kehre zurück.
Sie reagiert kaum auf mich. Zum ersten Mal bin ich an ihrer Seite und von ihr getrennt. Selbst als sie mein Leben bedrohte, war sie mir Näher als jetzt.
(Natürlich, zu töten was man hasst ist viel zu leicht)
Hab nichts zu sagen. Halte ihre Hand und streichle ihr Haar und die Spinne verhöhnt mich.
    “Ja tu nur so, als wäre sie dir wichtig. Jetzt da sie in Sicherheit ist, kannst du dich groß trauen.”
Ich presse meine Lippen aufeinander und verbanne jeden Gedankengang.. Meinen Kopf an den Ihren sinken lassend.
Zuviel. Es ist zu viel. Zuviel für mich.

Später bringt mich Georg zum Auto und Katinka wohl nach Freising.
Dann kommt das Weinen.
Dann das Schreiben.
Als ob ich es mir von der Seele schreiben könnte.
Selbsterkenntnis IST die Hölle!

Alles verändert sich.
Noch kaum eine Woche vorbei, dachte ich. Ich wäre am Ende. Dachte ich, ich hätte nichts mehr, was mich halten würde. Noch vor einem Tag dachte ich, ich könnte mich wenigstens umbringen. Wenn ich es nicht mehr packe.
Und jetzt?
Jetzt befinde ich mich noch einige Etagen tiefer.
Katinkas Tod zu sehen war meine Hölle.
Meine Unfähigkeit, mein Leben für sie zu geben ist meine Hölle, vor der sich selbst die Teufel fürchten.
Man stelle sich vor:
Wie viel tiefer geht es noch?
Wann habe ich alle Tränen geweint?
Wann habe ich mir jede Frage gestellt?
Wann habe ich jede Furcht gefürchtet?
Wann habe ich ALLE Zweifel durchlebt???
Und bei allem was mir heilig ist…ich will das NICHT wissen.

Katinka sagt so gern. Ach hätte ich dich damals doch nicht angesprochen…
Was wäre dann? Wäre die Welt besser für sie? Für mich? War ich glücklicher? Lohnt es, darüber zu grübeln?
Auf meinem Schreibtisch liegt aufgeschlagen ein Buch von Marion Zimmer Bradley. Die Nebel von Avalon. Lese ich gerade darin??
    “Die Zeiten sind für immer vorbei…” Steht da auf Seite 743 ganz oben.
Ich nicke leicht, nehme das Buch in die Hand und schlage es zu. Die Zeiten sind vorbei. Aber ich habe noch Zeit. Etwas Zeit hab ich noch. Anstatt im Selbstmitleid zu zerfließen sollte ich….tun. Irgendwas tun. Katinka um Verzeihung anflehen oder die Zeit zurückdrehen oder dem Wishmaster meine Seele anbieten. Es ist nicht alles Wahnsinn. Alles beginnt und alles endet, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort.
Noch mehr nichts tun, macht's auch nicht besser.

Ich blättere das Buch beiläufig durch.
Es beginnt bei 777 und endet bei 0.
 

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