S-Bahndebakel

15.122002
 
Ich war tanzen. Tanzen macht mich immernoch glücklich. Ich fühle mich gut. Sitze in dieser S-Bahn und blicke aus dem Fenster. Hänge meinen Gedanken nach. Das leichte Schunklen wirkt irgendwie beruhigend auf mich. Nach dem Debakel in Berlin sind sowohl die Domäne Freising und die Domäne München enorm vorsichtig. Es gibt keine Treffen. Ich vermisse es fast. Jetzt, da sie mich nicht mehr von sich weisen können. Jetzt, da ich eine von Ihnen bin. Wenn ich es bin. Da bin ich mir nicht sicher. Aber ich bin eine von Malekin. Und das ist alles alles was ich wollte. Ich klink mich da und dort in eine Art Forum für …. Unsere Art…ein. Das ist irgendwie ganz witzig. Interessant. Und ich setzte mich mit andere auseinander. Wenns schon keine Elysien hat. Ich lächle und betrachte mein Gesicht im Fenster. Mein blasses. Eigentlich besteht garnicht soviel unterschied zu vorher. Nun gut, meine Ernährungsgewohnheiten haben sich etwas geändert….und die Bücher. Aber davon abgesehen bin ich immernoch dieselbe. Und ich bin tatsächlich glücklicher als früher. (Ach ja?) Wenn ich mich seltsam fühle, muss ich nur daran denken, dass SIE jetzt in mir lebt. Ich durch sie lebe. Sie mich erfüllt. Dann finde ich Frieden. Dann fühle ich mich gut. Ich lehne mich zurück und bin eigentlich ganz zufrieden mit mir.
“Du sitzt auf meinem Platz!”
Ich bin etwas irritiert, wende meinen Kopf und betrachtet den Typ der da vor mir steht. Muss eine Skin unart sein. Glatze. Bomberjacke. Springerstiefel. Diese Sorte Mensch, die nach Ärger riechen. Es ist bestimmt schon halb zwei und in diesem Wagon sind maximal 5 Leute, die natürlich alle woanders hinsehen. Sein Platz hm? Ich sehe mich demonstrativ um, nur um klar zu machen, dass ich es eigentlich lächerlich finde, einen Platz zu verlangen, wo doch soviel Platz ist. Aber der Mann ist schon vom Schrankformat und ich habe nicht wirklich das Bedürfnis mit dem aneinander zu geraten.
“Wenn du hier sitzten bleiben willst, muss du zahlen Zuckerschnecke” Er tritt so nahe an mich heran, dass er definitiv meinen persönlichen Freiraum einschränkt.
(Frag ihn mal nach seinem Friseur!)
Ich unterdrücke ein kichern, meine Mundwinkel zucken dennoch.
“Findest du das witzig?” Seine Stimme klingt bedrohlich und ich fühle mich etwas mulmig. Wie lange dauert es noch bis ich in Freising bin?
Ich schüttle meinen Kopf, raffe meinen Sachen zusammen und erhebe mich.
“ Weißt du was?” Antworte ich ruhig. “Wenn das dein Platz ist, dann will ich dir da nicht im Wege stehen.” Dann lächle ich künstlich, schiebe mich an ihm vorbei und suche mir eine andere Sitzgruppe. Weit entfernt. Warum gibt es eigentlich solche…… Menschen?
Ich sitzte noch gar nicht richtig, da steht er schon wieder da. War ja klar oder? Lehnt lässig an einer der Stahlstangen und hat ein blödes überhebliches Grinsen im Gesicht.
“Das ist auch mein Platz!”
Es sind diese Momente in denen ich wünschte gläubig zu sein. Da will ich mich auf meine Knie werfen und Gott im Himmel anflehen Hirn für die Bedürftigen hinabzu werfen. Und ich kenn da schon den richtigen Kandidaten. Obwohl atmen für mich nicht mehr essentiell ist muss ich seufzen. Ich will doch echt nur meine Ruhe. Im Fenster sehe ich, wie eine etwas ältere Frau neugierig her sieht, sich aber schnell abwendet, als sie wiederum bemerkt wie ich sie bemerkt habe. Weg gucker. Ich ahne auch schon wie das Gespräch weiter geht. Hier in diesem Wagon sind alle Plätze seine Plätze. Vermutlich sogar die ganze S-Bahn. Was muss der Mann betucht sein. Ich habe für ein paar Minuten die Hoffnung, dass er es einfach gut sein lässt, wenn ich so tu, als hätte ich es nicht gehört. Natürlich lässt er es nicht gut sein.
“Hast du nicht gehört?” Mit übertrieben viel Hingabe macht er sich neben mir breit, mich etwas zwischen sich und die Wagonwand drängend…mir zugewandt.
Ich fühle mich unwohl. Bin nicht stark. Aber würde ich ihm zeigen, dass er mich beunruhigt, geht der Käse erst richtig los. Man kennt sowas ja.
“Ich habe dich gehört!” Erwidere ich und erhebe  mich abermals. Er tut es mir gleich, legt die Hand auf meine Schulter und drückt mich, durchaus mit Kraftaufwand wieder auf den Platz zurück
Was nun?
Ich kämpfe die aufkeimenden Panik hinunter, sehe ich möglichst ruhig an und frage:
“ Und was jetzt weiter? Was willst du von mir?” Halte seinen Blick stand. In meinen Augen siehst du keine Angst. Nicht für dich. Das ist ein wenig gelogen, aber er weiß das nicht.
“Wie ich schon sagte Zuckerschnecke. Du sitzt auf meinem Platz. Und wer auf meinem Platz sitzt muss zahlen!” Diese Logik allein schon! Dünnhirn!
Ich werde ihm nicht den Gefallen tun und fragen, wie er sich die Bezahlung vorstellt. Ich verschränke meine Arme, lehne mich zurück und sehe aus dem Fenster. Lange kann es nicht mehr dauern. Dann bin ich raus.
Seine Hand landet vertraulich auf meinem Oberschenkel und ob ich will oder nicht, ich zucke zusammen. Nu ist aber langsam gut. Mein Blick streicht wieder durch das Abteil, aber von den Weg guckern, hat sich noch keiner entschlossen hin zu gucken. Typisch. Ich hasse es! Ich schlucke … Seltsame Angewohnheiten die man behält…dann nehme ich seinen Hand und gebe sie ihm zurück.
“Geh doch bitte!” Höflichkeit. Höflichkeit ist alles.
“Zick doch nicht……..bitte” erwidert er und sein ‘Bitte’ ist eine Farce.
(Manche Leute haben eine seltsame Art zu Bitten…..nein?)
In mir grummelt es. Ich sehe ihm in die Augen.
“GEH!”Nicht dass ich sonderlich laut spreche. Er blinzelt etwas, sein Blick wirkt unstet, dann erhebt er sich, wendet sich ab. Er tut ein zwei Schritte, bleibt wiederum stehen und wendet sich mir wieder zu.
Er will etwas sagen, aber er scheint verwirrt. Da passt was nicht zusammen.
Ich will dem tausend Sachen sagen. Was ich von seinem Verhalten halte. Was ich von Typen wie ihm halte. Die konnte ich noch nie leiden. Welche Frau kann das schon? Was bilden die sich ein? Ist es nicht unfair, ihre körperliche Überlegenheit auszunutzen? Wie können sie sich so erpichen schwächere Wesen zu schikanieren. Oder schlimmeres. Es grummelt richtig in mir. Er steht nur so da und ich sehe wie sich in ihm Ärger über sein eigenes Verhalten aufbaut. Sein Körper spannt sich an.Er ärgert sich, dass er getan hat, was ich ihm gesagt habe. Apropos.
Bin ich ein Opfer? Da war doch noch was. Ich betrachte ein weiteres mal mein Gesicht im Fenster. Annas Gesicht.
Ich lächle, sie nicht. Dann erhebe ich mich und begebe mich zu ihm. Zu ihm hochblickend. Zwangsweise. Aber eigentlich sehe ich auf ihn hinab. Wer ist denn das schon?
“Du willst, dass ich zahle?” Frage ich leise.
Er ist wütend. Er ist verunsichert. Es passt nicht in sein Konzept. Ich passe nicht in sein Konzept. Opfer agieren nicht.
“Lass uns tauschen…” Biete ich ihm an. “ Ich zahle deinen Preis…………..und du…meinen.”
Wüste Gedanken in meinem Kopf. Böse Gedanken. Ein neues Buch. Es heisst Spielen. Was er so gern zu tun scheint, sich an schwächeren vergnügen, da spiel ich mit. Jetzt kann ich mitspielen. Und ich werde mitspielen. Was kann dieser…dieser….mir fällt da gar kein Wort für eine derartige Nichtigkeit ein… Was kann er mir schon tun?  Nichts. Mir Schmerz zufügen? Und dann? Und dann? Und dann? Ich muss unvermittelt kichern.
“Sag ja….” Säusel ich. (Bejahe und wir werden dir ein Geschenk machen)
Ich wünsche es mir wirklich. Aus meinem Innersten herraus wünsche ich mir, dass er Ja sagt. Warum er ja sagen muss?  Es muss so sein. Es steht so geschrieben. Beide müssen freiwillig spielen. Es fließt durch meinen Körper. Durch mich hindurch. Ich will. Ich will. Ich will diesen Menschen zeigen, wie man spielt. ( Ich will dich töten, dein Herz verletzten und wenn du schreist dich ganz zerfetzten…nein?)
Dieses Ding ist groß, stark und dumm. Dumm genug um nicht zu erkennen, auf was er sich einlassen würde. Hätte ich einen Gott würde ich beten. Sag ja. Sag ja. Sag ja.
Anna im Fenster schließt ihre Augen und blickt zu Boden.
Er öffnet seine Lippen.
Meine Augen blitzen hoffnungsvoll.
(…in deinem Blut will ich versinken und darin baden und es dann trinken.)

“Nächste Station: Freising Bahnhof!”

Ich blinzle.
Mein Kopf zuckt rum, als würde ich etwas suchen. Meine Station. Freising. Hab ich alles? Ich sehe mich um. Ich habe das Gefühl etwas liegen zu lassen. Meine Geldbörse? Hab ich. Meine Handtasche? Ach ja.
Ich lasse den Mann stehen, was wollte ich noch gerade von ihm? Egal. Ich nehme meine Handtasche und murmel etwas von… Ich muss los und verschwinde durch die sich öffenden Türen. Ich bin froh diesen Menschen los zu sein. Solche Typen gehören weg gesperrt. Wirklich. Dennoch drehe ich mich nach einer Weile um und betrachtet ihn aus der Entfernung. Sein Gesicht durch die Scheibe hindurch und irgendetwas in mir ist enttäuscht. Aber ich kann es nicht so recht fassen. Egal.

 

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Essen und Essen

03.12.2002
 
Klopf Klopf.
Aufwachen.
Ein Lächeln auf meinem Gesicht. Freude.
Mit erwachenden Bewußtsein wähle ich die Bücher, welche sich höflich anbieten.

Ich stehe mit Katinka in einer alter Wohung, alles verstaubt, als wäre es schon lange nicht mehr benutzt worden, als hätte jemand vergessen, dass er hier lebt. Geschirr, dass so tut, als wäre es eigentlich noch in Gebrauch. Eine sympathische Form von Unordnung. Bilder, Kleidung, ein ungemachtes Bett…wir stehen in einem ganzen Leben und beginnen uns darin umzusehen. Ein Geschenk, wir haben ein Geschenk bekommen. Jemand, der für uns fühlt hat uns den Schlüssel zu seiner Vergangenheit überlassen. Es dauert lange bis ich in dem was ich hier sehe, jenjenigen finde den ich kenne. Wir sprechen nicht. Unsere Hände wandern über die Gegenstände, hinterlassen Spuren im Staub… Spuren in seiner Vergangenheit… Wenn die Ereignisse in unserer Vergangenheit uns den Weg für die Zukunft weisen, was tun Katinka und ich dann gerade? Obwohl es an und für sich, einfach nur eine verlassene Wohnung ist, bewegeng wir uns, als wären wie an einem heiligen Ort. Ich bin hingerissen. Fotos. Ach du Schreck. SO sah er aus????
Ich blinzle.

Thomasso sieht mich an. Gerade noch sehe ich sein Gesicht auf diesem Foto und jetzt sitzt er mir gegenüber an diesem Tisch, bei diesem Italiener. Zu meiner Linken Katinka, die einen Schlüssel zurückgibt, der nicht uns gehört. Waren wir gerade eben dort, wo ich gerade eben noch war, oder war es gestern und ich bin heute? Ich lächle pauschal. Ich freue mich. Glück.
Man reicht uns die Speisekarte und ich blicke darauf. So viel leckere Sachen. Aber das Wasser will mir im Munde nicht zusammenlaufen. Mein Blick wandert von der Karte, zu der Tischlampe, zu allen anderen Tischlampen… Wie die leuchten können, nicht alle gleich hell…irgendwie, und wenn man seine Augen ein wenig zusammenkneift, dann wird das Dunkle dunkler und das Helle heller…und wenn man das lange genug macht, dann sieht das Restaurant aus wie ein Sternenhimmel.
“Für was hast du dich entschieden?” Fragt Thomasso und ich blinzle. Ein Schalk in seinen Augen und ich weiß schon was er denkt. Vor gut nem halben Jahr hab ich mich köstlich darüber amüsiert, wie er und Katinka begeisterungslos das Speiseangebot unter die Lupe nahmen. Ja ja. Alles rächt sich. Wir reden über, alles möglich, ich bin nicht immer ganz bei der Sache, gibt so viel zu sehen. Aber ich glaube im gro mach ich mich ganz gut. Ich bin durchaus anwesend. Ich freue mich so sehr die beiden lieben bei mir zu haben. Ich fühle mich absolut wohl, bis zu der Sekunde, in der dieser Kellner ein neues Buch bringt.
Es liegt vor mir auf dem Tisch und schlägt sich von selber auf. Geruch. EKELHAFTER Geruch. Das soll ich essen? Wessen dumme Idee war das? Meine bestimmt nicht. Man stelle sich vor, ein junger Mann würde mich romatisch zum Essen einladen… Dem müsst ich im Affekt ins Gesicht springen…. Innerlich kicher ich… Ich müsste ihm tatsächlich ins Gesicht springen…zumindest beinah. Egal. Ich werde DAS auf alle Fälle nicht essen. Masquerade wahren hin oder her. Das hat alles seine Grenzen. Ich widme mich lieber dem Gespräch. Und dem Restaurant. Das Buch Essen, as far as possible, ignorierend.
Aber Thomasso ißt.
Aber Katinka ißt.
Und sie lächeln dabei. Plaudern. Die beiden sind mir unheimlich. Echt! Der Kellner guckt schon komisch, warum ich das Essen nicht anrühre, ich füge mich meinem Schicksal, ersteche ein Stück Leber mit meiner Gabel und führe es mit einem absolut souveränen Lächeln in meinen Mund. Beisse. Zerbeisse. Ganz ruhig. Ganz gelassen. Zermahle. Schlucken. Ich muss das Schlucken. Ich…würge es hinunter, erhebe mich langsam, entschuldige mich für eine Sekunde und begebe mich in aller Ruhe auf die Toilette.
WAH….das ist im wahrsten Sinne des Wortes zum Kotzen!!!
Das Gesicht waschen. Zurück. Ich hasse es. Die beiden schmunzeln. Jeder von ihnen kann sich erinnern, wie es für sie war. BAH.

Wie geschmackvoll hm?
Schmeckst dir? Soviele Gewürze. Das tote gebratet Fleisch – wie lecker. Es verteilt sich in deinem Mund – so falsch. Der falsche Geschmack. Willst es nicht lieber ausspucken? Den Teller nehmen und wegwerfen? Blätter weiter! Dein Körper windet sich innerlich? Will sich wehren, dagegen, aufzunehmen was er nicht mehr will? Nimm den Fisch aus dem Wasser und erklär ihm, um am Lande nicht aufzufallen müsse er reine Luft atmen. Du wirst an diesem Essen verrecken! Schaufel deinen Tod in die rein. ISS!

Ich blinzel.
Der Tisch ist leer geräumt. Ich habe aufgegessen. Mir ist SO schlecht.
“Wir sollten noch etwas vernünftiges Essen gehen!” Erklärt Thomasso. Déjà vue? Aber was vernünftiges hört sich gut an. Den faulen Geschmack aus dem Munde waschen. Wir zahlen nicht. Ich kenn das schon. Ich will das auch können? Katinka lächelt und Thomasso erzählt, von dem Können, das unsereins…. (Ja unsereins…du bist eins der unsren jetzt…)… So kann. Das gefällt mir. DAS gibt einem ganz neue Optionen. Daran hab ich noch garnicht gedacht. Ich bin jetzt auch in der Lagen, zu können. Nur was ich kann. DAS weiß ich nicht. Und wie lernt man das? Ein großes Thema.
Wir verlassen die Folterkammer und meine Laune bessert sich. Jagen. Haben sie gesagt. Vor meine Inneren Auge sehe ich gesichtslose Gestalten, die vor uns davon laufen. Wir hetzten sie, wir jagen sie.. Gemeinsam … Ich stelle mir vor wie wir sie erwischen und unsere Körper von dieser Vergewaltigung eben reinigen. Vergnügen. Auf dem Weg spielen wir verstecken. Eines von Katinkas Büchern. Auch das würde mir gefallen. Ich werde mir das alles durch den Kopf gehen lassen. Das Verstecken. Und das, wie zwinge ich anderen Leuten meinen Willen auf.  Schließlich stehen wir vor einer Haustüre. Vor einer Wohnung.
Katinka und Thomasso beschließen mir den Vortritt zu lassen. Ich solle doch mal machen, sie gucken zu.
Äh…Ähm…hallo? Wollten wir nicht Jagen?..In einer Wohnung?? Noch ehe ich mir so überhaupt sicher bin, was das alles werden soll, hab ich schon geklopft und so ein Kerle öffnet die Türe und sieht mich fragend an.
Ja was soll ich denn jetzt mit dem machen?
“Ja bitte?” Es ist nicht mehr die richtige Uhrzeit für Besuch.
HILFE!
“ Ich ähm, also…” Stotter ich rum und erkenne in seinem Gesicht, dass er das alles recht seltsam findet. Tu was! TU was!! “ Mein Auto ist stehengeblieben und bei meinem Handy ist der Akku alle und ich würde gerne mal telefonieren…ADAC.” Plappere ich, gehe frech an ihm vorbei, in seine Wohnung (Hier warst du schon mal nicht wahr?) Und lächle ihn fürchterlich offen an. “ Ich darf doch reinkommen”
Stirnrunzeln. Aber mich armes junges Dinge kann man ja nicht so vor der Tür stehenlassen. Vor allem wenn ich einfach an ihm vorbei geh. Er nimmt das Telefon, wählt die Nummer und gibt es mir. Während er geht , sich bewegt und tut, beobachte ich ihn. In mir tickert es. Ich kann den doch nicht einfach beissen. Wie sieht dass denn aus? Ich mein…er steht da..und ich geh hin und beiss? Das geht doch nicht! Ich komm mir dumm vor. Was für ein Vampir! Oh je. Ich habe den Anruft schon lange beendet. Tu so, als obs keine Verbindung gäbe und lächle entschuldigend. Wie komm ich denn jetzt nun an den ran?
Ah… Ich werde ihm einfach erklären dass er schlafen soll – die Sache mit dem Können – und dann trink ich…. Dann merkt er nichts.. Ja. DAS ist mein Plan.
Er will mit mir raus das Auto angucken. Aber ich will nicht, ich will ihn. Soviel ich klar.
Also guck ich zum ihm rauf und bemühe mich nach besten Wissen und Gewissen ihm meinen Willen aufzuzwingen.
“Du willst nicht hinunter.” Sage ich und sehe ihm höchst von meinen Worten überzeugt in die Augen.
“Nein?” Der glaub ich, hält mich für bescheuert.
“Nein. Du willst dich setzten!”
Sein Strinrunzeln in seinem Gesicht ist eine Frechheit. Habe fast den Eindruck, der lacht mich gleich aus.
“Wir sollten wir doch….”
“Nein” unterbrech ich ihn. “ Du setzt dich jetzt hin!” Ich bin ja wirklich von dem Überzeugt was ich da tu. Was soll ich auch sonst machen. “Du setzt dich jetzt!” Und er tuts. HA. Ich kanns! Ich bin der Held! Das Spiel gewonnen. Dein Blut ist mein!  Ich tret an ihn ran. Mein Plan wird funktionieren. Ganz sicher.
“Du willst schlafen!” Seine Augenlider flattern etwas und ich rede weiter….weiter auf ihn ein, sabbel sabbel  sabbel…solange bis er sich die Stirn zu reiben beginnt. Irgendetwas hab ich falsch gemacht. Hab ihn verloren. Aber was? Ich will  wirklich dass der schläft. Wie soll ich denn sonst von ihm nehmen?
“Sagen sie, kennen sie einen Herrn Kantner?”
Und mit dieser Fragen nimmt er mir so völlig jeden Wind aus den Segeln und ich stehe da wie vorm leeren Weihnachtsbaum.
“Wen?” Fiepe ich.
“Herrn Kantner, wenn er mit mir spricht…bekomme ich…auch immer…so…Kopfschmerzen..”
Kann nichts sagen. Will nicht Lügen. Was nun? Was tun? Panik. Ich sollte aufgegben. Egal. Trink ich halt nichts. Wenn ichs nicht bring, bin ich selbst schuld.Oder? (Aber in dir gierts nicht wahr?)
Er erklärt mir sehr bestimmend, dass es wohl doch die beste Idee wäre, dass Auto selbst anzusehen und ich habe dem Nichts entgegen zu setzten. Was er wohl sagen wird, wenn ich ihm kein Auto zeigen kann, dass nicht mehr funktioniert.
Ich bin frustriert.
Ich bin zu unfähig mich selbstständig zu ernähren.
Ich bin dazu verdammt, den Rest meines….oh Gott…wie lange dauert eigentlich die Ewigkeit?… Untoten Lebens aus PLASTIK Beutel zu trinken.
Könnt ich heulen, könnt ich heulen. Ich bin so………………….
Er schiebt mich aus seiner Wohnung, ich füge mich wie eine Puppe…und dann? Dann rieche ich es – Angst.
Mein Kopf wirbelt herum, ganz von selbst. Wie in Zeitlupe, sehe ich, wie er zurückweicht… Sein Gesicht… Darin spiegelt sich, was er fühlt…in seinen Augen… Augen die Spiegel der Seele…nein? Noch bevor er es tut, weiß ich , dass er die Türe hinter mir zuschlagen will. Er will mich aussperren…. Weil er sich fürchtet. In mir lacht es. Unendlich langsam, als hätte ich alle Zeit der Welt stelle ich einen Fuss in die Türe, die kracht dagegen und er versucht sie zu zu drücken. Ich bade in diesem Gefühl in mir. Meine Hand schiebt sich nach drinnen und krazt langsam und zärtlich über das Holz.
“ Hast du Angst?”flüstre ich. Ich weiß, dass es so ist. Ich fühle es. Ich kann es lesen. Durch die Holzwand hindurch und es erfüllt mich. Er erzählt etwas von wegen, es wäre wohl besser wenn ich jetzt ginge. Aber ich denk nicht im Traum daran. Kann mich garnicht entscheiden, was mir besser gefällt. Durch die Türe zu gehen, splitterndes Holz dass meine Körper liebkost  und mich an ihm zu heilen. Oder nur hier zu stehen und den Geruch zu lesen. Mir vorzustellen, wie es in seinem Kopf tickert. Die Schwingung in seiner Stimme ist Musik für mich. Lass mich rein.
Resignation. Ich weiß nicht,ob lange war oder kurz, aber schließlich gibt er nach und lässt mich wieder ein. Sichtbar gestresst. Mir ist es scheissegal, was er denkt. Ob er mich für verrückt hält. Was absurd ist oder nicht. Er murmelt etwas von etwas trinken und geht zum Spiritousen schrank. Ich lächle nur und nicke. Sehe ihn mit ganz anderen Augen. Alles um mich herum vergessend. Ich weiß was ich will, ich kenne mein Ziel. Als er sich vorbeugt, um die Getränke auf den Tisch zu stellen nehme ich, was mir gehört.
Ich blinzel.

Der Mann liegt auf dem Boden. Habe ich getötet? Kurze Panik. Nein. Ich war brav. Hab aufgehört. Katinka und Thomasso stehen da und sehen mich so an. Irgendwie habe ich ein schlechtes Gewissen. Was würde ich jetzt mit dem Mann machen, wenn ich allein wäre? Der würde doch glatt zu Polizei rennen und von der Verrückten erzählen die ihn des Nachts heimgesucht hat, und ich hätte die erste Regel gebrochen.
Keine Heldenhafte Vorstellung von mir und ich verstehe, dass ich lernen muss.
Thomasso korrigiert meine Fehler, ich beobachte ihn. Aufmerksam. Aufnehmend. Lernend. Noch immer ist ein Teil von mir vergnügt. Zufrieden.
Noch immer ist ein Teil von mir geplagt. Frustiert.
Töten wäre der einfachere weg…
Aber der einfache Weg ist nicht immer der beste …
Da tut sich ein Hoffnungs schimmer in mir auf.
Man muss das ganze doch perfektionieren können…nein?

 

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Schlaf

17.11.2002
 
Erinnerst Du Dich an Deinen Tod. Toth. Malekin?
Die Sonne geht bald auf, es wird Zeit schlafen zu gehen.
Leg Dich nieder. Ich habe …
Ja. Ein Buch.
Ich lese es Dir jeden Morgen vor. Es heisst sterben.
Denn Du stirbst mit jeder Morgendämmerung.
Bist Tod solange die Sonne Leben schenkt.
Und erwachst mit jeder Nacht.

Erkenne, dass ich es bin, was du willst –
Denn ich werd nicht mehr geh’n.
Erkenne, dass Du mir ausgeliefert bist
Und lerne mich zu versteh’n.
Ich schenk Dir Frieden, ein sanfter Traum
Ich werd Dir helfen, schenk’ mir Dein Vertrau’n.
Oder?
Schlafe Jetzt!

Dunkelheit. Ich schlafe wie eine Tote. Wie witzig. Aber wenn ich schlafe…wie kann ich mir dann Gedanken machen? Sollte ich nicht einfach – Nichts tun? Denke ich jeden Tag, während ich tot bin? Und vergesse wieder? Vielleicht denke ich jeden Tag, das gleiche. Oder ich bin wach, und glaube nur zu schlafen. Oder ich lebe noch und träume nur tot zu sein. Ich bin in mir allein. Keine Bücher. Das ist – seltsam.  Obwohl sie mir Unbehagen bereiten, mich quälen und in jeder Sekunde meine Aufmerksamkeit erfordern. Fehlt etwas, wenn sie nicht da sind. Wie ein hässlicher krummer Buckel, man lernt sich zu ducken und selbst wenn er verschwindet ist man nicht mehr frei genug, um aufrecht zu gehen. Some kind of masochism? Was für Blödsinn in meinem Kopf.

Mir träumt von dem jungen Mann, von dem ich nicht getrunken habe. Den ich nicht gejagt habe. Das Tier hat ihn für mich erlegt und macht mir ein Geschenk. Wie lieb. Es steht im Dunklen und hält den Körper mit beiden Hände vor sich. Für mich. In der Mitte vierer Säulen. Über mir. Ich stehe darunter im Grase und sehe andächtig auf. Lesen muss ich nicht, dennoch nehme ich alles ganz klar wahr. Kühle Feuchtigkeit unter meinen nackten Füßen. Der volle Mond, der über dem Dreieck steht, sich in meinen Augen spiegelt und die Wahrheit in blasses Licht taucht. Wahrheit? Welche Wahrheit? Der dargebotene Leib ist noch warm. Ich kann es fühlen, riechen. Ich will mich danach strecken, ihn an mich reissen und leeren. Das Tier weiß es und ich weiß, dass ich nichts tun darf. Geschöpfe der Nacht, ans Licht gebracht. Ach gib mir! Ach füttre mich! Man darf nur töten was man wirklich liebt. Alles andere ist unehrlich. Warum? Doch noch weiter. Ich darf nur trinken was ich liebe. Wie kann ich jede Nacht von Neuem lieben? Muss ich doch jede Nacht aufs Neue trinken. Verwirrung.
Darüber werde ich nachdenken müssen. Wenn ich es finde, werde ich das Buch Liebe lesen. Um zu verstehen. Das Tier nickt – wie ruhig es sein kann –  hebt  sein Geschenk empor, als wolle es einen Segen sprechen. Dann schlägt es seine Fänge in den Bauch des Mannes, reisst eine grauenvolle Wunde, deren Anblick mich gleichermaßen anzieht und abstößt. Sein Inneres offenbart und Anna in mir erschaudert und wendet sich angewidert ab. Warum so grauenvoll? Warum nicht leise und zärtlich?
(Nur wer grausam ist , kann zärtlich sein. Nur wer hasst, kann lieben. Oder?)
Wie sehr muss es lieben, wenn es so grausam sein kann?  Es bereitet mir Kopfschmerzen. Anna besänftigt mich und wir beide beobachten, wie sich die Bauchhöhle mit Blut füllt. Unser Körper bebt. Und die Gier fügt uns zusammen. Die Gier lässt uns sterben. Mit quälender Langsamkeit, kippt es den Kelch und gibt mir mein Leben wieder.
Alsoh – schließe ich meine Augen. Erwarte der Mutter zärtlichen Kuss. Und sie küsst mich auf die Stirn.
Plitsch. Platsch. Regentropfen die an mein Fenster klopfen.
Blut das klopft, in mein Angesicht tropft.
Vom dritten Augen, rinnt es sorgsam hinab. Aus meinen Augenwinkel weint es, liebkost meine Wangen und sammelt sich zwischen meinen Lippen, wie ein Gedicht, das gesprochen werden will. Gegrüssest seist du Kind Anna, voller Gaben, du bist geweiht unter den Frauen und geweiht ist die Sucht deines Leibes Malekin. Verzückt kostet meine Zunge von dem Gedicht.
(Also steh' ich vor dem Spiegel anbei meinem Bild des vollen Mondes Schein,
erfüllt von der Stärke meines Willens bin ich alle und allein
So denk ich die Worte So schreib ich die Worte So sprech ich die Worte
durch Wahrheit erkannt,hab ich es erlangt
vom Herzen ersehen, kann ich es verstehen
durch Schmerz erbracht, erfüllt mich die Macht)
Ein Quentchen nur. Ein Wörtchen nur. Eine Silbe. Erfüllt meinen Körper. Was will ich mehr? Ich BIN eine Göttin. Oder? Egal. Gib mir mehr! Mehr Blut, mehr Leben.
Wie es sich über mir ergießt, wie es auf meine Lippen tropft, an meinem Kinn hinabfließt, den Hals entlang, zwischen meinen Brüsten hindurch, meinen Leib mit rotem Tuch bekleidend. Kein Wahn! Ein Sinn! Ich  räkel  mich unter dem Tropfenden Leib, und anstatt das der Lebensfluß  versiegt, verstärkt er sich, besudelt mich – ich lache, öffne meine Lippen und trinke gierig…
Das Tier hält den Leib einer Frau über mich.
…guuuuuuut schmeckt sie, die kleine süße Maus, höre ihre Schreie, der Klang ihrer Stimme, so lieblich wie Honignektar, so sanft – streichelnd, meine Kehle hinab…hinab hinuter, ihr Leben geht unter und in mich rein. Ihr kleiner Körper in meiner Hand, in meinen Händen ihr Leben, ich könnts ihr geben. Ich könnt. Ich muss. Schluss!
Alsoh – öffne ich meine Augen.
Ich finde mich selbst, vor einem roten Sessel wieder. Dahinter der Spiegel. Ich erhebe mich in aller Seelenruhe und beobachte was geschieht. Katinka nimmt mich an der Hand und läuft mit mir raus. Wie zwei Verliebte. Das Tier folgt ihnen. Anna bleibt zurück und sieht mich durch den Spiegel fragend an. Traurigkeit in ihrem Blick. Sanftheit. Verletzlichkeit. Menschlichkeit. Sie ist sich wohl bewußt, gestorben zu sein. Sie hat erkannt. Und ich beneide sie darum. Sie fürchtet die Lust an dieser neuen Macht. Fürchtet die Gier und das Tier. Wie schwach. Wie klein und hilflos – und mein wertvollstes Kleinod. Bitterkeit. Ich erkenne und bitte sie demütig mir zu folgen. Was bedeutet schon Macht, wenn sie nicht durch eine liebende Hand geführt wird ?

Wach auf!
WACH AUF!
Erinnerst Du Dich….
Ärgerlich wische ich die Stimme aus meinen Gedanken. Fühle mich gerädert. Geht das? Kann man als Vampir unausgeschlafen sein? Ich glaube fast. Es ist wie früher. Eine dieser Nächte, in denen man die Augen schließt und eine Sekunde später die Augen wieder öffnet, um festzustellen, dass die Nacht vorbei ist und der Schlaf, in dem man sich erholen hätte sollen, in einem Dimensionsloch verschwunden ist. Lustige Gewohnheiten die man nicht los wird oder wie? Irgendwie fühle ich mich – eigenartig. Zum erstenmal, seit meinem Tod, nehme ich den Hauch einer seltsamen Traurigkeit in mir wahr. In den vielen rastlosen Tagen, hatte ich nie Bedenken, ob dass, was ich geworden bin – Recht ist. Jetzt liege ich hier und fühle mich schmutzig. Was ist passiert? Ich muss mit Katinka reden. Ich glaube, ich habe nicht ein vernüftiges Wort mit ihr gewechselt. So nah und so weit weg. In meinem Kopf pocht es, als hätte ich Kopfschmerzen. Sagte nicht irgendjemand, irgendwann, wenn man tot ist, wäre es vorbei mit den körperlichen Gebrechen. Ich glaub’ der hat gelogen.
Um mich herum stapeln sich die Bücher. Ich habe heute keine Kraft sie zu ignorieren. Keinen Nerv zu widerstehen. So weich, so schwach. Ich  sollte etwas zu mir nehmen.
Noch bevor ich meine Augen öffne, wähle ich einige Bücher aus und beginne zu lesen. Nebenher. Meine Aufmerksamkeit, wird wohl etwas darunter leiden, aber es fühlt sich….irgendwie homogener an. Das Lesen kostet mich keine Kraft, nur das Nicht-Lesen.
Anna ach Anna, was soll ich mit dir machen?

 

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Pulverturm

6.11.2002
 
Wach auf.
WACH AUF!!
Welches Buch möchtest ……?

WAH!!!
“NEIN!”
Mich reißt es aber so richtig hoch.
Wo ist das Herzklopfen, wenn man so radikal aufschreckt?
Hinter meiner Stirn tickert es. Lauert es. 30 Bücher die gelesen werden wollen. Wenn ich heute nicht rauskomm', dann flipp' ich wirklich aus! Ich muss unter Leute. Sitze hier die ganze Zeit und tu NICHTS. Oder? Vielleicht sollte ich mal in meiner Arbeit Bescheid geben, dass ich krank bin. Krank!! Bah. TOT.

Sehr geehrter Herr Denk, ich kann heute leider nicht zur Arbeit erscheinen, weil ich kürzlich verstorben bin. Liebe Grüße, Anna.

Oder hab ich mich schon unpässlich gemeldet? Wenn ich's nur wüsste.
Tanzen. Ich werd tanzen gehen. Wenigstens ein Stündchen. Solange halte ich schon aus. Solange bleibe ich in der Wirklichkeit. (in welcher?). Ich muss wirklich raus. Ich bin doch kein Tier, dass man über Tage hinweg einsperren muss. ( Wie heißt noch dieses Wort? Selbstverleumdung?)
Fühle mich stark genug, um Nicht zu Denken und noch genügend Kraft über zu haben, mich zu bewegen. Und vielleicht…vielleicht…was…warmes? (Gier bestimmt dein ganzes Leben, Gier erfüllt dein ganzes Sein!)
Sie sagt nicht, ich soll gehen.
Sie sagt nicht, ich soll nicht gehen.
Sie sagt nicht, sie kommt mit.
Sie sagt nicht, sie kommt nicht mit.
Was sagt sie denn?
Ob sie mich machen lässt, um zu sehen, ob ich das Richtige mache?
Was ist denn das Richtige?
Tu was du willst…oder?
Traditionen. Aber ich kann nicht so recht unterscheiden, ob sie sie gerade rezitiert hat, oder ob ich mich nur daran erinnere, dass sie sie mal gesagt hat. Sprech' ich überhaupt mit ihr?
Man könnte wirklich verrückt werden, bei all dem Wahnsinn.
Die Öffentlichen bringen mich an mein Ziel. Pulverturm. DORT falle ich mit meiner Blässe sicherlich nicht auf. Ha ha. Autofahren spar ich mir noch. Man stelle sich vor, ich würde mich im Ampelrot vergessen, die Polizei käme und ich müsste denen dann erklären, dass das Wabenmuster, auf der Linse des Lichts nicht gleichmäßig ist. Da könnt ich dann gleich Malekin direkt besuchen gehen. Er ist doch oft im Irrenhaus oder? Im Irrenhaus. Mich befällt kurzfristiges Mitgefühl. Wie viele von Ihnen sind dort irrtümlich? Irr-tümlich. Ha ha.
Ich geb's zu. Ich bin beschwingt. Tanzen wird mir Glück schenken.
Als ich eintrete, in den dunklen vernebelten Raum, laufe ich fast gegen eine Wand. Soviel
Soviel….

AHA! Hab dich schon vermisst. Die Auswahl ist groß. Wähle!
Welches Buch….?

“Katinka!” Flüstre ich. Oder wars doch Malekin? Es kostet mich einige Minuten, bis ich die gesamte Wucht der Eindrücke runter gekämpft habe. Ich ignoriere sie! So! Auf Andere muss ich wohl, doch eigentümlich wirken. Etwas verkrampft. Walkin in my shoes…sag ich da nur. Wenn mir einer das nachmachen kann, dann darf er meckern. Apropos nachmachen. Ich sollte atmen nachmachen.
Dann lese ich doch ein Buch. Es heißt Tanz. Bewegung. Eine Abhandlung die sehr gut mit Musik zusammenpasst. Während ich mich dieser Lektüre widme, entspanne ich mich. Wenn ich lese, muss ich mich nicht darauf konzentrieren nicht zu lesen. Klar oder?  Stromstöße, über Nervenbahnen.. Angeregte Muskeln. Welche sich zusammen ziehen und entspannen. Tausend Abläufe in jeder Sekunde, die mich in ihrer Gesamtheit tanzen lassen. Verloren in der Musik. Das Glücks gefühl ist nicht gestorben. Dieses Hingeben, das Lesen in diesem Buch. Das Wahrnehmen lässt mich innerlich ruhen. Das macht mich glücklich.
Aber etwas stört. Etwas stört mich.
Viele Menschen sind nicht hier.
Menschen… ( Warm!)
Der Männerüberschuss, sorgt dafür, dass Mann mich beobachtet.
Ja… Wo ich denn schon mal hier bin…
Ob ich darf?
Mir etwas…. Jemand lebendiges…genehmigen?
Es reizt mich. Nicht nur, weil der Hunger mich sticht.
Tanzen ist unwichtig. Mein Blick schweift über die Anwesenden. Abschätzend. Nach welchen Maßstäben ich abschätze, kann ich nicht sagen. Es ist ein zaghafter Versuch, mich anzupassen. Oder? Ein Mann, wird wohl das leichtere….der besser zu überzeugende Mensch sein. Einem jungen Blonden habe ich es wohl angetan. Der wird mit gucken gar nicht fertig. Ja. Super! Alle Bücher, bis auf eines treten völlig in den Hintergrund. Die restliche Welt auch.  Er ist sicherlich kaum älter als ich.  Seine Gesichtzüge sind ganz fein. Er wirkt verletztlich. Seine Haare, nicht ganz frisch gewaschen. Helle Haut. So hell, dass ich fast glaube die Adern darunter sehen zu können. Die Flüsse rauschen! Purpurne Flüsse. Augenringe. Ihn quält etwas? Mit einem Mal befällt mich eine fast mütterliche Zuneigung.
Lass mich von deinem Leid kosten!
Ich werde dich für kurze Zeit vergessen lassen.
Ihn will ich. Ihn und keinen anderen!
Über mein Gesicht legt sich ein Lächeln. Ein Lächeln, dass all die Gefühle ausdrückt, die ich in diesem Moment empfinde. Mitgefühl und Verständnis und Verlangen. Viel Verlangen. Mich giert es nach jenem. (…kann mich nicht wehren, mich zu verzehren, dich zu begehren, mich zu nährend an deinem Blut)
Es ist sicherlich ein bezauberndes Lächeln. Einladend.
Und jetzt? Kommst du zu mir?
Er sieht mich an wie ein Kaninnchen.
Nun gut. Selbst ist die Vampir Frau von heute.
Wenn du nicht willst (…dann brauch ich Gewalt ), dann geh ich halt zu dir.
Da mach ich den ersten Schritt….und der packt sich seine Jacke und rennt raus.
DER RENNT RAUS!!!!!!!
Ist schon beinah an der Tür.
Ja, soll ich da jetzt nachlaufen???
Ticker.
Tacker.
Er flüchtet vor mir.
Ticker.
Und dann fühle ich es. Wie es sich aufbäumt in mir. Laut lacht, und der Klang des Echos dieses Lachens ist so süß, so wahr, so grausam, dass ich zu leben beginne.

Lauf!
LAUF!
Du bist schneller als er.
Du wirst ihn erwischen, noch ehe er irgendwo in Sicherheit ist.
Er wird deine Schritte hören. Obwohl er dich nicht kennt, hat ihn sein Instinkt vor dir gewarnt. Darum riecht er so gut. Er hat Angst.
Lauf! Er wird ausser Atem sein. Er wird genug für euch beide atmen. Er wird für dich atmen, was du nicht mehr atmen kannst.
Du wirst ihn schnappen und zurück reißen. Sein Herz wird vor Schreck stocken. Einen Schlag aussetzten. Deine Hand wird in seinen Nacken gleiten und sich darum legen. Er wird starr sein. Wie ein Karnickel.Zittern. Und noch bevor er weiß, was ihm geschieht, schlägst du deine Fänge in sein Fleisch. Roh. Vergiß das leise Klicken, wenn die Haut zerbricht, wenn du dafür die süße Melodie seines Schmerzes schmecken kannst. Du wirfst ihn zu Boden. Bist über ihm. Du wirst seine Seele suchen und sie in dich aufsaugen, bis er in deinem Arm sein Leben aushaucht!
Ihn schinden, Dich finden!
LAUF!!!

Einen Schritt. Wenn ich nur einen Schritt tue, um ihm zu folgen, dann gibt es kein zurück mehr.
This is the Point of no Return, isn’t it?
Dann gehört er mir.  Dann jage ich. Dann erlege ich. Dann töte ich. Ein kleiner Schritt. Nur noch dem Ziehen meines Körpers folgen. Nur meinem Gleichgewicht einen Schubs geben. Wenn ich jetzt nachgebe, dann werde ich immer nachgeben. Ich werde keine Bücher mehr lesen. Ich werde sie schreiben. Ich werde leben. (… und töten töten töten)
Er huscht durch die Türe.
Jetzt.
Jetzt muss ich los. Hinterher.
(Malekin et Katinka, die neben mir knien, ihr Tagebuch in ihren Händen. Sein Blick auf mir und er fragt:                         )
(Kannst du töten?             Ja)
(Kannst du nicht töten?        )
Ich blintzle.
Es zieht sich zurück. Wiederwillig seine Klauen in mich schlagend, auf dass ich seiner nie wieder vergesse. Und es war nur ein kurzer Besuch. Ich glaube, fast nur ein Höflichkeits Hallo. Meine Knie werden weich. Mein Magen dreht sich. Jemand zieht mir die Seele aus dem Rückenmark. Mir wird schwindelig.
Keine Kontrolle.
Hundert  Bücher, die sich aufschlagen, und gnädiger Weise, da ich gerade nicht fähig bin zu lesen… Sprechen. Von sich erzählen. Ein jedes in seiner Sprache. Alle auf einmal. Ich dreh durch. Halbblind. Halbtaub kämpfe ich mich raus.
Taxi?
 

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Bücher

05.11.2002
 
Wach auf.
WACH AUF!
Ah. Da bist du ja.
Deine Augen sind noch geschlossen.
Welches Buch möchtest du lesen?
Geräusch?
Erinnerung?
Gier?
Gier?? Ja?  …. Nein?
Kein Buch? Sei nicht so störrisch! Du MUSST lesen, ob du willst oder nicht. Finde dich damit ab. Vielleicht Geruch? Riechst du das?  Keine Bücher?? Das Lesen macht dich verrückt? Zuviel Information? Zuviele Bücher? Ja es stimmt, je mehr Bücher du liest, umso mehr Bücher gibt es. Je mehr du verstehst, desto mehr kannst du lesen.
Ein Teufelskreis? Du willst das nicht? Du erträgst das nicht? DAS werden wir noch genau – ganz genau – erläutern. Versteck dich ruhig. Kauer dich in eine Ecke und presse deine Hände an deinen Kopf. Deine Fingernägel finden den Weg unter deine Haut. Der Äussere Schmerz betäubt den Inneren? Nein? Oh, ich glaube ich habe das richtige Buch für dich.
Angst.
Kennst du Angst? Nein… Das Buch Angst. Vergiss alles, von dem du glaubtest, es hätte dir jemals Angst gemacht. Wenn du DIESES Buch liest. Wirst du verstehen. Wahrheit lesen. Ich schlage es für dich auf. Fühlst du wie es dich in sich hinein zieht? Du zitterst! Ganz einfach nicht wahr? Ganz einfach geschrieben. Leicht zu verstehen. Ja. SCHREI! HEULE du Balg.
Kratz dir die Haut vom Gesicht! DAS ist nur der Anfang. Angst wird dich mitreissen. Erfüllen. Es erzählt vom Allein sein. Allein bist du! Verkriechst dich in dieser Ecke und wimmerst wie ein Baby. Niemand der dir hilft! Du einsames hilfloses Kind du.
Nicht allein? Katinka? Malekin? Das falsche Buch?
Ein Anderes?
Kontrolle??? Aber Kontrolle ist ein langweiliges Buch! Und anstrengend. Schwer zu lesen. Müßig. Du musst es jedesmal von vorne beginnen. Willst du nicht doch….?
Nein? Du willst Kontrolle? Ja? Unbedingt?? Meinetwegen. Kontrolle also, auch wenn es keinen Spass macht. Lass uns ein Geschäft machen. Ich lasse dich in Ruhe Kontrolle lesen. Und lege Angst einfach in Greifweite ab. Ja? Und…. Gier lege ich gleich daneben. Okay? Gut.

Ich atme ein.
Ich atme aus.
Wozu????
Die Sonne ist vor kurzem Untergegangen. Ich fühle es in mir. Schmerz in meinem Gesicht.
(Willst du Schmerz……?) Unwillig schüttle ich meinen Kopf. Ich hasse meine neue Welt! Sie macht mich dumm. Egal was. Egal wie. Und selbst, wenn ich absolut nichts mache. Ständig hagelt es…. Information. Und es wird immer Schlimmer! Was mich in der ersten Sekunde noch fasziniert hat, macht mich jetzt schon wahnsinnig. Ständig!! Immerzu!!  Hört dass denn nie wieder auf??? In meinem Kopf wohnt ein Paradoxon. Denn soviel wie da drin ist,  soviel  hat  von Aussen garnicht Platz. Mich würgst schon wieder. Hab ich mich nicht mal langsam ausgekotz verdammt. Es kostet mich, so ungemein viel Anstrengung (..nicht zu lesen) mich auf mich zu konzentrieren. Oder nein. Ich mein, nicht alles so….so…detailiert zu betrachten. So in jeder Einzelheit. So.
Mühsam rappel ich mich auf. Ich lauf halt wirklich nur auf halber Leistung, weil die andere Hälfte damit beschäftigt ist, krampfhaft mit Nichts beschäftigt zu sein. Hätt ich das mal gewußt. ( Dann?) Dort liegt eine Packung Blut. Kaltes Blut in Plastik verpackt. BAH. Ich werde es nicht trinken. Ich werde auf Katinka warten. Wir werden rausgehen und etwas….jemand lebedigen finden. Jemand warmes. Seit Freitag ernähre ich mich von Blut aus der Dose. Wenn man so will. Und selbst das, bekomme ich zur Verfügung gestellt. Es ist so nichts sagend. Nur zum existieren. Aber nicht zum leben. Wobei, nachdem ich nicht mehr lebe ( Panik…willst du Panik lesen?), steht mir ja eigentlich nichts anderes zu.  Ich verbringe soviel Zeit damit zu schlafen. Den ganzen Tag verschlaf ich. Und Nachts. ( …liest du) Verliere ich mich, die meiste Zeit in…Dingen. Kann nicht mal hunderprozentig sagen. Ob und wenn ja…wie oft ich Katinka gesehen hab. Ich glaub schon. Sie ist einer der Gründe, wegen deren ich mich zwinge…. Bewusster zu sein. Also, eigentlich eher unbewusster. Ich mein…
Also es ist schon nicht einfach. Ehrlich.
Aber wer weiß schon, wie oft sie bei mir war und ich sie nicht wahrgenommen habe, weil ich damit beschäftigt war… Herauszufinden in welcher Farb Nuance, sich eine Boden Diele von der nächsten Unterscheidet. Und vor allem. WEN INTERESSIERT DAS??????
Könnte mir bitte jemand mein Gehirn herausschneiden?
Hm.
Lassen wir das.
Kontrolle ist alles.
Mein Blick kehrt zu der kleinen Packung zurück.

Ich lese das Buch Gier und schon nach der ersten Seite bin ich nicht mehr gewillt, auf Katinkas Erscheinen zu warten.
 

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Eindrücke

04.11.2002
 
Ich lese dieses Buch.
Es heisst Musik.
Ich lese es mit meinen Ohren.
Meine Augen geschlossen. Mein Körper hält still. Ganz still. Wie tot. Ein Buch zu jeder Zeit ist mehr als ich lesen kann.
Die Unvollendet…auf Wiederholung…ganz leise. Und bei jeder Wiederholung bemerke ich jene Stellen, die ich beim ersten Mal überlesen habe. Und es hört nicht auf. Jedesmal wieder. Jedesmal. Und ich lese schon seit Stunden.
Erst das Buch,
dann nur noch eine Seite aus dem Buch,
dann nur noch einen Satz, von der Seite, aus dem Buch,
dann nur noch ein Wort, aus dem Satz, von der Seite, aus dem Buch,
dann nur noch einen Buchstaben, aus dem Wort, aus dem Satz, von der Seite, aus dem Buch.
Und dann?
Den nächsten Buchstaben, aus demselben Wort, aus demselben Satz, von der derselben Seite, aus demselben Buch.
Die wirkliche unendliche Geschichte.
Die Musik zu lesen hält mich davon ab, die Gier zu fühlen. Falsch. Es hält mich davon ab, das Buch Gier zu lesen.
Es ist das bewegendste Buch. Dass mich am tiefsten in sich zieht. Geschrieben in jeder Sprache, mit den klarsten aller Worte. Musik les ich mit den Ohren. Gier lese ich mit mir, und die Gier liest mich. Erkennt mich, versteht mich, bewegt mich, erfüllt mich..
Ich konzentriere mich auf Musik.
Feingliedrige Buchstaben. Hingabe. Ja Hingabe.
Ich bin tot. Hab mich hingegeben.
Hingabe ist schön. Hingabe liest sich gut. Berührt mich. Musik ist ein schönes Buch.
Irgendwann bemerke ich, dass neben mir ein Brief liegt.
Hat Katinka ihn dorthin gelegt?
Lag er schon immer da?
Hab ich ihn mitgebracht?
Wie lange lese ich schon?
Beinah mühsam, löse ich meinen Blick aus dem Nichts, klappe die Musik zu und betrachte den Brief.
Anna Malekin.
Anna.
An
A.
Ma.
Mal.
Malekin.
Ein unhörbares vergnügtes Glucksen ergreift mich. Ein Brief. Schick!
Mit viel Liebe und Hingabe (Hingabe ist gut) öffne ich diesen Brief. Entfalte ihn  enevierend langsam. Geruch. Das Buch Geruch lesen? Nein. Nicht jetzt. Ich betrachte die Buchstaben auf dem Blatt Papier. Die Absätze. Das Schriftbild. Wann die Tinte dicker ist, wann dünner. Wann die Linien zittern. Wann sie fließen. Wie oft angesetzt wurde, ohne das Worte entstanden. Wie oft ein Wort unterbrochen wurde, weil der Schreiber unsicher war…und es dann doch zu Ende geführt wurde. Wohin sich die Buchstaben neigen. Wie die Zeilen verlaufen.
Ich lese das Buch Schrift.
Es wurde freien Willens geschrieben. Ich schmunzle. Es gibt sich Mühe hübsch zu sein. Wie nett. Am Anfang zögerlich, der Ansatz fehlte. Oder nein…nein…der Ansatz war da, aber der Anfang fehlte. Wo anfangen, wenn es soviel zu sagen gibt? Es hat sich von allein geschrieben, manchmal wurde es gebändigt, weil es sich selbst schreiben wollte, ohne Kontrolle. Aber der Schreiber, schrieb nicht des Schreibens Willens. Er wollte Sich mitteilen. Er kontrolliert. Ein gefühlvolles Wesen, dass sich hinter seiner Kontrolle versteckt…aber… Die Worte werden geschmeidiger. Es lässt mich hinter die Maske sehen. Es will sich offenbaren. Mit mir reden.
Ich lächle.
Der Schreiber dieses Buches mag mich. Fühlt für mich. Bin ihm wichtig. Ich sehe es an den sanften Schwingung der Buchstaben. Und an manchem Zittern. Nicht das Zittern der Angst vor…sonder der Angst um. Ein schönes Buch.
Ich will es schon sanft lächelnd zur Seite legen, als mir einfällt, dass ich den Brief ja auch lesen könnte.
Klar oder?
Briefe guckt man nicht nur an, man liest sie auch. Weiß doch jedes Kind.
Darum lese ich diesen Brief.
Wie viele Worte!
So viele Worte!
Die alle nur das eine sagen! Sie winden sich um sich selbst und jeder Satz birgt die gleiche Botschaft. Eine Botschaft an mich. Für mich . Anna Toth die jetzt Malekin ist.
“Sei mir nah!” Sagen sie.
“Vergiss mich nicht!” Sagen sie.
“Ich will dich nicht verlieren!” Sagen sie.
Ich lese das Buch Gefühl.
Schließe meine Augen und erinnere mich. An mein Herz, dass noch vor einer Sekunde erst gestockt hätte, um dann um so leidenschaftlicher zu schlagen. Kann ein Vampir fühlen?
Ob Vampire können, weiß ich nicht. Aber in meinem Buch steht, dass ich kann. Ich fühle meinen Puls nicht ansteigen, aber ich fühle Wärme. Nicht körperlich. In mir. Wärme in mir. Wie Musik. Mich erfüllend. Ein neues Buch das ich lesen kann, um die Gier zu verdrängen.
Thomasso stellt mir eine Frage.
Ich antworte ihm.
Drehe seinen eigenen Brief um, und ritzte mit der Spitze meines Silberringes die Worte feinsäuberlich darunter. Ich glaub ich sitz da sicherlich drei Stunden dran. Da ich das Buch Schrift lesen kann, muss ich selbst so genau schreiben. Ich will nicht, dass ihm schwindelig wird, wenn zu viel Informationen drin zu lesen sind.
Unsichtbare Buchstaben, das Papier verletztend.

‘Ich bin tot.
Doch das, was mich bis ins Innereste berührt bleibt am Leben.’

Als mein Werk vollendet ist, lege ich den Brief einfach wieder neben mich. Dort wo ich seinen fand. Ich schließe meine Augen, klappe die Musik wieder auf und lese weiter.
 

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…ist tot.

Hold me, kiss me, thrill me, kill me!
Tick.
Tack.
Tick
Tack.
Once upon an time…
Tick.
Tack.
Tick.
Tack.
…the time runs …
Tick
Tack.
Take a look into my world.
Tick
Tack.
Killed by Death.
Tick
Tack.
Angel, come to me…
Tick.
Mirror Mirror on the wall..
Tack.
Was einst war, vergeht, zerfällt, verfliegt…
Tick.
…durchdringt…
Tack.
…erkennt…
Tick
…verbindet sich…
Tack.
…zerbricht daran…
..und dann…
Tick.
…keine Erlösung…keine Rettung..
…zu lange…
Tack.
…Zerissen in der Wahrheit…Verdorben durch die Erkenntnis …
… In Allem…in Nichts…
Tick.
..Unterträglich…Vergiftet…Für alle Zeit…
Für alle Zeit…bereut..befreit…
Tack.
Was ist Zeit..was ist Zeit… Ein Wahn, Kein Sinn.
Tick.
Tack.
Tick
Tack.
Die Feuer von Innen.
(Koste meine Verdammung, auf das SIE Dich erwecken kann. Du wirst in den Gärten wandeln können wie kein Kainit. In der Zeit, die kommen wird?)
Die Feuer von Innen.
Ich brenne. Gier! Ein Unwust an Eindrücken die in mich fließen. Alles fließt…meine Kehle hinab, hinunter…Leben geht unter und in mich hinein. Will schrein. Schmerzen. Wahrheit. Zuneigung. Erkenntnisse die töten und leben schenken. Verborgen. Allein und doch ein Teil. Geschützt….versiegend.
(Komm, Anna. Du hast genug gesehen von der anderen Seite des Spiegels. Trinke nun von Katinkas Blut und vom Blut aller Malekins. Erwache.)
….
“Mehr!” Ist mein erster echter Gedanke.
Ich hänge an ihr, wie eine Süchtige und genau das bin ich – süchtig! Aber nicht nach Ihrem Kuss, sonder nach dem, was sie mir damit schenkt, ihr Blut in mir! Ich fühle es pulsieren – in meinen Adern – noch bevor ich irgendetwas anderes fühlen kann. Ich möcht sie nimmer loslassen …es ist erregend, so atemberaubend dass ich nicht mehr atmen kann…nie wieder muss.
“Mehr!” Ist mein zweiter Gedanke.
Ich vergrabe mich tiefer unter ihre Haut, schmecke sie, möchte mich in ihr baden, mich in ihr winden und sie hemmungslos in mich einsaugen…mich laben…an ihrem Blut..es tut so gut..sie SO zu schmecken. Alles ist anders. Was wichtig war, ist unwichtig…es zählt nur noch…die warme dickliche rote Flüssigkeit auf meinen Lippen, ihr Leben… in meinem Mund, in meinem Körper….
“Mehr!” Ist mein dritter Gedanke.
Alles was ich wahrnehme, dreht sich, wie ein Karusell rundherum und lässt sich nicht wirklich greifen,  flutet ran und verebbt… Mein Körper pocht, ich will mir an die Brust fassen, um das Schlagen meines Herzen zu fühlen, um es zu bändigen, auf dass es nicht so wild tobt – doch mein Herz ist es nicht, dass dieses innerliche Pochen verursacht… Schlägt es überhaupt?
Ich halte den Atem an. Atemlos.Trinke.Koste. Schenk mir leben.
“Kontrolle ist Alles. Hast du die Kontrolle?”
Sagt jemand, doch diese Wort sind inhaltslos, ich höre sie auf mich zu kommen..in mein Ohr dringen..zu laut, viel zu laut, doch als ich meine Hände heben will, um mich in die Stille zurückzuziehen, gehorchen mir meine Muskeln nicht.. Sie halten krampfhaft IHR Handgelenk..es an meine Lippen pressend. Die Worte fließen durch meinen Kopf ohne Widerstand, ich bin nicht fähig sie zu halten oder sie zu überdenken. Vielleicht sind sie wichtig…aber JETZT sind sie es nicht…
Ich wage noch immer nicht zu atmen. Mein Körper fühlt sich anders an..nicht nach meinem..nicht nach dem, den ich schon seit 22 Jahren bewohne..Panik befällt mich.
"Kannst du aufhören?"
Aber sie in mir besänftigt meine Angst. Die Stimme dröhnt in meinem Kopf, es schmerz mich, diese Sinnlosen Worte.(Kannst du aufhören?) (NEIN!) Ihr Geschmack wird anders. Ihre Nähe schwächer und mir wird bewußt… Ich nehme ihr Leben. Könnte sie töten, wenn ich nicht ablasse… Wenn ich mich nicht der Qual des Verlangens stelle, werde ich sie nimmer mehr fühle.
Will nicht und gebe sie doch frei. Könnt weinen. Blicke auf, sehe eine rote absolut wundervolle Öffnung in ihrer Haut, ihr  Blut, mein Blut….Blut. Anschreien will ich sie, MEHR!!!!!!!!!!!
Aber meine Lippen öffnen und schließen sich, ohne dass auch nur ein einziger Ton von ihnen klingt…atmen ich muss atmen…mein Herz muss schlagen…atmen…sauerstoff…für meine Körper…leben…Blut….Schlage mein Herz! SCHLAGE!!!
Ist es DAS was ich wollte?
Ist DAS besser als Leben??
Lebe ich?…..
"Lass uns jagen gehen!" Sagt sie und leise und ergreift meine Hand.
Kein Herzschlag, Kein Atmezug, Ich weine und schreie seit es geschehen ist und bin stumm und Tränen los ……………………….. lebe ich noch?
Meine Augen öffnen sich, als hätte mir jemand befohlen es zu tun. Zu Hell. Viel zu Hell.Zu viel. Die Zimmerdecke über mir…ist ein Buch…mit tausend Worten…in tausend Sprachen und ich verstehen Sie. ICH KANN SIE LESEN und es sprengt meinen Kopf.
Wie unter Drogen drehe ich meinen Kopf..Millimeter um Millimeter, es fällt mir unendlich schwer, ich sehe sie an…versuche ihr zu folgen…vielleicht helfen mir ihre Worte..kann mich nicht konzentrieren..ich sehe sie an und sehe sie nicht…nur diesen kleinen roten Faden, der mich durch den Rest meines Lebens führen wird ………….. lebe ich noch?
Dieses Rot..dieses Blut..mir wird etwas klar in dem durcheinander in meinem Kopf..
Ich werde niemals lernen…niemals wieder zuhören und verstehen..niemals die Kontrolle erlangen wenn ich nicht…first of all….meine Gier stille…Alles andere kommt später…was sie sagt…was ich bin…warum..wo..wie…egal…..
Ich erhebe mich, lasse all meine Fragen, die Ängste und Gedanken auf dem Boden  zurück. Auf dem Sessel in dem ich starb. So schwer es mir gerade noch fiel den Kopf zu drehen…so leicht fällt mir diese Bewegung jetzt..getrieben von der Gewissheit was mein erster Schritt ist…was ich zu tun habe…Fast Leichtigkeit..Euphorie..der Schmerz in meinem Körper..nur ein Grund mehr um das zu tun was wichtig ist…am wichtigsten.
Toth bin ich…Tot bin ich…(Malekin!) aber das unausprechliche Verlangen gibt mir mehr Kraft als ich jemals zuvor fühlte…und irgendwie genieße ich dieses Gefühl.
Ich hebe meinen Kopf..meine Haare fallen mir ins Blickfeld….ich blicke zu ihr..denn SIE versteht mich…
Sekunden.
Dann sind wir draussen. “Jagen!” sagt sie.  Jagen. Erlegen. Nehmen. Die Gier stillen. Wir tanzen. Sie in meinem Arm. Ihr Geruch. DIESER Geruch. Ich rieche es . Noch mehr in ihr. Schmiege mich an sie…an ihre Haut. Berühre. Fühle. Im Kreis herum. Sich drehend. Wir sind uns drehend, um mich selbst und in jedem Augenblick muss ich daran denken, wie sie meine Lippen benetzt. Ich schmeckte ihre Schmerzen, ihre Liebe..ihre Gier. Ein Teil von mir. Sie schuf mich. Schuf sich selbst durch mich. Nur einmal. Einmal noch. Kralle mich in sie, ziehe sie näher… Doch ihre Stimme, ganz sacht und leise, verbietet es mir und ich muss gehorchen.
Wo?…Wo?
Mich drehend.
Ob ich töten kann?
Jaha.
Ob ich aufhören kann?
Jedesmal. Ich werde mir diese Frage jedesmal stellen. Stellen müssen. Ich kann es nicht. Aber zwingen kann ich mich. Mit Gewalt. Kontrolle. Kontrolle ist alles. Aber… Nur …nur wenn ich daran denke wie sie schmeckt…dann…wächst es in mir…kriecht nach oben, will raus. Wie mächtig. Ergreifend. Erfüllend.
Ich sehe das Bild deutlich vor mir. Mein Gesicht rot von ihrem Blut, ein wohliger Schauer auf meinem Körper. Ja – da war noch was. Ich bin jetzt ein Parasit, beinahe hätt ichs vergessen. Was für ein Glück dass ich mich doch noch erinnere – Oder?
Parasit!
Göttin!
Todbringende Spassbrigarde!
Malekin et Katinka et Anna ist alles gleich, ist alles Malekin.. Bin Malekin und er gibt mir mehr. Aus einem Toten Gefäß. Nichts, dass sich windet. Nichts, dass mir nah ist. Nichts, dass ich liebe. Wie kann ich DAS trinken. Aber es ist Blut. Es ist Leben und ich schütte es unersättlich in mich. So schal und doch so erregend. Genug um mir zu geben, was ich vermisse. Ich könnte laut schreien. Doch die Flüssigkeit in meinem Mund, lässt mich nur immerzu schlucken. Es rinnt über meinen Körper, über meine Hände. Und ich kann nicht aufhören. Will nicht aufhören. Bis es leer ist.
Lecke die Reste von mir und schon sucht mein Blick nach mehr. Was ich sehe, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass ich nichts sehe was mich befriedigen würde…zumindest nichts was ich nehmen darf. Satt bin ich nicht, aber ruhig genug um ihr zu folgen. Zeit habend, die zahllosen Bücher um mich herum zu bestaunen, da und dort reinzulesen. So viel.

Mein Leben war nichts…ich heisse Toth, ich bin Toth, ich war tot bis zu der Nacht in der ich starb und als Malekin wiedergeboren wurde.

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…stirbt….

Malekin Katinka empfängt mich auf dem Weg nach drinnen.
Sie führt mich zu dem Prinzen und erbittet die Erlaubnis…die Erlaubnis mich zu (TÖTEN!) Ihresgleichen zu machen. Bevor Gina antworten kann, nimmt Thomasso das Wort an sich und erklärt den Anwesenden meine Umstände. Den Zwist zwischen Giovanni und Malekin…er verkündet, ich stünde ab heut unter dem Schutze der Familie. Ich bin ihm dankbar, aber kann ihm, will ihm nicht folgen…schließlich knie ich gerade vor dem Prinzen und warte noch immer darauf, dass sie mein Ableben gestattet. Sie tuts und auch wenn es sicherlich das ist, was ich will…sackt mein Magen in sich zusammen und mir wird ganz komisch!
Ein roter Sessel vor eine Spiegel. Ich bleibe davor stehen und blicke mich an.
Lebend Mensch.
Ich bin Toth. Anna. A N N A.
Katinka nimmt mir meinen Mantel ab, es ist kühl und ich will den Blick nicht von meinem Angesicht nehmen.
Ein Wahn, kein Sinn…sieh was ich bin. Ich lebe! Ich bebe! Und du weiß was ich will.
Wie in Trance nehme ich den Schal um meinen Hals ab, er fällt achtlos zu Boden. Setz dich Kind. Setz dich! Erwarte deinen Tod Toth.
Wie schwer ganz einfach Abläufe sein können.
Eine Dose Red Bull austrinken.
Sich in einen Sessel setzen.
Das Buch Malekin liegt auf meinem Schoss. Meine Hände darauf, als würde es mir Kraft geben.
Die Kainiten stehen im Kreis um mich. Da wird Leben genommen werden. Endlich hört Anna auf Mensch zu sein! Mensch der ich bin. Mensch.
Wie fühlt sich ein Mensch der sich freien Willens töten lässt und neu erschaffen zu werden?
Er glaubt es nicht. Ich glaube es nicht. Ich kann mir nicht vorstellen was geschehen wird! Mein Kopf weiß. Ich habe gefragt und man hat geantwortet. Aber ICH kann nicht mehr fühlen als Unsicherheit. Ich klammere mich an die Gewissheit, zu Katinka zu gehören. Mein Licht in Dunklen. Mein Halt in Nichts.
Sie steht neben mir. Vor meinem Innere Auge sehe ich unser Bild im Spiegel. Von hinten wie von vorn…
…und Malekin beginnt zu sprechen.

“Höre nun. Wir sind Malekin. Wir sind das Buch. Kain schuf Enosch. Kain schuf Zillah. Kain schuf Irad.
Doch Kain schuf auch Malkav. Und Malkav schuf Malekin. Und er gab ihm eine Aufgabe. Er sollte die Scherben des Spiegels zusammenfügen, den Kain zertrümmerte. Denn nur so kann ergründet werden, wie Kain den Spiegel durchdrang. Und Malekin ging und schuf Malekin und der schuf Malekin, dessen Kind Malekin heißt.
Und so erschuf Malekin meinen Ahnen und ich erwählte Malekin und Malekin erwählte Malekin, die Dich erwählt.
Wir sind die Scherben des Spiegels. Und wenn das Ende kommt, dann werden wir zusammengefügt werden in Kain. Und wir werden den Spiegel durchdringen. “

Seine Worte dringen in mich. Es schauert mich. Gänsehaut. Mein Tod. Mein  Tod blick mich an. Ich kann seinen Blick nicht erwidern. Bin leer. Kann nicht mehr denken. Nur noch hören. Nur noch fühlen.
Existieren. Wie tot, war ich ? Wie tot werde ich sein?
(Ich werde dich nicht warten lassen, ich verspreche es dir! Keine Ewigkeit im Tod)
“Die Zeit des dünnen Blutes hat begonnen.
Dein Blut wird dünner sein als das von Malekin. Darin liegt Deine Macht.
Denn in unseren Kindern nähern wir uns dem Untergang. Ihr Anfang ist unser Ende. Ihre Existenz ist unsere Erschaffung. “ spricht er weiter. Hitze in meinem Gesicht. Kann nicht mehr zittern.
“Und nun Anna? Wirst Du uns erschaffen? Wirst Du uns umarmen und uns den Kuß des Todes geben? Wirst Du die Erste unseres Clans werden?
Bejahe, und wir werden Dir ein Geschenk machen.”
Malekin ganz nah. Kann ihn riechen. Kann seine Nähe fühlen ohne zu sehen. Seine Worte sind mehr als Worte. Sie sind Wahrheit. Er macht mir Angst. Ich habe keine Angst.

“Verneine, und wir werden Dir ein Geschenk machen.
Und Du wirst uns verfluchen.”

Diese Wahrheit nimmt mir alles. Ich HABE Angst. Kann nicht weinen, kann nicht flüchten. Wie menschlich wäre ich, hätte ich keine Angst. Was tun? Mich wehren? Ich sträube mich und sträube mich nicht. Uneins. Dann spricht Malekin und ihre Stimme streichelt mich, gibt mir Kraft. Lässt mein Herz ein letztes Mal höher schlage und bestärkt mich in dem was mein Wille ist. So wie sie zu sein. Ihr nah zu sein. Auf immer und ewig. Forever and Always.
So spricht sie die Worte:

“Dies sind unsere Gesetze

Ich bin Caine, der Vater Deines Vaters.
Du sollst Dich nicht offenbaren den Sterblichen
Du sollst die Domäne Deines Nächsten achten
Du sollst Dich Deinem Ältesten offenbaren, wenn Du seine Domäne betrittst
Du sollst keine Nachkommen zeugen ohne Segen Deines Ältesten
Du sollst die Sünden Deiner Nachkommen verantworten als wären es Deine Sünden
Du sollst Deinen Nächsten nicht zerstören, wenn Du nicht selbst zerstört werden willst

Nun frag' ich noch dreimal und dann nimmermehr:
Willst Du so werden wie wir? “

Will ich so werden wie sie? Will ich so werden?…Will ich? Ich will…Katinka.

“Ich will so werden wie du.” Antworte ich leise, beuge mich vor um sie näher zu sehen. Aus ihrem Anblick Kraft zu ziehen. Und die Mischung aus Freude und Schmerz in ihrem Gesicht macht mich stark Keine Zweifel.

Eins sind sie. Malekin et Katinka. Bin mir nicht mehr sicher, ob sie spricht. Oder sind es doch seine Worte? Die Stimmen klingen plötzlich so ähnlich.

“Du bist am Leben. Dein Herz schlägt. Dein Atem strömt. Du bist gesund. Du bist die Blüte.
Bist Du bereit, das aufzugeben? Bist Du bereit, anderen Menschen die Kraft und den Willen zu nehmen bis sie dahinschwinden und zu Tode siechen? Bist Du bereit, andere Blüten zu vernichten, damit Deine Dornen ewig leben? Willst Du sie diesen Preis zahlen lassen, wenn Du doch nur ein erbärmliches und verfluchtes Unleben dafür erhältst? Willst Du dein Leben geben, nur um auf ewig den Neid auf das Leben anderer zu spüren?”
Bin ich? Bin ich?

“Nun frag' ich Dich noch zweimal und dann nimmermehr?
Willst Du so werden wie wir?”

Ich bin.

“ Ich will so sein wie du…” Nicht Vampir! Wie Sie. Ich will sein wie Katinka.

“Wir werden Dich töten und Du wirst sterben. Du wirst sehen was hinter dem Spiegel liegt. Doch gerade wenn Du beginnst zu verstehen, werden wir Dich zurückholen…
(Keine Angst, ich werde dich nicht leiden lassen…ich hole dich sofort..)
“… und Du wirst Dich für immer daran erinnern, was Du gesehen hast, aber niemals verstehen wirst. Es wird immer bei Dir bleiben, im Wachen wie im Schlafen. Die Frage und der Zweifel werden Dich nicht verlassen, zu keiner Sekunde. Nicht nur nach Blut wirst Du lechzen, sondern noch mehr nach einer einzigen Antwort, die Du niemals erhalten wirst.”

“Nun frag' ich Dich noch diesmal und dann nimmermehr:
Willst Du so werden wie wir?”

Das erste und das letzte Mal in diesem Leben hebe ich mit diesem Gefühl in mir meinen Kopf, blicke sie an. Im Angesicht dessen, was geschehen wird, bleibt mein Atem aus und über meine Lippen dringt nur eine leises..
“Ja…” Mehr sichtbar, als hörbar. Das letzte Mal, dass ich in diesem Leben spreche. Die Absicht zählt und mein Schicksal ist besiegelt. ( Es war schon immer)

“Dann wird Dein Name Malekin sein!
Du solltest Angst haben, Anna. Das ist Dein Tod”

Wie menschlich wäre ich, wenn ich keine Angst hätte?
Wie menschlich bin ich denn?
Sie streicht mein Haar sacht beiseite. Ihre kühlen Finger auf meiner Haut. Doch nur kurz. Dann kann ich nicht mehr unterscheiden, wo ihre Hände aufhören und ich beginne.
Ihre Fänge an meinem Hals. Diese Sekunde bevor sie meine Haut durchbricht. Meine Hände krallen sich in das Buch. Mein Name wird Malekin sein! Mein Name wird…
Dann dringt sie in mich und ich verliere mich darin.
Tilt.

“Spürst Du es?
Katinka nahm Dir ein Drittel Deines Blutes. Dein Herz schlägt schneller, es bräuchte mehr Blut, um den Hunger Deines Körpers nach Luft zu stillen. In Deinen Gliedern verengen sich die Gefäße, kein kostbares Rot soll dort verschwendet werden. Blutgerinnsel bilden sich, da dort das wenige verbliebene Blut steht, verstopfen die Adern. Nur noch zwischen Herz und Gehirn fließt Dein Blut, zentralisiert sich, um Dein Leben zu retten.”

(…spürst du es, riechst du es…es scheint ein wundervoller Sommer zu werden.)
(…alles beginnt…und alles endet…zur richtigen Zeit, am richtigen Ort)

Sie lässt ab und ich kehre zurück. Fühl mich allein. Bin schwach. Mein Herz pumpt wie wahnsinnig. Meine Glieder sind taub. Kühl. Mir ist kalt. So kalt. Katinka? Meine Augen weit aufgerissen, doch ich sehe nicht. Alles verschwommen. Sie ist noch da. Geht um mich herum. Will mich an sie schmiege, aber mein Körper ist so träge und langsam.
Streicht sie mein Haar beiseite?
Fühle ich ihre Hände auf meiner Haut?
Ihre Lippen an meinem Hals?
Trinkt sie?
….

“Jetzt kommt der Schwindel. Bald verlierst Du die Besinnung, doch bis dahin lausche: Adrenalin kreist in Deinen Adern wie Vitriol. Doch jetzt sterben in Deinen Armen und Beinen die ersten Zellen und die Gefäße öffnen sich, um ihren Schrei nach Sauerstoff zu erfüllen. Blut fließt wieder in Deine Glieder, weg vom Herz, weg vom Gehirn. Doch jetzt reißen sich die Gerinnsel los, werden entlang getrieben zur Lunge, setzen sich fest in den Gefäßen, die Dich mit Luft versorgen. Noch während Du erstickst, noch während deine Organe versagen, noch während innere Blutungen beginnen, erlöst sie Dich vom Leben.”

(…kann mich nicht dagegen wehren, mich zu verzehren.. Dich zu begehren..dich zu nähren von meinem Blut…)
(..träume mich wies mir gefällt, Nacht für Nacht in diese Welt ..)

Wärme. Müdigkeit. Meine Welt, ganz klein. Bin nichts allein . Hab keine Angst. Noch da? Schon weg? Atme ich noch? Kraftlos. Hilflos. Koste, Trinke…ich schenk dir (mein) Leben…
Sie kostet.
Sie trinkt… In mir versinkt.

“Der letzte Funke verglüht in Deinem Geist. Allein unsere Stimme hörst Du noch.
Es wird dunkel um Dich, der Zwang zum Atmen ist nicht mehr zu verspüren. Frieden. Du bist blind. Dein Cortex fällt dem Sauerstoffmangel anheim, kann keine visuelle Information mehr verarbeiten.
Ist das ein Tunnel aus Licht, den Du siehst. Nein, daß ist nicht der Weg zu Gott, sondern die letzte Sehbahn, die noch funktioniert, ein Teil Deines Zwischenhirns. Die Stimmen die Du hörst, die Gesichter, an die Du Dich erinnerst. Eine Gnade der Natur, keine Engel. Der letzte Teil Deines sterbenden Geistes schenkt Dir angenehme Erinnerungen. Jemand ruft Dich von der anderen Seite? Ruft Dich durch das himmlische Licht?
Nein. Du wirst nicht gehen. Du hast Deine Wahl getroffen.
Das Licht verlöscht. Und Du bist.”

(Keine Ewigkeit im Tod Anna. Ich werde dich nicht warten lassen)

“Tot.”

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Anna Toth lebt…

01.11.2002
 
Samhain.
Sie wollen Samhain begehen heute Nacht. Die Toten. Die Vampire. Allerheiligen, wie sie es hier nennen. Bevor ich mich auf den Weg nach Freising machte, musste ich nachdenken. Nachdem der Abt starb, veränderte sich alles. Andererseits, es verändert sich immer alles..immerzu. Doch was ich meine ist, meine Welt war so, wie ich sie mir früher – vor IHNEN – erwünscht hätte. Intensiv. Echt. Und mir war – ist klar… Dass sie aufhören wird SO zu sein, wenn ich heute zu diesem Treffen fahre. Nachdenken  ist nicht das richtige Wort. Ich denke nicht darüber nach OB…ich denke nur darüber nach… Mit einer leisen Sehnsucht die bedeutungslos ist. Alles vergeht. Asche zu Asche. Dust to Dust.
Und schon stehe ich hier. Ein Mensch, der ich bin. Wie vertraut sie mir innerhalb des letzten Jahres wurden. Diese Tiere. Wie verdreht muss mein Kopf sein, dass ich diese Gesellschaft, die der Lebenden vorziehe?
Ich bin vergnügt. Heute werde ich endlich Zeit haben, um mit Katinka zu reden. Ihr meine Erlebnisse zu erzählen, von meinen Gedankengängen zu berichten. Vielleicht erzähl ich ihr von… Demjenigen welchen, dem ich mich hingab… Oder von dem letzten Sonnenaufgang. DAS…das wird ihr gefallen.
Relativ unbeschwert biege ich also um die Ecke – und bekomm  gleich den ersten Dämpfer des Tages. Dort steht Gregor vor Duffraise und Josepha, seine Klauenhand – die ich schon von sehr sehr nah bestaunen durfte (…wie sie sich sacht durch lebend Fleisch ziehen, beinah zärtlich und doch tödlich…)- erhebt sich, bewegt sich und Georges geht zu Boden. Sein Brustkorb aufgerissen. Ein abscheuliches Bild. Mein Blick ist auf die Klaue fixiert, an der noch Haut und Kleidungsreste hängen. Pontes Sohn hebt seinen Kopf, blickt mich an und er muss nicht sprechen, damit ich verstehe. Ach zwei Seelen leben in meiner Brust. Dieses Bild hat etwas faszinierendes. Eigentlich fühle ich mich nicht mal bedroht. Mir wird schwindelig bei der Vorstellung, wie es sich anfühlen muss, DAS tun zu können.
In der nächsten Sekunde packt mich die Sorge, Georges bewegt sich immer noch nicht . Und obwohl er mir ständig im Weg zu stehen scheint, will er mir doch nichts böses. Ich hab es wohl erkannt. So eile ich herbei, einen misstrauischen Blick auf Gregor werfend, der noch einen Brujah trächtigen Satz loslässt und entschwindet. Josepha und ich bringen Georges hinein. Etwas unleben ist noch in ihm. Wegen mir… Sagt Josepha… Das eben geschah wegen mir. Weil Georges mich kürzlich in Sicherheit bringen wollte. Super! (Sind sie sicher, dass sich die schlimmen Dinge nicht um Sie drehen?) PFFFF.
Etwas frustriert lasse ich mich auf einer Couch nieder. Man beachte. Neben mir ein halbtoter Vampir, dessen Inneres gut einsehbar ..vor mir dar liegt. Und ich nehme es, vergleichbar gelassen hin. Er hat das einkassiert wegen mir. Bin ich schuld? Nein. Er ist selbst schuld. Aber ich bin es ihm schuldig zu erkennen. Eigennutz hat ihn nicht getrieben bei unserem letzten Treffen…oder?
Josepha bringt ihn heim. Besser ist das.
Der Prinz ist anwesend und ich werfe mich artig in den Staub, obwohl sie gar nicht darauf zu bestehen scheint, dass wir alle vor ihr kriechen. Von ihr erfahre ich, dass Katinka heute kommen wird. Aber da ist sie noch nicht. Gregor lungert durch den Raum und ich mach mich lieber vom Acker und werde draußen auf sie warten. Ihr entgegen sehen. Mich freuen wenn ich ihre Gestalt in der Entfernung sehe und mir langsam klar wird, dass sie es ist.
Meine obligatorische Dose Red Bull in der Hand steh ich da und harre vor mich hin. Guck nach links. Keine Katinka.
Guck nach rechts. Keine Katinka.
Wippe auf und ab, denke über sie und mich und überhaupt nach. Ein warmer Schauer ergreift mich dabei. Sie fühl sich so nah an und dennoch ist sie's nicht. Niemand der sich nähert. Aber geduldig kann ich schon sein. Ich bleib hier auch die halbe Nacht stehen. Hier draußen auf sie zu warten ist besser als drinnen vor Gregor zu flüchten. Ganz zu schweigen davon, wenn der Malfeis anwesend ist.
Geister begleiten mich, hat Josepha erzählt. Und mein Haus wäre nicht aufzufinden..hat sie erzählt. Jemand schützt mich….oder sperrt mich weg? Ich denke wohl das Malekin das verursacht. Oder? Würde er? Könnte er? Gonzo ist wohl noch immer in meiner Nähe. Ich stelle mir das Bild vor, auf dem alles zu sehen ist, was mich umgibt und schmunzle.
Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde….
(Was du liebst ist ganz nah.)
Ich seufze, schüttle meinen Kopf und warte, da kommt sie mir entgegen, vom..Eingang…(hö?)… Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie nicht dorthin gegangen ist. Egal.
Schön sieht sie aus. Gesund. Ihre Auge blitzen. Geheimnisvoll. Ein wenig schalkhaft. Kein Leid in ihr. Keine Schmerzen, die sie in diesem Moment quälen und es beschwingt mich. Nichts mehr zwischen ihr und Malekin. Ich kann es sehen. Wir gehen hinein und absolvieren die anstehenden Kniebeugen. Ich fühl mich albern und mache.. Mehr oder weniger angebrachte Witze. Katinka kichert und es ist viel schöner als jeder Sonnenaufgang. Wir sitzen drinnen und reden, albern… Die Welt ist perfekt… Hin und wieder nähert sich der Schattenmann, aber ich ignoriere ihn weitgehend. Oder falsch. Er zwingt sich meiner Aufmerksamkeit nicht auf. Heute sind fast alle gnädig mit mir. Aus meine Augenwinkeln heraus sehe ich Thomasso ankommen. Er ist hier. Seit dem Malkavier Elysium habe ich ihn nicht mir (in echt) gesehen. Und mein Herz schlägt höher vor Freude!
Katinka und ich eilen zu ihm. Schon fällt es mir auf. Schon wird es mir bewusst. Antonio.
Thomasso steht unter Strom und ich sollte einen Bogen um ihn machen. Aber ich möchte ihn so gerne halten. Ihn drücken für das, was er Katinka geschrieben hat. Doch er schiebt mich von sich. Es fällt mir schwer, den Stich, den ich dabei verspüre, mit meiner Vernunft zu besänftigen. In seiner Nähe bin ich in Gefahr. Denn er hat…..( …einen Mitesser ..nicht wahr?).
Erinnere man mich daran, werde ich jemals sein wie sie… Dann werde ich niemals…NIEMALS…diablarieren… (zumindest niemanden den du nicht aus ganzem Herzen liebst hm?) Hat man nur Ärger mit.
Er spricht mit Josepha…er räuspert sich und mir stellt es die Nackenhaare hoch. Die beiden verschwinden nach draußen. Ich bin hektisch.
“Er hat sich geräuspert!” Mache in Katinka eindringlich klar. “ Er hat sich geräuspert, ich hab's genau gehört! Genau hab ich's gehört!” Ich erkenn das doch. Wenn Thomasso sich räuspert kommt Antonio. Und er ist mit Josepha allein. Sie versteht was ich meine und wir huschen flugs raus. Krell. Georges. Josepha. Katinka und ich um den Giovanni.
5 Freunde das sind wir.
Stein. Ins Wasser fällt ein Stein. Wasser. Ein See. Spiegel die zerbrechen. Ein Raum. Wieder Steine. Was soll das?
Alles verstehe ich nicht. Wir ziehen uns zurück. Dorthin, wo es ruhiger ist. Allein. Absprachen mit Leuten die Bescheid wissen müssen. Sollen. Und dann geht's schon los. Josepha geht in Thomasso und wir folgen gebannt.
Irgendwann, hat sich Antonio in Thomasso geregt. Hat sich aufgelehnt, in seinem Gefängnis um das zu tun, was er schon immer am Besten konnte. Die Kontrolle haben. Und irgendwann, sah Thomasso der Verrückten zu tief in die Augen…und Antonio kroch hervor. So sollte nicht jeder sehen dürfen, dessen er nicht gewachsen ist. Thomassos Körper nicht mehr als ein Gefäß. Er? Knapp unter der Wasseroberfläche. Alles sehend. Nicht Handlungsfähig.
Zurück durch ein Labyrinth, zurück durch die zerbrochenen Spiegel, zurück durch das Wasser… Die Wasseroberfläche durchbrechend… Aufsteigend…zurück zum Anfang. Zurück in sein Zimmer. Dort, wo er sicher ist. Dort, wo er allein ist. Die Türe hinter der Antonio lauert. Schließen. Geschlossen. Verschlossen. Den Schlüssel weg geworfen und den Zugang vermauert. Auf das niemals mehr, jemand dieses Tor öffnen könnte.
Obwohl ich nur dabei sitze. Zieht es an mir. Meine Hände liegen auf seinen und ich spüre, wie Wärme aus mir hinaus in ihn hinein fließt. Ihm einen Grund mehr gebend zurück zu kehren. Alles was ich geben kann.
Dann darf ich ihn endlich umarmen. Stürmisch. Er lacht beinah verlegen und dann halten wir uns und es ist gut. Thomasso ist zurück. Jetzt ist meine Welt wirklich perfekt.
Thomasso ist wieder Thomasso.
Die Ordnung in Malekin hat sich wieder gefunden.
Der Malfeis schenkt mir keine schlechten Träume.
Sogar Gregor lies sich dazu hinreißen, mir zu erklären, dass er das Band zwischen Katinka und mir respektieren würde.
WOW!
So leicht. So unbeschwert. Glück. Wie beim Sonnenaufgang. Alles so wie es sein soll… Sterben mit der Gewissheit, dass nun alles gut wäre. Ich könnte weinen… Weil sich Lasten von meinen Schultern lösen.
Thomasso greift in seine Jacke und zieht eine Dose Red Bull hervor. Wie lieb von ihm!
Ich strahle dümmlich und umarm ihn gleich noch mal. Er denkt an mich. Macht mir eine Freude.
“Genieße sie, es könnte die letzte sein!”flüstert er mir ins Ohr, während ich in überglücklich drücke.
Es dauert einige Momente bis ich mir seiner Worte so richtig bewusst werde.
Unsere Versammlung löst sich auf. Ich tappere mit dieser Dose in der Hand herum.
Meine letzte. Es KÖNNTE meine letzte sein. Was wäre, wenn es die letzte ist? Was wäre, wenn ich heute mein Leben aushauchte? Was würde ich tun?
Wenn ich nur noch ein, wenn ich nur noch einen Tag…zu leben hätte?Was würd' ich tun , was würd' ich tun.
(Du würdest ganz früh aufstehen!)
Ich lächle Katinka an, schnappe mir meinen Mantel und flüchte nach draußen.
Was würd' ich tun?
(Durch den Morgennebel laufen…leben…den Sonnenaufgang ansehen!)
Ich lehne mich gegen eine Hauswand. Dieses Kleine Stück Chemie in Dose, in beiden Händen haltend. Beinah andächtig. Was wäre wenn es die letzte wäre?
Meine Finger streichen, ernstlich zärtlich über das kühle Metall. Wenn es die Letzte ist, wenn es, das letzte Mal ist, dass ich..diese Drogenunart…ernstlich genießen kann. Dann muss ich es bewusst tun. Nicht wahr? Mir alles merken. Auf dass ich mich später erinnere.
Auf einen unbeteiligten würde dieses Bild eigenartig wirken. Ich atme tief ein und aus, hebe die Dose an, als würde ich sie segnen wollen. Dann schiebe ich meinen Zeigefinger unter die Lasche…halte die Luft an…und öffne den, unter Druck stehenden Behälter. Es zischt..und ich merke mir dieses Geräusch…rieche, die entweichende Kohlensäure, die diesen süßlich künstlichen Duft mit sich nimmt. Langsam. Blech auf meine Lippen…dann die Flüssigkeit…kühl..süß…mir schon so lange bekannt…fließt aus der Dose..in meinen Mund..über meine Zunge..in meinen Hals. Leichtes Kribbeln an den Geschmacksnerven. So vertraut. Ich schließe meine Augen und halte diese Eindrücke fest. Auf immer und ewig. Always after.
Dann legt sich eine Hand um meine, entnimmt mir, was ich halte. Malekin. Er hat mir zugesehen. Und er versteht.
“Ich trinke dieses Zeug schon mein ganzes Leben..” Erzähle ich. (Und du weißt, du wirst es nimmermehr so tun können wie jetzt. Nie wieder wird es dir auf diese Weise schmecken.)
(Das LETZTE Mal.)
Trauer. Wie kann man darum trauern. Wie kann man darum trauern das letzte Mal Red Bull zu trinken? Ich erinnere mich an Bruchstücke östlicher Philosophien. Alles ist dasselbe. Es macht keinen unterschied, ob ich kämpfe oder Tee trinke. Diese unscheinbare gefüllte Dose ist mein Leben. Ich leere sie Schluck für Schluck für Schluck…
Malekin zu meiner Linken. Er führt den Red Bull an seine Lippen….schnuppert…und ich glaube fast, er versucht..nein…er versteht was in mir vorgeht.
Malekin zu meiner Rechten. Wie sie mich ansieht. Gier in ihren Augen?
Leise.
“Es zischt nicht so, wenn du deine Lippen auf die Haut legst und das Gefäß öffnest” flüstert er und gibt mir zurück was noch meins ist. Ich schlucke und blicke ihn an.
“Aber es ist soviel mehr. Der Moment, in dem du deine Zähne auf die warme lebendige Haut drückst…den Druck verstärkst und der Widerstand plötzlich nachgibt. Wenn du in das Fleisch dringst. Durch die Muskeln hindurch, das Nervengewebe zerteilend. Und du suchst, nach der Ader, die das Leben enthält.”
Er beschreibt es und ich fühl es. Wie es mir geschieht. Wie ich es tu …und es giert mich. Mir ist heiß. Mir ist kalt. Ein seltsames Verlangen breitet sich in mir aus und jemand zieht mir den Boden unter den Füßen weg. Aber ich falle nicht. Seine Worte halten mich. Aber meine Umwelt verschwindet und wird unwichtig.
“Du zwingst dich, die kleine Spannung der Ader überwindend, hinein… Und dann…nimmst du das Leben in dich auf. Es erfüllt dich. Und du willst nie wieder aufhören. Kannst du das?”
Beschwipst. Ich fühl mich wie angetrunken. Ob ich töten kann? Jaha.
Ob ich aufhören kann? Sicher. Ich denke darüber nach. Doch natürlich könnte ich aufhören.
“Alles eine Frage der Kontrolle.”erwidere ich und sein Blick liegt fragend auf mir.
“Hast du die Kontrolle ?”
Natürlich.
“Es ist nicht erlaubt..zu töten..nicht wahr? Ich würde es Katinka nicht antun. Ich …ich würde niemanden Schaden zufügen, der es nicht verdient hätte.” Würde ich wirklich nicht…wollen. Klingt alles logisch oder?
“ Und wie entscheidest du das?”
Wie ich entscheide wer leben darf oder nicht…also..ich…ähm… Bin überfordert.
Ich würde es fühlen nicht wahr?
Und natürlich könnte ich aufhören..(wenn du willst)
Malekin et Malekin blicken mich an und ich habe keine Antwort, die ehrlich genug wäre.
Doch der Prinz hat einen Ankündigung zu machen und ich bekomme Aufschub.
Drinnen gibt es Blablatik. Jetzt interessiert es mich noch weniger wie sonst. Meine Gedanken drehen sich um Malekins Worte. Um meine Dose die sich nach und nach leert. Ich bin verloren in den unendlich  Weiten des Raums. Meine Zeit läuft ab.
Die Feierlichkeiten für Samhain finden statt. Ein jeder gibt etwas. Ich beobachte und erinnere mich an ein Ritual, dass ich selbst im Kreise von so genannten echten Hexen vollzog.Kraftvoll. Echt… Ich rufe die Mächte …. Doch der Prinz spricht andere Worte und ich blinzle und beobachte fasziniert. Andere Worte und dennoch liegt auch hier etwas Wahrheit darin. Obwohl nicht alle wissen was sie tun. Es macht keinen Unterschied.
Tod und Wiedergeburt, sagt sie und packt mich an meiner eigenen Nase.
Danach spricht Thomasso  zu mir. Er wird später eine kleine Rede halten. Die politisch klingen wird. Warum die Giovanni Anna freigeben. Er wird es erklären, so dass jeder versteht. Aber die Wahrheit wäre eine andere und er wünscht, dass ich mir dessen bewusst bin. Ich bin…denn mir ergeht es nicht besser. Sein Geschenk an mich. Das tun zu können, was ich will. Wie könnte ich ihn dafür nicht lieben?
Dann seh' ich diese verdammte Dose an. Hebe sie. Bewege sie. Kratze mit den Fingernägeln über die Oberfläche und der Malfeis tritt hinzu, nimmt eine Hälfte meines Sichtfeldes ein und spricht fast unhörbar zu mir.
“Ist sie schon leer?”
Da schüttle ich meinen Kopf.
“Ein wenig ist noch drin.”
Er hat es mir angesehen. Nicht in meinen Gedanken gewühlt. Nicht meine Gefühle gefühlt. Er hat's mir angesehen. Wenn diese Dose leer ist, werde ich sterben. Da wird mir ganz mulmig.
Zu viel Unleben um mich herum. Will allein sein.
Meine Zigaretten, den fast leeren Red Bull..der wärmende Mantel.
Irgendwo draußen sitze ich da.
Rauche.
Führe hundertmal die Dose an meine Lippen um nicht zu trinken.
Denke hundert Gedanken.
Fühle hundert Gefühle.
Atme diese Nachtluft.
Genieße das kratzen des Rauches in meinem Hals, in meiner Lunge.
Meinen letzten Tag hab ich schon gelebt.
Was mehr?
Ich weiß was ich will.
Ich weiß was geschehen wird.
Ich hatte genug Zeit und habe nie wirklich gezweifelt.
Auch jetzt Zweifel ich nicht.
Ich brauche nur, diesen Moment und mich…zu verabschieden?
Von dem Tag und meiner Droge.
Dann werfe ich meine Zigarette weg
Dann trinke ich den Red Bull aus.
Dann gehe in nach drinnen und lasse die leere leblose Dose zurück.
 
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Ein Geschenk

27.10.2002
 
Ein kühler Hauch stiehlt sich durch mein gekipptes Schlafzimmerfenster, legt sich über mein Gesicht, wie eine Liebkosung. Frisch riecht es. Unberührt. Ich blinzle, räkle mich ein wenig, um festzustellen wie einsatzfreudig mein Körper schon ist. Entspannt. Ausgeschlafen. Ich fühl mich gut! So gut, dass ich gerade weiter schlafen könnte, aber die kleine Briese kitzelt mich in der Nase – neckt mich und lässt meinen Geist erwachen.
Dunkel ist es. Schon? Noch?
Das leise einsetzende Vogelzwitschern gibt mir Antwort. Es ist Morgen. Ein Herbstmorgen.
Der Radiowecker dudelt ungefragt los, nicht allzu laut, eher angenehm.
“Close your eyes, just feel and realize It is real and not a dream I'm in you and you're in me It is time, To break the chains of life If you follow you'll see What's beyond reality” singt Enigma und entlockt mir ein Lächeln.
Just feel and realize… Hört sich gut an. Langsam schäle ich mich aus der Bettdecke, vergnügt dabei kichernd. Vor Sonnenaufgang aufstehen ist echt keine Uhrzeit! Gut, dass mich niemand  dabei beobachtet, wie ich so unartige Dinge treibe.
Eine warme kuschelige Jogging Hose, Turnschuhe und ein mächtig dicker Pulli….na und ein Schal für um den Hals und um die Ohren. So richtig warm ist es sicherlich nicht mehr draußen.
Kurze Zeit später befinde ich mich auf dem Weg in die Isarauen. Gute Güte…wie lange war ich hier schon nicht mehr? Der Weg führt an einem kleinen Möchte-Mal-Ein-Echter-Bach werden entlang. Dort habe ich als Kind, mit meinen Sandalen, im Schlamm Kaulquappen gefangen, um kleine Haustierfrösche für mein Planschbecken zu züchten. Oh je! Ich schüttle meinen Kopf… Der Wanderweg führt unter einer Schnellstraße durch, aber es ist noch niemand  unterwegs. Nicht viele zumindest. Dann kommt eine Brücke, die über besagten Bach führt und ich bin im Nimmerland.
Einige Felder, über denen auf halber Höhe der Morgennebel steht und der Wald in den Auen. Den Waldweg könnte ich blind gehen, so oft bin ich ihn schon gelaufen. Im Hellen, im Zwielicht, im Dunklen. Aber noch nie schien er mir so echt wie gerade Jetzt. Es ist angenehm kühl, mein warmer Atem hinterlässt kleine Nebelschwaden und meine Nasenspitze ist so kalt und feucht, wie die eines Hundes. Aus einer Laune heraus falle ich in einen lockeren Laufschritt. Mein Herz schlägt so regelmäßig und kräftig, pumpt das Blut durch meinen Körper. Aus ganzer Lunge atmend…der Sauerstoff belebt mich und gibt mir nur noch mehr Antrieb…noch schneller Laufen. Jedesmal, wenn meine Füße den Boden berühren, knirscht der feuchte Kies unter meinen Schuhen. Ein monotones beruhigendes ‘krisch’ ‘krasch’’krisch’’krasch’ immerzu… Meine Wangen werden rot und heiß von der Anstrengung und ich genieße es ungemein.
In der Entfernung tut sich etwas auf…eine Spiegelung am Boden, die den halben Weg einnimmt. Eine große Regenpfütze wie es aussieht. Der Schalk in meinem Nacken piesackt mich. Deine Füße werden schon nicht zu nass. Du wirst schon nicht krank. Ist doch nur Wasser. Wie viel Siffe kriegst du wohl mit einem Mal reinspringen da raus?? Deine Jogging Hose ist SO hell auch wieder nicht… Die wird schon nicht dreckig!!!
….und was soll ich sagen.
Natürlich nehme ich extra Anlauf. Und lande mit derart viel 'Überzeugung' in dem schlammigen Mini Pfuhl, dass mir der Dreck im Gesicht hängt…und ich lache mit einer Inbrunst, die Tote lebend machen würde. Kinderlachen. Rein und ehrlich. So ein stiller Wald hat enorm viel Echo und ich lausche verzückt den Resten meines eigenen Lachens. Früher stellte ich mir vor, das Elfen in diesem Wald hausen. Wie das Glöckchen in Peter Pan. Wie sie leise die Menschen auslachen…und nur mit den Kinder reden, die noch nicht verlernt haben zu leben…zu ihrer Fantasie zu stehen.
Mein Weg führt mich weiter, bis ich diesen ollen Teich erreiche. Wer sich da jetzt einen romantischen verzauberten Ort vorstellt, der irrt! Es ist so ein Tümpel kurz vorm Umfallen…ach nein..umkippen. Aber eben nur kurz davor, und das schon seit bestimmt 10 Jahren. Ein Kämpfertümpel! Völlig eingesäumt von diversen Pflanzen, die mindestens genauso kaputt aussehen, wild ineinander verwachsen. Ich find’ es genial!
Um ihn zu erreichen muss man sich etwas durchs Gestrüpp kämpfen. Die Zweige und Äste ziepen an meinen Haaren, als hätten sie gewettet, wer von ihnen am Meisten aus meiner Kopfhaut rupfen kann. Ich bin da nicht böse drum – habe ja genug davon. Das Gras um den Teich rum steht hoch,  meine Hosenbeine haben sich schon mit dem Morgendlichen Tau vollgesogenes… But what Shalls…sprach die Scholle. Es Zwielichtet langsam und ich lauf beinah in ein unglaublich großes Spinnennetz, welches zwischen  einem verkorksten Strauch und ner Mini Birke steht. Der Tau glitzert darin. Kennt man ja von Bildern. Aber live. So wie ich da jetzt steh, isses sicherlich DAS genialste Bild überhaupt. Wie Silber…wie Diamanten… Wer bräuchte schon teuren Schmuck, wenn man sich mit derartigem bekleiden könnte. Ich würds gern anfassen…aber dann geht's kaputt. Darum lass ich's. Seh' mich nicht satt daran, bis es hinter mir platscht.
Was das?
Vorsichtig… Als wäre ich ein Geheimagent auf wilder Mission schleiche ich mich ans Wasser. Blicke mich um. Suchend. Auch über die Wasseroberfläche hält sich wacker der Nebel, ganz leicht…wie eine dünne Decke, damit der Teich nicht friert. Auch er schimmert schon leicht silberig. Morgen wird's. Die Sonne geht bald auf!
Ein Blatt schiebt sich in meine Nase…selbige kräuselt sich….Gott…ich hab NASENHAARE..ist ja schrecklich! Ich schneide eine Grimasse und schieb/drück/drängel das vorwitzige Blatt beiseite.
Psssst.
Da war's wieder. Aus meinen Augenwinkeln sehe ich etwas durchs den Tümpel ziehen. Ned groß, ganz still..und dann….?…dann quakt es leise durch den Nebel.
WAH!! ENTEN!!
Ich kichere, halte mir die Hand vor den Mund, doch die Tierchen haben's gehört..schlagen aufgeregt mit den Flügeln, bürzeln geradezu bedrohlich und protestieren lautstark.
Ich könnt mich wegwerfen vor Lachen. So ein echter Erpel kann bemerkenswert vorwurfsvoll drein schaun. Ich schwörs!
Aber wir arrangieren uns. Ich jage sie nicht und sie begnügen sich damit, mir hin und wieder einen entnervten Blick zu zuwerfen… Als mir das am Wasser knien zu öde wird, lass ich mich auf einem Bauchstumpf nieder, den hat's vor Jahren mal bei einem Gewitter umgenietet und man sitzt dementsprechend unbequem darauf. WIRKLICH unbequem. Es sticht und piekt mich in meinen Hintern, aber…nun ja…es gehört wohl dazu, wenn man Mutterseelen allein, um diese Uhrzeit durch den Wald dümpelt.
Das Wetter ist gemischt, halb bewölkt, halb frei… Ganz links von mir ist es noch richtig duster und rechts kann ich an den Wolken schon den ersten goldenen rötlichen Schimmer entdecken…na ja..zugegeben, der Schimmer ist mehr rosa. Aber wer mag schon rosa?
Ich halte mit allem inne..ausser atmen vielleicht..höre auf zu denken und blick bloß verzückt in den Himmel…die Wolken die flux vorbeihuschen…einige dick und dunkel..andere..die tiefer liegen…leicht und weiß…ein wundervoller Kontrast.
Ich sitz einfach nur da und lasse die Umwelt auf mich wirken. Bin simply here. Ich atme…frische – lebendige Luft. Leben. Und ich fühle… Den Baumstumpf unter mir…die feuchten Füße…und die Stellen auf meinem Kopf…an denen sich die frechen Büsche an meinen Haaren bedient haben. Ich höre.. Die immerzu leise quasselnden Enten…die dazwischen zwitschernden Vögel…mich selbst atmen. Und sehe dieses Naturschauspiel, dass man so gerne übersieht, weil die Sonne jeden Morgen erneut aufgeht und der Mensch dazu neigt, Dinge die ihm immer zur Verfügung stehen zu vernachlässigen.
Man kann der Sonne beim aufgehen zugucken.
Was für ein Wahnsinn! Als hätte ich's noch nie zuvor gesehen!
Die Welt schweigt für eine Sekunde und es gibt nur noch mich, die Eins ist mit dem Alles um sich herum und glücklich. Glücklich bin ich…
Mein Herz will fast springen…zerstäuben und sich mit allem hier vermischen…verbinden. Ergriffenheit. Tränen. Tränen, weil etwas, dass du siehst..so wundervoll ist…so unbegreiflich wunderschön, dass du in diesem Moment sterben könntest und wüsstest…du hast alles gesehen und gefühlt, was du sehen und fühlen musstest. Es gibt kaum einen schöneren Grund zu weinen. Die Tränen ziehen warme Spuren auf meine kühlen Wangen. Das darin enthaltet Salz kristallisiert aus…und die Haut darunter spannt leicht. Details. So viel Details und ich kann sie wahrnehmen. Wie Einzigartig.
Die Sonnenstrahlen bedecken mein Gesicht, wärmen es liebevoll, wie die zärtliche Hand einer Mutter. Ich bleibe lange so sitzen. Beobachte, wie der Nebel der Sonne weicht…wie die Tautropfen scheinbar im Nichts verschwinden. Und dafür die Farben kräftiger werden. Lebendiger. Und mehr Gerüche. Viel mehr Gerüche! Der Tümpel…DER gibt sich besonders viel mühe beim duften….ehrlich! Die Besitzerin des gigantischen Netzes hat sich auch aufgerafft und klettert behände an ihrem Werk entlang. Ausbesserungsarbeiten wie ich vermute. Vielleicht nachgucken, welche Beute die Nacht so mit sich gebracht hat.
Mit der Zeit wird es richtig warm und ich wage es, mich in dem Gras langzulegen. Dösen in der Sonne. Vom Boden her zieht es schon ein wenig kühl…aber egal. Man lebt nur einmal.
Apropos.
Mein Magen knurrt.
Während ich wohlgemut den Weg nach Hause beschreite, bin ich gedanklich beim Chinesen, beim Japaner, beim Griechen… Beim Jugo um die Ecke, beim Türken und beim Italiener… Ich kann mich so gar nicht entscheiden was ich will. Soviel viele leckere Sachen. Ich mache daheim einen Abstecher, nehme meinen Geldbeutel mit und bleibe letztendlich im Supermark hängen. Hab da so eine Idee.
Ein Stündchen später, es könnte schon Mittag sein, steht es da auf dem Tisch.
Dieses Steak…vom Rind…englisch natürlich…mit der richtigen Portion Kräuterbutter…der obligatorischen Kartoffel mit Sauerrahm und dem Anna Spezial Matsch-Salat. Matsch-Salat ist alles was man an Gemüse leiden mag..ganz klein geschnippelt…nebst Käse…nebst Schinken…ein paar Nüsse und so Sachen… Fein angemacht. Sieht fies aus – schmeckt aber lecker. Der Anblick allein lässt mir das Wasser im Munde zusammenlaufen. Es lebe Pavlos Dog.
Ich bin ein Fleischnarr. Kann mir gar nicht vorstellen, dass mir das nie wieder schmecken soll. Mit der Gabel ist das weiche Filetfleisch mit dem knusprigen Äußeren gestochen… Bratensaft, gemischt mit Blut……das Messer gleitet durch das Fleisch als wäre es Butter… Und ich kann mir genau vorstellen, wie ich es mit der Zunge am Gaumen zerdrücken werde und es sich hemmungslos hingeben wird.
Wer sagte da…egal ob Sex, Essen oder Tanzen…es wäre das gleiche? Ich glaub fast.
Nach einer weiteren Stunden, habe ich mein kleines Menü vernichtet…mit Vorsatz und Genuss!
Nachmittags erlaube ich mir Klamotten einkaufen zu gehen… Mich durch die Menschenmassen zu drängen. An und für sich mag ich es nicht leiden, aber ich habe heute so ne unkomplizierte Laune, das muss ich ausnutzen.
Nach dem Einkaufen…ein kleines Cafe… Ein Kaba..mit Milch…nicht zu süße aber viel Sahne! Ich bin so gut gelaunt, dass ich sogar dem Kellner vorwitzig zu zwinker…und der lächelt zurück. Meine Güte…was für ein wundervoll normaler Tag. Beim besten Willen kann ich mich nicht entsinnen, wann ich so was früher gemacht habe. Einfach einen Tag so leben. Nicht hinter sich bringen, mit Dingen die nicht wirklich wichtig sind, sondern…wirklich zu tun was man will… Sich beschwingt fühlen… Zufriedenheit finden in dem was man tut…ganz egal wie banal.
Mann…. Kaba schmeckt schon verdammt lecker!
Als ich wieder nach Hause komme, dämmert es schon wieder. Auf meinen Lippen liegt ein Lächeln. Ich summe vergnügt, habe mir vorgenommen noch ein richtig schönes heißes Bad zu nehmen, mit viel Geruch drin… Und Milch. Ich will in Milch baden!
Das Wasser dampft freundlich vor sich hin…das ganze Bad riecht nach Melisse…ich find Melisse toll! Liebevoll verteilt stehen Teelichter auf dem Wannenrand, dem Fenstersims und dem Waschbecken, ansonsten ist es dunkel und mein Laptop spielt Musik die ich leiden mag.
Dieser Moment, wenn der Körper in das etwas zu heiße Wasser gleitet und man den Eindruck hat, es wäre kalt, statt heiss…und dann..dringt die Hitze durch und du lehnst dich zurück, schließt die Augen und hältst ganz still. Eingelullt in das warme Nass, erfüllt von dem Geruch. SO muss Baden sein.
Meine Gedanken schweifen dahin. Alles erwähnend, sich an nichts haltend.
Bjelovar, mein Geburtsort.
Maria, meine Mutter…deren Grab ich nicht einmal sah.
Mato, mein Onkel.
Wie ich durch die Schule wandere, abseits von allem was mich wirklich berührt.
Wie ich mich entwickle, älter werde und erkenne, dass mein Leben nicht echt ist.
Nicht echt genug.
Meine Lehre in der Werkstatt. Susanne.
Mein Onkel stirbt und ich bin diejenige, die ihn zurechtmacht. Wäscht.
Anna die Leichenwäscherin.
Der Tanz. Tanzen. Ich sehe mich, wie ich tanze. Ich tanze über die Tanzfläche, durch den Raum hinweg zu dieser U-Bahn Station.
Katinkas Spiegelung. Malekins Augen. Thomassos Zauberbeschwörung. Die Träume von Hvar. Tausend Briefe. Wolfensteins Lächeln. Und Sams Art mich anzusehen. Der Schlayer, wie er das erste Mal mein Handgelenk packt und ich dachte der Schlag trifft mich. Ich lächle, so kurz und schon ein halbes Leben. Josephas Mutterblick. Georges Stimme wenn er tickt. Dieses Zeichen in Christophers Gesicht und Lyra die besorgt seine Hand hält. Der Malfeis im Schatten. Der Abt wie er fällt, Malekin der ihn fallen lies und Katinka wie sie mich anblickt.
Ihre Augen, sind meine Augen sind…
Ich lächele und genieße das warme Kribbeln in meinem Körper wenn ich an sie denken… Lasse mich langsam…so tief in die Wanne gleiten, dass nur noch die Nase rausguckt zum atmen.

Als ich ins Bett gehe zeigt die Uhr 00:10.
Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens. Ich wickle mich in die Decke, bin immer noch ganz kuschelig und weich vom baden. Bald werde ich schlafen… Tief und fest und traumlos.

Alles beginnt
Und Alles endet
Zur richtigen Zeit
Am richtigen Ort

 

Veröffentlicht unter Die Tagebücher der Anna T. | Schreibe einen Kommentar