11.Eva und der kleine Albtraum

Meine Welt ist perfekt.

Meine Welt ist friedlich.

Ich bin glücklich.

Die Wohnungstür hinter mir fällt fast lautlos ins Schloss. Ich schlüpfe aus meinen hohen Schuhen, hänge das Jackett an die Gaderobe…das dunkelgraue Kostüm dass ich trage ist von Versace, wenn mich nicht alles täuscht. Es ist nicht so, dass ich mich wirklich auskenne, aber man ließ mich wissen, eine adrette junge Dame von heute trägt das. Darum trage ich es. Es steht mir gut zu Gesicht. Genauso wie die passende Handtasche. Als ich an dem Mann hohen Spiegel vorbeigehe halte ich inne und betrachte mich. Meine Frisur sitzt toll, die silberne Kette die meinen Hals ziert ist alles was ich will an …Schmuck. Sogar mein Lächeln wirkt charmant und ich frage mich, ob mein Vater jemals vermutet hätte, dass sein kleines Töchterchen jemals zu einer Dame heranreifen würde. Ich empfinde es nicht mehr als verkleiden, wenn ich vernünftig anziehe .. ein bisschen frage ich mich sogar, warum es mir jemals so schwer fiel. Ich war noch nie unhöflich, das wollte ich nie sein und doch habe ich jetzt endlich, ein Medium gefunden um das auch in Anderer Leute Augen zu sein? Mir ist bewusst, dass ich niemals die perfektion einer Rose erreichen werde…vermutlich nicht mal die Eleganz des Tremere Kindes, dafür ist und bleibt meine Welt zu bunt und farbig und ich will das nicht vermissen…ich habe nur etwas dazu gewonnen. Das hat auch nichts mit…einer anderen Persönlichkeit zu tun..ich muss verschmitzt lächeln, als ich daran denke, wie sie mich das fragte. Ich habe meine Möglichkeiten nur ausgeweitet..das tut man, wenn man erwachsen wird..für nen Moment stichts…Ich fühle mich fraulich..ich…fühle mich wertvoll…das letzte Mal, dass ich mich so fühlte war, als meine Mutter meine Hand hielt und mich anlächelte….kurz bevor, kurz bevor….

Ich schüttel den alten Gedanken ab, der sich mir aufdrängen will, zwinker meinem Spiegelbild zu. Mathie..der Ghul meines Vaters sagte mir…andere würden unseren Clan wahnsinnig rufen. Meinen Vater empfand ich nie als wahnsinnig..natürlich hat er Eigenheiten,so wie ich…wer hat das nicht. Eine Zeit lange glaubte ich, es wäre notwendig..andere in dem Bild, das sie von uns haben zu bestätigen,das ist blödsinnig. Was sie wahnsinn nennen…verrückt..ist nur ihre unfähigkeit Dinge in ihrer Gesamtheit zu erkennen, sie wollens eben nicht wissen. So wie manch Ehefrau vehemment den LIppenstift am Hemdkragen ihres Mannes ignoriert. Das ist in Ordnung.

Weder ist es falsch von ihnen..noch verrückt von uns.

Ich bin sehr zufrieden.

Früher brauchte ich das Meer, um mich so zu fühlen, wie ich es jetzt gerade tu…in mir ruhend. Keine lauernde Stimme, wenn ich mein Spiegelbild betrachte…niemand der mir flüstert, was alles schief läuft, was ich besser machen muss…dieses jenes..ich kann mich ansehen und empfinde….einen gewissen Stolz.

Der Tag wird bald kommen, auf dem Weg von der Gaderobe zum Schlafzimmer hole ich aus meinem Bad eine Bürste und kämme mein Haar. Prinzessinen machen das vor dem Schlafen gehen…es gefällt mir, an diesem kleinen Kosmetik tisch zu sitzten und mein langes Haar zu kämmen..Schneewittchen, Schneewittchen, lass dein Haar hinab.

Ein kurzer Blick durch die offene Tür zu meinem Badezimmer..Jahr und Tag hab ich damit zugebracht in der Wanne zu schlafen oder wenigstens auf den Fließen. Es schien mir meiner immer angemessen..nackt oder komplett angezogen auf dem kalte harte Stein…..das war immer gut genug für mich. Tatsächlich ist es völlig absurd in einer Badewann zu schlafen…wenn doch hier….hinter mir ein großes weiches Bett steht. Ich fühle gerne weiche Dinge an meiner Haut. Warum nicht in einem Bett schlafen?

Es wird Zeit sich von solchem Blödsinn zu trennen..nicht wahr? Ich bin zuversichtlich…bürste mein Haar weiter und lächle zufrieden. Es ist in Ordnung nicht dem Bild anderer entsprechen zu wollen, nur weil sie mich verrückt nennen, ist es nicht notwendig sich auch so zu verhalten.

Mit einem seltsamen Gefühl wird mir klar, dass ich jetzt..sogar normaler bin..als ich es zu Lebzeiten war. 25 Jahre sind nicht genug Zeit um zu erkennen, dass auch in einer Welt die anders ist…platz genug für Normalität ist..doch ich bin keine 25 mehr…mehrfach nicht. Darum steht es mir doch auch zu…meine einfachheit hinter mir zu lassen? Komplexer zu denken? Ich kann ja…es ist nur so anstrengend manchmal und ich hatte nie einen Grund es zu tun.

Doch jetzt habe ich einen.

Von meinem Kosmetiktischchen zum Schlafzimmerschrank…ich entnehmen ihm einen hellen seidigen Schlafanzug..meine Güte…wieviel Kleider dort mittlerweile sind…ich schüttel verschmitzt meinen Kopf. Kleider machen Leute.. ich seh dich..

Fein säuberlich aus meinen Kleidern geschlüpft…sie zusammen legen und dann auf dem Stuhl plazieren. Hinein in die Seide.hinein..in das große Bett….ich taste nach dem Dimmer….das Licht verlischt und ich versinke in den weichen wohligen Daunen….die Prinzessin auf der Erbse…Frau Holle hat Mondenkind ein Bett aus Rosen geschüttelt.

Meine Welt ist perfekt.

Eins zwei drei…Freddy kommt vorbei…drei und vier er tanz vor deiner Tür…Brüderlein komm tanz mit mir..beide Hände reich ich dir….auf einer Hand kann man nicht stehn, so lass uns doch zum Meere gehen…Meer ach Meer, wenn ich dich seh..dann tuts mir weh..ganz tief in mir…das lebt ein Tier..es flüstert leis und spricht zu mir…hush little baby, dont say a word, and never mind, that noise you heard..ist nur der Engel in deinem Herz, er küsst was du liebst im sanftem Schmerz…i tie one, the spell begun, i tie two..it will come true…raus bist du noch lange nicht..sag mir erst wie alt du bist…ein zwei drei vier fünf sechs sieben, eine tote Frau lernt lieben..eine schwarzer Engel bringt das Ende…wind und wende dich herum…der schwarze mann der geht noch um…ich bin klein, mein herz ist rein..kann ich jemand andres sein….eckstein..eckstein..alles muss versteckst sein….ene mene mu und raus bist du…raus bist du noch lange nicht…erst wenn leis' dein Geist zerbricht…

Meine Welt ist perfekt.

Meine Welt ist friedlich.

Ich bin….verspannt.

Ich habe echt mies geträumt….irgendwas mit einer Frau im Wasser…sie hat schwarze Flügel und ihr langes schwarzes Haar klebt an ihr wie Teer und ist das einzige Kleid, dass sie trägt…jemand ertrinkt…verblüfft stelle ich fest, dass mein Herz schlägt…ganz von allein…Hunderzanzig Beats per Minutes…und ich fühle mich hungrig..obwohl ich ein stets ein Augen darauf habe mehr als nur …satt…zu sein. Das Erlebnis des…roten Rauschens…war mir Lehre…ich werde es nie wieder riskieren auch nur annähernd an diesen Zustand der Leere zu gelangen..darum…darum trinke ich sehr regelmäßig ..auch über den Durst…gestern erst bevor ich schlafen ging und jetzt…jetzt fühle ich dieses Nagen in meiner Brust…das nur bedeuten kann, dass es mich hungert….so richtig.

Was soll das?

Dann ..und erst dann…bemerke ich…dass ich nicht in meinem Bett liege…sondern …unter meinem Gesicht, kühles hartes Porzellan ….

Was soll das?

Meine Nasenflügel blähen sich …und wittern Blut….viel…Blut….mein Herzschlag pumpt weiter und ich unterdrücke ihn mit Gewalt…es kostet doch nur mehr wertvolles Rot….etwas in mir flüstert leise…ich hör nicht hin, denn ich ahne die Panik in den Worten und dass will ich nicht hören.

Ich bin nicht verrückt…nur verrückte hören kleine Stimmen flüstern.

Etwas desorientiert hiefe ich mich aus der Wanne…taste mich bis zur Badtüre…den Lichtschalter daneben…

…es werde Licht…. ..got u….under my skin…baby…

Das Erste was ich sehe..sind die roten Spuren..von der Türe bis zur Wanne..und jetzt..auch wieder dorthin zurück…kleine Füße…Größe 38…? Wie von einer ungroßen Frau? Es schwindelt mich.. du bists du bists! Auch das weisse Prozellan der Wanne ist rot gemalt..mit Handabdrücken und Schlieren und…eind Schluchzen will sich aus meiner Brust kämpfen…aber auch das ringe ich nieder….es….es wird für alles eine Erklärung geben? Es..muss???

Durch die Badtür hindurch über den Gang….hinein in mein Schlafzimmer…das Licht….das Licht… sonst siehst du nicht…Das Bett ist durchwühlt…die weissen Laken Blut gefärbt, als hätt ein wilder Kampf stattgefunden..jemand…jemand hat mich hier…hier angegriffen…hier wo ich doch sicher sein sollte…niemand könne mir hier etwas tun?….jetzt habe ich Panik….das darf nicht sein…..normalerweise denke ich niemals darüber nach…ob ich irgendwo nicht sicher sein könnte…jetzt erschreckt es mich so sehr…dass ich zu zittern beginne….mein Blick fällt zu Boden…dort liegt mein Schlafanzug…zerfetzt..zerrissen….Seraphines Werewolf schießt mir durch den Kopf….die Gremlins….Lesbian Vampires Outer Space…ich muss mich gewehrt haben…sonst..hätte ich nicht überlebt?…Vermutlich habe ich mich ins Bad geflüchtet?…mit diesem unangenehm ziehenden Gefühl im Bauch gehe ich in die Knie, hebe die rot weiss rote Seide auf und entdecke mich selbst im Schlafzimmerspiegel….der Anblick würgt mich..lässt mich schwanken..wanken….welches Monster hat mir das angetan….meine Haut ist aufgerissen…zerschließen….Klauen die sich durch mein Gesicht gegraben haben..über meine Brüste…nackt bin ich..gemalt..in schwarz …weiss….rot…schwarz weiß rot..das schwarze Haar..klebt rot von Blut an meinem Leib wie nasse Flügel auf weisser Haut ich werd verrückt..ich dreh durch….das wissen kratzt von innen an meiner Oberfläche..als ich meine Hand erhebe…meine Fingernägel lang und hart und rot verkrustet….ich füge sie in das das Bild…die Kratzer in meinem GEsicht und erkenne…..das ich es war………das ich es war….das ich es war…. hush little baby, dont say a Word and never mind, that noise youre heard..its just the beast under your skin…in youre heart and deep within…..

Während sich die Erkenntnis von meinen Lippen wimmert…und ich immer wieder den Eindruck habe, dass mir schwarz wird vor Augen….entsteigt dieser Dunkelheit die Wahrheit….ich habe ihn umgebracht..ich habe das liebste auf der ganzen Welt umgebracht…dort am Meer hat sich der Engel erhoben und ihm das Leben aus dem Leib getrieben mit Lust und Wonne..so lange geschlafen..so lange gelauert….mein Denken versagt…es kann nicht lange her sein….vielleicht kann ich noch etwas tun….In blankem Wahn..nicht fähig wirklich überdacht zu handeln…werfe ich mir einen Mantel über..verschnüre ihn viel zu fest….ich hab Schmerze und brauche noch mehr…ich denk weder an Schlüssel noch sonst irgendwas..wozu…mein Leben ist vorbei….es gibt nichts mehr…wofür es sich zu leben lohnte….als ich die Stufen des Treppenhauses hinab stürze..stolpere ich..falle…ich bin mir nicht sicher..aber ich glaube…ich breche mir etwas….auch das ist egal….kaum dass ich aus dem Haus bin…beginne ich zu laufen…so schnell wie ich noch nie in meinem Leben gelaufen bin….zum Meer..dort wo es passiert ist….ich renne wie vom Teufel gehetzt…doch der Teufel wär mir die liebere Begleitung.mich verfolgt ein schwarzer Engel..ich muss noch schneller…ich muss vor ihm da sein..vielleicht gibt es noch etwas zu retten…eine Uhr schlägt Mitternacht…ich registriere es nicht….kaum aus der Stadt..nicht nach gedacht..ich bin noch immer zu langsam…und verwende weiteres wertvolles Blut um noch schneller zu sein…trete mir steine und scherben in die nackten Fusssohlen…mein linker Arm hängt sinnlos herum..ich war das nicht….ich weiß nicht wieviel Zeit später komme ich an diesen Parkplatz…betoniert….mit diesem uneinladenen Bau….der kleine Weg von dort…an den Strand…an DIESEN Strand….Die Flut muss sich gerade zurück ziehen…den der Sand liegt jungfräulich unberührt vor mir…auf dem dunklen Wasser glänzen die Entfernten Lichter des Hafens….es ist so ungeheuerlich friedlich wie zum Hohn..dass ich wütend aufschreie, weil mich jemand glauben machen will…es wäre alles in Ordnung, obwohl ich mit allem was ich bin und habe fühle….dass ich ihn vernichtet habe…so wie ich es immer mache wenn….wenn…..

Ich breche in dem Sand zusammen und beginne zu graben…..sinn und ziel los…irgendwo..irgendwo muss hier doch..ein Hinweis sein..vielleicht hab ich ihn verbuddelt vielleicht…hat ihn das Meer gefressen?….ich find nichts…ich find nichts und es macht micht…wahn…sin…nig..WAHNSINNIG…..ich zerr an meinem Haar und reiss es Büschel weise aus…..schüttel mich….schlage in den Sand und könnt ihn fressen….ich weiß es ich weiß es ich weiß es ..ich weiß es ich weiß es….mein Sicht verschwimmt mir ein wenig….in meinen Ohren höre ich Rauschen..nicht vom Meer…von mir…..aus mir…es knurrt und kichert…zuviel Rot auf meinen Lippen….zuviel Rot in meinen Gliedern..zu viel Rot verbraucht…verschrien..vergraben….so ungeschoren geht das nicht…

.du hast deine Mutter getötet..Schuldig

…du hast Karsten getötet…Schuldig.

Du hast Herrn Kreisel getötet..Schuldig.

Du hast den kleinen junge getötet..Schuldig.

Du hast dich getötet…Schuldig.

Du hast…

du hast

du hast….

Wieder schreie ich…nein..ich brülle….das Tier brüllt…als ich Schritte hinter mir vernehme..richte ich mich auf..und fühle Kraft durch meine Muskulatur fließen…Geschmeidigkeit….in einer widerwärtig flüssigen unnatürlichen Bewegung drehe ich mich herum und fixiere das junge blonde Mädchen…vielleicht 12 Jahre alt? Sie ist schön..aber…wen interessierts?

„ Ist …ist….i i i …ist…a…a…alles…………“ ihre Stimme so sanft und mitfühlend…bricht ab….als sie mich von vorne sieht…ihre tiefen blauen Augen weiten sich.

In meinem Kopf schreits…Wirklichkeiten verschieben sich….ich werde sie töten…ich…ich brauche ihr Blut…der Jäger in mir..wartet darauf..dass sie sich umwendet..und…..und zu laufen beginnt…dann werde ich sie hetzten und erlegen und ihr mein Leid zu schmecken geben….nichts anderes als tiefe Angst..kann in ihr sein…wenn sie mich betrachtet….doch sie zeigts nicht und ich gebe ihr gelegenheit sich ihrer Gefühle bewusst zu werden und male sie….vervielfache..was sie am meisten in sich trägt…damit sie endlich läuft und ich sie fressen kann…Doch wie zum Hohn..wird ihre Mimik ganz weich..sie lächelt aufmunternd und kommt auf mich zu…..sie muss…ich muss lachen..sie muss wahnsinnig sein….wer geht denn schon so einem zähnefletschenden Wolf?

Ich stehe wie die Rache Gottes in meinem Mantel mit den wirren Haaren ..barfuß im Sand..und starre an was ich nicht fassen kann….bis sie bei mir ist..und sie vorsichtig meine Hand ergreift…so zart dass es mich umbringt…

„tu..tu…tuts…..weh…tuts weh?..“ stottert sie..aber….nicht aus Angst? „d-d-d- du….du…du blut..bl-bl—bl..du blut..blutes…“

Unvermittelt schlägt sie sich zweimal…richtig fest auf den Kopf…beinahe wäre ich erschrocken…

„Arschloch…“ sagt sie hart…blinzelt…senkt ihren Kopf…“…e-e—ent—ent–ent ent ent ent…verzeihung…“ blubbert sie und wird etwas rot.

Für Sekunden bin ich so sprachlos..dass ich sogar vergesse sie fressen zu wollen….etwas in mir empfindet tiefen Respekt vor ihrer Unschuld…so sehr…dass ich…das ich ..so sehr,dass ich all meinen Willen all meine Beherrschung aufwende um das zu tun, was ich so sehr…so zutiefst hasse…ich übe Kontrolle…über das…was noch immer in mir tobt….

Leises Stimm gewirr, dass sich nähert…

„wi..wir…Scheisse….wir ..ma-ma-ma—tun einen….a-a-a….ficken….ausflug….zu..zusammen..“Ihr kopf wackelt leicht und sie tippt mir zwei dreimal an die Schulter…ungewollt?

Ich nicke…denn Worte habe ich nicht…so….under control…weiß ich, dass es nicht gut wäre, auf viele Menschen zu treffen…so gehe ich einige Schritte rückwärts…sie immer noch anstarrend…

Sie lächelt süß…bar jeglicher Angst..zuversichtlich niedlich nett…mich packt blanker Neid….die Macht die sie in sich trägt kann ich mit Worten garnicht fassen….ich drehe mich um und laufe vor ihr weg…es ist nicht so, dass ich alle Zeit der Welt habe…aber…gerade habe ich Raum zu denken…zielorientiert zu denken….an einer Telefonzelle halte ich an…rufe die vermittlung an und lasse mich auf kosten des anderen gesprächteilnehmers weiter vermitteln….

Edward…er …er wird mich….unter Kontrolle halten, wenn meine vorüber geht…

if this world is wearing thin and you're thinking of escape i'll go anywhere with you just wrap me up in chains but if you try to go out alone don't think i'll understand …stay with me ….in the silence of your room in the darkness of your dreams you must only think of me there can be no in-betweens when your pride is on the floor i'll make you beg for more….stay with me…you'd better hope and pray that you make it safe back to your own world you'd better hope and pray that you wake one day in your own world cuz when you sleep at nightthey don't hear your cries in your own world only time will tell if you can break the spell back in your own world…stay with me?

Veröffentlicht unter Eva und die Vampire | Schreibe einen Kommentar

04.Eva und das Suppengrün

Zurück in die Suppe.

Die homogene dampfende Suppe.

Beautiful Soup, so rich and green,
Waiting in a hot tureen!
Who for such dainties would not stoop?
Soup of the evening, beautiful Soup!

Ich krieg nen Rappel. Schwitzende Leiber, erzittern unter dem dröhnenden Bass. Verbrauchte Luft. Lichtblitze. Wieviel Informationsflut braucht ein normal sterblicher bis er abschalten kann? Im Gegensatz zu allen anderen hier…ha…sogar im gegensatz zu mir selbst, bin ich einen sternenklare Nacht. Noch nie war ich weniger im Zweifel.

Ein Zeichen des Fleisches. Vorher will er mir nicht geben, was mir gehört.

Ich hätt sie benannt. ICH! Ich benenn niemanden. Warum tut alle Welt so als hätt ICH nen Vogel. Hat sich noch niemand mit IHM unterhalten. Ich krieg echt nen Rappel! Niemals. Ich werde niemand ins Verderben reiten um meine…Gier zu befriedigen… um zu bekommen was verdammt noch mal in mich gehört! Mein. MEIN MEIN MEIN!

Als ob ich sonst etwas anderes tät?

Mein Vater sagte, ich wäre die Dorne an der Rose, die andere Sticht und sie bluten lässt. Die Seuche , die der Menschen Leben frisst. Malak. Maligne. Alles schlechte dieser Welt in den Händen eines Kindes. Ich hab ihn dafür gehasst. Niemals. Niemals Nimmermehr und Keinesfalls.

Ich breit meine Hände aus als würde ich zu Gott im Himmel beten wollen. Kann es denn Wahrheit sein? Ich brenne. Wieder. Schon wieder und kein Schmerz von Aussen der den Inneren stillt.

Ich …… Ich sehe…das ich Platz habe…die Menschen, um mich herum sind ein Stückchen beiseite gerückt und werfen mir komisch Blicke zu, als hätt ich einen an der Klatsche.

Eine seltsame Art von Stolz regt sich in mir, ich bin wohl durchaus anders – aber nicht dass, was ich in den Augen der Menschen um mich herum lese. Ich bin nicht verrückt. Nicht so. Und weil is so garkeine Lust empfinde mich so ansehen zu lassen geh ich auf den nächsten zu und seh zu ihm hoch. Entgegen schreien will ich ihm Was?..Was ist?. Passt dir was nicht? Pass ich nicht in deine konstruierte verlogene unechte Welt?

Der Kerl sieht zu mir runter und ein hämisches Grinsen umspielt seine Lippen.

„Hast du ein Problem kleine?“ fragt er, fast…höflich.

Probleme. Keine Ahnung hat der. Dann hab ich einen lustigen Gedanken und unterdrück ein Kichern.

„ …ich könnt lernen dich zu lieben….“ erwider ich und seh ihm in die Augen und denk mir all die Konsequenzen, die das mit sich bringen würde und das Auge in der sehenden Hälfte meines Gesichtes lächelt, das verborgene nicht.

In seiner Mimik spielen sich ein paar witzige Dinge ab, sein Lächeln entgleitet ihm…ein kurzer Schauder…dann verteinert sich seine Miene und er dreht sich um und geht.

Ich warte auf eine sich einstellende Befriedigung, aber es geschieht nicht.

Behaupten kann ichs, aber können tät ichs nicht.

Geh und gebäre einen Gott. Bah!

Ich versinke in mir und tanze auf der Fläche ohne mich zu bewegen. Nicht ich bewege mich zur Musik, sondern die Musik dreht sich in meinem Takt. Das ist ein wichtiger Unterschied.

In meinem Kopf kreist es.

Fakten. Fakten. Fakten.

Mein Blut krieg ich nicht wieder, bevor ich nicht Fleisch dafür schenke.

Abwarten?

Bisher hab ich niemanden gebeten. Zu niemanden habe ich gesagt, bitte tu alles damit er mir mein Blut zurück gibt. Ich habs nicht zu meinem Primogen gesagt. Nicht zu dem Prinzen.. Nicht zu………dem Mann mit der roten Krawatte.

Es ist schon so, wie mir……Max……..sagte. Ich komm ihm nicht bei. Ich könne fragen aber er würde mich nur drehen und wenden und ich würde daran verzweifeln. Nein ich habs ihm nicht geglaubt.

Die Sache ist, ich weiß und wusste…er wird es niemandem geben als mir selbst. Alles andere wär gelogen. Alles andere wär nicht echt. Der Rabe hat nicht gelogen, aber ich war nicht im Unrecht.

Und jetzt?

Seine Worte fließen in meinen Kopf und ziehen ihre Kreise.

'Du hast sie benannt. Ich werde nicht so differenziert arbeiten können wie bei deinem ersten Wunsch.'

In drei Teufelsnamen.

Ich fühl mich, als hätte er mir eine Waffe in die Hand gegeben.

Das X markiert den Punkt.

Geh Xe malen Eva. Mutter aller Sünden.

Aber geschnitten hat er sich, ich markier' keine Punkte. Eine Waffe ist nichts wert ohne einen gewillten Mörder sie zu nutzen.

Ich werf sie ihm einfach vor die Füsse. Sein …Gedankenplan.. wird nicht aufgehen. Lieber sperr ich mich ein und kriech nimmermehr aus meinem Loch. Lieber flüchte ich nach Hvar [i]…um meinen Vater die Arbeit weiter führen zu lassen? [/i]Lieber kriech ich nackt vor dem Prinzen und flehe ihn bei meinem Leben an…mich jämmerliches Stück zu retten.

Ich bin kein Täter. Ich wähle nicht. Ich nehme nicht.

Ich bin ein Gefäß das aufnimmt und erträgt.

Mittlerweile und ohne mein zutun, hat sich mein Körper der Musik angepasst. Er tanzt, ohne mich…denn ich dreh mich und er nicht. Die Diskothek hat sich gelehrt, nur noch wenige sind hier..noch weniger auf der Tanzfläche neben mir…ihre Leiber zucken und ihre Gesichter sind entrückt, als tanzten sie um ihr Leben. Vorsichtig drehe ich mich um mich selbst und erkenne mit Gewissheit, dass ich sie gemalt habe.

Wer zu nah am Strudel schwimmt wird hineingesogen. So ist das.

Alles hat folgen kleine Eva, sagt der Doktor und ich möcht nicht dass er mich heilt.

..oh bitte heil' mich, bitte teil' mich, bitte reisse und zerfleisch' mich…bitte lass mein Herzblut fließen, lass mich diesen Schmerz genießen, bitte stech' mich, bitte brech' mich,bitte liebe und verletzt mich, lass mich schweigend untergehn, lass mich nicht im Lichte stehn.

Ich möchte dass er im Erdboden versinkt und dem Teufel das fürchten lehrt.

Hunger kriecht aus mir hervor und meine Augen, die zwar offen waren aber nicht sahen, erkennen eine fast, dürre Gestalt die von der Tanzfläche entfernt im Dunklen steht.

Als er bemerkt, dass ich ihn ansehe, tritt er einen Schritt hervor mich ansehend…und ich weiß, er tut das schon länger. Das kann ich lesen. Wie er mich ansieht, in seinen Augen. Ich rieche es, wie ein Wolf seines gleichen riecht. Dieser Mann stinkt nach Wahnsinn.

Ich tret auf ihn zu und je näher ich komme, desto mehr sehe ich. Es ist noch kein Mann. Es ist jung. Vielleicht Sechszehn ? Er trägt schwarze Kleider, natürlich. Sie tun es alle hier. Die Hälfte seines Gesichts ist entstellt….wie….verbrannt? Ein wenig schaudert es mich, er weiß um Schmerzen..nein?Ich empfinde seltsames Mitgefühl. Nicht Mitleid.

Dann steh ich vor ihm und ohne ihn zu fragen streck ich meine Hand und taste über die neue verschrumpelte rosige Haut. Er zuckt leicht, aber lässt es sich gefallen. Sein Blick auf mich geheftet als wäre ich das Wasser nachdem es ihn dürstet.

„ein Autounfall. Alle ausser mir. 6 Jahre“ beantwortet er mir ungestellte Fragen. Seine Stimme klingt viel zu alt für ihn. Sie ist ganz dunkel und hat einen wundervollen Klang. Nach Leid, einer Form von verstehen, Musik!

Ich fühl wie sich Schwingen aus ihren Fesseln lösen wollen und weiche einen Schritt zurück.

„Besser wärs wenn du jetzt gingest“ flüster ich leis, weils die Wahrheit ist.

Ein schiefes Lächeln in seinem Gesicht…DIESE Augen…er schüttelt seinen Kopf.

„Ich such dich seit diesem Tag….“ widerspricht er leise und ich will ihn schlagen, weil ich mich selber sprechen höre. „ ich geh nicht.“

Ja Himmel stehts mir auf die Stirn geschrieben? Bin ich die Kerze, die all die Motten findet die sich nach dem Tode sehen? Siehst du mich im Licht oder was?

Abrupt dreh ich mich und und verlasse die Diskothek, als wär mir der Teufel persönlich auf den Fersen.

Seine Schritten folgen mir….dazu muss ich mich nicht wenden..ich laufe zielos ..über Stock und über Stein….Reiter brech dir nicht das Bein… irgendwo..in irgendeiner Gasse halt ich an, dreh mich rum und er bleibt stehen…fast trotzig zieht er aus.

„Schick mich nicht weg…“ flehentlich.

Ach fleh du mich nicht an!

Ich schüttel den Kopf um ihm mitzuteilen, dass es nichts hilft und er gehen muss.

Aber der Hund, ein Lächeln in seinem Gesicht…er denkt ich stimme ihm zu. Nein, du musst nicht gehen. Kurzfristige Verzweiflung macht sich breit. Mein Hunger bellt.

Eine abwehrende Geste.

„Egal was du suchst. Ich werds dir nicht geben. Ich werd dich nicht heilen.“ Ich wünscht ich könnt die Kälte in meine Worte führen die dort hinein gehört. Bitte sag mir dass ich dich nehmen, trinken…..fressen..soll. Dein süßes Blut würde mich stillen. Ach trink mich! Koste! Ich schenk dir Leben.

„…oh bitte heil mich…“ sagt er und meine Welt gerät ins Schwanken. Es kommt mir so verdammt, bekannt…. aus lauter wahnwitz beginne ich zu lachen.

Einen Schritt tret ich näher und bin ihm so nah, dass ich mich nur strecken müsste, dann wärs nur noch ein kleiner Biss und er wär mein…….hebe langsam meinen Kopf und meine Augen müssen funklen…

„ …hat dir denn noch niemand gesagt, dass Wünsche sich erfüllen könnten?“ Und so wie ich es sage, klingt es so wie ich es meine… Jemand muss ihn in der Tat heilen! Er ist von Sinnen.

Er hebt seine Hand und streicht mir derart liebevoll übers Haar das ich spontan ausflippen möcht, aber so wie ein Schwamm das Wasser aufsaugt neige ich mein Haupt und genieße für eine Sekunde echte menschliche Nähe. Habe ich geglaubt ich wäre lebendig? Er macht mir bewusst, was ich die meiste Zeit verleugne. Im Vergleich zu ihm bin ich eine verdorrte leblose Blume. Im Vergleich zu seinen Farben..blau..so blau….bin ich…blass und nichtig. Gleich heul ich.

Geh weinen. Draussen!

Seine warme..HEISSE…Hand bleibt auf meinen Wangen liegen und diese Wärme kriecht in meinen kalten leblosen Leib und lässt mein Herz schlagen.

„Wieso bist du so kühl?“ flüster er und es klingt ein wenig leidend.

Ich kann nur den Kopf schütteln.

„Ich hab dich gesehen, wie du tanzt…..“ Seine Worte schlagen Breschen in meinen Widerstand…“und ich weiß..du hast den Tod angesehen …wie ich….verstehst du?“

Mein Gott und wie ich dich versteh.

Seine Andere Hand an meiner anderen Wange…dank ihm ist mein Gesicht ganz heiss.

Jetzt brenn ich innen wie aussen.

Ein leichtes Nicken, was soll ich noch tun? Was soll ich noch sagen?

Durch seinen Körper geht ein Beben und seine Atmung beschleunigt sich.

„Ich wusste es!“ spricht er als hätt ich ihm eine Last von seinen Schultern genommen.

Er beugt sich hinab, um mich zu küssen, doch ich presse meine Lippen zusammen….schüttel leicht den Kopf…lächle …schief…bedauernd….liebevoll…dann führ ich seine Hände beseite und schiebe meine an seinem Leibe hinauf…eine an seiner Seite…eine in seinen Nacken, um ihn zu mir zu ziehen.

Wir sind zu zweit.

Wir sind allein und beginnen eins zu sein. Jetzt isses egal. Jetzt isser mein.

Seine Augen leuchten ein Liebesgedicht, dass mich verzaubert und meine Lippen suchen….meine güte wie pathetisch…an seinem Hals den Pulsschlag den ich rauben will…er nimmt es wie Liebkosung und streicht mir über mein Haar …meinen Rücken.

Gotcha.

Ein sachtest Knacken.

…er krallt sich ein…

Ein leiser Stich.

…er stöhnt auf…

So sanft und doch so tödlich …..für dich.

Geh und gebäre einen Gott.

Und als hätte mich der Schlag getroffen lös ich mich von ihm…hätt ich beinahe verpasst dass sein Herzens Schlag schon arg beschleunigt.

Woher ich den Willen dafür nehme, weiß ich nicht. Vielleicht all die Wut und all der Widerspruch ….IHM nur nicht zu Willen zu sein. Ich werde niemand töten, auch wenn….. ich leck über die Wunde und die Schwerkraft entreisst mir den Körper.

Er blinzelt verwirrt und streicht sich fahrig durch sein Haar. Seine Augen leuchten voll Hingabe, mehr als ich es je in einem anderen Menschen sah wenn ich einen trank.

„Dein Kuss ist…unglaublich…“ faselt er, es nicht fassen könnend.

Voll mit seinem Leben hab ich Kraft und voll mit SEINEN Worten hab ich Wut.

„Nie wieder. Du wirst mich nie wieder suchen. Du wirst NIE an den Ort wiederkehren, an dem wir uns trafen……und wenn du….Kälte verspürst…dann lauf. Lauf um dein Leben!“

Und diesmal hab ich die nötige Kälte denn ich spreche Wahrheit.

Ich hasse mich dafür, denn am liebsten würde ich ihn zu mir mit nach Hause nehmen. Ihn mit meinem Wein füttern und für den Rest aller Zeit glücklich sein, weil kein Nektar je so süß in meiner Kehle brannte.

„Noah“ antwortet er …er klingt müde. Mühsam blinzelt er zu mir hoch.“Ich heiss Noah“

Ein letztes Mal greif ich in seinen Nacken und beuge mich zu ihm, warte bis er mich ansieht.

„Nie – wieder!“

…und er nickt folgsam.

Während er sich aufrappelt, ganz mit sich selbst beschäftig trete ich weiter zurück..hinein in den Schatten um in ihm zu verschwinden. Ich werd noch warten, ob ers alleine schafft. Minuten später hat er sich soweit beisammen…sieht sich nach mir um, aber er weiß schon vorher dass ich nicht mehr hier bin.

Hinaus aus der Gasse, ein Taxi später ist er verschwunden.

Und ich renn nach Hause um mich in meinem Leid und Nohas Leben zu baden.

Veröffentlicht unter Eva und die Vampire | Schreibe einen Kommentar

06. Eva und die Eisblume

….ich stell' meinen Kopf schräg…beobachte,was er tut…ich lächle….ich kann nicht ganz fassen…was geschehen ist. Da zwische ihm und mir. Mir raubt es den Boden unter den Füßen..und er?…er ist.. wie in der ersten Nacht ein vollendeter Gentleman.

Sein Handkuss, nur ein Atemzug auf meiner Haut..ach ich wünschte er fühlt' sich warm an….doch trotz der Kühle..zieht sich sein Odem über meine Hand wie Steine Wellen im Wasser ziehen. Seine Lippen hätten mir nicht näher gehen könne und in meinem Bauch erwächst der Wunsch ihn zu atmen. Ich will atmen was er mir überlässt..von ihm lebend…müsst ich noch atmen…dann würd ich nicht von seinen Lippen lassen. Sein Blick…der er nicht von mir lässt..gibt mir das Gefühl, etwas besonderes zu sein..ihm besonders…wichtig. Es erschüttert meine Welt und mein Herz soll schlagen damit er merkt wie sehr ich schätze was er mir gibt. Erfüllt von dem Gefühl, dass er mich trinken lies empfinde ich verliebtheit…für seine Details. Für die Vorsicht, mit der er mich berührt. Für die Distanz, die auf seine Weise..mir zu liebe…varriert. Ich will sprechen..tausend Worte, um ihm zu sagen…dass ich bebe..für ihn lebe…doch ich schweig. Mir ist es wohl bewusst..das sein Gefühl für mich..nur eine absurde Form der Zugeneigheit ist…wenn überhaupt. Vielleicht nur die Freude mich zu besitzten? Es kränkt mich. Weil ich niemals an erster Stelle stehen werd, weil er mir ein Königreich ist, doch ich ihm……..nicht. Aber er hat mich gewählt..nein? Er hat mir geschenkt…nein? Ich bin sein…………………nein?

„Danke….“ sag ich leise…er HAT mich erwählt. Wohl sollt ich meinen Blick senken…es stünde mir besser zu Gesicht, doch ich schaff es nicht. Gleich wird es vorbei sein, gleich wird er mich gehen lassen und ich muss allein hinauf. Allein. Mit dem Gefühl in mir. So halt ich verzweifelt seinen Blick und wünscht mir Sekunden zu Stunden. Mir ist, als ob auch er…länger als es nötig wär…meine Hand in seiner hält…obs ihm gefällt? Da lässt er schon los und gibt mich frei…ich sterb dabei. Langsam als könnte ich damit das unvermeidliche verhindern, lass ich meine Hand darnieder sinken. Zweimal…zweimal vom verbotenen Früchten genascht..vom verbotenen Wein getrunken. Ich ahne vage, was es wohl bedeutete..ihm völlig zu verfallen und es ängstigt mich.

„Ich wünsche ihnen eine angenehme ruhe………Eva Maria..!“spricht er leise, er weiß wohl – dass ich es ihm danke. Seine Stimme zu hören, wie sie meinen Name spricht..ist mir als würde er mich erkennen…beim Namen nennen..so werden Zauber wirklichkeit und namenlose Schrecken bekommen ein Gesicht. Er heiligt mich und ich will es immerzu und immer wieder hören mich darin verlieren und ertrinken bis ich sterbe..und zu neuem Leben erwache..wenn er mich das nächste Mal spricht. Ich lieb dich nicht. Es ist anders, Es ist mehr. Berührt von seinem Geschenk beiss ich mir auf die Unterlippe.

Dann tritt er beiseite und mein Leid droht mich zu erlegen. Jetzt muss ich gehen.

Es ist soweit. Ich wend mich zu Tür. Ach komm mit mir? Ich öffne sie.

Hat er sich schon gedreht um zu gehen? Lässt er mich einfach so stehen? Bin ich ihm von Wert?

Ich bin ihm kein Königkreich. Ein Königreich für seine Gedanken? Das lässt mich schwanken. Nein, nicht nur die Jungfrau hängt am Drachen. Wer von uns hat mehr zu lachen…ich….die nie erleben wird….wie er in Sehnsucht nach mir vergeht?

Oder er….der nie erleben wird…wie es ist…wenn sein Herz für mich schlägt und von meinem Antwort erhält? Wer von uns…verliert dabei mehr?

Meine Bewegung hält inne.

„…..du?“ Geteiltes Leid ist halbes..nein?

„Sie haben meine Aufmerksamkeit!“ Seine Stimme klingt so leise..sprich meinen Namen!

„…wie ist es für dich…zu wissen…dass du mir niemals das Gefühl entgegenbringen wirst, dass in mir für dich brennt?“

Ich frage nicht wirklich, denn auch wenn er diese Maske trägt, hab ich ihn schon so oft gelesen. Er ist …keine weisse Wand…er vermag sich vorzustellen….eine kleine Fantasie…?..wie es sein könnte….wenn wir…..

Ich drehe mich nicht. Ich weiß, dass diese Frage schon im Raum stand bevor ich sie aussprach….erkennt ers oder schützt er sich mit seiner Maske..seiner Kontrolle?…Seiner …Selbstbeherrschung? Es ist ein unterschied..zu wissen…das schneiden weh tut…oder sich zu schneiden. Verzeihe er mir, dass ich ihm gestatte…seine Gefühle so wahrzunehmen, als könne er sie nicht beherrschen. Und mag alles an ihm..stark sein…so ist es mir weniger als ein Gedanke..hervorzuholen…was in ihm lebt.So mach ichs, wie mein Vater es mich lehrte. Was uns alle bewegt…ist nicht mehr…als ein Tupfen Farbe…und ich wäre nicht des Malers Tochter, fiele es mir schwer..mit sanften Strichen..und zarten Pinseln…mehr zu machen..als dort war. Wie Sonderbar?

Erkenne was du fühlst…ich werd es für dich leben.

Ich weiß nicht…was er tut…ich weiß nicht..wie er aussieht…ich wage nicht..zu lesen…er muss sich bewusst werden..nicht ich. Es ist seins.

Für Augenblicke ist mir…als stünde er schon bei mir..als wäre er schon in mir…als nähme er schon von mir…das Verlangen…nach seiner Begierde… macht mir die Knie weich und ich muss mich an der Türe halten und sie weiter nach drinnen schieben. Sonst ertrüge ich es nicht. Sonst müsste ich zu ihm gehen und ihn anflehen mich auszutrinken…den lieber will ich zwischen seinen Lippen sterben als noch einen Moment mehr mit dieser Gier in mir zu leben.

Seine Antwort..mit der ich nicht rechnete…treibt mir einen Dolch in den Rücken.

„…schmerzhaft…“ Und er lügt nicht..und dass zerstört mich. Sein Leid, wird mein Leid und als wäre ich auf dem Weg zu meinem Schaffot geh ich einfach weiter, als wäre nichts gewesen..durch die Türe…die schützend hinter mir ins Schloss fällt und dass Ende meiner Fassung einläutet.

Dann brech ich zusammen, die Gewissheit, dass ich es kein Leben lang ertragen werden nicht von ihm wieder geliebt zu werden lässt mich sterben noch bevor die Sonne aufgeht.

Er wollte für mich stark sein?

Ich bin hier..ganz allein…niemand kann mir Hilfe sein.

Vater, ach Vater..du hättest es nicht besser machen können….nein?

…Die Bleichheit die von unsren Wangen schneit, macht uns wie Engel schön…

..wir werden auf die Knie gehen..und beten dass der Mond verhangen bleibt…

Veröffentlicht unter Eva und die Vampire | Schreibe einen Kommentar

05.Eva und der Liebesbrief

Ein Mitternachsflohmarkt! Noch nie hab ich sowas schönes Gesehen!!!
Wie sich Wege manchmal fügen um dich wohin zu bringen, dass kann schon witzig sein. Eigentlich wollt ich etwas umher streifen und ziellos Leute lesen, vielleicht hätt ich ja jemanden gefunden, der ein wenig blass um die Nase ist….dann könnt ich mich endlich Traditionsgemäß vorstellen…und was ist?… Mir flattert vor die Nase…aus dem NICHTS ( ich schwörs!) So ein Flyer, der mir eben den Weg zu diesem Flohmarkt beschreibt.
Meine Güte. So wie meine Mitschüler früher Weihnachten beschrieben haben, so fühl ich mich. So viele bunte Dinge. Und lustige Lichter. Und viele viele verschieden Menschen, die durch dieses Chaos an Kisten und Autos und Ständen wandern…mit ihren Händen da und dort darüber streichen. Dieses und Jenes …drehen und wenden. Es ist ein riesiger Madenhaufen in dem es würmt und wühlt und ich würd am allerliebsten laut applaudieren weil ich dieses Tohuwabohu ganz schrecklich wundervoll finde!
Für einige Momente bleibe ich etwas abseits und guck nur zu, das ist wie….wenn man auf seinen Löffel ein mächtig großes Stück Schokoeis mit Macadamia Nüssen geladen hat…und es nochmal ansieht..bevor man es vernascht. Schokoeis könnt mich jetzt freilich nicht mehr locken. Aber dieser Markt…der kann.
Ich grinsel, ganz allein für mich und tauch ein in das Meer an Menschen und Farben und Dingen, lasse mich mit diesem Strom treiben mit geschlossenen Augen. Fühle Hände vorbeistreifen und Handtaschen..und Jackenärmel und Kinderhaare…ein Regenschirm. Ein paar rempeln mich an, doch weit falle ich nicht, denn von der anderen Seite kommt ein sanfter Schubs zurück ich nehme es hin und lasse mich führen…von den ganzen Individuen, die völlig seperat agieren und dennoch ein Teil dieses Musters sind.
Wundervoll..nicht wahr?
“He!” Ruft da wer und aus irgendeinem Grund fühle ich mich angesprochen und öffne meine Augen…mich umsehend. Aber…mich hat man wohl nicht gemeint. Wie auch, kenn ja keinen hier. Und weil da niemand ist, mit dem ich reden könnt, schau ich auf den Stand vor meiner Nase. Da sitzt so eine alternative ältere Dame mit bunten Kleidern. So ein bisschen was, hat sie ja von einer Zigeunerin. Eine konservative Zigeunerin. Geht das? Paradoxon? Egal.
Ihr Stand ist ein übergeschnappter Perserteppich. Ein abgelatschter mit eben typischen , verwinkelten Mustern in diesen braunrotgrünsenfblähwurgs Farben. Auf ihm liegen allerlei Bücher deren Buchrücken schon angefressen sind, oder geklebt. Und bunter Tand. Eine Spieldose, eine Taschen uhr. Ein Strauß roter Plastikrosen. Ich muss an so ein Lied denken in dem sich irgend eine Tussi von jemanden Rosen in die Haut stechen lässt….schenk mir Rosen. Es liegen einige Cds rum, auch offensichtlich benutzt. Ein alter Stoffteddy…er sieht aus, wie einer von denen, die noch so ulkig schreien wenn man ihnen aufs Brustbein drückt. Möööhhh. Ein kleiner Handspiegel, der so tut als wär er aus silber…doch die Farbe blättert an einigen Ecken und Enden ab und darunter hats nur ein dunkles Langweiliges Metall…aber irgendwie…. Meine Augen huschen weiter über dieses Paradies und je länger ich darauf guck, desto mehr habe ich das Gefühl, dass all diese Dinge zusammengehören.  Sie wirken so aufeinander abgestimmt. Da liegt ein Fotoalbum und ich kann mich nicht zusammenreissen.
Der Standeigentümerin scheint das ganz egal. Mir nur recht. Ich öffne das Album wie andere eine Schatzkiste….und ein weibchen guckt mich an. Blond. Vielleicht 5 Jahre alt? Das Kind grinst ganz breit, sie freut sich über irgendwas und ich überlege ob ich mit mich früher auch so sehr gefreut hab..und ich frage mich , warum ich kein Fotoalbum hab.
Eine Seite weiter, tobt ein älteres Blondes Mädchen mit einem Mann durchs Bild…ähnlichkeit unverkennbar. Die spielt mit ihrem Papa und mich befällt für eine Sekunde blanker Neid. Schon will ich das dumme Buch weglegen, aber meine Neugierde ist zu groß. Da sind Urlaubsbilder, und Schultüten bilder. Und Gruppefotos und Zeltlager Fotos und Fotos von Weihnachten. Als sie älter ist schon eine richtige Frau, ganz hübsch…find ich…da ist sie mit einem Jungen Mann auf dem Bild, der sie ganz liebevoll hält. Ich glaub, die lieben sich. Ein seltsames Bild. Von denen beiden hats dann noch viele Bilder, auf einem hat sie ein wunderhübsches weisses Kleid an, wie eine Prinzessin sieht sie darauf aus und er wie ein Prinz. Eine Prinzessin mit einem silbernen Spiegel. Das passt …nein?…
Dann kommen Bilder, auf denen man den Prinzen sieht, wie er mit einem anderen Mann rangelt und sich drückt…und Bilder auf denen alle drein zu sehen sind…sie in der Mitte und ihr Blick auf dem Freund vom Prinzen. Die nächste Seite ist leer und die übernächste auch…ich klapp das Fotoalbum zu.
Die Zigeunerin sieht mich an.
“ Willste was davon?”
Ich nicke, das Fotoalbum lass ich gleich nicht mehr los…den Spiegel und den Strauß Plastikrosen pack ich drauf. Drei Dollar will sie dafür haben und die kriegt sie auch von mir.
Auf dem Weg zurück, gilt meine ganze Aufmerksamkeit den Schätzen die ich ergattert habe, halte alles fest an mich gedrückt bis ich daheim bin. So eine Tür wird ganz schön widerspenstig zum aufsperren, wenn man alle Hände voll hat.Und weil der Schlüssel sich nicht drehen lassen will und ich ein wenig dran rumrüttel, fällt mir das Fotoalbum aus dem Arm und es schlägt mit einem lauten ‘Rums’ zu Boden.
Zeitgleich – derSpiegel der bricht.
Zeitgleich –  das Bild von ihr und dem Prinz das fällt.
Zeitgleich – ein Briefumschlag aus dem Album der zu Boden gleitet.
Und über alle dem die roten Plastikrosen verteilt.
Der Anblick trifft mich wie CHAMPs Faust mitten ins Gesicht. Fühl mich betäubt. Würd das alles nicht vor meiner Wohnung liegen, müsst es für alle Zeit so bleiben, so berrauschend schön sieht das aus.
Ich raufe mir die Haare. Dass kann kein Zufall sein. Nein?
Das es daliegt. Wie es daliegt.
Eine Rote Rose auf ihrem weissen Kleid…rot wie Blut. Der Drahtstiel kreuzt den metallener Griff des Spiegels…dessen Gesicht sich zweigeteilt hat. Daneben das Album und ein Weg aus Rosen der meine Blick zu dem Briefumschlag führt. Als hätt es jemand dorthin geordnet um mir was zu erzählen. Ich werd ganz hektisch. Ich muss es aufräumen und kann nicht, weil ich dann das Muster zerstör, und wenn ichs zerstör, dann find ichs vielleicht nicht wieder und das Geheimnis, dass sich mir offenbaren will bleibt für alle Zeiten unerzählt. Was ist ein Märchen wert, dass niemand hört?
Nervös knabber ich an meine fingernägel. Was soll ich tun?
In meiner Unfähigkeit mich zu entscheiden, schlüpf ich nach drinnen und hol einen Kugelschreiber und ein Blatt Papier aus dem Drucker.
Zurück. Dann mal ich.
Ich bin des Malers Tocher – und meine Skizze lässt deutlich zu wünschen über. Von Kunst keine Spur, aber das ist nicht wichtig! ICH sehe durchaus, dass, was ich versuche festzuhalten. Das Muster nämlich. Wie die Handschrift eine Artztes, die so saumäßig ist, dass sie unter Garantie nur er selbst lesen kann. Aber das ist genug!
Dann bringe ich die Dinge in mein ehemaliges Schlafzimmer. Für ein Sekündchen liebäugle ich damit, sie wieder so anzuordnen wie sie waren, doch ich ahne, dass es nur ein billiger Abklatsch wäre. So plaziere ich alles auf dem Bett…nur den Briefumschlag…den behalt ich.
Obs ein Brief an die Prinzessin ist?…oder von?
Der Briefumschlag ist zugeklebt.
Kurz machen sich in mir Bedenken breit, ob ich es wagen kann, ihn zu zerstören, indem ich ihn öffne.
Aber ich war eine artige Schülerin und mein Vater lehrte mich…..sehr intensiv….dass die Oberfläche nur die halbe Wahrheit preis gibt und dass man sie brechen muss um dahinter zu blicken. Das mag weh tun. Aber Schmerz eröffnet neue Welten.
Ich reiss ihn auf und zieh….oh überraschung…einen Brief hervor….

                                                                                                                                                                                               NY Januar 1999

Hallo
 
Ich sitz‘ hier nun schon ‚ne ganze Weile und weiß garnicht so recht, wie ich anfangen soll.  Ich werde einfach versuchen zu schreiben, was mir  durch den Kopf geht, also nicht wundern, wenn irgendwas nicht wirklich zusammenhänged klingen will. Trag mich schon länger mit dem Gedanken, dir zur sagen, schreiben oder wie auch immer, dir mittzuteilen welche Art von Gefühlen ich für dich hege.
Wir kenen uns  nun doch schon ein weilchen und es war schon immer so, daß du mir gefallen hast. Aber…. die Art und Weise, in der ich an dich denke hat nichts mit gefallen oder befreundet zu tun. Ich weiß nicht, wie in aller Welt das passieren konnte, doch es sieht wohl so aus, dass ich mich in dich verliebt habe. Oh ich habe viel darüber nachgedacht. Ob es nicht einfach so ist, dass ich dich haben will, weil ich dich nicht kriegen kann (denk ich halt), dann muß ich jedoch sagen, dass ich sehr hartnäckig bin, denn du lebst schon seit bald zwei Jahren in meinem Kopf – wenn das nur einbildung ist, dann weiß ich auch nicht. Weißt du, jeden Tag an dich zu denken wär  schon okay, ich hatte mir ein gutes System entwickelt um das einfach zu akzeptieren, es einfach nicht derart ernst zu nehmen, aber nun bin ich an einem Punkt angelangt, an dem das nicht mehr  funktioniert, wie ich mir das vorstelle. Teufel auch…
Ich habe in meinem Kopf tausend Geschichten geschrieben, beim einschlafen, beim Autofahren, wann immer ich Zeit hatte und in allen warst immer nur du der Mittelpunkt. Ich hab mir wirklich viel ausgedacht, wie ich dich ‚bekommen‘ könnte, wie ich verführen würde oder berühren oder in deinem Arm liegend und Frieden verspüren. Aber ich wagte es nie sie zu verwirklichen, denn wenn du nicht so fühlst wie ich könntest du es womöglich besser finden, wenn wir uns eine Weile nicht sehen. Oder schlimmer noch, es ginge dir wie mir. Du würdest meine Gefühle erwiedern, dann wär ich noch viel mehr aufgeschmissen, denn dann wäre das, wonach sich mein herz zu sehnen scheint zum greifen nah – und ich würde wohl schwach werden. Für die Vorstellung in deinem Arm zu
 liegen, könnt ich sterben. Mir werden die Knie schwach, wenn ich daran denke die Wärme deines Körpers zu spüren, wenn du mich küsstest würde mein Atem stillstehen und mein Herzschlag verstummen, nur damit ich die Zeit anhalten könnte und du nie mehr von mir läßt.
Du glaubst garnicht wie anstrengend es ist heimlich verliebt zu sein. Jeder Deiner Gesten und Blicke wieder und wieder zu überarbeiten, ins Detail auseinander zu nehmen und wieder aufzuarbeiten nur um einen kleinen Hinweis zu finden der darauf deuten könnte, dass du mich magst. Nur um im nächsten moment festzustellen das es wahrscheinlich doch nur freundlichkeit oder vielleicht Freundschaft ist. Was heißt nur Freundschaft. Ich hab mir manchmal überlegt dir einfachzu erzählen wie ich fühl, dass ich deine nähe such und mich bei dir wohl fühle, ohne irgendwelche Forderung an dich zu stellen. Vielleicht würdest du mir ja denn gefallen tun und mir die Nähe geben die ich mir wünsch – aus Freundschaft.Dann wieder dachte ich, wenn es nur neugierde ist die mich treibt, vielleicht sollte ich es einfach durchziehen und dich verführen, womöglich wärst du nicht abgeneigt, aber ich bin nicht der richtige Mensch um das zu tun. Und wenn es uns gefallen würde? Oder wenn du mich doch gern hättest, mir läge nichts ferner als ausgerechnet dich für ein ‚spiel‘ zu mißbrauchen. Außerdem bin ich mir doch sicher, dass ich es nicht verkraften würde. Denn ich kann mir diesen Unwust an Emotionen doch nicht wirklich einbilden! Wenn ich an dem Gefühl für dich zweifeln muß, müßte ich noch ganz andere Sachen in meinem Leben neu betrachten. Nun gut. Jetzt ist es soweit, dass ich nicht mehr weiter weiß, mein Gefühl für dich zerreisst mich innerlich. Ich breche urplötzlich in Tränen aus , weil ich so verloren und hilflos fühle. Und kein Ufer in sicht, denn wie ichs mach, mach ichs falsch. Jetzt hab ich mich für die ehrlichste aller Lösungen entschieden, und ich denke es ist gut so.  Es gäbe wohl noch viele Sachen, die ich noch zu schreiben hätte, aber es wird Zeit um mich auf den Weg zu machen. Hab  noch was vor heute. So viel sei noch gesagt, Ich denke in Liebe an dich

                        
Du wohnst ganz nah an meinem Herzen
wann immer ich die Augen schließe, seh ich dich
und manchmal wenn ich träume fühle ich dich…
…und dann möchte ich nimmer aufwachen.

                          In Liebe
                                           Deine
                                                         Anna

Ich les den Brief einmal. Zweimal. Fünfmal. Zehnmal.
Ungeschickte Liebesbriefe.
Dann blättere ich wieder durch das Fotoalbum. Auf einem Foto, schon gegen Ende, das nach Geburstag aussieht…da umarmt sie den Freund und dahinter auf einem Tisch liegt ein Strauß Plastikrosen auf einem eingewickelten Geschenkt….dass…..für mich….verdammt noch mal…nach einem kleinen Handspiegel aussieht.
In meinem Kopf öffnen sich Türen…die mich…auf neue Wege führen. Ich verstehe. Die Prinzessin, die Anna heisst…ist Helena und ihr Prinz mein Vater und der Freund…das ist mein Lehrer…nicht wahr?
Ich lasse mich zurücksinken auf mein Bett…ich fühle mich als hätte mir jemand Scheuklappen abgenommen und ich bin mir nicht sicher, ob ich wissen wollte was ich jetzt weiß. Meine Hand liegt auf ihrem Brief und ich fühle die Tinte auf dem Papier und weil mir gerade so seltsam zumute ist lasse ich mich gehen und ihre Buchstaben, werden unter meinen Fingerspitzen zu Bergen….ich erfühle….nicht was sie schreibt…sondern wie sie es schreibt…..wo sie…nachdenkt….den Füller still hält…wo sie mit dem Schreiben fast nicht hinterher kommt und die Tinte nur ganz dünn ist, weil die Worte aus ihr herausfließen. Und während ich das tu, verliert sich das Papier und es fühlt sich silber an, so silber dass mir mein Herz schmerzen will und ich Leid empfinde, dass nicht das meine ist, ich kann mich nicht wehren und fall in ihr silber rein und während ich hineinfalle, steigen Bilder auf..an mir vorbei……. Ein Blick in ihren Spiegel….rote verquolle Augen….. Ihr Schreibtisch, auf dem eine Klinge liegt….ein Papierkorb in dem sich leere Tablettenschachteln tummeln….ihr Bett mit einem Teddy darauf….hinter diesem Silberschleier…Milchglasscheiben… Ich will mir wehtun um dieses Leid zu beenden.
Nein, länger ertrage ich es nicht. Meine Hand zittert, als ich Anna schreibe….dann ist es vorbei…….und ich starre an meine Zimmerdecke.
Fühl mich aus mir rausgerissen.Haltlos.Leer.
Nicht schön.
Den Brief fege ich von meine Bett….erhebe mich mit einem Ruck und sehe mich selbst im Spiegel des Schlafzimmerschrankes. Der Anblick gefällt mir nicht. Seh nicht weich aus. Seh nicht lieb aus. Hab Hunger.
Richtig…Hunger.
Ich widersteh dem Drang etwas nach dem Spiegel zu werfen, stattdessen schnapp ich mir den Haustür schlüssel und geh nochmal aus.
Heut wird was aus dem Park herhalten müssen, bis ich mich ruhig getrunken hab.
Bis ich mich wieder gefunden hab.
Bis ich nimmer leer bin. Bis ich wieder Eva bin.

Veröffentlicht unter Eva und die Vampire | Schreibe einen Kommentar

Helena Schwarz

Regensburg, Januar 1915
Klause St. Vitus zu Prüll

“Frau  von Rappard – oder möchten sie lieber bei ihrem Mädchennamen genannt werden?”
Der Herr im dunklen Frack lehnte sich in seinem Ohrenbackensessel zurück. Seine Hände strichen, das ohnehin streng nach hinten frisierte  – etwas zu lange – blonde Haar ein weiteres Mal zurück und falteten sich danach in seinem Schoß.
Die angesprochene Dame mochte vielleicht Mitte 20 sein. Sie trug ein altbackenes beges Hauskleid, ihre Hände lagen untätig auf der Armlehne eines Stuhles, welcher vor einem Schreibtisch stand, hinter dem der Fragende seinen Platz gefunden hatte. Ihr Blick gen Fenster gewandt wirkte sie abwesend – beinah schon unecht. Dennoch folgte eine Erwiderung, wenn auch verspätet, als wäre sie gerade aus dem Schlaf erwacht.
“Frau von Einsiedel bitte…Doktor Engel, das wäre mir angenehm.”
Das Lächeln in ihren Mundwinkel, war weich und freundlich – charmant mochte man es schon fast nennen oder auch lange einstudiert./Whatever comes first/
Der Arzt nickte zustimmend und ließ sich Augenblicke Zeit, um die Dame mit dem dunken langen Haar zu betrachten. Klein, verletztlich, ganz Frau oder auch Dame. Ihre Stimme hielt sie gemeinhin gedämpft samtig, doch er ahnte, dass sie zum gegebenen Zeitpunkt auch andere Nucancen aufwarten konnte.
“Natürlich Frau von Einsiedel….ich möchte heute mit ihnen über ihre Freundin sprechen. Frau Schwarz… sie….sie erinnern sich doch an Frau Schwarz?”
“Helena….” Bis auf ihre Lippen hatte sich nichts bewegt.
“Ja. Frau Helena Schwarz. Sie….sie war doch ihre Freundin…nein?”wiederholte der Arzt und seine Fingerspitzen erhoben und senkten sich der Reihe nach, als wolle er etwas Greifbares haben, um das vergehen der Zeit beobachten zu können.
Die Angesprochene nickte, verharrte noch als wolle sie etwas zu Ende beobachten, um sich schlussendlich doch dem Mann ihr gegenüber zu zuwenden.
“Ich erzähle ihnen gerne von ihr Doktor. Helena war mir mehr als nur eine Freundin, sie war mir eine Schwester. Sie wurde 1 Jahr, 1 Monat und 1 Tag nach mir in unserem Haus in Dresden geboren. Der…der neunte Februar 1893 als einzige Tochter von Erika und Ludwig Schwarz. Ludwig kümmerte sich um unseren Garten und Erika arbeitete in der Küche. Obwohl ich noch weitere Geschwister hatte, war es doch Helena, mit der ich meine Zeit verbrachte. Vielleicht lag es am Alter, vielleicht daran, dass ich mit einem echten Baby spielen konnte….vielleicht auch nur an den vielen Gemeinsamkeiten, die wir teilten. Meine Eltern, waren…sind..sehr modern eingestellt, sie hatten nichts dagegen, dass ich mit dem Kind unserer Bediensteten spielte. Es täte mir gut Einblicke in das einfache Leben zu haben. Zumindest, solange ich jung war. So kam es, dass ich manchesmal mit ihr bei ihren Eltern speiste und ich mochte es sehr. Erika war eine sehr gute Köchin und legte Wert auf ein sauberes Zuhause. Und im gegenzug überlies ich Helena großzügig meine abgetragenen Kleider – wir hätten sie ohnehin nur weg geworfen.”
Frau von Einsiedel wandte ihre Blick wieder vom Doktor ab, um ihn zu dem großzügigen Fenster des einfach eingerichteten Raumes zurückkehren zu lassen, dann fuhr sie fort zu sprechen.
“Auch als wir älter wurden, profitierten wir voneinander. Ich war so verrückt nach ihr, dass ich sie nicht mal zurücklies, um den von meinen Eltern aufgetragenen Pflichten nachzukommen. So wurden ich wie sie gleichermaßen unterrichtet, von dem Lehrer, den mein Vater für uns Kindert angestellt hatte. Mein Vater war ein Freund von gebildeten jungen Damen. Nicht etwa, das Damen den Herren überlegen sein sollten, aber er empfand es als angebracht, das eine Frau ihrem Manne in einem intellektuellem Gespräch folgen können sollte. So investierte er gutes Geld in meine und somit auch in Helenas Ausbildung. Ohne mich, wäre einem Kind ihres Standes niemals derartiges Wissen zu Teil geworden. Wir waren beide fleissige Schülerinnen und hatten Freude am Wissen. Erika sah das mit großem Stolz, so hoffte sie wohl, dass aus ihrem Kinde vielleicht mehr werden würde, als nur eine Köchin.
Als wir, vielleicht 12 Jahre alt waren, oder 13…rissen wir einmal von zu Hause aus. Wir gaben uns als Schwester aus und sangen und ertanzten uns im nahegelegenen Dorf Geld, um Süßigkeiten kaufen zu können. Es war Helenas Idee gewesen, doch als mein Vater uns erwischte, behauptete ich, ich hätte sie überredet um zu verhindern, dass er mir womöglich den schlechten Einfluss entzog. Helena und ich hatten viel Spass daran und ähnlich zu kleiden und zu gebärden. Aufgrund unserer äusserlichen Ähnlichkeit war es nie weiter schwer uns als Schwestern aus zu geben. Es war…es war uns das liebste Spiel…”
“Wie war sie………….Natalie?”Die Stimme des Arztes klang leiser, fast samtig. Die junge Frau reagierte mit keinem Wort auf die unangebrachte persönliche Anrede, sondern überlegte nur, um ihm seine Frage beantworten zu können.
“Wie sie war….meine Güte…wissbegierig, fast schon fanatisch in ihrem Drang alles zu erfahren. Sie…sie wollte eine große Schriftstellerin werden und viel Geld verdienen, um sich dann auch ein großes Haus leisten zu können. Sie träumte davon berühmt zu sein und natürlich auch von einem reichen Prinzen der sie heiraten würde. Sie war ehrgeizig, aber nichts desto trotz immer freundlich  und höflich…ein…ein Mensch dem man sich gerne anvertraut. In ihrem Arm fand ich immer Trost und Wärme, egal welcher Schrecken mich plagte. Es…es war sehr leicht sie zu mögen, Doktor Engel. Sie macht es einem leicht sie zu mögen…das…das mag wohl eines ihrer größten Talente sein.”
“…und…ihre Schwäche? Wie…stands..mit ihren Schwächen?”
Es war nur ein kurzer Blick, den Natalie von Einsiedel dem Mann zuwarf, dann suchte sie die Antwort draussen vor dem Fenster.
“Sie hielt sich für klüger als sie …war.Selbstüberschätzung wohl.”
“Wie verlief ihre Freundschaft im Weiteren Frau von Einsiedel.”
“Als ich 17 und sie 16 Jahre alt waren, nahm sie mich einmal heimlich mit ins Dorf, auf ein Treffen von Studenten. Wir machten und hübsch zurecht und verdrehten den jungen Männern arg den Kopf. Wir tranken Alkohol und……….ja…wir trieben es wohl etwas zu weit. Einen der Männern, von denen niemand wusste wer ich wirklich bin, den………..den hatte ich wohl allzusehr in seinem Tun bestärkt – ich glaub , es mochte an meiner Berauschtheit gelegen haben. Er….er zerrte mich in den Hof des Gasthauses und wollte mir meine Unschuld rauben..ich…ich war so trunken, dass ich es ihm beinahe gestatten wollte…beinahe…doch als es Ernst wurde…wurde mir Angst und ich rief um Hilfe und Helena war es, die ihn einfach niederschlug mit..mit einem Holzscheit. Obwohl sie genausoviel getrunken hatte wie ich, besaß sie die Geistesgegenwart, um richtig zu reagieren. Meine Dankbarkeit kannte keine Grenzen. Wir stahlen uns zurück in unser Haus und wie der Teufel es wollte, erwischte uns mein Vater wiederum. Er war so wütend, dass er mir beinahe mehr Angst machte, als der Student dem ich mit Müh und Not entkommen war. Und wieder nahm ich alle Schuld auf mich um Helena zu schützen, so..so wie sie mich geschützt hatte und mein Vater erfuhr nie was wirklich draussen geschehen war, ausser das wir uns zum trinken davon gestohlen hatte. Er verpasste mir Wochenlange Hausarrest und füllte meine Freizeit mit Benimm unterricht – auch dieses Leid teilte meine Freundin in jedem Moment mit mir. Je älter wir wurden, desto öfter äusserte Ludwig seinen Unbill über die Freundschaft seiner Tochter mit mir. Er glaubte, es bekäme ihr nicht, ständig zu sehen, was nie das Ihre sein würde. Es würde nur falsche Hoffnungen in ihr wecken und würde es ihr schwer machen, die Frau eines anständigen einfachen Mannes zu werden. Damals tat ich seine Bedenken als Blödsinn ab und tröstete meine Freindin, wenn sie traurig oder wütend war wegen ihm. Oder verteidigte sie. “
“Damals…und…wie denken sie heute darüber?” fragte Doktor Engel nach.
“………….nun ja..vor…5 Jahren erfuhr ich dann, dass ich heiraten sollte. Herrn Curt von Rappard…”
Der Arzt quitierte das nicht-beantworten seiner Frage mit einem hochziehen der Augenbraue, überlies das Wort aber weiterhin seiner Gesprächspartnerin.
“ Dieser Umstand veränderte alles. Helena. Helena freute sich sehr für mich, sie war fast aufgeregter als ich selbst. Wir trafen viele Vorbereitungen und im Juli 1911 sollte ich meinen zukünftigen Ehemann zum ersten Mal treffen. Ganz unverfänglich und privat. Und als eine Art Abschiedsgeschenk, bezahlte mir mein Vater eine Reise durch Europa, die eben mit jenem Treffen enden sollte. Reisen bildet und ich sollte meine Freude daran haben.”
Natalie holte tief Luft, der Doktor schwieg – wohlwissend.
“Natürlich begleitete Helena mich. Auch für sie war es ein Abschiedsgeschenk, denn in meine Ehe würde sie mich nicht hineinbegleiten. Dennoch war sie voller Optimismus. Ausser Helena befand sich noch ein älterer Herr im Vertrauen meines Vaters in unserer Begleitung, zu unserem Schutz. Sigmund Stolzer. So reisten wir durch Italien, Griechenland. Durch die Türkei, England, Östereich. Wir verbrachten beinahe 6 Monate nur reisend, bis wir schließlich mit dem Zug von Basel nach Mühlheim fuhren, damit ich dort Curt kennen lernen konnte……
Das…….das war….der 11 Juli…….der 11 Juli 1911. “ Die Sprecherin schwieg einige Momente und ihr Blick entrückte etwas mehr.
“…später sagte man, der Zuführer hätte getrunken und einfach das Signal verpasst. 14 Menschen starben bei diesem Unglück….unter ihnen Helena.”
Natalie seufzte und sah den Arzt wieder an.
“Sie war gerade mal 18 Jahre alt.”
Der Doktor nickte einfühlsam, wenn man so wollte. Ein weiteresmal hoben und senkten sich seine Fingerspitzen und er lies seiner Patientin Zeit diesen schlimmen Moment gebührend zu würdigen.
“…was geschah danach Frau von Einsiedel?”
“Ich…ich blieb wie durch ein Wunder unverletzt. Auch Sigmund hatte…hatte es nicht geschafft… Curt, der mich am Bahnhof erwartet hatte, nahm mich zu sich und stütze mich in dieser schweren Zeit. Ich…ich weiß bis heute nicht, ob er mich wegen der schlimmen Umstände bat, noch vor dem geplanten Termin seine Frau zu werden. Aber ich nickte. Es war mir eine willkommene Ablenkung. Wohl wissend, dass mein Vater darüber ungehalten sein würde. War doch unsere Eheschließung ein Jahr später geplant. Eine Hochzeit will vorbereitet sein, so hielten wir es größtenteils geheim. Wir waren uns einig die offizielle Hochzeit stattfinden zu lassen. Es ist eine Frage von Prestige, wer auf wessen Feier eingeladen ist und wir wollten die Planung unserer Eltern nicht durcheinander bringen.
Wir informierten sie jedoch über die Wahrheit, das waren wir ihnen schuldig. Ich…ich kehrte nicht nach Hause zurück, auch nicht zu einem kurzen Besuch”
“Darf ich mich erkundigen weswegen sie es vorzogen bei ihrem Ehemann zu bleiben?”
“Natürlich. Curt war mir Halt und…und die Vorstellung, welche Erinnerungen mich daheim quälen würden, hielten mich davon ab. Ich wollte nur nach vorne blicken. Nicht zurück.”
“Ich verstehe…”
Die junge Frau nickte und schwieg im Weiteren, bis der Arzt erneut das Wort erhob.
“Frau von Rappard…”
“Frau von Einsiedel bitte…”korrigierte sie ihn leise.
“…vielleicht doch besser Frau Schwarz?” Seine Stimme klang nach wie vor höflich und sachte – seine Patientin schwieg.
“…wie ich sehe ziehen sie es vor ihre Stimme etwas zu schonen. So werde ich für sie weiter erzählen, bitte verbessern sie mich, wenn ich falsch liege.” Doktor Engel setzte sich auf, überschlug die Beine und sah nun, ebenso wie seine Patientin aus dem Fenster.
“Wie auch immer sie es schafften, die Eltern ihrer Freundin davon abzuhalten vor der offiziellen Hochzeit mit dem Herren von Rappard anzureisen – letztendlich lies es sich nicht vermeiden. Und wenn es ihnen auch ein leichtes war, sogar flüchtige Bekannte davon zu überzeugen, dass sie Natalie von Einsiedel sind – schließlich kannten vermutlich nicht mal ihre Elter sie so gut wie Sie – war es natürlich unmöglich Natalies Eltern zu täuschen. Der 10 August 1912. 8 Tage vor ihrer Hochzeit.Es kam, wie es kommen musste zum Eklat. Sie waren genötigt ihrem Eheman die Wahrheit über ihren Betrug zu gestehen, dass er eben nicht Natalie von Einsiedel sondern lediglich ein Mädchen aus einfachem Haus geheiratet hatte. Seine Enttäuschung war groß, doch viel schlimmer war es beiden Elternteilen, an dieser Hochzeit hing beiweitem mehr, als nur die zusammenführung zweier Familien. Es ging um geschäftliche Kontankte. Gesellschaftliche Interaktion. Wäre die Wahrheit bekannt geworden, hätte das Folgen unbekannten Ausmaßes gehabt. So kam man überein, dass sie ihr Spiel weiter spielen sollten. Da Natalie bei dem Zugunglück verstorben war, mussten sie an ihrer statt verbleiben, um nicht alles ins Wanken zu bringen…………jedoch…”
Auf dem Gesicht des Arztes spiegelte sich ein fast schon boshaftes Lächeln.
“Jedoch war man nicht glücklich mit dem Umstand und auch nicht gewillt, sie als Betrügerin auch noch….gewinnen zu lassen…nicht wahr?”
Helena schnaubte leise, spöttisch.
“Ein Freund der Famlie – Doktor Heinz Schultes..” führte sie seine Erzählung fort. “ diagnostizierte mir eine Paranoia. Ich hatte fortan Probleme in größeren Menschenmengen und war genötigt mich von gesellschaftlichen Ereignissen fern zu halten. Ich verließ das Haus nur noch selten. Curt, war derjenige, der mich noch am besten behandelte. Er hatte sich in mich verliebt. Doch auch er nahm mir meinen Betrug übel. Ein Jahr nach meiner offiziellen Hochzeit geschah es dann…”
Doktor Engel beugte sich aus seinem Sessel vor, der Sprecherin entgegen, des kommende schien von Interesse für ihn zu sein.
“Was geschah dann ?”
“Es war der Abend vor unserem offiziellen Hochzeitstag, da kam ein………..ein weiterer………Freund der Familie um meinen Gatten zu besuchen. Anton Götzen, ein…ein junger arroganter Mann. Groß und schlank. Ich fand ihn von der ersten Sekunde an abstoßend.”
“Anton Götzen…so so.” wiederholte der Arzt und in seinen Augen blitze es.
“Es war……….alles sehr seltsam.” Die Augenbrauen der jungen Frau zogen sich zusammen, nachdenklich. “ Curt lies mir ausrichten, ich  solle für ihn und seinen Besuch Tee servieren, es war kurz vor Neun als ich  das Arbeitszimmer meines Mannes betrat. Herr Götzen, saß in Curts Stuhl an Curts Schreibtisch, als wäre dies alles Seines und mein Mann abseits auf der kleinen Couch für Besucher den Kopf gesenkt. Es war so absurd. Curt ist ein stolzer Mann.”
Sie schüttelte in Gedanken ihren Kopf.
“Wie ging es weiter?” bohrte der Arzt weiter, nicht gewillt sich ablenken zu lassen.
“ Herr Götzen bat mich, den Tee abzustellen und zu ihm zu kommen. Ich weiß noch, wie ich Curt fragend ansah, ob ich dem Herren wohl zuwillen sein sollte, doch dieser schien mich …garnicht wirklich wahr zu nehmen. So kam ich der Aufforderung nach und..und mit jedem Schritt den ich näher tat wurde mir mehr bang. Dieser junge fremde Mann hatte etwas beeindruckende an sich, dass ich nicht an ihm sehen wollte, nichts desto trotz konnte ich mich diesem Umstand nicht entziehen. Er………”
Helena zögerte, als hätte sie Schwierigkeiten ihre Erinnerung in Worte zu fassen. “….er teilte mir sein Mitgefühl ob meiner Umstände mit und lies mich wissen, dass er zu meinem und zum Wohl der Familie einen Therapieplatz besorgt hätte..in…in Regensburg. Dort würde ich die richtige Behandlung erfahren….wegen meiner….Paranoia….” Abermals schüttelte sie den Kopf und blickte den Doktor schon fast fragend an. “ Er bat mich meine Koffer zu packen, weil ich noch in der gleichen Nacht hier…hier her gebracht werden sollte. Als als die Türe hinter mir in Schloss fiel, schlug die alte Standuhr im Erdgeschoß wie ein schlechtes Omen….”
Jetzt war es an dem Arzt zu schweigen, er lehnte sich zurück – Helena musternd.
Minuten später sprach er weiter.
“Sie haben keine Paranoia.”
“….ich weiß Doktor Engel.”
“Und sie leiden auch nicht an einer dysfunktionalen Persönlichkeit Frau Schwarz…”
Helena hob ihren Kopf etwas an, lies das Fenster jedoch nicht aus den Augen.
“Bitte?”
“Sie liesen die Menschen um sich herum glauben, sie hielten sich für Natalie, weil es leichter für sie war, als verrückt bezeichnet zu werden, denn berechnend.”
“Zu diesem Schluss kamen sie also bei ihren Untersuchungen…” erwidert sie leise, nicht getroffen…eher ergeben. “Meine Mutter…fiel mir in den Rücken, da sie sie behauptete, ich wäre nicht  ihr Kind.”
“Frau Schwarz….”
“Frau von Einsiedel bitte…”
“Frau Schwarz, ihre Konsequenz in allen Ehren. Glauben sie mir, ich finde ihre Bemühungen mehr unterhaltsam als verurteilenswert. Sie haben aus ihrem Leben mehr gemacht, als jemals für sie geplant war. Ich bewundere sie…doch………………bitte….beleidigen sie mich nicht indem sie mir unterstellen ich wäre nicht in der Lage eine hervoragende Schauspielerin von einer tatsächlich gespaltenen persönlichkeit zu unterscheiden….”
Helenas Augen verengten sich um Milimeter, ihre Schulter sanken und ihr Kopf hob sich, als sie sich in ihrem Stuhl zurück lehnte um ihr Gegenüber zu betrachten, anstatt des Fensters. Sekunden später verlor sich der Eindruck und sie lächelte warm und verletzlich.
“Nichts desto Trotz sitze ich hier bei ihnen…in einer Anstalt für….psychisch gestörte Menschen….Herr Doktor Engel.”
“Nennen sie mich doch Elias liebste Helena…”
“Wie sie wünschen Elias.”
“Wir haben noch Zeit Helena….sagen sie..wie oft schlug die Uhr, als sie das Arbeitszimmer ihres Gatten verliesen?”
“Mitternacht. Ich erinnere mich genau daran, weil ich mir noch dachte, ich verlasse zur Geisterstunden mein Leben…”
Diese Worte lösten im Gesicht des Arztes ein nahezu triumphierendes Lächeln.
“Sie betraten kurz vor Neun, die Räumlichkeiten unterhielten sich kurz und als sie wieder gingen schlug die Uhr zwölf mal?”
Helena überlegte lange und nickte schließlich stirnrunzelnd.
“…vielleicht…vielleicht ging die Uhr falsch….”mutmaßte sie nachdenklich.
“…Sie meinen jemand hat sie in diesen Zehn Minuten vorgestellt?” Elias schüttelte seinen Kopf. “Ich denke nicht Helena.”
Hilflos hob sie ihre Schultern. Der Arzt sprach die Wahrheit und dennoch konnte sie in ihren Gedanken nichts Anderes finden, als jene Erinnerungen, von denen sie ihm bereits berichtet hatte.
Doktor Elias Engel erhob sich von seinem Sessel und begab sich zu einem kleinen verschlossenen Schränkchen aus welchem er eine Spritze und eine Ampulle mit farbloser Flüssigkeit entnahm.
“Machen sie bitte ihren rechten Arm frei Helena…” bat er sie, während er fachmännisch die Spritze aufzog.
Sie folgte seiner Anweisung verunsichert.
“Ist…ist das eine Medizin Herr Doktor?”ihre Stimme klang ängstlich.
“Diacetylmorphin…”erklärte er beiläufig. “ Es ist seit gut 15 Jahren auf dem Markt – eigentlich wird es eingesetzt um Hustenkrämpfe zu lindern oder auch Koliken. Sie haben bestimmt schon davon gehört Helena. Bayer bewirbt es seit Jahren unter dem Namen Heroin…”
Erkenntnis spiegelte sich in ihren Augen.
“Ja ich habe davon gehört” Ihr Blick fiel auf die Spritze. “Ich dachte jedoch es würde oral verabreicht…”
“Gemeinhin ist das auch richtig Helena.” Er schnipste mit dem Zeigefinger die Luftblasen aus der Spritze, lies ein wenig der Flüssigkeit aus der Nadel quellen und betrachtete den Glaskörper fachmännisch gegen das künstliche Licht. “Dies hier ist nur etwas anders verarbeitet. Intravenös verabreicht wird dieses Opiumderivat ihnen helfen, die Grenzen ihrer Erinnerung zu überschreiten und ihnen vielleicht den Zugriff auf die Wahrheit ermöglichen.” Elias umging den Schreibtisch, blieb bei Helena stehen, beugte sich hinab und ergriff ihren Arm. Seine Finger fühlten sich im ersten Moment kühler an, als sie vermutet hätte.
“Die..die Wahrheit? Was meinen sie mit…der Wahrheit?”
Als die Nadel ihre Haut durchdrang zuckte sie zusammen – nicht viel, nur genug, um ihn wissend zu lassen, dass sie es gespürt hatte.
“Der _ ehrenwerte _ Herr Götzen ist der jüngste Spross einer alten Freundin von mir. Maria Dallmayr.” Der Spott in in seiner Stimme war nicht zu überhören, wenn auch ein Grad an Respekt mitschwang.” Herr Götzen, so denke ich, manipulierte ihr Gedächtnis mittels…ja…sagen wir Hypnose…”
Als die Körperspannung sie verließ sackte Helena langsam in dem Stuhl nach unten, sie blinzelte mehrfach in dem Versuch ihren Gesprächspartner zu focusieren.
“Was…? Hypnose?…das….daswasfür Scharlatane…”Ohne dass sie etwas entgegensetzten konnte verlor sich ihre Wahrnehmung – gedämpft durch die verabreichten Drogen.
Elias lachte auf, viel zu laut in ihren Ohren.
“Ja. Ein Scharlatan und Stümper, aber sie und ich werden herausfinden, was er zu vertuschen suchte….nein?”
“Nein??”Fragendes Kopfschütteln.
Der Arzt nahm Helenas Gesicht vorsichtig in seine Hände und zwang sie sachte ihn anzusehen.
“Die Uhr schlug Zwölf. Sie schlug gewiss auch Elf. Erinnern sie sich?”
“Nein…ich….”
“Die Uhr schlägt Zwölf und hinter ihnen fällt die Tür ins Schloss. Ein Schritt zurück Helena. Sie kommen aus dem Arbeitszimmer ihres Mannes…was ist geschehen?”
Ihre Stimme klang schläfrig, verwirrt.
“Herr Götzen, sagt mir, dass draussen ein Wagen auf mich wartet….ich…ich werde jetzt meine Koffer packen und dann…dann fahre ich…”
“Wie fühlen sie sich…?”
“Mein Körper schmerzt, aber…aber ich weiß nicht warum…”
“Die Uhr schlägt dreiviertel zwölf…” Helena nickte. “Was fühlen sie?”
“Ich..ich habe Angst…..Wut….ich fühle mich….müde…schwach..ich…”Ihre Stimme brach.
Elias drückte ihre Hand, beugte sich näher zu der Frau vor ihm und flüsterte.
“Warum sind sie wütend Helena, was macht sie so wütend?”
“Ich….ich…” Stockte sie…stotterte sie..ihre Augenlider flatterten, schlossen sich schließlich ganz und ihre Mimik wurde glatt und ausgeglichen, als schliefe sie nur.
“Die Uhr schlägt Neun, ich stelle das Tablett mit dem Tee auf den Schreibtisch meines Gatten, an dem diese Person sitzt. Er begrüßt mich höflich....er begrüßt mich höflich.
“Guten Abend Frau Rappard, ich warte schon lange darauf sie kennen zu lernen.”Götzen, Anton Götzen. Er stellt sich mir nicht vor, aber ich weiß, dass der Besuch meines Gatten diesen Namen trägt. Ich entbiete ihm meine Hand zum Kuss, die er ignoriert. Meinerseits übergehe ich diese Unhöflichkeit und nicke ihm zu.
“Guten Abend, Herr Götzen, es ist mir eine Freude.”
Er ist mir gleichermaßen unangenehm wie faszinierend, so fällt es mir nicht schwer ihn warm und freundlich anzulächeln. In seinen Zügen finde ich nur angedeutete Abscheu und Spott.
“Sie sind also die Person, der ich den ganzen Ärger verdanke..”bemerkt er in einem blasierten Ton der mir sofort aufstößt. Wiederum übergehe ich seine Aussage, ich wüsste nicht, was ich mit ihm zu schaffen hätte.”Meine Mutter ist über die Maßen ungehalten über den Verlauf dieser Vereinbarung zwischen der Familie Einsiedel und Rappard. Sie machte es MIR zum Vorwurf. Ich hätte nachlässig gehandelt, schlecht gearbeitet – mich unwürdig verhalten.” Jetzt spiegelt sich unterdrückter Zorn in seinem Antlitz – es….es macht mir Angst. Ich schweige.
“Aber langer Rede, kurzer Sinn. Ich bin hier und heute gekommen um diesen Fehler wieder aus der Welt zu schaffen und….” Sein Lächeln ist zweifelsohne sadistisch. “um ihnen zu….danken…”Das letzte Wort trieft vor Ironie. Ich bin verunsichert.
“Verzeihen sie?” frage ich mit leiser Stimme, ich sehe auf und ihn an…ihm gar in die Augen. Mein Blick straft meine schüchterne Frage lüge. Es steht ihm wirklich nicht zu mich derart zu behandeln.
Götzen erwidert den Blick, dann mustert er mich abschätzend und ich fühle mich nackt in seinen grauen Augen.
“Mitnichten. Sie sind eine infame Betrügerin und ich werde ihnen zeigen, was es bedeutet ein Spiel mit einem König zu spielen.”
“König?” Ich bin mir sicher er hat den Verstand verloren, dennoch ist da etwas an ihm…aber ich lasse mich davon nicht beeindrucken.” Hören sie, Herr Götzen. Ich weiß nicht, was sie glauben macht, sie hätten das Recht sich derartig mir gegenüber zu äussern, aber sein sie sich versichert. Was sie über mich denken, interessiert mich einen feuchten Kehricht. Ich werde mich an dieser Stelle zurückziehen und erwarten sie nicht von mir, das ich zu ihrer verabschiedung komme….ich”
“SCHWEIGEN SIE!”fällt er mir ins Wort und ich habe dem nichts entgegen zu setzten und schweige. Beinahe verwundert, dass ich nicht wage ihm zu widersprechen. Beinahe fasziniert es mich.
“Sie werden noch heute dieses Haus verlassen, Frau…Schwarz…” fährt er in einer kühlen Tonlage fort, dann sinkt seine Stimme und die folgenden Worte lassen mich Schlimmes ahnen.”…doch zuvor, werden sie mir, für die Umstände die sie mir bereiteten noch gefällig sein…”
Ich möchte aufschreien. Ich weiß wohl, was Männer erwarten, wenn Frauen gefällig sein sollen und ich wünsche das nicht. Widersprechen will ich und aufbegeheren doch meine Lippen bleiben versiegelt.
Hilfesuchend ruckt mein Kopf herum, nach meinem Gatten Ausschau haltend. Dieser erhebt sich und verlässt den Raum. Er lässt mich allein mit diesem Ungeheuer und das erstemal in meinem Leben wird mir Angst und Bang, von grundauf. Abwehrend schüttel ich meinem Kopf, wieder zu..zu diesem Manne sehend. Sein Lächeln ist verächtlich.
“Glauben sie bloß nicht, ich würde mich dazu herablassen sie mit meiner Nähe zu beglücken…”
Aber was..was …was wird das sonst?
So stehe ich in meinem Verständnis unendlich lange unfähig einfach davon zu laufen, als sich  die Türe des Arbeitszimmer abermals öffnet und mein Mann zurückkehrt. In seiner Begleitung Hans, der Stallbursche. Ein tumber aber kräftiger Mann. Triumpf.Curt hat Verstärkung geholt um diesen ungehobelten Klotz zu entfernen, in meinen Augen blitzt ungebremster Hass. Er wird büsen für seine schmählichen Worte.
Dieser vollendet seinen Satz, als wäre keine Zeit vergangen.”…..das lasse ich Andere für mich machen.”
Erst als es geschieht..begreife ich seine Worte im vollen Ausmaß. Mein eigener Mann ist es, der meinen Oberkörper auf den Schreibtisch stößt,mich dort haltend, mein Haar ergreift, meinen Kopf nach oben reisst und mich damit zwingt den blonden jungen Mann in dem Sessel auf der Anderen Seite anzusehen. Mein Gesichtsausdruck muss ihm Freude bereiten, den er lächelt zufrieden, als er sich eine Pfeife ansteckt und rauchend das Schauspiel beobachtet. Für das was kommt…habe ich keine Worte. Die unaussprechliche Schmach die ich empfinde, da sich ausgerechnet ein Stallbursche meines Körpers bedient, während mein Angetrauter es nicht nur gestattet sondern mich auch noch gefügig hält ist….ist nicht zu beschreiben. Noch nie in meinem Leben weinte ich derartig viele Tränen und als ich schon glaube es könnte nicht mehr schlimmer werden legt Götzen die Pfeife beiseite. In aller seelenruhe nimmt er….nimmt er eine meiner Hände, führt sie zu seinen Lippen…und beisst…er beisst in mein Handgelenk….eine tiefe Wunde..die blutet…nur um daraufhin einen Kelch mit meinem Blut zu füllen….sich zurück zu lehnen und mich zu trinken. Dieser Anblick sprengt…sprengt mein Denken..meinen Verstand..ich kann es nicht fassen. Wie abartig pervers muss er sein, dass es ihm Freude macht das Blut einer derart gedemütigten Frau zu trinken. Ich möchte mich übergeben, dann beginnt er zu sprechen. Erzählt mir ..er…er wäre ein Kainit….ein König…nichts was ihm entgegenstehen könnte..er wäre geboren um die Welt zu beherrschen. Ich wäre ein nichts und wenn er es befehlen würde, würde ich auf Knien darum bitten, dass noch mehr Männer kommen mögen um mich zu entehren und ich würde ihm die Füße lecken um ihn davon zu überzeugen, dass er noch mehr von meinem Blute trinkt. Er ist verrückt, aber etwas in mir ahnt, dass er Recht hat und ich hasse mich selbst und ihn. Und noch während ich diese Dinge denke spricht er weiter…voller Hohn und Arroganz. Gespieltes Mitleid in seiner Stimme, während seine blassen Lippen rot von meinem Blut sind.
“Ist es nicht Ironie? Ich lasse sie hier von ihrem Bediensteten gebrauchen wie eine Hure, während ihr Mann der sie schützen sollte dabei zusieht. Alles geschieht nach meinem Willen. ICH trinke ihr Blut, weil ich alles tun kann, was immer mir beliebt. Wenn ich mit ihnen fertig bin, werden sie den Raum verlassen, ihre Koffer packen, in den Wagen steigen der unten auf sie wartet und sie werden nicht mehr wissen, was ich ihnen angetan habe..ja…..ja sie werden sich sogar freundlich von mir verabschieden, als wäre ich ein guter Freund  von ihnen….” Er lacht…alles andere als freundlich. “…und von dem Ort, an dem ich sie bringen lassen, werden sie nie wieder gehen. Sie werden dort sterben, während eine Anderen Frau hier ihren Platz einnehmen wird um das Leben zu Leben, dass sie für sich haben wollten…”
Tränen auf meinem Gesicht….Verzweiflung…Wut…ich…ich weiß nicht mehr…ich weiß garnichtsmehr.Warum?
Kurz nach halb zwölf hat mein Leiden ein Ende. Er BEDANKT sich bei Hans für seine Dienste und auch bei meinem Mann für seine Unterstützung. Gern geschehen, antwortet der. Ich hasse ihn. Ich fühle mich müde und hilflos …noch immer wütend…Egal.
Ein letztes Mal zwingt Götzen mich ihn anzusehen. Ich darf mich aufrecht hinstellen und…….und erzählt mir, dass wir uns nur unterhalten haben und er mir aus freundlichkeit diesen Therapieplatz in Regensburg besorgt hat. Er sagt, nach dem Gespräch würde ich seine Hand nehmen und mich bei ihm für alles bedanken…. Ich…
ich lächel Herrn Götzen an und ergreife seine Hand. Bedanke mich für alles, was er für mich getan hat. Sein gönnerhaftes Lächeln ist mir suspekt, doch ich denke daran dass ich meinen Koffer noch packen muss, verabschiede mich…….verlasse das Arbeitszimmer…die…die Tür fällt hinter mir ins Schloss und die Uhr….schlägt..zwölf..zwölf mal…”
Helenas Stimme klang leise, gebrochen. Ihr Gesicht war nass, ob der Tränen, welche die Erinnerung an dieses Ereignis aus ihren Augen gespült hatte.
Elias hatte ihren Worten ohne Regung gelauscht. Seine Mimik war nicht kalt, doch auch nicht tief betroffen. In seinem Blick jedoch fand sich eine gewisse Selbstzufriedenheit, die Helena ob ihres Zustands jedoch nicht erfassen konnte.
“Danke Helena – sie haben mir sehr geholfen.”
Sie schüttelte ihren Kopf wie in Zeitlupe – unfähig zu antworten, an ihrer statt sprach der Arzt weiter.
“Wenn sie sich für seine…'Freundlichkeit' revanchieren könnten, was wollten sie tun Helena?”
Diese Frage löste ihre Lippen.
“Ich…wünschte mir, er würde so gedemütigt, wie er mich demütigte. Ich ..ich wünschte mir er wäre tot…ich…ich will sein Blut trinken….”
Elias schmunzelte und hob abwehrend seine Hände.
“Das wollen sie nicht Helena, glauben sie mir. Doch…ich denke, ich werde ihnen Gelegenheit geben können sich  angemessen zu bedanken….wenn sie bereit sind, mein Blut dafür anzunehmen…..”

Helena war bereit und so tat sie am 15 Januar 1915 den ersten Schritt in die Dienste des Nervenarztes Dr. Elias Engel – seines Zeichens Malkavianer, Ancilla und Primogen seines Clanes.
Er verlagerte ihr Zimmer in einen etwas abgelegeneren Trakt der Klause, dort wo sich nur Patienten befanden, die seiner besonderen Aufmerksamkeit bedurften. In jenem Teil durfte sich Helena sehr frei bewegen. Es dauerte weitere 5 Jahre bis er das Band an ihr vollendete. In diesen fünf Jahren gab er ihr Gelegenheit sich weiterbilden, ob der Umstände beschäftigte sie sich vorwiegend mit sozialen und psychologischen Abhandlungen. Zu ihrer Unterhaltung und Weiterbildung arbeitete sie mit Elias an diversen anderen Patienten. Er schätzte ihre Aufmerksamkeit. In dieser Zeit lernte sie auch etwas, dass sie in ihrem bisherigem Leben nicht kennen gelernt hatte. Bedingungsloses Dienen. Auch wenn Elias ihre Dienste mehr höflich pragmatisch in Anspruch nahm. Sie wurde ihm eine Assistentin, die ihm folgsam und aufgeweckt zur Hand ging, als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes gemacht. Stets gutmütig und charmant ihm und den  Menschen gegenüber, als hätte sie nie etwas Schlimmes erlebt.

Im Februar 1920 nahm er sich auf ein Treffen mit zu der Gesellschaft, aus der er als auch Herr Götzen entstammte. Er trug ihr auf nur zu sprechen, wenn er es ihr gestattete. Sie sollte niemanden in die Augen sehen, ausser er gestattete es. Helena verstand nicht was dort geschah. Es mochten vielleicht 10 oder 12 Personen anwesend sein, die bei weitem erhabener wirkten, als einem die vorwiegend jungen Gesichter Glauben machen wollten. Es wurde von Maskeradebruch gesprochen und derjenige der offenbar angeklagt war – war Anton Götzen. Helena musste die Geschichte jenes Abends ein weiteres Mal erzählen und Elias vollendete den Vortrag mit seinen eigenen Worten. Ein Kollege hätte ihn auf Helena angesprochen und dem was sie von sich gab. Und er hätte sich genötigt gesehen jenen Kollegen im Sinne der Maskerade aus dem Verkehr zu ziehen und Helena als Zeugin, ob dem stümperhaften Handeln des Ventrues Götzen als Ghul zu nehmen.
Der Stand dieses Götzen war wohl im Allgemein kein Guter und der Bericht des Ancillas, war das Zünglein an der Waage, das alles zum kippen brachte.
Götzen wurde verurteilt und sollte vernichtet werden. Der Primogen der Malkavianer beanspruchte für sich das Recht, das Urteil nach seinem Ermessen umzusetzten. Ob der Umstände, wie der Ventrue überführt wurde und wer weiß welcher Anderen Geschichten im Hintergrund, gestand ihm der damalige Prinz zu Regensburg das Recht zu.
Ein Affront gegenüber der Erschafferin Maria Dallmayr- immerhin Erste der Könige zu Regensburg, doch das Wort des Prinzen zählte alles und so musste diese zusehen, wie Elias einen jämmerlich wimmernden Götzen vor den Augen eines versammelten Primogensrat bis aufs Letzte austrank. Amaranth. Nicht gern gesehen, doch der Prinz konnte nichts tun, ob seiner Erlaubnis, die Wahl der Mittel dem Malkavianer zu überlassen.
Helena sah von alle dem nichts. Sie erfuhr nur, das Anton ein leidendes jämmerliches Ende gefunden hatte und das lies sie zufrieden sein. Auf dem Weg zurück in die Klause, fragte sie den Nervenarzt, warum er das für sie getan hatte. Elias drückte ihre Hand.
“Tut mir leid Helena, ich habe das nicht für sie getan. Götzen war das Kind von Maria Dallmayr und…..ich hatte da noch eine alte Rechnung mit ihr offen.”
“..sie..sie waren im Streit? Darf ich fragen weswegen Elias?”fragte sie zaghaft nach.
“Sie hatte eines meiner Kinder, von welchem sie unabsichtlich beleidigt wurde vernichtet. Ich…ich habe gewartet, bis sie ihr Kind freisprach und ihm somit Zeugnis ablegte, das es ein würdiger Vertreter ihres Clanes ist….und dann…war ich so frei ihr Blut zu vernichten…..”

Nach diesem Ereignis erfuhr Helena mehr über diese Gesellschaft, welche sich selbst Camarilla nannte. Bestehend aus verschiedenen Familien. Doch lediglich über die Malkavianer und die Ventrue erfuhr sie mehr als nur den Namen. Niemals fiel der Begriff Vampir. Für Helena hörte sich das ganze an wie eine verquere Abspaltung der in Italien vertretenen Mafia. Verschieden Familien Clans eingebunden in eine Gesellschaft mit strengen Regeln. Die Familie der Ventrue wäre wohl die adligste von allen und insgeheim befiel Helena ein gewisser Neid, denn die Familie zu der Elias gehörte war der Pleb – ein weiteres Mal, gehört sie zu den Plebejern. Doch ihre Gefühle für dem Arzt, dem sie diente machten diese kleine Missgunst unwichtig.

Regensburg, Mai 1924
Klause St. Vitus zu Prüll,

Helena brütete gerade über einem kürzlich erschienenem Werk von Sigmund Freud. 'Das Ich und das Es' als man ihr einen unerwarteten Besuch ankündigte.
Natalies Mutter Sophia war gekommen, um mit Helena zu reden. Bald 12 Jahre, nachdem diese sie faktisch verstoßen hatte.
Elias führte Frau von Einsiedel persönlich in Helenas Zimmer und zog sich darauf hin höflich zurück, ohne jedoch die Türe hinter sich zu schließen.
Sophia war mittlerweile eine alte Frau geworden, das gut sichtbare große Kruzifix um ihren Hals zeugte davon, dass sie sich wohl im Alter dem katholischen Glauben mit aller Kraft verschrieben hatte. Noch immer waren ihren Bewegungen von adliger Anmut geprägt und dieses versetzte Helena einen leisen Stich.
Die beiden ungleichen Frauen standen sich lange Zeit schweigend gegenüber. Helena hocherhobenen Hauptes, nicht gewillt das Schweigen zu brechen.
“Helena…”begann die Ältere schließlich, trat auf ihre Gastgeberin zu und drückte ihre Hand fast schon familiär vertraut. Helena lies es geschehen. “ du..du hast die kaum verändert Helena. Du bist noch immer…schön.” Das leise Zittern in der Stimme lies vermuten, dass Helenas Ähnlichkeit mit ihrer eigenen Tochter sie noch immer traf.
Auf ihre Worte hin lächelte Helena warm und freundlich, so zugeneigt, dass es sich sogar in ihren Augen widerspiegelte. Sie erwiderte den sachten Händedruck vorsichtig.
“Frau von Einsiedel, sie sehen mich überrascht ob ihres Besuches. Wünschen sie etwas zu trinken?”
Sophia schüttelte ihren Kopf.
“Ich…ich bin gekommen, um meinen Frieden mit dir zu machen Helena. Ich werde bald sterben und Gott kann mich mit all dem Gram in meinem Herzen dir gegenüber nicht ins Himmelreich einlassen…darum…darum bin ich hier….”
Helena wirkte überrascht, dann wurden ihre Gesichtszüge noch weicher.
“Sie…sie wollen sich bei mir entschuldigen?” fragte sie unsicher.
Eine kurze Irritation in den Zügen der alten Frau, dann lächelt sie doch wieder und schüttelte ihren Kopf abermals.
“Nein Helena, ich bin gekommen um dir zu sagen, dass ich dir von ganzen Herzem verzeihe. Jahrelang gab ich dir die Schuld an dem Unglück meiner Tochter. Als…als wäre es deine Schuld gewesen, dass der Zug verunglückte. Ich war so wütend auf dich, dass du einfach den Platz meiner Tochter eingenommen hast um ihren zukünftigen zu ehelichen……ich…ich konnte nicht verstehen dass du krank bist Helena. Dafür entschuldige ich mich. Ich verstand nicht, dass du in deinem Irrsinn nicht mehr zwischen Gut und Schlecht unterscheiden konntest….” Sophia hob ihre Hände in einer um Verzeihung bittenden Geste. “ Aber ich habe viel geredet mit dem Pater und er öffnete mir mein Herz und lies mich begreifen, dass du nur ein Opfer bist und meinen Hass nicht verdient hast.
Helena…..ich verzeihe dir was du getan hast. Ich..ich vergebe dir…” Und mit diesen Worten füllte sich das Antlitz der alten Frau mit einem ganz eigentümlichen inneren Frieden.
Helenas Augenbraue zuckte für einen Moment nach oben, dann lächelt sie weich und nickte.
“Ich danke ihnen Frau von Einsiedel. Ich will ihnen ihren Großmut mit Ehrlichkeit vergelten…”
Sie legte der Frau kurz die Hand auf die Schulter ging zu dir Türe ihres Zimmers und zog sich achtsam hinter sich zu, so als wären die folgenden Worte nur die beiden bestimmt.
“…Ehrlichkeit?” wiederholte Sophia sanft.
“…oder Wahrheit…wie immer sie wollen Sophia.” antwortete Helena und kehrte zu ihrer Gesprächspartnerin zurück.
“…ich…ich verstehe nicht….”
“….lassen sie mich erzählen, dann _ werden _ sie verstehen…” erwiderte Helena und sah der alten und mittlerweilen etwas kleineren Frau in die Augen.
“….ich sehe es noch genau vor mir. Sigmund stand am geöffneten Fenster und sah nach draussen, dem Bahnhof entgegen. Ich höre noch seine Stimme, wie er sagte…'Wir fahren zu schnell, wann bremst er denn….' Sekunden später brach die Hölle los. Lautes Krachen, eine Erschütterung die uns alle erfasste, das Quietschen von schweren Stahlkonstrukten die sich unter Urgewalt verbogen. Die Wucht riss mich und Natalie zu Boden. Sigmund fand sein Ende noch in dieser Sekunden, als sich das brechende Fensterglas durch seinen Leib schnitt. Blut….überall roch es nach seinem Blut….”
Sophias Lippen bebten, als sie gebannt den Worten der Jüngeren lauschte.
 “…ich weiß nicht wieviel Zeit verging bis ich mich wieder aufrichten konnte. Wie durch ein Wunder, war mir nichts geschehen…ebenso wie Natalie, die noch am Boden lag benommen aber unverletzt…”
Die Brauen der Zuhörerin zogen sich zusammen, ihrem Unverständnis Ausdruck verleihend.
“….aber….” warf sie ein , doch Helena überging deren Einspruch.
“….ich…..ich seh noch…wie ich nach unten zu ihr blickte….sie…sie fluchte undamenhaft, hob den Kopf und erblickte den toten Leib Sigmunds. Dieser Anblick lies sie erstarren und verschaffte mir die Zeit die ich brauchte um zu verstehen, das…das all dies..von Anfang an geplant war und JETZT…der Augenblick war um mein Schicksal in die Hand zu nehmen….”
Die Augen Sophias wurden größer, ahnend, was Helena erzählen würde, doch der Verstand weigerte sich beharrlich.
“ Wissen sie Sophia…mein ganzes Leben lang wurde ich darauf vorbereitet die Stelle ihrer Tochter zu nehmen. Ich genoss die gleiche Ausbildung, trug die gleichen Kleidung, hatte den gleiche Umgang…ich..ich sah ihr so ungeheuerlich ähnlich, dass ich fast vermuten möchte, ihr Mann beglückte meine Mutter…”
Bei dieser Mutmaßung öffneten sich die Lippen Sophias im Wortlosen Widerspruch.
“…all dies in Betracht ziehend, wurde mir in diesem Augenblick klar, dass ich handeln musste. So streckte ich mich nach dem schweren Koffer, den ich noch für sie gepackt hatte, der überhalb der Sitzgelegenheiten ruhte ..der mit den metallenen Verzierungen an den Kanten..sie erinnern sich?” Rein rethorisch gefragt, Sophia hatte diesen Koffer eigens für Natalie anfertigen lassen…in dem Metall war das Familien Wappen eingearbeitet. Sophia schluckte schwer.
“…natürlich tun sie das. Als Natalie sah, was ich tat, verstand auch sie…..ihre Augen glänzten..sie……….sie schüttelte ihren Kopf….so hilflos..so…verloren….ihre Stimme klang so leise und verletztlich als sie sagte: Aber..Helen….Helen..ich liebe dich doch….”
Helena ahmte die Stimme Natalies erschütternd gut nach und Sophia ging ob diesen Worten in die Knie.
“…das war das letzte was sie sagte. Dann traf sie der Koffer und zerschmetterte ihren Schädel…..aber ich danke ihnen wirklich, dass sie mir von Herzen verzeihen Frau von Einsiedel….”
Mit diesen Worten trat Helena einen Schritt zurück und betrachtet….ihr…Werk einen Moment.
Sophia blieb erschüttert knien, gefangen in den Bildern, die die Mörderin ihrer Tochter ihr geschenkt hatte. Helena indessen kehrte zurück zu ihrem Schreibtisch, setzte sich und schlug die Seite auf, auf der sie ihre Studien unterbrochen hatte.
“….richten sie ihrem Gott einen schönen Gruß aus, wenn sie auf ihn treffen…” bemerkte sie mit einem beinah schon kindlich freundlichem Lächeln bevor sie sich ans weiterlesen machte, als wäre nichts geschehen.
Minuten verstrichen in denen nichts geschah….irgendwann richtete sich die die gebrochene Frau auf…von Helena sträflich missachtet. Doch entgegen deren Erwartung war die einstigen Mutter nicht gewillt dieses Unrecht auf sich beruhen zu lassen.
“Du…du gottloses Monster!”spie sie aus, ergriff das nächstebeste, was ihr in die Hände kam ..eine Büste von C.G. Jung…stürtze auf Helena zu und noch bevor diese reagieren konnte, schlug die Alte damit zu und Helena sank wie leblos zu Boden.
“…du….du….” Sophia holte ein weiteres Mal aus, doch wie aus dem Nichts, erschien Elias hinter ihr und gebot ihren Tun Einhalt. Sein Gesicht war eine seltsame Mischung aus Abscheu, Verwunderung, Angst und Begierde. Seine Hand legt sich auf die der Alten.
“…sie lügt Frau von Einsiedel..sie lügt. Sie ist verrückt…sie hat das erfunden um sie zu strafen, sie hält sich für ihre Tochter und hat ihnen ihren Verstoß nicht verziehen. Sie wollte sie dafür quälen. Wenn sie sie töten werden sie sich das niemals verzeihen hören sie?” seine Stimme klang ruhig und einfühlsam und wissend und diese Kombination lies Sophia tatsächlich wanken.
“..es…es…es klang so…..”
“Glauben sie mir Sophia, ich bin ihr Arzt. Sie hat gelogen. Es…es wird wohl besser sein, wenn sie jetzt gehen…” Etwas schnarrte in seinen Worten, als sprächen zwei Personen gleichzeitig über seine Lippen. Ein unwillkürlicher Schauder überkam Sophias Körper und sie nickte, mehr intuitiv, als dass sie wirklich überzeugt gewesen wäre. Helena stöhnte leise auf und hielt sich die Stirn, ihr Kopf blutete heftig. “Gehen sie…Frau von Einsiedel…”
Und Sophia brach in Tränen aus und ging. Jahre der Arbeit in ihrem Herzen in nur wenigen Augenblicke zerstört. Sie flüchtete von diesem Ort und Helena.

Sobald die Türe hinter Sophia ins Schloss gefallen war, entfuhr ein hässliches Knurren aus der Kehle des Malkavianers, es mutete beinahe an, als wäre er gewachsen. Er stapfte offenbar wutentbrannt hinter den Schreibtisch, packte Helena am Haar und zerrte sie grob nach oben. Sie stolperte…wankte..verstand nicht, wo Elias herkam und womit sie seinen Unbill auf sich gezogen hatte.
“…du….du bist ein abscheuliches Monster mit einem Kindergesicht…”knurrte er und stieß sie auf den Schreibtisch auf dem sie vornübergebeugt zum erliegen kam. In ihrem Kopf drehte sich alles, so dass sie nichtmal im Stande war einen Laut des Schmerzes von sich zu geben, ob seiner Behandlung.
Ihr Blut ronn auf das dunkle Holz. Innerlich starb sie, weil der Mann den sie so sehr liebte sie offenbar verabscheute. Elias stellte sich hinter sie und riss ihr die Bluse vom Leib, als wolle er sie demütigen wie einst Anton von Götzen.
“..bitte….bitte nicht…” wimmerte Helena ..viel zu leise. Viel, viel zu leise.
“…du widerst mich an Helena…” flüsterte er, als er sie erneut am Haarschopf packte und ihren Oberkörper wieder hochzoch, währed er sie gleichzeitig mit seinem Leib auf dem Schreibtisch fixierte. Ihre Hand patschte hilflos in den roten See, der sich gebildet hatte und zeichnete sowohl ihr Gesicht, als auch das seine, da er ihrem Ohr zum flüstern nah war…mit roten Spritzern.
“….nein…”hauchte sie verzweifelt.
Seine Andere Hand schob sich unter ihren Körper, auf ihren Bauch, sie das letzte Stück an sich reissend.
“…und ich habe noch nichts…noch nichts auf dieser Welt…so sehr begehrt wie dich…”
Das war, das Letzte was sie hörte, dann schlugen sich seine Fänge in ihre unbedeckte Schulter und er trankt sie..das erste Mal in ihrer beiden Existenz und er trank sie bis nichts mehr von ihr über war…bis zum Tode.

Als Primogen seines Clanes, hatte Elias schon lange, das Recht zugesprochen bekommen ein Kind zu zeugen und von diesem Recht machte er in dieser Nacht gebrauch. Er hatte Helena schon lange schätzen gelernt, als angenehme Gesprächspartnerin, gelehrige Gehilfin und charmante Gesellschaft, doch erst in jener Nacht, als er das erstemal wirklich einen Blick in ihre dunklen Abgründe warf entfachte es in ihm die Gier, dieses Geschöpf zu besitzten. Nachdem er sie getötet hatte, füllte er sie mit seinem Blut, bis das Tier in ihm zu kratzen begann. Und weil auch seine Welt weit mehr zu bieten hatte, als einen fähigen Psychiater und Rache beseelten Egozentriker, erklärte er Helena mit keinem Wort, was geschehen war.
Er lies sie in dem Glauben, dass das Geschehe ein Traum war in dem sie ihr Erlebnis mit dem Anton Götzen verarbeitete. An dem Tag nach ihrer Erschaffung, führten sie ein langes Gespräch. In dem sie ihm erzählte, dass er sie getötet hätte. Die Tatsache, dass sie ihm das erzählen konnte, liesen seine Worten um soviel sinniger erscheinen, als ihre eigenen. Er tat so, als wäre alles wie immer und ihre Welt stand Kopf. Einzig allein ihr Zimmer blieb von Aussen versperrt. Elias erklärte ihr, es wäre zu ihrer eigenen Sicherheit, da sie ob ihres psychischen Zustandes in der Lage wäre Dinge zu tun, die ihr vielleicht später leid tun würden. Er lies ihr Essen bringen und guten Wein. Und sie schlang beides gierig hinunter um den Hunger der in ihr wuchs zu stillen – nur um alles wieder von sich zu geben.
Für Helena waren diese ersten Tage die Hölle auf Erden. Sie verstand nichts und alles. Hörte Stimmen die nicht da waren, sah Dinge, die nicht existieren.  Sie zerschlug sinnlos die Einrichtung ihres Zimmers, analysierte sich selbst…versagte daran und verzweifelte jede Stunde aufs Neue. Einzig und allein die Gegenwart Elias vermochte sie zu beruhigen.
In der dritten Nacht nach ihrer Erschaffung, der Hunger in ihr hatte mit jeder Nacht einen neuen Höhepunkt erreicht, betrat Elias abermals ihr Zimmer sie eingehend betrachtend, wie er es mit seinen Patienten zu tun pflegte. Nur in seinen Augen lag der eigentümlich Glanz, der sie wissen lassen hätte können, dass sie ihn bei weitem mehr interessierte , als jeder andere Insasse. In ihren Bewegungen glich sie mehr einem Tier, als einer gut erzogenen Frau. So schlich sie auf ihn zu, an ihm suchend, nach etwas, das ihre Gier befriedigen könnte.
“Wie fühlen sie sich Helena..?” erkundigte er sich freundlich.
“…es hungert mich…”erwiderte sie und schnupperte…etwas das sie wahrnahm lies sie ihren Kopf gen Türe drehen.
“Schmeckt ihnen das Essen nicht, dass ich ihnen bringen lasse?”
“…es ist widerwärtig…” Ihr kopf zuckte zurück zu ihm…stetig an ihm auf und ab blickend..suchend.
“Ich verstehe………………………….Möchten sie…ihre Gier…befriedigt sehen Helena?” Seine dunkle Stimme schnarrte wieder….unheil verkündend.
“….ja…” Diese Antwort kam klar und schnell und das suchen hielt inne, als sie seinen Blick hielt.
“Gut. Ich bin leider nicht mehr in der Lage mich an Körperlichkeiten zu erfreuen. Nichts desto Trotz würde ich sie gerne berühren. Ich habe einen jungen Mann mitgebracht, der sie an meiner statt befriedigen soll. Werden sie das für mich tun?”
Etwas in ihrem Hinterkopf murmelte etwas von absurd, da Elias ihr gegenüber noch niemals ein diesbezügliches Interesse angekündigt hatte. Etwas in ihrem Kopf, äusserte die Vermutung, dass die Gier in ihr..sich vielleicht tatsächlich mit einem Koitus befriedigen lassen könnte und ihre Augen flammten auf. Er hätte bei weitem anderes verlangen können und sie hätte ebenso zu gestimmt wie sie es zu diesen Worten tat.
“Ja.”
Sie hatte es kaum gesprochen, da kam eine Gestalt herein……junger Mann war übertrieben, denn der Jüngling war mehr Kind als Mann…vielleicht 14 Jahren alt….15, wenn man ihm wohl wollte. Er war verunsichert, wirkte ängstlich, aber auch neugierig, als er Helena erblickte lächelte er scheu und in aller Unschuld.
Elias begab sich hinter den Schreibtisch, auf welchem er noch vor drei Tage Helena getötet hatte, er setzte sich auf den Stuhl. Lehnte sich zurück und beobachtete gebannt die Dinge, die Geschehen mochten.
In ihrem ganzen Leben, war Helena niemals eine feurige Liebhaberin gewesen. Es geziemte sich nicht für eine junge Dame, das hatte sie gelernt. Doch die Aussicht drauf, das dieser junge Körper ihren Hunger vielleicht stillen konnte, machte sie alle Zurückhaltung vergessend und sie nahm den Jüngling mehr, als dass sie ihn verführte. Für sie schockierend war, dass ihr Tun, ihren Hunger nicht nur nicht zu besänftigen vermochte, sondern das es überhaupt keine Befriedigung für sie gab. Nicht mal jene, welche einer Frau manchmal zu Teil wurde, wenn sie mit einem Mann beisammen lag. Dabei war es doch genau das, was Elias von ihr wollte. Ihre Befriedigung und sie fand sie nicht. Wut kochte in ihre hoch, während sich der schmale warme Leib an ihr abmühte geplagt von Lust. Die Wut und der Hunger eröffneten ihr eine neue Tür…eine andere Form der Wahrnehmung…sie fühlte sein wild klopfendes Herz..so nah auf ihrer ach so kühlen Haut. So kühl, als wäre sie leblos. Sie hörte das Blut in seinem Leib rauschen und etwas anderes in ihr übernahm die Kontrolle. Erst waren es zaghafte kleine Bisse, an denen er sogar Gefallen fand…bis das erste Blut floss.
Dann war alles vorbei.
Als Helena wieder zur Besinnung kam, hielt Elias sie fest im Arm. Neben dem schmalen Bett am Boden lag der tote Leib des Junges. Zerissen und blutig, als wäre ein wildes Tier über ihn hergefallen und sie verzweifelte daran – wissend, dass es ihr Werk gewesen war.
Sie weinte blutige Tränen, jammert und wollte sich die Haut vom Knochen kratzen und Elias war zärtlich wie noch nie zuvor. Streichelte ihr Haar, liebkoste ihr Gesicht, flüsterte ihre beruhigende Worte zu und Wahrheiten. Wer sie war. Was sie zum leben brauchte. Warum ihre Haut kalt war und ihr Herz schweigend. Er erzählte ihr von den Traditionen und welche Bedeutung sie in der Gesellschaft der Camarilla hätten. Während er sie hielt wie ein Vater sein Kind und sie berührte wie ein Mann seine Geliebte gestand er ihr das erste Wissen über Ihre Existenz und tötete sie damit ein weiteres Mal. Er fütterte sie mit seinem Blut und küsste im Gegenzug ihre Tränen von den Wangen. Leid verbindet. Blut auch.
Diese seltsame Nacht endete mit einer weiteren Lektion. Die erste war die Macht des Tieres gewesen. Die zweite lautete…wahre die Maskerade. Er trug ihr auf die Leiche des Kindes zu entsorgen, auf das niemand sie finden sollte, denn das würde Fragen aufwerfen die niemals beantwortet werden dürften.
Und Helena die sich Stunden später bemerkenswert beruhigt hatte, kam seiner Aufforderung in grimmiger Konsequenz nach. Sie wollte alles allein machen. Sie wollte gut sein und gehorsam. Und bestäubt von den Geschehnissen, ihrer Art und Weise und ihrem Blut lies er es sie tun, mit der Bedingung, dass sie ihm berichten musste, was sie getan hatte.
So geschah es.

Jahre, Jahrzehnte zogen ins Land. Helena war wieder Kind und lernte alles von Neuem. Grundlegendes Wissen über die Sekten. Welche Clans der Camarilla zugehörig waren und auch die Namen deren Familien die zum Sabbath gehörten. Elias stellte sich als treuer Camarilla Anhänger raus, wenn er auch nie müde wurde, die Funktionalität dahinter zu beleuchten. Beweggründe zu erörtern. Wenn Helena ihn fragte, warum er sich den gegebenen Regeln unterwarf antwortete nur, weil sie funktionieren würde.   Elias ermöglichte ihr den Kontakt in die Kainitische Gesellschaft in geringen Dosen und ob ihrer menschlichten Vergangenheit, hatte sie niemals größere Schwierigkeiten. Niemals warf sie ihm vor, dass er sie zu dem gemacht hatte was sie war und es brauchte keine 20 Jahre, bis sie zu verstehen begann, dass sie in diesem Rahmen mehr erreichen könnte, als in hundert menschlichen Leben. Es war nur eine Frage der Zeit und Geduld. Zeit hatte sie fortan genug, als auch Geduld. Elias lehrte sie die Geheimnisse des eigenen Clanes. Die Fähigkeit die Wahrnehmung so zu verschieben, dass sie auch das nicht offesichtliche zu sehen vermochte. Ebenso die…Hypnose, wie er es damas nannte. Die Gabe, Anderen Wesen den eigenen Willen begreiflich zu machen. In ihren Patienten fand sie willige Opfer um an ihnen zu üben. Auch das gehörte zu ihren regelmäßigen Übungen. Sie absolvierte neben dem Erlernen Kainitischer Gepflogenheiten ein Studium der Psychologie und eignete sich ebenso grundlegendes ärztlich anatomisches Wissen an. Aufgrund ihrer stets freundlichen und höflichen Art, wurde sie von Anderen Kainiten oft belächelt aber war durchaus gern gesehen. So wie man gerne hübsche Frau in seiner Gesellschaft leiden mochte, ohne sie als weiter wichtig zu Erachten. Ihr besonderes Interesse galt dem Clan Ventrue, wenn ihr Erschaffer sich erkundigte woher das kam, führte sie das ihr Erlebnis mit Götzen zurück. Das erschien beiden logisch.  Die Zeit in der sich nicht studierte verbrachte sie mit lese oder schreiben. Die immer schneller werdende Entwicklung der Welt um sich herum verfolgte sie mit ebenso großen Interesse.
Zur Zeit des zweiten Weltkrieges verliesen sie und Elias die Klause nur selten, der aufkeimende Rassenwahn bot hervoragenden Boden für Experimente. Niemand interessierte sich dafür, wenn ein Verrückter starb. Die Sterbequote stieg in der Zeit von 1933 bis 1945 bald auf ein 6 faches an. In diesen 12 Jahren arbeiteten sie engern und intensiver zusammen als jemals zuvor. Und in einer seltsamen Nacht, welche geprägt war, von Grausamkeiten und Blut vollzog Helena den letzten Schritt zum endgültigen Band und Elias nahm das zweite Mal ihr Blut.
Doch auch der Krieg ging irgendwann vorbei und alles normalisierte sich irgendwie.
Gute 20 Jahre später beschloss Elias mit der Zeit zu gehen und er und Helena initierte die Umwandlung der Nervenheilanstald in ein Universitätsklinikum. Mehr Raum für Forschungen und vor allem Forschungsgelder.
Ihrer beide Unterkunft befand sich in dem schon längst vergessenen Trakt der alten Klause deren Zugänge mit jedem weiter Flügel des Klinikums mehr verschleiert wurden.
Durch Elias erlernte sie auch wie sie offiziel am Leben blieb und wie man die nötigen Papiere dafür erhielt. Beide hatten es sich zur Gewohnheit gemacht passende Insassen ohne nächste Verwandten und sozialen Bindungen gesund schreiben und verschwinden zu lassen um dann deren Papiere zu übernehmen. Sowohl als Nervenheilanstalt als auch Klinikum bekam man praktisch jede notwendige Information.
1976 erhielt Helena den Freispruch von ihrem Erschaffer und Maria Dallmayr, welche mittlerweile Prinz der Domäne Regesburg geworden war. Ab diesem Zeitpunkt war es der Neonatin gestattet die Domäne zu verlassen und sie unternahm immer wieder kleinere Reisen um die 'Neue Welt' kennen zu lernen. Manchmal allein. Manchmal in Begleitung ihres Sires oder Gregor Loringen, eines jungen Ventrues.

Der Fall Gregor Loringen

Helena war noch im Status eines Kindes, als im  August 1964 ein junger Neonat des Clanes Ventrue in die Domäne Regensburg aufgenommen wurde. Er war im weitersten Sinne ein moderner Mann, der es schaffte Etikette, Anstand und Erhabenheit in eine charmante Persönlichkeit zu fassen. Gregor war ein ehrlicher Kainit und idealistisch in der Vorstellung, dass es ihm mit genügend Willen gelingen würde, den Intrigen der kainitischen Gesellschaft zu widerstehen und auch ohne sie seinen Weg zu machen. Sein Erschaffer, der das Potentials seines Kindes wohl zu schätzen wusste, hatte beschlossen seinem Blut eigene Erfahrungen zu zugestehen. Er sollte ohne die schützende Hand des Vaters lernen. Ein Gefallen wechselte den Besitzter und Gregor von der Domäne Frankfurt nach Regensburg, um  dort mit etwas finanzieller Unterstützung selbstständig Geschäfte und Kontakte aufzubauen.
Bereits an seinem ersten Abend in der neuen Domäne lernte er Helena kennen, die ganz dem Bild einer jungen wohlerzogenen Dame entsprach und Gregor beging einen kleinen Fehler, der weitere Konsequenzen nach sich zog. Er zog seine eigenen Schlüsse aus ihrem Auftreten und mutmaßte in ihrer Gegenwart sie müsse wohl zum Clan der Könige gehören. Und Helena, welche von seiner Vermutung geschmeichelt war, lies ihn in dem Glauben – eine ganze Nacht lang. Welche sie schwätzend und beinahe schon scherzend verbrachten. Als sie ihm am Ende gestand, zu welchem Clan sie gehörte und dass sie lediglich den Status eines Kindes inne hielt, wollte es Gregor gar nicht glauben. Er konnte nichts an ihr finden, dass sie in seinen Augen als ein Kind des Mondes ausweisen würde. Nichts an ihr war verrückt oder sonderlich – ganz im Gegenteil. Dieser Umstand lies ihn sich mit ihr beschäftigen und alsbald hielten die Beiden regen Schriftverkehr, in welchem sie über Gott und die Welt philosophierten. Sie erörterten politische Themen, als auch sozial oder religiöse. Sie führten wilde Diskussionen über Sinn und Zweck der Camarilla von denen nie ein Wort an einen Dritten reichte. Er verteidigte standhaft die Möglichkeit, mit Ehrlichkeit und Wagemut ebensoweit zu kommen wie mit Egoismus und Intriganz. Wohingegen Helena eisern daran festhielt, dass die bestehende Form der Camarilla der beste Beweis dafür wäre, dass sich das funktionabelste System durchgesetzt hatte. Über die Jahre hinweg entwickelte sich schon fast eine Freundschaft im Hintergrund. Sie schrieben sich hauptsächlich und trafen sich nur auf offiziellen Anlässen. Nichtsdesto trotz begann Gregor sehr wohl Wert auf den Ratschlag des Kindes zu legen, der stets überlegt oder gar psychologisch begründet war.
Nach Helenas Freispruch intensivierte sich der Kontakt zwischen ihr und dem Ventrue. Elias nahm ihr Tun gelassen hin, wohl wissend – zu wem sie gehörte. Er interpretierte ihr Interesse an dem Ventrue als Spleen und bezeichnete ihn des öfteren als Helenas Projekt – was sie stets Lächeln, aber im weiteren Schweigen lies.
Auf den persönlichen Treffen der beiden, begann Helena Scheibchenweise von ihrer Geschichte als Mensch zu erzählen. Von dem Leben in Dresden, von der Familie Einsiedel und so fort. Immer nur dann, wenn es sich aus dem Gespräch raus ergab – oder er sie fragte. Ihre Erzählungen waren wohl dosiert. Sie sprach immer von Helena und Natalie..niemals von sich und Natalie. Und in irgendeiner Nacht erkundigte er sich danach warum. Helena zierte und wand sich wie eine Jungfrau, bis sie ihm schließlich, ob der langen Freundschaft zwischen ihnen gestand, dass sie befürchtete, das Opfer einer Verschwörung zu sein – doch nach all der Zeit wäre sie sich ob des Umstands selbst nicht mehr Sicher darüber. Es war das erstemal, und es war nur der Bruchteil einer Sekunde, das Gregor darüber nachdachte, ob sie nicht vielleicht doch wahrnehmungskreativ war, doch er verlies sich auf seinen Instinkt und bohrte weiter nach, wie sie zu diesem seltsamen Schluss gekommen war. So erfuhr er nach und nach die Ganze schreckliche Wahrheit, selbstverständlich unter dem Siegel der Verschwiegenheit.
Sie erzählte ihm, dass sie noch immer davon träumte in einem guten Kinderzimmer geschlafen zu haben und nicht in einer Kammer, wie es der Tochter einer Bediensteten zugestanden hätte. Sie würde sich an ehrenwerte Familie Einsiedel in jedem Detail erinnern und beschrieb die Eltern in bildhaften liebevollen Worten. Ebenso beschrieb sie die Freundschaft zwischen Natalie und Helena, jedoch…jedoch befürchtete sie, dass sie in Wirklichkeit Natalie sei und nicht Helena.
Der Ventrue äusserte durchaus seine Zweifel daran – nicht daran das Helena die Wahrheit sprach..nur an den Umständen, doch über die Nächte hinweg und vielen ach so logischen Erklärungen hinweg veränderte sich seine Ansicht langsam.
Helena beschrieb das Geschehen als ein Komplott Elias um Maria Dallmayer seine langjährige Gegenspielerin zu stechen. Elias wäre es gewesen, der ihre Eltern dazu gebracht hätte, sie als Tochter zu verstoßen und zu behaupten sie wäre Helena um die Hochzeit mit der Familie Rappard zu sabotieren. Doch dieser hatte natürlich nicht damit gerechnet,dass beide Familien die Konsequenz besitzten würde, trotz der wilden Behauptungen die Hochzeit durch zu ziehen und als das Kind der Dallmayer geschickt wurde, um das Geschehene zu korrigieren, hätte Elias die Gelegenheit ergriffen und sich eben auf diese Weise an der Ventrue gerächt. Als Helena Gregor davon erzählte, erinnerte sie sich daran, dass sie niemals vor dem Gespräch in der Klause mit Elias etwas nachteiliges für Götzen empfunden hätte. Sie gestand, dass sie befürchtete, Elias hätte sie als Werkzeug missbraucht um seiner Rache genüge zu tun und sie mache sich schwere Vorwürfe, ob den Konsequenzen die daraus entstanden waren.  An diesem Abend weinte Helena bittere rote Tränen, ob ihrer Verzweiflung, selbst nicht zu wissen was wahr und was gelogen wäre und Gregor verlor sich in ihrer menschlichkeit, die ihm in der kainitischen Gesellschaft so verloren schien und als Beweis seines Vertrauen und um ihr Halt zu geben tauschten sie beide ihr Blut, geparrt mit Versprechungen und Romantik.
Von dieser Nacht an, gewann die Verbindung deutlich an Nähe. Gregor forschte nach und fand immer nur Beweise dafür, dass ihre Theorie durchaus wahr sein konnte. Helena und er reisten nach Dresden und besuchten das alte Haus der Familie und sie beschrieb ihm jeden Winkel, jedes Zimmer mit Möbelierung und Erinnerungen, wie es doch nur jemand konnte, der dort Tag für Tag verbracht hatte. Auf dieser Reise liebten sie sich…im weitersten Sinne. Berührungen und Küsse tauschend, als auch ein weiteres Mal das rote Band.
Das Treiben der Beiden blieb nicht ungesehen und mehr als einmal wies man den Ventrue darauf hin, dass es niemals gut war sich mit dem Blut des Mondes ein zu lassen, zu diesem Zeitpunkt, war Gregor über diese Warnungen schon bei weitem erhaben. Elias war verrückt, man sah es ihm an, man erkannte es an den Dingen die er tat, allein sein Blick sprach Bände. Helena hingegen, mit den Jahren reifte in ihm die Gewissheit, dass sie nicht Malkaviaischen Blutes sein konnte. Er entwickelte die Theorie, dass in dieser folgenschweren Nacht, in der Helena in die Klause gebracht wurde, der Herr Götzen sie nicht missbraucht sondern vielmehr erschaffen hatte und da er dies vermutlich ohne die Erlaubnis des Prinzen getan hatte, schob er sie im falschen Vertrauen in die Klause zu Dr. Engel ab, weil er es nicht über das Herz brachte sie zu töten. Und dieser, hätte die Umständen schamlos ausgenutzt. So würde auch Helenas Verhalten Sinn machen und diese schöpfte das erstemal Hoffnung.
Es war die Sylvester Nacht der Jahrtausendwende in der er ihr versprach, Helena ihr Geburtsrecht zu verschaffen und sie bedankte sich in Blut und Liebe, welche die beiden..oder vielmehr…ihn unwiderbringlich an sie schweisste.
Gregor sammelte Beweise, alte Bilder, Aufzeichnungen, Fakten die – je nachdem wie man sie betrachten wollte, seine Theorie durchaus untermauern würden und im Januar 2004 sprach er bei einem Clanstreffen der Ventrue vor. Erklärte die Umstände, klagte Elias an und forderte für Helena das Recht ein endlich den Namen Ventrue tragen zu dürfen.
Wäre es nicht ausgerecht Elias und sein Kind gewesen, um welche sich seine Forderung drehte, hätte Maria Dallmayr seine Ausführungen vielleicht mit einem amüsierten Lachen abgewunken und Gregor mit Empfehlung an dessen Erschaffer einfach wieder zurück nach Frankfurt geschickt.
Doch sowohl die Empörung, die sich unter den Mitglieder des Clanes ob dieser unhaltbaren Forderung breit machte UND weil sich die Geschichte um Elias und dessen Kind Helena drehte – machte dies unmöglich.
So kam es, dass sich in einer viel zu lauen Winternacht 5 Personen in den privaten Räumlichkeiten des Prinzen einfanden.
Maria Dallmayr, Gregor Loringen, Elias Engel, Helena Schwarz und Simon Tudolsky die Geißel der Domäne Regensburg – welche unverkenntbar darauf blicken lies, dass noch in dieser Nacht ein Kopf fallen würde.

“Herr Engel, ich hätte es bevorzugt, wenn ihr Blut davon Abstand genommen hätte dem werten Herrn Loringen den Kopf zu verdrehen.” begann Maria, nachdem die förmliche Begrüßung beendet war.
“Hoch verehrter Prinz, Herr Loringen wurde bereits vor geraumer Zeit frei gesprochen und ich würde es niemals wagen, mir anzumaßen mich in seine privaten Unternehmungen einzumischen.” erwiderte Elias höflich.
Frau Dallmayr nahm einen Stapel von Papieren und Fotographien von ihrem Schreibtisch, trat bis auf drei Schritt auf den Primogen zu und warf die Dokumente abfällig vor seine Füße.
“Meine Güte Elias, er glaubt ihr Kind wäre von meinem Geblüt…”In ihrer Stimme lies sich hören, wie absurd ihr allein der Gedanke schien und die fast schon intime Anrede machte deutlich, das die beiden mehr teilten, als nur eine gepflegte Fehde.
Ein kurzes amüsiertes Blitzen in Elias Augen zeugte davon, dass er seine Gesichtszüge unter Kontrolle hielt.
“….nun……….Helena hatte schon immer hochgesteckte Ziele…..aber….hochvereherter Prinz, sie verschafften mir doch nicht die Gelegenheit ihre angenehme Gesellschaft zu genießen, um mir mit zu teilen, dass sie unzufrieden mit dem Verhalten, meines längst freigesprochenen Kindes sind…..?”
Maria lächelte schmal.
“Selbstverständlich nicht. Ich bin ihr Blut leid, und werde heute Nacht die Dornen aus meinem Fleisch, aus meiner Domäne ziehen….”
Der Malkavianer schwieg und betrachtete den Prinzen, als er das Wort erneut erhob, klang seine Stimme gedämpft.
“…mit welchem Urteil wollen sie meine Vernichtung begründen _ Hoch verehrter Prinz ?”
An dieser Stelle sah sich Gregor fragend um, da er den Verlauf des Gespräches beim besten Willen nicht verfolgen konnte. Helena hingegen schloss die Augen und ein Ausdruck der Bitterkeit legte sich in ihre Mundwinkel – überrascht wirkte sie nicht.
“Der Bruch der ersten Tradition Elias…”
Wieder kurzes Schweigen.
“….niemals, brach ich die Maskerade Maria…”Trotz der Worte, fand sich in seiner Stimme keine Verteidigung –  er sprach lediglich die Wahrheit aus.
“Ich weiß…..”begann Maria, drehte ihren Kopf, musterte die schweigende Helena einige Momente und wandte sich dann wieder dem Ancilla zu. “…waren sie sich jemals darüber bewusst, welche Natter sie sich in ihr Nest holten?”
“Helena?…………..Helena….”sprach er den Namen und schloss nun seinerseits die Augen. “Wovon spricht der ehrwürdige Prinz…Helena….”
Ihre Stimme klang leise, als sie ihrem Erschaffer antwortete, dennoch war das Beben darin zu vernehmen, welches von ihrer Anspannung sprach.
“…in jener Nacht…in…..in der du mich den Jungen trinkend machtest…in jener Nacht beging ich Verrat an dir….ich verscharrte den Körper, so….so wie ich es dir erzählte….doch in der Nacht darauf, schrieb ich einen Brief …welchen ich über meinen Mann an Frau Dallmayr weiterleiten lies…”Stockend…als kostete sie jedes einzelne Wort Willenskraft. Kein Triumpf nur seltsame Verzweiflung.
Der Prinz sprach für sie weiter.
“In diesem Brief informierte sie mich über das was geschehen war und auch über den Ort, an welchem sich die Leiche befand. Sie ….erbat sich mein wohl Wollen, sollte ich geneigt sein, mein Wissen zu ihren Ungunsten einzusetzten. Dreist fürwahr ”
Elias Kopf legte sich in den Nacken, als wolle er in den Himmel sehen..beinahe schon ergeben.
“…und sowohl der Wortlaut des Briefes, als auch meine Nachlässigkeit den Verbleib des Leichnams nicht zu überprüfen sind dir genug um meinen Kopf zu nehmen….die…die vierte Tradition…” vollendete er leise den Dialog.
“Das ist doch verrückt..”stieß Gregor hervor..schüttelte seinen Kopf und sah immer wieder zwischen dem Prinz, Elias und Helena hin und her. Die Mundwinkel Tudloskys verzogen sich spöttisch grinsend. Helenas Körper schüttelte sich in stillem Grauen.
“Warum…warum erst jetzt Maria?”fragte Elias leise.
“Der ehemalige Prinz zu Regensburg, war dir bei weitem zugetan Elias, er hätte mein Anliegen abgewiesen…abgesehen davon…du weißt doch selbst wie das ist….in der Ewigkeit…tut es gut, etwas von Bestand zu haben – und sei es nur eine gepflegte Feindschaft.”
Der Malkavianer nickte leicht – mehr nicht.
“….mit der Überahme meiner Pflichten als Prinz stand deine Vernichtung nicht mehr an erster Stelle….doch jetzt bin ich es leid. Dein irrsinniges Blut stiftet Unruhe, die ich nicht will. Ich nehme meinen Verlust zum Wohle meiner Domäne auf mich…….und strafe dein Kind indem ich es nötige bei deiner Vernichtung anwesend zu sein…”
Helena schluchtze leise, kniff die Augen zusammen und eine rote Träne stahl sich aus ihren Augenwinkeln.
Elias, der um das Band um ihr Herz wusste richtete sich auf, öffnete die Augen und sah den Prinzen an.
“Dann gestehe mir, unserer Feindschaft zu ehren, den letzten Wunsch zu. Sie…” er drehte seinen Kopf und sah Helena an. “ …soll mich vernichten.”
Maria nickte.
Helena schüttelte ihren Kopf.
Elias lächelte.

Eine eigentümliche Stille erfassten den Raum, welche Minuten lang nicht gebrochen wurde. Schließlich und endlich, war es der Prinz, der das Wort erhob.
“Nur eines würde mich interessieren…Frau Schwarz….warum – sie waren sich darüber im Klaren, dass sie mit diesem Brief, das Schicksal ihres Erschaffers auf die Ein oder Andere Weise besiegelten…warum haben sie es getan?”
“…..du….du wolltest dich in unseren Clan einschmeicheln..nicht wahr? Helena?” Die Stimme Gregors überschlug sich beinahe, als er die Frau die nicht unweit von ihm stand beschuldigte. “…du…du bist….du hast dich meiner….bedient du…….oh gott Helena..Helena…wie konntest du nur wie…….”Sein Herz wollte ihm brechen, als er begriff, dass die Frau, die er von Herzen liebte nicht das war, was er in ihr sehen wollte und das nicht mal das ihn davon abhalten konnte, für sie zu fühlen wie er es tat.
Helena stand regungslos. Irgendwann öffnete sie ihre Augen …in ihnen lag tiefe Trauer. Gregor mochte sie wohl nicht wahrgenommen haben, alles was sie sah war Elias und ihre Worte galten ihm und nicht dem Prinzen.
“Du hast mir Essen gegeben, das meinen Hunger nicht stillen konnte. Du gabst mir Berührung, die mich nicht befriedigen konnte und du liesest mich diesen Jungen fressen, um mich wissen zu lassen, was ich geworden war…..”
Elias Mundwinkel zuckten, mit welchen Gefühlsregungen auch immer.
Eine kleine Pause, dann fuhr sie mit leisen Worten fort….
“…ich wollte…………ich wollte, dass _du _ weißt…was ich schon immer war….”

Epilog.

Ich liebte Natalie wie eine Schwester. Niemand soll jemals sagen, ich hätte sie herzlos getötet. Ihr Tod, war eine notwendige Konsequenz, um mein Schicksal zu erfüllen. Ich tat es nicht leichtfertig. Es ist….es ist nicht leicht zu töten was man liebt. Nie.
Mein Schicksal ist es groß zu sein. Das bedeutet auch Opfer bringen zu können, die tiefe Wunden hinterlassen.
Warum ich Gregor glauben lies, was er glauben wollte? Es gefiel mir. Ich fand, es stünde mir zu adliges Blut in mir zu tragen und mich durch seine Augen zu sehen war wundervoll. Wenn ich hätte wählen können, hätte ich sein Blut gewählt. Das Blut der Könige.
Maria Dallmayr sandte ihn zurück nach Frankfurt und der einzige Trost der mir bleibt, ist das Wissen, dass es einen König gibt, der mich niemals vergessen wird, egal wie sehr er darunter leiden mag. Sein Leid adelt mich auf eigne Weise.
Der Prinz kam der Bitte meines Briefes aus vergangener Zeit nach und zeigte sich wohl wollend. Die Domäne musste ich verlassen, doch sie gab mir in Brief und Siegel ihre Empfehlung, auf das ich an einem Anderen Ort Fuß fassen könnte. Ich wollte zurück nach Dresden, doch die Umstände wollten es, dass die einzige Domäne in der Nähe in der ich mich vielleicht niederlassen konnte Leipzig war. So erhielt ich die notwendigen Kontaktadressen..der Rest wäre meine eigene Sache.
Elias.
Elias….
Ich MUSSTE ihm begreiflich machen, das ich…Vampir….eine Frau mit Zielen bin, die ich mit aller Konsequenz verfolge und dass ich nicht davor zurückschrecke, mir selbst Leid zu zufügen. Und ich habe gelitten. Das Band des Blutes zu ihm erinnerte mich jede Nacht…jede verdammte Nacht meiner Existenz daran, dass ich seinen Tod bereits beschlossen hatte. Nur um ihn etwas verstehen zu lassen. Es ist Wahnsinn. Ihn zu lieben über so lange Zeit hinweg mit dieser Gewissheit…zermürbt den Verstand.
Sein Schicksal zu erfüllen bedeutet auch Opfer bringen zu können, die tiefe Wunden hinterlassen.
Das aberwitzige ist, sein Tod hinterlies keine Wunden, zumindest nicht diese, welche ich erwartet hatte..
Meine Fänge in sein Fleisch zu zwängen war die schrecklichste Lust die ich jemals ertragen musste. Ihn zu trinken, mein grenzenloses Verlangen nach ihm ein letztes Mal zu stillen…war mir bittere Symphonie, ich starb in diesen Sekunden für den Rest meines Lebens..so glaubte ich. Ich wollte schreien, selbst mit ihm sterben, ich wollte ihn in mir bewahren und an ihm ersticken. Bis zu diesem Augenblick, da er in meinem Arm zu Staub zerfiel und nichts blieb. Keine Trauer, keine Verzweiflung, keine Bitterkeit und Tragik, nichts blieb ausser meinem Verständnis dafür, dass ich ein weiteres Mal den Weg gegangen war, so wie ich ihn gehen musste.
Die Wunde die seine Vernichtung hinterlies war das Wissen darüber, dass es nur die Illusion von wahren Gefühlen gibt. Gefühle halten, solange das Blut reicht.
Seine letzten Worte, die er mir zuflüsterte..bevor er sich der Lust des getrunken werdens hingab waren:

“…ich wusste, was du warst…darum machte ich dich zu dem, was du bist….Liebste…”


Veröffentlicht unter Vampire | Schreibe einen Kommentar

01.Eva bis zum Tod

Meine Welt ist….anders. In meinen Augen. Und der eigene Blickwinkel ist dass, was zählt, nicht wahr?
Das Licht dieser Welt – wie man so schön sagt – erblickte ich zur Wintersonnwende.[21.Dezember.1955] Ein magisches Datum, sagte meine Mutter gerne. Sie hatte ´nen kleinen Tick. Helena , so hieß sie, ist übrigens tod. Alle Mütter tun das irgendwann….sterben. Der Krebs hat sie aufgefressen, sagten die Ärzte. Das stimmt sogar irgendwie. Die Bilder ihrer CTs folgten mir durch meine ganze Kindheit und die bösartigen Geschwüre wurden immer mehr und meine Mutter ….immer weniger. So ist das, wenn man Krebs hat. Jetzt liegt sie schon bald 40 Jahre unter der Erde. Im Dunklen. Im feuchten Grab. Ich besuchte sie oft und erzählte ihr von meinem Tag. Es ist sehr praktisch mit toten Menschen zu reden. Die wiedersprechen nicht so oft. Manchmal bin ich auch traurig, wünschte ich mir doch, sie würde mich in den Arm nehmen und halten. Mein Vater ist da nicht so der Typ für. Ich wurde übrigens in Glastonbury geborgen, oder eher auf? Obwohl ich Deutsche bin. Wie erwähnt hatte meine Mutter einen Tick. Sie VERGÖTTERTE Irland.Es ist ein magischer Ort, sagte sie. Sie wollte mich Morgaine nennen, aber mein Vater hatte da was dagegen.. Wer seinem Kind so ´nen Namen geben würd, der muss ´nen Knall haben.

Wir lebten lange Zeit in München. München ist eine Stadt für Snobs. Snobs find ich dumm. Sie tun, als wüssten sie alles und dürften alles. Aber ich glaub, sie würden allesamt auf einmal schreiend zusammenbrechen, wären sie auch nur einmal genötigt über ihrer Suppentellerrand zu blicken. Egal.
Mein Vater, Robert Denk, ist Geschäftsmann. Irgendein höheres Tier in einem Bestattungsunternehmen. Die heissen auch Denk. Er macht sein Geschäft mit dem Tod. Lustig, oder? Er hat auch seine Frau zu Grabe getragen. In aller Professionalität. Ohne Tränen. Ich glaube, er kann nicht weinen. Oder vielleicht tut er auch nur so. Männer sind seltsam manchmal….sagen manche Frauen.
In München ging ich ne Weile auf eine ganz normal Grundschule, aber weil mich meine Mitschüler so oft getriezt haben, hab ich schließlich ´nen Privatlehrer bekommen. Ganz für mich! Ich fand das triezen nicht so schlimm, aber meine Mutter meinte immer, es wäre nicht recht, dass mich die Jungs an den Haaren zogen oder mir blaue Flecken zwickten. Mir hat’s nicht so weh getan.
Meine Welt IST anders. Ich kann Schmerz, nicht so wahrnehmen wie andere, zumindest körperlichen nicht. In meinem Kopf sind ein paar Sachen falsch verschaltet. Wie bei einem falsch programmierten Computer.
Mein Vater sagt, das käme davon, weil ich zuviel von meiner Mutter geerbt hätte.
Meine Mutter sagte, das käme davon, weil ich ein magisches Kind sei.
Nicht wie andere.
Im Lernen war ich gut, ich kann mir viele, viele Dinge merken ohne viel zu tun. Mein Lehrer, Herr Kreisel, war sehr stolz auf mich. Darum hat’s ihn auch nicht gestört, wenn ich manchmal einfach aufgestanden bin, um zu gehen. Weil es draußen regnete oder so. Ich mag Regen. Regen fühlt sich so lebendig an. Das ist wichtig, weil es in meinem Leben viel Tod gibt.
Ich bin ein kleiner Todesengel. Als ich mich mal verliebt hab, da war ich 11. Er hieß Karsten und hatte die wundervollsten blonden Haare, die man sich nur irgendwie vorstellen kann. Und leuchtende Blaue Augen. Jedenfalls hab ich mich mit ihm verabredet. Wir waren spazieren und Eis essen, es war sehr romantisch. Einen Tag später hat ihn ein Auto tot gefahren. Bums. Vorbei.
Das Unternehmen Denk hat auch ihn bestattet. Naheliegenderweise.
Es ist schon beinah absurd. Nicht wahr?
So ist das, wenn man auf seine Kinder nicht aufpasst, sagte mein Lehrer.
Ich will gar nicht behaupten, dass ich mir eingeredet habe, meinen Mitmenschen den Tod zu bringen. Aber, ganz ehrlich, so manchmal kommt es einem schon komisch vor.
Als meine Mutter starb ,da war ich 15….das prägt schonmal…auf jeden Fall wurde mein Vater ein noch viel besserer Geschäftsmann, er arbeitete noch viel härter als früher. Dadurch hatte ich ziemlich viel Zeit für mich. Störte mich nicht. Mir ist selten langweilig, weil es immer Dinge zu tun gibt. Auch wenn man allein ist. Man kann schöne Sachen ansehen. Oder Musik hören. Oder malen oder schreiben. Oder tanzen. Ich tanze wahnsinnig gern. Manchmal ganz ohne mich zu bewegen nur in meinem Kopf. Dann verschwindet die Welt um mich herum und ich bin wirklich etwas besonderes.

Freunde hatte ich nicht so viele. Ich ging ja nicht zur Schule und meine Mutter passte immer sehr auf, dass mir keine bösen Leute begegneten und dann kam ja noch hinzu, dass ich Menschen den Tod bring. Das macht’s einem schon mal schwer jemanden zu mögen. Darum hatte ich auch keinen Mann. Auch nicht als ich älter wurde. Aus lauter Trotz hab ich mich in den Herrn Kreisel verliebt. Kurz nach meinem Abschluß, sowas wie ne mittlere Reife und ….. Etwa ein Jahr, nach dem Tod meiner Mutter, hat er sich umgebracht. Sich mit so einer Sportwaffe den Kopf weggeblasen. So ist das, sagte mein Vater, wenn man seine Finger in Angelegenheiten steckt, die einem nichts angehen. Hab ich nicht verstanden.

Manchmal beschleicht mich das Gefühl, zwischen dem Tod meiner Mutter und Herrn Kreisels Selbstmord gibt es einen Zusammenhang. Vielleicht war das auch der Grund, warum Helena und mein Vater nicht so wahnsinnig viel Zeit miteinander verbracht haben. Vielleicht ist es aber auch einfach nur passiert, weil ich da bin.
In meinem 18. Lebensjahr begannen meine Kopfschmerzen. Migräne, sagte die Ärztin und gab mir ein Mittel dagegen. Manchmal half es, manchmal nicht. Kopfschmerzen können sehr faszinierend sein. Wenn es so arg sticht, dass du nicht mal wagst, deinen eigenen Namen zu denken, verschiebt sich die Wahrnehmung, die Welt…alles. Die Schmerzen mochte ich nicht, aber dass, was sie mir eröffneten, das fand ich toll.
Zwei Jahre später, begann die schönste Zeit meines Lebens. Mein Vater hatte mich zu einigen Ärzten gebracht wegen der Migräne. Und einmal durfte ich auch in so eine Röhre, so eine, wie die, in denen meinen Mutter immer gelegen hatte zum fotografieren. Nein. Tomographie. Meine Bilder durfte ich nicht sehen. Aber mein Vater schenkte mir eine EIGENE! Kreditkarte und sagte, ich solle mir die Welt ansehen und mir eine schöne Zeit machen.
Hab ich auch.
Im ersten Jahr besuchte ich Island und hab mir die heißen Quellen angeguckt und darin gebadet.
Und ich war in Griechenland, hab die Akropolis gebührend bestaunt. Im zweiten Jahr, hab ich mich über die Franzosen geärgert und war dennoch hingerissen, von diesem Berg bei Paris, wo die ganzen Künstler malen. Mon Matre? Keine Ahnung wie man den schreibt, aber dort fühlte sich die Welt ganz wundervoll frei an. Ich wanderte durch Wien….sprang zwischen Buddha und Pest hin und her.
Im dritten Jahr, versteckte ich mich in einer Kathedrale bei Prag, die mit Knochen überfüllt war. Und ich warf in Ostfriesland Schlamm auf andere Leute. Aber nur einmal. Im vierten Jahr………. War ich auf Hvar. Einer Insel in Jugoslawien. Dort blieb ich lange. Wie das Dorf heißt, weiß ich nimmer, aber das Kloster dort in den Bergen, zu dem es nur eine Stunde Fußweg brauchte. DAS war….magisch. Da hab ich meine Mutter endlich verstanden. Hab dort viel nachgedacht. Viele Dinge verstanden.
Auch warum mir mein Vater die Kreditkarte geschenkt hatte.
Dort hab ich auch den Tod gesehen. Eines Nachts.
Es war ein Mann, dessen Gesichtszüge so fein waren, wie die einer Frau. Oder vielleicht war es auch eine Frau, deren Stimme so tief und sanft war, wie die eines Mannes. Er saß auf der Mauer, in der Nähe vom Glockenturm und blickte hinab zu dem Dorf. Schwarze einfache leinene Kleidung, wie es dort üblich war. Ich wusste sofort, dass es der Tod ist. Weil ich doch sein Engel bin. Hab’s daran gesehen, wie er seinen Kopf drehte. Hab’s an seinem Blick erkannt.
“Mädchen” hat er gesagt…nein geflüstert. “ Mädchen komm her!”
Und ich ging zu ihm. Ohne Angst. Warum auch. Wusste ja eh schon, dass ich sterben werd. Dort zu stehen und ihm in die Augen zu sehen, waren die lebendigsten Momente in meinem Leben. So ehrlich. So unbeschreiblich innig und echt. Ohne auch nur ein Wort zu sagen, schenkte er mir mehr Trost, mehr Gefühl, als ich jemals zuvor auch nur erdenken hätte können. Dann scheint mir alles verworren und doch echt. Als wäre es nur eine Erinnerung, die ich mir zurechtgeträumt habe. Weil sie so wundervoll ist. Er küsste mich. Der erste Mann, der mich überhaupt küsste. Nicht mein Gesicht, oder mein Abbild, sonder mich, mein Innerstes, alles was mich ausmacht, meine Seele.
Und ich verstand, dass ich nur den Tod lieben kann, weil der nicht wegsterben wird. Doch als ich mich am nächsten Morgen wiederfand, an dieser Stelle am Boden liegend, wie ein vergessenes Gepäckstück, waren meine Kopfschmerzen schlimmer als je zuvor. Es ging mir schlechter als je zuvor und ich kehrte zurück nach München. Danach bin ich nur noch einmal verreist. Im fünften Jahr. Meinem 25igsten Lebensjahr.
Nach New York.
Mein Vater schickte mich dort hin. Es sollte da fähige Ärzte geben, die mir helfen können. Die es vielleicht schaffen würden, dieses Ding aus meinem Kopf zu schneiden, dass mich falsch programmiert. Vielleicht verhindern, dass ich sterbe. Ich wohnte ich in so einer kleinen, aber hübschen Wohnung in der Nähe der Wave Hill Gardens. Tagsüber war ich oft einige Stunden im Krankenhaus, manchte ein paar Erledigungen. Nachts ging ich tanzen manchmal, in den lauten Clubs. Oder ich schrieb. Oder ich saß im Park und suche den Tod, damit er mich noch mal küsst und mich glücklich sein lässt.
Egal. Zeit vergeht.

“Frau Denk!” Sagt Mr. Miller, natürlich auf amerkikanisch, aber weil ich nicht so schlecht bin im Englisch macht das keinen Unterschied. “Frau Denk, es gibt keine angebrachte Weise ihnen diese Mitteilung zu machen, darum sage ich es, wie es ist…”

…..Zeit verging: 6 Monate lebte ich in New York..
6 Monate lang lief ich jeden Tag ins Krankenhaus und ließ andere Leute in meinen Kopf sehen. (Ich wünscht ich könnte mich sehn, in deinem Kopf, in deinem Kopf…Kopfkino) In diesen sechs Monaten begleiteten mich meine Kopfschmerzen. Manchmal so schlimm, dass ich glauben wollte, es könnte nicht mehr schlimmer werden. Es konnte wohl. Und ich konnt und wollt mich nicht recht daran gewöhnen, weil….jedesmal wenn ich dachte…okay…es IST schmerzvoll, aber noch erträglich, wurde ich alsbald eines besseren belehrt. DAS geht. Und eigentlich wollte ich nicht wirklich rausfinden, wann der Endpunkt erreicht ist.
Die Tage, an denen es ruhig war – in mir, an denen ging ich Nachts tanzen. Ließ das Stroboskoplicht durch meine Augen in mein Hirn tanzen und meinen Körper im Rausch der Töne versinken. Wenn es in mir nicht ruhig war, ging ich in den Park, gleich nach dem Krankenhaus. Dort blieb ich meistens bis tief in die Nacht. Die sich erhebende Dunkelheit genießend…mit ihrer Stille.Beides tat mir gut…besänftige die Wellen in mir…wenn sie losbrechen wollten um mich zu brechen. Was einem gut tut lernt man lieben.
Die letzten beiden Monate….verbrachte ich sehr oft im Park. Wenn noch Tag war, mit geschlossenen Augen, wegen dem Licht, damit der Kopf nicht so tobte. Mit der Zeit erkannte ich Dinge wieder. Umstände. Wie zum Beispiel…die Mütter, die tagsüber mit ihrern Kindern regelmäßig im Park spielten. Erst an dem Klang ihrer Stimmen, später an der Art und Weise, wie sie ihre Schritte setzten. Und manchmal glaubte ich sogar riechen zu können, ob es die zaghafte Griechin war, mit den beiden schweigsamen Säuglingen, oder die Puertoricanerin….gelassen bis ins letzte….deren elfjähriger Sohn, mit Vorliebe stundenlang verschwand, nur um dann urplötzlich wieder aufzutauchen als ob nichts gewesen wäre. An einem Donnerstag wurde mir bewusst – mit Gewissheit bewusst – dass er bald schon nicht mehr zurückkommen würde…ich hörte es an den Vibrationen in seiner Stimme als er sagte: ”Komm gleich ……… [Ich ‘sah’ seine Mutter…an ihrem dunkelgrünen Telefon stehen, daheim bei sich …die rote LED blinkt….eine Nachricht auf ihrem Anrufbeantwortete…dann drückt sie drauf….dann verliert sich ihre Fassung….ihr Anglitz wird blass…sie schwankt…hält sich an der Wand….ihre Mimik verzerrt sich….ihre Augen werden zu salzernen Flüssen….ihre Lippen öffnen sich zu einem lautlosen Schrei…. Dann vorbei.] ………..wieder Mum!”
Klingt komisch?
Jedenfalls lernte ich den Park nebst seinen Bewohnern kennen. Welche Tageszeit, welche Farbe die Bäume zeichnete. Welche Blätter, wie sie im Wind rauschten. Man will gar nicht glauben, wie viel man wahrnimmt, wenn man sich auf etwas konzentriert. Drei oder viermal glaubte ich auch den Tod gesehen, oder nein…viel mehr gefühlt zu haben. Wenn ich da so saß, des Nachts. Nicht dass ich es an jemanden , oder etwas hätte festmachen können. Es war mehr so, als würde irgend ein Eindruck, den richtigen Hebel aktivieren und mich an Hvar denken lassen. Mädchen, Mädchen komm her. Doch wenn ich mich umsah, war er nicht da – der Tod.
Ich konnt ihn nicht finden, dafür fand er mich.

“…..sie werden sterben!” Vollendete Mr. Miller seinen Satz und der durfte sowas sagen, der war nämlich ein hoch dotierter Neurochirug.
Ich saß bei ihm in seinem Büro und sah ihn einfach nur an. Sein Blick war scheinbar hart. Proffessionell.
‘Ganz der Vater’ schoß es mir durch den Kopf. Er konnte ja nichts dafür. Meine Fehlschaltung nennt sich GlioBlastom, was blöd klingt. Und auch blöd ist. Das war Schuld an meinem vielen Kopfweh. Er frass in meinem Kopf, so wie der Krebs meine Mama gefressen hatte. Mr. Millers Augelider flatterten leicht und ich wusste, dass es ihm leid tat. Um mich. Darum dass er mir nicht helfen konnte. Sein Gesicht war seine Arztmaske…aber nicht ganz perfekt.
Ich lächlete ihn an, weil ich es lieb fand, dass es ihm leid tut. Was Neues hatte er mir nicht erzählt. Wusste ich doch schon seit Hvar, dass der Tod mich noch einmal küssen MUSSTE. Weil ICH es mir wünschte. Es ist doch ganz natürlich, dass man einen perfekten Augenblick wieder erleben will…oder?

Auf dem Weg in meine Wohnung zurück dachte ich viel nach. Was aus mir werden würden? Was nach mir sein würde? Was geschieht denn, wenn man weg ist?
Für einen selbst ist es wohl egal, dass Einzige was bleibt, ist die Trauer jener die über bleiben. Ob mein Vater an meinem Grab weinen könnte? Ich glaubte ja fast nicht daran. Wenn ich nur noch einen Tag zu leben hätte, was würd ich tun? Was würd ich tun.
Mädchen. Mädchen komm her.
Und ich ging.

Wenn es denn so sein muss, wenn ich denn jetzt schon den Tod nehmen muss, dann will ich wenigstens meinen Tod sterben. Ich will wieder Engel sein und zu meinem Gott fliegen.
Mein Entschluss ist gefasst. Zwei Tage später halte ich ein Flugtickend in der Hand. Zurück in die alte Welt.
Europa. Zagreb.
Von dort mit dem Zug zum Meer. Mit dem Fährbott zurück nach Hvar.
Hvar.
Tagsüber schlafe ich auch dort. Das Licht macht mein Kopfweh unerträglich. Nachst wandere ich auf dem Fussweg den Berg hinauf. Erklimme die Stufen und warte am Glockenturm des alten Klosters auf diesen wunderschönen Mann. Das er kommt um mich zu küssen. Nacht für Nacht sitz ich auf der Mauer, betrachte die Sterne, lausche dem Zirpen der Grillen und dem entfernten Rauschen der Wellen, wenn sie an Land kriechen…wieder und wieder und wieder.
Ich beobachte den Mond beim abnehmen. Ich beobachte den Mond beim zunehmen.
Fast ist es wie in meinem Park. Nur sind es andere Dinge, die ich kennenlerne. Es ist wunderschön!
Jasmingeruch liegt in der Luft. Betäubend. Berauschend!
Als ich an irgendeinem Abend schon vergessen habe, warum ich mich zu Kloster begebe, verändert sich alles. Die gerade unter gegangene Sonne malt die Reste des Horizonts noch violett….das Violett verschwimmt sacht mit dem zarten Blauschwarz der aufsteigenden Nacht und das Dunkel der Nacht muss dem Schein des vollen Mondes weichen. Im Glocketurm sitzt eine Krähe. Dann ist es, als würde die Welt den Atem anhalten. Ich höre keine Geräusche mehr, als säße ich im Vakuum. Wie auf ein unhörbares Kommando hin, erhebt sich der Schwarze Vogel…sein Flügelschlag…

….Flap….Flap….Flap….
Verliert sich leise in das…
….Tap….Tap….Tap….

Vollzogener Schritte. Ein Mann steigt die Stufen empor. Fast will ich frohlocken, fast will ich hoffen. ER ist es. Doch es ist nur ein alter Mann. Braungebrannt, mit grauen langen Haaren. Auf dem ersten Blick wirkt seine Frisur, als wäre er gerade aufgestanden und hätte vergessen sich zu kämmen. Auf den zweiten Blick könnt ich Stein und Bein darauf schwören, dass jede Strähne so verwirrt sie wirken mag, genau an dem Platz sitzt, an den sie gehört. Kein Zufall, sonder perfekt arrangiertes Chaos. Ich sehe ein Muster. Er ist bepackt wie ein Maultier. Ein lederner Beutel, eine Staffelei, eine Pappröhre. Als er oben ankommt, nickt er mir freundlich zu, als hätte er nichts anderes erwartet. Dann stellt er seinen Stafflei auf und spannt eine Leinwand darauf. Wird wohl ein Maler sein. Ich beobachte ihn dabei, als wäre ich diejenige, für die er das alles tut.
“Wartest du schon lange Mädchen?” Fragt er, während er seine Farben eine nach der anderen auspackt und auf dem Mäuerchen positioniert, auf dem auch ich sitzte.. Seine Stimme ist rauh und warm.
“Seit bald einem………” ‘Monat’ will ich sagen. Doch als ich den Mund nach dem Sprechen wieder schließe, wird mir bewusst, dass ich “…Jahr!” Gesagt habe. Bald ein Jahr ist es her, dass ich hier war.
“Ein Jahr ist nur ein Augenblick in der Ewigkeit.” Meint er philosophisch, aber mit einem väterlichen Augenzwinkern.
Ich schmunzle vergnügt, baumel mit den Beinen und guck in den Sternenhimmel hoch.
“Hab dann nicht mehr so viel Augenblicke…darum bin ich hier…….auch hier,” erzähle ich freimütig, warum auch nicht. Er ist ein alter Mann und weiß um das Leben. So sieht er zumindest aus.
“Nun, du hast so lange gewartet, dann magst du gewiß noch ein kleines bisschen länger warten?….Vielleicht bis ich dich gemalt habe, hm?” Spricht er und zieht einen Pinsel hervor. Zaghaft verknote ich meine Finger, nicke leicht und halte dann still. Verlegen macht mich das, weil ich mich doch nicht so besonders finde. Seine Pinselstrich liebkost das Papier, ich kann es hören.
“Deine Farben leuchten im Mondlicht wunderschön,” flüstert er fast ehrfürchtig und seine Stimme jagt mir eine Gänsehaut über denKörper. Doch bevor ich ansetzen kann, um ihn zu fragen, was er denn mit ‘meinen Farben’ meint, spricht er schon weiter. “…auf wen wartest du?”
“Auf den Tod,“ antworte ich. “ Ich bin sein Engel!”
Seine weiße Augenbraue zuckt nach oben und ich denk schon, er hält mit dem malen inne – doch er tuts nicht.
“Du bist sein Engel? Erzähl mehr Mädchen!”
Das tu ich dann auch. Willig. Gibt es doch so wenig Menschen in meinem Leben, denen ich von mir und meiner Welt berichten kann. Ich erzähle…von mir…meinen Gedanken…meiner Kindheit, meiner Mutter, meinem Vater…von Herrn Kreisel…von den Dinge die ich gerne tu, die mich faszinieren…davon, dass man die Welt hören kann ohne sie sehen zu müssen, von dem Jungen, um dessen Tod ich weiß, obwohl ich es nicht wissen KANN. Meinen Kopfschmerzen und davon wie der Tod mich begleitet, und ich ihn…und dass das auch der Grund ist warum ich hier sitze und in den Himmel starre. Er lauscht aufmerksam, ich weiß es, obwohl er nicht einmal seinen Blick von der Leindwand nimmt. Und er lacht mich nicht aus. Es ist eine seltsame Vertrautheit zwischen uns. Diesem alten Mann und mir. Ich wünschte mir, mein Vater hätte sich nur einmal die Zeit genommen wir so zuzuhören. Aber dafür ist es zu spät, nicht wahr?
Als ich eine Weile schweige, weil mir nicht mehr nach reden ist, beginnt er zu sprechen.
“Diese Insel, Hvar…ist etwas besonderes. Ein besonderer Ort auf dieser Welt. Es gibt kaum einen Ort, der von seinen Bewohner, derart geliebt wird und gleichzeitig gefürchtet. Hvar hat schon viel gesehen …viel erlebt. Wenn du dir Zeit nimmst, dem Wind, den Wellen zu lauschen, wenn DU, Kind, deine Hand auf den Stein dieser Mauern legst erzählen sie dir Geschichten. Grausame, lustige Geschichten…voller Hingabe, voller Liebe. ECHTHEIT!”
Seine alten Lippen umspielt ein Lächeln. Der Klang seiner Worte geht mir durch und durch, ich lege mich zurück, rücklings auf die Mauer und schließe meine Augen. Wenn diese Steine sprechen könnten, was würden sie sagen?
“Sie können es Mädchen, du musst nur zuhören…”
Sie können es, sie können es.
Ich lausche und höre nur das leise Kratzen des Pinsels auf der Leinwand. Chrrrt. Chrrt…wird zu einem scht..scht… Wird zu dem schlagen der Wellen am Strand, ich lächle leise und gleite in einen Halbschlaf, begleitet von seinen Worten.

Im Herzen der Berge auf Hvar gibt es ein Kloster, schon so alt das niemand den Namen mehr weiss. Unwirkliche Dinge gehen darin vor. Nachts kriecht das Grauen daraus hervor und findet seinen Weg ins Tal zu den Kindern Hvars um sich zu nehmen was es zum Leben braucht. Jene die behaupten es gesehen zu haben sind verrückt geworden. ES ist so alt wie Hvar selbst und ES gehört dazu. Alles hat zwei Seiten. Hvar ist die Schöne. ES ist die Schreckliche. Dennoch sind sie untrennbar miteinander vereint. Manche kennen seinen Namen, auch wenn sie ihn nicht aussprechen. Von all jenen die dorthin gingen um ES zu suchen kam nur Zwei wieder. Einer von ihnen war Hastor, der seid jenem Tag den Namen Toth trägt. Was damals geschah weiss niemand. Mit seinem Blut und seinem Schweiss schuf Hastor dass Dorf zum Fusse dieses Berges. ES hat ihm geholfen wie auch immer. Deswegen gibt es Hvar, deswegen gibt es die Toth. Die Zweite, die zurück kam, war Helena Toth. Sie erkaufte mit ihrem Blut, die Freiheit Hvars. Reinigte diesen Ort von den grausamen Machenschaften der Djovanni…seiner Zeit. Beide gaben alles um zu retten was sie lieben. Beide wurden echte Kinder Hvars. Ich liebte sie beide.
Willst du ein Kind Hvars werden?
….genieße den Sonnenaufgang!

Ein Flüstern in meinem Ohr. Ich blinzle. Der Himmel ist dunkeltürkis. Wie wundervoll. Ich finde mich auf der Mauer dieses Klosters liegend wieder. Hab geschlafen. Hab geträumt. Von alten Geschichten, von einer wunderschönen Frau namens Helena….von Krieg und Tod. Tod. Der alte Mann. Hab ich auch ihn nur geträumt? Ich richte mich auf und sehe mich suchend um. Ich bin allein. Kein Mann, keine Leindwand, keine Farben….schließlich bleibt mein Blick auf der Meeresbucht liegen, die man von dem hier erhöhten Standpunktaus wundervoll sehen kann.
Die Sonne geht auf.
Mein Atem stockt mir, als hätte ich noch nie gesehen, wie das Licht die Welt erweckt. Das Wasser glänzt von einem gleissernem metallischen Blau, so hell, dass ich beinah wegsehen möchte. Doch es scheint mir wichtig diesen Anblick in mich aufzusaugen. Darum bleibe ich sitzen. Ich spüre, dass mein Leben an einem Wendepunkt ist. Das ist mir mit einer Deutlichkeit klar, die keinen Platz für Zweifel lässt. Noch niemals war ich so klar im Kopf. Noch niemals verspürte ich ein derartiges Verständnis für die Dinge der Welt in mir. Dann steige ich die Stufen hinab, folge dem ausgetrampelten Weg zurück ins Dorf. An diesem Tag bin ich eine ganz normale junge Frau. Mich plagt kein Leid, keine Schmerzen, ich schlender über den Markt, versuche von diesen Früchten, koste von jenem Wein. Ich gestatte mir mich an den Strand zu legen und in der Sonne zu braten, etwas, was mich normalerweise meinen Verstand kostet. Ich gönne mir ein fast schon dekadentes Abendessen.
Ich schreibe meinem Vater eine Postkarte:

“Hi Paps, ich lebe wie noch nie zuvor! In Liebe,Eva.”

Ich adressiere und frankiere sie und lasse sie in meinem Zimmer liegen.
Die Sonne bereitet sich zum schlafen gehen und ich WEISS ich muss zu dem Kloster zurückkehren. Dieses Mal noch. Ein letztes Mal noch.
Es ist fast das Gefühl, wie damals als ich mit Karsten Eis essen war. Bin so beschwingt, voller Energie, voller Leben. Wie eigenartig wundervoll, so erfüllt von Glück. Als ich oben ankomme, setzte ich mich nicht auf die Mauer, ich schlender an dem Glockenturm vorbei, die Felswand entlang, bis zu einer kleinen eisernen Pforte.
Tritt ein, bring Glück herein.
Dieses Tor führt mich zu einer steinernen Galerie, von der aus ich in die felsige Schlucht blicken kann am Ende ein ausgeschlagener Durchgang. Mit jedem Schritt wächst eine Unruhe in mir. Mit jedem Schritt verliert sich das Tageslicht mehr. Mit jedem Schritt, nähere ich mich…….meinem Ziel?
Der Durchgang verschluckt mich und ich spüre IHN, noch bevor er sich zu erkennen gibt.
“Da bist du wieder Mädchen!”
Diese Stimme, SEINE Stimme, ich würde sie unter tausenden erkennen…meiner Herz beginnt wild zu schlagen. So sanft, so sacht, so warm, so nah. Endlich find ich wieder was ich suchte. Seit jenem Tag suchte. Mir wird etwas schwindelig und ich stütze mich an der kühlen Steinwand ab.
“Hab dich gesucht!” Flüster ich, als ob es ein Geheimnis wäre, dass niemand wissen dürfte.
“Ich weiß,”erwidert er, dann höre ich Schritte und sein Gesicht entsteigt der Dunkelheit wie ein Phönix aus der Asche. Ein Phönix bringt Tod und neues Leben, nicht wahr?
“Hab dich vermisst,” hauche ich und schlucke meine Nervosität hinunter.
“So wie ich dich Mädchen.” Seine Stimme ist ein Gedicht…seine Art sich zu bewegen ein hypnotischer Tanz. Wie er auf mich zukommt. Wie er mich ansieht. Diese Augen…so vertraut, so gekannt…unvergessen? Ich senke meinen Blick, weil ich es nicht ertragen kann, soviel Schönheit zu sehen. Es raubt mir den Verstand. Zaghaft knabbere ich an meiner Unterlippe und überwinde meine Unsicherheit.
“Hab mich in dich verliebt!” Gestehe ich.
Seine filigranen Finger berühren mein Kinn, meine Kopf sacht nach obend zwingend.
“Darum bin ich hier….”
Als mein Blick den seinen trifft, erkenne ich die Augen des alten Mannes wieder, in diesem jungen göttlichen Gesicht. Mit einem Schlag trifft mich eine Erkenntnis, die nicht wahr sein KANN. Ich bin verrückt. Ich MUSS verrückt sein. Denn das was ich zu wissen glaube, ist so absurd, dass es mein Verstand sein muss, der mich in die Irre führt. Ich beginne zu zittern und die Intensität mit der er mich betrachtet zieht mir den Boden unter den Füßen weg.
“Der Maler…” Fast schon unabsichtlich spreche ich diese Worte.
Seine Lippen umspielt ein amüsiertes? Lächeln. “Das Mädchen…”
Seine Fingerspitzen die mich berühren..so kühl…streichen über meine Wangen, als wäre ich ein Kunstwerk, dass er erfühlen möchte. Ich begehre diese Berührung, ich will weglaufen. Denn das, was hier geschieht, ist nicht von dieser Welt. Was mir mit aller Gewissheit klar ist, ist unmöglich. Undenkbar. Wie kann er zwei sein und doch eins?
“Jetzt hast du gefunden…..”spricht er und seine Hand will in meinen Nacken kriechen, um mich zu halten, doch ich weiche zurück. Von plötzlichem Zweifel erfasst.
“Das ist verrückt!” Presse ich hervor…von einer Art Angst ergriffen. Wie konnte ich jemals glauben, den Tod lieben zu können. Mensch, der ich bin. Frau, die ich bin. Doch ganz normal. Meine Welt dreht sich, sonst müsst ich laufen, sonst würd ich fliehen. Alles absurd.
Er folgt meinem Weichen ohne Hast, als wüsste er, dass ich nicht fähig bin ihm wirklich zu entkommen. “Auf einmal soviele Zweifel?” Das schelmische Blitzen in seinen Augen macht mir wirklich Angst. Ich nicke hastig und drücke mich an die Felswand. Wünsche mir in dem Stein versinken zu können. Einfach zu verschwinden. Er tritt heran, presst mich mit seinem Körper mit sanften Nachdruck gegen den Fels. Mein Leib wird von einer seltsamen Errugung erfasst, meine Wangen röten sich, mein Geist zerreisst. Zusammenpassen will ich nicht. Zwiespältig. Zwiegespalten. JA. ICH ZWEIFLE! Will ich ihm entgegenschreien. Doch meine Lippen schweigen stumm. Sein Blick ist so zärtlich wie der eines Vaters. Seine Hände so zärtlich, wie die eines Mannes…sie streichen…mit fast schon perfiden Genuss mein dunkles Haar beiseite und entblösen meinen Hals. Legen mich offen. Manchen mich angreifbar.
“Zweifel ist, was uns ausmacht…mein Mädchen” Obwohl seine Stimme ganz ruhig spricht, klingt doch ein Lachen mit….”…du bist perfekt!”
In einem Anfall von Schwäche schließe ich meine Augen. Was er spricht ist ein Liebesgeständnis. Vom Tod, an seinen Engel. Was ich sein wollte, will …bin. Mein Widerstand sinkt, wissend, dass meine Wahl schon getroffen ist. Ich höre sein Lächeln. Seine Nähe macht mich wahnsinnig. Meine Güte, natürlich liebe ich ihn, mit allem was ich bin. Und als ich das denke, als ich das fühle, wird dieses Gefühl noch ein vielfaches Stärker als hätte dieses Wissen eine Tür geöffnet. Der Tod malt mich blau und ich fühle dieses Emotion von uneingeschränkter Liebe so intensiv, dass ich bebe, lebe, vergehe vor Gier, ich will berühren, verstehen…noch näher sein…eins sein.
“So ist es fein, gib dich…verlieb dich…fürchte nicht was kommt, denn ich bin dein….hab Angst Mädchen…denn du…….bist mein!”
Seine Worte verschlingen mich…bezaubern und verwirren mich. Wollt ich laufen? Wollt ich zweifeln? Wollt ich jemals NICHT bei ihm sein? Meine Hände entkrampfen sich und suchen zaghaft seinen Körper…sich an ihn haltend…in ihn grabend.
“Dann küss mich….,” mehr kann ich nicht mehr sagen. Mehr gibt es nicht mehr zu sprechen. Ich öffne meine Augen, um dieses Bild nie wieder zu vergessen. Ein liebevoller Blick, erfüllt von maßloser Gier nach mir, die mich bewegt und ängstigt. Ein trostspender Kuss auf meine Stirn. Nicht was ich will, ich will Verlangen…und dennoch tut mir das so gut. Dann suchen seine Lippen ihren Weg meine Schläfe hinab bis zum Hals. Heiss und kalt und Gänsehaut. Scheint so vertraut. Zum ersten Mal in meinem Leben empfinde ich das echte Verlangen einer Frau nach einem Manne. Doch als ich ihn bitten will, mir dieses zu geben, Vereinigung, schenkt er mir Verbundenheit ganz anderer Natur.
Es IST ein wundervoller Schmerz als er in mich dringt. Die Sekunden nachdem seine Zähne durch meine Haut brachen, SIND Wahnsinn. Er ist in mir, wie kein anderer Mann es könnte. Mein Denken verliert sich im Raum und mein Leben verliert sich in ihm. Von der kleinen Wunde in meinem Leibe über seine Lippen in seinen Rachen fließend. Nimm mich! Koste! Ich schenk dir Leben. Alles geben, alles nehmen. Wie wahr…Es dauert nicht lange bis er alles genommen hat….und mir bleibt nur, was ich schon in mir trug.
Tod.

Veröffentlicht unter Eva und die Vampire | Schreibe einen Kommentar

Alternative Realität

Ich sitze im Wintergarten, die Beine bequem auf einem Stuhl abgelegt. Meine Waffe auf dem Schoß und sehe durch das Glas ins Dunkle hinaus.

Meine Gedanken?

Vor nicht allzulanger Zeit hat mir Herr Vomisa erzählt, dass ein Teil der Gruppe gehen wird. Sie werden ein Loch in die Biosphäre sprengen und einfach gehen. Wenn es nach mir ginge wäre ich dabei. Dieses ganze Szenario ist einfach zu krank, ich weiß nicht warum ich mich darauf eingelassen habe. Für den Job? Na ich würde ich ihn schon nehmen, aber eigentlich bin ich nicht darum hier. Eigentlich habe ich meinen Auftrag und ich erfülle sie immer, meine Aufträge. Egal ob es mir gefällt oder nicht. Berufsethos, wenn man so will.

Der dritte Tag und ich habe immernoch keine Ahnung, wer mein Zielobjekt ist – es ist blamabel – einerseits. Andererseits hat sich meine Motivation durchaus geändert, ich bin der festen Überzeugung, dass dieses System das uns hier umgibt, dafür ausgelegt ist um uns zu töten. Und ich lasse mich nicht gerne töten.

Warum also, sitzte ich noch immer hier und starre in die Dunkelheit?

[i] Weil du nicht ruhst ehe du getan hast, wozu du hier bist..nein?[/i]

Schritte nähern sich. Draussen huschen weiße und rote Schatten durchs schwarz…[i] die Gruppe die geht…[/i]…mein Blick defocusiert und legt sich auf die matte Spiegelung in den Fensterscheiben. Patrick..Herr Vomisa..whatever..seine Schritte sind es die ich höre. Ich lächel schief – wollte er nicht ?

„Da gehen sie…“ erzähle ich ihm, als er bei mir angekommen ist. Er nickt und tut es mir gleich – hinaus blickend. Während ich ihn über das spiegeln hinweg betrachte bemerke ich, dass er hier steht anstatt mit den Anderen zu gehen. Verwirrung.

„Warum bist du noch hier?“ frage ich und bin tatsächlich neugierig.

„Das ist ein lange Geschichte…“antwortet er und ich muss lächeln, ob dem Ton in seiner Stimme.

„Ich mag lange Geschichten…“

Ich sehe es nicht genau, aber ich glaube er lächelt, Er findet seinen Platz hinter mir, ans Glas gelehnt. Ausserhalb meines Blickfeldes. Es macht nichts, genug bezug über seine Stimme – sie ist angenehm ruhig und dunkel. Gefällt mir.

Er erzählt mir von sich…seinen Kindern….seinem Auftrag, wer er war und warum er hier ist. Das er das Managment erpresst – erfolgreich und dass alles nur dafür das seine Kinder überleben. Ich wünschte es hätte jemals in meinem Leben etwas gegeben, für das ich so gelebt hätte. Er hofft, dass Dr. Graf, seine Kinder versorgt – auch wenn er selbst hier vielleicht nicht mehr rauskommt.

Vielleicht.

Für einen Augenblick wird mir schwer ums Herz – ich wünschte er hätte mir nichts erzählt.

Meine Stimme klingt leiser als vorher, ich wende mich etwas in seine Richtung ohne mich wirklich umzudrehen.

„Wenn deine Kinder versorgt werden, dann würdest du dafür dein Leben geben?“

Wieder nickt er und versetzt mir einen Stich. Ich könnte ihn mögen.

Ich schnaube und sein fragender Blick liegt auf mir. Das fühle ich.

„Warum bist du noch hier?“ ist es nun an ihm zu fragen. Ich…..ich wünschte wirklich er hätte es nicht getan.

„Wegen dir..“antworte ich gehorsam, mein Kopf kippt seitlich in den Nacken und ich sehe ihn von schräg vorne an. Die Fragezeichen in seinem Gesicht sind schwer zu übersehen. Ein wahres Mienenspiel, von aufsteigender Erkenntnis bis zu völliger Ratlosigkeit.

„Will ich mehr wissen?“ flüstert er leise und seine Stimme macht mir ein kribbeln im Bauch.

Zur Antwort schüttel ich nur den Kopf. Seine Augen schließen sich für einen Augenblick, er sieht schön aus, wie er da so sitzt. Ein hübscher Mann. Zu Schade.

Ich setzte mich auf, lasse die Waffe zu Boden gleiten – sie ist jetzt überflüssig. Ob dem Geräusch öffnen sich seine Augenlider wieder und sucht meinen Blick – ich lächel schmerzlich und strecke ihm einen Hand hin. Er betrachtet sie, als ahnte er was geschehen würde. Ein kleines Nicken von ihm. Warum auch immer. Dann lässt auch er seine Waffe zurück, als er sich erhebt. Ebenso wie ich es tu.

Einen Moment später hat er meine Hand ergriffen und folgt mir das letzte Stück zurück in das letzte Eck des Wintergartens, hinter einem kleinen Baum. Unglaublich was hier alles wächst. Beobachtete uns jemand, vermutete er wohl, wir zögen uns für ein Schäferstündchen zurück …doch….das trifft es nicht so ganz. Seine Hand ist ganz warm – ich mag das Gefühl. Wieder das Ziehen in meiner Brust. Kann ich nicht einmal…einmal ablassen?

Für eine Sekunde verstärkt sich sein Griff, reisst mich damit aus meinen Gedanken, ich wende mich zu ihm um – er ist ein Stück größer als ich und ich muss hochblicken. [i] Alles für seine Kinder?[/i]

Er erwidert den Blick, ich mag seine dunklen Augen.

„Was jetzt?“ seine Stimme so leise, dass ich ihn fast nicht verstehen kann – ich würde sie gern öfter hören. Ich lege meinen Zeigefinger auf seine Lippen.

„Mach dir keine Sorgen…“ mein Finger löst sich wieder und ich streiche ihm einmal übers Haar, es damit zurück, auf das meine Hand in seinem Nacken zur Ruhe kommt. „..Victor..“

Es dauert ungefähr 2 sekunden bis etwas, das der Körper wahrnimmt bis zum Gehirn getragen wird.

In diesen 2 Sekunden strecke ich mich um etwas zu machen, das ich schon lange nicht mehr tat. Jemanden küssen. Ihn..küssen.

Je nach ablenkungsfaktor benötigt das Gehirn ca weitere 8 – 10 Sekunden um eine bekommene Information zu verstehen und zu bearbeiten. In dieser zeit löse ich meine Hand von seiner, und lasse einen kleinen Dolch aus meinem Ärmel zwischen meine Finger gleiten. Ich fühle wie sein Herzschlag rapide ansteigt und ein Teil von mir wünscht sich, es wäre ob meiner Nähe. Wahrscheinlicher aber ist, dass er beginnt zu verstehen.

Je nach Wichtigkeit der Information, kann nach dem erkennen und verstehen eine Reaktion sehr schnell von statten gehen. Ich spüre ein Rucken in seinem Körper, wie er seinen Mund im ersten Protest öffnet ..ich nutze die Gelegenheit um mich in ihn zu schieben. Auf zweifacher weise. Einmal meine Zunge die seinen Weg zwischen seine Lippen findet, zum anderen die Klinge meines Dolches die sich von seitlich hinten durch den Stoff seines Anzuges, durch seine Haut, in sein Fleisch, seine Nieren drängt. Es gibt 263 Stellen am Körper eines Menschen, welche bei einem Stich den unmittelbaren Tod zur Folge haben. Ich kenne sie alle.

Er schaudert, seine Muskeln krampfen unwillkürlich und im selben Zug, zieht es mich näher zu ihm. Es hätte soviele Gelegenheiten geben können, dieses Leib erschaudern zu lassen. Warum diese?

Die Kraft fließt aus seinem Körper, jetzt bin ich es der ihn hält. Es dauert nicht lange, dann wird die Erwiderung meines Kusses schlaff. Wir gehen zu Boden und ich löse mich von ihm. Setzte mich neben ihm und vergrabe meine Hand in seinem Haar.

„Es tut mir leid Victor…“ erzähle ich ihm leise. „Du….du warst tatsächlich der letzte Memorator…ich weiß dass….“

Ich schweige und blick kurz durch das Glas nach draussen. Das Ende hier, wird nicht mehr lange auf sich warten lassen? Dann sehe ich diesen Mann neben mir wieder an.

„…ich weiß es, weil ich es war, der sie alle liquiderte.“

Ich beuge mich zu ihm, küsse seine Stirn und erhebe mich.

Noch nie empfand ich Reue nach einem Auftrag.

In dieser Nacht bin ich unsicher.

Ich werde Sorge dafür tragen, das seine Kinder überleben.

Veröffentlicht unter Kurzgeschichten | Verschlagwortet mit | Schreibe einen Kommentar

Suizid

Das neue Jahr hat begonnen. Wie wundervoll nicht wahr?
Schnee. Die Luft eisig kalt. Man spürt das man lebt. Nicht wahr?
Und dann gehst du nach Hause. Schaltest die Stereoanlage ein, oder den Fernseher. Du setzt dich auf deine Couch und fühlst dich leer. Vielleicht bereitest du dir noch etwas zu essen, verspeist es. Nahrungsaufnahme – nicht mehr. Dein Roman ist beendet. Etwas neues schreiben? Noch nicht. Mit Freunden weg gehen – vielleicht. Was heisst das? Du rufst an, ihr verabredet euch, ihr trefft euch, ihr redet – selten über etwas was dich bewegt. Nicht wahr? Dann fährst du wieder heim. Machst das Licht an. Siehst dich um. Leise. Leer. Schnürt das dein Herz ein? Du machst Musik an. Aber keine Musik ist so laut, um diese Stille zu übertönen. Nicht wahr? Diesen Punkt schleppst du schon dein halbes Leben mit dir. Die Panik davor, nichts in deinem Leben zu haben, für das es sich zu leben lohnt. Du hast nicht verstanden, dass dir niemand einen Grund geben kann. Nur du. Nur du. Nur du. Nicht wahr? Oder vielleicht hast du sogar verstanden, aber jetzt hilft dir das nichts. Jetzt sitzt du da. Innerhalb weniger Wochen bist du stärker abgesunken als jemals zuvor. Innerhalb weniger Tage so tief, dass du nicht mal mehr um Hilfe bitten willst. Um was auch bitten? Niemand kann dir geben was du brauchst. Nur du. Nur du. Nur du. Also warum fragen? Warum zu anderen gehen, wenn dir niemand helfen kann. Nicht wahr? So weit weg. Das es Menschen gibt die dich lieben, ist dir bewußt. Vielleicht glaubst du es ihnen sogar. Nein..natürlich glaubst du es ihnen. Aber auch das hilft nicht. Auch dass dringt nicht durch die Stille. Es ist so, aber nicht für dich erreichbar. Nicht wahr? Oder vielleicht ist es dir auch egal. Vielleicht. Ich weiß es nicht. Du triffst eine Entscheidung. Schon während der Woche. Noch während du arbeitest. Noch während du dich mit Freuden triffst. Vielleicht schon früher, aber erst in der letzten woche wird alles so undurchdringlich, dass du es nicht mehr schaffen willst. Nicht WILLST! Du könntest, aber du willst nicht. Tu was du willst. Ich glaub ich kotz.
In deinem Kopf entsteht ein Bild.

Ein Bild das sehr friedlich dar liegt. Dir Frieden verspricht. Was kann dich denn noch quälen? Vorbei ist vorbei..nicht wahr? Aber es ist ein schwieriger Weg zu sterben. Nicht wahr? Es gehört schon irgendwie Mut dazu. Nicht wahr? Diese Klinge zu nehmen und sie durch die Haut zu drücken – entlang zu ziehen. Nicht wahr? Und ich weiß wovon ich rede. Aber auch wenn alles in dir nach Ruhe schreit, bringst dus nicht fertig. Du zögerst. Und du hasst dich dafür, nicht mal das zu schaffen. Nicht wahr? Dein Leben ist so sinnlos und du bist zu schwach es zu beenden. Nicht wahr? Aber wenn man dir etwas nicht vorwerfen kann…dann inkonsequenz. Wenn du deinen Weg hast, dann gehst du ihn. Komme was wolle. Und du hast deinen Weg. Wenn es im Affect nicht geht. Dann wirst du die passenden Vorraussetzungen schaffen.
Also reservierst du ein hübsches Hotelzimmer. Etwas edles. Nicht wahr? Irgendwo, wo es ruhig ist. So ruhig, wie du ruhig sein willst. Die Fahrt dorthin ist seltsam. Äusserlich unterscheidet sie sich nicht von allen anderen Fahrten die du tust. Aber innerlich ist es…anders… Wie eine Reinigung? All die bösen schlimmen Sachen die dich belasten, denen fährst du einfach davon. Nicht wahr? Irgendwo ganz tief in dir drin, gibt es wohl eine Stimme, die weiß und dir davon erzählt, was du vorhast. Dich vielleicht warnt. Aber sie kann dich nicht beunruhigen. Du machst nichts großes in deinem Leben. Warum sollte das Leben dich vermissen?
Du bist freundlich an der Repzeption. Die junge Frau ist freundlich zu dir. Sie hat keinen blassen schimmer. Ahnt nicht das geringste. Wie auch. Du hast nicht viel Gepäck dabei. Gar keins? Deinen Rucksack. Nicht wahr? Da ist alles drin was du brauchst. Nicht wahr? Was tust du als du in deinem Zimmer bist? Gehst du noch mal spazieren? Oder willst dus gleich hinter dich bringen? Siehst du dich noch um? Aus dem Fenster? Ist es still oder hörst du Musik, als du eine Tablette nach der anderen nimmst? 5 Schachtel.5 Schachteln voller Schlaftabletten. Wo zum Teufel hast du die her? Die alleine sollten reichen. Nicht wahr? Aber. Dir reichen sie nicht.

Du nimmst sie nicht wirklich um daran zu sterben. Du nimmst sie um dich genug zu benebeln, um die Rasierklinge führen zu können. Nicht wahr? Ein Leichtermacher…und eine Rückversicherung…nicht wahr? Wie lange dauert es bis du all diese Tabletten geschluckt hast? Eine Stunde? Zwei? Du bist gut im organisieren. Als es an der Zeit ist, lässt du heisses Wasser in die Wanne. Im warmen Wasser spürt man den Schnitt durch die Haut nicht so. Nicht wahr? Da stirbt sichs leichter. Nicht wahr? Was geht in dir vor? Unruhe nicht mehr. Angst? Nicht mehr. Leise Trauer. Vielleicht. Aber dann ist es endlich vorbei. Nicht wahr?
Schließlich legst du dich in die Wanne.
Die Rasierklingen anbei. Die Tabletten tun ihre Wirkung. Völlig lösgelöst von der Erde. Jetzt ist es an der Zeit. Nicht mehr zögern. Keinen Grund zum zögern. Kaum Schmerzen. Wie tust dus? In der rechten die Klinge? Den linken Arm schneidend? Tief. Du bist nicht zu feige um dass zu tun. Der Länge nach. Du bist nicht zu dumm um das zu tun. Zwei Schnitte am ende die sich kreuzen. Wie eine Unterschrift, nur um sicher zu gehen. Hat jemand gesagt das tut nicht weh? Es tut weh..nicht wahr? Dich zu schneiden schmerz zweierlei. Der Schnitt…und du, der innerlich aufschreit, weil du dir das antust. Wie leer kann man sein? Wie sehr kann man sich hassen? Aber der Punkt ist überschritten. Kein Zurück. Nicht wahr? Es ist schwer, mit der geschnittenen Hand, die Klinge zu führen um die rechte zu öffnen. Es geht, aber es schneidet nicht zu tief. Egal. Egal. Der Hals. Die Kehle. Aller Guten Dinge sind drei. Nicht wahr? Ein Schnitt quer… Links und Rechts vom Kehlkopf..zwei und drei. Irgendwo…irgendwo dort in der Nähe ist doch eine Hauptader. Nicht wahr? Die musst du nur erwischen. Dann herrscht Ruhe..nicht wahr? Du weiß schon nicht mehr was du tust. Du hast die anderen Gedanken schon verloren. Gehst den einzige Weg, an den du dich im Moment erinnerst. Und er färbt das Wasser in der Wanne rot.
Tod.
Gestorben bist du. Innerlich. Dein Körper wehrt sich. Er liegt über 16 Stunden, voller Chemie, ausblutend…im mittlerweilen kaltem Wasser. Man findet ihn. Man belebt ihn.

Man zwingt dich wieder in ihn hinein. Alles was du wahrnimmst. Ist wie sie dich aus dem kühlen roten Wasser ziehen. Und du empfindest es als echte Rettung.
Die nächsten Tage sind nur Traum.
Deine Mutter die um ihre Fassung ringt.
Dein Vater, der sich bemüht dich zu verstehen.
Deine Schwester, die keine Worte hat.
Dein Bruder der dich versucht zu behandel wie immer.
Niemand der dir Vorwürfe macht.
Niemand der dich beschimpft. Nicht wahr?
Ich sitzte an Deinem Bett. All diese Verbände an deinem Körper.
Und du erklärst mir ganz gelassen. Ich dürfe mir keine Vorwürfe machen. ES hätte nichts mit mir zu tun.
Ich nicke. Ich mache mir keine Vorwürfe. Ich weiß, dass ich nicht die Verantwortung für dein Leben trage. Nur du.
Nur du.
Nur du.
Aber dieses Bild macht mich wahnsinnig. Dich so zu sehen nimmt mir alles an Kraft. Wärst du daheim gewesen. Hätte dich niemand gefunden. Dann wärst du. Tod. Tod. Tod. Nicht wahr? Aber ich kann mich doch nicht sorgen, weil ich eine Woche nichts von dir hör. Es ist doch dein Leben. Ich hab dich angerufen. Dich gefragt, ob alles in Ordnung ist. Es war so seltsam, dass du mir ein Päckchen schickst, obwohl wir uns doch regelmäßig sehen. Hast dus da schon gewußt? Du hast. Nicht wahr? Dafür mache ich dir Vorwürfe. Dass du mir nicht vertraust. Dass du nicht ehrlich zu mir bist. Dass du mir nicht gestattest dir zu helfen. Ich kann doch helfen. Ich bin doch auch für dich da, wenn ich nicht deine Beziehung bin. Ich bin doch nicht weniger Freundin deswegen. Es schmerzt mich so wahnsinnig, dass ein Mensch, der mir wichtig ist, keinen Grund zum Leben in sich findet. Und ich kann nichts tun. Nichts. Ich konnte nicht. Und nun?
Nun sitzte ich an deinem Bett. Halte deine Hand. Ich rede ruhig mit dir. Was du erzählst, erzählst du. Was du nicht erzählst. Erfrage ich nicht. Du musst erzählen. Was in dir vorging. Und ich verstehe es. Natürlich verstehe ich es. Aber ich muss mir eingestehen. Es ist viel einfacher. Selbst davon zu laufen, als dabei zu stehen. Ich begreife jetzt erst. Wie Unfair es den anderen gegenüber ist, sich selbst aus dem Spiel zu nehmen.

Aber was scheren einem die anderen, wenn man selbst am Ende ist? Ich hasse es zu verstehen warum. Ich würde dich lieber mit Vorwürfen überschütten. Ich würde dir am liebsten in deinem Kopf hämmern, was du getan hast. Wieviel Vertrauen du gebrochen hast. Was du jedem einzelnen damit angetan hast. Aber du weißt es. Ich weiß, dass du es weißt. Ich sehe es in deinen Augen.
Du bist nicht stolz darauf. Aber du stehst dazu.
Der Absolute Nullpunkt.

Veröffentlicht unter So wies geschah | Verschlagwortet mit | Schreibe einen Kommentar

Dornröschen mal Anders

Hundert Jahre sollst du schlafen.
Hundert Jahre hast du Zeit.
Hundert Jahre sollst du Leiden,
Nach hundert Jahr' wirst du befreit.

Sie sieht mich nicht. Aber ich…ich habe sie schon lange wahrgenommen. Sie verinnerlicht. Ihr Körper ist nur ein Abbild. Der Raum der ihr wahres Sein beherbergt. Mehr nicht. Sie hat gelernt ihn zu verachten, weil die Oberfläche den Betrachter dazu verführt nicht ins Innere zu blicken…sich blenden lassend. Wie dumm sie alle sind.
Vergessend sich selbst zu lieben, hat sie sich Fesseln angelegt. Ich weiß…es gab eine Zeit…als ihr ein Rosengarten geschenkt wurde… In dem sie glücklich war. Aber der Gärtner hat sie und die Rosen zurückgelassen…und beide verdorrten…und zurück blieben nur die Dornen. Viele Dornen.
Es mag sein…dass sie einst versuchte..diese Mauer zu überwinden…doch jedesmal, wenn sie die Hand ausstrecke…bohrten sich die Spitzen in ihre zarte Haut und zwangen sie abzulassen. Und wieder lernte sie. Schmerz ist ein guter Lehrmeister…nein? Schließlich wurde ihr Gefängnis…ihr zu Hause. Ihr Leben. Alles was sie hatte. Die Dornen wurden ihre Wächter…hinderten sie nicht am fliehen…sondern Andere am eindringen.
So ist es seit jener Zeit. Und ich?
Mich sieht sie nicht. Mich liebt sie nicht. Wie soll man jemanden anderen lieben, wenn man sich nicht selbst lieben kann?
Schön ist sie wahrhaft. Aber das ist es nicht was mich berührt. Ich bin kein Betrachter…ich bin ein Beobachter. Und ich beobachte sie…schon so lange. Die Sanftheit, mit der sie manchmal ihre Kopf wendet… Und ihre tiefen Dunklen Augen..in denen all ihr Leid zu lesen ist…für diejenigen die gewillt sind zu lesen. Und noch mehr. Wenn ich mir nur gestatte..tief genug hinein zu sehen…mich fallen lassend…finde ich die Reste ihres Wesens. Rein, wie der Zauber der Einhörner. Tausenmal schöner, als jede Hülle. Begehrenswerter, als alles was ich mit meinen Augen zu sehen vermag.
Wahre Schönheit bleibt dem Auge verborgen..nein?
Doch..sie sieht mich nicht.
Sieht nicht, wie ich leise lächle wenn sie in meiner Nähe ist.
Sieht nicht, wie meine Wangen sich röten..und meine Hände beben.
So gerne würde ich sie berühren…nicht ihren Körper..sie. Möchte sie fühlen lassen…das SIE wunderschön ist… Möchte sie vergessen lassen, was sie an sich hasst…weil ich sie dafür liebe.
Ihre Art zu sein..ihr Wesen…trifft mich im Innersten. Und Dinge, die einen bis ins Innerste berühren, verlieren sich nicht. Also habe ich Zeit.
Wenn sie sich nicht lösen will, aus ihrem Heim..so will ich ihr geben, was ich ihr geben kann.
Geduld und Hingabe.
Ich will ihre Dornen liebkosen…mich daran stechen und kratzen…bis ich blute…und mein Blut wird zu Boden fallen und in der verdorrten Erde versinken…auf die Wurzeln treffen..und sie nähren. Ich werde mich selbst darin verlieren…aufgehen…und wachsen.
Bis nichts mehr von meiner Selbst über ist…bis alles von mir in den widerborstigen Gestrüpp verschwunden ist. Und dann…
Dann werde ich sie umgeben…und ich werde wachsen…ich werde ihr Garten sein

Noch immer voller Dornen..aber ihr ganz nah…ich werde zu ihr sprechen…hundert Jahre lang…und wenn sie keine Angst mehr hat..vor meinen Stichen… Werde ich sie bitten…mich zu lieben..mich zu liebkosen…sich an mir zu stechen und kratzen..bis sie blutet..und ihr Blut auf die Erde fällt..und darin versickert..und auf MEINE Wurzeln fällt.
Keine Angst vor Schmerzen.
Wenn sie nur bereit ist..sich völlig zu geben..sich in mir zu verlieren…in mir aufzugehen..und mit mir zu wachsen…dann werden wir verbunden sein. Eins sein.
Und der Rosengarten wird erblühen..schöner als jemals zuvor…denn WIR werden ihn mit unserer Liebe nähren…und hegen und pflegen..fernab von jeder Äusserlichkeit
..in der Zeit..die kommen wird.

Veröffentlicht unter Kurzgeschichten | Schreibe einen Kommentar

Hvar 1345

"Helena?" Sagt er zu mir. "Helena, du musst das nicht tun, vielleicht…vielleicht finden wir einen anderen Weg."
Ich spüre seine Hand auf meiner Schulter. Schwer liegt sie dort. Eine kräftige grosse Hand. Ich fühle mich schwach, am liebsten würde ich weinen, aber es sind keine Tränen mehr über. Genug geweint. Genug gewartet. Langsam schüttel ich meinen Kopf.
"Nein Mathie, kein zurück mehr. Wenn ich nicht geh. Hier und Heute dann ist es vorbei mit dir, mit der Rebellion mit uns allen. Wir werden es halten wie besprochen."
Ich ergreife seine Hand und drücke sie. Wir richten unseren Blick auf die Insel die wir so sehr lieben dass ihr Verlust unseren Tod bedeutet. "Hvar………"Leise spreche ich ihren Namen als wäre es das letzte mal. Vielleicht ist es dass auch. "Geh Mathie, geh zurück Ich werde…" Mein Hals ist trocken."Ich werde zu IHM gehen…"
" Ich kann an deiner statt…" Fällt er mir ins Wort aber ich schüttel wiederum meine Kopf. Er liebt mich auch wenn er es nie gesagt hat – ich weiss es. Dennoch kann er nicht meinen Weg gehen. Er ist kein Toth. Es gibt kaum Männer die den Namen Toth tragen und wenn gibt es sie nicht lange, sie sterben früh.

Wir Frauen überleben. Ich bin Toth, ich heisse Toth und ich fürchte bald tot zu sein. So oder so. Es wird zeit. Ich drehe mich rum und sehe Mathias an.
"Ivanic mein Freund …" Irgendwie schaffe ich es ihn anzulächeln als würde ich nur einen kleinen Spaziergang machen wollen."ich…….." Die restlichen Worte bleiben mir im Halse stecken, es gibt nichts mehr zu sagen.
Er nickt nur, drückt meine Hände und steigt wortlos die kahlen Felsen hinab zurück in unser Dorf – ohne sich nocheinmal umzudrehen.
In einem letzten Moment der Schwäche gestatte ich mir die Augen zu schließen, den salzigen Geruch des Meeres tief in meine Lungen zu saugen. Ich sehe Hvar vor mir wie sie war bevor SIE kamen und alles, was gut war verdrehten. Meine Mutter erzählte mir wie friedlich und einfach das Leben war. Es waren die Erinnerunge ihrer Mutter und ich hörte ihr so oft zu bis es meine Erinnerungen wurden. Meine Hand verkrampft sich zu einer Faust. Tot den Venezianer! Ich hasse sie mit jeder Faser meines Körpers, sie machen mein Leben zu einem ewig andauernden Kampf.
Doch in der Vergangenheit liegt die Lösung für die Zukunft, meine und die Zukunft aller die verdammt sind hier mit mir zu leben.
Martha erzählte es Rosa, Rosa erzählte es Hefrana, Hefrana erzählte es Lucia und Lucia erzählte es mir und ich werde es meiner Tochter Alexa erzählen, wenn ich ES überlebe.

……….. Im Herzen der Berge auf Hvar gibt es ein Kloster, schon so alt das niemand den Namen mehr weiss. Unwirkliche Dinge gehen darin vor. Nachts kriecht das Grauen daraus hervor und findet seinen Weg ins Tal zu uns um sich zu nehmen was es zum Leben braucht. Jene die behaupten es gesehen zu haben sind verrückt geworden. ES ist so alt wie Hvar selbst und ES gehört dazu. Alles hat zwei Seiten. Hvar ist die schöne. ES ist die schreckliche. Dennoch sind sie untrennbar miteinander vereint. Wir kennen seinen Namen, auch wenn wir ihn nicht aussprechen. Von all jenen die dorthin gingen um ES zu suchen kam nur einer wieder. Hastor der seid jenem Tag den Namen Toth trägt. Was damals geschah wissen wir nicht. Mit seinem Blut und seinem Schweiss schuf Hastor dass Dorf in dem du heute lebst. ES hat ihm geholfen wie auch immer. Deswegen gibt es deine Heimat, deswegen gibt es uns Toth. ………….

Noch einmal hole ich tief Luft, dann mache ich mich auf den Weg in die Berge auf zu dem Kloster im Herzen der Berge von Hvar. "H – v – a – a – a – a – r…….." Wie ein leiser Ruf in meinem Inneren, meine Liebe, mein Leben.
Den seltsamen zerklüfteten Aufstieg bringe ich hinter mich. Meine Füße führen mich zielsicher immer weiter, als wüssten sie wohin ich gehen muss. Und tatsächlich als die Sonne den Horizont berührt habe ich eine Felsspalte erreicht, die sich zu einer Höhle weitet. Ich sehe eine kleine vergitterte Pforte und bin mir absolut sicher, dass dahinter das Kloster liegt. Ohne Frage.
Da steh ich nun, die Mauern drücken von links und rechts auf mein Gemüt und es ist kalt. Nicht die Temperatur sonder das 'sein' hier. Die untergehende Sonne zaubert eigenartige Schatten an die Felsen und taucht sie in ein unheiliges rot. Blutrot. Ein seichter Wind zieht an mir vorbei und für eine Sekunde habe ich das schreckliche Gefühl er flüstert meinen Namen. Toth Toth Toht. Toth ist tot. Mich schauderts und zum erstenmal zweifel ich ernsthaft an meinem Vorhaben. Wer bin ich denn? Weiss ich denn schon was mich erwartet? Eine Geschichte! Eine Legende! Und wenn es wahr ist warum sollte ES mir helfen? Was kann ich denn bieten, ich habe nichts ausser mein Leben und meine Tochter.
Dann denke ich an Mathias, die Leute im Dorf und an die Venezianer. Die Vene-ZI-aner…
WENN es etwas in dem Kloster gibt werde ich es finden
Ich werde es überzeugen mir zu helfen wie es einst Hastor half.
Egal zu welchem Preis.
Mit zitternde Händen öffne ich die Pforte. Viel zu leicht bewegt sich das alte Tor, es heisst mich willkommen Wie zum Hohn versinken die letzten wärmenden Sonnenstrahlen und ich bin allein.
Tritt ein, tritt ein, willkommen daheim.
In Stein geschlagene Treppen. Dunkel. Modrig. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals. Feuchte Wände. Selbst als sich meine Augen an die Finsternis gewöhnt haben sehen ich nicht mal meine Hände. Bis wohin muss ich gehen? Wie weit bin ich schon gegangen?
Irgendwann, ich bin nicht in der Lage zu sagen wie viel Zeit vergangen ist, stehe ich in einem Raum und mir wird bewußt dass ich am Ziel bin.
Ich warte.
Schweigen.
Was tu ich hier? Ich geh zurück…Wir sammeln alle und werden Kämpfen. Wir besiegen die Venezianer auch so. Wir sind stark. Ich werde Mathias sagen dass ich mich geirrt habe. Hier ist nichts. Hier war noch nie etwas.
Ich warte.
Schweigen.
Hoffnungslosigkeit. Angst. Ich werde sterben. Alle werden sterben. Sie sind zu mächtig. Es gibt kein Entkommen. Es ist kalt.
Ich warte.
Schweigen.
Mein Kopf ist leer. Ich habe mir jede Frage gestellt. Jede Furcht gefürchtet. Alle Zweifel durchlebt. Meine Füße sind eingeschlafen. Meine Ohren taub von der stille. Mein Körper ohne Gefühl.Was ist schon Zeit?
Tausend Jahre sind ein Tag.
Gerade als ich mich frage ob ich nicht schon tot bin ändert sich etwas.
Und obwohl ich nichts sehen und nichts höre ist mir alles klar. ES war schon die ganze Zeit hier. Nicht ich habe gewartet. ES hat gewartet. Darauf mich zu treffen und nicht meine Ängste. Ich fühle wie es mich ansieht, es kann mich sehen so dunkel wie es ist. Und es sieht nicht nur mich, es sieht in mich hinein, kennt alles ohne dass ich mich erklären muss.
Er ist es.
"Schön sie wieder zu sehen" Ich höre seine Worte nicht, ich fühle sie in mir.
"Wiedersehen?" Wiederhole ich leise.
" Ja………sie kennt uns……oder doch nicht?"
Ich stutze, überlege, hadere aber sicher bin ich mir nicht. Weder das eine noch das Andere. Kenn ich ihn? Kennt er mich?
" Doch , doch.." Fast wirkt es auf mich es spräche mehr zu sich selbst als zu mir. " …sicher kennen wir uns."
Das Grauen. Der Tod. Der Schrecken von Hvar. Irgendwie kommt mir alles fürchterlich absurd vor, total verrückt. Nicht aus dieser meiner Welt.
" Und…wie fühlt sie sich?" Fragt es mich, einen Moment habe ich das Bedürfnis hysterisch zu kichern. Gleich wird es mir einen Platz an seinem Tisch anbieten und mir Essen und Trinken servieren.
" Ich…" Setzte ich zu reden an aber es unterbricht mich.
" Ja ja..ich weiss ich weiss…glaube ich..oder? Egal. Sie ist wegen den Giovannis hier oder?…Natürlich ist sie das, warum sonst sollte sie hier sein. Hätte ich wissen können. Welche Toth ist sie?" Ein Wasserfall in meinen Kopf, Nicht nur dass ich seine Worte höre ich fühl mich als hätte ich zuviel Wein getrunken. Aber nicht berauscht. Lächerlich. Ich träume wohl. Ich muss träumen.
"Helena " antworte ich dennoch folgsam. "….die Venezianer " füge ich hinzu und schweige von allein.
"Hm, ja…die Familie kann sehr anstrengend sein, dass stimmt. Ich kann mich noch erinnern. Damals, als ich Don…aber das interssiert sie eigentlich nicht…..nicht waaaahhhhhr?" Es zieht das 'wahr' so seltsam in die länge dass es lauernd wirkt, mich beunruhigt. Eine Gänsehaut zieht über meinen Körper . War da was an meinem Nacken? Wie nah ist es mir?
"Näher als sie glaubt he-Lena Toth"
Ich schlucke.
"Werdet ihr…….."
"Och, ich denke schon" antwortet es. Wieder bevor ich überhaupt gefragt habe was ich fragen wollte. "Die Frage ist viel mehr….. Wird sie den Preis bezahlen, will sie den Preis bezahlen? " Ein kehliges kurzes Lachen dass abrupt wieder aufhört. "….oder auch eiskalt He-Lena Toth…..oder sollte ich besser Tot sagen?"

Toth oder Toth? Meine Gedanken verknoten sich, Die Art und Weise wie es spricht bereitet mir Kopfschmerzen. Was ist der unterschied zwischen Toth?
"Nur eine Kleinigkeit, aber da hat sie recht es macht nicht viel Unterschied, denn sie ist beides"
Kalte Schauer. Auch ohne wirklich zu verstehen was es sagt, verstehen ich was es meint.
Aber der Tod kann nicht schlimmer sein als das Leben unter den Venezianer…oder den Djovani wie es sie nennt. Wenn das der Preis ist will ich ihn zahlen. Die Zeit der Angst ist vorbei für mich. Nie wieder Knechtschaft. Freiheit für mein Kind und das Volk.
Es summt eine Melodie, ein Kinderlied?
Was wird das? Was will es noch? Weiss es noch dass ich hier bin? Warum sagt es nichts mehr?
Es summt diese blöde kindische Melodie…immernoch.
Das macht mich ganz rasend, Mein Kopf , meine Gedanken. Raus!
"Zum zweiten Mal kommt sie nun schon zu mir …Toth!" Mehr sagt es nicht, dann summt es wieder weiter als hätte es garnicht gesprochen.
Und wieder weiss ich nicht wie lange es dauert. Bis ich hundert mal gefragt habe was es will. Erst als mir mit unerschütterlicher Gewissheit klar wird dass mein Tod nicht der ganze Preis ist. Es will jeden Toth. Für immer. Das Ausmaß dieser Erkenntnis kostet mich einen Teil meines Verstandes. Wie kann ich DAS entscheiden? Das Schicksal für alle die nach mir kommen besiegeln. Steht mir das zu? Hab ich das recht? Nun, ob ich es habe oder nicht…ich nehme mir das Recht. Wenn nicht ich wer dann? Und wenn ich es nicht tu, wird es dann überhaupt jemanden geben der mir vorwerfen könnte ich hätte nicht alles unternommen? Toth für den Rest von Hvar. Ja.
"Dumm wart ihr wahrlich noch nie…schön schön…freut mich dass wir uns einig werden konnten" Ein Geräusch dass sich wie ein breites Lächeln anhört. Kann man ein Lächeln hören?"……ich werde dir ein kleines Geheimnis verraten….."

Ihre Augen sind meine Augen….

…sind ihre Augen, sind meine Augen. Ich wende meinen Anblick von dem zerbrochenen Spiegel. Manche Dinge müssen einfach zerstört werden bevor man in das Innere blicken kann. Mein Magen rebelliert. Ist es Tag oder Nacht? Ich kann es nicht sagen. Auch nicht wie lange ich schon durch dieses vermaledeite Kloster irre. Was er mir angetan hat liegt im Dunklen. Aber seit es mich geküsst hat bin ich vergiftet.

Mich quälen tausend Gesichter, wie in einem Alptraum. Stimmen, die es nicht gibt, oder noch nicht gibt. Ich höre wie sie meinen Namen rufen:
"Helena-He-le-Na!" Ein lautes Echo in meinem Schädel, welches sich zu neuen Worten fügt. "He-Le-Na-Na-N-An-A-AnnA-Na-Hvar….." Ein weiteres Mal bleibe ich stehen und schlage meinen Kopf gegen die kühle Steinmauer. Die Vorstellung wie er daran zerbirst entlockt mir ein hysterisches Lachen. So viel darin. Es wäre dann frei. Ich wäre frei. Ich poche mit solchem Nachdruck gegen die Wand das meine Haut platzt und mein Schädelknochen sich ächzend zu Wort meldet. Jetzt fühle ich mich besser.Kein Tropfen Blut sickert aus der Wunde, aber das bemerke ich nicht. Denn schon wieder bewegen sich meine Beine und zwingen mich meinen Weg fort zu führen. Ich muss zu Mathie, ihm sagen was er tun muss. Was ich in Erfahrung gebracht habe. Muss ihn bitten Alexa zu sich zu nehmen. Weil…weil…ich MUSS ihn bitten Alexa aufzunehmen. Endlich entdecke ich die Tür die mich aus dem Kloster rausführen wird. Ich richte mich auf, sammle meine Kraft und gehe auf den Ausgang zu. Mit jedem Schritt der mich näher an das 'Draussen' führt, wird mir das 'Drinnen' bewusster. Die Gänge in denen ich planlos umher irrte entknoten sich mit jedem Fuss den ich vor den Anderen setzte weiter. Als ich schließlich die Hand an dem Knauf liegen habe gibt es in meinem Kopf eine Karte die exakter nicht sein könnte – mit jedem Gang, jeder Tür, jeder Halle die ich durchschritt oder sah. Ich schnaube verächlich über mich selbst, so einfach. Wie konnte ich mich da drin nur verlaufen?
Eine Sekunde bevor ich die Tür öffne suchen mich Worte heim,
………… meide das Licht, es tötet dich……….
dann gebe ich dem schweren Holz einen Schubs und es schwingt mit einem leisen Knarzen nach aussen. Es ist Dunkel, die Sonne ist erst vor kurzem untergegangen. Ich merke es daran dass die Erde noch warm ist, die Luft noch lebendig riecht und – ich fühle es in mir.
Auf dem Weg nach unten zurück zu meinem Leben begleiten mich Fragen.Viele Fragen. Und viele von diesen vielen Fragen kann ich nicht zu Ende denken weil sich mein Kopf wehrt sie in Worte zu fassen. Wie Wasser, dass man mit gespreitzen Händen schöpfen will
Noch bevor man es aus dem restlichen hervorgehoben hat rinnt es einem durch die Finger. Es dauert keine Stunde dann stehe ich wieder vor meinem Haus. Der Aufstieg hatte mich bald 8 Stunden gekostet. Nun ja, bergab geht es schneller. Das ist alles.
In meinem Haus brennt Licht. Ich stehe reglos vor der Tür. Irgendwas stimmt nicht. Das Gefühl dass ich sonst habe wenn ich nach Hause komme fehlt. Als hätte jemand in meiner Abwesendenheit alles was mich ausmacht aus meinem Heim gewaschen, es von mir gereinigt. Es schaudert mich, dann raffe ich mich auf und trete ein.
Mein Esstisch, meine Kochstelle, Stühle, ein Sekretär, Bilder, eine Kiste, die Tür zu meinem Schlafraum, alles so wie ich es verlassen habe. Im Kamin brennt noch Feuer – unwillkürlich weiche ich davor zurück. Alexa wird wohl Schlafen, vielleicht ist Mathie bei ihr. Ich nicke vor mich hin und sehe mich mit den Augen eines Fremden um. Es ist unverkennbar mein Zuhause und dennoch scheint mir alles verändert, als hätt ich es noch nie so wirklich wahrgenommen. Verändern sich Dinge wenn man sie besser (er)kennt?

…. Der Raum kreist um mich als wäre er die Erde und ich die Sonne. Ich sehe viele Menschen hier, Leute aus meinem Dorf. Sie gestikulieren wild, reden durcheinander. Ihre Blicke sind entschlossen und Mathie führt sie…dann ist es wieder vorbei und das Zimmer ist leer.
Ich vermute dass die Rebellen sich hier versammelt haben {versammeln werden} um ihr weiteres vorgehen zu beschließen. Lautlos näher ich mich dem hinteren Zimmer. Die Türe ist angelehnt und dahinter erhellt nur der Mondschein den Raum. Ich bleibe im Türrahmen stehen und vergrößere den schmalen Spalt um mich umsehen zu können.
Alexa liegt schlafend auf dem Strohbett, eingewickelt in ihre Felle. Davor sitzt Mathie an die Wand gelehnt und hält ihre Hand. Er schläft ebenfalls.
Im ersten Reflex will ich zu den Beiden laufen und sie in meine Arme schließen, an mich drücken und sie all die Liebe fühlen lassen die ich für sie empfinde. Im zweiten Reflex möchte ich immernoch zu den Beiden laufen und sie in meine Arme schließen….aber der Teil in mir, der diesen Drang auslöst lässt mich nicht nur stehen bleiben, sondern sogar zurückweichen. Nur mühsam kann ich den Schrei unterdrücken, der sich aus meinem Inneren hervor kämpft. Eine Ahnung schneidet sich in meinen Geist, wie eine kalte scharfe Klinge und macht mir mit aller Härte klar, dass ich sie besser nicht berühre – besser nie wieder berühre.. Ich bin vergiftet.
Ich liebe Alexa. Ihre wundervollen dunklen Locken ihr süßes Gesicht die klugen schwarzen Augen. Noch ist sie ein Kind aber es wird nicht mehr lange dauern und sie wird eine erwachsene Frau sein und wenn ich alles richtig mache wird sie in Freiheit leben. Zarte kleine Fingerchen. Ihre Haut mit der leichten Bräune vom vielen draussen spielen. Ich höre ihr Herz fast schlagen. Gleichmäßig, gesund. Mit jedem Schlag pumpt es das Leben durch ihren Körper und verleiht ihr diesen unheimlichen …wundervollen …anziehenden Anblick. Angewidert von mir selbst drehe ich mich rum. Mir wird wieder übel.
Ich kann mich nicht überwinden Mathie und Alexa zu wecken. So leise wie mögliche schließe ich die Türe hinter mir und gehe zum Sekretär. Es ist besser wenn ich ihm schreibe was ich zu sagen habe. Und wenn ich mich wieder besser fühle kehre ich hierher zurück.
………….du wirst wieder zu mir zurück kehren………..
Ich fuchtel mit meinen Händen durch die Luft um die unerwünschten Gedanken zu verscheuchen und mache mich daran Mathie einen Brief zu schreiben.

Mein lieber Freund,

Ich bin zurueck, verzeih mir, dass dir nur diesen Brief schreibe anstatt dich zu begrüßen und mit dir zu reden. Es ist, es gibt Dinge die mich davon abhalten. Vertrau mir – bitte.
Ich habe ihn gefunden. Es gibt ihn wirklich. Es ist viel geschehen aber ich kann noch bei weitem nicht alles in Worte fassen. Es war grauenhaft . Erschreckend. Er kannte mich, er ist ein Monster ein Untier, versprich mir dass du niemals dorthin gehen wirst, egal was auch noch geschehen mag. Und versprich mir dass du meine Tochter niemals dorthin gehen lassen wirst. Er wirde sie töten. Er würde dich töten.
Doch was wirklich wichtig ist. Er hat mir geholfen. Er hat mir verraten wie wir uns von dieser Plage befreien können. Wie wir die Krankheit die sich an unseren Wurzeln eingenistet hat und uns das Leben verseucht unschädlich machen.
Die Djovani werden bald eine Reise tun. Ein Handelsschiff wird in
Sveta Nedjelja anlegen und ihre Helfers Helfer werden es beladen sobald die Sonne untergegangen ist. Mit ihrem Hab und Gut und mit Kisten. Schmuggelt Ölfässer unter den Proviant. Dann wartet ab. Ein Teil am Land. Ein Teil mit kleinen schnellen Booten. Segler am besten. Ihr müsst ihnen Zeit lassen ihr Werk zu vollenden. Ihr müsst warten bis das Unkraut an Bord gegangen ist. Niemand darf euch bemerken. Wartet entgegen dem Wind. Wartet bis der Morgen graut. Kurz nachdem sie abgelegt haben schlagt ihr zu. Die Sonne MUSS aufgegangen sein. Kein Kampf Angesicht zu Angesicht, ihr hättet keine Chance. Es muss ein Hinterhalt sein. Sobald dass Schiff auf dem Wasser ist müsst ihr einen Brand legen. Vielleicht mit Pfeilen oder brennende Lappen. Ein schnelles Feuer dass sich schnell ausbreitet. Sie dürfen es nicht löschen können. Kümmert euch nicht um diejenigen die von Bord springen könnten. Lass euch nicht ablenken. Das Schiff muss brennen. DAS ist das Ziel. DAS ist die einzige Chance die wir haben. Sie rechnen nicht damit dass ihr kommt. Die Überraschung liegt auf unserer Seite. Wenn ihr es nicht schafft ist unser Leben verwirkt, denn sie kämen zurück und würden uns nicht knechten sonder auslöschen.
Das ist was er mir verraten hat.
Wenn du überlebst, versprich mir dass du dich Alexas annimmst. Ich … muss noch Dinge erledigen. Sag ihr dass ich sie liebe und auch du kannst dir meiner Liebe gewiss sein teurer Freund.
So will ich verbleiben. Suche mich nicht.
Vergesse mich, ich bin tot, vergiftet und es gibt nichts was mich retten könnte. Rette Hvar. Hvar ist alles was zählt.
Du wirst es befreien und ich werde dafür sorgen dass es frei bleibt.
Sage meiner Tochter.
Helena, deine Mutter, dein Fleisch und Blut wacht über dich und Hvar für alle Ewigkeiten.
In Liebe

Lena

Ich lasse den Federkiel sinken und lese meinen Brief nocheinmal durch. Das steht es. Ich bin tot. Kein Adrenalin. Kein erhöhter Herzschlag. Nur leise schleichende Panik. Meine zitternde Hand legt sich auf meinen Mund. Nicht wimmern. Nicht schreien. Nicht die Lieben wecken und sie zu mir locken. Jemand greift in meine Gedärme, drückt zu, dreht rum und versucht sie mir aus dem Körper zu ziehen. Mir ist so unendlich schlecht. Kein Boden unter meinen Füßen. Ein Meer von Wahrheiten, zerbrochenen Spiegeln und Fragen in dem ich langsam aber sicher untergehe und kein rettendes Ufer – hätt ich noch so viel Kraft über um zu schwimmen. Es hätte keinen Sinn.
Ich lasse die Schreibfeder einfach fallen, flüchte aus meinem Heim, das nicht mehr mein zu Hause ist. Nie wieder. Meine Füße tragen mich in die Berge zurück. Wohin. Wohin? Mein Körper schreit.Er will Leben. Das Gift in meinem Leib muss besänftig werden. Sonst werde ich verrückt. Oder bin ich dass schon? War ich nicht verrrückt zugelassen zu haben vergiftet zu werden? Habe ich dass zugelassen? Wollte ich es gar??? Während ich laufe drücke ich meine Hände gegen meine Ohren, meinen Schädel um den Irrsinn darin rauszupressen.
Irgendwann bleibe ich stehen. Nicht ein nicht aus Wissend. Mein Denken zwingt mich weiter zu Laufen. Mein Verlangen drängt mich zurück ins Dorf. Zum Leben.
"Du bist zurück Lena Toth?"werde ich angesprochen. Für einen Moment befürchte ich Mathie wäre mir gefolgt. Aber schon in der nächsten Sekunde rieche ich dass es nicht er ist.
"Ja Jorgo"antworte ich leise und drehe mich um.
Jorgo Ruiden. Ein Schäfer der am Fusse der Berge lebt. Kein Kämpfer. Ein einfacher Hirte. Ein lieber, leicht untersetzter Mann mit Frau und drei Kindern. Mir war garnicht bewusst seiner Hütte so nah zu sein. Ich hoffe, ich bin nicht mit Absicht hier her gelaufen.
"Wir dachten du wärst tot" Er täschelt den Hund an seiner Seite der mich leise anknurrt liebevoll.
"Natürlich bin ich tot" erwider ich mit einem Lächeln."Meine ganze Familie ist tot Jorgo, dass weisst du doch" Zwei Gesichtig, doppelzüngig. Die Wahrheit sprechen kann eine Lüge sein, wenn du nur die richtigen Worte wählst. Meine Zunge spricht was anderes als was mein Kopf denkt. Aber dass weiss Jorgo nicht und ich könnte heulen dass es so ist.
"Ja…" Sagt er. "Toth bist du. Konnstest du…." Seine Stimme bricht ein wenig."Konntest du etwas erreichen? Hast du etwas gesehen dass uns hilft? Jemanden?" Da steht er vor mir. Seine Augen spiegeln die Angst, unser aller Angst um Hvar wieder. Dafür liebe ich ihn. Umso mehr schmerzt mich das aufkeimende Verlangen in mir.
"Ja"antworte ich leise und strecke ihm meine Hand entgegen. " komm mit und ich werde dir davon erzählen. Es war schlimm. Deine Frau und deinen Kindern sollen nichts davon hören müssen. Lass uns zu den Klippen gehen." Meine Stimme ist leise und ich habe Angst sie versagt mir. Er nickt und gibt mir seine Hand. Im Vertrauen. Wir kennen uns schon so lange…
Von den Klippen kehre ich alleine wieder. Besänftigt. Beunruhigt. Ich ziehe mich zurück. Ich fühle mich unendlich mächtig. Hvar wird nie wieder leiden müssen.

Veröffentlicht unter Vampire | Schreibe einen Kommentar